
Das Projekt Louvre - Abu Dhabi. Der Jahrhundertvertrag
Ich habe die Querelen um das Projekt Louvre - Abu Dhabi schon vergessen, aber im Figaro Magazine, der Hochglanzbeilage der Wochenendausgabe des Figaro, diesmal mit Titelbild der neuen Gefährtin des Nicolas Sarkozy Carla Bruni, werde ich daran erinnert. In einem der kitschigen Emiratspaläste, kitschiissime pâtisserie, im Zuckerbäckerstil, ist das Modell des Projektes ausgestellt. Es wird auf der Abu Dhabi Saadiyat Island, der Insel des Glücks verwirklicht, etwa 500 Meter von der Küste Abu Dhabis entfernt und durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. (1)
Der Vertrag zwischen Paris und Abu Dhabi wird den Museen Frankreichs eine Milliarde Euro einbringen. Für diesen Betrag helfen sie dem Scheichtum, sich ein kulturelles Zentrum zuzulegen, das höchsten Ansprüchen genügt. Nicht eingerechnet sind die Gewinne aus dem unter der Leitung des französischen Architekten Jean Nouvel zu errichtenden Gebäudekomplex. Der Architekt hat in Paris bereits die Gebäude des Institut du monde arabe und des Museums Quai Branly entworfen und gebaut.
Die linksradikalen und nationalistischen Kritiker des Projektes Louvre - Abu Dhabi nennen die Aktivitäten "Abgleiten ins Kommerzielle". (2)
Wie die Linken Frankreichs, findet auch Max Bönnemann, im zenith, es einer besonderen Erwähnung wert, über die durch die Scharia den Künstlern und Galeristen auferlegten Restriktionen zu berichten, und nicht nur das, sondern er betont es wie seine französischen linken Glaubensbrüder negativ: Rundgang durch die "Art Paris": Aktzeichnungen sucht man im Emirates Palace vergeblich. "In einer Moschee nehme ich ja auch entsprechend Rücksicht, obwohl ich nicht an Gott glaube", erklärt der Pariser Galerist Baudoin Lebon seine Auswahl der Bilder, wobei er sich etwas unsicher umschaut. Eine Selbstzensur sei dies deshalb nicht, versichert er. (3)
Max Bönnemann ist Autor im Dienste der Bundesregierung und der deutschen Interessen, bei qantara.de schreibt er einen Artikel über den Islam in deutschen Schulen. Er ist Redakteur des Newsletters des Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V. (Ghorfa), da ist die Stoßrichtung klar: machen die Franzosen das Milliardengeschäft, wird der Konkurrent ins schlechte Licht gerückt, der Pariser Galerist schaut sich etwas unsicher um, er versichert, daß es nicht um Selbstzensur gehe. Der Autor überläßt es dem so eingestimmten Leser, die Selbstzensur klar zu erkennen. Der deutsche Aussteller Frank Pages und sein Angebot dagegen werden im besten Licht dargestellt; derweil wird der Name des französischen Galeristen Baudoin Lebon schon bei der zweiten Nennung verballhornt. Die Anpassung des Deutschen lautet bei Max Bönnemann: Meist hält sich Frank Pages mit der Präsenz an seinem Ausstellungstand zurück: "Die Besuche der schwarzverschleierten Damen bleiben sonst aus." Vorbildlich! (4)
Das Vorgehen erinnert an den deutschen Neid der Vertragsabschlüsse der Areva in Libyen wegen. (5)
Es sind meist dieselben Leute, die sich einsetzen für das Kopftuch der Muslimas im deutschen öffentlichen Bereich, in Ministerien, Schulen und Krankenhäusern, wenn es aber um die Gesetzeslage in arabischen Ländern geht, dann stört die Scharia plötzlich, und konkurrierenden Geschäftsleuten wird es negativ angekreidet, wenn sie sich anpassen.
Véronique Prat rekapituliert im Figaro Magazine die Empörung der Pensionäre Françoise Cachin, Jean Clair alias Gérard Régnier und Roland Recht, und sie berichtet, daß die vier von den französischen Museen über zehn Jahre zu bestückenden temporären Ausstellungen in ihren Themen gewiß der Scharia Rechnung tragen würden, obgleich die Scheichtümer keine präzisen Vorgaben gemacht hätten. Eine Ausstellung über die Erotik in der Kunst etwa werde vermieden, sagt der Direktor der Gemäldegalerie des Louvre Vincent Pomarède.
