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Sylvain Gouguenheim: Der Historiker zum Abschießen

Die Kampagne der französischen Intellektuellen und ihrer linken Medien gegen Sylvain Gouguenheim, den Professor fĂŒr mittelalterliche Geschichte an der École normale supĂ©rieure von Lyon (LSH), ist in etwa das GegenstĂŒck zu der fĂŒr ihren Freund Charles Enderlin, den LĂŒgner in allen Sprachen, wie ihn Luc Rosenzweig treffend bezeichnet. UnermĂŒdlich ergĂ€nzt der NouvelObs einmal wöchentlich, zuletzt am 15. Juli 2008, die Liste der UnterstĂŒtzer, die sich, viele von ihnen, ohne daß sie ĂŒberhaupt wissen, worum es geht, auf die Seite desjenigen schlagen, der mit seinen widerlegten Behauptungen ĂŒber die angebliche Ermordung des 12-jĂ€hrigen palĂ€stinensischen Jungen Mohammed al-Dura an der Netzarim-Kreuzung in Gaza durch israelische SchĂŒtzen, am 30. September 2000, maßgeblich zur Entfachung der Intifada II beitrĂ€gt. (1)

Politiker und Medien Frankreichs sind arabischen GeschĂ€ftspartnern und Terroristen gleichermaßen zu Diensten; neu ist das nicht; in meinem Archiv befinden sich zahlreiche Artikel zum Thema. Kein Wunder, daß Jacques Chirac im Mai 2004 in den arabischen Staaten Marokko, Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten arabischen Emiraten als beliebtester Staatsmann genannt wird, noch vor dem 1970 verstorbenen FĂŒhrer des arabischen Nationalismus, dem Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Gamal Abdel Nasser, der Krieg gegen Israel fĂŒhrte, und dem GeneralsekretĂ€r der 1982 mit iranischer Hilfe gegrĂŒndeten schiitischen libanesischen Hezbollah Hassan Nasrallah. (2)

Dementsprechend haben es die Freunde und Genossen von pro-arabischen Politikern und Journalisten grundsĂ€tzlich nicht nötig, sich fĂŒr einen von diesen einzusetzen; denn es ist ungewöhnlich, daß einer der ihren ins Fadenkreuz der Kritik gerĂ€t. Das geschieht nur, wenn sich sehr hartnĂ€ckige Kritiker der Arabienpolitik Frankreichs nicht mehr alle LĂŒgen gefallen lassen und in mĂŒhseliger Kleinarbeit die gröbste Propaganda entlarven, wie Esther Schapira, Nahum Shahaf, Yosseff Doriel, die Equipe der MĂ©na, der kleinen Machrichtenagentur an der Grenze zum Libanon, mit Blick auf Hezbollah-Terroristen und ihre Freunde von der UNIFIL, und andere aufrechte Menschen. Sie sind es, die dafĂŒr sorgen, daß der Skandal nicht entsorgt, sondern ans Licht gebracht wird. (3)

Bekommen französische Intellektuelle der Sorte, die Charles Enderlin unbeschadet der Tatsachen unterstĂŒtzt, jemanden ins Visier, der nicht ihrer Ideologie anhĂ€ngt, dann laufen sie zur vollen Form auf. AnlĂ€ĂŸlich der Kampagne des Kollektivs der 56 Forscher der Geschichte und Philosophie des Mittelalters und ihrer Zeitung LibĂ©ration, am 30. April 2008, erinnert die Site eXtrĂȘmeCentre an einige FĂ€lle, in denen die Linken sich ĂŒber diejenigen hermachen, die nicht ihrer Ideologie anhĂ€ngen. Die AufzĂ€hlung ist nicht vollstĂ€ndig, so fehlt beispielsweise Alain Finkielkraut. Vor das Tribunal des islam-linken PolitbĂŒros werden in letzter Zeit gezerrt: (4)

