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Carlos der Schakal, Mörder ohne Grenzen, im "Figaro"

Während des Sommerlochs unterhält der Figaro seine Leser, meist auf der Seite 2, mit Ennemis publics, mit Staatsfeinden. Jules Bonnot, Billy the Kid, Al Capone, Cartouche u.ä., und am 8. August 2008 ist´s der Massenmörder Ilitch RamĂ­rez Sánchez, Spitzname: "Carlos", auch genannt Carlos der Schakal. (1)

Den Autor Thierry Oberlé und seine Märchen aus Beirut und Bogotá habe ich bereits vorgestellt. Dieser Journalist, eine Art Joker, wird immer dann von der Redaktion eingesetzt, wenn es gilt, Tatsachen zu verdrehen, zu erfinden und/oder zu verschleiern. Dazu wird er in die Hauptstädte der Welt entsandt, das verleiht den Berichten die Authentizität, und alles, was er verfälscht, wegläßt und phantasievoll ergänzt, gewinnt Glaubwürdigkeit; denn schließlich berichtet er vom Ort des Ereignisses. Man könnte allerdings auch den Eindruck gewinnen, die Redaktion machte ihre Arbeit lieber ohne ihn - je weiter weg, desto besser!

In Beirut weiß er über die Hezbollah, was man mit einiger Googelei rasch findet, in Bogotá berichtet er ohne jede Hintergrundinformation über die Zusammenarbeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mit den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC). (2)

Nun nimmt er sich auf einer ganzen Seite, diesmal als rond-de-cuir im Redaktionssessel, vielleicht aber auch mit Laptop am Strand der CĂ´te d´Azur, des Terroristen Carlos an, vielen Berlinern unvergessen durch das Attentat auf das Maison de France, Ku-Damm/UhlandstraĂźe, vom August 1983. Carlos "Maison de France" Berlin gibt noch heute 940 Angebote auf den deutschen Seiten von Google.de. (3)

Über Carlos habe ich im Zusammenhang mit dem Israelfeind Maître Jacques Vergès, dem Verteidiger von Verbrechern jeglicher Couleur, von Klaus Barbie bis zu algerischen Terroristen vom Groupe islamique armé (GIA), vom Holocaustleugner Roger Garaudy bis Tariq Aziz und Saddam Hussein, und seiner Mitarbeiterin Isabelle Coutant-Peyre berichtet, über die Anwältin des Terrors, Freundin des Holocaustleugners Roger Garaudy, dessen Zeitschrift À contre nuit sie herausgibt, die den 1997 zu lebenslanger Haft verurteilten Carlos im Gefängnis heiratet und sich mit ihm nach seiner Haftentlassung in Venezuela niederlassen will. Sie hält Carlos für einen freundlichen Menschen und für unschuldig, alle Anklagen seien manipuliert, Carlos sei ein Politiker, der sein Leben einem politischen Prinzip gewidmet habe, einer revolutionären Vision. Terror hält sie in bestimmten Fällen für gerechtfertigt, die materialistische Ausbeutung sei ebenfalls Terror. (4)

Über die marxistisch-leninistische Popular Front for the Liberation of Palestine und ihre Kämpfer, darunter auch Carlos, gibt es von mir anläßlich des durch Terroristen der PFLP verübten Selbstmordattentates in Tel Aviv, vom Montag, den 2. November 2004, den Artikel Aktivitäten der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) von ihrer Gründung bis heute. Schon aus der Auflistung der Verbrechen der Terrorgruppe geht hervor, welche arabischen Staaten sich von Anfang an aktiv oder indirekt, durch Gewährenlassen, an dem Terror beteiligen: Jordanien, Algerien, Syrien, Ägypten, der Libanon, Tunesien. (5)

Carlos Beitrag gemäß Auflistung; von Michel Moukharbal wird weiter unten noch die Rede sein:

