Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Gaza. Der Tagesspiegel steht zu Mads Gilbert in Treue fest

Martin Gehlen besch├Ânigt die bekannten und allseits zug├Ąnglichen Fakten ├╝ber den Arzt, der auf gar keinen Fall Sympathien f├╝r den Terror hege, er bestreite auch, ein Freund der Hamas zu sein, und wenn er dies so sagt, dann glaubt er es ihm. ├ťber die milit├Ąrische Rolle des Shifa-Krankenhauses im Terrorkampf der Hamas informiert der Korrespondent auch in diesem Artikel nicht. Eine Auskunft, warum er und sein Kollege Erik Fosse aus Gaza ausreisen (m├╝ssen?) und in ├ägypten nicht willkommen sind, gibt der vor Ort anwesende Korrespondent ebenfalls nicht. Kennt er die Gr├╝nde nicht, oder h├Ąlt er es f├╝r besser, sie nicht kundzutun? Wem w├╝rde genutzt, wem geschadet? Darf ich raten? Es w├╝rde Israel genutzt, wenn den Lesern des Tagesspiegels die Gr├╝nde f├╝r die Ausreise und f├╝r ├ägyptens Z├Âgern bekannt w├╝rden. Hatte nicht die norwegische Regierung die ├ägypter gen├Âtigt, ├Ąu├čersten diplomatischen Druck ausge├╝bt, die beiden ├ärzte am Jahresende ├╝ber Rafah nach Gaza einreisen zu lassen?

Ihr Wirken kann man ausf├╝hrlich nachlesen auf der amerikanischen Site des Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America (CAMERA), dort findet man Belege, die weit ├╝ber das hinausgehen, was NGO Monitor vorbringt, die von Martin Gehlen hinreichend abqualifiziert wird, in dem er mitteilt, sie sei in Jerusalem ans├Ąssig. In Jerusalem - das sagt alles, nicht wahr? W├Ąhrend jeder Aufschrei einer gequ├Ąlten Pal├Ąstinenserin f├╝r bare M├╝nze genommen und jede Behauptung von Gush oder Bat Shalom als Wahrheit akzeptiert wird, reicht es aus, den Sitz von NGO Monitor anzugeben, um deren ├äu├čerungen abzuwerten. (1)

Zur hektischen Berichterstattung des Arztes ├╝ber Telefon und SMS gibt´s von Martin Gehlen die Erkl├Ąrung, da├č Israel vor gut zwei Monaten f├╝r alle ausl├Ąndischen Medien den Zugang zum Gazastreifen blockierte. D├╝rfen die Leser nicht wissen, warum? So, wie´s dasteht, ist es eine Anklage gegen Israel, die Berichterstattung zu behindern, sie sogar v├Âllig unm├Âglich zu machen. Wie die aussehen w├╝rde, kann man an der aus dem Libanonkrieg 2006 bekannten erahnen, und Mads Gilbert best├Ątigt die Bef├╝rchtungen der israelischen Regierung. Martin Gehlen arbeitet mit Unterstellungen, wenn er behauptet, Israel habe beabsichtigt, diesen Krieg ohne westliche Augenzeugen zu f├╝hren. Die Propaganda der von der Hamas gelenkten oder belieferten westlichen Medien, ihrer Journalisten und Kameraleute hat nichts mit Augenzeugenschaft zu tun, aber alles mit F├Ąlschung und Diffamierung. Jedes kriegf├╝hrende Land beh├Ąlt sich die Kontrolle ├╝ber die Kriegsberichterstattung vor, aber f├╝r Israel gelten anscheinend auch hier besondere Ma├čst├Ąbe.

Als ob Martin Gehlen auf dem Niveau des Theaters ├á la Channel 4 und CNN bleiben wollte, schildert er in lebhafter Anteilnahme das Schicksal der sich aufopfernden ├ärzte. Welche romantischen Vorstellungen von Solidarit├Ąt der Autor hat, zeigt seine Bemerkung ├╝ber die Nacht im ├Ągyptischen Gewahrsam. Der Botschafter tut nur seine Pflicht, oder k├Ânnte sich jemand, der je mit Botschaften zu tun hatte, vorstellen, da├č der Herr Botschafter nach Kairo zur├╝ckreist und die beiden von mehreren Seiten gef├Ąhrdeten Landsleute zur├╝ckl├Ą├čt? Er schl├Ąft auf dem Boden? Wo und wie sollte er denn sonst schlafen in einem Raum, in dem es keine Betten gibt? Im Stehen, vor der Haust├╝r? Sollte er als Repr├Ąsentant der norwegischen Krone in Vornehmheit wachen?

Eine ganze Nacht lie├čen die Sicherheitskr├Ąfte die Chirurgen im Ankunftsterminal warten. Als nach Mitternacht die israelischen Raketenangriffe so heftig wurden, dass Fenster zu Bruch gingen und Teile der Decke einzust├╝rzen drohten, wurden sie in ein Wachhaus am anderen Ende des Gel├Ąndes verlegt. Der norwegische Botschafter in Kairo schlief aus Solidarit├Ąt mit ihnen auf dem Fu├čboden ÔÇô erst am Sonntagmorgen, nach 20 Stunden, durften sie einreisen. (2)

Der Tagesspiegel ist nicht nur faktenresistent, sondern oft verdreht er zu propagandistischem Effekt Tatsachen, die ihm durchaus bekannt sind. Das beweist er jetzt wieder in seinem Bericht ├╝ber die Pro-Israel-Demonstration in Berlin. Um ihr nicht etwa eine deutschlandweite Bedeutung zuzugestehen, wird sie in Charlottenburg angesiedelt. Ich nehme an, der Bericht wird im Lokalteil der Zeitung stehen, und es k├Ânnte sein, da├č es auf der ersten Seite nicht einmal einen Hinweis gibt. Vielleicht erfahre ich es von Berliner Freunden.

Berichtet wird von 500 Demonstrationsteilnehmern, was der Blog Politically Incorrect umgehend moniert: Die Qualit├Ątspresse spricht von 500 Teilnehmern, wer aber vor Ort war, konnte sich ├╝berzeugen, dass diese Angabe eher dem Wunschdenken des linken Mainstream-Mediums Tagesspiegel entspringt. ... Die wirkliche Teilnehmerzahl der Berliner Pro Israel-Demo lag nach Polizeiangaben bei 3000 ... (3)

Ich wei├č aus meiner eigenen langj├Ąhrigen Demo-Erfahrung, da├č die Polizei eher niedriger kalkuliert als die euphorischen Organisatoren und Demonstranten. Warum verweigert sich der Tagesspiegel den Tatsachen? Was bringen dem Blatt und seinen Lesern die L├╝gen? Oder kann der Berichterstatter den Unterschied zwischen 500 und 3000 Personen nicht erkennen? Die Zahl wird sp├Ąter im Artikel ebenso unzutreffend in tausende Menschen ver├Ąndert, aber der Kommentar von dini, um 17:09:00 Uhr, zu den 500 Teilnehmern, der bleibt erhalten: Nicht ├╝berzeugend ist es, wenn gerade einmal um die 500 (!) Berliner an einer pro Israel Demonstration teilnehmen. In jedem anst├Ąndigen Blog der "Rinnsteinpresse" w├╝rde in einem solchen Fall unter den Kommentar gesetzt, da├č man die Zahl korrigiert habe. Ehrlichkeit aber ist nicht die Absicht des Tagesspiegels, sondern die Geringsch├Ątzung der Israelsympathisanten mu├č sich qualitativ und quantitativ ausdr├╝cken. Es w├Ąre doch zu sch├Ân, wenn nur gerade einmal um die 500 (!) Berliner an einer pro Israel Demonstration teilnehmen, als da├č die Propagandisten aus diesem Traum aufwachen wollten. Solidarit├Ąt eines Botschafters mit seinen Landsleuten, wunderbar! Solidarit├Ąt von 3000 Berlinern mit Israel? Gr├Ą├člich!

Bei aller Inkompetenz, die ich der Zeitung attestiere, eine Leistung vollbringt sie mit Bravour, und da konkurriert sie mit dem Freiherrn Karl Friedrich Hieronymus von M├╝nchhausen: dieser zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpfe, jene wirft sich selbst auf den Altpapierhaufen der Geschichte.

12. Januar 2009

Quellen

(1) Norwegian Doctors in Gaza: Objective Observers or Partisan Propagandists? CAMERA, January 6, 2009
http://www.camera.org/index.asp?x_context=2&x_outlet=35&x_ar ticle=1580

(2) Dr. Gilberts Krieg. Von Martin Gehlen, Rafah, Tagesspiegel,
12. Januar 2009
http://tinyurl.com/9lpjjb

(3) 3000 Teilnehmer bei Pro Israel-Demo in Berlin, Politically Incorrect,
11. Januar 2009
http://www.pi-news.net/2009/01/3000-teilnehmer-bei-pro-israe l-demo-in-berlin/

Charlottenburg. "Israel will Frieden" - Berliner sprechen ihre Solidarit├Ąt aus.
Von ml/ddp, Tagesspiegel, 12. Januar 2009
http://tinyurl.com/782hrb

Siehe auch:

Gaza. Mads Gilbert und die Medien amputieren am laufenden Band.
9. Januar 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-01-09_22-43-13.html

Gaza. Mads Gilbert als Propagandist und Schauspieler in Pallywood.
11. Januar 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-01-11_06-06-32.html


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite