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Gaza-Krieg. Das Rote Kreuz erhebt schwere Vorw√ľrfe gegen Israel

Die europ√§ischen Medien schie√üen aus allen Rohren gegen Israel, ihnen ist nichts zu primitiv. Diesmal seien der Focus und die Neue Z√ľrcher Zeitung (NZZ) zitiert, die meinen, aus √Ąu√üerungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) eine unkommentierte Anschuldigung zimmern zu m√ľssen. Die Nachricht stammt von AP und ar-Reuters, letztere ist die hinreichend aus dem Libanonkrieg, vom Sommer 2006, bekannte britische "Green Helmet"-Nachrichtenagentur. (1)

Auch SpiegelOnline, Netzeitung, Tagesanzeiger und 40 weitere deutschsprachige Bl√§tter lassen sich das Schn√§ppchen nicht entgehen, wie man in den Aktualit√§ten von Google erf√§hrt, wenn man Pierre Wettach eingibt, den Namen des f√ľr Israel und die Pal√§stinensergebiete zust√§ndigen IKRK-Vertreters. Der schafft es nicht einmal, in Gaza Zugang zu dem entf√ľhrten israelischen Soldaten Gilad Shalit zu bekommen. Der Bericht dar√ľber ist mit einem Foto des besorgt dreinblickenden Pierre Wettach versehen, der aber keine Zweifel entwickelt √ľber die Verhandlungsf√§higkeit der Hamas und ihre Vorstellungen vom internationalen Recht. (2)

Die Lekt√ľre der Charta der Hamas, h√§tte ihm weiterhelfen k√∂nnen und zeigen, da√ü ihr eine positive Antwort auf den Vorsto√ü des IKRK untersagt ist, da√ü die Hamas, eine Zweigstelle der Muslimbr√ľder, sich im Glaubenskrieg befindet, der nach 1400 Jahre alten Regeln abl√§uft. Verhandeln und das Abschlie√üen von Waffenstillstand geschieht demnach nur in einer taktischen Lage, die zur St√§rkung der eigenen Kr√§fte n√∂tig ist und genutzt werden soll. Ein Blick auf den Fall des entf√ľhrten Soldaten Gilad Shalit zeigt, da√ü der Hamas Verhandeln und Hudna nichts derartiges bringen; es w√§re eine Initiative, die nichts br√§chte als Zeitverschwendung und vergebliche M√ľhen: (3)

  • Es gibt keine L√∂sung f√ľr die pal√§stinensische Frage als den Djihad, Initiativen, Vorschl√§ge und internationale Konferenzen sind Zeitverschwendung und vergebliche M√ľhen. (Artikel 13)
  • Die milit√§rische Aufgabe der Hamas lautet: the Hamas is a movement of Jihad. (Artikel 25)

Anscheinend sind dem Vertreter des IKRK in Israel und den Pal√§stinensergebieten die Gepflogenheiten der islamischen Kriegf√ľhrung nicht vertraut. Deutlicher kann es nicht werden, wozu ein solcher Funktion√§r nutze ist: d√©l√©gu√© fain√©ant.

Entsprechend kann dieser Nichtsnutz auch nicht einordnen, warum das israelische Militär bei der Zusammenarbeit mit palästinensischen Sanitätern und ihren Freunden vom IKRK äußerst skeptisch ist; denn ihre Neutralität verletzt das IKRK nicht erst jetzt, sondern wiederholt.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kritisierte Israel in ungew√∂hnlich scharfer Form f√ľr die Behinderung von Rettungskr√§ften, schreibt der Focus und bezieht sich auf die Behauptungen des Pierre Wettach. Die NZZ bem√ľht zus√§tzlich Dominik Stillhart, den Stellvertretenden Direktor f√ľr Operationen der Organisation. (4)

Das IKRK und seine Zweigstelle in Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), sind aus ihrem Versagen im Dritten Reich international bekannt. Der Pr√§sident des DRK Rudolf Seiters erkl√§rt anl√§√ülich der Ver√∂ffentlichung einer Dokumentation der Historikerinnen Dr. Birgitt Morgenbrod und Dr. Stephanie Merkenich √ľber Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur, am 24. Juni 2008: (5)

"Die humanit√§ren Prinzipien und ethischen Werte sind das Wichtigste und Wertvollste, was wir im Roten Kreuz haben ... Es ist daher traurig nachzuvollziehen, wie sich 1933/34 weite Teile der DRK-F√ľhrung unter den Bedingungen des NS-Regimes angepasst und sich von Rotkreuzprinzipien entfernt haben, wie das DRK als Organisation nationalsozialistisch √ľberformt und instrumentalisiert wurde." Es ehrt das DRK, da√ü es den Mut besitzt, diese Arbeit anfertigen zu lassen. Das Buch befasst sich u.a. mit den Satzungs√§nderungen 1933/1937, den Verflechtungen des DRK mit der SS und dem Ausschluss j√ľdischer Mitglieder.

Ende Juni 1943 fahren auf Veranlassung des IKRK die Vertreter des DRK Hartmann und Niehaus f√ľr zwei Tage ins Ghetto Theresienstadt. Die beiden sind von der Situation in Theresienstadt entsetzt und informieren das IKRK vertraulich dar√ľber. Ein Jahr sp√§ter, am 23. Juni 1944, besuchen Vertreter des IKRK Theresienstadt, zwei D√§nen und ein Schweizer; es empfiehlt sich, dar√ľber im Theresienstadt Lexikon nachzulesen, um einen Eindruck zu gewinnen, worauf die Vorw√ľrfe des IKRK gegen Israel heute hinauslaufen. Endlich kann man diejenigen zu T√§tern abstempeln, die man so schn√∂de im Stich gelassen hat:

Die Mitglieder der Kommission gaben Berichte ab, die das Gesehene in ein g√ľnstiges Licht stellten und richteten so Schaden bei dem IRK in Genf an. Die SS konnte √ľber ihr T√§uschungsman√∂ver zufrieden sein. Niemand dachte daran, da√ü 7.500 Menschen nach Auschwitz transportiert worden waren, damit die f√ľr die Kommission durchgef√ľhrte Versch√∂nerungsaktion auch gelingen konnte. Am 6. April 1945 hat sich eine zweite Delegation des IKRK noch einmal t√§uschen lassen. (6)

Der Schaden, den die drei Vertreter in Genf anrichten, kommt dem IKRK sehr gelegen. Es ist ausgeschlossen, da√ü man dort im Juni 1944 nichts von den Verbrechen wei√ü, die in den Ghettos und Konzentrationslagern ver√ľbt werden. Davon schreibt sogar der in Budapest mit seiner Familie untergetauchte Tivadar Soros, dem als Kontakt zur Au√üenwelt nichts als ein Radioempf√§nger und einige pers√∂nliche Berichte zu Verf√ľgung stehen. Die Schweizer Krankenschwester Friedel Bohny-Reiter informiert das Schweizerische Rote Kreuz und damit auch das IKRK aus dem franz√∂sischen Internierungslager Rivesaltes, bei Perpignan; dort arbeitet sie von 1941 bis 1942 und schreibt Briefe in die Heimat √ľber das Leben im Lager. Im Vorhof der Vernichtung ist ihr Tagebuch betitelt. Nach Frankreich gelangt sie durch Rodolfo Olgiati , einen Mathematikprofessor, der seit 1935 das Sekretariat des internationalen Zivildienstes leitet. 1940 wird er Zentralsekret√§r der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft f√ľr kriegsgesch√§digte Kinder, sie schlie√üt sich im Dezember 1941 mit dem Schweizerischen Roten Kreuz zusammen. In Friedel Bohny-Reiters Tagebuch ist ausf√ľhrlich nachzulesen, da√ü man in Genf alles wei√ü, sich aber strikt neutral verh√§lt und Mitarbeiter, die Juden retten, von ihren Posten in Frankreich abberuft. Nur wenn es darum geht, Juden und den Staat Israel zu bezichtigen, mu√ü das IKRK seine Neutralit√§t aufgeben und in ungew√∂hnlich scharfer Form protestieren. (7)

Das IKRK kann sich nicht wie vielleicht das DRK darauf berufen und sich damit ausreden, es sei ihm keine andere Wahl geblieben, die Nazis h√§tten seine F√ľhrung entsprechend eingesetzt, im Gegenteil, das IKRK handelt niemals anders, wie erst k√ľrzlich bei der Befreiung von Ingrid Betancourt erneut deutlich wird. Den Juden und Israel wird vom IKRK schon lange die Rolle zugewiesen wie jetzt in Gaza. Ich habe dar√ľber berichtet im Artikel Ein traditionelles V√∂lkerrechtssubjekt kooperiert mit der FARC. Den Teil, der Zusammenh√§nge sowie Vorw√ľrfe des IKRK gegen die Juden und Israel betrifft, wiederhole ich hier. Es wird auch deutlich, da√ü Regierungen, die etwas auf sich halten, gar nicht anders k√∂nnen, als z√∂gern, mit dem IKRK zusammenzuarbeiten. (8)

