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Hartmut Krauss: Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft

Als ich den Buchtitel sehe, denke ich: schon wieder einer, der zwischen Islam und Islamismus unterscheidet, einer, der in unbestimmte Begriffe fl√ľchtet, oder was, bitte, sollte Islamismus bedeuten? √úber Islamismus zu reden erspart die Auseinandersetzung mit dem Islam. (1)

Da aber schickt mir jemand einen Artikel des Stefan Weidner, der in der S√ľddeutschen Zeitung (SZ) mit der Kritischen Islamkonferenz ins Gericht geht und bereits im Titel kundtut, was er von der Veranstaltung h√§lt: Ein K-Gruppen-Auftritt von Ideologen habe in K√∂ln, vom 31. Mai bis 1. Juni 2008, stattgefunden. (2)

Unter der Zwischen√ľberschrift In Piratenmanier nimmt er sich den islamwissenschaftlich unverbildeten Soziologen Hartmut Krauss vor, der ans Pult trete und dort verk√ľnde, der Islamismus, also der radikale Islam, sei keine Verf√§lschung, sondern das nat√ľrliche Entwicklungsprodukt des nach Weltherrschaft strebenden Islams, seine "selbsterhaltungslogische Radikalisierung". (3)

Die Anf√ľhrungszeichen zeigen, da√ü der Kritiker mit dem Begriff nichts anfangen kann oder will; er dr√ľckt die Quintessenz dessen aus, was der Islam im Gegensatz zu Judentum und Christentum seit 1400 Jahren ist, und warum der Islam sich nicht reformieren kann: jede Reform, jede Neuerung in einem totalit√§ren System ist der Anfang seines Endes, was zuletzt durch die Implosion des sozialistischen Systems bewiesen worden ist.

Der islamwissenschaftlich unverbildete Soziologe h√§lt einen Vortrag zum Thema Der Islam als religi√∂s-ideologische Grundlage einer vormodernen Herrschaftskultur; er bleibt damit in seinem Fachgebiet - oder darf man vormoderne Herrschaftskulturen nur untersuchen, wenn man die dort g√§ngigen Sprachen spricht, liest, schreibt und obendrein vielleicht noch in der zu untersuchenden Kultur einige Jahre gelebt und sie f√ľr sich verinnerlicht hat? Was Hartmut Krauss vortrage, sei sachlogisch richtig, aber wenig bis nichts wert. Dann dreht er ihm das Wort im Munde um: Eine Religion wie der Islam sei keine Religion im Sinne des Christentums. Wieder hat Krauss recht, und wieder ist es nichts wert. Eine Religionsfreiheit, die nur Religionen wie das Christentum kennt, ist eben keine. Das hat Hartmut Krauss nicht gesagt, sondern, da√ü der Islam keine Religion im Sinne des Artikels 4 des Grundgesetzes ist, sondern eine antiemanzipatorische Politreligion, die danach strebt, die gesamte Lebensf√ľhrung der Muslime einerseits, aber auch der Nichtmuslime durch die Scharia zu reglementieren und demnach nicht unbegrenzt den Schutz der Religionsfreiheit genie√üen kann. So haben ihn Teilnehmer der Konferenz verstanden, und das deckt sich mit der Einsch√§tzung des Islams durch Hartmut Krauss. (4)

Hartmut Krauss veröffentlicht auf dem Blog islam-deutschland.info eine sehr souveräne Replik auf das Raunen eines Beinahe-Konvertiten: (5)

Wenn heute, auf der Basis guter erfahrungsges√§ttigter Begr√ľndung, die Menschenrechtswidrigkeit des orthodoxen Islam aufgezeigt wird, erheben sich proisraelische Linke, Mitglieder der B√ľrgerbewegung Pax Europa, evolution√§re Humanisten, islamgesch√§digte Zuwanderer und besorgte B√ľrger ohne Parteibindung gemeinsam zum Applaus. Stefan Weidner hat es erlebt ‚Äď und es hat ihm nicht gefallen.

