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JTA Jewish & Israel News berichtet vom Great Schlep

Der Bericht f├Ąllt anders aus als der des Figaro-Korrespondenten Renaud Girard. ├ťber dessen Geschichten habe ich im Artikel Chicago Boys & Girls agitieren die Juden in Florida f├╝r Barack Obama berichtet. (1)

Benjamin Harris von JTA Jewish & Israel News ist am Agitationswochenende des Great Schlep mit dabei, dreht ein Video vom Familientreffen der Enkel mit den Gro├čeltern und interviewt Teilnehmer. Fred Wolff, der das Konzentrationslager Dachau ├╝berlebt hat und als Teenager in die USA kommt, erkl├Ąrt, da├č er Barack Obama deshalb nicht w├Ąhle, weil viele Schwarze Antisemiten seien. Er mag die Leute nicht, die den Kandidaten umgeben, etwa nach dem bew├Ąhrten Motto: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Fred Wolff f├╝rchtet, da├č nach der Wahl, sollte Barack Obama Pr├Ąsident werden, allerlei Leute hervork├Ąmen, die sich bislang versteckten: "They may be quiet right now, and they may be even hiding in the bushes. But you wait, if he wins, they´re going to come out."

Benjamin Harris berichtet von seinen Erfahrungen, und man gewinnt einen Eindruck, wie v├Âllig schr├Ąg die Kampagne ist, einmal abgesehen davon, da├č sie zu einem unverhofften Familientreffen f├╝hrt:

Eine vor kurzem vom American Jewish Committee durchgef├╝hrte Untersuchung zeigte, da├č die Unterst├╝tzung f├╝r Obama unter ├Ąlteren Juden gr├Â├čer war als unter j├╝ngeren, ein Ergebnis, das einige Beobachter zu sch├Ân, um wahr zu sein, fanden. An Ort und Stelle, in Florida, erz├Ąhlten viele Gro├čeltern von "Schleppern" der Nachrichtenagentur JTA, da├č sie sowieso zu den Demokraten neigten, auch schon vor dem ├╝berraschenden - wenn auch hochgesch├Ątzten - Besuch ihrer Enkel.

Das 4:16 Minuten Video ist es wert, genau betrachtet und geh├Ârt zu werden. Auf einem Pinboard liest man neben Happy 5769, da├č es ein Voter Protection Team gibt, ein Team zum Schutz der W├Ąhler, und eine Kampagnenfahne Pro-Israel - Pro-Obama h├Ąngt dort. Es gibt einen Jewish Vote Director, es ist eine junge Frau, eine Direktorin f├╝r die J├╝dische Wahl. Es ist alles bestens organisiert. Die Kamera schwenkt auf das bereitstehende Buffet und auf eine Frau mit ´nem T-Shirt Women for Obama.

Die Site mit dem Video der gestikulierenden und kraus daherredenden Sarah Silverman sei bereits von mehr als sieben Millionen Internauten angeklickt worden, und so wissen nun mindestens doppelt soviele Leute, da├č Barack nicht Segen hei├čt, sondern "Blitz", und nicht solch ein langweiliger Name ist wie John. Sie wissen auch, da├č die Kampagne des Great Schlep alte Leute f├╝r r├╝ckst├Ąndig h├Ąlt, Oma, Opa, Tante Lea, man mu├č sie wie Kinder auf den rechten Weg leiten.

Zwei Profi-Wahlk├Ąmpfer, die eigens eine Site JewsVote.org eingerichtet haben, agitieren vor Ort. Da die Site verlinkt ist, schaue ich drauf. Dort ist von Ger├╝chten die Rede, Barack Obama w├Ąre Muslim, er habe in einer Madrasa Unterricht gehabt, seine Kandidatur sei von der Hamas abgesegnet, und er sei als Senator auf den Koran eingeschworen worden. Jetzt wei├č ich, woher Mandy Levenberg aus Seattle ihre Pappkameraden hat. Erst behauptet man etwas, was vielleicht irgendwo Leute in den falschen Hals gekriegt haben, und dann wird´s widerlegt. Nein, nicht Barack Obama hat den Eid als Senator auf den Koran geleistet, sondern sein Parteigenosse Keith Ellison als Kongre├čabgeordneter, und zwar auf den Koran, der einst Thomas Jefferson geh├Ârt hat. Es ist eine alte Geschichte. Die Hamas hat die Kandidatur tats├Ąchlich abgesegnet; Yousef Ahmed, der politische Berater des Hamas-Premierministers sagt: "We like Mr. Obama and we hope he will win the election." Why? "He has a vision to change America." Wir lieben Herrn Obama, und wir hoffen, da├č er die Wahl gewinnt. - Warum? - Er hat eine Vision, Amerika zu ├Ąndern." Man kann schon davon ausgehen, da├č Yousef Ahmed solche S├Ątze in der ersten Person Pluralis nicht unautorisiert aufsagt. Da├č Barack Obama Muslim sein k├Ânnte, ist allerdings nicht zu weit hergeholt; denn er stammt von einem muslimischen Vater ab, was ihn im Islam zum Natural Born Muslim macht. Seine zwei muslimischen Vornamen, Barack Hussein, legen es zumindest nahe, zu zweifeln und nachzufragen. (2)

Ab 1:56 wird das Video lustig; denn da erz├Ąhlen die alten j├╝dischen Rentner, wen sie w├Ąhlen: Ich bin Demokratin, ich stimme f├╝r Obama! meint eine resolute Frau. Eine Enkelin strahlt: Meine Oma w├Ąhlt Obama! dann schwenkt die Kamera auf die Tischgesellschaft, die einm├╝tig erkl├Ąrt: Obama nat├╝rlich! Ein Paar sei allerdings nicht so sicher, und eine Frau meint: The colour wasn´t what I really wanted, sie h├Ątte Probleme mit der Hautfarbe und auch mit Barack Obamas Ehefrau. Ein junger Mann aus Los Angeles hat seine Gro├čeltern per Email aufgekl├Ąrt. Leider gewinnt man den Eindruck, da├č er und die anderen jungen Aktivisten selbst keine Ahnung haben von ihrem Idol, seinem Umfeld, seiner Religion von einst und heute. Sie verbreiten ihre Ideologie, sie agitieren und propagieren, und die Obama-Wahlmaschine CNN h├Ąlt es f├╝r angebracht, einen Reporter zu schicken, als sich etwa 100 Leute, mehrheitlich alte Frauen, zum Great Schlep Abschlu├č treffen; eine dirigiert, und die Gruppe br├╝llt zweimal wie aus einem Halse: Yes we can! Vor der T├╝r geht derweil ein fr├Âhliches Verhauen mit einer Papprolle eines ├Ąlteren Juden durch einen jungen mit einer Obama-Maske los; der weigert sich noch immer, f├╝r Barack Obama zu stimmen.

Die Kommentare unter dem Artikel von Ami Eden dr├╝cken aus, was die j├╝dischen Rentner von der ganzen Kampagne des Great Schlep halten: nichts! Im Gegenteil, sie finden sie beleidigend. Ich habe mehr Ahnung von der politischen Szene als mein Enkel, schreibt Mort Reichek, der Wirbel darum ist ├Ąu├čerst beleidigend und geschmacklos. Wenn ich nicht so begeistert w├Ąre von dem Obama-Biden Ticket, h├Ątte ich wahrscheinlich f├╝r McCain gestimmt, nur um diese Idioten zu ├Ąrgern, die daf├╝r verantwortlich sind, alle diese ├╝blen Clich├ęs und Vorstellungen von ├Ąlteren Juden zu unterstreichen.

Shmuel ist seiner Meinung: Alle diese ├Ąlteren Juden haben Demokratisch gew├Ąhlt als ihre Enkel nicht einmal geboren waren. Wie k├Ânnen sie es wagen anzudeuten, da├č Juden rassistisch sind. Was meint Ihr, wen diese Leute in den 50ern und 60ern unterst├╝tzt haben, Ihr herablassenden Obama Unterst├╝tzer?? Juden unterst├╝tzten diejenigen, die f├╝r die B├╝rgerrechte waren!! Leute wie JFK & LBJ! Wenn sie nicht f├╝r Obama stimmen, dann ist es NICHT des Rassismus wegen. Es ist unversch├Ąmt, solches zu unterstellen. (3)

Ja, lieber Mort Reichek und lieber Shmuel, Sie haben recht! Allerdings werden diejenigen, die Barack Obama w├Ąhlen, es verantworten m├╝ssen, da├č Sie nicht JFK und LBJ, sondern nur ihn bekommen, von dem man bis heute kaum etwas Pr├Ązises wei├č, au├čer da├č er ein junger strahlender Stern ist, angehimmelt von Frauen und M├Ąnnern, sondern Sie werden auch mit den Aktivisten auskommen m├╝ssen, von denen Sie in Ihrem sonnigen Florida einige haben kennenlernen d├╝rfen; sie werden nicht nur Sie, sondern die gesamte amerikanische Gesellschaft an die Hand nehmen, f├╝r sie sorgen, sagen, wo´s langgeht, bestimmen, was f├╝r die Amerikaner und f├╝r die Welt gut ist: Yes we can.

Wie kommentiert der junge Jude Adam S., der gleich f├╝rs Kollektiv spricht f├╝r alle jungen Juden, us joung Jews? Allen Grund h├Ątten sie, besorgt zu sein ├╝ber die Alten, die leicht get├Ąuscht werden k├Ânnten, da├č Obama ein Muslim sei und schlecht f├╝r die Juden oder Israel: With your deteriorating analytical abilities (that means "thinking"), the far right agenda-makers prey on your fears and there´s evidence to support it´s working on many of your condo neighbors. Mit Eueren zerfallenden analytischen F├Ąhigkeiten (das bedeutet "Denken") setzen die Programmacher der extremen Rechten auf Euere ├ängste, und es ist offensichtlich anzunehmen, da├č es bei vielen Euerer Wohnungsnachbarn wirkt. Niemand will ein "Rassist" sein, aber hinter verschlossenen T├╝ren (und Vorh├Ąngen der Wahlkabinen) ist das oft eine andere Geschichte. Wir jungen Juden m├╝ssen mit den Konsequenzen dieser Wahl sehr viel l├Ąnger leben als Ihr, und wir wollen sichergehen, da├č Ihr sie nicht vermasselt. Vorw├Ąrts, Obama! Vorw├Ąrts Old Bama!

Dieser Kommentar zeigt, was auf unsere Gesellschaft zukommt, wenn Barack Obama gewinnt, nicht nur auf die USA, sondern auch auf unsere europ├Ąische, n├Ąmlich Ideologen wie Adam S., der sich in einer Gemeinschaft w├Ąhnt, die die Wahrheit kennt, die wei├č, was richtig ist; sie werden hinterm Busch hervorkriechen. Wie meint Fred Wolff? But you wait, if he wins, they´re going to come out. F├╝r diesen jungen Juden ist es selbstverst├Ąndlich, f├╝r alle zu sprechen. Sein Urteil ├╝ber ├Ąltere und alte Leute steht fest, es ist vernichtend: Ein j├╝discher Rentner, der immer die Demokraten gew├Ąhlt hat, der kann seine Meinung nur ├Ąndern, weil er senil und debil geworden ist. Argumente, die dessen Entscheidung bestimmen k├Ânnten, die l├Ą├čt Adam S. nicht gelten, er nimmt sie nicht einmal zur Kenntnis, sondern die zerfallenden analytischen F├Ąhigkeiten f├╝hren bei alten Leuten dazu, auf Republikaner reinzufallen.

Solche Adam S. haben wir in Europa zur Gen├╝ge, sie sitzen inzwischen in unseren Parlamenten, im Bundestag, in den L├Ąnderparlamenten und den Gemeinder├Ąten. Sie verk├╝nden das Rauchverbot, bestimmen, wieviel man wiegen und wie gro├č die Garage sein darf. In den USA, habe ich vor einem Jahr noch gemeint, w├Ąren solche Freiheitsfeinde in der Minderheit, aber das hohe Aufkommen an begeisterten Aktivisten f├╝r Barack Obama l├Ą├čt Zweifel aufkommen.

21. Oktober 2008

Update. Danke f├╝r den Tip an Herbert E.

So sehen es Yaakov Kirschen und seine Dry Bones: Big Schlep. Oma Eva hat eine Antwort auf den pro-Obama Propagandahagel: sie holt harte Bonbons heraus, ostwestf├Ąlisch genannt Kl├╝mpchen. Sie will damit doch wohl nicht werfen?

Yaakov Kirschen verlinkt ein 2:10 Video der Republican Jewish Coalition mit Jackie Mason, der zu den Juden Floridas in einer angemessenen Art spricht: Was hat Barack Obama jemals in seinem Leben geleistet, das ihn w├╝rdig sein l├Ą├čt, Pr├Ąsident der USA zu werden? (4)

Quellen

(1) Les jeunes Juifs se mobilisent pour Obama. Par Renaud Girard, envoy├ę sp├ęcial ├á Delray, Le Figaro, 13 octobre 2008
http://tinyurl.com/4p7v5t

Chicago Boys & Girls agitieren die Juden in Florida f├╝r Barack Obama.
14. Oktober 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-10-14_00-04-33.html

(2) Jews Vote ... how is up to you
http://www.jewsvote.org/

Hamas endorses Obama. By john, Power Line, April 16, 2008
http://www.powerlineblog.com/archives2/2008/04/020315.php

(3) Schlepping with the pro-Obama schleppers. By Ami Eden,
JTA, October 20, 2008
http://short4u.de/48fcd7ba23387

(4) Big Schlep. By Yaakov Kirschen, The Dry Bones Blog, October 10, 2008
http://drybonesblog.blogspot.com/2008/10/big-schlep.html

Siehe auch:

Von der Obamanie gepackt, entdecken die Studenten die Politik.
15. Oktober 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-10-15_18-00-03.html


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