  • Michel Houellebecq, dessen Interview mit Didier SĂ©nĂ©cal im Heft der Zeitschrift Lire, vom September 2001, veröffentlicht ist, vor dem 11. September 2001; der wird nĂ€mlich mit keinem Wort erwĂ€hnt. Wenn man den Koran liest, bricht man zusammen, Quand on lit le Coran on est Ă©ffondrĂ© ... Ă©ffondrĂ© ! sagt er, und wĂ€hlt dieselbe Vokabel, die am 11. September 2001 die Attentate beschreibt: les tours jumelles se sont Ă©ffondrĂ©es. Drei muslimische Organisationen verklagen ihn wegen Rassismus und "Islamophobie". (5)
  • Louis Chagnon, Studienrat fĂŒr Geschichte und Erdkunde in Courbevoie, einem Vorort von Paris, erklĂ€rt im September 2003 vor seiner Klasse die AnfĂ€nge des Islams und die kriegerischen AktivitĂ€ten Mohammeds. Ein Elternkomitee, der kommunistisch dominierte Mouvement contre le Racisme et pour l´amitiĂ© entre les peuples (MRAP) und die unkritisch fĂŒr die Rechte der palĂ€stinensischen Araber gegen Israel aktive Ligue des Droits de l´Homme (L.D.H.) verklagen ihn wegen des "SchĂŒrens von Rassenhaß gegenĂŒber Personen muslimischen Glaubens", das Rektorat der Schule spricht ihm einen Tadel aus. Der Beklagte klagt seinerseits gegen den MRAP, der seine Klage zurĂŒckzieht. Erst am 26. Februar 2008 wird die Disziplinarstrafe des Rektorats aufgehoben. (6)
  • 62 Personen aus der französischen Wissenschaft, der Kultur und dem öffentlichen Leben bezichtigen den Philosophen Alain Finkielkraut auf der salafistischen Web Site Oumma.com, am 8. Dezember 2005, des Rassismus und der Anstachelung zum rassistischen Haß und fordern von David Kessler, dem Direktor von Radio France Culture, seine Sendung abzusetzen. Alle Artikel, die ich zur Kampagne der Linken und islamischen Fundamentalisten gegen Alain Finkielkraut veröffentlicht habe, kann man unter dem Text Finky Finkielkraut, ich habe dich gewarnt! finden. Der Philosoph biedert sich inzwischen an seine Verfolger an - nicht immer ist jeder allzeit auf der Höhe. (7)
  • Die Satirezeitung Charlie Hebdo fĂŒr die Veröffentlichung der dĂ€nischen Mohammed-Karikaturen, vom 8. Februar 2006. Ich habe ausfĂŒhrlich darĂŒber berichtet. Die Klage gegen den Charlie und seinen Chefredakteur Philippe Val wird mit ausdrĂŒcklicher UnterstĂŒtzung der französischen Regierung eingereicht, im Auftrag des französischen PrĂ€sidenten Jacques Chirac, der den KlĂ€gern seinen persönlichen Anwalt Francis Szpiner zur Seite stellt. Sie wollen den Prozeß. KlĂ€ger sind der Conseil français du Culte musulman (CFCM) und sein angeblich moderater Vorsitzender Dalil Boubakeur, Vorsitzender der Grande MosquĂ©e de Paris, die gelenkt werden vom ElysĂ©e-Palast und vom Innenministerium. Charlie Hebdo und Philippe Val werden freigesprochen. (8)
  • Robert Redeker wegen seines Artikels im Figaro, vom 19. September 2006: Haß und Gewalt wohnen dem Buch inne, das jeden Muslim gelehrt wird, der Koran, und eine Welle von Haß und Feindschaft schlĂ€gt ihm aus dem Kreis seiner Kollegen und SchĂŒler, aus Politik und Medien, einschließlich vom fĂŒr ihn zustĂ€ndigen Minister entgegen. Auf Grund der sehr konkreten Morddrohungen radikaler Muslime lebt Robert Redeker bis heute verborgen. Seine Widersacher vom MRAP u.a. wollen einen Prozeß anstrengen, lassen aber wegen der Welle von UnterstĂŒzung, die Robert Redeker erhĂ€lt, davon ab. Ich habe einige Artikel zu Robert Redeker im Archiv; unter dem Text Robert Redeker lebt! findet man die Links zu den anderen BeitrĂ€gen. (9)

Nun also hat das Tribunal des islam-linken PolitbĂŒros den Historiker Sylvain Gouguenheim vor, und wieder lĂ€uft es ab, wie bekannt. Das Pamphlet des Kollektivs der 56, in der LibĂ©ration, vom 30. April 2008, und eine drittklassige Rezension des Johannes Wetzel in WeltOnline, vom 2. Mai 2008, können dem Buch nichts anhaben, auf dessen 288 Seiten Sylvain Gouguenheim darlegt, daß es einen wesentlichen Einfluß des Islams auf das europĂ€ische Christentum im Mittelalter nicht gegeben hat; er belegt seine Behauptung, da können seine Kritiker in der LibĂ©ration und in der Welt schreiben, was sie wollen. (10)