Wer ist Stefan Weidner, der Kritiker der Konferenz und ihrer Referenten, was hat er sonst zu sagen? Ich kann nichts dazu, wenn mir mein ehemaliger Chef einf√§llt, der vor 38 Jahren √ľber eine meiner Kritiken seiner Arbeit erkl√§rt: Man guckt sich an, wer einem was sagt! Stefan Weidner habe ich schon vorher angeguckt, n√§mlich im Zusammenhang mit meinem Artikel √ľber die Islamkonvertiten, und ich komme zum gleichen Ergebnis wie Hartmut Krauss. (6)

Am 7. September 2007 ver√∂ffentlicht die SZ einen Artikel von Stefan Weidner √ľber das Mysterium Konversion. H√§tte der Autor sich doch nur ein wenig mit dem Grundwissen des Studienfaches Soziologie befa√üt, vielleicht privato consilio in einem Privatissimum bei Hartmut Krauss, dann w√§re schon Schlu√ü mit der Einsch√§tzung der Konversion zum Islam als Mysterium. (7)

Ist man wirklich tendenziell unzurechnungsf√§hig, wenn man der Versuchung erliegt, zum Islam zu konvertieren? fragt er. Davon einmal abgesehen, da√ü es "zurechnungsunf√§hig" hei√üen m√ľ√üte, kann man diese Frage verneinen; denn ich meine, derjenige, der zum Islam konvertiert, ist dies nicht nur tendenziell. Den Fragesteller k√∂nnte man ebenfalls dazurechnen. Jeder, der seinen Verstand zugunsten der Unterwerfung unter eine Ideologie aufgibt, ist zurechnungsunf√§hig, und einer, der meint, die Konversion zum Islam sei ein Mysterium, an dessen Verstand darf man ebenfalls ernsthaft zweifeln. Religionswissenschaft und Soziologie haben sehr wohl sehr viel dazu zu sagen, warum einer und vor allem eine zum Islam konvertieren.

Stefan Weidner ist der Droge Allah nicht beinahe erlegen, sondern vollständig, sonst könnte er uns nicht weismachen, Allah sei Gott, der im Koran selbst in seinen eigenen Worten wettere. Stefan Weidner bezieht nicht nur sich, sondern auch seine Leser ein in sein Delirium: wir ... wir Demokraten gar, sind vernarrt in alle Arten von Versicherungen, wir wollen, Hand aufs Herz, von der eigenen Kultur Geborgenheit, uns fehlt im Christentum Herznahrung.

Ja, geht¬īs noch? Die SZ gibt nicht einem Analysten der Hysterie, sondern einem Islamwerber Raum, seinen furchtbaren und anheimelnden Gott zu verkaufen, f√ľr da´wa? Gibt¬īs daf√ľr Petrodollar aus Saudi-Arabien, da√ü Ihr Autor statt Demokratie Herznahrung verlangt, Heribert Prantl? Und merk¬ī Er sich: wo es keine Pers√∂nlichkeit gibt, da ist auch keine Pers√∂nlichkeitsspaltung. Das schreibe ich am 8. September 2007, und wie staune ich jetzt, da√ü der Artikel ge√§ndert ist, nichts ist mehr mit Vernarrtheit der Demokraten in alle Arten von Versicherungen; denn selbst der SZ scheint es zu d√§mmern, da√ü es der Islam ist, der die ihm Unterworfenen in die eine Versicherung vernarrt sein l√§√üt, n√§mlich, als einzelner nichts zu sein als Abdullah, Allahs Sklave, dem die Verantwortung f√ľr die eigene Person abgenommen wird, und dem zum Lohn daf√ľr das Paradies sicher ist.

Und wer ist Hartmut Krauss? (8)

Er ist geb. 1951 in Lengerich (Westfalen), Sozial- und Erziehungwissenschaftler, ist Redakteur der in Osnabr√ľck erscheindenden Zeitschrift HINTERGRUND und Initiator des Arbeitskreises Kritischer Marxistinnen und Marxisten. Ein Linker, der nicht der "Islamophilie" erlegen ist, einer, der einen klaren Kopf beh√§lt, der nicht meint, da√ü im postsozialistischen Zeitalter in der Politideologie Islam das n√§chste Zuhause eingerichtet werden sollte, da√ü man sein Leben vielmehr in unanheimelnder Atmosph√§re zu f√ľhren habe - von wegen Herznahrung vom furchtbaren anheimelnden Gott!

