
Offener Brief an das Zentrum für Antisemitismusforschung
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Benz, sehr geehrte Frau Dr. Wetzel,
am 8. Dezember 2008 veranstaltet das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin eine wissenschaftliche Konferenz über das Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. (1)
Im Programm bieten Sie neben dem Konferenztitel Feindbild Muslim - Feindbild Jude im Programmtext Feindbild Islam und Islamfeindschaft im World Wide Web sowie Judenfeindschaft unter Muslimen als Referatsthemen an. Schon in der Schule, spätestens aber im ersten Semester lernt man, daß die Überschrift dem Inhalt des Textes, des Seminars, der Konferenz gerecht zu werden hat: Denn nur, wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin! Man nennt es sonst Mogelpackung.
Wie können Sie wissenschaftlich brauchbare Ergebnisse erwarten, wenn Sie sich unwissenschaftlicher Begriffe der Propaganda bedienen, Feindbild, Islamfeindlichkeit, wenn Sie Islam synonym für Muslim gebrauchen? Feindbild Muslim heißt es im Konferenztitel, Feindbild Islam im Programm.
Antisemitismus, den einzigen unstrittigen wissenschaftlichen Terminus, entsorgen Sie, er kommt im Programm nicht vor, sondern Judenfeindschaft unter Muslimen. Wie wollen Sie ein Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit herausarbeiten, wenn Sie den Antisemitismus als die eine Seite des Verhältnisses nicht thematisieren, oder halten Sie ihn für identisch mit Judenfeindschaft? Warum wird der Begriff Antisemitismus im Referatsthema zu Judenfeindschaft? Ist das eines: Antisemitismus und Judenfeindschaft?
Was heißt Judenfeindschaft unter Muslimen? Die Judenfeindschaft der Muslime richtet sich gegen (!) die Juden, sie ist keine Erscheinung unter Muslimen. Da Ihr Konferenzthema das Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit ist, gehe ich nicht davon aus, daß Sie sich dem Schimpfwort "Du Jude!" widmen wollen, mit dem ein Muslim dem anderen seine tiefste Verachtung kundtut, wenn er ihn für schwach, uncool und erfolglos hält - wie einen Jude eben. (2)
Welches Verhältnis besteht Ihrer Ansicht nach zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit? Stellen Sie die Arbeitshypothese auf, daß Antisemitismus alias Judenfeindschaft der Muslime eine Folge der Islamfeindlichkeit alias Islamfeindschaft ist, unter der die Muslime in unserer Gesellschaft leiden, oder halten Sie das gar für bewiesen? Sie würden sich zum Sprachrohr von Propaganda machen, es hieße, daß Sie vom Koran vorgeschriebene und durch die Geschichte der Eroberungen im Namen des Islams bis zum heutigen Tage belegte 1400 Jahre währende Judenfeindschaft negieren.
Es ist zu befürchten, daß Sie das so sehen; denn in den fünf Sätzen der Einladung behaupten Sie pauschale Anfeindungen der Muslime (durch wen?), Verschwörungsphantasien über eine "Islamisierung Europas" und den Vorwurf, der Islam gebiete seinen Anhängern die Täuschung der Nichtmuslime. Den Orientalisten Dr. Hans-Peter Raddatz lassen Sie zur Erhärtung dieser Thesen vom Politikwissenschaftler Dr. Peter Widmann durch Unterstellungen und persönliche Beleidigungen angreifen. Er tut das nicht zum ersten Mal. Was die Konferenzteilnehmer erwartet, kann man sich nach Lektüre seines Textes Der Feind kommt aus dem Morgenland in etwa vorstellen. Statt Dr. Hans-Peter Raddatz einzuladen und mit ihm zu diskutieren, nimmt ihn sich Dr. Peter Widmann vor, und mit ihm auch gleich den Begriff Islamkritik, der in Anführungszeichen gesetzt wird: "Islamkritik". (3)
Wenn Dr. Peter Widmann genug auf sein Haßobjekt eingeschlagen hat, darf Dr. Michael Kiefer nachsetzen und gegen die Stahlwand des Fanatismus anrennen. Dr. Michael Kiefer beweist in seiner Schrift Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften, daß er vom Islam keine Ahnung hat; das antisemitische Feindbild in islamischen Gesellschaften hat für ihn seinen Ausgangspunkt in Europa, von wo es in die islamische Welt transferiert worden sei. (4)
Diese von linken Antideutschen (9) aus ihrer ideologischen Beschränktheit in die Welt gesetzte Behauptung ist widerlegt; ich empfehle die Lektüre von Andrew G. Bostom: Islamic Antisemitism, von Tilman Nagel: Mohammed, von Carlo Panella: Il "complotto ebraico". (5)
Nach der Entsorgung des Antisemitismus und der Islamkritik ist Ihre Konferenz von möglichen Widersprüchen zum Ideologievortrag gereinigt. Die Referenten und Kommentatoren zeichnen sich mit Ausnahme von Dr. Michael Kiefer nicht als Orientalisten aus, nicht einmal als "Islamologen". Deshalb wird wohl von diesen niemand darauf hinweisen, daß es sich nicht um ein Feindbild Muslim, sondern um die begründete Ablehnung des Islams als mit unserer westlichen Demokratie unvereinbare totalitäre Politideologie handelt.
