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Konferenz Feindbild Muslim - Feindbild Jude. Ein Skandal

Clemens Heni schickt mir eine Mail, in der er sich ├╝ber die Ignoranz der deutschen Medien gegen├╝ber der internationalen Berichterstattung zur skandal├Âsen Konferenz Feindbild Muslim - Feindbild Jude des Zentrums f├╝r Antisemitismusforschung (ZfA) beklagt. Er nennt ausdr├╝cklich die Berliner Zeitungen taz und Tagesspiegel, die sich in der Tat einmal mehr nicht mit Ruhm bekleckern.

Bereits am 3. Dezember 2008 schreibt Clemens Heni in der Jerusalem Post den Artikel Anti-Semitism is not the same as Islamophobia, Antisemitismus ist nicht dasselbe wie Islamophobie; er ist am 4. Dezember 2008 im Online-Tagebuch der Achse des Guten und einen Tag sp├Ąter in den Daily News Alert from Israel zu lesen, wo er noch auf der Startseite steht.

Deutsche Medien interessieren sich nicht f├╝r solcher Art Informationen, nicht f├╝r die Folgen von Konferenzen wie der des ZfA, sondern sie verbreiten ihre Ideologie ganz unabh├Ąngig davon. Das haben meine Leser im Artikel der Renate Nimtz-K├Âster sehen k├Ânnen. Am wichtigsten dabei ist das Denunzieren von solchen Personen, die nicht mit der herrschenden Meinung ├╝bereinstimmen; deren Artikel werden eben einmal zerst├╝ckelt, verdreht und verf├Ąlscht zitiert, ver├Ąchtlich werden sie als Gruppierung von islamkritischen Bloggern bezeichnet: Bloggerin Eussner.

Clemens Heni weist in seiner Mail auf den de facto Stichwortgeber der Konferenz "Feindbild Muslim - Feindbild Jude" hin, der in der Tat aus dem Blickfeld geraten ist, auf Faruk Sen: Sen hatte sich im Sommer mit einem Text etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt, in dem er postulierte, "die T├╝rken sind die Juden von heute"... Dass Sen zudem den V├Âlkermord an den Armeniern nicht als solchen bezeichnet wissen m├Âchte, brachte ihm schon fr├╝her selbst Kritik von Wolfgang Benz ein - der (ist das eine Form von Ironie?) in der quasi-Gleichsetzung von Juden und Muslimen (T├╝rken) Sen nun sekundiert.

Am 9. Juli 2008 ver├Âffentlicht Clemens Heni auf seiner Site dazu den Artikel Lapsus orientalis. Sekund├Ąrer Antisemitismus ÔÇô t├╝rkisch, mit Koscherstempel, in dem er Faruk Sen sowie Sergey Lagodinsky kritisiert; letzterer nimmt auch an der Konferenz des ZfA teil. Man trifft also immer wieder dieselbe Mischpoche.

Desto bedenklicher finde ich es, da├č sich mit dem emp├Ârten Wolfgang Benz die Vorsitzende der J├╝dischen Gemeinde in Berlin Lala S├╝sskind, der Beauftrage des OSZE-Vorsitzenden zur Bek├Ąmpfung des Antisemitismus und SPD-Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen sowie der Gesandte der israelischen Botschaft in Berlin Ilan Mor solidarisieren und die Vorw├╝rfe, die Matthias K├╝ntzel gegen die Konferenz erhebt, und die Wolfgang Benz "v├Âllig lachhaft" findet, ihrerseits als "nicht ernst zu nehmen" bezeichnen. So jedenfalls berichtet es die taz:

ZfA-Leiter Wolfgang Benz reagierte im Gespr├Ąch mit der taz emp├Ârt auf die Vorw├╝rfe K├╝ntzels. Sie seien "v├Âllig lachhaft". Das Ganze sei "nicht ernst zu nehmen", wie ihm auch Ilan Mor, der Gesandte der israelischen Botschaft in Berlin, die Vorsitzende der J├╝dischen Gemeinde der Hauptstadt, Lala S├╝sskind, und der SPD-Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen, Beauftrager des OSZE-Vorsitzenden zur Bek├Ąmpfung des Antisemitismus, zugesichert h├Ątten.

