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Ab, auf den Altpapierhaufen der Geschichte!

Wahnsinn! Der Spiegel hat auch schon etwas vom Zeitungssterben in Amerika geh├Ârt, Marc Pitzke steht als einer der ersten der trauernden Hinterbliebenen auf den Friedh├Âfen von Washington und New York, und nach Kansas City, Los Angeles, Boston und Baltimore wird er anschlie├čend zur Totenmesse fahren m├╝ssen. Derweil sitzen die Blogger an den R├Ąndern der ausgehobenen Gr├Ąber, sie feixen und feiern. Ich habe vor einer Woche dar├╝ber berichtet und meiner Freude hinreichend Ausdruck verliehen: Hurra, die amerikanischen Medien gehen pleite! (1)

Der Rechtsprofessor Kenneth Anderson spielt auf Pajamas Media ein Requiem f├╝r das Abonnement seiner einst hei├čgeliebten Tageszeitung New York Times, und an die hundert Kommentatoren spielen mit. Auch ich habe mich eingebracht; in Kommentar Nr. 3 singe ich mein ganz europ├Ąisches Requiem auf den Figaro, der sich in den letzten Jahren zu meinem Lieblingsblatt entwickelt hatte. (2)

Nach wochenlangen Elogen seiner in Scharen aus den USA berichtenden J├╝nger ├╝ber den Messias Barack Obama aber, nach der einseitigen, kaum von Tatsachenberichten getr├╝bten Indoktrination, nach Verdrehungen, Phantasien und immer bunteren Produkten verzerrter Wahrnehmung ist ein f├╝r allemal Schlu├č. Wozu bezahle ich f├╝nfmal 1,20 Euro und samstags, bei der "vente forc├ęe", mit der ich die ├╝berfl├╝ssigen Figaro Madame, Figaro Magazine und Figaro TV zwangsverordnet kriege, 4,50 Euro? Ich bezahle 450 Euro/Jahr daf├╝r, da├č mich ein Journal verdummen und mitnehmen will in den Rausch der Obamanie? T├Ąglich surfe ich stundenlang im Internet und finde dort Tatsachenberichte. Ich lese linke und rechte Blogs, Obama- und McCain-Web Sites, die Internet-Auftritte von Wirtschaftszeitungen, ich schaue Videos auf YouTube mit oft haarstr├Ąubenden Nachrichten, und von alldem lese ich im Figaro niemals etwas.

In mehreren Artikeln und mit vielen Links in den Weisheiten Spezial: Wahlen USA 2008 habe ich meinen Lesern Angebote gemacht, sich jenseits der MSM zu informieren dar├╝ber, was in den USA abgeht; alle Artikel sind im Weisheiten Spezial verlinkt. Viele Leser haben die Angebote genutzt. Aus einigen Emails geht hervor, da├č hin&wieder Ungl├Ąubigkeit herrscht ├╝ber meine im Gegensatz zu den MSM so ganz andere Darstellung der Vorg├Ąnge im Wahlkampf der USA. Wie will eine Internet-Journalistin im hintersten Eckchen S├╝dfrankreichs, fast schon in Spanien, es besser wissen als die gutdotierten, mit besten Kontakten und Arbeitsmitteln ausgestatteten Korrespondenten? Woher will sie wissen, da├č in der Debatte von Sarah Palin vs. Joe Biden die Frau besser abgeschnitten hat? Manche kann man mit Fakten nicht ├╝berzeugen. Einer, der erkl├Ąrt, in der Westbank h├Ątte die Hamas in den Wahlen gewonnen, einer der meint, die USA und Frankreich h├Ątten im Sommer 2006 die Hezbollah im Libanon besiegt, der mu├č einfach besser sein als die ehemalige B├╝rgermeisterin einer kleinen Stadt in Alaska - oder was war die nochmal?