Der Aufbau der Konferenz über das Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, Themen, Begriffe, Referenten und Kommentatoren gewährleisten das vorab definierte Ergebnis: Die Denkmuster sind aus der Geschichte des Antisemitismus bekannt und werfen die Frage auf, welche Gemeinsamkeiten Judenfeinde und Islamfeinde teilen. Die Islamkritik wird delegitimiert und dem Antisemitismus gleichgesetzt, ohne daß von beiden überhaupt die Rede ist - Ersatzkommunikation findet statt.
Eine Frage gestatten Sie mir bitte zum Abschluß: Warum heißt Ihr Institut Zentrum für Antisemitismusforschung, wenn Sie den Forschungsgegenstand entsorgen, und warum entsorgen Sie sich nicht gleich mit?
Mit freundlichen Grüßen!
Dr. Gudrun Eussner
17. November 2008
Update
Wolfgang Benz nimmt auf Einladung der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Akademie der Künste teil an einer Diskussion im Haus der Kulturen der Welt, Berlin-Tiergarten, am 13. September 2001, zwei Tage nach den Attentaten in den USA. Das Thema lautet: "Terror-Gefahren für das Zusammenleben der Kulturen". Henryk M. Broder dokumentiert: (6)
"Was mir am meisten Angst macht", sagt Wolfgang Benz, Historiker und Direktor des Instituts für Antisemitismusforschung an der TU, "das ist die Martialität der Selbstgerechten, die jetzt die Zivilisation im Munde führen, um drastische Maßnahmen propagieren zu können."
Er bringt den Herero-Aufstand von 1904 in die Diskussion, was danach geschah, "war der erste Genozid im 20. Jahrhundert gewesen, von der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika verübt ..."
Was hat das Blutbad an den Hereros mit dem Anschlag auf die Twin Towers zu tun? fragt Henryk M. Broder.
Wolfgang Benz führt aus: "Müssen wir nicht das bißchen Toleranz, das wir zu praktizieren gelernt haben, müssen wir das nicht jetzt gegen unsere Politiker verteidigen, die vor den Fernsehkameras stehen und so ähnliche Vokabeln gebrauchen wie einst die Nibelungentreue (Beifall im Saal) ... Muß man nicht das bißchen Normalität verteidigen gegen diejenigen, die jetzt drastisch und martialisch glauben sein zu müssen, die gegen einen unbekannten Feind mit Kriegsschiffen, mit Kriegserklärungen agieren, gegen einen Feind, den man noch gar nicht kennt? Ist das nicht die größte Gefahr?" Dankbarer Beifall ...
Ich habe seinerzeit, im Jahr 2002, dazu an den Rand geschrieben: nichts sehen - nichts hören - nichts sagen: Wolfgang Benz, der deutsche Spießer. Hans-Christoph Buch ist der einzig vernünftige Mensch in der Diskussion. Es gibt dann die bekannten Witze über die Türme als Phallus-Symbole, das Thema überläßt Wolfgang Benz aber der Psychologin Adrienne Goehler, phallisch also mit ihm nicht:
Benz: "Das hätte ich nicht gesagt, aber es sind Symbole von Stolz und Reichtum und von Arroganz. Solche Gebäude aufzurichten, das ist die äußerste Arroganz, und die Verletzlichkeit ist damit mit eingebaut. Und die Attacke gegen diese Gebäude, mit dieser Attacke kann man eigene Ohnmachtsgefühle und eigene Demütigungen auslöschen und in die Ohnmacht und Demütigung des Gegners verwandeln… Und das evoziert die drastischen und dramatischen Reaktionen und die martialischen Reaktionen, und das macht es so gefährlich und so verheerend, gerade diese Symbole anzugreifen und zu zerstören."
