
Mehdi Ahari Mostafavi mit einer Delegation im Vatikan
"Man guckt sich an, wer einem was sagt," ist einer der Lehrsätze meines ersten Berufsjahres, bissig formuliert von meinem Chef, aber treffend; eine Reduzierung der lasswellschen Formel der Kommunikation auf "Wer?" (1)
Bemerkenswert daran ist, daß damit die Komponente hervorgehoben wird, die immer dann zurücktritt in der Nachrichtengebung, wenn das Publikum durch den Inhalt der Nachricht ("Was?") von einer anderen oder allen übrigen Komponenten abgelenkt werden soll; am Beispiel des von PI vorgestellten Artikels des Italien- und Vatikan-Korrespondenten der FAZ Heinz-Joachim Fischer, am PI-Beitrag sowie an dessen mehr als 130 Kommentaren über die Gespräche zwischen Katholiken und Schiiten wird es deutlich: einmal eingeschworen, verläßt niemand die vom Medium vorgegebene Richtung. (2)
Wer seitens der Schiiten die Gesprächsteilnehmer des Treffens sind, bleibt im Artikel der FAZ ungewiß, obgleich der Autor aus Rom berichtet, und das bereits seit Jahrzehnten. Die Informationen über die iranischen Teilnehmer sind so gehalten, daß man Genaueres über sie im Internet nur mühselig finden kann. Man starte einen Versuch mit der Bezeichnung der Herkunftsinstitution des Mehdi Mostafavi: (3)
- führende iranische Theologen
- führenden islamische Theologen
- das "Zentrum für Interreligiösen Dialog der Organisation Islamischer Kultur und Beziehungen" aus (sic!) Teheran
- der Leiter des Teheraner Zentrums, Mostafavi. Es gilt als sicher, dass Mostafavi für die Gespräche die Rückendeckung der iranischen Staatsführung und Glaubensbehörden hatte
Das angebliche Zentrum für interreligiösen Dialog heißt in englisch Islamic Culture and Communication Organization (ICCO), Organisation für islamische Kultur und Kommunikation - von "interreligösem Dialog" keine Spur. Bei dieser typisch westlichen Bezeichnung handelt sich um eine Erfindung der FAZ.
Update: Das Zentrum für interreligiösen Dialog stammt von der Site der Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz. Dort sind auch die Teilnehmer des Colloquiums namentlich aufgelistet. (4)
Anders verfährt der FOCUS, in dessen aufbereitetem dpa-Artikel Spuren gelegt werden, die man mit Google im Internet verfolgen kann. Mostafawi bzw. Mostafavi hat einen Vornamen, die iranische Behörde wird englisch bezeichnet, und auch die anderen Informationen, mit Ausnahme der fehlenden gemeinsamen Erklärung im Wortlaut, gehen über die der FAZ hinaus. Andererseits übernimmt der FOCUS die Erfindungen der FAZ über den "interreligiösen Dialog" ungeprüft: (5)
- führende schiitische Theologen
- das Zentrum für den interreligiösen Dialog der "Islamic Culture and Relations Organization"
- eine Delegation der iranischen Muslime unter der Leitung von Mehdi Mostafawi, der auch Irans Präsidenten in religiösen Fragen berät
- die iranische Nachrichtenagentur Fars
Heinz-Joachim Fischer verschweigt, "wer einem was sagt", und das wird verständlich, wenn man sich die Websites des Delegationsleiters der eingeladenen Schiiten anschaut.
Die Islamic Culture and Relations Organization oder auch Islamic Culture and Communication Organization (ICCO) ist eine Unterorganisation politischer Entscheidungsbefugnis des in der Stadt Qom, dem wichtigsten Platz des schiitischen Islam, ansässigen konservativ dominierten Secretariat of Supreme Council of Cultural Revolution (SCCR), des Sekretariats des obersten Rates der Kulturrevolution. In Qom studiert seinerzeit Ayatollah Ruhollah Khomeini. (6)
Ein Foto der Ayatollahs Ruhollah Khomeini und Ali Khamenei sowie Ansichten aus dem Jahr 1985 der beiden Religionsführer zur Islamisierung der iranischen Schüler- und Studentenschaft, zur Vertiefung der Kulturrevolution durch den Islam, geben die Richtung vor: gegen die Kulturinvasion durch den Westen in unserem Land und in den islamischen Gesellschaften, Säuberung des Geistes der islamischen Gesellschaft von diesen injizierten, schädlichen und zerstörerischen Elementen ..., wir sollten diese Kultur angreifen, auf allen Schlachtfeldern ist Angriff die beste Verteidigung.