In diesem Zusammenhang w├╝├čte ich gern, in welcher Eigenschaft der Herr Gesandte der israelischen Botschaft den Fall kommentiert:

  • Welches sind die Kriterien, nach denen er "zusichern" kann, da├č Vorw├╝rfe gegen die Konferenz "nicht ernst zu nehmen" sind?
  • Welche Fachkompetenz besitzt der Herr Gesandte f├╝r eine derartige Zusicherung?
  • Welche Rolle, die eine Einmischung rechtfertigen k├Ânnte, spielt der Staat Israel in der Durchf├╝hrung der Konferenz?
  • Welche Kritikpunkte in meinem Offenen Brief sind, selbst wenn sie der Diskussion bed├╝rften, "nicht ernstzunehmen"?
  • Ist es ├╝blich, da├č Botschaftsangeh├Ârige sich in wissenschaftliche oder pseudowissenschaftliche Konferenzen ihres Gastlandes mit Werturteilen einmischen?
  • Beteiligen sich diplomatische Vertreter ihrer L├Ąnder an Propagandaveranstaltungen des Gastlandes (nicht einmal der t├╝rkische Ministerpr├Ąsident hat sich bei seinem K├Âlner Auftritt deutscher Institutionen bedient)?

Vielleicht wende ich mich, um eine Antwort zu erhalten, ans zust├Ąndige Referat des Ausw├Ąrtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.

6. Dezember 2008

Update

Der Tagesspiegel hat sich noch nicht genug blamiert, er mu├č nachsetzen. Frank Jansen schreibt ├╝ber Juden und Muslime. Das doppelte Feindbild. Das ist nur noch peinlich. Es f├Ąngt damit an, da├č "Islamophobie" kein wissenschaftlicher Begriff ist, es geht weiter mit Unterstellungen von Kritik, die weder Matthias K├╝ntzel noch Clemens Heni noch ich ge├Ąu├čert haben, bis hin zur Einordnung der Kritik als "Wut": von Bloggern im Internet ist das Verdikt zu h├Âren ...

Man kann gegen diese Ignoranz kaum anschreiben. Antisemitismus ist nicht (!) gleich Judenfeindschaft, Feindbild Muslim ist nicht (!) gleich Feindbild Islam, wobei "Feindbild" keine wissenschaftliche Kategorie ist. Islamkritiker gehen an den Islam nicht als ein Feindbild heran, sondern sie analysieren Texte, die Geschichte des Islams und seiner Eroberungen seit dem 7. Jahrhundert, heutige Ereignisse, als da unter anderem sind friedliche Islamisierung, Politik der Muslimvereinigungen, Terror auf Stra├čen, in Hotels und in j├╝dischen Einrichtungen, wie letztens in Mumbai.

Die Konferenzteilnehmer k├Ânnen am 8. Dezember 2008, ganzt├Ągig, ├╝ber Sachverhalte reden, die sie selbst kreiert und mit eigensch├Âpferischen Begriffen belegt haben, wie ich sie aus nur zwei Ver├Âffentlichungen zusammengestellt habe, aus dem Konferenzprogramm und dem Gespr├Ąch von Prof. Dr. Wolfgang Benz mit Joachim Scholl, von Deutschlandradio Kultur: Feindbild Muslim, Feindbild Jude, Antisemitismus (nur im Institutsnamen), Islamfeindlichkeit, Feindbild Islam, Judenfeindschaft, Islamfeindschaft, "Islamkritik" (in Anf├╝hrungszeichen, also eine Kritik, die sich nur so nennt, aber nach Ansicht des ZfA keine ist), Islamfeinde, Islamophobie, Feindschaft gegen den Islam, selbsternannte Islamwissenschaftler (so bezeichnet Prof. Dr. Benz den Orientalisten Dr. Hans-Peter Raddatz, wer noch unter die Kategorie fallen soll, bleibt offen, vielleicht Prof. Dr. Tilman Nagel?), Trivialisierung des Holocaust, j├╝dische Sache (die ist ├╝berall, wo sich das internationale Judentum aufh├Ąlt), Vorurteil gegen die Juden (das wollen Prof. Dr. Wolfgang Benz und seine Mitarbeiter abbauen). Den Antisemitismus und die Islamkritik, die einzigen akzeptablen Begriffe, auf denen aufgebaut werden k├Ânnte, haben sie schon vorher aus dem Konferenzprogramm eliminiert. Es herrscht eine Begriffsverwirrung wie beim Turmbau zu Babel!

