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Hartmut Krauss: Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft

Als ich den Buchtitel sehe, denke ich: schon wieder einer, der zwischen Islam und Islamismus unterscheidet, einer, der in unbestimmte Begriffe flüchtet, oder was, bitte, sollte Islamismus bedeuten? Über Islamismus zu reden erspart die Auseinandersetzung mit dem Islam. (1)

Da aber schickt mir jemand einen Artikel des Stefan Weidner, der in der Süddeutschen Zeitung (SZ) mit der Kritischen Islamkonferenz ins Gericht geht und bereits im Titel kundtut, was er von der Veranstaltung hält: Ein K-Gruppen-Auftritt von Ideologen habe in Köln, vom 31. Mai bis 1. Juni 2008, stattgefunden. (2)

Unter der Zwischenüberschrift In Piratenmanier nimmt er sich den islamwissenschaftlich unverbildeten Soziologen Hartmut Krauss vor, der ans Pult trete und dort verkünde, der Islamismus, also der radikale Islam, sei keine Verfälschung, sondern das natürliche Entwicklungsprodukt des nach Weltherrschaft strebenden Islams, seine "selbsterhaltungslogische Radikalisierung". (3)

Die Anführungszeichen zeigen, daß der Kritiker mit dem Begriff nichts anfangen kann oder will; er drückt die Quintessenz dessen aus, was der Islam im Gegensatz zu Judentum und Christentum seit 1400 Jahren ist, und warum der Islam sich nicht reformieren kann: jede Reform, jede Neuerung in einem totalitären System ist der Anfang seines Endes, was zuletzt durch die Implosion des sozialistischen Systems bewiesen worden ist.

Der islamwissenschaftlich unverbildete Soziologe hält einen Vortrag zum Thema Der Islam als religiös-ideologische Grundlage einer vormodernen Herrschaftskultur; er bleibt damit in seinem Fachgebiet - oder darf man vormoderne Herrschaftskulturen nur untersuchen, wenn man die dort gängigen Sprachen spricht, liest, schreibt und obendrein vielleicht noch in der zu untersuchenden Kultur einige Jahre gelebt und sie für sich verinnerlicht hat? Was Hartmut Krauss vortrage, sei sachlogisch richtig, aber wenig bis nichts wert. Dann dreht er ihm das Wort im Munde um: Eine Religion wie der Islam sei keine Religion im Sinne des Christentums. Wieder hat Krauss recht, und wieder ist es nichts wert. Eine Religionsfreiheit, die nur Religionen wie das Christentum kennt, ist eben keine. Das hat Hartmut Krauss nicht gesagt, sondern, daß der Islam keine Religion im Sinne des Artikels 4 des Grundgesetzes ist, sondern eine antiemanzipatorische Politreligion, die danach strebt, die gesamte Lebensführung der Muslime einerseits, aber auch der Nichtmuslime durch die Scharia zu reglementieren und demnach nicht unbegrenzt den Schutz der Religionsfreiheit genießen kann. So haben ihn Teilnehmer der Konferenz verstanden, und das deckt sich mit der Einschätzung des Islams durch Hartmut Krauss. (4)

Hartmut Krauss veröffentlicht auf dem Blog islam-deutschland.info eine sehr souveräne Replik auf das Raunen eines Beinahe-Konvertiten: (5)

Wenn heute, auf der Basis guter erfahrungsgesättigter Begründung, die Menschenrechtswidrigkeit des orthodoxen Islam aufgezeigt wird, erheben sich proisraelische Linke, Mitglieder der Bürgerbewegung Pax Europa, evolutionäre Humanisten, islamgeschädigte Zuwanderer und besorgte Bürger ohne Parteibindung gemeinsam zum Applaus. Stefan Weidner hat es erlebt und es hat ihm nicht gefallen.

