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Bernard Kouchner gemĂ€ĂŸ Pierre PĂ©an

La face cachĂ©e du Monde heißt die EnthĂŒllung von Pierre PĂ©an und Philippe Cohen; zwei politisch linke Journalisten rechnen unter der Anteilnahme der Politiker- und Intellektuellenszene ganz Frankreichs im FrĂŒhjahr 2003 ab mit der Abendzeitung. Einzelheiten können in meinem Artikel nachgelesen werden. (1)

Am 4. Februar 2009 erscheint im Verlag Fayard die nĂ€chste EnthĂŒllung, Le monde selon K., ĂŒber den Außenminister Frankreichs, ĂŒber den Pierre PĂ©an behauptet, er habe vor seinem Eintritt in die Regierung des StaatsprĂ€sidenten Nicolas Sarkozy seine Bedeutung und sein Renommee ausgenutzt, um sich von afrikanischen StaatsmĂ€nnern bezahlen zu lassen. Auch diese Untersuchung schlĂ€gt ein wie eine Bombe. Die französischen MSM reagieren wie aufgescheuchte HĂŒhner, im Figaro gibt´s bereits drei Artikel zum Thema, meine ProvinzblĂ€tter Midi Libre und L´IndĂ©pendant (nur fĂŒr Abonnenten) stehen nicht nach, wobei Midi Libre noch eine Umfrage dreingibt, ob man nach den EnthĂŒllungen seine Meinung ĂŒber den Minister geĂ€ndert habe. Nein, ich habe meine Meinung ĂŒber den "French Doctor" nicht geĂ€ndert, so wie 55 Prozent der Leser, die sich Ă€ußern, aber leider kann man mit der Antwort nicht mitteilen, welche Meinung man vorher hatte. Ich halte seit dem Jugoslawienkrieg nichts von diesem grenzenlosen Arzt, und vorher habe ich seinen Namen nicht gekannt. (2)

Man sollte wissen, daß der FunktionĂ€r des Parti Socialiste Bernard Kouchner eine Art Barack Obama vor der Zeit ist, eine Ikone, deren Aura sich der französische StaatsprĂ€sident geschickt zu Nutze macht. Nun behauptet Pierre PĂ©an, der exzellente Kontakte nach Afrika hat, daß Bernard Kouchner die privaten Gesellschaften Steps und ImĂ©da zur Beratung der Gesundheitspolitiker afrikanischer Staaten gegrĂŒndet habe, daß er aber neben seiner Funktion als Berater zwischen 2002 und 2007 PrĂ€sident von Esther gewesen sei, einer Institution öffentlichen Rechts zur internationalen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Die beiden Gesellschaften hĂ€tten AuftrĂ€ge in Höhe von 4,6 Millionen Euro erhalten, hauptsĂ€chlich zur Modernisierung des Gesundheitssystems von Gabun und des Kongo. Außerdem habe der Minister einen seiner Freunde, Eric Danon, den Verwalter von ImĂ©da, im Jahr 2007 zum Botschafter von Monaco ernannt. In dieser Eigenschaft habe Eric Danon fortgefahren, fĂŒr ImĂ©da bei einigen afrikanischen Staaten Zahlungen von ĂŒberfĂ€lligen Rechnungen einzutreiben. (3)

WĂ€hrend sich die Zeitungen ĂŒber die Machenschaften des WohltĂ€ters in Afrika echauffieren, und knapp die HĂ€lfte der Leserschaft der Provinz von L´Unique enttĂ€uscht ist, wĂ€hrend Bernard Kouchner sich rechtfertigt, er habe völlig gesetzestreu gehandelt, en toute lĂ©galitĂ©, interessiert mich der vorletzte Satz im Midi Libre-Artikel: Aber das Buch besteht wesentlich in einer Kritik der politischen Positionen von Bernard Kouchner, besonders, was die WiederannĂ€herung an Ruanda und seine mutmaßliche NĂ€he zu den amerikanischen Thesen ĂŒber den Iran, Darfur und ex-Jugoslawien angeht. (4)

