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Sylvain Gouguenheim wird in der "Lib√©ration" und der "Welt" vorgef√ľhrt

Der Islam ist eine Ideologie, die von ihren Gl√§ubigen Unterwerfung unter Allah und den von diesem herabgesandten und f√ľr alle Zeiten Wort f√ľr Wort g√ľltigen Koran fordert. Nach heute weitverbreiteter Lehre sollen ab seiner Erfindung und gewaltsamen Verbreitung durch Mohammed in einer Umgebung religi√∂ser Toleranz arabische Muslime in Philosophie, Medizin und den Naturwissenschaften gegl√§nzt und ihr Wissen den in Dunkelheit befangenen Christen gebracht haben.

Woher aber sollen die vielen arabisch-muslimischen Gelehrten kommen, die zum Ruhme des Islams t√§tig werden, warum nehmen sie nicht teil an der von ihnen im 13. und 14. Jahrhundert angeblich in Gang gesetzten europ√§ischen Renaissance, und warum gibt es heute trotz Milliarden Petrodollar keine von Muslimen geschaffene Bl√ľte der Philosophie und der Wissenschaften und keine nennenswerte Buchproduktion, von fehlender religi√∂ser Toleranz nicht zu reden, sondern werden stattdessen mehrere zig Milliarden Dollar des Gewinns aus dem Verkauf des Erd√∂ls in die Verbreitung der totalit√§ren Politideologie Islam gesteckt?

Das Buch des Medi√§visten Sylvain Gouguenheim gibt dar√ľber Auskunft: Aristote au Saint Michel. Les racines grecques de l´Europe chr√©tienne, Aristoteles auf dem Mont Saint Michel. Die griechischen Wurzeln des christlichen Europas. Roger-Pol Droit, Le Monde des livres, und Johannes Wetzel, Die Welt, haben es rezensiert, der eine in franz√∂sisch, der andere in deutsch, wobei es sich bei der deutschen Rezension vielmehr um eine einseitige Verf√§lschung und phantasievolle Erg√§nzung der franz√∂sischen handelt - das Buch kann Johannes Wetzel jedenfalls nicht gelesen haben. Wer franz√∂sisch liest, m√∂ge sich davon √ľberzeugen. (1)

Im Figaro erscheint ebenfalls eine positive Rezension, Les tribulations des auteurs grecs dans le monde chr√©tien, die mi√ülichen Abenteuer der griechischen Autoren in der christlichen Welt: Die These eines "Islams der Aufkl√§rung" widerlegend, zeigt Sylvain Gouguenheim, da√ü das antike griechische Wissen niemals aus Europa verschwunden ist, und da√ü die Araber, die diese Texte √ľbersetzten, keine Muslime waren; das "Dunkle Zeitalter" passe nicht als Bezeichnung f√ľr das europ√§ische Mittelalter. Wenn der Islam antikes Wissen in den Westen gebracht habe, dann vor allem dadurch, da√ü er diejenigen ins Exil getrieben habe, die sich weigerten, sich ihm zu unterwerfen. Die Hellenisierung der islamischen Welt sei √§u√üerst selektiv vonstatten gegangen, die Literatur, die Trag√∂die und die griechische Philosophie seien kaum aufgenommen worden durch die islamische Kultur. Die Logik und die Naturwissenschaften des Aristoteles h√§tten keinen Eingang in den Islam gefunden. Weder Die Metaphysik noch Die Politik sind ins Arabische √ľbersetzt worden. Von der Hellenisierung der islamischen Zivilisation zu reden, hie√üe, ihr Ethnozentrismus zu oktroyieren, eine Art Verwestlichung, die nicht den Tatsachen entspreche, meint der Rezensent St√©phane Boiron. (2)

So ist es. Griechenland repr√§sentiert f√ľr den Islam eine fremde Welt, wer das bezweifelt, der schaue nur, wie sich heute salafistische Islamfunktion√§re wie Tariq Ramadan winden, wenn es darum geht, Errungenschaften des Westens zu √ľbernehmen. Die unumst√∂√üliche Lehre des Koran, der Hadithen und der Scharia stehen dem entgegen, da√ü sich die islamische Gesellschaft auf eine Modernisierung im westlichen Sinne einl√§√üt. Es hat sich seit 1400 Jahren nichts daran ge√§ndert.

In der Welt kommt bei der Rezension durch Johannes Wetzel ein √§hnlicher Verschnitt heraus wie bei der Rezension des Buches von Hans-Peter Raddatz: Allah und die Juden durch den "Nachfolger des Eike Geisel"; der bezeichnet den Autor gleich zu Anfang als ehrenwerten Mann, also gewisserma√üen als Verr√§ter, und wertet das Werk als konfus, noch bevor er √ľberhaupt seinen Titel nennt: Der Islamkritiker Hans-Peter Raddatz ist ein ehrenwerter Mann, aber er hat leider ein ziemlich konfuses Buch geschrieben. Calamitas nimmt sich der Szenerie an, in der solches gedeiht, den Link zur Rezension von Welt und noch einen Link zum Lachen findet man dort, unter Grunz Oink K√∂ffk√∂ff Nebbich und Rebell im Kost√ľmchen und Depp im Feuilleton. (3)

Es ist sicherlich kein Zufall, da√ü die Welt immer dann, wenn es sich um B√ľcher mit islamkritischem Inhalt handelt, in eine Rezensentenkartei greift, in der durch ihre Ideologie beschr√§nkte Autoren gebunkert sind; mit Hilfe dieses Personals werden unliebsame Erkenntnisse, die sich aus der Lekt√ľre der B√ľcher ergeben k√∂nnten, verhindert oder zumindest gemildert. Im Falle des Johannes Wetzel handelt es sich um einen freien Journalisten, Jahrgang 1963, mit Sitz in Paris. Von dort versorgt er die Berliner Zeitung, Die Welt, France Inter, die Internationale Politik der DGAP u.a. mit seinen ideologisch eingef√§rbten Informationen. (4)

Sein Beitrag in der Berliner Zeitung, vom 6. August 2006, √ľber den Libanonkrieg, Sommer 2006, mag als Beispiel dienen, dies nachzuweisen. Dort schreibt er vom Angriff Israels und dem gro√üen Verst√§ndnis, das die intellektuellen Meinungsf√ľhrer Frankreichs daf√ľr h√§tten; er nennt zwei Juden, Bernard-Henri L√©vy und Marek Halter. Nichtj√ľdische Intellektuelle, die Israels Reaktion auf die Entf√ľhrung seiner Soldaten von israelischem Territorium aus verstehen, scheint es demnach in Frankreich nicht zu geben. Der wirkliche Verantwortliche f√ľr den Krieg sei Israel, meint Johannes Wetzel im Einklang mit John Berger, Noam Chomsky, Harold Pinter und Jos√© Saramago, die am 27. Juli 2006, mitten im Krieg, in Le Monde ein Forum finden f√ľr ihre anti-israelische Hetze. F√ľr die vier Autoren ist der Krieg der Entf√ľhrung zweier Zivilisten aus Gaza und nicht den Entf√ľhrungen der drei israelischen Soldaten geschuldet, aber niemand au√üer der t√ľrkischen Presse habe √ľber die Entf√ľhrung aus Gaza berichtet. (5)

Nun geht es in der Gestalt von Sylvain Gouguenheim wieder um einen Juden, der unbotm√§√üige √Ąu√üerungen tut. Sie erregen Unbill bei Johannes Wetzel, entsprechend w√§hlt er seine Worte: Sylvain Gouguenheim behauptet ..., er widerspricht Pulitzer-Preistr√§ger David Levering Lewis ..., er r√ľckt Gegner in die geistige N√§he von "Himmlers Freundin" und argumentiert auch mit Klischees. So eingestimmt, br√§uchte der Leser von Welt gar nicht mehr weiterzulesen, noch dazu, da es sich um die Rezension eines Buches in franz√∂sisch handelt, das dem von Pulitzer-Preistr√§ger David Levering Lewis: God´s Crucible: Islam and the Making of Europe, in englisch, entgegengesetzt ist. Wahnsinn, wie wahrhaft weltl√§ufig die Welt ist, oder bringt sie die Resenzion jetzt, da sie davon ausgeht, da√ü es dem Buch des Sylvain Gouguenheim √§hnlich geht wie dem des Sylvain Besson: La Conqu√™te de l¬īoccident. Le projet secret des islamistes. Die Eroberung des Westens. Das Geheimprojekt der Islamisten, da√ü es ebenfalls keinen deutschen Verleger findet? Beide B√ľcher sind in den Editions du Seuil erschienen. (6)

Der n√§chste Satz, nach dem fett gedruckten Anrei√üer, verbiegt das Zitat aus der Rezension des Roger-Pol Droit, der seinen Artikel so beginnt: Erstaunliche Richtigstellung der derzeit herrschenden Vorurteile, wird diese Arbeit des Sylvain Gouguenheim Debatten und Polemiken herausfordern. Daraus wird bei Johannes Wetzel in aller Plattheit: Das Res√ľmee des Kritikers lie√ü ahnen, dass es noch √Ąrger geben wird.

Roger-Pol Droit stellt den Autor vor: Dieser √§u√üerst ernsthafte Hochschullehrer, Professor f√ľr Geschichte des Mittelalters an der Ecole normale sup√©rieure von Lyon, bringt eine Reihe von vorherrschend gewordenen √úberzeugungen zu Fall. In den letzten Jahrzehnten sei man, vor allem Alain de Libera oder Mohammed Arkoun, Edward Sa√Įd oder dem Europarat folgend, einer falschen F√§hrte gefolgt, betreffend den Islam in der Geschichte der europ√§ischen Kultur.

Vor dieser Erkenntnis bewahrt den Johannes Wetzel und die Leser der Welt die Lib√©ration, in der un collectif, ein Kollektiv, eine Gemeinschaft (sic!) von 56 Medi√§visten, Historikern und Philosophen, den Forschungsergebnissen des Sylvain Gouguenheim widerspricht: Ja, der christliche Westen schuldet der islamischen Welt Dank. In der Erkl√§rung werden die Hetzkampagne gegen den Autor eingel√§utet, die Entr√ľstung formuliert, seine Quellen als lange bekannt oder falsch hingestellt, von der ersten Seite an habe Sylvain Gouguenheim klargestellt, da√ü sich seine Studie auf die Zeit vom 6. bis 12. Jahrhundert beziehe, was von vornherein das Wesentliche ausklammere, n√§mlich die Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts. Es ist also weniger schwierig vorzugeben, da√ü die intellektuelle und wissenschaftliche Geschichte des christlichen Westens der islamischen Welt nichts verdanke!

Es spielt keine Rolle, da√ü Sylvain Gouguenheim das nicht behauptet, sondern nachweist, da√ü dem Islam (!) nichts Wesentliches zu verdanken ist. In der islamischen Welt wohnen vom Autor sehr gesch√§tzte √úbersetzer, er bemerkt lediglich, da√ü es sich bei diesen nicht um Muslime, sondern um Christen handelt. Die Juden l√§√üt er in seinem Buch au√üen vor. Ihr Anteil an der √úbersetzung der griechischen Philosophen, √Ąrzte und Naturwissenschaftler in welche Sprache auch immer, w√§re ein eigenes Thema. Was die fehlenden beiden Jahrhunderte angeht, so ist der Beitrag von Alexander Reiser lesenswert: Der Kaiser und der Kadi. Manuel II Palaeologos, der Lehnsmann des osmanischen Sultans Beyazit I, f√ľhrt mit dem "Muddaris", dem islamischen Oberrichter, einen Dialog, in dem das inzwischen ber√ľhmte Zitat f√§llt: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten". (7)

Es handelt sich um Gespräche unter Mitgliedern der griechisch-orthodoxen und der islamischen Elite. Bis in die Gegenwart ist es bekannt, daß es unter den islamischen Eliten aller Länder, vor allem unter den in den Westen ausgewanderten, solche gibt, die den westlichen in nichts nachstehen. Sylvain Gouguenheim befaßt sich aber nicht mit dem Thema, sondern damit, daß ab dem 6. Jahrhundert im Einzugsbereich des christlichen Abendlandes sowie unter den Christen im Orient eine rege Übersetzertätigkeit herrscht, und daß dem Islam dabei nichts Wesentliches zu verdanken ist.

Behauptung auf Behauptung aber f√ľhrt das Kollektiv an, um Sylvain Gouguenheim zu widerlegen und zu diskreditieren, ihn des Plagiates des Buchtitels zu √ľberf√ľhren, Aristote au Mont Saint Michel, der Titel stamme von Coloman Viola. Sylvain Gouguenheim bestreitet solches nicht, sondern er zitiert das Werk des Coloman Viola und f√ľhrt es in der Literaturliste auf. (8)

Der Text ist im Internet nachzulesen. Nichts deute darauf hin, da√ü der ausf√ľhrlich behandelte gro√üe Aristoteles-√úbersetzer, wie jedermann wisse und lehre, Jacobus Veneticus Graecus, Jacques de Venise, jemals einen Fu√ü auf den Mont Saint Michel gesetzt habe. Sylvain Gouguenheim schreibt, er habe in Konstantinopel gelebt und einen Teil seines Lebens, mit Sicherheit ab Ende 1120, auf dem Mont Saint Michel gearbeitet: Dieser italienische Geistliche, der in Konstantinopel lebte und auf dem Berg Saint Michel arbeitete, schuf ein immmenses Werk von bemerkenswerter Bedeutung. Er bezieht sich wie Coloman Viola auf die √Ąu√üerungen des Robert de Torigni, Abt des Klosters Saint Michel (1154 - 1186). (9)

Es ist beruhigend zu lesen, da√ü die Autoren des Kollektiv dies und anderes besser wissen, n√§mlich richtig. Das Buch des Sylvain Gouguenheim sei ein Expos√© von Forschungsergebnissen zweiter Hand, neueste Erkenntnisse w√ľrden darin nicht ber√ľcksichtigt, was die Methode betreffe, so bringe er das Vorhandensein eines Manuskriptes an einem gegebenen Ort durcheinander mit seiner Lekt√ľre, seiner Verbreitung, seiner √úbermittlung, seiner Anwendung, seinem Kommentar. Die Quellenkritik sei unausgewogen: die westlichen Chroniken sind w√∂rtlich genommen, w√§hrend die arabischen Quellen Objekt einer Hyperkritik sind, es w√ľrden Hypothesen widerlegt, die kein einziger seri√∂ser Forscher je aufgestellt habe, um es ihm zu erleichtern, die Wichtigkeit seiner "Revision" zur Geltung zu bringen. Wohlbekannte Forschungsergebnisse und Quellen seien unterdr√ľckt worden, damit der Autor habe zu Thesen gelangen k√∂nnen, die reine Ideologie seien.

Von Sylvain Gouguenheim w√ľrden die christlichen Araber und die byzantinische Welt in Europa eingemeindet, sein ewiges Europa sei mit dem Christentum identifizert, selbst wenn die Repr√§sentanten in Bagdad oder in Damaskus lebten. Das Buch m√ľnde in Kulturrassismus, als Beweis werden die Ausf√ľhrungen √ľber die unterschiedliche Struktur der indo-europ√§ischen und der semitischen Sprachen und die vom Autor daraus formulierten √úberlegungen herangezogen; diese sind in der Tat banal f√ľr denjenigen, der jemals versucht hat, Arabisch und Hebr√§isch zu lernen. Durch die Benennung der unterschiedlichen M√∂glichkeiten und Wirkungen der beiden Sprachgruppen zum Rassisten zu werden, das ist in der Tat eine neue wissenschaftliche Erkenntnis.

Den endg√ľltigen Todessto√ü als seri√∂ser Wissenschaftler erh√§lt Sylvain Gouguenheim vom Kollektiv durch den Hinweis auf die Methode des Ren√© Marchand: Man ist nun nicht mehr √ľberrascht zu entdecken, da√ü Sylvain Gouguenheim sagt, er sei inspiriert von der Methode von Ren√© Marchand (Seite 134), Autor, der extremen Rechten nahestehend, von Mahomet : contre-enqu√™te (L´Echiquier, 2006, zitiert in der Bibliographie), Mohammed: Gegenuntersuchung, und La France en danger d´Islam : entre Jihad et Reconquista (L´√āge d´Homme, 2002), Frankreich in Gefahr durch den Islam: zwischen Glaubenskrieg und Reconquista, der an hervorgehobener Stelle in den Danksagungen auftritt. Er bekr√§ftigt so, da√ü sein Gedankengang nichts an Wissenschaftlichkeit aufweist: er kommt aus einem ideologischen Projekt mit unakzeptablen Konnotationen.

Leider hat die Lib√©ration nicht genug Platz, den Titel des Buches √ľber Mohammed vollst√§ndig zu zitieren; er lautet: Mohammed. Gegenuntersuchung: ein zeitgen√∂ssischer Despot, eine gef√§lschte Biographie, 14 Jahrhunderte Desinformation. Es mag aber auch sein, da√ü diese Anschuldigung dem Kollektiv und seiner Zeitung derartig ungeheuerlich vorkommt, da√ü sie es nicht √ľber sich bringen, wissenschaftlich korrekt zu zitieren. (10)

Alle Fehler aufzuzählen, ergäbe eine ellenlange Liste, meint das Kollektiv. Die Kritiker gestehen zu, daß einiges in dem Buch unbestreitbar sei, aber was präsentiert ist als eine Revolution der Geschichtsschreibung, ist nichts als perfekte Banalität.