Wer ist Stefan Weidner, der Kritiker der Konferenz und ihrer Referenten, was hat er sonst zu sagen? Ich kann nichts dazu, wenn mir mein ehemaliger Chef einfällt, der vor 38 Jahren über eine meiner Kritiken seiner Arbeit erklärt: Man guckt sich an, wer einem was sagt! Stefan Weidner habe ich schon vorher angeguckt, nämlich im Zusammenhang mit meinem Artikel über die Islamkonvertiten, und ich komme zum gleichen Ergebnis wie Hartmut Krauss. (6)

Am 7. September 2007 veröffentlicht die SZ einen Artikel von Stefan Weidner über das Mysterium Konversion. Hätte der Autor sich doch nur ein wenig mit dem Grundwissen des Studienfaches Soziologie befaßt, vielleicht privato consilio in einem Privatissimum bei Hartmut Krauss, dann wäre schon Schluß mit der Einschätzung der Konversion zum Islam als Mysterium. (7)

Ist man wirklich tendenziell unzurechnungsfähig, wenn man der Versuchung erliegt, zum Islam zu konvertieren? fragt er. Davon einmal abgesehen, daß es "zurechnungsunfähig" heißen müßte, kann man diese Frage verneinen; denn ich meine, derjenige, der zum Islam konvertiert, ist dies nicht nur tendenziell. Den Fragesteller könnte man ebenfalls dazurechnen. Jeder, der seinen Verstand zugunsten der Unterwerfung unter eine Ideologie aufgibt, ist zurechnungsunfähig, und einer, der meint, die Konversion zum Islam sei ein Mysterium, an dessen Verstand darf man ebenfalls ernsthaft zweifeln. Religionswissenschaft und Soziologie haben sehr wohl sehr viel dazu zu sagen, warum einer und vor allem eine zum Islam konvertieren.

Stefan Weidner ist der Droge Allah nicht beinahe erlegen, sondern vollständig, sonst könnte er uns nicht weismachen, Allah sei Gott, der im Koran selbst in seinen eigenen Worten wettere. Stefan Weidner bezieht nicht nur sich, sondern auch seine Leser ein in sein Delirium: wir ... wir Demokraten gar, sind vernarrt in alle Arten von Versicherungen, wir wollen, Hand aufs Herz, von der eigenen Kultur Geborgenheit, uns fehlt im Christentum Herznahrung.

Ja, geht´s noch? Die SZ gibt nicht einem Analysten der Hysterie, sondern einem Islamwerber Raum, seinen furchtbaren und anheimelnden Gott zu verkaufen, für da´wa? Gibt´s dafür Petrodollar aus Saudi-Arabien, daß Ihr Autor statt Demokratie Herznahrung verlangt, Heribert Prantl? Und merk´ Er sich: wo es keine Persönlichkeit gibt, da ist auch keine Persönlichkeitsspaltung. Das schreibe ich am 8. September 2007, und wie staune ich jetzt, daß der Artikel geändert ist, nichts ist mehr mit Vernarrtheit der Demokraten in alle Arten von Versicherungen; denn selbst der SZ scheint es zu dämmern, daß es der Islam ist, der die ihm Unterworfenen in die eine Versicherung vernarrt sein läßt, nämlich, als einzelner nichts zu sein als Abdullah, Allahs Sklave, dem die Verantwortung für die eigene Person abgenommen wird, und dem zum Lohn dafür das Paradies sicher ist.

Und wer ist Hartmut Krauss? (8)

Er ist geb. 1951 in Lengerich (Westfalen), Sozial- und Erziehungwissenschaftler, ist Redakteur der in Osnabrück erscheindenden Zeitschrift HINTERGRUND und Initiator des Arbeitskreises Kritischer Marxistinnen und Marxisten. Ein Linker, der nicht der "Islamophilie" erlegen ist, einer, der einen klaren Kopf behält, der nicht meint, daß im postsozialistischen Zeitalter in der Politideologie Islam das nächste Zuhause eingerichtet werden sollte, daß man sein Leben vielmehr in unanheimelnder Atmosphäre zu führen habe - von wegen Herznahrung vom furchtbaren anheimelnden Gott!