Das traditionelle V√∂lkerrechtssubjekt IKRK gr√ľndet im Jahr 1991 offiziell die Comisi√≥n Internacional Humanitaria de Encuesta (CIHE), die Internationale humanit√§re Untersuchungskommission, mit der lehnt die kolumbianische Regierung Verhandlungen ab, wie die in den USA ans√§ssige marxistisch-leninistische Freedom Road Socialist Organization (FRSO) beklagt. (9)

Diese Kommission CIHE wird am 30. Juni 2001 auf der Site des IKRK ausf√ľhrlich vorgestellt, und der Autor Luigi Condorelli, ein f√ľr das IKRK t√§tiger Professor in Genf, fragt: ist sie ein obsoletes Instrument oder ein n√ľtzliches Mittel zur Anwendung des internationalen humanit√§ren Rechtes? Sp√§testens seit dem 2. Juli 2008 d√ľrfte die Antwort darauf nicht schwerfallen, oder wei√ü jemand, was eine internationale humanit√§re Organisation bei internen Operationen der FARC zur Verlegung von Geiseln zu schaffen hat? Woher k√∂nnte die CIHE von den Operationen wissen, wenn sie nicht auf vertrautem Fu√üe mit der FARC st√ľnde? Wieso nehmen es die Guerilleros als selbstverst√§ndlich, da√ü die Mitarbeiter der CIHE Che Guevara-T-Shirts tragen? (10)

Man kann International Humanitarian Comission - Israel googeln und sehen, in welchen Zusammenh√§ngen beide Begriffe vorkommen, dann wundert man sich nicht mehr, da√ü die kolumbianische Regierung auf die Vermittlung der Kommission keinen Wert legt: George Habash´s contribution to the Palestinian struggle, von der Site Electronic Intifada, mit Datum vom 30. Januar 2008, Colombia: FARC Statement Following Hostage Release, 13. Januar 2008, beides auf einer Site der Sons of Malcolm X. Auch auf der Site der Transnational Radical Party findet man die beiden Begriffe. Diese Partei, die laut eigener Auskunft nicht an Wahlen teilnimmt, hat Beraterstatus bei der ECOSOC der Vereinten Nationen. (11)

Wundert es jemanden, daß israelische Regierungsstellen und das Militär zögern, mit solchen Organisationen zusammenzuarbeiten? Die kolumbianische Regierung hat ihre Aktivitäten kennengelernt, und die israelische merkt sie auch nicht erst seit den Operationen in Gaza. Die Kommission ist eine mehr zur Diffamierung Israels. Schon der Titel weist darauf hin, und auch beim Institute for Palestine Studies fehlt die seit vielen Jahren von den Arabern angestrebte Kommission nicht. Sie ist Gegenstand eines Berichtes an die Arab Regional Human Rights (sic!) Conference Beirut,
2. - 10. Dezember 1968: Israels Position betreffend die Gr√ľndung einer Internationalen humanit√§ren Kommission zur Untersuchung der Behandlung von Arabern in den Besetzten Gebieten, in √úbereinstimmung mit der Resolution Nr. 237 (1967) des UN- Sicherheitsrates. (12)

In dieser Tradition ist das IKRK tätig, der "schockierende Vorfall" ist die Organisation selbst: "Das israelische Militär muss von der Situation gewusst haben, half aber den Verwundeten nicht. Ebenso wenig ermöglichte es uns oder dem Palästinensischen Roten Halbmond, den Verwundeten zu helfen", meint Pierre Wettach.

Herr Wettach hei√üt 1944 Dr. Rossel, er √§ndert sich nicht. Auch diesmal gibt er L√ľgenm√§rchen und Behauptungen √ľber die Rolle und die Situation der Juden zum Besten; er behauptet, da√ü israelisches Milit√§r "gewu√üt haben mu√ü", was da passiert ist, er diffamiert, und Focus, NZZ sowie vierzig weitere europ√§ische Medien geben ihm ein Forum daf√ľr. Derweil schlagen weiter Raketen in Aschkelon und Sderot ein, was der Focus nebenbei in der Israelschelte unterbringt, w√§hrend die NZZ das gar nicht erst erw√§hnt, eine quantit√© n√©gligeable, mit der Israel ganz allein fertig werden mu√ü. So wird es sein!