Ren√© Marchand jedenfalls ist entsetzt, da√ü Sylvain Gouguenheim und er als rechtsextrem eingesch√§tzt und damit wissenschaftlich disqualifiziert werden. Seine Einordnung ist der Tatsache geschuldet, da√ü er der Vereinigung Occidentalis auf deren Site ein Interview zu seinem Mohammed-Buch gibt. Bei Occidentalis handele es sich um eine Site, deren "islamovigilance" dar√ľber wache, da√ü Frankreich niemals islamisches Land werde, die Kontakte des Sylvain Gouguenheim seien mindestens als zweifelhaft zu bezeichnen. Sie h√§tten keinen Platz in einem angeblich seri√∂sen Buch der Sammlung eines gro√üen Verlagshauses, zitiert Pascal Rich√© zwei Professoren f√ľr Geschichte des Mittelalters, aus Paris und Montpellier. (11)

So bestimmen Kollegen des Sylvain Gouguenheim, mit wem er reden, wen er zu Rate ziehen darf, und sie geben eine Warnung an die Editions du Seuil, wen sie ver√∂ffentlichen, welche Richtlinien der Verlag einzuhalten habe. Von der Tatsache, da√ü Sylvain Gouguenheim gar nichts wei√ü von der Ver√∂ffentlichung bei Occidentalis, berichtet das Kollektiv nicht: "Ich habe seit f√ľnf Jahren - Epoche, da ich Jacques de V√©nise entdeckt habe - an verschiedene Personen Ausz√ľge meines Buches gegeben. Ich wei√ü √ľberhaupt nicht, was die einen oder die anderen daraus anschlie√üend haben machen k√∂nnen." (12)

Gabriel Martinez-Gros hat gemeinsam mit Lucette Valensi im Jahr 2004 ein Buch in den Editions du Seuil ver√∂ffentlicht, L´Islam en dissidence. Gen√®se d´un affrontement, Der Islam in der Abspaltung. Genese eines Zusammensto√ües; der Verlag beginnt die Vorstellung des Buches so: Der Islam klagt uns an. Man ermi√üt in seinen Klagen das Gewicht der Beschwerden des letzten halben Jahrhunderts, Entkolonisierung, Pal√§stina-Konflikt, Kaschmir-Frage, Mobilisierung gegen den Kommunismus. Aber gibt es viel weiter zur√ľckliegende Verletzungen, tiefere Wunden? Der Diskurs der Islamisten sagt so, erw√§hnt den Propheten und die Gr√ľndergeneration, listet die Litanei der 14 Jahrhunderte erlittener Beleidigungen auf, l√§dt die muslimischen V√∂lker ein, nichts zu vergessen, findet darin die zwingenden Gr√ľnde seiner K√§mpfe.

Die beiden Autoren versichern, da√ü es nicht darum gehe, diesen identit√§ren Diskurs hinwegzufegen, sondern festzustellen, da√ü er von der jungen muslimischen Generation mehr der Tatsache des schlechten Westens als der Tradition des Islams wegen gef√ľhrt werde. Das Buch handle von Modernisierungen, von "Reformen" zur Anpassung an die Moderne seit dem 19. Jahrhundert, zum Schlu√ü seien sich beide Autoren einig √ľber den Modernismus der islamistischen Bewegungen und √ľber das von ihnen pervertierte Erbe der Solidarit√§t mit der Dritten Welt - was immer das hei√üen mag, es dient der Besch√∂nigung der fundamentalistischen und terroristischen Aktivit√§ten, die nicht im Islam begr√ľndet angesehen werden, sondern als dessen Perversion. (13)

Julien Loiseau tritt oftmals mit Gabriel Martinez-Gros im Doppelpack auf, sie referieren und leiten Seminare zu Themen des mittelalterlichen Islams. Ihre wissenschaftlichen √Ąu√üerungen werden positiv zitiert auf islamischen Seiten, sie leben im Gegensatz zu Sylvain Gouguenheim im Einklang mit der von ihnen wissenschaftlich untersuchten Welt. Julien Loiseau ist wissenschaftliches Mitglied des Institut fran√ßais d´arch√©ologie orientale, mit Sitz in Kairo; dort h√§lt er des √∂fteren Vortr√§ge, beispielsweise √ľber die gro√üen durch Sultane und Aristokraten errichtete Bauwerke des islamischen Kairo. Sylvain Gouguenheim wird wohl keine derartigen Einladungen bekommen; der bekommt in einigen islamischen Staaten nicht einmal eine Stunde Aufenthalt. Man kann sich vorstellen, da√ü sich diese Islamwissenschaftler ihre guten Kontakte in die islamisch-arabische Welt nicht durch einen Sylvain Gouguenheim und seine Versuche √ľber die Geschichte des Mittelalters, vom 6. bis 12. Jahrhundert, zerst√∂ren lassen wollen. (14)