Ich hole deshalb so weit aus, weil ich finde, der potentielle Leser des Buches von Hartmut Krauss hat ein Recht darauf zu erfahren, in welchem Kontext es geschrieben worden ist, und für wen. Ein Kritiker wie Stefan Weidner, dem die linke Süddeutsche Zeitung ebenso offensteht wie die bundeseigene Qantara, zeigt deren intellektuelle Unredlichkeit, Hartmut Krauss dagegen ist für mich ein Lichtblick unter den Linken, die heute bewußt oder unbewußt in großer Mehrheit der Islamisierung das Wort reden. Ich stamme aus der Vor-68er-Generation von Studenten, die links und israelfreundlich waren, die in einer Situation, wie sie in Deutschland jetzt besteht, da der Antisemitismus in Form von Antizionismus und wohlmeinender Israelkritik in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, und der Islamisierung unserer Gesellschaft von der Regierung nicht nur kein Einhalt geboten, sondern sie sogar gefördert wird von pflichtvergessenen Ministern wie Wülfgüng Schüblü, nicht geschwiegen hätten. Darum schweige ich nicht, darum empfehle ich hier das Buch Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft. (9)

Das Inhaltsverzeichnis des Buches findet man auf der Site des Hintergrund-Verlages. (1)

Schon nach der Lektüre der ersten Seite der Einleitung ergibt sich die Frage an die heutige Linke, wie sie die Ereignisse im Iran, ab Anfang 1979, und in Afghanistan, 1980 bis 1989, vergessen kann beim Hofieren des Islams. Es ist während zehn Jahren vor dem Mauerfall, daß sich der Islam so produziert, alle Komponenten, die ihn heute auszeichnen, sind vorhanden. Hier ist noch einmal mein Lieblingslink zur Verdeutlichung, was ich meine: Der Tod von Noureddin Kianouri. (10)

Während des Afghanistankrieges habe ich als aufrechte Linke mit der Sowjetunion gegen die Glaubenskämpfer gehalten, gegen Zbigniew Brzezinski, gegen die USA, in konsequenter Kontinuität zur Vietnamkriegsgegnerschaft. Warum der Antiamerikanismus nicht mehr angebracht ist, wenn er´s denn jemals war, ergibt sich aus der von Hartmut Krauss vorgelegten kritischen Bestandsaufnahme.

Anders als das totalitäre System des real existierenden Sozialismus, dem man bei uns im Westen hat aus unterschiedlichen Gründen anhängen können, vom pubertären Protest bis zur tendenziellen Zurechnungsunfähigkeit, ist es mit dem totalitären System des Islams anders. Wer von den Westberliner Anhängern des real existierenden Sozialismus erinnert sich noch, was er gedacht aber nicht ausgesprochen hat auf die Frage: Würdest du in der DDR leben wollen? Jeder antworte jetzt bitte ehrlich für sich. Für den Islam stellt sich diese Frage nicht, sondern er entfaltet sich mit ausdrücklicher Unterstützung durch die Bundesregierung, ihre Behörden und Institutionen, durch Politik und Wirtschaft sowie durch die MSM mitten unter uns. Ein paar Blogger kläffen dagegen an; einige von ihnen vergeuden dabei mutwillig Kräfte, indem sie islamkritische Autoren und Blogs bekämpfen, die nicht vollständig auf ihrer Linie sind. Mich erinnert das an den Ausspruch eines Mitglieds der Berliner SEW, das einmal ausstieß: unser Hauptfeind sind die SEW-Hochschulgruppen. (11)

Hartmut Krauss stellt einige Varianten des Islams vor, nach denen in den islamischen Ländern gelebt wird: den Wahhabismus, die Muslimbruderschaft, den Staatsislam im Iran und in Pakisten. Warum er sie Islamismus nennt, verstehe ich nicht. Es handelt sich um konsequent gelebten Islam; das hat der Autor im Teil 1: Islam auch für Nicht-Islamwissenschaftler verständlich erklärt.

Der Autor hat in den ersten beiden Teilen des Buches seine Leser hinreichend informiert, daß für sie der ab Seite 245 folgende Text Teil 3: Muslimische Gegengesellschaft verständlich wird. Der Haß der Muslime gegen den Westen und seine Werte, gegen die Demokratie, gegen die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, der Anti-Amerikanismus, der Antisemitismus, die Israelfeindschaft als Ausdruck einer menschenrechtsfeindlichen Lebensführungsdiktatur dieser Gegengesellschaft wären sonst nicht nachvollziehbar. Wie könnte man ohne Grundwissen über den Islam den Blogger inshallahshaheed aka revolution auf der Site The Ignored Puzzle Pieces of Knowledge verstehen: But we don´t hate you for your freedoms as we don´t consider those freedoms. We hate you for your disbelief and defiance.