  • Am 30. Dezember 1973 versucht Carlos, den einfluĂźreichen jĂĽdischen Geschäftsmann Joseph Sieff, den Präsidenten von Marks and Spencer, in dessen Londoner Haus zu ermorden. Er ĂĽberlebt schwerverletzt.
  • Im September 1974 wirft Carlos, inzwischen als zweiter Mann unter Michel Moukharbal in Paris, eine Handgranate in das Pariser CafĂ© Les deux magots und tötet damit zwei Menschen und verwundet 34.
  • Ab Januar 1982 organisiert Carlos weitere Attentate in Frankreich.
  • Im September 1991 versucht Carlos, der aus Syrien ausgewiesen wird, mit seiner Familie im Libanon unterzukommen. Das wird dort abgelehnt.
  • Im Oktober schafft er es mit syrischer Hilfe, illegal nach Jordanien einzureisen. Dort wird ihm gestattet, fĂĽr zwei Jahre zu bleiben. Er nimmt sich eine zweite Ehefrau, die 23-jährige Jordanierin Abdel Salam Adhman Jarrar Lana. Seine ĂĽbrige Familie reist aus Jordanien aus.

Wie sich England, Deutschland und Frankreich gegenĂĽber diesem Terrorismus verhalten, geht ebenfalls daraus hervor: wie Dhimmis. (6)

  • Im Oktober 1970 entscheidet Premierminister Edward Heath, Leila Khaled nach 28 Tagen Haft gegen Geiseln auszutauschen. Sie wird angeklagt, aber nicht dem Gericht vorgefĂĽhrt.
  • Obgleich sie jederzeit in England angeklagt und verurteilt werden kann, reist sie im Mai 2002 zehn Tage unbehelligt durch England, wo sie u.a. vor Studenten der School for Oriental and African Studies Terrortaktiken lehrt und erklärt: Es gibt keine Suizidbomber, das sind Freiheitskämpfer. (7)
  • Im Februar 1972 wird eine Lufthansa Maschine entfĂĽhrt. Die Passagiere, unter ihnen ein Mitglied der Kennedy-Familie kommen frei, nachdem Deutschland 5 Millionen Dollar Lösegeld bezahlt.
  • Im Januar 1992 wird George Habash, der Terroristenchef der von ihm und Wadi Haddad gegrĂĽndeten PFLP im Einvernehmen mit Frankreichs Staatschef François Mitterrand zur medizinischen Behandlung im Krankenhaus Henri Dunand nach Paris eingeflogen. (8)
  • Zunächst unter Polizeiaufsicht gestellt, wird diese am 1. Februar 1992 beendet und George Habash darf unbehelligt nach Tunis ausfliegen.

Welche Neuigkeiten bringt Thierry Oberlé über den Terroristen?

Unter einem ca. ein Viertel der Seite einnehmenden Foto des zigarrerauchenden Carlos, aus besseren Tagen, beginnt er mit einem Carlos-Interview der Zeitung Al Watan al Arabi, dort schildere der Terrorist den Mord an Jean Donatini und Raymond Dous sowie einem libanesischen Zuträger, an zwei Geheimdienstagenten der französischen Direction de la surveillance de territoire (DST), die er mit Namen nennt. Das Datum des Interviews, den Erscheinungsort der Zeitung und den Namen des Libanesen verschweigt er. Diese Informationen wären leicht zu erhalten, wenn man einen anläßlich der Prozeßeröffnung in Paris, am 13. Dezember 1997, von Craig Whitney verfaßten Artikel der NYTimes konsultierte. Dazu müßte man allerdings englisch lesen können. Oder steckt auch hier Absicht hinter der mangelhaften Information? Soll die Rolle des Libanesen heruntergespielt werden? Sind Libanesen weniger wichtig als Franzosen, so daß man ihre Namen nicht nennt?