Unter den Unterzeichnern der Erkl√§rung, in der Lib√©ration, f√§llt au√üer den von Sylvain Gouguenheim in seinem Buch kritisierten oder nicht genannten Wissenschaftlern sowie dem von Johannes Wetzel erw√§hnten deutschen Emeritus Kurt Flasch auch Professor Charles Genequand auf, Ordinarius f√ľr arabische Philosophie an der Universit√§t Genf. Tariq Ramadan promoviert Mitte der 90er Jahre in Genf zum Thema Zu den Quellen des neuen Muslims, obgleich Charles Genequand, der Dekan der Philosophischen Fakult√§t und gleichzeitig sein Doktorvater, sowie zwei weitere Pr√ľfer aus der Pr√ľfungskommission zur√ľcktreten, weil sie nicht eine ideologische und tendenzi√∂se These absegnen wollen. Vom Doktorvater verlangte Korrekturen habe der Doktorand Tariq Ramadan nicht vorgenommen: Ich glaube, da√ü er sich √ľber mich lustig gemacht hat, sagt Charles Genequand, Spezialist f√ľr die arabische Welt, und er ist ein Ideologe, ein Pseudo-Intellektueller ...; er schreibt immer dasselbe Buch. Aber Tariq Ramadan findet politische Unterst√ľtzung bei Erica Deubler Ziegler, Genfer Gro√ür√§tin der Partei der Arbeit, und beim Genfer SP-Nationalrat Jean Ziegler. Die besorgen ihm willf√§hrige Gutachter, die von der Materie weit entfernt arbeiten. (15)

Nun hat sich der aufrechte Mann ins Kollektiv eingereiht, in dem alle den neuesten Forschungsstand sowie die Irrungen und Wirrungen des Sylvain Gouguenheim genau kennen. So viele Wissenschaftler k√∂nnen sich nicht irren, auch wenn die meisten der kritisierten Stellen in dem Buch so nicht vorkommen, und beispielsweise √ľber Emeritus Kurt Flasch bei Wikipedia zu lesen ist: Flasch verfasste und verfasst stimulierende Gesamtdarstellungen der mittelalterlichen Philosophie im ganzen wie auch von Denkerpers√∂nlichkeiten im einzelnen, wobei - so nicht wenige Kritiker - er in der Auswahl der ber√ľcksichtigten Autoren teilweise einseitig verf√§hrt und er daher in der Setzung der Interpretationsakzente nicht unumstritten ist. (16)

Es w√§re interessant, sich um die anderen Unterzeichner zu k√ľmmern, und von wem sie finanziert werden. (17)

Ich erw√§hne es, weil Johannes Wetzel ihn ohne diesen Zusatz vorstellt und ihn stattdessen als unumstrittenen Zeugen der Anklage auff√ľhrt. √Ąhnliches ex cathedra wird auch David Levering Lewis zuteil, der ist Pulitzer-Preistr√§ger. Damit ist f√ľr Johannes Wetzel genug Glaubw√ľrdigkeit etabliert, pa√üt er doch gut zu John Berger, Noam Chomsky, Harold Pinter und Jos√© Saramago. Das reicht aber nicht einmal dem "Nachfolger des Eike Geisel", der mit ihm ins Gericht geht - heute da, morgen dort, was macht es! w√ľrde Mister X das wahrscheinlich besingen: (18)

Die Folgen (des Sieges in der Schlacht bei Poitier, 732) waren betr√§chtlich. Der deutsche Historiker Leopold von Ranke nannte die Schlacht von Poitiers ‚Äď die in Wahrheit zwischen Poitiers und Tours bei dem Ort Moussais-la-Bataille ausgefochten wurde ‚Äď einen der wichtigsten Wendepunkte der Geschichte ... Ein Historiker, der an der "New York University" lehrt, stellt nun diese Interpretation auf den Kopf. Allerdings ist David Levering Lewis bisher nicht als Medi√§vist oder Islamforscher, sondern als Biograf des schwarzen amerikanischen Soziologen und Dichters W. E. B. Du Bois hervorgetreten (f√ľr seine Biografie erhielt er immerhin den Pulitzerpreis).