Einer wie Barack Obama, der vorm American Israel Public Affairs Committee AIPAC, der ber├╝hmtesten j├╝dischen Lobby-Organisation der USA, am 4. Juni 2008 erkl├Ąrt, Jerusalem werde immer ungeteilt zu Israel geh├Âren, und das am n├Ąchsten Tag widerruft, der ist nach einhelliger Meinung der Korrespondenten geeignet, Pr├Ąsident der USA zu werden. Solche Einsch├Ątzungen kommen zustande, weil die Korrespondenten im hintersten Eckchen ihrer Ideologie festsitzen, sie wollen gar nicht m├Âglichst tatsachengetreu berichten und dann vielleicht im letzten Absatz sagen, was sie meinen, sondern sie verbiegen die Tatsachen entlang ihrer vorgefa├čten Meinung. Sie verstehen sich nicht als Berichterstatter, sie halten sich nicht einmal f├╝r Unterhaltungsjournalisten, die eine Tageszeitung zum Magazin umwidmen, sondern sie sehen sich als Erzieher des Volkes. Dem Publikum wird die Entscheidungsfreiheit genommen, ihm wird mitgeteilt, wie es den Barack Obama und den Joe Biden zu sehen und einzusch├Ątzen hat.

Die Versatzst├╝cke dazu nehmen sich die Korrepsondenten des Figaro und anderer europ├Ąischer Zeitungen von ihren Kollegen in den Obama-Kampfmaschinen. Der Figaro verheimlicht das nicht, sondern er verlinkt zu CNN, und Jonathan Mann l├Ąchelt, gleich unter Philippe G├ęlie, den Lesern entgegen. Die Seite ├ëlection USA 2008 fa├čt bis heute einige Titel zusammen. Die gr├Âbsten Enten und Lacher sind leider entfernt, aber man kann einige Links wiederfinden, ich habe sie unter meinen Artikeln gebunkert. Nach der f├╝r Barack Obama und die Korrespondenten des Figaros gewonnenen Wahl liest man dieses; ich zitiere die ersten zehn ├ťberschriften, die abf├Ąlligen Titel f├╝r McCain/Palin sind deutlich:

  • Hillary Clinton k├Ânnte Au├čenministerin werden
  • Obama fordert den Kongre├č auf, ├╝ber einen Plan f├╝r den Aufschwung abzustimmen
  • Ihre Beschwerden an Obama schicken
  • Wer ist Pr├Ąsident der Vereinigten Staaten?
  • Um f├╝r Obama zu arbeiten, mu├č man vollkommen sein
  • Palin begleicht Rechnungen und beruft sich auf Gott/ Besiegt, jubiliert Palin, rechnet ab und vertraut auf Gott
  • John McCain bleibt "sehr stolz" auf Sarah Palin
  • Kouchner bereitet den Dialog mit Obama vor
  • Die Obamanie verl├Ąngert die Wahleuphorie/ Die Obamanie verl├Ąngert die Euphorie nach der Wahl
  • Wie Obama seine Pr├Ąsidentschaft vorbereitet

Die ├ťberschrift Envoyer vos dol├ęances ├á Obama, Ihre Beschwerden an Obama schicken, f├╝hrt nicht zu franz├Âsischsprachigen Links, wenn es auch so aussehen mag. Die Leser des Figaro werden von der Korrespondentin Julie Connan identifiziert mit den Amerikanern; denn sonst st├╝nde da Envoyer ses dol├ęances ├á Obama. Jedermann kann sich an Barack Obama wenden, er ist der Weltpr├Ąsident, oder doch zumindest der f├╝r Amerikaner und Franzosen. Wer franz├Âsisch liest, mag sich die weiteren Artikel antun, je ├Ąlter sie sind, vor allem die aus der Zeit vor der Wahl, desto gr├Â├čer ist die Begeisterung aller Korrespondenten f├╝r Barack Obama. Ich erinnere mich an ein einziges Interview mit dem UMP-Abgeordneten Herv├ę Mariton, der es wagt, einige Tropfen Wasser in den Wein zu gie├čen. Auf der Startseite der ├ëlection USA 2008 findet man es nicht mehr: "Mit Obama hat die UMP linke Komplexe". (3)