Die Museen Frankreichs wollen mit den Einnahmen, wie bereits in meinem Artikel vom Januar berichtet, ein modernes Zentrum der Restauration sowie Neuankäufe auf dem mit astronomischen Preisen gesegneten Kunstmarkt finanzieren. Zum Abschluß ihres Artikels merkt Véronique Prat an, daß es zum Projekt Louvre - Abu Dhabi ein anderes Angebot an Scheich Sultan bin Tahnoon gegeben habe. Quatre très grands musées, vier sehr große Museen, die Ermitage Sankt Petersburg, der Prado von Madrid, das Kunsthistorische Museum Wien und das Topkapi-Museum in Istanbul, hätten vorgeschlagen, sich zusammenzuschließen, um Abu Dhabi ein außerordentlich umfangreiches Museum der klassischen Kunst aufzubauen, aber die "Marke" Louvre sei für den Zuschlag maßgebend gewesen. (6)
Von einer etwaigen Beteiligung eines deutschen Museums am Projekt des Kulturzentrums von Abu Dhabi oder an einem anderen arabischen Kulturprojekt ist mir nichts bekannt, im Gegenteil, die deutsche Kulturszene steht den französischen Pensionären an Arroganz in nichts nach; man kann es einem Tagesspiegel-Artikel von Jörg Schurig entnehmen. Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlung Dresdens Prof. Dr. Martin Roth versucht, seine Kollegen zur Jagd zu tragen: "Wer glaubt, er würde damit die eigene Identität verkaufen, hat wohl ein mangelndes Selbstbewusstsein", sagte Roth. Damit bezog er sich auf Kritik auch aus Deutschland am Plan des Pariser Louvre, künftig in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate/VAE) eine Filiale zu eröffnen. (7)
Die Große Koalition verschläft auch auf dem Gebiet der Kultur die Zeichen der Zeit. Während einerseits der Innenminister mit Funktionären des fundamentalistischen Islams verhandelt, und der Außenminister mit Extremisten wie Muhabbet im Chor auftritt, und sie damit der Radikalisierung in Deutschland Vorschub leisten, versäumt es die Innen- und Außenpolitik der Bundesregierung, den Muslimen und den islamischen Staaten den ihnen gebührenden Platz einzuräumen. Martin Roth meint treffend: Man versteht dort (in den arabischen Staaten) nicht, weshalb sich Deutschland so ablehnend gegenüber dem Islam generell verhält, anstatt die Nähe zu den pro-westlichen Kräften zu suchen und den moderaten Islam zu unterstützen.
Gespannt bin ich jetzt, was es in Frankreich Neues gibt von den Bewahrern des kulturellen Eigentums, von Didier Rykner, Françoise Cachin, Jean Clair und Roland Recht. Die Museen sind nicht zu verkaufen, schreiben die drei letztgenannten Pensionäre am 13. Dezember 2006 in Le Monde. Den Artikel übernimmt Didier Rykner auf der Tribune de l´art und auch im Clio Web ist er archiviert. Seit meinem Artikel vom 30. Januar 2007 hat sich einiges getan. Auch andere Kritiker des angeblichen Ausverkaufs Frankreichs kommen zu Worte. (8)
Der Diplo darf nicht fehlen. Die 1001 Tricks der Museen, sich zu verkaufen, titelt Le Monde diplomatique in der Ausgabe vom Februar 2007. Die Transformation der Kultur ins Spektakel beklagt der Journalist Philippe Pataud Célérier. Abgelegt ist der Beitrag im Archiv des Diplo unter Kultur, Kommerz, USA, Golf. Wie auch anders in dem Land, in dem man alles, was man nicht leiden kann, in die anti-amerikanische Schublade verbannt. Die Erhabenheit der linken Elite Frankreichs über die Unkulturen der USA und der Golfstaaten könnte nicht besser dokumentiert werden. (9)
In Frankreich ist das schönste Wort des Augenblicks pipolisation. Allein in den Google.fr-Aktualitäten gibt es 35 Angebote dazu. Mit der Wortschöpfung pipolisation belegen die Besitzer der Wahrheit, was als unfranzösisch und von den USA oktroyiert zu gelten hat, die Bekanntgabe der neuen Liaison des Präsidenten beispielsweise. Während sich die Vertreter von Kultur und Medien sonst nicht genug anstrengen können, Anglizismen aus ihrer Sprache fernzuhalten, Emails courriel zu nennen, den PC ordinateur und den guten alten Walkman baladeur, erfinden sie eigens eine dem englischen Sprachschatz unbekannte Vokabel, um ihrem Abscheu gegen die USA Ausdruck zu verleihen. Da die meisten Franzosen des Englischen nicht mächtig sind, und sie deshalb nicht wissen, wie man people ausspricht, wird die englische Sprache von den Medien gnadenlos verbogen. Selbstverständlich gibt es diese Mißgeburt von Wort nur bei den eleganten Franzosen, oder kennt einer "Pipolisierung" - ich bin ja schon ´ne Weile fort aus Deutschland. In den deutschen Medien findet man jedenfalls "Pipolisation" nur als Zitat aus dem Französischen.