Dazu habe ich vermerkt: Neid, Mißgunst! Das Attentat ist die Politik der Islamisten zur Zerstörung der westlichen Welt und zur Übernahme der Macht.
Dank an Hannes Stein für den Hinweis! (7)
The Editrix erwähnt im März 2006 in einem langen Beitrag über Anti-Amerikanismus und Anti-Zionismus deutscher und internationaler Friedensfreunde: The renowned historian Wolfgang Benz, professor of antisemitism-research at the Technical University Berlin, termed the WTC an ´expression of arrogance´, which, by implication, made the terrorist attack somewhat understandable. Der anerkannte Historiker Wolfgang Benz, Professor für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, bezeichnete das WTC als einen ´Ausdruck von Arroganz´, was indirekt den terroristischen Anschlag irgendwie verständlich machte. (8)
24. November 2008
Update
Philipp Lenhard weist mich darauf hin, daß Michael Kiefer kein Antideutscher, sondern deren bekennender Gegner ist. Nach der Lektüre des Artikels von Jan Huiskens besteht daran kein Zweifel. Die Ausführungen über Michael Kiefer erhärten allerdings meine Kritik an der Konferenz und ihrem Personal. Jan Huiskens Artikel, in Prodomo 2-2006, macht einmal mehr die pro-islamische Propaganda des ZfA deutlich. (9)
Franz Forst behandelt, in Prodomo 9-2008, das Wirken des Michael Kiefer, der federführend an der Einführung des islamischen Religionsunterrichtes an deutschen Schulen beteiligt ist, eines Funktionärs im Dienste der weiteren Festigung der Islamisierungstendenzen in Deutschland. Wenn man dessen Wirken zur Kenntnis genommen hat, kann man sich nur noch mehr über die Solidarisierung von Lala Süsskind und Ilan Mor mit der Veranstaltung des ZfA wundern: (10)
Doch auch wenn einer aus diesem Umfeld mal nicht den Weg des zivilgesellschaftlich verhätschelten Aushilfssozialarbeiters mit Gewaltphantasien geht, sondern den universitären Weg wählt, der ihm dank besonderer Verdienste für die Bundesrepublik offen steht [3], verheißt das leider nichts Gutes – denn die Treue zum linken Kollektiv bleibt schließlich, weil auch an Universitäten trotz gegenteiliger Gerüchte nicht gedacht wird, bestehen. Macht ein Düsseldorfer Linker auf Professor, so kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur ein – selbstverständlich wissenschaftlicher – Aufguss des linken und damit mehrheitsfähigen Weltbildes heraus.
Ich gebe zu, daß ich inzwischen nicht mehr durchblicke, wer Antideutscher, ehemaliger Antideutscher, noch nie gewesener Antideutscher ist. Ich würde Philipp Lenhard und den Antideutschen, denen ich mit der Subsumierung des Michael Kiefer offensichtlich Unrecht getan habe, meine Site gern als Forum für eine Berichtigung zur Verfügung stellen. Vielleicht erfahre ich dann endlich, was Antideutsche sind, wer dazugehört, und wo man in diesem Zusammenhang den Denunzianten Peter Widmann positioniert, dessen Beitrag nach der nachmittäglichen Kaffepause lautet: "Islamkritik" als Ersatzkommunikation am Beispiel von H.-P. Raddatz; der ist selbstverfreilich nicht anwesend, der im Interview mit Deutschlandradio Kultur von Wolfgang Benz als "selbsternannter Islamwissenschaftler" titulierte Orientalist wird abqualifiziert, ohne daß er Gelegenheit erhält, Stellung zu nehmen. (1)
8. Dezember 2008
Update
Die Verleumdungen und Beleidigungen des Orientalisten durch Dr. Peter Widmann gibt´s nicht mehr auf der Site von Honestly Concerned, aber jetzt in deutsch und englisch bei der vom Auswärtigen Amt des Frank-Walter Steinmeier geförderten Qantara. Mittels dieser "Brücke" wollen die Bundeszentrale für politische Bildung, die Deutsche Welle, das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen zum Dialog mit der islamischen Welt beitragen. (3)
13. Februar 2009
Quellen
(1) Feindbild Muslim - Feindbild Jude, Wissenschaftliche Konferenz,
8. Dezember 2008
http://zfa.kgw.tu-berlin.de/feindbild_muslim_feindbild_islam .pdf
(2) "Du Jude" wird zum Schimpfwort? No Nazi, 11. Oktober 2007
http://sebastianbrux.de/?p=469
"Du Jude, Du Opfer". Von Blanka Weber, dradio.de, 17. Mai 2008
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/785390/
(3) Der Feind kommt aus dem Morgenland. Rechtpopulistische "Islamkritiker" um
den Publizisten Hans-Peter Raddatz suchen die Opfergemeinschaft mit Juden.
Von Peter Widmann, Honestly Concerned 2007, Seite 25 ff. (nicht mehr online)
http://tinyurl.com/59wn5y
Islamkritik in Deutschland. Irrationales Feindbild. Von Peter Widmann.
Der Text basiert auf einem Artikel im Jahrbuch 17 (2008) des ZfA
(erschienen im Metropol-Verlag, Berlin). Qantara 2009
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php?wc_c=468&wc_id= 1106
Criticism of Islam in Germany. Irrational Demonization. By Peter Widmann,
The text is based on an article that was published by Metropol-Verlag, Berlin,
in the ZfA´s Jahrbuch 17 (2008). Qantara.de 2009
http://www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-476/_nr-110 9/i.html
Dr. Peter Widmann. Zentrum für Antisemitismusforschung
http://zfa.kgw.tu-berlin.de/mitarbeiter/widmann.htm
(4) Stahlwand des Fanatismus. Von Michael Kiefer, taz.de, 15. März 2008
http://tinyurl.com/6yk2ew
Michael Kiefer: Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästinakonflikt und der Transfer eines Feindbildes, Düsseldorf 2002
http://www.kiefer-michael.de/
(5) Andrew G. Bostom. The Legacy of Islamic Antisemitism: From Sacred Texts to Solemn History, Prometheus Books 2008, 766 pp.
http://www.andrewbostom.org/
Understanding the Islam in Islamic Antisemitism. A three part series by the
author of "The Legacy of Islamic Antisemitism". By Andrew G. Bostom,
Jewcy Magazine, November 17, 2008
http://www.jewcy.com/tags/legacy_islamic_antisemitism
Tilman Nagel. Mohammed. Oldenbourg Verlag, München 2008
http://www.perlentaucher.de/buch/29075.html
Il "complotto ebraico". L´antisemitismo islamico da Maometto a Bin Laden.
Lindau s.r.l., Turino 2005
http://tinyurl.com/5ddbt7
Carlo Panella: Il "complotto ebraico" - die "jüdische Verschwörung".
27. August 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-08-27_23-27-21.html
(6) Henryk M. Broder: Kein Krieg nirgends: Die Deutschen und der Terror,
Berlin Verlag 2002, S. 27 ff.
http://www.berlinverlage.de/bucher/bucherDetails.asp?isbn=97 83827004420
(7) "Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz". Von Hannes Stein,
Achse des Guten, 24. November 2008
http://tinyurl.com/69zkcq
(8) Barking up the Wrong Tree as an Art Form. By The Editrix, March 27, 2006
http://editrixblog.blogspot.com/2006/03/barking-up-wrong-tre e-as-art-form.html
(9) Propagandisten der Gegenaufklärung. Von Jan Huiskens, Prodomo 2-2006
http://prodomo.50webs.net/2/propagandisten.html
(10) Wo die Welt noch in Ordnung ist. Die Düsseldorfer Linke zwischen Sozialarbeit und Antiimperialismus. Von Franz Forst, Prodomo 9-2008
http://prodomo.50webs.net/9/wo_die_welt_noch_in_ordnung_ist. html
Konferenz Feindbild Muslim - Feindbild Jude. Ein Skandal. 6. Dezember 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-12-06_16-02-31.html
"Ich bin völlig fassungslos". Wolfgang Benz im Gespräch mit Joachim Scholl. Deutschlandradio Kultur, 5. Dezember 2008
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/886682/
Siehe auch:
Attacke der Süddeutschen Zeitung gegen Politologen und Blogger.
4. Dezember 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-12-04_21-19-07.html
´Islamophobia´ or ´Truthophobia´? By Matthias Küntzel, WSJ Europe, Doc´s Talk, December 8, 2008
http://docstalk.blogspot.com/2008/12/islamophobia-or-truthop hobia.html
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