Ja, liebe Linke, liebe Kämpfer für die Gerechtigkeit, vor allem für die in Palästina, das ist die Revolution des 21. Jahrhunderts!

In einem Brief To Geert belehrt der salafistische kämpferische Muslim inshallahshaheed aka revolution Geert Wilders darüber, daß sein Film noch einige Glaubenskämpfer mehr produzieren werde, aber besonders eindrucksvoll dokumentiert er, wie unbedeutend der Film Fitna für den Glaubenskampf ist: Wir sind nicht daran interessiert, dieses oder jenes zu verurteilen, sondern daran, Euch wissen zu lassen, daß der Islam ganz Europa beherrschen wird, einschließlich Deiner Heimatstadt, und die Kopfsteuer wird über Dein Land verhängt werden, alle Ungläubigen in Erniedrigung haltend, bis sie sich dem Islam unterwerfen. Laßt uns daran erinnern, daß Tausende von Muslimen in Deiner Nähe wohnen; so mach´ Dich immer auf das Unvorhergesehene gefaßt. ... Du sagtest, "der Islam will herrschen, unterwerfen und trachtet danach, unsere westliche Zivilisation zu zerstören." Das ist richtig. ... Wir hassen Euch nicht für Euere Freiheiten, weil wir diese Freiheiten nicht als Wert ansehen, wir hassen Euch Eueres Unglaubens und Eueres Trotzes wegen. (12)

Diese Revolution, diesen strategisch ausgerichteten "Kulturexport" bejahen und stützen nicht nur Linke, sondern strategisch und wirtschaftlich interessierte Europäer. Das Innenministerium reagiert auf die Revolution mit einer Studie Muslime in Deutschland. Hartmut Krauss stellt sie ab Seite 410 ausführlich vor. Die Linksradikalen der World Socialist Web Site, dieselben, die immer ein Herz haben für jedes Verbrechen der palästinensischen Terrorgruppen, Kampfgenossen von Joachim Guilliard und Rainer Rupp, nennen sie Staatlich propagierten Rassismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Martin Kreikenbaum sehnt sich anscheinend nach dem Schicksal des Noureddin Kianouri. (13)

Ich habe das Glück gehabt, eines der letzten Exemplare der Studie zu erhalten, in der Ergebnisse von Befragungen im Rahmen einer multizentrischen Studie in städtischen Lebensräumen wissenschaftlich ausgewertet werden. Die kritische Darstellung von Hartmut Krauss faßt die Studie von 510 engbeschriebenen Seiten auf dreißig Seiten gut zusammen.

Ein ausführliches Literaturverzeichnis ergänzt das Buch, und ich bin ganz stolz, daß ich darin auf S. 270 zitiert werde. Leider mit dem Link beim Partisan.net, das ich nach dem Becklash Clash unter Absingen schmutziger Lieder verlassen habe. Worum es dabei geht, kann man bei isioma.net nachlesen: um den Offenen Brief an Marieluise Beck, vom 17. Dezember 2003. Der Inhalt des Briefes ist inzwischen herrschende Meinung, aber die Linken bei Partisan meinen noch heute, das Kopftuch der Muslima wäre ein Kleidungstück. (14)

Der bessere Link ist der auf meiner Site, und der 1998 von Bernard Cassen und Ignacio Ramonet gegründete Verein zur Durchsetzung französischer Interessen im Ausland heißt nicht ATTAK, sondern ATTAC, nämlich Association pour la Taxation des Transactions pour l´Aide aux Citoyens: ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Zu der Zeit habe ich ebenfalls zwischen Islam und Islamismus unterschieden. Das kann ich nach jahrelanger Beschäftigung mit dem radikalen Islam und seinen Vereinigungen nicht mehr. Heute würde ich schreiben: Der Salafist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf. (15)

Zum Schluß noch Kritik des insgesamt sehr empfehlenswerten Buches

Es werden zuviele Begriffe in Anführungszeichen gesetzt. "Jeder Gedanke muß, um sich als solcher zu erfüllen d.h., um sich auf etwas beziehen zu können, das außerhalb seiner selbst liegt , gänzlich in die Sprache eingehen: eine Menschheit, die nur in Anführungszeichen sprechen könnte, wäre eine unglückliche Menschheit, die vor lauter Denken die Fähigkeit verloren hätte, das Denken zu vollenden," meint Giorgio Agamben, der Herausgeber, von 1978 bis 1986, der italienischen Ausgaben der Schriften von Walter Benjamin. (16)

Es wird nicht klar, warum Islam und Islamismus unterschieden werden, noch dazu, da der Buchinhalt an keiner Stelle solches nahelegt. Man muß Bassam Tibi nicht alles nachquatschen oder besser: möglichst wenig. Was ist Der islamische "Modernismus" (S. 139)? Der "islamische Modernismus" ist gemeint, der von al-Afghani und Muhammad Abduh (Seiten 140f.), die schon Tariq Ramadan in seiner Dissertation "Das reformistische Denken des Islam seit dem 19. Jahrhundert" als Reformer verkaufen will. Der bekannte Antisemit und Autor des "Manifeste judéo-nazi d´Ariel Sharon" Mondher Sfar schreibt dazu eine begeisterte Rezension, die leider nicht mehr online ist: Zu den Quellen des neuen Muslims: (17)

Tariq Ramadan wende sich gegen das Argument, die religiösen Reformatoren seien im Gegensatz zu den liberalen nicht in Einklang zu bringen mit Fortschritt und Modernität. Der Koran beruhe auf der menschlichen Vernunft, er enthalte im Keim die positiven Prinzipien, die das Universum regieren. Er beziehe sich auf den Verehrer des Wahhabismus und Lehrer seines Großvaters Rashid Ridha als "ägyptischen Reformator", der als erster eine politische Partei auf der Grundlage seiner religiösen Vorstellungen gründet. Ich habe die Begeisterung des Mondher Sfar in einem meiner Artikel über Tariq Ramadan zusammengefaßt, schade, daß man das Original nicht mehr lesen kann. (18)

Hartmut Krauss behauptet, daß der Antisemitismus der Muslime auf Import aus Europa beruht, dem Islam also nicht als konstitutive Komponente innewohnt; bei ihm heißt das: die islamismustypische Aufnahmebereitschaft gegenüber dem europäischen Antisemitismus. (S. 138) und, noch komplizierter (S. 142):

Die strategisch-funktionale Rezeption konservativ-reaktionären, gegenaufklärerischen und autoritär-nationalistischen sowie totalitären Ideenguts (darunter faschistische und stalinistische Leitgedanken), das dem islamischen Streben nach absoluter Herrschaft geistes- und wesensverwandt ist. (Affinität zwischen dem Islam und prämodern-religiösen, feudal-aristokratischen und antidemokratischen Strömungen Europas.)

Wouw! Das sitzt!

Später setzt er nach mit einem ganzen Exkurs: Die Wiederkehr prämodern-konservativer Herrschafts- und Sozialisationsverhältnisse in der spätkapitalistischen ´Moderne´. (Seite 389-395)

Eine Prise ATTAC kommt hinzu: Diese kulturspezifische (Re-)Produktionsweise menschlicher Subjektivität dominiert nicht nur nach wie vor in weiten Teilen der Welt, sondern sie hat sich bereits auch wieder in Westeuropa reetabliert und bildet so etwas wie die verschwiegene Schattenseite der ´Globalisierung´.