Ich hole deshalb so weit aus, weil ich finde, der potentielle Leser des Buches von Hartmut Krauss hat ein Recht darauf zu erfahren, in welchem Kontext es geschrieben worden ist, und f√ľr wen. Ein Kritiker wie Stefan Weidner, dem die linke S√ľddeutsche Zeitung ebenso offensteht wie die bundeseigene Qantara, zeigt deren intellektuelle Unredlichkeit, Hartmut Krauss dagegen ist f√ľr mich ein Lichtblick unter den Linken, die heute bewu√üt oder unbewu√üt in gro√üer Mehrheit der Islamisierung das Wort reden. Ich stamme aus der Vor-68er-Generation von Studenten, die links und israelfreundlich waren, die in einer Situation, wie sie in Deutschland jetzt besteht, da der Antisemitismus in Form von Antizionismus und wohlmeinender Israelkritik in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, und der Islamisierung unserer Gesellschaft von der Regierung nicht nur kein Einhalt geboten, sondern sie sogar gef√∂rdert wird von pflichtvergessenen Ministern wie W√ľlfg√ľng Sch√ľbl√ľ, nicht geschwiegen h√§tten. Darum schweige ich nicht, darum empfehle ich hier das Buch Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft. (9)

Das Inhaltsverzeichnis des Buches findet man auf der Site des Hintergrund-Verlages. (1)

Schon nach der Lekt√ľre der ersten Seite der Einleitung ergibt sich die Frage an die heutige Linke, wie sie die Ereignisse im Iran, ab Anfang 1979, und in Afghanistan, 1980 bis 1989, vergessen kann beim Hofieren des Islams. Es ist w√§hrend zehn Jahren vor dem Mauerfall, da√ü sich der Islam so produziert, alle Komponenten, die ihn heute auszeichnen, sind vorhanden. Hier ist noch einmal mein Lieblingslink zur Verdeutlichung, was ich meine: Der Tod von Noureddin Kianouri. (10)

W√§hrend des Afghanistankrieges habe ich als aufrechte Linke mit der Sowjetunion gegen die Glaubensk√§mpfer gehalten, gegen Zbigniew Brzezinski, gegen die USA, in konsequenter Kontinuit√§t zur Vietnamkriegsgegnerschaft. Warum der Antiamerikanismus nicht mehr angebracht ist, wenn er´s denn jemals war, ergibt sich aus der von Hartmut Krauss vorgelegten kritischen Bestandsaufnahme.

Anders als das totalit√§re System des real existierenden Sozialismus, dem man bei uns im Westen hat aus unterschiedlichen Gr√ľnden anh√§ngen k√∂nnen, vom pubert√§ren Protest bis zur tendenziellen Zurechnungsunf√§higkeit, ist es mit dem totalit√§ren System des Islams anders. Wer von den Westberliner Anh√§ngern des real existierenden Sozialismus erinnert sich noch, was er gedacht aber nicht ausgesprochen hat auf die Frage: W√ľrdest du in der DDR leben wollen? Jeder antworte jetzt bitte ehrlich f√ľr sich. F√ľr den Islam stellt sich diese Frage nicht, sondern er entfaltet sich mit ausdr√ľcklicher Unterst√ľtzung durch die Bundesregierung, ihre Beh√∂rden und Institutionen, durch Politik und Wirtschaft sowie durch die MSM mitten unter uns. Ein paar Blogger kl√§ffen dagegen an; einige von ihnen vergeuden dabei mutwillig Kr√§fte, indem sie islamkritische Autoren und Blogs bek√§mpfen, die nicht vollst√§ndig auf ihrer Linie sind. Mich erinnert das an den Ausspruch eines Mitglieds der Berliner SEW, das einmal ausstie√ü: unser Hauptfeind sind die SEW-Hochschulgruppen. (11)

Hartmut Krauss stellt einige Varianten des Islams vor, nach denen in den islamischen L√§ndern gelebt wird: den Wahhabismus, die Muslimbruderschaft, den Staatsislam im Iran und in Pakisten. Warum er sie Islamismus nennt, verstehe ich nicht. Es handelt sich um konsequent gelebten Islam; das hat der Autor im Teil 1: Islam auch f√ľr Nicht-Islamwissenschaftler verst√§ndlich erkl√§rt.

Der Autor hat in den ersten beiden Teilen des Buches seine Leser hinreichend informiert, da√ü f√ľr sie der ab Seite 245 folgende Text Teil 3: Muslimische Gegengesellschaft verst√§ndlich wird. Der Ha√ü der Muslime gegen den Westen und seine Werte, gegen die Demokratie, gegen die Gleichberechtigung von M√§nnern und Frauen, der Anti-Amerikanismus, der Antisemitismus, die Israelfeindschaft als Ausdruck einer menschenrechtsfeindlichen Lebensf√ľhrungsdiktatur dieser Gegengesellschaft w√§ren sonst nicht nachvollziehbar. Wie k√∂nnte man ohne Grundwissen √ľber den Islam den Blogger inshallahshaheed aka revolution auf der Site The Ignored Puzzle Pieces of Knowledge verstehen: But we don´t hate you for your freedoms as we don´t consider those freedoms. We hate you for your disbelief and defiance.

