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Die Rolle des Islams im Nahostkonflikt

Am 21. Januar 2009 veranstaltet das Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism der Hebrew University of Jerusalem unter der Leitung seines Direktors Prof. Robert S. Wistrich aus Anlaß des 30. Jahrestages der Islamischen Revolution ein Symposium zum Thema Israel, the Jews and the Sunni-Shiite Conflict, Israel, die Juden und der sunnitisch-schiitische Konflikt. (1)

Das Podium ist hochkarätig besetzt mit dem Doyen der Orienthistoriker Prof. Bernard Lewis, von der Princeton University, dem Präsidenten des Jerusalem Center for Public Affairs Botschafter Dore Gold und dem Leiter des Shasha Center for Strategic Studies, Hebrew University, und ehemaligen Direktor des Mossad und des Sicherheitsrates Israels Efraim Halevy. (2)

Die Wahl des Themas zeigt die Bedeutung, die der Rolle der unterschiedlichen religi√∂sen Auspr√§gungen der Politideologie Islam f√ľr die Politik im Nahen Osten beigemessen wird. Prof. Robert Wistrich erw√§hnt in seinem Einf√ľhrungsvortrag, da√ü der zweite Vorname des einen Tag vorher eingeschworenen US-Pr√§sidenten Hussein ist. Dieser Name ist den Schiiten heilig, Hussein ist einer der beiden S√∂hne Alis, Schwiegersohnes des Religionsgr√ľnders Mohammed. (3)

Das Video der etwas mehr als einst√ľndigen Veranstaltung ist f√ľr diejenigen sehenswert, die sich vertraut machen wollen mit den Ausma√üen der im Islam sunnitischer und schiitischer Pr√§gung begr√ľndeten Judenfeindschaft, mit innerislamischen Konflikten und der daraus resultierenden begrenzten M√∂glichkeit einer f√ľr alle Bewohner der Region anerkennbaren L√∂sung des Nahostkonfliktes. (4)

Die Bezeichnungen Antisemitismus und islamischer Antisemitismus k√∂nnen leicht auf falsche F√§hrten f√ľhren. Wenn man sich der deutschen Begriffe Judenfeindschaft und Judenha√ü bediente, k√∂nnten Diskussionen entfallen, da√ü die Araber ebenfalls Semiten seien und die schiitischen Perser keine, umst√§ndliche Erkl√§rungen, da√ü Wilhelm Marr, ein nebenbei auch f√ľr die Zeitschrift Gartenlaube t√§tiger deutscher Agitator, Publizist und Schriftsteller, der 1879 den Kampfbegriff Antisemitismus in das politische Vokabular einf√ľhrt, mit ihm allein die Juden und nicht etwa die Araber stigmatisiert, w√ľrden ebenfalls erleichtert. Die Pr√§zisierung w√§re f√ľr die Einsch√§tzung der Zusammenarbeit islamischer und deutscher Judenhasser hilfreich; weder die sunnitischen noch die schiitischen Muslime haben auf Adolf Hitler gewartet, sondern ihre Einstellung zu den Juden gr√ľndet im Koran, unbeschadet der sowohl religi√∂s als auch machtpolitisch begr√ľndeten Gegens√§tze, die zwischen Sunna und Schia herrschen; diese werden, wenn es gegen den gemeinsamen Feind, die Juden und Israel geht, zugunsten finanzieller und logistischer Unterst√ľtzung des schiitischen iranischen Regimes f√ľr die sunnitische Hamas, eine Zweigstelle der sunnitischen Muslimbruderschaft, aus taktischen Gr√ľnden beiseite gestellt. An der Strategie der Schiiten zur Erlangung der Vorherrschaft in der Region √§ndert es nichts, was den Herrschern √Ągyptens, Saudi-Arabiens und Jordaniens durchaus bewu√üt ist; entsprechend ablehnend ist ihre Haltung zur Hamas. (5)