Mitte der 80er Jahre beschränken sich die beiden Religionsführer auf die erste Aufgabe, die Islamisierung der iranischen Gesellschaft. Die öffentliche Nichtregierungsorganisation, die revolutionäre Institution des University Jihad (UJ), des Universitätsglaubenskrieges, eine Brücke zwischen der Universität und den Industrie- und Dienstleistungszentren dient dieser Aufgabe. Für die Zukunft kündigt Ali Khamenei die zweite Aufgabe an, die Verbreitung der Kultur der islamischen Revolution durch kulturelle Beziehungen zu anderen Ländern, vor allem zu islamischen. Bei dieser Aufgabe ist das SCCR in Gestalt der Delegation des Mehdi Mostafavi in Rom. (7)
Im Abriß über die Geschichte des SCCR kann nachgelesen werden, welche Funktion die zwölf kulturellen Unterorganisationen des SCCR haben, die Organisation Islamischer Kultur und Beziehungen bzw. Organisation für islamische Kultur und Kommunikation beispielsweise; sie dient der Islamisierung und der Abwehr westlicher Einflüsse. Weitere Unterorganisationen sind u.a. das Ministerium für islamische Führung und Kultur, die staatliche Nachrichtenagentur IRNA, die staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten und der Rat zur Koordinierung islamischer Propaganda. (8)
In der Zeremonie zur Ernennung von Mehdi Mostafavi zum neuen Leiter der Organisation, im Oktober 2007, hält der Außenminister des Iran Manouchehr Mottaki eine Ansprache über die Entwicklung des Nuklearprogramms des Iran: (9)
Des Feindes erbitterter Widerstand gegen den Erfolg des Iran bei seinem Nuklearprogramm war nur eine Ablenkung von seinem eigenen Mißerfolg. Mottaki fügte hinzu, daß die Zusammenarbeit des Iran mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Irans Feinde geärgert habe. Anstatt einen logischen Ansatz dem Iran gegenüber zu bewahren, verfolgen die Feinde der islamischen Republik ihre seit langem besiegte Politik ...
Das zur Einschätzung, um wen es sich bei Mehdi Mostafavi handelt: er ist, oder er war zumindest bis Juli 2007, der Erste Stellvertretende Außenminister des Iran. Bei einem solchen "Wer" könnte welches "Was" auch immer geschehen, Gutes, Verständigung, gar "interreligiösen Dialog" sollte man nicht erwarten, erst recht keinen Durchbruch für die Ethik und Moral des Christentums, sondern eher einen Einbruch. Der Papst habe den Herren die christliche Vorstellung aufs Auge gedrückt, meint Blogger Freespeech in einer Email an mich. Wo ist Dein messerscharfer Verstand hin, wie er sich auf Deiner Site Nebeldeutsch zeigt? Wer hat ihn Dir vernebelt, oder besser: hat "Wer?" ihn Dir geraubt? (10)
Der Papst tut dem Katholizismus und den Christen im Iran und den anderen islamischen Ländern keinen Gefallen, wenn er sich mit hochrangigen Islamfunktionären gemein macht. Das ist bereits anläßlich der Einladung des Mustapha Chérif deutlich geworden. (11)
Abwegig sind spitzfindige Überlegungen, der Papst hätte die iranische Delegation gewissermaßen benutzt, um die katholische Vorstellung zu manifestieren, gar die Schiiten festzunageln auf Zugeständnisse, hinter die sie nicht zurückkönnten. Im Islam kann man jederzeit hinter alles zurück, wenn´s der Verbreitung der Religion dient.
Der Vorgänger von Mehdi Mostafavi in der ICCO ist übrigens Mahmoud Mohammadi Araqi, dem der selbsternannte Oberrabbiner von Wien Moishe Arye Friedman auf einer von der ICCO organisierten Internationalen Konferenz in Isphahan über Constructive Interaction of Divine Religions, konstruktive Wechselwirkung von Göttlichen Religionen, huldigt. Auf solches Niveau begibt sich der Vatikan in den Gesprächen vom 26. bis 28. April 2008. (12)
3. Mai 2008
Update
Alan Posener bringt zusätzliche Informationen, darunter die, daß es sich bei Mehdi Mostafavi um den ehemaligen Botschafter des Iran in Bonn handelt. In den USA ist Ronald Reagan zu der Zeit Präsident; die Ernennung des Botschafters erfolgt im Jahre 1987! (13)
Gegen seine Ernennung protestierte das US-Außenministerium unter Hinweis auf Mostafavis Beteiligung an der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979 und der Geiselnahme des Personals. (Auch sein Freund Ahmadenidschad soll an dieser Heldenaktion beteiligt gewesen sein.) Laut "New York Times" wurden die Amerikaner von Vertretern der Kohl-Regierung mit dem Hinweis abgefertigt, sie seien "zu spät informiert" worden, um etwas gegen Mostafavis Ernennung zu unternehmen, faßt Alan Posener das Wesentliche des Artikels zusammen und weist auf die ungebrochene Tradition hin, daß nunmehr ein deutscher Papst diesen fundamentalistischen Muslim aufwertet. (14)
4. Mai 2008
Quellen
(1) Kommunikation: werwaswowem? 14. Juni 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-06-14_19-54-58.html
(2) Katholiken und Schiiten einigen sich auf gemeinsame Leitsätze.