Ja, liebe Linke, liebe K√§mpfer f√ľr die Gerechtigkeit, vor allem f√ľr die in Pal√§stina, das ist die Revolution des 21. Jahrhunderts!

In einem Brief To Geert belehrt der salafistische k√§mpferische Muslim inshallahshaheed aka revolution Geert Wilders dar√ľber, da√ü sein Film noch einige Glaubensk√§mpfer mehr produzieren werde, aber besonders eindrucksvoll dokumentiert er, wie unbedeutend der Film Fitna f√ľr den Glaubenskampf ist: Wir sind nicht daran interessiert, dieses oder jenes zu verurteilen, sondern daran, Euch wissen zu lassen, da√ü der Islam ganz Europa beherrschen wird, einschlie√ülich Deiner Heimatstadt, und die Kopfsteuer wird √ľber Dein Land verh√§ngt werden, alle Ungl√§ubigen in Erniedrigung haltend, bis sie sich dem Islam unterwerfen. La√üt uns daran erinnern, da√ü Tausende von Muslimen in Deiner N√§he wohnen; so mach´ Dich immer auf das Unvorhergesehene gefa√üt. ... Du sagtest, "der Islam will herrschen, unterwerfen und trachtet danach, unsere westliche Zivilisation zu zerst√∂ren." Das ist richtig. ... Wir hassen Euch nicht f√ľr Euere Freiheiten, weil wir diese Freiheiten nicht als Wert ansehen, wir hassen Euch Eueres Unglaubens und Eueres Trotzes wegen. (12)

Diese Revolution, diesen strategisch ausgerichteten "Kulturexport" bejahen und st√ľtzen nicht nur Linke, sondern strategisch und wirtschaftlich interessierte Europ√§er. Das Innenministerium reagiert auf die Revolution mit einer Studie Muslime in Deutschland. Hartmut Krauss stellt sie ab Seite 410 ausf√ľhrlich vor. Die Linksradikalen der World Socialist Web Site, dieselben, die immer ein Herz haben f√ľr jedes Verbrechen der pal√§stinensischen Terrorgruppen, Kampfgenossen von Joachim Guilliard und Rainer Rupp, nennen sie Staatlich propagierten Rassismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Martin Kreikenbaum sehnt sich anscheinend nach dem Schicksal des Noureddin Kianouri. (13)

Ich habe das Gl√ľck gehabt, eines der letzten Exemplare der Studie zu erhalten, in der Ergebnisse von Befragungen im Rahmen einer multizentrischen Studie in st√§dtischen Lebensr√§umen wissenschaftlich ausgewertet werden. Die kritische Darstellung von Hartmut Krauss fa√üt die Studie von 510 engbeschriebenen Seiten auf drei√üig Seiten gut zusammen.

Ein ausf√ľhrliches Literaturverzeichnis erg√§nzt das Buch, und ich bin ganz stolz, da√ü ich darin auf S. 270 zitiert werde. Leider mit dem Link beim Partisan.net, das ich nach dem Becklash Clash unter Absingen schmutziger Lieder verlassen habe. Worum es dabei geht, kann man bei isioma.net nachlesen: um den Offenen Brief an Marieluise Beck, vom 17. Dezember 2003. Der Inhalt des Briefes ist inzwischen herrschende Meinung, aber die Linken bei Partisan meinen noch heute, das Kopftuch der Muslima w√§re ein Kleidungst√ľck. (14)

Der bessere Link ist der auf meiner Site, und der 1998 von Bernard Cassen und Ignacio Ramonet gegr√ľndete Verein zur Durchsetzung franz√∂sischer Interessen im Ausland hei√üt nicht ATTAK, sondern ATTAC, n√§mlich Association pour la Taxation des Transactions pour l´Aide aux Citoyens: ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Zu der Zeit habe ich ebenfalls zwischen Islam und Islamismus unterschieden. Das kann ich nach jahrelanger Besch√§ftigung mit dem radikalen Islam und seinen Vereinigungen nicht mehr. Heute w√ľrde ich schreiben: Der Salafist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf. (15)