Das will beim Figaro niemand h├Âren, der Interviewte wird als Villepiniste abgetan, als zum Kreis des fr├╝heren umstrittenen Premierministers Dominique de Villepin geh├Ârend, was einem Sarkozy-Fan alles sagt. Der Figaro berichtet andererseits aber nicht von dem aus wohlunterichteten israelischen Quellen an die linke (!) israelische Zeitung Haaretz kolportierten vernichtenden Urteil, das Nicolas Sarkozy ├╝ber Barack Obamas Kenntnisse des Iran-Dossiers f├Ąllt: Barack Obamas Haltung gegen├╝ber dem Iran ist ausgesprochen unreif. (4)

Der erste afro-amerikanische Pr├Ąsidentschaftskandidat wird abgezockt bis zum bitteren Ende, davon verspricht man sich Umsatz. W├╝rden nicht 80 Prozent der Franzosen Barack Obama w├Ąhlen? In Deutschland sind es nur 78 Prozent. An sie richten sich die Korrespondenten. Man darf auf die in den n├Ąchsten Monaten und Jahren folgende Ern├╝chterung warten. In einigen deutschen Online-Auftritten habe ich schon erste Ans├Ątze dazu vernommen. Gleich nach der Wahl berichtet der Spiegel etwas von Katzenjammer, und am 14. November titelt er: Mit Mullah Omar zu verhandeln ist absurd; das aber will The One, mit allen bedingungslos verhandeln. Die radikalen Muslime des Irans und Afghanistans, die Nordkoreaner, Kubas Fidel Castro und Hugo Ch├ívez freuen sich ├╝ber die Anerkennung, die ihnen die USA endlich bezeugen, auf den amerikanischen Blogs werden diesbez├╝glich einige Diktatoren und Terroristen zitiert, die schon vor den Wahlen ihre Sympathien f├╝r Barack Obama erkl├Ąren. In den zu Obama-Wahlmaschinen degenerierten amerikanischen MSM und erst recht im Figaro zur Zeit des Wahlkampfs erf├Ąhrt man nichts von den Projekten, derweil auf den Blogs "die Lucie los ist". (5)

Was die Internet-Auftritte der MSM angeht, derer bedarf ein kritischer Leser zu seiner Information ebenfalls nicht, man m├Âge sich in den Redaktionen der Online-Phantasien nicht t├Ąuschen. Die Glaubw├╝rdigkeit der Internet-Auftritte h├Ąngt direkt ab von derjenigen der Papierausgaben. Wenn der Ruf als Altpapier erst etabliert ist, wird auch das Interesse f├╝r MSM-Online gegen Null gehen. Ich sehe es an mir, in den Online-Figaro schaue ich erst jetzt wieder, um diesen Artikel zu schreiben. Seit einer Woche habe ich nichts dort aufgerufen, sondern ich lese ├╝ber die Ereignisse in den USA bei den inzwischen auf meiner Site verlinkten Atlas Shrugs, Gateway Pundit, Israpundit und Pajamas Media sowie bei Little Green Footballs, Michelle Malkin und auf vielen anderen Blogs und Sites. Die Kommentatoren des Artikels von Kenneth Anderson ├╝ber die Abbestellung seines New York Times Abonnements schreiben ├Ąhnliches. Einer meint, er zahlte nicht mehr f├╝r die Zeitung, er k├Ânne sie ja im Internet lesen. Vergi├č es! antworten andere, das lohnt sich ebenfalls nicht. (2)