Die Rolle des Islams f√ľr die Verachtung und Zur√ľckweisung der Juden und ihres Staates wird nicht von allen Politikern, Wissenschaftlern und Medien zur Kenntnis genommen oder gar f√ľr relevant gehalten. Auff√§llig ist es an dem im Jahre 2002, nach unz√§hligen terroristischen Anschl√§gen im Namen des Islam auf Juden in und au√üerhalb Israels und nach dem Angriff islamischer Terroristen, am 11. September 2001, erschienenen Standardwerk Six Days of War. June 1967 and the Making of the Modern Middle East des Historikers Michael B. Oren, Forscher am Shalem Center Jerusalem. Ich habe mich damit im Artikel Die Rolle des Islams im Sechstagekrieg auseinandergesetzt. (6)

Es gibt aber schon seit langem Wissenschaftler, die sich mit dem arabischen Antisemitismus, der islamischen Judenfeindschaft, als dem Grund f√ľr den Nahostkonflikt befassen. Auf zwei B√ľcher ist Dr. Clemens Heni dabei gesto√üen; ich habe sie mir umgehend besorgt, was heuer nicht leicht ist, sie sind nur noch antiquarisch erh√§ltlich, eines der beiden ist aus dem sehr empfehlenswerten Bookshop Baltimore, es tr√§gt den Titel The New Anti-Semitism. (7)

Arnold Forster und Benjamin R. Epstein: Arabs and Pro-Arabs

Das Buch The New Anti-Semitism von Arnold Forster und Benjamin R. Epstein erscheint 1974; es hat 355 Seiten und entsteht aus einer F√ľlle von Daten, die von einem Team von Experten zusammengetragen worden sind, die Autoren z√§hlen ein Dutzend auf. (8)

Die Seiten 155 bis 174 befassen sich mit Arabs and Pro-Arabs, der Rolle des Islams sind in dem Abschnitt knapp vier Seiten gewidmet. Der erste Satz lautet: Arabischer Antisemitismus ist kein neues Ph√§nomen. Die Feindschaft der Araber gegen Juden als Juden und nicht der Anti-Zionismus wird als eine wesentliche Ursache f√ľr den Nahostkonflikt benannt. Die Autoren verweisen auf den Koran, auf die diskriminierende Duldung der Juden als angeblich minderwertig, sie nennen als Beleg die Suren 2, 5:61, 3 und 5:112. (S. 155) Ausf√ľhrlich berichten sie am Beispiel des Irak und seiner um 1940 dort lebenden etwa 150 000 Juden √ľber das Beuteverhalten der Muslime. Die Geschichte der Juden des Irak beginnt vor 2500 Jahren, bis Mitte der 50er Jahre haben auf Grund von Terror und Pogromen der Muslime 110 000 irakische Juden das Land verlassen. 1963 erl√§√üt die irakische Regierung ein Gesetz, das alle Juden, die das Land zwischen 1960 und 1963 verlassen haben und in den n√§chsten sechs Monaten nicht zur√ľckkehren, ihre Staatsb√ľrgerschaft verlieren, ihr Verm√∂gen werde eingefroren. 1973 leben im Irak noch 400 Juden (S. 157f.), zu Beginn des Irakkrieges sind es 32. (9)

Al-Anfal, der Beute, widmet der Koran eine ganze Sure: Und r√ľstet gegen sie auf, soviel ihr an Streitmacht und Schlachtrossen aufbieten k√∂nnt, damit ihr Allahs Feind und euren Feind - und andere au√üer ihnen, die ihr nicht kennt - abschreckt; Allah kennt sie (alle). Und was ihr auch f√ľr Allahs Sache aufwendet, es wird euch voll zur√ľckgezahlt werden, und es soll euch kein Unrecht geschehen. (Sure 8:60)