Zum Schluß noch Kritik des insgesamt sehr empfehlenswerten Buches

Es werden zuviele Begriffe in Anf√ľhrungszeichen gesetzt. "Jeder Gedanke mu√ü, um sich als solcher zu erf√ľllen ‚Äď d.h., um sich auf etwas beziehen zu k√∂nnen, das au√üerhalb seiner selbst liegt ‚Äď, g√§nzlich in die Sprache eingehen: eine Menschheit, die nur in Anf√ľhrungszeichen sprechen k√∂nnte, w√§re eine ungl√ľckliche Menschheit, die vor lauter Denken die F√§higkeit verloren h√§tte, das Denken zu vollenden," meint Giorgio Agamben, der Herausgeber, von 1978 bis 1986, der italienischen Ausgaben der Schriften von Walter Benjamin. (16)

Es wird nicht klar, warum Islam und Islamismus unterschieden werden, noch dazu, da der Buchinhalt an keiner Stelle solches nahelegt. Man mu√ü Bassam Tibi nicht alles nachquatschen oder besser: m√∂glichst wenig. Was ist Der islamische "Modernismus" (S. 139)? Der "islamische Modernismus" ist gemeint, der von al-Afghani und Muhammad Abduh (Seiten 140f.), die schon Tariq Ramadan in seiner Dissertation "Das reformistische Denken des Islam seit dem 19. Jahrhundert" als Reformer verkaufen will. Der bekannte Antisemit und Autor des "Manifeste jud√©o-nazi d¬īAriel Sharon" Mondher Sfar schreibt dazu eine begeisterte Rezension, die leider nicht mehr online ist: Zu den Quellen des neuen Muslims: (17)

Tariq Ramadan wende sich gegen das Argument, die religi√∂sen Reformatoren seien im Gegensatz zu den liberalen nicht in Einklang zu bringen mit Fortschritt und Modernit√§t. Der Koran beruhe auf der menschlichen Vernunft, er enthalte im Keim die positiven Prinzipien, die das Universum regieren. Er beziehe sich auf den Verehrer des Wahhabismus und Lehrer seines Gro√üvaters Rashid Ridha als "√§gyptischen Reformator", der als erster eine politische Partei auf der Grundlage seiner religi√∂sen Vorstellungen gr√ľndet. Ich habe die Begeisterung des Mondher Sfar in einem meiner Artikel √ľber Tariq Ramadan zusammengefa√üt, schade, da√ü man das Original nicht mehr lesen kann. (18)

Hartmut Krauss behauptet, da√ü der Antisemitismus der Muslime auf Import aus Europa beruht, dem Islam also nicht als konstitutive Komponente innewohnt; bei ihm hei√üt das: die islamismustypische Aufnahmebereitschaft gegen√ľber dem europ√§ischen Antisemitismus. (S. 138) und, noch komplizierter (S. 142):

Die strategisch-funktionale Rezeption konservativ-reaktionären, gegenaufklärerischen und autoritär-nationalistischen sowie totalitären Ideenguts (darunter faschistische und stalinistische Leitgedanken), das dem islamischen Streben nach absoluter Herrschaft geistes- und wesensverwandt ist. (Affinität zwischen dem Islam und prämodern-religiösen, feudal-aristokratischen und antidemokratischen Strömungen Europas.)

Wouw! Das sitzt!

Sp√§ter setzt er nach mit einem ganzen Exkurs: Die Wiederkehr pr√§modern-konservativer Herrschafts- und Sozialisationsverh√§ltnisse in der sp√§tkapitalistischen ´Moderne´. (Seite 389-395)

Eine Prise ATTAC kommt hinzu: Diese kulturspezifische (Re-)Produktionsweise menschlicher Subjektivit√§t dominiert nicht nur nach wie vor in weiten Teilen der Welt, sondern sie hat sich bereits auch wieder in Westeuropa reetabliert und bildet so etwas wie die verschwiegene Schattenseite der ´Globalisierung´.