Moderne und Globalisierung werden wie auch andere Begriffe in diesem Exkurs nur mit einstrichigen Anführungszeichen beehrt. Was haben sie verbrochen, daß sie so halbnackt dastehen müssen? Welche Globalisierung? Die beschriebenen und analysierten Zustände in Europa kommen gerade dadurch, daß die Globalisierung von den Muslimen abgelehnt wird, das haben sie mit der vereinigten Linken gemein: Prämodern-unaufgeklärte Gottesreligion vs. riskante Marktvergesellschaftung. Das hören die Anhänger der modern-aufgeklärten Marxismusreligion im Arbeitskreis Kritischer Marxistinnen und Marxisten nicht gern, oder? Auch der Sozialismus ist wie der Islam ein geschlossenes System, das bei Einführung nicht systemkompatibler Neuerungen implodiert. Risikotoleranz und Risikofähigkeit der Adepten des Marxismus sind nicht vorgesehen. Bitte keine Alleingänge, sondern die anheimelnde Geborgenheit der sozialistischen Volksgemeinschaft!

Dem sozialistischen Journalisten ist jeglicher Individualismus fremd, er arbeitet im Schutze des Kollektivs, das ihn, wenn nötig, vor Entgleisungen und falschen Einschätzungen bewahrt, er achtet seinen Rat und seine Kritik, er fühlt sich als Teil des großen Kollektivs des Volkes und insbesondere der Arbeiterklasse, predigt beispielsweise Prof. Hermann Budzislawski, der Dekan der Fakultät für Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig. (19)

Die Paralellen zum Islam und seiner Ummah sind augenfällig. Der Unterschied zum Islam besteht allein darin, daß innerhalb des Systems mehr Bewegungsfreiheit besteht. Niemand wartet auf eine Fatwa, ob er der Vermeidung eines Kreuzknotens wegen nur Schuhe ohne Schnürsenkel tragen darf, oder ob er Wladimir Iljitsch Lenins Was tun? auch sonntags lesen darf. Der Rest fällt unter die antagonistischen Widersprüche. Einen lustigen Beitrag zu den nichtantagonistischen und antagonistischen Widersprüchen findet man auf der Site des MLPD-Vorsitzenden und Wahlkämpfers vom September 2005 Stefan Engel, des Verfechters des echten Sozialismus: Der Gelsenkirchener Parteitag (vom Dezember 1999!) hat der MLPD die Aufgabe gestellt, zu lernen, Massen zu bewegen und zu führen. Die Notwendigkeit und Möglichkeit dazu ist herangereift. (20)

Was ist Risiko?

  • Verhalten in einer offenen Gesellschaft im Umgang mit Neuheit und Unsicherheit
  • Wirtschaftliche Entwicklung bringt Neuheit mit sich, Neuheit bringt Risiken mit sich
  • Grenzen der wirtschaftlichen Entwicklung somit teilweise bestimmt durch Risikotoleranz und Risikofähigkeit
  • Verbindung zu Unternehmen, Unternehmerschaft, Experimentieren, Lernen, Vorstellungskraft, Gewinn, Mißerfolg

Warum ist ein Risikosystem wichtig?

  • Fördert nachhaltiges Risikoeingehen
  • Entwickelt Risikopräferenzen, Risikotoleranz, Risikofähigkeit, Risiko-´Alphabetisierung´, ...
  • Entwickelt die Fähigkeit, ´gute Risiken´ und ´schlechte Risiken´ zu unterscheiden
  • Verhaltens- und sozio-kulturelle Dimension des Innovationssystems
  • Entwickelt Organisationsformen und Institutionen die das Eingehen von Risiken in der offenen Gesellschaft unterstützen (21)

Auffällig ist, daß Hartmut Krauss kaum etwas ausläßt an Reizwörtern aus dem rechtsextremen Spektrum; allein stalinistische Leitgedanken, aber auch nur im Zusammenhang mit ebensolchen faschistischen, finden Eingang in diese linke Soziologenschüttung. Belegt wird sie durch Hinweis auf Gensicke, Küntzel, Krauss, Mallmann/Cüppers und Tibi, the usual suspects. Die Autoren Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers kommen allerdings trotz ihrer ursprünglichen Arbeitshypothese, die sich um die Tatsachen herumzudrücken beabsichtigt, durch konsequent wissenschaftliche Arbeit zu einem anderen Ergebnis; vielleicht ist es ihnen selbst gar nicht aufgefallen? Es nutzt ihnen nichts, daß sie in der Einleitung, Seite 9, schreiben: Ausdrücklich sei an dieser Stelle betont, daß es den Autoren des Buches keinesfalls darum geht, den Islam als eine Weltreligion zu diskreditieren. Wieso kann die zentrale Figur der palästinensischen Nationalbewegung, der Mufti von Jerusalem Amin al-Husseini, den Nationalsozialismus bereits 1933 überschwänglich begrüßen: Die antijüdischen Maßnahmen würden "in der ganzen mohammedanischen Welt mit Begeisterung" aufgenommen, und er hoffe auf die "Ausbreitung faschistisch antidemokratischer Staatsführung auf andere Länder", wenn nicht die islamische Ideologie das hergibt? (22)