8. Januar 2009

Quellen

(1) Gaza-Krieg: Schwere Vorw√ľrfe gegen Israel. Von nb/AP/Reuters,
FocusOnline, 9. Januar 2009
http://tinyurl.com/8p3a2w

The Reuters Photo Scandal. A comprehensive overview of the four types of photo fraud committed by Reuters, August, 2006. Zombietime
http://www.zombietime.com/reuters_photo_fraud/

(2) Gaza: still no ICRC access to Gilad Shalit. Interview. ICRC,
December 10, 2008
http://www.icrc.org/Web/Eng/siteeng0.nsf/html/israel-intervi ew-111208

(3) Hamas Covenant, August 18, 1988. The Avalon Project at Yale Law School
http://www.yale.edu/lawweb/avalon/mideast/hamas.htm

"Hudna" - Was heißt das? Nahost Focus, 29. Juni 2003
http://www.nahostfocus.de/page.php?id=1534

(4) IKRK richtet schwere Vorw√ľrfe an Israel. Von sda/Reutersl, NZZOnline,
8. Januar 2009
http://tinyurl.com/9pfl37

(5) Birgitt Morgenbrod/Stephanie Merkenich: Das Deutsche Rote Kreuz unter
der NS-Diktatur 1933-1945. Mit einem Geleitwort von Rudolf Seiters und einem
Vorwort von Hans Mommsen, Verlag Ferdinand Schöningh 2008,
XV + 483 Seiten, zahlr. Abb., Festeinband mit Schutzumschlag,
EUR 39.90 / CHF 67.00. ISBN: 978-3-506-76529-1
http://tinyurl.com/9rlcqh

Deutsches Rotes Kreuz und Drittes Reich. Deutsches Rotes Kreuz e.V.
http://www.drk.de/tops_2008/0624_nS-Studie/bericht.html

(6) Theresienstadt 1941-1945. Theresienstadt Lexikon
http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/i/irk.htm

Besuch von Vertretern des DRK. Theresienstadt Lexikon
http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/b/besuchdrk.htm

(7) Tivadar Soros: Maskerade. Die Memoiren eines √úberlebensk√ľnstlers,
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart - M√ľnchen 2003, ISBN 3421054967,
Gebunden, 317 Seiten, 24,90 EUR. Perlentaucher
http://www.perlentaucher.de/autoren/12057/Tivadar_Soros.html

Friedel Bohny-Reiter: Im Vorhof der Vernichtung. Tagebuch einer Schweizer
Schwester im französischen Internierungslager Rivesaltes 1941-1942.
Hrsg. von Erhard Roy Wiehn, hartung-Gorre Verlag Konstanz 1995
http://www.hartung-gorre.de/

(8) Ein traditionelles Völkerrechtssubjekt kooperiert mit der FARC. 7. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-07_23-30-29.html

(9) FARC Communiqué in Regards to the Liberation of Clara and Consuelo. Freedom Road. Socialist Organization, January 10, 2008
http://www.frso.org/docs/2008/farcstatement200801.htm

(10) La Comisi√≥n Internacional Humanitaria de Encuesta: ¬Ņun instrumento obsoleto o un medio √ļtil de aplicaci√≥n del derecho internacional humanitario? Por
Luigi Condorelli, Revista Internacional de la Cruz Roja N¬ļ 842 pp. 393 - 405
http://www.icrc.org/Web/spa/sitespa0.nsf/html/5TDPUM

The International Humanitarian Fact-Finding Commission: an obsolete tool or a useful measure to implement international humanitarian law ? By Luigi Condorelli, International Review of the Red Cross N¬ļ 842 pp. 393 - 406
http://www.icrc.org/web/eng/siteeng0.nsf/htmlall/57jr5s?open document

Comisión Internacional Humanitaria de Encuesta (CIHE)
http://icrc.org/Web/spa/sitespa0.nsf/htmlall/5V5MGW/$FILE/CIHE.pdf

The International Humanitarian Fact-Finding Commission
http://tinyurl.com/66fono

(11) January 2008. Sons of Malcolm X
http://sonsofmalcolm.blogspot.com/2008_01_01_archive.html

Transnational Radical Party
http://www.radicalparty.org/welcome2.html

(12) Israel´s Position Regarding the Formation of a International Humanitarian Commission to Investigate the Treatment of Arabs in the Occupied Territories, in Accordance with United Nations Security Council resolution 237 (1967): Report Submitted to the Arab Regional Human Rights Conference, Beirut 2-10 December 1968. Von George Deeb, Institute for Palestine Studies, 2nd Edition, 1970
http://palestine-studies.org/final/en/books/item.php?id=317


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