Moderne und Globalisierung werden wie auch andere Begriffe in diesem Exkurs nur mit einstrichigen Anf√ľhrungszeichen beehrt. Was haben sie verbrochen, da√ü sie so halbnackt dastehen m√ľssen? Welche Globalisierung? Die beschriebenen und analysierten Zust√§nde in Europa kommen gerade dadurch, da√ü die Globalisierung von den Muslimen abgelehnt wird, das haben sie mit der vereinigten Linken gemein: Pr√§modern-unaufgekl√§rte Gottesreligion vs. riskante Marktvergesellschaftung. Das h√∂ren die Anh√§nger der modern-aufgekl√§rten Marxismusreligion im Arbeitskreis Kritischer Marxistinnen und Marxisten nicht gern, oder? Auch der Sozialismus ist wie der Islam ein geschlossenes System, das bei Einf√ľhrung nicht systemkompatibler Neuerungen implodiert. Risikotoleranz und Risikof√§higkeit der Adepten des Marxismus sind nicht vorgesehen. Bitte keine Alleing√§nge, sondern die anheimelnde Geborgenheit der sozialistischen Volksgemeinschaft!

Dem sozialistischen Journalisten ist jeglicher Individualismus fremd, er arbeitet im Schutze des Kollektivs, das ihn, wenn n√∂tig, vor Entgleisungen und falschen Einsch√§tzungen bewahrt, er achtet seinen Rat und seine Kritik, er f√ľhlt sich als Teil des gro√üen Kollektivs des Volkes und insbesondere der Arbeiterklasse, predigt beispielsweise Prof. Hermann Budzislawski, der Dekan der Fakult√§t f√ľr Journalistik der Karl-Marx-Universit√§t Leipzig. (19)

Die Paralellen zum Islam und seiner Ummah sind augenf√§llig. Der Unterschied zum Islam besteht allein darin, da√ü innerhalb des Systems mehr Bewegungsfreiheit besteht. Niemand wartet auf eine Fatwa, ob er der Vermeidung eines Kreuzknotens wegen nur Schuhe ohne Schn√ľrsenkel tragen darf, oder ob er Wladimir Iljitsch Lenins Was tun? auch sonntags lesen darf. Der Rest f√§llt unter die antagonistischen Widerspr√ľche. Einen lustigen Beitrag zu den nichtantagonistischen und antagonistischen Widerspr√ľchen findet man auf der Site des MLPD-Vorsitzenden und Wahlk√§mpfers vom September 2005 Stefan Engel, des Verfechters des echten Sozialismus: Der Gelsenkirchener Parteitag (vom Dezember 1999!) hat der MLPD die Aufgabe gestellt, zu lernen, Massen zu bewegen und zu f√ľhren. Die Notwendigkeit und M√∂glichkeit dazu ist herangereift. (20)

Was ist Risiko?

  • Verhalten in einer offenen Gesellschaft im Umgang mit Neuheit und Unsicherheit
  • Wirtschaftliche Entwicklung bringt Neuheit mit sich, Neuheit bringt Risiken mit sich
  • Grenzen der wirtschaftlichen Entwicklung somit teilweise bestimmt durch Risikotoleranz und Risikof√§higkeit
  • Verbindung zu Unternehmen, Unternehmerschaft, Experimentieren, Lernen, Vorstellungskraft, Gewinn, Mi√üerfolg

Warum ist ein Risikosystem wichtig?

  • F√∂rdert nachhaltiges Risikoeingehen
  • Entwickelt Risikopr√§ferenzen, Risikotoleranz, Risikof√§higkeit, Risiko-´Alphabetisierung´, ...
  • Entwickelt die F√§higkeit, ´gute Risiken´ und ´schlechte Risiken´ zu unterscheiden
  • Verhaltens- und sozio-kulturelle Dimension des Innovationssystems
  • Entwickelt Organisationsformen und Institutionen die das Eingehen von Risiken in der offenen Gesellschaft unterst√ľtzen (21)