Ich habe ĂŒber die Kampagne im Artikel Sylvain Gouguenheim wird in der LibĂ©ration und der Welt vorgefĂŒhrt berichtet. (11)

Am 16. Juli 2008 nimmt sich Paul-François Paoli im Figaro ganzseitig des Falles an: L´historien Ă  abattre, etwa: Der Historiker zum Abschießen, zum Niedermachen. (12)

Seit drei Monaten sĂ€t der Essay des 48-jĂ€hrigen mehrfachen Buchautors Sylvain Gouguenheim ĂŒber die Wurzeln Europas Zwietracht im Intellektuellenmilieu. Sechs Jahre hat der Wissenschaftler fĂŒr das Buch geforscht, demnĂ€chst wird er eines ĂŒber die Geschichte der KreuzzĂŒge veröffentlichen. Seine HĂ€scher können sich schon einmal auf die Lauer legen; denn sie sind ĂŒberzeugt vom Fanatismus der KreuzzĂŒge: (13)

HĂ€scher: eigentlich, der da haschet, doch nur noch in engerer Bedeutung an einigen Orten ein Nahme der Gerichtsknechte, so fern sie zur Erhaschung flĂŒchtiger Verbrecher, imgleichen zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, besonders zur Nachtzeit, und zur Erhaschung der Störer derselben bestimmt sind. An andern Orten werden sie BĂŒttel, SchaarwĂ€chter, in NĂŒrnberg SchĂŒtzen, in Leipzig Knechte, oder Rathsknechte, in Bremen Waldknechte, eingentlich Gewaltknechte u. s. f genannt.

Die französische Linke kann nichts anfangen mit Begriffen wie "Wurzeln", "griechisch", "christlich", sie sind Mißtöne in ihren Ohren; denn fĂŒr sie kann Europa nur ohne IdentitĂ€t und ohne Grenzen sein, l´Europe ne peut ĂȘtre que sans identitĂ© ni frontiĂšre.

Unter dem Stichwort Die AffĂ€re Gouguenheim gibt es zwei Appelle aus der Hochschule gegen ihn, von Professoren, Forschern, Personal, Studenten und ehemaligen Studenten sowie der FĂ©dĂ©ration syndicale unitaire (FSU), der Gewerkschaft der BeschĂ€ftigten des öffentlichen Dienstes, deren Chef GĂ©rard Aschieri den Kommunisten nahesteht, und er ist aller Arten von Beschimpfungen ausgesetzt. Auf dem Blog Polart, der den Professor regelrecht vorfĂŒhrt und dazu eine lange Linkliste liefert, sogar mit einem Artikel in englisch, aus der International Herald Tribune, gibt es schon vor der Veröffentlichung der LibĂ©ration mehr als 200 Unterschriften. Die linken HĂ€scher sind ein fleißiges Völkchen, wenn es darum geht, den Delinquenten einzufangen, und der wagt es, einfach nicht zu antworten, wenn er vor die Meinungspolizei zitiert wird. (14)

Ihr hat er seine Forschungsergebnisse vorab nicht zur Begutachtung vorgelegt. Er hat also gegen den guten Brauch im Sozialismus verstoßen, daß der einzelne nicht ohne das Kollektiv zu handeln hat, ihm wĂ€ren die Forschungsergebnisse vorzulegen gewesen, und sie hĂ€tten, damit er nicht in sein UnglĂŒck laufe, dafĂŒr gesorgt, daß sie nicht veröffentlicht werden. In der Rezension des Buches von Hartmut Krauss ist es bereits Thema: Risikotoleranz und RisikofĂ€higkeit der Adepten des Marxismus sind nicht vorgesehen. Bitte keine AlleingĂ€nge, sondern die anheimelnde Geborgenheit der sozialistischen Volksgemeinschaft, die sehr böse wird und denjenigen bestraft, der sich nicht ans ungeschriebene Gesetz hĂ€lt. Der als links eingeschĂ€tzte Verlag Seuil macht sich gleich mit strafbar, in dem er das Buch veröffentlicht. So ist es auch zu erklĂ€ren, daß die Gewerkschaft, die nach meinem VerstĂ€ndnis als langjĂ€hrige ÖTV-Vertrauensfrau sich fĂŒr das Mitglied einzusetzen hĂ€tte, dies nicht tut, sondern sich in zur Politik hochstilisierte wissenschaftliche Querelen einmischt. Man kann einen Eindruck gewinnen, was mit einem geschehen wĂŒrde, der sich tatsĂ€chlich etwas zuschulden kommen ließe: er sĂ€he keine Sonne mehr - es sei denn, er hieße Charles Enderlin.

In einem Interview mit der Abendzeitung Le Monde zeigt sich Sylvain Gouguenheim erstaunt und verwirrt ĂŒber die Reaktionen, die sein Buch hervorruft, ĂŒber die Unterstellung von Absichten, die er nicht habe, er streite gar nicht ab, daß es auch arabische Übermittlung der griechischen Kultur gegeben habe, aber er lege die Betonung auf die direkte Vermittlung auf dem Weg ĂŒber Byzanz und Sizilien vom Griechischen ins Lateinische, wofĂŒr der Mont-Saint-Michel im 12. Jahrhundert dank Jacobus Veneticus das Zentrum gewesen sei. (15)

Der Wissenschaftler befaßt sich mit dem hochsensiblen Thema des "Islams der AufklĂ€rung", das ist Grund genug fĂŒr seine linken Kritiker, die im Besitz der absoluten Wahrheit ĂŒber die Rolle des Islams im Mittelalter sind, die Hetzkampagne loszutreten. Einzelheiten sind in meinem Artikel nachzulesen. Sylvain Gouguenheim macht Schluß mit den MĂ€rchen aus 1001 NĂ€chten. Die griechischen Philosophen seien vor allem von syrischen Christen ins Arabische ĂŒbersetzt worden, und das europĂ€ische Mittelalter sei nicht das dĂŒstere Zeitalter gewesen, wie manche es zeichneten.

Keiner seiner Kritiker stellt die Frage und weiß gar eine Antwort, ob es ĂŒberhaupt sein kann bei Kenntnis von Koran, Hadithen und Scharia, daß sich der Islam hellenisiert, daß arabische Denker den Rationalismus nach Europa bringen, wie die emeritierte Professorin fĂŒr französische Zivilisation (sic!) an der Al-Azhar UniversitĂ€t Zeinab Abdel Aziz behauptet und dabei von acht Jahrhunderten der Anwesenheit des Europa begrĂŒndenden Islams spricht. (16)

Mit dem Islam ist es immer umgekehrt, Griechisches wird islamisiert, es wird der Wissenschaft entzogen; denn es widerspricht der islamischen Lehre. Das mĂŒĂŸte allen einsichtig sein, die sich mit dem heutigen Islam und seinen Vertretern auseinandersetzen; ihr Hauptaugenmerk legen sie darauf, der westlichen Kultur zu entnehmen, was sich aneignen lĂ€ĂŸt, ohne die kleinste Regel des Islams zu verletzten. Das ist nicht viel, und deshalb liegt die islamische Welt hoffnungslos zurĂŒck. Tariq Ramadan schreibt lange Episteln dazu, wie sich die Muslime, und vor allem die Frauen unter ihnen, den westlichen Errungenschaften gegenĂŒber zu verhalten haben, um nicht mit ihren Pflichten aus Koran und Scharia in Konflikt zu geraten. Einige der Texte kann man auf seiner Site in englisch und französisch lesen.

Was ist aus den Milliarden Petrodollar geworden, die seit Jahrzehnten in die Kassen arabischer Staaten fließen? Wo sind selbstĂ€ndig entwickelte Wissenschaft und Kultur?

Dieselben Linksintellektuellen, die sich aufregen ĂŒber den angeblichen Ausverkauf der französischen Kunst an die kulturlosen ScheichtĂŒmer am Golf, unterstellen nun dem Islam, daß er ĂŒber Jahrhunderte das europĂ€ische Mittelalter bereichert habe, ĂŒber achthundert Jahre, wie frau in Al-Azhar weiß. (17)

Wer den Iran und sein Atomprogramm als Gegenbeweis anfĂŒhrt, der möge bedenken, daß sich die Perser niemals ganz dem Islam unterworfen haben, daß trotz der herrschenden Mollahs die persische Kultur lebt; sie wird niemals ausgerottet.

Nun ist Sylvain Gouguenheim so weit angegriffen, daß er seine Vorlesungen unterbrochen hat, und er ist umso mehr verletzt, als er die Urheber der Appelle und zahlreiche Unterzeichner kennt, die noch dazu ganz offen erklĂ€ren, daß sie das Buch nicht gelesen hĂ€tten. Auch das erinnert an den Appell fĂŒr Charles Enderlin, da wissen auch viele nicht, um welche Tatsachenbehauptungen es geht.

Einer der wĂŒtendsten Verfolger des Wissenschaftlers ist der von 2003 bis 2007 Stellvertretende Direktor der ENS-LSH Jean-Claude Zancarini, in seinem Maoistenleben genannt "Tarzan". Er gehört in der 68er-Bewegung zur Union des jeunesses communistes marxistes-lĂ©ninistes, UJC (ml), der Vereinigung der marxistisch-leninistischen kommunistischen Jugend, einer maoistischen Gruppe; bis 1973 ist er aktiv tĂ€tig in deren paramilitĂ€rischer Abteilung, den Groupes de protection et d´autodĂ©fense (GPA), den Schutz- und Selbstverteidigungsgruppen, die u.a. im April 1968 die von Rechtsextremen um Roger Holeindre, den spĂ€teren MitbegrĂŒnder des Front National, organisierte Ausstellung ĂŒber die "Verbrechen" des Vietcong angreifen. Jean-Claude Zancarini gehört zum harten Kern der 68er. Über seine Rolle kann man sich informieren in der im Februar 2008 in den Éditions du Seuil erschienenen Neuauflage des Buches von Christophe Bourseiller Les maoĂŻstes : La folle histoire des gardes rouges français, Die Maoisten: Die verrĂŒckte Geschichte der französischen Roten Garden. Jean-Claude Zancarini ist gewissermaßen die intellektuelle Variante unseres Polizisten-verprĂŒgelnden Schulabbrechers Joschka Fischer. Aus diesen Kreisen kann niemand Debattenkultur erwarten, wohl aber kann man erwarten, daß eine Hochschule diesem Revoluzzer nicht noch 40 Jahre spĂ€ter bis zur ErwĂ€gung von Disziplinarmaßnahmen eines wissenschaftlichen Werkes wegen folgt. (18)

In dem sich die französische Intelligenz hinter solche Demagogen schart, erklĂ€rt sie sich selbst fĂŒr bankrott - und ist darauf auch noch stolz.

Unter anderen Himmeln hĂ€tte Aristote au Mont-Saint-Michel gelehrte Debatten von Spezialisten entfacht. In Frankreich, wo der intellektuelle Terrorismus fröhliche UrstĂ€nd feiert, löst sein Erfolg eine unserer nationalen Besonderheiten aus: den Apparat zum Diskreditieren, schreibt Paul-François Paoli. Der Vorwurf, daß rechtsextreme Sites Sylvain Gouguenheim publizieren, rechtfertigt die Auslösung einer Menschenjagd. Nur wenige seiner Kollegen stellen sich bei dem Angriff auf seine Seite, der anerkannte MediĂ€vist Jacques Le Goff ist einer dieser seltenen Spezies. Die bekanntesten MediĂ€visten unterschreiben den Appell nicht. Alain Finkielkraut verteidigt Sylvain Gouguenheim und lĂ€dt ihn in seine Sendung auf Radio France Culture ein.

Die SchĂŒler von Sylvain Gouguenheim unterzeichnen ihrerseits eine Petition zur UnterstĂŒtzung ihres Hochschullehrers, aber der Schaden ist da. Bitte sehr, hier ist der Autor, gezeichnet vom glĂŒhenden Eisen des Verdachts. War das nicht genau die ursprĂŒngliche Absicht der Verfasser des Appells? fragt Paul-François Paoli.

Zwei muslimische Intellektuelle, der Anthropologe und Philosoph Malek Chebel und der Dichter und Schriftsteller Abdelwahab Meddeb erklĂ€ren schlicht, daß sie nicht ĂŒber das Buch diskutieren wollen, und daß sie es auch gar nicht erst lesen. Da erkennt man sofort den im Mittelalter steckengebliebenen islamischen Ansatz: Ich möchte nicht teilhaben an der Verbreitung eines schlechten Buches, dessen Leitartikel- AktualitĂ€t nicht aufhört die These zu widerlegen, meint Abdelwahab Meddeb. So ist´s brav, und Allah wird´s ihnen lohnen. Allerdings reihen sich die beiden Muslime ein in die Beweiskette fĂŒr die Richtigkeit der Forschungsergebnisse des Sylvain Gouguenheim, oder meint jemand, daß bei solchen Reaktionen im Jahr 2008 auch nur die geringste Wahrscheinlichkeit besteht, daß im Mittelalter die muslimischen Wissenschaftler und Philosophen, von einigen Ausnahmen abgesehen, wie dem 1126 in Cordoba geborenen Arzt und Philosophen AverroĂ«s, der fĂŒr seine Aufforderung an die Menschen, ihre Vernunft zu gebrauchen, nach Nordafrika verbannt wird und dort 1198 stirbt, sich der freien Erforschung der griechischen Philosophie und Wissenschaften gewidmet hĂ€tten?

21. Juli 2008

Quellen

(1) Appel. Pour Charles Enderlin, NouvelObs.com, 27 mai 2008/15 juillet 2008
http://tinyurl.com/3w7ozo

Charles Enderlin, menteur en toutes les langues. Par Luc Rosenzweig, Metula
News Agency, 3 février 2005
http://www.menapress.com/article.php?sid=1014

(2) Arabische Terroristen: ja! - Ariel Sharon: nein! 7. August 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-08-07_18-54-40.html

(3) Mohammed al-Dura. Wie der Skandal entsorgt werden soll. 3. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-03_21-58-10.html

(4) Le cauchemar Vychinsky : Sylvain Gouguenheim. Par sil, eXtrĂȘmeCentre,
30 avril 2008
http://tinyurl.com/5tdnwc

(5) Michel Houellebecq. Par Didier Sénécal, Lire, septembre 2001
http://www.lire.fr/entretien.asp/idC=37437/idTC=4/idR=201/id G=

Michel Houellebecq devant la justice pour injure Ă  l´islam. Par AFP, Yahoo ActualitĂ©s, 17 septembre 2002
http://www.geocities.com/atheisme/textes_divers/2002_09_18ho uellebecq.htm

(6) Le MRAP enfin devant ses pratiques diffamatoires au procÚs intenté par
Louis Chagnon, Atheisme.org, février 2005
http://www.atheisme.org/chagnon.html

(7) "Alain Finkielkraut muß weg !" 11. Dezember 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-11_00-13-22.html

Finky Finkielkraut, ich habe dich gewarnt! 8. August 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-08-08_02-49-31.html

(8) Politischer Prozeß in Frankreich gegen Charlie Hebdo und der Mekka-SPIEGEL. 22. November 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-11-22_23-08-27.html

(9) Robert Redeker lebt! 10. Februar 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-02-10_22-28-44.html

(10) Oui, lŽOccident chrétien est redevable au monde islamique. Un collectif international de 56 chercheurs en histoire et philosophie du Moyen Age, Libération, 30 avril 2008
http://www.liberation.fr/rebonds/323893.FR.php

Was Europa dem Islam verdankt – und was nicht. Von Johannes Wetzel, WeltOnline, 2. Mai 2008
http://tinyurl.com/58ts55

(11) Sylvain Gouguenheim wird in der "LibĂ©ration" und der "Welt" vorgefĂŒhrt.
9. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-09_01-25-52.html

(12) L´historien Ă  abattre. Par Paul-François Paoli, Le Figaro, 16 juillet 2008
http://tinyurl.com/6fsjew

(13) Oeconomische EncyclopÀdie online. Oekonomische Encyclopaedie der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft. Von D. Johann Georg Kruenitz. UniversitÀtsbibliothek Trier
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

(14) L´Affaire "Sylvain Gouguenheim" Ă  LENS LHS (Lyon) : Histoire, rĂ©criture, ideologie et xenophobie, par arnaud, Polart - poĂ©tique et politique de l´art,
1 mai 2008
http://tinyurl.com/5szhw6

Europe´s debt to Islam given a skeptical look. By John Vinocur, IHT, April 28, 2008
http://www.iht.com/articles/2008/04/28/europe/politicus.php? page=1

(15) Sylvain Gouguenheim "On me prĂȘte des intentions que je n´ai pas". Propos
recueillis par Jean Birnbaum, Le Monde des Livres, 25 avril 2008 (abonnés)
http://www.lemonde.fr

(16) Les Vraies Racine De L´europe. Par Dr. Zeinab Abdel Aziz, articlesbase,
17 avril 2007
http://fr.articlesbase.com/article_134227.html

(17) Le Louvre oder: Frankreichs Elite versinkt in Neid, Haß und RealitĂ€tsverlust. 30. Januar 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-01-30_20-34-59.html

(18) Union des jeunesses communistes marxistes-léninistes. Wikipédia
http://tinyurl.com/68vu2t

Christophe Bourseiller. Les maoĂŻstes : La folle histoire des gardes rouges français (Poche), Éditions du Seuil. Points Document, fĂ©vrier 2008
http://tinyurl.com/6mkqjd


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