Von Heinz-Joachim Fischer, Faz.net, 1. Mai 2008
http://tinyurl.com/5uxzm5
Papst entdeckt Gemeinsamkeiten mit Islam. PI, 2. Mai 2008
http://www.pi-news.net/2008/05/papst-entdeckt-gemeinsamkeite n-mit-islam/
(3) Heinz-Joachim Fischer. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-Joachim_Fischer
(4) Well, they ADMIT that they want to FORCIBLY CONVERT the World to their
REPULSIVE CULT. Message Board, aol United Kingdom, May 1, 2008
http://tinyurl.com/5c7apl
Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz "Mit Klugheit und Liebe"
http://www.cibedo.de/vatikan_schiiten_iran.html
(5) Vatikan-Islam-Papier. Appell für mehr Respekt. Von jub/dpa, FOCUS,
2. Mai 2008
http://tinyurl.com/6btee6
(6) Supreme Cultural Revolution Council (SCRC). GlobalSecurity.org
http://www.globalsecurity.org/military/world/iran/scrc.htm
Qom
http://www.bamjam.net/Iran/Qom.html
(7) Secretariat of Supreme Council of Cultural Revolution
http://www.iranculture.org/en/terms.php
(8) SCCR. Cultural Institutions
http://www.iranculture.org/en/nahad/index.php
(9) Mottaki: Iran´s N-program transparent. By CS/JC/RA, PressTV, Iran,
October 27, 2007
http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=28836§ionid=3510201 04
(10) Nebeldeutsch
http://nebeldeutsch.blogspot.com/
Documents Archive July 2007. Ministry of Foreign Affairs
http://web-srv.mfa.gov.ir/
Ministry of Foreign Affairs. Islamic Republic of Iran (ohne Mehdi Ahari Mostafavi)
http://www.mfa.gov.ir/cms/cms/Tehran/en/MinistryOfForeignAff airs/
(11) Mustapha Chérif bei Papst Benedikt XVI. 18. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-18_00-54-52.html
(12) Conference Of Constructive Interaction of Divine Religions, A Framework
for Global Order, Esfahan 18 and 19 March 2006. Palästinaplattform Österreich
http://www.filastin.at/friedmaneng.shtml
(13) Mehdi Ahari Mostafavi. Wikia.com
http://left.wikia.com/wiki/Mehdi_Ahari_Mostafavi
The Iranian Embassy in Bonn is a command center, and the Khaneh Behdasht-e-Iran in Cologne is another logistics headquarters for the regime´s terrorist operations in Europe. [27] The regime´s top officials in Germany are chosen from among those who have previous background and experience in terrorist activities. Mehdi Ahari-Mostafavi, Tehran´s former ambassador to Bonn, was one of the students who occupied the American Embassy in Tehran. He also shaped Iran´s terrorist network in Austria. Hassan Khosrojerdi, director of the House of Iran, a cultural center, was involved in terrorism in Syria and Lebanon. Ahmad Kan´ani, who preceded Khosrojerdi in that post, was also the Guards Corps commander in Lebanon.
27.Khaneh Behdashte-Iran is located near Cologne. It is closely linked to the Union of Islamic Associations in Europe, and many of the latter´s meetings are held there. Under the direct supervision of the Iranian Embassy in Bonn, it acts as a logistical support base for the regime´s terrorist activities.
Germany. An International Terrorist Network. Mohammad Mohaddessin: Terrorism: Iran´s Foreign Policy Instrument, New Delhi 2003
http://www.toleranceinternational.com/books_reviews.html
(14) Der Papst wertet das iranische Regime auf. Kommentar von Alan Posener, WeltOnline, 3. Mai 2008
http://tinyurl.com/5vv553
U.S. Links an Iran Envoy to Terrorism. By Elaine Sciolino, The New York Times, Published: October 10, 1987
http://tinyurl.com/5n4yuh
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