Die Lehre des Islams von der Beute, ist ein in der Scharia im 11. Jahrhundert ausf√ľhrlich geregelter juristischer Bereich. Umfassende Gesetze √ľber die Beute werden erlassen. Der anerkannte islamische Jurist Abu¬īl-Hassan al-Mawardi (gestorben im Jahre 1058 d.Z.) erarbeitet genaue Regelungen, wie mit den Nichtgl√§ubigen und vor allem mit deren Besitz und Land nach gewonnenem Glaubenskrieg umgegangen wird. Man bedient sich im Einklang mit der Lehre des Islams der Reicht√ľmer der Ungl√§ubigen. Das funktioniert mit den vertriebenen und enteigneten Juden so gut, da√ü alle in den arabischen Staaten konfiszierten j√ľdischen Landbesitze zusammen eine gr√∂√üere Fl√§che ausmachen als das heutige Israel samt Westbank und Gaza. (10)

Israel ist aus religi√∂sen und politischen Gr√ľnden f√ľr die Herrscher der islamischen Staaten untragbar, obgleich winzig, gemessen am arabisch-sunnitischen Umland, ist Israel ein ehemals muslimisch beherrschtes Gebiet, das jeden Muslim verpflichtet, es zur√ľckzuerobern, die bei einer Eroberung anfallende Beute ist ebenfalls verlockend, wenn auch zu bef√ľrchten ist, da√ü die Eroberer mit ihr umgehen w√ľrden wie in Gaza. (11)

Spanien ist ein Beispiel f√ľr ein weiteres ehemaliges islamisches Land, in dem heute nur noch einige Tausend Juden leben. Neben dem Balkan ist Spanien das Land, das auf der Rangliste der zur√ľckzuerobernden Gebiete obenan steht. Gustavo de Ar√≠stegui ist Au√üenpolitischer Sprecher des konservativen Partido Popular. Was Aaron Hanscom am Beispiel von dessen Buch The Jihad in Spain: The obsession to reconquer al-√Āndalus f√ľr das 1492 vollst√§ndig von islamischer Herrschaft befreite Spanien ausf√ľhrt, gilt erst recht f√ľr Israel, dessen Territorium bis 1920 Teil des islamischen osmanischen Reiches ist, und das inmitten der islamisch-arabischen Welt liegt.

Aus religi√∂sen und machtpolitischen Gr√ľnden wollen radikale Muslime
a) Regierungen (islamischer L√§nder) st√ľrzen, die sie als anti-islamisch, korrupt und als vom Glauben abgefallen einsch√§tzen. Weil sie die Regierungen und Regime so einsch√§tzen, sind sie berechtigt, sogar verpflichtet, sie zu st√ľrzen und ihre Herrscher zu vernichten, b) jede Art von Land oder Territorium zur√ľckerobern, die jemals in ihrer Geschichte unter islamischer Herrschaft waren, c) das Kalifat wieder einf√ľhren, d) ihr Gebiet und ihre Macht √ľber die ganze Welt ausweiten.

Einmal mehr wird darauf hingewiesen, da√ü die Gesellschaften der westlichen Welt sich dar√ľber nicht im klaren sind, zwar wird Gustavo de Ar√≠stegui mit Morddrohungen √ľberzogen, die von Terroristen auf zur Kommunikation untereinander benutzten verschl√ľsselten Websites in Saudi-Arabien verbreitet werden, er lebt unter Polizeischutz, bewegt sich in kugelsicheren Autos fort, und Yusuf Fern√°ndez, der Sprecher der von origin√§r spanischen ehemaligen Linksradikalen, Kommunisten, Izquierdistas zum Islam Konvertierten geleiteten Federaci√≥n de Entidades Isl√°micas, erkl√§rt ihn zum Feind des Islams, zum "islam√≥fobo", also zum Kranken, aber es ficht die Mehrheit der Spanier sowie die anderen Europ√§er nicht an. (12)