Philippe Pataud Célérier beginnt bei der Zusammenarbeit des Louvre mit dem High Museum of Art in Atlanta, einem immensen Komplex der Unterhaltungsindustrie. Immerhin, erst im zweiten Absatz kommt er bei Coca Cola an, in dieser Stadt Atlanta sei das Getränk 1886 erfunden worden: The World of Coca Cola. Das Unternehmen sei Mäzen des Projektes Louvre - Atlanta. Damit ist alles gesagt: Die Ziele sind klar! Auch der Autor des Diplo rechnet ganz selbstverständlich nichtfranzösische Kunstwerke zu Frankreichs Kultureigentum. Raphaels Porträt des Balthazar Castiglione (1514-1515) geht nach Atlanta. Empörung!
Was das Projekt Louvre - Abu Dhabi angehe, so sei Didier Rykner die vigie salutaire, etwa der heilsame Wachposten. Er erkennt im Projekt Louvre - Abu Dhabi die nächste Fehlentwicklung. Es kommt nicht unerwartet, daß die finanzielle Seite der Zusammenarbeit im Diplo behandelt wird à la Robert Brasillach. Der Kampf gegen das Geld bestimmt schon den späteren Nazi-Verbrecher, der anschreibt gegen diese furchtbare Ordnung dieser furchtbaren kapitalistischen Gesellschaft. Man müsse die Herrschaft des Geldes brechen. (10)
Das tut der französische Staat nicht, sondern er setzt neben der kulturellen Zusammenarbeit und der daraus folgenden PR-Wirkung für das Land schnöde auf Geldeinnahmen. Der Staat will, oder besser muß sich aus dem Kulturbetrieb zurückziehen, die Kulturstätten sollen sich langfristig selbst tragen. Das Entsetzen fließt dem Autor aus der Feder: die Kulturgüter Frankreichs werden zum Konsumgegenstand. Wie der Finanzminister die 2 Billionen, 2 000 000 000 000 Euro zur Bezahlung der Staatsschulden auftreiben soll, darüber steht nichts im Diplo. Die Arroganz der Linken ist grenzenlos, man braucht nur das Programm der Ligue Communiste Révolutionnaire zu lesen, um einen Eindruck von der Abgehobenheit der französischen Linken zu erhalten. Es versteht sich, daß sie sich nicht für das Wohl der angeblich von ihnen vertretenen Gesellschaftsschichten interessieren. Wie nannte man solche bei uns? Kaviar-Kommunisten?
Der Louvre besitzt 380 000 Kunstwerke, von denen 35 000 ausgestellt und 1 500 jedes Jahr ausgeliehen werden. Das aber ficht die Kritiker nicht an, auch nicht, daß zwei von drei Franzosen nicht ins Museum gegangen sind im letzten Jahr. Sie verweisen auf 76 Millionen Touristen, die jährlich Frankreich besuchen und ein Anrecht auf die komplette Sammlung hätten, als ob die alle in die Museen eilten!
Der wirtschaftliche Aspekt wird vom Autor des Diplo am Beispiel des Museo Guggenheim Bilbao erwähnt: Zwei Jahre nach der Eröffnung des Museums stieg die wirtschaftliche Aktivität des Baskenlandes auf 775 Millionen Euro an, das ist gewissermaßen das Zehnfache der ursprünglichen Investitionskosten, und sie trägt bei zum Erhalt von jährlich 4 100 Arbeitsplätzen. Der Erfolg ist weltweit mediatisiert worden. Für eine Anzahl von führenden Politikern wird das nationale Kulturerbe ein wesentliches Mittel der wirtschaftlichen Entwicklung.