Bleibt noch ein Blick auf Sigrid Hunke. Dieser Freundin Himmlers widmet Sylvain Gouguenheim vier Seiten. √úber sie, die auch im Lyoner Salafistenverlag Tawhid verlegt wird, im Hausverlag des Tariq Ramadan, kann in meinem Archiv einiges gefunden werden. Ihr Werk Le Soleil d¬īAllah brille sur l¬īOccident, Allahs Sonne √ľber dem Abendland, ist die Lieblingslekt√ľre des Scheichs Said Ramadan al-Bouti, des Dekans der Religionsabteilung der Universit√§t von Damaskus, und anderer francophoner Leser, die es bei Amazon.fr mit f√ľnf Sternen bewerten. (19)

Es hat Zeiten gegeben, da hat die Bewunderin des Islams den Orient f√ľr uns als artfremd abgelehnt und das keltisch-germanische Heidentum im Westen ansiedeln wollen: (20)

Als Alternative zur artfremden, aus dem Orient stammenden j√ľdisch-christlichen Tradition wird der R√ľckgriff auf das germanisch-keltische Heidentum angedient. Den Anfang machte bereits 1969 die Orientalistin Sigrid Hunke mit ihrem Buch "Europas andere Religion". Die langj√§hrige Vizepr√§sidentin der Deutschen Unitarier, der Nachfolgeorganisation der im Nationalsozialismus aktiven Deutschen Glaubensbewegung, ist heute eine regelm√§√üige Autorin des Thule-Seminars ...

Europäer sind göttlich: (21)

Aus einem nur mystisch erfahrbaren Pantheismus, der das kosmische Göttliche in gleicher Weise in den Phänomenen der Natur und der Geschichte erkennen will, also auch in jedem menschlichen Handeln, wird die Göttlichkeit des Europäers gefolgert: "Wir handeln an Gottes Statt", so Sigrid Hunke, die herausragende deutschsprachige Ideologin der europäischen Neuen Rechten, mit ihren historischen Verbindungen zur SS.

Als es nicht so richtig klappt damit, entwickelt sie neue Ideen im Kampf gegen die j√ľdisch-christliche Tradition: Le Soleil d¬īAllah brille sur l¬īOccident; darin behauptet sie alles, was die westlichen Islamwissenschaftler zuhauf heuer immer noch verbreiten, da√ü w√§hrend des dunklen Mittelalters des Christentums in der arabischen Welt eine bewundernswerte Kultur in allen Disziplinen bl√ľhe, die sich speise aus wirtschaftlichem, intellektuellem und spirituellem Austausch in Mathematik, Astronomie, Medizin, Architektur, Musik und Poesie. Der entscheidende Einflu√ü der arabischen Zivilisation auf die Europas - ein Einflu√ü, der oft genug verschwiegen wird, wenn nicht offen bestritten - ist endlich ins volle Licht ger√ľckt, preist Amazon.fr das Buch an. (22)

Das ist der Fall bei Sylvain Gouguenheim; auf 288 Seiten seines Buches legt er dar, daß es einen wesentlichen Einfluß des Islams auf das europäische Christentum im Mittelalter nicht gegeben habe, und er belegt seine Behauptung, da können das Kollektiv der 56, in der Libération, und Johannes Wetzel, in Welt, schreiben, was sie wollen. (23)

Zur Islamferne geistreicher Werke aus dem zwangsislamisierten Iran siehe auch meinen Artikel Das Meer der Seele. Mensch, Welt und Gott in den Geschichten des Fariduddin Attar. (24)

9. Mai 2008

Quellen

(1) Et si l´Europe ne devait pas ses savoirs √† l´islam ? Par Roger-Pol Droit,
Le Monde des livres, 4 avril 2008
http://tinyurl.com/64jtca

Was Europa dem Islam verdankt ‚Äď und was nicht. Von Johannes Wetzel, WeltOnline, 2. Mai 2008
http://tinyurl.com/58ts55

(2) Les tribulations des auteurs grecs dans le monde chrétien. Par Stéphane Boiron, Le Figaro, 17 avril 2008
http://tinyurl.com/488bct

(3) Stein des Anstoßes. Warum uns ein Welt-Redakteur auf einer antideutschen Konferenz willkommen ist. BAHAMAS, Juli 2003
http://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/STEIN.htm

Grunz Oink Köffköff Nebbich. Calamitas, Die Flache Erde, 6. Januar 2008
http://tinyurl.com/5osht9

Rebell im Kost√ľmchen und Depp im Feuilleton. Calamitas, Die Flache Erde,
24. April 2008
http://tinyurl.com/4jypym