K├Ânnte das Zeitungssterben auch auf Deutschland ├╝bergreifen? Ja, da geht´s schon l├Ąngst ab ins Siechenhaus, nicht "auf dem", sondern auf den Altpapierhaufen der Geschichte. Leitende Redakteure der S├╝ddeutschen Zeitung nennen das "neue Lebensplanung". Sie scheinen davon auszugehen, da├č sie selbst ihr Infotainment und ihre politische Indoktrination bis zur Rente betreiben k├Ânnen, oder gehen etwa die zuerst, die den gr├Â├čten Bl├Âdsinn ├╝ber den friedlichen Islam verbreitet haben, wie Heribert Prantl? K├Ânnten die Bl├Ątter nicht Antr├Ąge stellen bei den Regierungen von Saudi-Arabien, den Emiraten, dem Iran? Vielleicht zahlen die analog zu den Universit├Ątslehrst├╝hlen f├╝r Islampredigt demn├Ąchst auch Redaktionssessel f├╝r Islam verherrlichende Dhimmis? (6)

Die S├╝ddeutsche Zeitung hat sich mehr als einmal qualifiziert f├╝r die Gunst der radikalen Muslime, man denke nur an den Fall des Robert Redeker. Fritz Glunk, von der Gazette, bietet dessen Artikel Fl├╝chtling im eigenen Land dem Heribert Prantl an, der in der Gazette immer ein Forum f├╝r sein Geprantl bekommt. Die S├╝ddeutsche Zeitung aber hat keinen Platz f├╝r Robert Redeker. Stattdessen hat sie Islamapologeten im Angebot, den Stefan Weidner beispielsweise, f├╝r den die Konversion zum Islam ein Mysterium ist, dem er allerdings nichts abgew├Ânne, weil er einfach keine autorit├Ąren Typen ausstehen k├Ânne, selbst wenn sie Allah hei├čen. Solches steht in der S├╝ddeutschen Zeitung unter der Rubrik Kultur, der Vorschlag an den autorit├Ąr strukturierten Teil der Deutschen, der Politideologie Islam beizutreten und den Auftrag Mohammeds umzusetzen sowie die Belohnung, wenn man gehorcht. (7)

Einzelheiten dieses verfehlten Journalismus kann man in meinem Artikel Konvertieren - sich profilieren - herrschen lesen; weitere deutsche MSM zitiere ich dort, die auf ├Ąhnlichem Wege sind, ZEIT, Spiegel, ARD, und letztlich ist keines der MSM ausgenommen, sie alle begeben sich mit ihrer Agitation und Propaganda, mit Islam- und Obamaschw├Ąrmerei, auf den Altpapierhaufen der Geschichte. R.I.P. (8)

16. November 2008

Quellen

(1) Auf dem Altpapierhaufen der Geschichte. Von Marc Pitzke, SpiegelOnline,
15. November 2008
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,590402,00.h tml

Hurra, die amerikanischen Medien gehen pleite! 8. November 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-11-08_01-01-55.html

(2) A Requiem for My New York Times Subscription. By Kenneth Anderson,
Pajamas Media. Sending the MSM Down the River, November 15, 2008
http://pajamasmedia.com/blog/a-requiem-for-my-new-york-times -subscription/

(3) "Avec Obama, l´UMP fait un complexe de gauche". Propos recueillis par
Samuel Potier, Le Figaro, 28 octobre 2008
http://tinyurl.com/5h64o5

(4) Sources: Sarkozy views Obama stance on Iran as ┬┤utterly immature┬┤.
By Barak Ravid, Haaretz, October 27, 2008
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1031943.html

(5) Élection USA 2008, Le Figaro
http://www.lefigaro.fr/elections-americaines-2008/index.php

(6) SZ empfiehlt Redakteuren "neue Lebensplanung". Von Kai-Hinrich Renner,
WeltOnline, 15. November 2008
http://tinyurl.com/5eapd8

(7) Mysterium Konversion. Von Stefan Weidner, S├╝ddeutsche Zeitung,
7. September 2007
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/169/131932/

(8) Konvertieren - sich profilieren - herrschen. 8. September 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-09-08_19-55-02.html


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