Auff√§llig ist, da√ü Hartmut Krauss kaum etwas ausl√§√üt an Reizw√∂rtern aus dem rechtsextremen Spektrum; allein stalinistische Leitgedanken, aber auch nur im Zusammenhang mit ebensolchen faschistischen, finden Eingang in diese linke Soziologensch√ľttung. Belegt wird sie durch Hinweis auf Gensicke, K√ľntzel, Krauss, Mallmann/C√ľppers und Tibi, the usual suspects. Die Autoren Klaus-Michael Mallmann und Martin C√ľppers kommen allerdings trotz ihrer urspr√ľnglichen Arbeitshypothese, die sich um die Tatsachen herumzudr√ľcken beabsichtigt, durch konsequent wissenschaftliche Arbeit zu einem anderen Ergebnis; vielleicht ist es ihnen selbst gar nicht aufgefallen? Es nutzt ihnen nichts, da√ü sie in der Einleitung, Seite 9, schreiben: Ausdr√ľcklich sei an dieser Stelle betont, da√ü es den Autoren des Buches keinesfalls darum geht, den Islam als eine Weltreligion zu diskreditieren. Wieso kann die zentrale Figur der pal√§stinensischen Nationalbewegung, der Mufti von Jerusalem Amin al-Husseini, den Nationalsozialismus bereits 1933 √ľberschw√§nglich begr√ľ√üen: Die antij√ľdischen Ma√ünahmen w√ľrden "in der ganzen mohammedanischen Welt mit Begeisterung" aufgenommen, und er hoffe auf die "Ausbreitung faschistisch antidemokratischer Staatsf√ľhrung auf andere L√§nder", wenn nicht die islamische Ideologie das hergibt? (22)

Dazu braucht man nicht einmal alle Verbrechen der Muslime an den Juden seit dem 7. Jahrhundert aufzulisten. 1933 hat die Hilfe f√ľr den Mufti und seine ideologische Beeinflussung durch die Nationalsozialisten noch gar nicht eingesetzt, im Gegenteil, die Deutschen z√∂gern; ihre finanzielle, milit√§rische und politische Unterst√ľtzung beginnt 1936. (23)

G√§nzlich zu kurz kommen bei Hartmut Krauss die Konvertiten. Sie h√§tten als Punkt c) zur von ihm so eingeteilten Vierten Ebene geh√∂rt, zur "Islamisierung auf leisen Sohlen" auf Grund des f√ľr den radikalen Islam gegenw√§rtig (noch) ung√ľnstigen Kr√§fteverh√§ltnisses in Europa (Seite 13):

a) nachhaltig höhere Geburtenrate der Immigranten,
b) Eroberung sozialer Handlungs- und Herrschaftsräume,
c) Konversion von originären Europäern zum Islam. (6)

Hartmut Krauss analysiert den Islam in seinem Buch und kommt zum Ergebnis, er sei ein religiös-kulturelles Bedeutungssystem ..., dessen Inhalte eine vormoderne Herrschaftsordnung absichern und legitimieren und damit die Integration in eine westliche Gesellschaftsordnung massiv behindern. (Seite 371)

So ist es, und die Weltreligion Islam, wie sie sich seit 1400 Jahren unver√§ndert pr√§sentiert, diskreditiert sich selbst; das zu begreifen, mu√ü man nicht die Forschungsergebnisse von Klaus-Michael Mallmann und Martin C√ľppers und die Analysen von Hartmut Krauss abwarten - oder wie ist der Schlachtruf der Glaubensk√§mpfer aka Mudjaheddin aus dem Jahr 634 d.Z. zu werten: Nimm den Glauben an, und du bist sicher; widrigenfalls zahle Tribut. Wenn du dich weigerst, beides zu tun, hast du es dir selbst zuzuschreiben. Ein Volk ist bereits √ľber euch gekommen, das den Tod so liebt wie ihr das Leben! (24)

Die Politideologie Islam ist nicht zu reformieren, entweder ruiniert sie die ganze Welt, oder wir gebieten ihrem Vordringen Einhalt; das Ende des Nationalsozialismus und des Sowjetsystems sind Belege daf√ľr, da√ü es nur so zu machen ist. Jeder Tag, der zugewartet wird bei der Eind√§mmung der Islamisierung Europas, kostet mehr Menschenleben. Wollen wir wieder auf das Eingreifen der USA warten oder gar Israel vorschicken, oder k√∂nnen wir Europ√§er das inzwischen schon allein?

21. Juli 2008

Quellen

(1) Hartmut Krauss: Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft. Eine kritische Bestandsaufnahme
Osnabr√ľck 2008. ISBN 978-3-00-024512-1. Hardcover. 455 Seiten. 24,00 ‚ā¨
http://tinyurl.com/6zkkb7

(2) Kritische Islamkonferenz vom 31. Mai bis 1. Juni 2008, Universität Köln.
Anti-Defamation Forum
http://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?threadid=3803

(3) Wie einst in der K-Gruppe. Die "kritische Islamkonferenz" wird von
Ideologen dominiert. Von Stefan Weidner. Quelle: S√ľddeutsche Zeitung
(Ausgabe: Fernausgabe - Feuilleton)
Nr.126, Montag, den 02. Juni 2008 , Seite 12
https://www.adf-berlin.de/wbb2/thread.php?postid=31839