Wie will man erwarten, da√ü sie die im Islam liegenden Gr√ľnde f√ľr den Judenha√ü und die Ablehnung Israels als Staat begreifen. Nicht zuf√§llig sind die Autoren der beiden von mir erworbenen B√ľcher Juden, aber selbst Arnold Forster und Benjamin R. Epstein widmen dem islamischen Judenha√ü nur vier von 355 Seiten ihres Buches √ľber den Neuen Antisemitismus. Was sagt Senator Henry Jackson mit diesen S√§tzen: Die Energiequellen des Nahen Ostens w√§ren selbst dann nicht gesichert, wenn es Israel nicht g√§be. Weil es innerarabische Gegnerschaft und ihre opportunistische Ausnutzung durch die Sowjetunion sind, die drohen, den normalen Flu√ü des Erd√∂ls zu unterbrechen. Woher kommt die innerarabische Gegnerschaft, wieso kann die Sowjetunion sie ausnutzen? Die Schiiten des Iran tanzen zu der Zeit noch nicht mit in dem religi√∂sen und machtpolitischen Reigen, weil sie auf Grund der US-freundlichen Regierung des Schahs machtpolitisch nicht relevant sind. (13)

Das Symposium des Vidal Sassoon International Centers lehrt manches, eine Lehre ist, welchen strategischen Fehler, ja, welchen Verrat US-Pr√§sident Jimmy Carter ("Jimmah the Idiot Carter") begangen hat, dem Iran des Schahs die Unterst√ľtzung zu entziehen. Seinen gesch√§ftlichen Interessen sowie der Araberfreundlichkeit und des Antisemitismus seines Au√üenpolitischen Beraters Zbigniew Brzezinski ist es geschuldet, da√ü der Iran im Golf seit 30 Jahren eine US- und israelfeindliche Rolle spielt, und da√ü die Schia als zus√§tzliche religi√∂se Komponente international hat wirksam werden k√∂nnen, Stichworte Hezbollah und Unterst√ľtzung des PIJ und der Hamas. Israel steht nun allein da mit seiner Westorientierung und wird dabei noch von weiten Teilen des Westens im Stich gelassen. (14)

Es reicht heute noch mehr als vor 35 Jahren nicht aus zu erkl√§ren, der islamische Antisemitismus sei kein neues Ph√§nomen und dann √ľberzugehen zu den Versatzst√ľcken aus dem NS-Fundus, den die Juden- und Israelfeinde der islamischen Staaten pl√ľndern. Diese Herangehensweise hat bis heute verheerende Folgen f√ľr die Einsch√§tzung des Nahostkonflikts und die Strategie zu seiner Beendigung. Das Interview des US-Pr√§sidenten Barack Hussein Obama mit Hisham Melhem, von al-Arabiya, ist das letzte politikbestimmende Ergebnis der Unkenntnis. Es ist zu vermuten, da√ü demn√§chst die Krone des Worst President in American History von Jimmy Carter an Barack Hussein Obama weitergereicht wird. (15)

Wen wundert´s, da√ü sich die Huffington Post bei solchen Aussichten vor Begeisterung kaum einkriegt! (16)

Robert Wistrich: Hakenkreuz, Halbmond und Davidstern

Das andere Buch, das sich auch mit der Rolle des Islams im Nahostkonflikt befa√üt, ist von Robert Wistrich: Der antisemitische Wahn. Ich erhalte es antiquarisch aus Wien, wo die Stadtb√ľcherei, in der Billrothstra√üe 32, daf√ľr keine Verwendung mehr hat. (17)

Das 527 Seiten starke Buch aus dem Jahr 1987, vom Antiquar bei Amazon angek√ľndigt als "wie neu", ist so gut wie ungelesen. Als jahrelange Stammkundin der Stadtb√ľcherei meiner Heimatstadt wei√ü ich sehr wohl, wie gelesene B√ľcher aussehen. In diesem Buch sind die meisten Seiten niemals aufgeschlagen worden, es findet sich kein Fleckchen, kein Kr√ľmel, keine geknickte Seite. Die B√ľcherei wird die Nachfrage betrachtet und sich darob entschieden haben, das Buch zugunsten der wunderbaren DVDs, CD-Roms und anderer Medien auszuscheiden. Nun lese ich in Wiener Ausscheidungen.

