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Israel einer Anfängerin [14]: Nächstes Jahr in Jerusalem!

Nun ist der ereignisreiche Tag in Jerusalem zu Ende, wir trinken noch ein Gl√§schen Rotwein, und ich falte meinen Stadtplan zusammen; ich ben√∂tige ihn nicht mehr. Er ist ein Werbeexemplar der Firma H. Stern, des international operierenden Juweliers. Die Firma unterh√§lt in Israel 36 L√§den und weltweit gibt´s L√§den in 36 L√§ndern. Mit mir haben sie insofern Pech, als ich mir nichts aus Juwelen mache, genauso wenig wie aus Arzneimitteln. Apotheken und Juweliere gingen pleite, wenn sie sich auf Kunden wie mich verlassen m√ľ√üten. (1)

Beim Namen Stern denke ich an Ruth Stern, genannt Sternchen, vom Carmel, in Haifa, meine Studienkollegin aus dem Studentendorf Berlin-Schlachtensee. Vor 42 Jahren habe ich sie zuletzt gesehen. Wo mag sie wohl abgeblieben sein? Nicht mehr aufzufinden? Bei meiner n√§chsten Reise werde ich jedenfalls nach Haifa fahren und nachforschen. Wenn ich keine Spur finde, bleiben immer die Stadt sowie die G√§rten und der Schrein der Baha´i zu besichtigen, die seit 2001 f√ľr die Allgemeinheit ge√∂ffnet sind. (2)

Meine n√§chste Jerusalemreise wird mich gewi√ü auf den Mount Scopus f√ľhren, zur Hebrew University, wo ich nicht nur die Chagall-Fenster, sondern auch das Shein Center for Research and Social Science suchen und hoffentlich finden werde. Auf der Web Site der Universit√§t ist es nicht vermerkt. (3)

Es lohnt sich aber, die wenigen Einträge zu lesen, die das Center erwähnen. Es finanziert Studien von Palästinensern in Großbritannien, des Nabil Khattab beispielsweise. Die Zusammenarbeit der britischen Universitäten mit Israel funktioniert also bestens. (4)

Am Center wird die Arbeit einer Wissenschaftlerin pr√§miert, die festgestellt haben will, da√ü Vergewaltigung und Nichtvergewaltigung durch Soldaten zwei Seiten derselben Medaille sind. In verschiedenen Situationen k√∂nne die Aus√ľbung der einen oder der anderen zu denselben Ergebnissen f√ľhren. Die israelische Wissenschaftlerin Tal Nitzan "belegt" damit, da√ü die Soldaten, ihre j√ľdischen Landsleute, infamsten Rassismus an den Tag legen, wenn sie die pal√§stinensischen Frauen nicht f√ľr w√ľrdig halten, von ihnen vergewaltigt zu werden. Zahlreiche Blogger in Israel berichten dar√ľber; bei uns nehmen sich Lizas Welt, Die Freunde der offenen Gesellschaft und andere dieses Schn√§ppchens an. (5)

Inzwischen haben sich auch israelische Satiriker daran gemacht. Im Israeli Satire Laboratory experimentiert satiricohen dazu: (6)

Gabi Ashkenazi gab an alle nichtvergewaltigten arabischen Frauen eine Entschuldigungserkl√§rung ab und versprach eine sorgf√§ltige Untersuchung √ľber die Gr√ľnde daf√ľr: "Nat√ľrlich tun wir das Beste, das wir k√∂nnen, unsere Soldaten zur Vergewaltigung arabischer Frauen zu ermutigen, damit wir sie nicht beleidigen," sagte Ashkenazi, "nach allem ist, wie Nitzan betont hat, die Wirklichkeit der Besatzung schwierig genug, ohne da√ü frau zus√§tzlich durch die Erfahrung des Schreckens f√ľrs Leben des nicht auch noch Vergewaltigtwerdens gehen sollte."

Da kommt der Geist von Entebbe durch, an der legend√§ren Operation nimmt Gabi Ashkenazi als junger Offizier teil, jetzt ist er Nachfolger des im letzten Libanonkrieg erfolglosen Dan Halutz und k√ľmmert sich um die vernachl√§ssigten arabischen Frauen. (7)

An der Hebrew University forschen die merkw√ľrdigsten Wissenschaftler. Da gibt es solche, die glauben, Hebrew University scientists believe (sic!), da√ü Gro√üz√ľgigkeit genetisch programmiert ist. Sie f√ľhren ein Experiment durch, an online task, mit 203 Online "Spielern". Jeder Spieler kann w√§hlen, den Gegenwert von 12 Dollar (zu der Zeit wahrscheinlich 50 Schekel bzw. 8 Euro), die er bekommt, zu behalten oder alles oder einen Teil einem anonymen anderen Spieler zu geben. Von allen Spielern ist die DNA bekannt, diese wird mit der Reaktion ihrer Besitzer abgeglichen. Diejenigen, die gro√üz√ľgig mit dem Geldbetrag umgehen und im Durchschnitt ann√§hernd 50 Prozent mehr Geld geben als ihre Mitspieler, haben gewisse Varianten eines als AVPR1a bezeichneten Gens in ihrer DNA. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Genes, Brain and Behavior ver√∂ffentlicht und im Internet ausf√ľhrlich berichtet worden. (8)

Das Ergebnis legt nahe, daß Altruismus eine tief wurzelnde Geschichte hat, die eine neue Rolle eingenommen haben mag während der menschlichen Entwicklung, schätzt der TS-Si News Service ein.

Die Hebrew University tr√§gt auch in diesem Fall wie in dem der Tal Nitzan dazu bei nachzuweisen, da√ü nicht etwa Ethik, Vorstellung von der Menschenw√ľrde und vom menschlichen Zusamenleben, die Handlung von Menschen bestimmt, sondern an Hand von gro√üz√ľgig vergebenen 12 Dollar sei in einer Online Spielsituation mit 203 Beteiligten nachgewiesen worden, da√ü unser Verhalten entscheidend von den Genen abh√§ngt. Schon f√ľr die Feldmaus gebe es √§hnliche Ergebnisse. Das Tier kennt weder freie Entscheidung noch Ethik und Moral, und so soll´s auch beim Menschen funktionieren. Im letzten Satz seines Beitrags relativiert TS-Si News Service das Ergebnis, und es hei√üt, die Genbeschaffenheit trage bei (!) zum Entscheidungsproze√ü in einem √∂konomischen Spiel. (9)

Lawrence Auster f√ľhrt am Beispiel der neuesten Funde √ľber die Abstammung der Wale von Lands√§ugetieren vor, was im Wissenschaftsbetrieb und in der √Ėffentlichkeit abl√§uft: die Umbenennung von Hypothesen in religi√∂se Gewissheiten: (10)

Ja, in Wirklichkeit ist es ihre Religion, es ist ohne Frage absolut wahr. Aber sie k√∂nnen das nat√ľrlich nicht Religion nennen, also nennen sie es Theorie, was auf so viele Art so befriedigend ist (wenn auch riesige Schl√ľsselbereiche davon unbewiesen und immer unwahrscheinlich bleiben), da√ü sie alle √ľbereinkommen, es vorl√§ufig als wahr zu behandeln. Technisch und oberfl√§chlich betrachtet, agieren sie, als wenn es eine Theorie w√§re, w√§hrend sie es in Wirklichkeit als absolute Wahrheit behandeln. Sie benutzen wissenschaftlich klingende Sprache, um das vorw√§rts zu treiben, was tats√§chlich ihre Religion ist.

Man könnte es auch an der Klimakatastrophenhysterie festmachen.

Diese Verk√ľrzung einer Theorie, welcher und wessen auch immer, zur absoluten Wahrheit f√ľhrt zur Relativierung der Tatsachen. Jeder hat seine eigene Wahrheit, und richtig oder falsch gibt es nicht. Die Holocaustleugner f√ľhren es an der Judenvernichtung und Ilan Papp√© f√ľhrt das in Bezug auf die Geschichte Israels vor.

Das will ich bei meiner nächsten Reise nach Jerusalem näher erforschen; denn schließlich bedarf auch ich meiner ganz persönlichen Wahrheit.

28. Dezember 2007

Quellen

(1) H. Stern
http://www.hstern.co.il/

(2) Haifa - Carmel Mountain
http://www.youtube.com/watch?v=wH_iiKH31BA

The Bah√°´√≠s. The international Web Site of the Bah√°´√≠ Faith
http://www.bahai.org/

(3) The Faculty of Social Science. the Hebrew University of Jerusalem
http://social.huji.ac.il/eng/research.htm

(4) Social capital, students´ perceptions and educational aspirations among Palestinian students in Israel. Nabil Khattab, BNET Research Center,
November 2002
http://findarticles.com/p/articles/mi_qa3765/is_200211/ai_n9 100172/pg_7

Nabil Khattab. The CCSR, Faculty of Social Sciences and Law, The University
of Manchester
http://www.springerlink.com/content/w1673m771333g608/

(5) Vergewaltigungssoziologie. Lizas Welt, 28. Dezember 2007
http://lizaswelt.blogspot.com/2007/12/vergewaltigungssoziolo gie.html

Die Dialektik des Nicht-Vergewaltigens. Von Daniel Fallenstein, FdoG,
25. Dezember 2007
http://tinyurl.com/34vwqt

The real reason Israeli soldiers don´t rape Palestinian women. A Mother in Israel, December 21, 2007
http://tinyurl.com/3au6zq

(6) Sociologist Uncovers New Israeli Abomination: IDF Soldiers Not Raping Arab Women! By satiricohen, Israeli Satire Laboratory, December 23, 2007
http://tinyurl.com/2ender

(7) Ashkenazi, Gabi ‚Äď IDF chief of staff. YnetNews, August 2, 2007
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3362535,00.html

(8) Genes, Brain and Behavior. Blackwell Publishing
http://www.blackwellpublishing.com/journal.asp?ref=1601-1848 &site=1

Are we genetically programmed to be generous? Hebrew University scientists say yes. Department of Media Relations, The Hebrew University of Jerusalem, December 6, 2007
http://tinyurl.com/2f9fos

(9) Variable DNA And The Occurrence Of Real Human Altruism. TS-Si News Service, December 8, 2007
http://ts-si.org/content/view/2768/993/

(10) The Darwinian Comedy Continues. By Lawrence Auster, View from the right, December 28, 2007
http://www.amnation.com/vfr/archives/009557.html

Lawrence Auster. A Voice for Traditionalist Conservatism
http://www.jtl.org/auster/

Bisher erschienen:

Israel einer Anfängerin. Episodio de la Historia
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html

Israel einer Anfängerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-20_18-17-23.html

Israel einer Anfängerin [3]: Tel Aviv-Yafo
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-24_18-50-35.html

Israel einer Anfängerin [4]: Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-25_17-54-33.html

Israel einer Anfängerin [5]: Neve Tsedek - Rehovot
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-26_20-51-40.html

Israel einer Anfängerin [6]: Kfar Saba
http://eussner.net/artikel_2007-12-03_23-45-13.html

Israel einer Anfängerin [7]: Maalot-Tarshiha
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-07_22-20-33.html

Israel einer Anfängerin [8]: Maalot-Tarshiha in Perpignan
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-09_22-20-26.html

Israel einer Anfängerin [9]: Shlomo Bohbot, Maalot und Tarshiha
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-13_22-57-27.html

Israel einer Anf√§ngerin [10]: R√ľckkehr nach Kfar Saba
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-15_19-07-30.html

Israel einer Anfängerin [11]: Auf dem Weg nach Jerusalem
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-18_19-02-01.html

Israel einer Anfängerin [12]: Dieses Jahr in Jerusalem!
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-20_23-28-21.html

Israel einer Anfängerin [13]: Ein Tag in Jerusalem
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-26_21-23-45.html



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