Gegen den Libanesen Michel Moukharbal, den die Polizei für ein Mitglied der PFLP halte, werde ermittelt wegen Attentaten gegen die israelische Fluggesellschaft El Al, auf dem Pariser Flughafen Orly, schreibt Craig Whitney. Er führe die unbewaffneten (!) DST-Agenten zu einer Adresse, bei der sie Carlos zufällig aufspürten. Der schieße auf sie, einen Polizeibeamten und den Libanesen, mit einem automatischen Gewehr und entgehe der Verhaftung durch den Sprung aus einem Fenster. Der Zeitung Al Watan al Arabi sage Carlos im Interview, Ende 1979, Michel Moukharbal sei "ein Verräter der Arbeit, die wir tun". Der israelische Geheimdienst und französische Polizei-Agenten hätten ihm etwas angehängt, um einen Keil zu treiben zwischen Frankreich und die palästinensischen Organisationen.

Thierrry Oberlé macht den Lesern weis, daß die Auftraggeber des Carlos, die Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) des palästinensischen Christen Dr. George Habash, Arzt wie mancher arabische Terrorist, anfangs allein unterstützt worden sei von Ländern aus dem Machtbereich des Sozialismus. Er sei Student an der Patrice Lumumba-Universität von Moskau, der Schule für kleine internationalistische Revolutionäre der Dritten Welt gewesen. Kein Wort berichtet Thierry Oberlé davon, daß er und sein Bruder Lenin 1970 als Unruhestifter aus der Sowjetunion ausgewiesen werden. Nur die DDR, Ungarn und Rumänien unterstützen ihn bis Mitte der 80er Jahre, bieten ihm Unterschlupf und benutzen ihn für ihre Zwecke, beispielsweise zur Destabilisierung Westberlins. Das Attentat aufs Maison de France begeht er nach einem Grenzübertritt von Ost- nach Westberlin, im "Tränenbunker" braucht er dazu nicht anzuhalten. Algerien läßt ihn im Dezember 1975 im Zusammenhang mit der Geiselnahme von zehn OPEC-Ministern in Wien, nachdem er drei Menschen ermordet hat, mit drei Geiseln ausfliegen. Algerien ist wie Syrien und Libyen kein Land des real-existierenden Sozialismus. (9)

Die seit 1953 bestehende, von Dr. George Habash gegründete Vorgängergruppe Arab Nationalist Movement (ANM) unterhält zur Zeit der britischen Verwaltung Büros in Kuwait, Libyen und Saudi-Arabien. Wo sind sie geblieben? Global Security weiß von Unterstützung der PFLP durch Syrien und Libyen. In Damaskus befindet sich das Hauptquartier der PFLP, wer finanziert es? Wieder werden Verbindungen zu arabischen Staaten unterschlagen, die Unterstützung gewähren, obgleich sich die PFLP nicht religiös, sondern als Kämpferin gegen den Imperialismus versteht. (10)

Thierry Oberlé schreibt dann, daß nach dem Attentat auf die OPEC-Minister an Carlos das Geld in Strömen vom Irak und aus Libyen geflossen sei. Stoßrichtung seines Kampfes sei der "westliche Kapitalismus". Er sei von einer Hauptstadt der Satelliten Moskaus zur nächsten gereist, und er ist zu Hause in den Bruderstaaten der arabischen Welt. Durch ein System von komplexen Verbindungen sei die Gruppe des Carlos mit europäischen und östlichen Geheimdiensten verbunden gewesen, mit der deutschen RAF oder mit der Stasi, mit Nicola Ceausescu und mit der ETA; so formuliert, mag der französische Leser die RAF für einen westdeutschen Geheimdienst halten. Dann folgen kriminelle Handlungen, Entführungen und Morde aus den 80er Jahren, er erschießt einen seiner Mitstreiter, weil er ihn für einen Agenten der libanesischen Hezbollah halte. Wie das, Thierry Oberlé, wenn seine arabischen Financiers nicht Konkurrenten der iranischen wären, und Carlos nicht längst als Teil religiös verbrämter Machtkämpfe zwischen Sunniten und Schiiten operierte?

Aus Syrien wird er 1991 samt Mutter, Ehefrau und Tochter Rosa ausgewiesen, angeblich, weil Syrien nicht mehr als Territorium gelten wolle, das Terroristen eines anderen Zeitalters beherberge. Wieso beherbergt Syrien dann das politische Hauptquartier der Hamas mit seinem Weltführer? Ist die Hamas keine Terroristenorganisation eines anderen Zeitalters, sondern modern? Ist sie vielleicht gar keine Terrororganisation, Thierry Oberlé? (11)

Im Sommer 1994 wird Carlos von französischen Geheimdienstagenten unter der Leitung des Generals Philippe Rondot, meinen Lesern bekannt aus der Clearstream-Affäre, in Khartoum aufgespürt und mit Einverständnis der dortigen Regierung nach Frankreich verbracht, weil der Regierungschef Umar Hasan Ahmad al-Bashir, unter den Einfluß des islamischen Fundamentalisten Hassan al-Tourabi geraten, den Aufenthalt dieser aufrührerischen Unannehmlichkeit aus einer entschwundenen Zeit nicht will. Er hebt seine Aufmerksamkeit für einen anderen Exilanten auf, der bald von sich reden machen wird, einen gewissen Osama bin Laden. (12)

Carlos alias Abdallah Barakat lebt in einem kleinen Zimmer des Hotels Hilton, mit Blick auf den Nil, schreibt Thierry Oberlé. Zu der Zeit gebe er sich als Geschäftsmann aus, bewaffnet sei er mit einer Magnum Pistole. Einige seiner Gefährten, wie Joseph Weinrich, seien mit ihm. Carlos spiele Tennis, schwimme, lese internationale Zeitungen, liebe den Whisky und Havanna-Zigarren. Er sei Mitglied eines Privatclubs. Dann ziehe er plötzlich in ein kleines Appartment, das eines Terroristen auf Rente würdig sei, in einer Residenz nahe der Botschaft Frankreichs. Dort spürt ihn General Philippe Rondot auf.

Die Franzosen können den Terroristen betäuben, zusammenschnüren und ihn am 15. August 1994 aus dem Sudan mitnehmen, weil dort inzwischen die Zeit gekommen ist, da man sich aller sozialistischen und kommunistischen Verbündeten entledigt, über die bis zum Fall der Berliner Mauer so wertvolle logistische und finanzielle Hilfe geflossen ist. Nicht, daß solches etwa deutschen Linken und Politikern der bürgerlichen Parteien heute eine Warnung wäre, was mit ihnen geschieht, wenn die Muslime sich die Herrschaft angeeignet haben - aber Carlos ist schlauer als sie.

Er bekommt 1997 lebenslänglich für den Mord an Raymond Dous und Jean Donatini, er sitzt ein im Gefängnis von Clairvaux, einem Ort ca. 250 Kilometer südöstlich von Paris. Demnächst habe er vor Gericht zu erscheinen wegen der Attentate von 1982 und 1983. Auf einer Postkarte an seine Tochter Rosa schreibe er: "Bis bald", als wenn er überzeugt wäre, rasch aus dem Gefängnis zu kommen. "Er lebt noch immer in seiner Welt, jemand sollte ihm die Wahrheit sagen", kommentiert seine ehemalige Frau Magdalene Kopp in ihren Memoiren.

Damit endet der Bericht, der außer einigen Details aus Gerichtsprotokollen und die Vorlieben des Carlos für Havanna-Zigarren keine über den Stand von 2004 hinausgehenden Neuigkeiten enthält, und ich ergänze zunächst aus meinem Artikel über Antisemitismus und Israelfeindschaft in Frankreich, vom 25. April 2004 (!) einige nicht unwichtige Informationen, für die auf einer ganzen Seite des Figaro kein Platz ist. (4)

Ilitch Ramírez Sánchez, alias Carlos: L´islam révolutionnaire

Carlos konvertiert im Gefängnis zum Islam und schreibt ein Buch mit dem Titel L´Islam révolutionnaire, der revolutionäre Islam. Text und Gespräche werden aufgezeichnet und vorgestellt von Jean-Michel Vernochet, der im Jahre 2002 auch einen Film über Afghanistan dreht. Das Buch kommt im Juni 2003 bei den Éditions du Rocher heraus und kostet um die 20 Euro. Es gibt Kapitel über die Scharia, den Islam, Unterwerfung unter den göttlichen Willen, den politischen, islamistischen, revolutionären Islam, vom Glaubenskrieg zum heiligen Krieg, Terror und Lüge und über den Dritten Weltkrieg.

Carlos fordert in dem Buch alle Revolutionäre, rechte und linke, auf, Osama bin-Laden als Führer anzuerkennen, um so Afghanistan und den Irak in einen Friedhof für den amerikanischen Imperialismus zu verwandeln. Die USA müßten durch konzertierten ständigen Terror zerstört werden.

Das Buch gibt einen Einblick, wie arabische Staaten, Ägypten, Algerien, der Irak, Libyen und Syrien routinemäßig Terror als Staatspolitik benutzen. Es zeigt auch die Verbindung zwischen radikalem Atheismus und fundamentalistischer Religion auf. Die Übergänge zwischen beiden sind fließend. Unter beiden Flaggen kann die Zerstörung des Imperialismus und der USA als seinem Hauptvertreter betrieben werden. Carlos sieht, daß nur der revolutionäre Islam die zur Zerstörung des Imperialismus notwendige Quantität an Terroristen und Märtyrern hervorbringen kann. Er fordert alle radikal-islamischen Gruppen auf, Allianzen mit radikal-politischen, auch linksradikalen Gruppen einzugehen. Dazu müsse der Islam reformiert werden, die Pflichten der Muslime wie Beten, Fasten und Pilgerschaft nach Mekka seien nicht so vordringlich wichtig wie der Krieg gegen die USA. Es sei für alle Muslime nötig, sich einen Bart wachsen zu lassen, und für alle Frauen, den Schleier oder das Kopftuch zu tragen. Beides könne als Terrormittel benutzt werden, den Amerikanern zu zeigen, daß der Feind mitten unter ihnen weile.

Der Terrorismus sei durch seine psychische Wirkung, daß er nämlich die Moral des Gegners zerstöre und ihn von größeren Aktionen abhalte, die sauberste und effizienteste Form der Kriegführung. Carlos widmet sich der Aufhetzung der Muslime gegen die USA, ein Regimewechsel in den diktatorischen arabischen Staaten interessiert ihn nicht.

Der Kampf gegen die Juden und Israel sei nur eine Etappe im Glaubenskrieg. So sehen es die islamischen Fundamentalisten weltweit, von den Da´wa-Predigern der vornehmen Islamic Foundation, in Markfield/Leicester, über Scheich Mohamed Sa´id Ramadan al-Bouti, von der Universität Damaskus, bis zu den Terroristengruppen von Hamas und PIJ. Sie legen Koran, Suren und Hadithe so aus, daß damit ihr Anspruch auf Machterweiterung abgesichert ist. Israel und die USA werden dabei als die härtesten Hindernisse wahrgenommen. (13)

Die Infamie der EU-Kommission und der Regierungen Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens besteht darin, daß sie die Angriffe der radikalen Muslime und ihrer Terrorgruppen zur Schwächung der strategischen und wirtschaftlichen Position der USA ohne Rücksicht auf die betroffenen Israelis und Palästinenser auf Kosten der USA zur Ausweitung ihres eigenen Machtbereichs dulden und fördern. Darum wird auch die Ächtung dieser Gruppen von der EU verweigert. Ein gefährliches Spiel, bei dem Antisemitismus und Israelfeindschaft ganz unweigerlich anfallen.

Carlos in den Aktualitäten

70 300 Angebote macht Google.fr bei Eingabe von Carlos converti Islam. Selbst in den Actualités findet sich noch ein Angebot, sinnigerweise ebenfalls aus dem Figaro, von den hinteren Seiten, wo Ivan Rioufol schreiben darf. Dort geht es um noch eine Petition zugunsten eines linken Antisemiten, diesmal um den Karikaturisten Siné, der das jahrhundertealte Stereotyp von Juden, Geld und Macht bedient: "Jean Sarkozy (der älteste Sohn des Staatspräsidenten) hat erklärt, er wolle zum Judentum übertreten, bevor er seine jüdische Braut und Erbin der Gründer von DARTY eheliche. Er wird seinen Weg im Leben machen, dieser Kleine." (14)

Ivan Rioufol verweist auf die Geschichte des Antisemitismus in Frankreich, angefangen bei Charles-Louis de Secondat Baron de Montesqieus Lettres persanes, wo er Usbek erklären läßt: "Wisse, daß überall, wo Geld ist, Juden sind"; er bereitet damit den Weg des Edouard Drumont (1886) und dieses gutaussehenden bürgerlichen Antisemitismus, der in Vichy mündet. Aber das ist mehr oder weniger derselbe Bereich, nur versteckter, der heute die Reden der Globalisierungskritiker leitet, die die "Vermarktung" der Welt, die Profitgesellschaft, den Kapitalismus, den Zionismus anklagen. In seiner 2003 verfaßten Verherrlichung des "revolutionären Islam" (Editions du Rocher), rühmt der uruguayische (Versehen, es muß heißen der venezuelanische) Terrorist Carlos, zum Islam konvertierter Marxist, Freund von Chávez und Bouteflika, das, was er die "Anti-Globalisierungsbewegungen" nennt, die er als Verbündete seiner neuen Sache des Glaubenskrieges ansieht.

Schon die ersten der 433 Kommentare sind lesenswert; sie zeigen die desolate Verfassung der französischen Intellektuellen, die meinen, der Satz des SinĂ© sei nicht antisemitisch (Jean Sarkozy hat inzwischen ĂĽbrigens erklärt, niemals irgendetwas von Konversion gesagt zu haben); "Vichy" hätten die Franzosen durch eine gewisse Besatzungsmacht erdulden mĂĽssen; die Verteidigung des Bernard-Henri LĂ©vy fĂĽr Philippe Val, der SinĂ© fĂĽr seine Ă„uĂźerungen gekĂĽndigt hat, sei mitleiderregend; dann geht´s gegen la pensĂ©e unique, das Einheitsdenken, einen Begriff, der einmal dies, ein andermal jenes bedeuten kann, jedenfalls immer die Denke, die den Gegner der Linken denunziert; daĂź SinĂ© jetzt gekĂĽndigt werde, weil er den Charlie Hebdo des Philippe Val nicht mehr finanziere u.ä.

Die Anwältin Isabelle Coutant-Peyre, inzwischen vertritt sie auch den Terroristen Zacarias Moussavi und den in Kathmandu lebenslänglich einsitzenden "Bikini Killer" Charles Sobhraj, ist anscheinend noch mit dem Islamkonvertiten verheiratet. (15)

Ilitch Ramírez Sánchez bringt noch heute 13 Aktualitäten. Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Radovan Karadzic werden von N24 lange unentdeckt gebliebene Schwerverbrecher vorgestellt, Carlos ist einer davon, und der Internetauftritt El Pueblo de Ceuta veröffentlicht einen sehr interessanten Beitrag über die auswechselbare Identität des Carlos und des Hugo Chávez Frías. Der Autor Quim Sarriá tut so, als glaube er nicht, daß der in Clairvaux einsitzende Häftling Carlos ist: Carlos ist kein Mann, so wie wir ihn verstehen, sondern eine Organisation, die dazu da ist, Auftragsmorde an wichtigen Leuten auszuführen. Eine Organisation mit der Struktur einer Regierung. Eine Organisation die über etliche oder viele Mittel verfügt, mit denen welche Regierung auch immer sich darin ein dichtes Netz von Terroristen hält. Sie operiert schlicht und einfach für Geld. Carlos sei nichts anderes als einer der vielen bezahlten Berufskiller, die als Aushängeschild für die Organisation funktionierten: Chávez ist Carlos. Carlos ist Chávez. Dieser Gedanke verlasse ihn nicht mehr.

Er fügt den Brief an, den Hugo Chávez an Ilitch Ramírez Sánchez am 3. März 1999 geschrieben hat, an den verehrten Landsmann, und den er unterschreibt: Con profunda fe en la causa y en la misión, !por ahora y para siempre! Mit tiefem Glauben an die Sache und den Auftrag, jetzt und für immer! Hugo Chávez Frías. (16)

Das glaubt keiner? Das kann nicht sein? Commandante: abogue por Carlos, Führer: tritt für Carlos ein. Im letzten Jahr habe sich der Führer Hugo Chávez sowohl in Amerika als auch in Europa für viele Verfolgte eingesetzt. Auch zur Befreiung von Ingrid Betancourt habe er seinen Einfluß geltend gemacht, der Staatschef befinde sich dadurch in der Galerie der Wohltäter der Menschheit. Aber für einen politischen Gefangenen habe sich Hugo Chávez noch nicht mit ganzer Kraft eingesetzt, der sitze in einem entfernten Gefängnis, aber eine Stimme der Solidarität sei noch nicht vom Führer ausgegangen. Mit Alfred Dreyfus wird dieser Gefangene vom venezuelanischen Exekutivsekretär des Movimiento liberal/libertario Resistencia Civil Domingo Alberto Rangel gleichgesetzt.

Dieses Gefängnis, in dem Männer und Frauen des Widerstandes gefangen gehalten würden, heiße "La Conciergerie", dort befinde sich seit fast 15 Jahren derjenige, der von der französischen Justiz verurteilt wurde, der vergessene Häftling. Nur unter Mühen dürfe ihn seine französische Ehefrau besuchen. Fälschlich werde er bis hin zur Le Monde (sic!) als Terrorist bezeichnet.

Er werde behandelt wie Abimael Guzmán im Gefängnis El Callao, in Peru. Das ist der Führer der Terrorvereinigung Sendero Luminoso, genannt wird er auch Presidente Gonzalo, er ist ehemaliger Philosophieprofessor und Führer des maoistischen Partido Comunista del Perú-Sendero Luminoso (PCP-SL). Er sitzt lebenslänglich. (17)

Warum organisiere der Führer Hugo Chávez keine Kampagne zur Befreiung des in Frankreich einsitzenden Häftlings? Warum zeige er keine Geste des Mitleids? Nenne man die Kämpfer der FARC nicht auch Terroristen? (18)

Wie heißt dieser bekannte durch den Präsidenten aller Venezuelaner vergessene? Ilitch Ramírez Sánchez oder Carlos der Schakal. Eine Geste von Chávez würde zumindest die schändliche Behandlung erleichtern, die er in Paris erfährt. Dieser Artikel ist in der spanischen Zeitung El Mundo veröffentlicht, in derselben Zeitung, die den Jonathan Littell interviewt, der erklärt, die Judenvernichtung sei eine Episode der Geschichte. (19)

Solche Informationen hätte ich gern im Figaro gelesen, stattdessen gibt es einen Aufguß von Nachrichten, die bis 1994 reichen. Aber was kann frau schon anderes von Thierry Oberlé erwarten als Märchen?

9. August 2008

Quellen

(1) Ennemis publics. Carlos, tueur sans frontières. Série 11/18. Par Thierry Oberlé, Le Figaro, 8 août 2008, p. 2 (nicht online)

(2) Die Fähigkeiten der Hezbollah waren niemals so groß wie jetzt.
1. Dezember 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-12-01_20-43-48.html

Ein traditionelles Völkerrechtssubjekt kooperiert mit der FARC. 7. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-07_23-30-29.html

(3) Maison de France. Von 24 Kilo Sprengstoff zerstört. SpiegelOnline,
13. Dezember 1999
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,56218,00.html

(4) Maître Jacques Vergès - Verteidiger hoffnungsloser Fälle, 24. April 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-04-24_23-31-17.html

Antisemitismus und Israelfeindschaft in Frankreich, 25. April 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-04-25_00-27-51.html

(5) Aktivitäten der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) von ihrer Gründung bis heute. 3. November 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-11-03_20-41-32.html

(6) Bat Ye´or and others on Dhimmis and Dhimmitude
http://www.dhimmi.org/

Arabische Terroristen: ja! - Ariel Sharon: nein! 7. August 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-08-07_18-54-40.html

(7) Fury over hijacker´s visit to Britain, by Jessica Berry. The Daily Telegraph,
27 May 2002
http://tinyurl.com/5rmhzd

(8) France´s legendary terror cop. By Jay Cheshes, Salon.com, January 3, 2002
http://archive.salon.com/news/feature/2002/01/03/bruguiere/i ndex.html

(9) Carlos the Jackal on Trial For French Killings in 1975. By Craig R. Whitney,
The New York Times, December 13, 1997
http://tinyurl.com/58wh8w

(10) Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP). Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Popular_Front_for_the_Liberatio n_of_Palestine

Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP). Global Security
http://www.globalsecurity.org/military/world/para/pflp.htm

(11) Khalid Mashal (1956 - ). Jewish Virtual Library
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/biography/Mashal .html

(12) Clearstream: der klare Strom spĂĽlt Jacques Chirac und Dominique de Villepin hinweg. 3. Mai 2005
http://www.eussner.net/artikel_2006-05-03_01-23-58.html

(13) L´islam révolutionnaire. Auteurs : Ilich Ramirez Sanchez "Carlos". Texte et propos recueillis, rassemblés et présentés par Jean-Michel Vernochet. Editions
du Rocher 26 juin 2003
http://tinyurl.com/5ef94n

(14) Ce que dĂ©voile "l´affaire SinĂ©". Par Ivan Rioufol, Figaro Blog, 25 juillet 2008
http://blog.lefigaro.fr/rioufol/2008/07/les-petitionnaires-s ont-de-ret.html

(15) Sauvons Zacarias Moussavi de la peine de mort !
http://sauvons-moussaoui.over-blog.com/article-599995.html

Bollywood filmmaker rebuffs Sobhraj contract offer as extortion. By IANS, Thaindian News, July 29, 2008
http://tinyurl.com/6x2tmb

(16) Un cierto Carlos. Por Quim Sarriá, El Pueblo de Ceuta, 3 de agosto de 2008
http://www.elpueblodeceuta.es/200808035110.html

(17) Abimael Guzmán. Wikipedia
http://es.wikipedia.org/wiki/Abimael_Guzm%C3%A1n

(18) Geheimakte Kolumbien. "Teile uns bitte mit, was wir tun sollen".
Von Alex Baur, Weltwoche, Ausgabe 29/08
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=20389&CategoryID=66

(19) Domingo Alberto Rangel: Commandante: abogue por Carlos, El Mundo,
7 de agosto de 2008
http://www.cadenaglobal.com/noticias/default.asp?Not=185693& Sec=77

Israel einer Anfängerin. Episodio de la Historia. 17. November 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html


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