(4) Rebell der Mitte. Von Johannes Wetzel. Internationale Politik, April 2007
http://tinyurl.com/6ecrdw

(5) Libanon. Nobelpreisträger gegen Israel. Von Johannes Wetzel, Berliner Zeitung,
6. August 2006
http://tinyurl.com/5lvax5

C´est Isra√ęl le vrai responsable. Par John Berger, Noam Chomsky, Harold Pinter, Jos√© Saramago, Journal d´Iris, 30 juillet 2006
http://www.monblog.ch/journaldiris/?p=200607302057246

(6) Das "Projekt" der Muslimbruderschaft, vom 1. Dezember 1982
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-21_19-25-15.html

(7) Der Kaiser und der Kadi. Von Alexander Reiser, KathWeb, 17. September 2006
http://www.kathpress.co.at/content/site/infodata/database/76 37.html

(8) C. Viola, "Aristote au Mont-Saint-Michel", in R. Foreville (dir.), Mill√©naire monastique due Mont-Saint-Michel, t. II : Vie montoise et rayonnement intellectuel, Biblioth√®que d´histoire et d´arch√©ologie chr√©tiennes, Paris 1967, p. 289-312

(9) Aristote au Mont Saint Michel, par Coloman Viola
http://pagesperso-orange.fr/coloman.viola/Aristote_au_Mont_S aint-Mic.html

L´Abbaye du Mont Saint Michel et la Pr√©paration intellectuelle du Grand Si√®cle.
Par Coloman Viola, Le Monde, 5 septembre 1970 , p. 6
http://pagesperso-orange.fr/coloman.viola/Mont_Saint_Michel. html

(10) Ren√© Marchand : Mahomet. Contre-enqu√™te : un despote contemporain, une biographie officielle truqu√©e, quatorze si√®cles de d√©sinformation, Paris, √Čditions de l´√Čchiquier, 2006
http://editionsdelechiquier.net/

(11) Une démonstration suspecte. Par Gabriel Martinez-Gros et Julien Loiseau,
Le Monde des livres, 24 avril 2008
http://tinyurl.com/4hl79e

(12) Baston chez les m√©di√©vistes autour de l´apport de l´islam. Par Pascal Rich√©, Rue89, 2 mai 2008
http://tinyurl.com/4fbmh3

(13) L´Islam en dissidence. Gen√®se d´un affrontement. Gabriel Martinez-Gros et Lucette Valensi, Editions du Seuil 2004
http://www.editionsduseuil.fr/

(14) Institut fran√ßais d´arch√©ologie orientale
http://www.ifao.egnet.net/

Le Caire des grands b√Ętisseurs. Par Amira Samir, Al-Ahram, 28 janvier 2004
http://hebdo.ahram.org.eg/arab/ahram/2004/1/28/patri1.htm

(15) Prof. Dr. Tariq Ramadan - 12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus. 19. November 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

(16) Kurt Flasch. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Flasch

(17) Oui, l´Occident chr√©tien est redevable au monde islamique. Un collectif international de 56 chercheurs en histoire et philosophie du Moyen Age, Lib√©ration, 30 avril 2008
http://www.liberation.fr/rebonds/323893.FR.php

(18) Wie schade, dass Europa nicht islamisch ist. Von Hannes Stein, WeltOnline,
1. Februar 2008
http://tinyurl.com/2w4tv9

(19) Der algerische Schriftsteller Ahmed Benlahrech will kein Salafide sein.
5. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-05_20-02-07.html

(20) Von neuen Heiden und alten Göttern. Die religiösen Mythen der Rechtsradikalen. Diese Radiosendung von Antje Schrupp lief erstmals im März 1996 im Hessischen Rundfunk. Antje Schrupp im Netz
http://www.antjeschrupp.de/mythen_der_rechtsradikalen.htm

(21) Siemens zum Beispiel ... 3. Neue Rechte. Von Peter Kratz, Text von 1989/1991, BIFFF
http://www.bifff-berlin.de/Siemens.htm

(22) Le Soleil d¬īAllah brille sur l¬īOccident, de Sigrid Hunke, Albin Michel 1997
http://www.amazon.fr/Soleil-dAllah-brille-sur-lOccident/dp/2 226093583

(23) Aristote au Mont Saint Michel de Sylvain Gouguenheim, Editions du Seuil 2008
http://www.editionsduseuil.fr/

(24) Das Meer der Seele. Mensch, Welt und Gott in den Geschichten des Fariduddin Attar. 26. August 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-08-26_23-09-26.html



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