Wer nun meint, das risse Philippe Pataud Célérier zu Begeisterungstürmen hin, der täuscht sich. Im Gegenteil, das wird der Politik negativ angekreidet. Was interessiert einen gut dotierten Reiseschriftsteller und Journalisten die wirtschaftliche Entwicklung, das Einkommen von Museumswächtern, Andenkenverkäufern, Reinigungspersonal?
Sinnigerweise wird die Kritik am angeblichen Ausverkauf der französischen Kultur in Le Monde und im Diplo veröffentlicht, in Medien, die heute ihr Erscheinen einstellen könnten, wenn nicht Industrielle wie Arnaud Lagardère ihnen aus wirtschaftlichen und politischen Gründen das Überleben durch finanzielle Unterstützung in zweistelliger Millionenhöhe sicherten. Mit 20 Millionen Euro wird die Le Monde-Gruppe am Jahresende verschuldet sein. Die Heuchelei beider Medien habe ich in mehreren Artikeln dokumentiert. (11)
Es kommt auch vor, daß auf mysteriöse Weise eine Million Euro aus dem bolivianischen Busch als Geschenk an den Diplo gehen, die gesamten Ersparnisse des Gunter Holzmann, dessen Erben daran gar nichts auszusetzen haben, daß sie nicht bedacht werden. Die Geschichte ist so phantastisch, daß man sich ausschütten könnte vor Lachen, sähe man nicht, wie verblendet gläubige Linke den Märchenerzählern nachlaufen. (12)
Auf der Site des Didier Rykner gibt´s seit Ende Januar 2007 Neuigkeiten. Proteste der kommunistischen, sozialistischen und linksradikalen Gewerkschaften CGT, CFDT und SUD. Didier Rykner sorgt dafür, daß diese Bankrotterklärungen der Gewerkschaften der Nachwelt noch eine Weile erhalten bleiben.
"Erdöl gegen Kunst", Anti-Amerikanismus, die CGT weiß wer hinter dem Projekt steckt: die amerikanische Guggenheim-Stiftung, es handele sich um ein vulgäres kommerzielles Geschäft mit niedersten merkantilen Absichten, die Kunst bilde nur den Vorwand fürs Geschäft. Die Saadiyat Island sei ein Disneyland-ähnliches Gebilde, also nicht etwa zu verwechseln mit dem Astérix-Park. Die 380 000 Kunstwerke des Louvre haben in Frankreich zu bleiben, wenn auch zwei Drittel der Bevölkerung Frankreichs keinen Fuß in die Museen setzt, nicht einmal in deren Caféteria. Die CGT erklärt in ihrem Kommuniqué, daß sie sich gegen die geplante Agence internationale des musées de France ausspricht: Die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert, bei uns würde man sagen: Der Weg zur Hölle ...
Die Internationale Agentur der Museen Frankreichs soll das zukünftige Management des neuen Museums ausbilden. Diese Agentur wird für die Rekrutierung und Ausbildung von Museumspersonal sorgen und das wissenschaftliche und kulturelle Projekt des Museums begleiten. Das sichert Arbeitsplätze in Frankreich, und dagegen wendet sich die CGT. (13)
Die Kollegen von der sozialistischen CFDT Culture titeln: Non à la "Disneylandisation" de la Culture ! Die Anführungszeichen zeigen, daß das Wort anders als pipolisation noch nicht vollständig in den Sprachschatz der Franzosen eingezogen ist. Die Museen Frankreichs würden in Themenparks umgewandelt. Die CFTD sei gegen die Industrie des Kulturtourismus. Die Abteilung des Personals des Ministeriums für Kultur und Kommunikation CFDT Culture unterhält eine eigene Web Site, auf der sich die Beamten der französischen Regierung souverän über die Arbeitsmöglichkeiten anderer hinwegsetzen. In der Stellungnahme geht´s ebenfalls anti-amerikanisch zu, hat man doch in Atlanta auf einem T-Shirt den Begriff "Louvre" betrügerisch, frauduleusement (sic!), geschändet zu "I L(love)uvre Atlanta", mit dem weltbekannten Herzen an der Stelle des (love). Solches erklärt die angeblich dem Laizismus verschriebene Gewerkschaft CFDT zur "désacralisation", zur Profanierung, des musealen Tempels. Wann wird ein McDonald´s eingerichtet, fragen die Kulturvertreter der CFDT. Man sollte es nicht für möglich halten, daß diese arroganten Freunde des Parti Socialiste sich als Vertreter der Beschäftigten verstehen: Man muß lebhaftest protestieren gegen das Eindringen des Gewinnes dort, wo die gelehrte Zusammenarbeit und die Unentgeltlichkeit herrschten. Diese Beamten des französischen Staates sehen ihre Pfründe davonschwimmen, können sie doch bislang mit dem Verleih der Gemälde Politik in ihrem Sinne machen, Kommunikationsnetze aufbauen und sich auf Kosten der Steuerzahler profilieren. Wer das bezahlt? Was schert es sie!