Robert Wistrich widmet den Arabern und dem Islam zwei Abschnitte: Hakenkreuz, Halbmond und Davidstern, S. 278 bis 310, und Militanter Islam und arabischer Nationalismus, S. 311 bis 343, insgesamt 64 Seiten. Aus dem erstgenannten Abschnitt zitiere ich die m.E. wichtigsten Stellen:

Die propagandistischen Aktivit√§ten El Husseinis in der Reichshauptstadt offenbarten eine bemerkenswert weit gediehene ideologische Ann√§herung zwischen dem islamischen und dem nationalsozialistischen Antisemitismus. Die Er√∂ffnung des Islamischen Zentralinstituts in Berlin am 18. Dezember 1942 nahm der Gro√ümufti zum Anla√ü f√ľr eine Ha√ütirade gegen die "erbittertsten Feinde" der Moslems: die "Juden und ihre Lakaien", die Briten, Amerikaner und Bolschewisten. Das "Weltjudentum", dessen Gesch√∂pf der gottlose Kommunismus war, hatte angeblich den Krieg vom Zaun gebrochen. Die Juden seien in der ganzen bisherigen Geschichte als "spaltendes Element" in Erscheinung getreten und h√§tten andere V√∂lker in Kriege gest√ľrzt - Formulierungen, die ebensogut von Hitler h√§tten stammen k√∂nnen. In einer Ansprache an die Imame der bosnischen SS-Division im Sommer 1943 hob der Mufti denn auch stolz die Parallelen zwischen dem Nationalsozialismus und dem Islam hervor. Das F√ľhrerprinzip des Nationalsozialismus, sein Kult der Disziplin, des Gehorsams, der Volksgemeinschaft und der steten Bereitschaft zum Kampf, all dies seien, so versicherte er, auch grundlegende islamische Tugenden. Dasselbe gelte f√ľr das hohe Ansehen, das in beiden Weltanschauungen die Familie, die Arbeit und die Gemeinschaft gen√∂ssen. (S. 304-305)

Vor allem aber lehre die islamische Religion ihre Anh√§nger, gegen die Juden zu k√§mpfen; dies sei immer so gewesen, seit der Prophet Mohammed sich seinerzeit "gezwungen" gesehen habe, die Juden von der arabischen Halbinsel zu vertreiben. Am 2. November 1943, dem 26. Jahrestag der Balfour-Deklaration, gab der Mufti eine Definition der klassischen islamisch-fundamentalistischen Position: es k√∂nne gegen√ľber den Juden keine Toleranz geben, vielmehr sei es die Pflicht aller Moslems und insbesondere aller Araber, diese Ketzer von ihrem Boden zu vertreiben. Der Prophet habe dies schon vor 1300 Jahren gelehrt. Die Juden seien immer schon die Feinde der Araber und des Islam gewesen. ... (S. 305)

Robert Wistrich zitiert Alexander Sch√∂lch: Das Dritte Reich, die Zionistische Bewegung und der Pal√§stina-Konflikt. In: Vierteljahrshefte f√ľr Zeitgeschichte 30 (1982), S. 669f. Ich erw√§hne es, weil dieser Artikel vielleicht in Universit√§tsbibliotheken zug√§nglich ist, die Wiener Stadtb√ľchereien werden kaum damit dienen k√∂nnen. Deutlich wird die Verwurzelung der Judenfeindschaft im Islam, sie kommt nicht aus dem Nationalsozialismus, sondern dieser wird auf Grund seiner milit√§rischen St√§rke vom Mufti als Partner im Kampf willkommen gehei√üen. Niemals h√§tte der Mufti sich dem Nationalsozialismus untergeordnet, sondern er betont die Ancienit√§t des Judenhasses im Islam. Das wird auch in seinen Sendungen aus Zeesen deutlich. Die Vertreter des fundamentalistischen Islams zeichnet Stolz und Gewi√üheit aus, auf dem rechten Weg zu sein. So betrachtet, ist das Interview von Barack Obama das Peinlichste und L√§cherlichste, was die islamische Welt seit langem von einem Pr√§sidenten eines bedeutenden westlichen Staates vernommen hat.

... