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Ulrike Ackermann: Eros der Freiheit

Seit Ende September liegt das neue Buch von Ulrike Ackermann vor, der Essay ĂŒber den Eros der Freiheit , das PlĂ€doyer fĂŒr eine radikale AufklĂ€rung.

Mein erster Seufzer gilt dem Umfang des Buches. Ein GlĂŒck, es hat nur 168 Seiten. Meine Freude steigert sich, als ich ins Inhaltsverzeichnis sehe. Das Buch besteht aus einem Prolog und 18 BeitrĂ€gen, von denen der lĂ€ngste, Haß auf den Bourgeois, 17 Seiten und der kĂŒrzeste, Aufspaltung von Glauben und Wissen, vier Seiten umfaßt. Alle BeitrĂ€ge verzichten auf Fußnoten, die Autorin bietet auf vier Seiten eine Auswahlbibliographie, von Theodor W. Adorno bis Eli Zaretsky, vielversprechend. Eine Danksagung an Wolfgang Gerhardt und Detmar Doering, von der Friedrich Naumann Stiftung, an Lektoren und Erstleser sowie an Freundinnen und Freunde, die gemeint haben, Ulrike Ackermann solle sich fĂŒr die Freiheit ins Zeug legen, schließt das Buch ab.

Ich darf mich vielleicht zu den Freundinnen und Freunden zÀhlen.

Noch vor dem Prolog lese ich den Beitrag ĂŒber die Herausforderung Islam. Mit dem Thema befasse ich mich seit vielen Jahren, lese manches Buch und sichte unzĂ€hlige Sites. Die Autorin versteht es, auf neun Seiten die wesentlichen Aspekte des Problems vorzustellen, das der westlichen Gesellschaft durch den Islam droht, durch die Religion, die weiß, was sie fĂŒr ihre GlĂ€ubigen will. Es wird kein Gegensatz zwischen Islam und Islamismus kreiert, sondern Islamismus als konsequenter, radikal gelebter Islam gesehen, dessen FunktionĂ€re unsere Freiheit hassen und sie beseitigen wollen. Der Krieg gegen die westlichen Werte geht vom Islam aus. Die Autorin weist hin auf das Versagen unserer von Parallelgesellschaften statt von Gegengesellschaften sprechenden Politiker und Medien, die statt Krieg und Kampf gegen die westliche Kultur in den Gewaltexzessen der islamischen Massen nur AusfĂ€lligkeiten, Trotz und Wut gestörter Kinder ausmachen. Fazit des Beitrages ĂŒber die Herausforderung Islam ist, daß eine radikale AufklĂ€rung ĂŒber den Wert der Freiheit in unserer Gesellschaft kaum stattfindet, sondern daß wir uns mit den Islamverstehern unserer Gesellschaft zurĂŒck ins Mittelalter begeben. Wir erteilen denjenigen in den islamischen Gesellschaften, die fĂŒr ihre Befreiung, fĂŒr ihre Freiheit kĂ€mpfen, vor allem den muslimischen Frauen, eine Absage, wir lassen sie im Stich.

Nun nehme ich mir den knapp vier Seiten langen Prolog vor, in dem Ulrike Ackermann ihre Leser mit der Geschichte und mit dem gegenwĂ€rtigen Zustand unserer Gesellschaft konfrontiert: die BĂŒrger unserer westlichen Gesellschaft sind trotz der Diktaturerfahrungen des letzten Jahrhunderts freiheitsmĂŒde. Dies weist sie im folgenden in jedem einzelnen der BeitrĂ€ge schonungslos nach, den RĂŒckzug in die selbstverschuldete UnmĂŒndigkeit.

Gottvater Staat erinnert den Leser daran, daß die DDR-BĂŒrger in ihrer großen Mehrheit die Errungenschaften der ökonomischen Freiheit und die Freiheit zu reisen erstrebt haben, oder warum finden heute 57 Prozent der Ostdeutschen die Idee des Sozialismus gut? Die BĂŒrger der alten BundeslĂ€nder stimmen dem zu 45 Prozent zu. Die Deutschen setzen auf Rettung durch den Staat, dem sie ihre Freiheit anscheinend ohne große Bedenken abtreten: Doch immer wieder wird die Illusion erzeugt, der Staat oder die Regierung könnten den globalen ökonomischen Strukturwandel und die damit einhergehenden Verwerfungen, die den einen zum Vorteil gereichen, fĂŒr die anderen aber sehr schmerzlich sein können, aufhalten.

Der Traum von der vollkommenen Gemeinschaft, wie einer der BeitrĂ€ge in Ulrike Ackermanns Essay betitelt ist, wird bei seiner ErfĂŒllung die Gesellschaft reif machen fĂŒr die Social Hymn des Briten Robert Owen (1771-1858) und seiner sozialistischen und kommunistischen Apostel, der AnhĂ€nger eines völlig neuen Bewußtseins von Gerechtigkeit, die den Staat verpflichtet, die Wirtschaft planerisch in die HĂ€nde zu nehmen, und der Regierung zu befehlen, was sie fĂŒr die Bevölkerung zu tun hat. Ulrike Ackermann zitiert die Hymne auf Seite 117:

"Community! The joyful sound
That cheers the social band,
And spreads a holy zeal around
To dwell upon the land.

Community is labour bless´d,
Redemption from the fall;
The good of all by each possess´d,
The good of each by all ...

Community doth wealth increase,
Extends the years of life,
Begins on earth the reign of peace,
And ends the reign of strife.

Community does all possess
That can to man be given;
Community is happiness,
Community is heaven."

In Deutschland und Frankreich, haben solche Ansichten schon immer eine AnhÀngerschar, bei League Communiste Révolutionnaire, Parti Communiste und der Linken sowie bei deren VorgÀngern oder Derivaten. Inzwischen ist diese Einstellung bis in die Mitte der Gesellschaft dieser Staaten vorgedrungen, in SPD und CDU/CSU.

Eine Frage habe ich zum Schluß: Die Friedrich Naumann Stiftung der FDP hat es der Autorin ermöglicht, dieses wunderbare Buch zu schreiben. Lesen ihre FunktionĂ€re und Mitglieder das, oder ist es ein Alibi-Buch fĂŒr andere?

11. November 2008

Ulrike Ackermann: Eros der Freiheit. PlĂ€doyer fĂŒr eine radikale AufklĂ€rung.
168 Seiten. Klett-Cotta, 1. Auflage 2008, Euro 19,90
http://www.klett-cotta.de/sachbuch_buecher_a.html?&tt_produc ts=2157


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