7. Dezember 2008

Update

Nun ist die uns├Ągliche Konferenz vorbei, und der Tagesspiegel setzt nach mit seinen, gelinde gesagt, merkw├╝rdigen Informationen. Nicht, da├č er den Prof. Dr. Wolfgang Benz zitiert, der Dr. Udo Ulfkotte und Dr. Hans-Peter Raddatz in einen Topf wirft und sie pauschal zu "zweifelhaften Experten" erkl├Ąrt, die kleinb├╝rgerliche ├ťberfremdungs├Ąngste gegen Muslime in der deutschen Gesellschaft mobilisierten, diesen hingeworfenen Knochen schnappt er nur zu gern, nein, Amory Burchard wei├č nicht, da├č Hans-Peter Raddatz sein erstes Islambuch im Mai 2001 ver├Âffentlicht hat: Von Gott zu Allah? Da haben es die meisten nur nicht lesen und rezensieren wollen. Amory Burchard wird es bis heute nicht gelesen haben, sonst w├╝rde er keine M├Ąrchen erz├Ąhlen ├╝ber die Werke, die angeblich erst nach dem 11. September 2001 erschienen sind. Man kann beim Personal der MSM keine Kenntnisse voraussetzen, es sieht auch nicht ein, warum es sich f├╝r eine Berichterstattung, die des Namens w├╝rdig w├Ąre, krumm legen und im Internet nachschauen sollte. Die Leser m├╝ssen halt glauben, was ihnen Amory Burchard weismacht. Immerhin berichtet er, da├č Wolfgang Benz die Diskussion abzuw├╝rgen versucht, in dem er die 200 Teilnehmer mahnt: Man solle die wissenschaftliche Konferenz nicht durch politische Leidenschaften aufhalten. Vorw├╝rfen begegnet er nicht mit Argumenten, sondern er verbittet sie sich.

Unkritisch berichtet Amory Burchard ├╝ber die Darstellung der Mitarbeiterin des ZfA Angelika K├Ânigseder: B├╝rgerinitiativen gegen im Stadtbild sichtbare Moscheebauten erinnerten an Proteste gegen den Bau von Synagogen im 19. Jahrhundert. Solche Bauvorhaben seien Zeichen der Emanzipation und der Integration ÔÇô und die Anfeindungen eine Reaktion darauf. Diese Referentin beweist, da├č sie keine Ahnung hat von der unterschiedlichen Wertigkeit von Moscheen und Synagogen, letztere sind Gottesh├Ąuser, Moscheen aber sind vom Islam besetzte Gebiete, die deshalb trotz fehlender Gl├Ąubiger durchaus auf gro├čen Fl├Ąchen errichtet werden, weil sie dem Islam gewonnenes, erobertes Gebiet bedeuten. Von Emanzipation und Integration der Muslime in unsere Gesellschaft durch Moscheebauten kann keine Rede sein. Das m├Âgen die Mitarbeiter des ZfA nicht wissen, es ist aber trotzdem so. Ich habe dar├╝ber im Artikel Moschee-Areale im Westen, vom Islam erobertes Gebiet geschrieben, und das Internet ist voll von Informationen zum Thema. Tatsachen st├Âren Propagandaveranstaltungen sehr, deshalb nimmt man sie entweder nicht zur Kenntnis, oder man unterdr├╝ckt sie.