Dazu braucht man nicht einmal alle Verbrechen der Muslime an den Juden seit dem 7. Jahrhundert aufzulisten. 1933 hat die Hilfe für den Mufti und seine ideologische Beeinflussung durch die Nationalsozialisten noch gar nicht eingesetzt, im Gegenteil, die Deutschen zögern; ihre finanzielle, militärische und politische Unterstützung beginnt 1936. (23)

Gänzlich zu kurz kommen bei Hartmut Krauss die Konvertiten. Sie hätten als Punkt c) zur von ihm so eingeteilten Vierten Ebene gehört, zur "Islamisierung auf leisen Sohlen" auf Grund des für den radikalen Islam gegenwärtig (noch) ungünstigen Kräfteverhältnisses in Europa (Seite 13):

a) nachhaltig höhere Geburtenrate der Immigranten,
b) Eroberung sozialer Handlungs- und Herrschaftsräume,
c) Konversion von originären Europäern zum Islam. (6)

Hartmut Krauss analysiert den Islam in seinem Buch und kommt zum Ergebnis, er sei ein religiös-kulturelles Bedeutungssystem ..., dessen Inhalte eine vormoderne Herrschaftsordnung absichern und legitimieren und damit die Integration in eine westliche Gesellschaftsordnung massiv behindern. (Seite 371)

So ist es, und die Weltreligion Islam, wie sie sich seit 1400 Jahren unverändert präsentiert, diskreditiert sich selbst; das zu begreifen, muß man nicht die Forschungsergebnisse von Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers und die Analysen von Hartmut Krauss abwarten - oder wie ist der Schlachtruf der Glaubenskämpfer aka Mudjaheddin aus dem Jahr 634 d.Z. zu werten: Nimm den Glauben an, und du bist sicher; widrigenfalls zahle Tribut. Wenn du dich weigerst, beides zu tun, hast du es dir selbst zuzuschreiben. Ein Volk ist bereits über euch gekommen, das den Tod so liebt wie ihr das Leben! (24)

Die Politideologie Islam ist nicht zu reformieren, entweder ruiniert sie die ganze Welt, oder wir gebieten ihrem Vordringen Einhalt; das Ende des Nationalsozialismus und des Sowjetsystems sind Belege dafür, daß es nur so zu machen ist. Jeder Tag, der zugewartet wird bei der Eindämmung der Islamisierung Europas, kostet mehr Menschenleben. Wollen wir wieder auf das Eingreifen der USA warten oder gar Israel vorschicken, oder können wir Europäer das inzwischen schon allein?

21. Juli 2008

Quellen

(1) Hartmut Krauss: Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft. Eine kritische Bestandsaufnahme
Osnabrück 2008. ISBN 978-3-00-024512-1. Hardcover. 455 Seiten. 24,00 €
http://tinyurl.com/6zkkb7

(2) Kritische Islamkonferenz vom 31. Mai bis 1. Juni 2008, Universität Köln.
Anti-Defamation Forum
http://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?threadid=3803

(3) Wie einst in der K-Gruppe. Die "kritische Islamkonferenz" wird von
Ideologen dominiert. Von Stefan Weidner. Quelle: Süddeutsche Zeitung
(Ausgabe: Fernausgabe - Feuilleton)
Nr.126, Montag, den 02. Juni 2008 , Seite 12
https://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?postid=31839

(4) Nachbetrachtungen zur "Kritischen Islamkonferenz" (31. Mai – 1. Juni 2008
in Köln). Bürgerbewegung Pax Europa
http://tinyurl.com/5p3fhh

(5) Replik auf das Raunen eines Beinahe-Konvertiten. Von Hartmut Krauss, eingesetzt von Birne, islam-deutschland. info, 4. Juni 2008
http://tinyurl.com/5p3fhh

(6) Konvertieren - sich profilieren - herrschen. 8. September 2007
Darin: Stefan Weidner
http://www.eussner.net/artikel_2007-09-08_19-55-02.html

(7) Mysterium Konversion. Von Stefan Weidner, SZ Kultur, 7. September 2007
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/169/131932/

(8) Hartmut Krauss. GLASNOST Berlin
http://www.glasnost.de/autoren/krauss/

(9) Deutsche Doppelmoral. Von Malte Lehming. Kommentar von Klaus Weiss,
19.07.2008 15:33:19 Uhr. Tagesspiegel, 19. Juli 2008
http://tinyurl.com/5wdjne

(10) Death of Noureddin Kianouri. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, November 6, 1999. Al-Guardian, November 17, 1999
http://www.cpa.org.au/garchve1/980iran.html

(11) Sozialistische Einheitspartei Westberlins. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Einheitspartei_W estberlins

(12) Congratulations Geert. Your movie has created more Mujaahideen
amongst the Muslims. By Revolution, The Ignored Puzzle Pieces of Knowledge, March 27, 2008
http://tinyurl.com/5737jy

"Wilders, der niederländische anti-islamische Provokateur". 30. März 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-30_01-03-04.html

(13) Staatlich propagierter Rassismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Von Martin Kreikenbaum, WSWS, 12. Januar 2008
http://www.wsws.org/de/2008/jan2008/musl-j12.shtml

(14) Stichwort Becklash. Offener Brief an die Integrationsbeauftragte
Marieluise Beck u.a., 17. Dezember 2003
http://www.isioma.net/sds06203.html

(15) ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Der Islamist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf. 24. November 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-22-23.html

(16) Anführungszeichen verhindern das Denken. Fundsachen, 26. November 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-11-26_19-20-08.html

(17) Aux sources du nouveau musulman, par Mondher Sfar, Paris. Studies in Religion / Sciences Religieuses. Revue canadienne/ A Canadian Journal, Volume 28 Number 3 / 1999
http://www.wlu.ca/press/jrls/sr/issues-full/28.3/sfar.fr.htm l

Un pamphlet antisémite circule dans les milieux propalestiniens radicaux. Xavier Ternisien, Le Monde, 13 juin 2002
http://moise.sefarad.org/belsef.php/id/826/

(18) Prof. Dr. Tariq Ramadan - 12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus. 19. November 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

(19) Der sozialistische Journalist. 28. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-28_01-17-09.html

(20) Die Behandlung antagonistischer und nichtantagonistischer Widersprüche. "Rote-Fahne"-Artikel-Reihe zur proletarischen Streitkultur, Teil II. StefanEngel.info, 20. Juli 2008
http://www.stefanengel.info/index.php?option=content&task=vi ew&id=124

Das Wahldesaster der Herrschenden als Nährboden für den Aufschwung des Klassenkampfs und des echten Sozialismus. Interview mit dem Vorsitzenden der MLPD, Stefan Engel, vom 21.09.2005
http://tinyurl.com/66he9m

(21) The Risk Appreciation Society. Jason Potts, ARC Centre of Excellence in Creative Industries and Innovation (CCi)
http://tinyurl.com/5qu2et

(22) Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina. Fundsachen, 12. Februar 2007
http://www.eussner.net/fundsachen_2007-02-12_17-48-26.html

Der Judenhaß der muslimischen Welt und der Antisemitismus der Nazis haben keinen gemeinsamen Ursprung! 8. September 2006/5. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2006-09-08_01-09-41.html

(23) Who was the Grand Mufti, Haj Muhammed Amin al-Husseini? Palestine Facts
http://palestinefacts.org/pf_mandate_grand_mufti.php

(24) The Arab conquest and the coming of Islam. The Cradle of Civilization
http://members.fortunecity.com/thuraya/iraq_his.htm#


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