(4) Nachbetrachtungen zur "Kritischen Islamkonferenz" (31. Mai ‚Äď 1. Juni 2008
in K√∂ln). B√ľrgerbewegung Pax Europa
http://tinyurl.com/5p3fhh

(5) Replik auf das Raunen eines Beinahe-Konvertiten. Von Hartmut Krauss, eingesetzt von Birne, islam-deutschland. info, 4. Juni 2008
http://tinyurl.com/5p3fhh

(6) Konvertieren - sich profilieren - herrschen. 8. September 2007
Darin: Stefan Weidner
http://www.eussner.net/artikel_2007-09-08_19-55-02.html

(7) Mysterium Konversion. Von Stefan Weidner, SZ Kultur, 7. September 2007
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/169/131932/

(8) Hartmut Krauss. GLASNOST Berlin
http://www.glasnost.de/autoren/krauss/

(9) Deutsche Doppelmoral. Von Malte Lehming. Kommentar von Klaus Weiss,
19.07.2008 15:33:19 Uhr. Tagesspiegel, 19. Juli 2008
http://tinyurl.com/5wdjne

(10) Death of Noureddin Kianouri. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, November 6, 1999. Al-Guardian, November 17, 1999
http://www.cpa.org.au/garchve1/980iran.html

(11) Sozialistische Einheitspartei Westberlins. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Einheitspartei_W estberlins

(12) Congratulations Geert. Your movie has created more Mujaahideen
amongst the Muslims. By Revolution, The Ignored Puzzle Pieces of Knowledge, March 27, 2008
http://tinyurl.com/5737jy

"Wilders, der niederländische anti-islamische Provokateur". 30. März 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-30_01-03-04.html

(13) Staatlich propagierter Rassismus unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Von Martin Kreikenbaum, WSWS, 12. Januar 2008
http://www.wsws.org/de/2008/jan2008/musl-j12.shtml

(14) Stichwort Becklash. Offener Brief an die Integrationsbeauftragte
Marieluise Beck u.a., 17. Dezember 2003
http://www.isioma.net/sds06203.html

(15) ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Der Islamist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf. 24. November 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-22-23.html

(16) Anf√ľhrungszeichen verhindern das Denken. Fundsachen, 26. November 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-11-26_19-20-08.html

(17) Aux sources du nouveau musulman, par Mondher Sfar, Paris. Studies in Religion / Sciences Religieuses. Revue canadienne/ A Canadian Journal, Volume 28 Number 3 / 1999
http://www.wlu.ca/press/jrls/sr/issues-full/28.3/sfar.fr.htm l

Un pamphlet antisémite circule dans les milieux propalestiniens radicaux. Xavier Ternisien, Le Monde, 13 juin 2002
http://moise.sefarad.org/belsef.php/id/826/

(18) Prof. Dr. Tariq Ramadan - 12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus. 19. November 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

(19) Der sozialistische Journalist. 28. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-28_01-17-09.html

(20) Die Behandlung antagonistischer und nichtantagonistischer Widerspr√ľche. "Rote-Fahne"-Artikel-Reihe zur proletarischen Streitkultur, Teil II. StefanEngel.info, 20. Juli 2008
http://www.stefanengel.info/index.php?option=content&task=vi ew&id=124

Das Wahldesaster der Herrschenden als N√§hrboden f√ľr den Aufschwung des Klassenkampfs und des echten Sozialismus. Interview mit dem Vorsitzenden der MLPD, Stefan Engel, vom 21.09.2005
http://tinyurl.com/66he9m

(21) The Risk Appreciation Society. Jason Potts, ARC Centre of Excellence in Creative Industries and Innovation (CCi)
http://tinyurl.com/5qu2et

(22) Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina. Fundsachen, 12. Februar 2007
http://www.eussner.net/fundsachen_2007-02-12_17-48-26.html

Der Judenhaß der muslimischen Welt und der Antisemitismus der Nazis haben keinen gemeinsamen Ursprung! 8. September 2006/5. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2006-09-08_01-09-41.html

(23) Who was the Grand Mufti, Haj Muhammed Amin al-Husseini? Palestine Facts
http://palestinefacts.org/pf_mandate_grand_mufti.php

(24) The Arab conquest and the coming of Islam. The Cradle of Civilization
http://members.fortunecity.com/thuraya/iraq_his.htm#


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