Über die 345 000 im Louvre nicht ausgestellten Kunstwerke wissen die Kulturvertreter der CFDT: Sind das nicht Meisterwerke, die der Betrachtung des steuerzahlenden berechtigten Publikums zu Unrecht vorenthalten werden? Wer es nicht glaubt, daß dieser Unsinn von Ministeriumsbeamten verbreitet wird, lese selbst das Flugblatt. (14)
Die linksradikale, der Ligue Communiste Revolutionnaire nahestehende Gewerkschaft SUD Culture Solidaires argumentiert ähnlich. Das Projekt Louvre - Abu Dhabi finde statt ohne Transparenz, gegen kulturelle Ethik; unter Verachtung des Prinzips der Unentgeltlichkeit handele es sich darum, daß die französischen Museen im Austausch für Petrodollar verpflichtet würden, über mehrere Jahre Kunstwerke auszuleihen, sich in den Dienst einer Monarchie zu stellen, die nicht durch Demokratie und nicht durch einen universellen Blick auf die Kunst hervorsteche. Und was ist der Preis für den Kauf von 10 Rafales? 2 Monate die Joconda, 3 Monate Picasso, 4 Monate Monet? (15)
Man sollte es nicht für einen Zufall halten, daß im Pamphlet von SUD Culture Solidaires nicht einfach von 10 Militärflugzeugen die Rede ist, sondern ausdrücklich von 10 Rafales. Die werden von Dassault produziert, vom Konkurrenzunternehmen zu Arnaud Lagardères EADS. Zu dessen Konzern gehört auch Mille et une nuits, der Verlag, in dem die Mitglieder von ATTAC und SUD Culture Solidaires publizieren. Das Schmutzblättchen des Serge Halimi, Redakteur des Diplo, Pour Lire Pas Lu informiert darüber bereits im Oktober 2000. (16)
Einen Monat nach dem Aufschrei über die Zusammenarbeit des Louvre mit Abu Dhabi findet dort der Salon d´armement statt. Für drei Airbusse K-330 interessiert sich die Luftwaffe der Emirate. Man kann es bei boursier.com unter dem Datum vom 20. Februar 2007 nachlesen. EADS unterhält ein Büro in den VAE. Das soll nicht heißen, daß nicht Dassault ebenfalls gute Geschäfte dort macht und einen beispiellosen Verkaufsanstieg seines Flugzeugs Falcon verzeichnen kann, es fällt nur auf, daß EADS ausgespart wird aus der Kritik. (17)
Was demokratische Prinzipien angeht, so sprechen sich die Gewerkschaftskollegen aus der Erziehung Sud Education Solidaires in einem Kommuniqué, vom 19. Dezember 2003, gegen das Verbot des Kopftuches in den Schulen aus; sie halten es offensichtlich als mit Würde und Gleichberechtigung der Frauen und Mädchen vereinbar. Die Zusammenarbeit dieser linksradikalen Kreise mit dem Muslimbruder Tariq Ramadan auf dem Europäischen Sozialforum, November 2003, ist unvergessen. (18)
Soweit das Dossier Louvre Abu Dhabi des Didier Rykner und sein fortdauernder Kampf für die Integrität der Kunstsammlungen Frankreichs. Nirgends in den Kritiken stellt einer die Frage und beantwortet sie gar, woher der Staat weiterhin das Geld nehmen soll, den Kunstbetrieb zu managen, wie´s Didier Rykner und seinen Freunden genehm wäre. Es ist beängstigend, daß Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur und Kommunikation nicht über die finanziellen Möglichkeiten und Restriktionen ihres Hauses Bescheid wissen. Wer, wenn nicht sie, könnte realistische Argumente in die Debatte einwerfen.
Didier Rykner kündigt an, gegen eventuelle Zusammenarbeit des Louvre mit weiteren Standorten der Welt vorzugehen, Rio, Shanghai. Dabei unterstützen ihn nostalgische Pensionäre des Kulturbetriebes und Beschäftigte des zuständigen Ministeriums. Der Zeitung Le Monde wünsche ich, daß sie dann noch am Markt vertreten ist. Sie könnte in gewohnter Schizophrenie handeln und Fortsetzungsartikel zu dem von Françoise Cachin, Jean Clair und Roland Recht, vom 13. Dezember 2006, abdrucken. Gewiß finden sich wieder Unterstützer einer Petition. Olivier Besancenot soll gerade jetzt großen Zulauf haben: Für die 32-Stunden-Woche, gegen den Ausverkauf der Kultur Franreichs!
24. Dezember 2007
Quellen
(1) Abu Dhabi Saadiyat Island, pressebox, 2. Juli 2007
http://tinyurl.com/2eqx3g
Enabling Works begin on Saadiyat Island, Abu Dhabi. ASIATravelTips, May 10, 2006
http://www.asiatraveltips.com/news06/105-Saadiyat.shtml
(2) Le Louvre oder: Frankreichs Elite versinkt in Neid, Haß und Realitätsverlust.
30. Januar 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-01-30_20-34-59.html
(3) Bitte keine Akte! Von Max Bönnemann, zenith. Zeitschrift für den Orient,
17. Dezember 2007
http://www.zenithonline.de/archives/609-Bitte-keine-Akte!.html
(4) Galerie Baudoin Lebon Paris
http://www.baudoin-lebon.com/
Galerie Frank Pages
http://www.frankpages.com/
(5) Libyen und die Heuchelei der deutschen Politiker und MSM. 29. Juli 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-07-29_02-54-52.html
(6) Site officiel du musée du Louvre
http://www.louvre.fr/llv/commun/home_flash.jsp
Abu Dhabi. Le Louvre signe le contrat du siècle. Par Véronique Prat,
Le Figaro Magazine, 22 décembre 2007, p.40&42
http://tinyurl.com/23all4
(7) Kulturelle Expansion. Auf nach Abu Dhabi. Von Jörg Schurig, Der Tagesspiegel, 23. Oktober 2007
http://tinyurl.com/2kl2tj
(8) Les Musées ne sont pas à vendre. Par Françoise Cachin, Jean Clair ,
Roland Recht, Le Monde 13 décembre 2006
http://clioweb.free.fr/art/musees.htm
Dossier Louvre Abu Dhabi. Par Didier Rykner
http://tinyurl.com/245k2s
(9) Les mille et une astuces des musées pour se vendre. Par Philippe Pataud Célérier. Le Monde diplomatique, février 2007
http://www.monde-diplomatique.fr/2007/02/PATAUD_CELERIER/144 20
(10) Zeev Sternhell: Ni gauche ni droite. L´idéologie fasciste en France. Troisième édition, Bruxelles 2000, page 347 (Weder links noch rechts. Die faschistische Ideologie in Frankreich. Dritte Auflage, Brüssel 2000, Seite 347)
(11) Le Monde.fr prétexte à une nouvelle crise du quotidien. L´Express,
21 décembre 2007
http://www.lexpress.fr/info/economie/infojour/infos.asp?id=1 37509
Guggenheim Bilbao
http://www.guggenheim-bilbao.es/
(12) Das Querfrontprojekt ATTAC. Darin: Die Association Gunter Holzmann (AGH), 12. Januar 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-17_21-12-35.html
(13) Création d´une Agence internationale des musées : l´enfer est pavé de bonnes intentions ... Par CGT culture, 30 janvier 2007
http://www.latribunedelart.com/Debats/Debats_2007/Communique _Cgt.pdf
(14) Non à la "Disneylandisation" de la Culture ! CFDT Culture, 29 janvier 2007
http://www.latribunedelart.com/Debats/Debats_2007/Communique _Cfdt.pdf
(15) Oui à la circulation des œuvres, non à la marchandisation de la culture.
SUD Culture Solidaires, 16 janvier 2007
http://www.latribunedelart.com/Debats/Debats_2007/Communique _Sud.pdf
(16) ATTAC contre ATTAC. PLPL no 1, octobre 2000
http://www.homme-moderne.org/plpl/n1/p7.html
(17) Bureau EADS aux Émirats arabes unis
http://tinyurl.com/2w6xun
(18) Communiqué, Sud Education Solidaires, 19 décembre 2003/25 août 2007
http://www.sudeducation.org/article262.html
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