9. Dezember 2008

Quellen

Feindbild Muslim - Feindbild Jude, Wissenschaftliche Konferenz,
8. Dezember 2008
http://zfa.kgw.tu-berlin.de/feindbild_muslim_feindbild_islam .pdf

Kritik an Antisemitismus-Forschern. "Feindbild Muslim - Feindbild Jude". Von Philipp Gessler, taz.de, 5. Dezember 2008
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/feindbild- muslim-feindbild-jude

"Muslime werden ausgegrenzt". Das Gespr├Ąch f├╝hrte Amory Burchard, Tagesspiegel, 6. Dezember 2008
http://www.tagesspiegel.de/politik/Islamfeindlichkeit;art771,2677852

Anti-Semitism is not the same as Islamophobia. By Clemens Heni,
Jerusalem Post, December 3/4, 2008
http://tinyurl.com/6l3pyv

Daily News Alert from Israel, Friday, December 5, 2008
http://www.dailyalert.org/

Clemens Heni: Anti-Semitism is not the same as Islamophobia,
Online-Tagebuch der Achse des Guten, 4. Dezember 2008
http://tinyurl.com/5nakys

Attacke der S├╝ddeutschen Zeitung gegen Politologen und Blogger.
4. Dezember 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-12-04_21-19-07.html

Lapsus orientalis? Sekund├Ąrer Antisemitismus ÔÇô t├╝rkisch, mit Koscherstempel. Von Clemens Heni, 9. Juli 2008
http://clemensheni.wordpress.com/2008/07/09/lapsus-orientali s/

Das "Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung" auf Abwegen. ├ťber die
Gleichsetzung von Antisemitismus und "Islamophobie". Von Matthias K├╝ntzel,
Texte, 24. November 2008
http://tinyurl.com/5pnd7z

Offener Brief an das Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung. 17. Dezember 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-11-17_19-28-42.html

Ilan Mor, Gesandter. Botschaft des Staates Israel - Berlin
http://tinyurl.com/6fps2b

Juden und Muslime. Das doppelte Feindbild. Von Frank Jansen,
Der Tagesspiegel, 7. Dezember 2008
http://tinyurl.com/6lu3wr

"Ich bin v├Âllig fassungslos". Wolfgang Benz im Gespr├Ąch mit Joachim Scholl. Deutschlandradio Kultur, 5. Dezember 2008
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/886682/

Hans-Peter Raddatz: Von Gott zu Allah? Herbig Verlag M├╝nchen, Mai 2001
http://www.amazon.de/Von-Gott-Allah-Hans-Peter-Raddatz/dp/37 76622121

Historiker Wolfgang Benz verteidigt seine Thesen. Von Amory Burchard,
Tagesspiegel, 9. Dezember 2008
http://tinyurl.com/5wfhyh

Moschee-Areale im Westen, vom Islam erobertes Gebiet. 23. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-23_17-04-23.html

Weisheiten

Womit sich Wissenschaftler besch├Ąftigen sollten, entscheidet die Wissenschaft.
Prof. Dr. Wolfgang Benz. Kann man Antisemitismus mit Islamfeindlichkeit
vergleichen? Von Amory Burchard (Der Tagesspiegel) zoomer,
5. Dezember 2008
http://tinyurl.com/68r3xb

Prof. Dr. Wolfgang Benz ist v├Âllig fassungslos. Weisheit von ihm und von mirrr!
"Ich bin v├Âllig fassungslos". Wolfgang Benz im Gespr├Ąch mit Joachim Scholl.
Deutschlandradio Kultur, 5. Dezember 2008
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/886682/

"Der selbsternannte Islamwissenschaftler": Hans-Peter Raddatz.
Biographie. Bio and Lyrics
http://de.bioandlyrics.com/hanspeterraddatz

Hans-Peter Raddatz. Perlentaucher.de
http://www.perlentaucher.de/autoren/7901.html


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