Die Verteidigung ihres Freundes Bernard Kouchner kann man dem Nouvel Observateur ĂŒberlassen, der Zeitschrift, die auch Unterschriftensammlungen fĂŒr Charles Enderlin, ihren anderen Freund, organisiert. Es geht hier nicht um die politischen Ansichten des Pierre PĂ©an, der Bernard Kouchner in guter rot-brauner Manier einen "Kosmopoliten" schimpft und seinen Anti-Amerikanismus einmal mehr demonstriert, in dem er den Minister einen "amĂ©ricanolĂątre" nennt, einen, der um Amerika einen Kult betreibt, sondern es geht um ex-Jugoslawien. Dazu heißt es im Interview des Nouvel Observateur: (5)

N.O.: Das Buch beschuldigt Sie auch, nicht "mit viel HartnĂ€ckigkeit reagiert zu haben" auf die Massaker von Serben durch die albanische Mehrheit, als Sie im Auftrag der UNO fĂŒr das Kosovo verantwortlich waren ...

B. Kouchner: Skandalöse und lĂŒgnerische Worte. Erinnern Sie sich an das Blutbad von Gracko! Jedesmal, wenn ein Serbe ermordet wurde, bin ich vor Ort zu den Familien gegangen, unbeschadet der Gefahr die das bedeutet hat. Jeder serbische Tod hat mich aufgewĂŒhlt. Bei meinem Ausscheiden gab es praktisch keine Morde mehr.

FĂŒnf Artikel ĂŒber Bernard Kouchner im Kosovo befinden sich in meinem Archiv, der erste ist vom 10. Juni 2006 und der letzte vom 7. Oktober 2008. Balkan: Chronologie der US-albanischen Zusammenarbeit ist der Titel des ersten. Er handelt von der Zerschlagung Jugoslawiens durch die EU und die USA. Sie geschieht unter der Regierung des Demokraten Bill Clinton, dies nur zur Erinnerung, damit keine Verwechslungen aufkommen. Bernard Kouchner ist Sonderbeauftragter des UN-GeneralsekretĂ€rs im Kosovo, vom 15. Juli 1999 bis 12. Januar 2001, also bis zum Amtsantritt des neuen US-PrĂ€sidenten George W. Bush. (6)

"Bernard Kouchner a crime boss in Kosovo"

StaatsprĂ€sident Jacques Chirac hat fĂŒr den Heimkehrer keine Verwendung mehr im internationalen GeschĂ€ft, obgleich der sich um die Leitung des UNHCR bemĂŒht, und Frankreich immer wirklich alles tut, an anderen Interessenten vorbei die eigenen Leute durchzudrĂŒcken; ich habe das selbst erfahren mĂŒssen. Man kann Jacques Chirac manches nachsagen, im Falle des Bernard Kouchner entscheidet er richtig. Dieser gehört auch zu den Freunden des Zoran Djindjic, ĂŒber den gewaltsamen Tod des Kriminellen sind sie erschĂŒttert: Die Freunde des Zoran Djindjic trauern in sechs europĂ€ischen Zeitungen.

Am 12. MĂ€rz 2008 jĂ€hrt sich die Ermordung des Zoran Djindjic zum fĂŒnften Mal, und seine Freunde, die Außenminister Frankreichs und Schwedens Bernard Kouchner und Carl Bildt, veranstalten Theaterdonner. Was Bernard Kouchner, der Sonderbeauftragte des GeneralsekretĂ€rs der Vereinten Nationen fĂŒr Serbien und das Kosovo bedeutet, ist aufzurufen in den Links der Dokumentation Kosovo: "Von Allah zum Terror?" 1389 bis heute. Nebenbei erfĂ€hrt man auch, welche Folgen die Abspaltung des Mafia-Staates Kosovo von Serbien fĂŒr die dortigen Juden und fĂŒr Israel hat. (7)

Bernard Kouchner, Verbrecherboss im Kosovo, titelt das Balkanforum und schildert, wie die Machenschaften des Sonderbeauftragten dazu fĂŒhren, der deutschen Firma Siemens einen Auftrag zur Einrichtung eines Telefonnetzes im Kosovo abspenstig zu machen, obgleich das deutsche Angebot gĂŒnstiger ist als das der französischen Alcatel: zu einem Festpreis bietet Siemens an, wĂ€hrend beim französischen Angebot das Telefonnetz Eigentum Frankreichs bliebe und bei jedem Anruf 0377, die Landesvorwahl fĂŒr Monaco, gewĂ€hlt werden mĂŒĂŸte. (8)

Um sein Ziel zu erreichen, entlĂ€ĂŸt der ungekrönte Herrscher des Kosovo, Gesetzgeber, Regierungschef und oberster Richter in einer Person, den UNMIK-Direktor fĂŒr Post und Telekommunikation, einen Albaner, und ersetzt ihn, am 2. November 1999, durch den Kommunikationsdirektor der französischen Post Pascal Copin, der umgehend Alcatel den Zuschlag erteilt. (9)

Ergebnis: Sieben Jahre spĂ€ter rĂŒhmt sich das Kosovo des schlechtesten und teuersten Telefonsystems in der Region, faßt der Europarat zusammen. Bei jedem Abnehmen des Hörers durch einen Kosovaren klingeln in französischen und monegassischen Banken die Kassen, und wir reden nicht von geringen Summen. An die 100 Millionen Euro ĂŒber die Jahre, mehr als Schwedens jĂ€hrliche Entwicklungshilfe an das Kosovo.

Nun frage man, wieso denn keine eigene Landesvorwahl fĂŒr das Kosovo habe eingerichtet werden können, da doch die International Telecommunication Union ITU, die sie ausgibt, eine UN-Institution sei. Die Kosovaren hĂ€tten dies als erste gefragt, und im Jahr 2002 die Antwort bekommen: Sie fanden einen Brief des UN-Mannes Copin an das ITU Sekretariat; in diesem Brief ersucht er die ITU keine Landesvorwahl fĂŒr das Kosovo auszugeben. GeneralsekretĂ€r der ITU ist zu der Zeit der Japaner Yoshio Utsumi, und Kofi Annan ist GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen. (10)

Über diesen Skandal berichtet Maciej Zaremba auch im Magazin der SĂŒddeutschen Zeitung; er leitet den Bericht ein: Nach drei Jahren steht Frankreich an 13. Stelle der GeberlĂ€nder, hat aber mehr als 30 Prozent der VertrĂ€ge mit der UN-Verwaltung im Kosovo an sich gezogen. Den ausfĂŒhrlichen Bericht in englisch kann man nachlesen auf der schwedischen Site Kultur&Nöje, darin steht auch, daß sich die Kosovo-Albaner nichts sehnlicher wĂŒnschten, als die UNMIK aus ihrem Kleinstaat zu werfen. 22 Milliarden Euro sind in den acht Jahren fĂŒr das LĂ€ndchen ausgegeben worden, Frankreichs Wirtschaft verdient gut an den ZustĂ€nden dort. (11)

Auf die Frage, warum Frankreich die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo unterstĂŒtze, wenn doch klar sei, daß es einen Kleinstaat gebe, der von Gruppen gelenkt wĂŒrde, die der Mafia Ă€hneln, und daß PrĂ€zedenzfĂ€lle fĂŒr Bosnien, Georgien andere Regionen der Welt entstĂŒnden, antwortet Bernard Kouchner: "Das ist nicht die Mafia". (12)

Das politische Leichtgewicht Bernard Kouchner tingelt auch durch Israel. Nach einem zweitĂ€gigen Besuch dort und in den palĂ€stinensischen Gebieten fĂŒhlt der Außenminister Frankreichs mit vorsichtigem Optimismus, daß sich psychologisch etwas geĂ€ndert habe. Der Jerusalem-Korrespondent Adrien Jaulmes berichtet: Aucun document nÂŽest bien sĂ»r sur le point dÂŽĂȘtre signĂ©, ein zu unterzeichnendes Dokument gibt es selbstverstĂ€ndlich nicht, das Ziel von Annapolis, bis Ende 2008 zu einem Friedensabkommen zu gelangen, sei nicht erreicht. Aber das beeintrĂ€chtigt die Laune des Franzosen nicht, Hauptsache, die GeschĂ€fte gehen gut. (13)

Jetzt arbeitet der Außenminister mit George Mitchell, dem Sonderbeauftragten und Horchposten des US-PrĂ€sidenten Barack Obama, an einer Friedenslösung fĂŒr den Nahen Osten. Da sollte man das Sprichwort in den Plural setzen: Es werden Böcke zu GĂ€rtnern gemacht, und zwar drei Böcke zu drei Krautern.

Das Buch des Pierre PĂ©an, schon am ersten Tag auf Platz 5 der VerkĂ€ufe bei Amazon.fr, ist gewiß aufschlußreich, vor allem auch im Hinblick darauf, was dem investigativen Journalisten nicht bemerkenswert ist, oder wie er den Einsatz Bernard Kouchners im Nahen Osten bewertet. Demjenigen, der mir das Buch schenken will, damit ich darĂŒber berichten kann, ĂŒbersende ich gern meine Adresse. FĂŒr die Taschenbuchausgabe muß man an Amazon.fr 18,05 Euro ĂŒberweisen. DafĂŒr bekomme ich in Perpignan schon ein recht ordentliches DĂźner. (14)

4. Februar 2009

Quellen

(1) Statt einer Rezension: "Le Monde" - das entblĂ¶ĂŸte Gesicht der Pariser Abendzeitung. 4. MĂ€rz 2003
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-06_17-25-09.html

Google.de. 4 Angebote zu eussner - pierre péan
pierre pean site:http://eussner.net

(2) "Le monde selon K." de PĂ©an Le livre qui Ă©corche Kouchner.
Éditions abonnĂ©es, L´IndĂ©pendant, 4 fĂ©vrier 2009
http://www.lindependant.com

(3) Bernard Kouchner mis en cause dans un livre. Par Samuel Laurent,
Le Figaro, 3/4 février 2009
http://tinyurl.com/cb2jdb

(4) People. "Le monde selon K.", livre Ă  charge contre Bernard Kouchner,
Midi Libre, édition du 3 février 2009
http://tinyurl.com/ak3ga9

(5) "LE MONDE SELON K." Bernard Kouchner : "Ce que j´ai Ă  dire ...".
Propos recueillis par René Backmann et Vincent Jauvert,
NouvelObs, 4 février 2009
http://tinyurl.com/co9pbj

Mohammed al-Dura. Der Appell fĂŒr Charles Enderlin. 23. Juni 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-06-23_00-13-05.html

(6) Google.de. 5 Angebote zu eussner - bernard kouchner kosovo
bernard kouchner site:http://eussner.net

Bernard Kouchner (Frankreich): 15. Juli 1999 - 12. Januar 2001. Wer ist Wer
in der UNMIK
http://kosova.org/kfor/unmik/index.asp

(7) Kosovo: "Von Allah zum Terror?" 1389 bis heute. 17. Februar 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-02-17_22-38-51.html

(8) Bernard Kouchner a crime boss in Kosovo. By Maciej Zaremba, Balkanforum, August 26, 2007
http://balkanblog.org/2007/08/26/bernard-kouchner-a-crime-bo ss-in-kosovo/

(9) Pascal Copin, nommé fin août (1999) par lŽOnu en qualité dŽadministrateur général pour le rétablissement de La Poste au Kosovo. Mouvements. Newsletter, 23 septembre 1999
http://tinyurl.com/2e9zwg

(10) International Telecommunication Union ITU
http://www.itu.int/net/home/index.aspx

(11) Wir kamen, sahen und versagten. Von Maciej Zaremba, SZ-Magazin Nr. 34,
23. August 2007
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/3382

Part 1. Report from Unmikistan, Land of the Future. By Maciej Zaremba, Kultur&Nöje, June 25, 2007
http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=2502&a=664639

Part 2. The UN state and the seven robbers. By Maciej Zaremba, Kultur&Nöje,
June 25, 2007
http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=2502&a=664657

(12) Kouchner: Kosovo to wait for Serbian vote. BETA, December 10, 2007
http://tinyurl.com/ypmlrn

(13) Kouchner mise sur un accord au Proche-Orient. Par Adrien Jaulmes,
Le Figaro, 6 octobre 2008
http://tinyurl.com/4vvqn6

(14) "Le Monde selon K." cartonne déjà. Par Pierre Chausse, Marianne2.fr,
4 février 2009
http://www.marianne2.fr/-Le-Monde-selon-K-cartonne-deja_a174 725.html


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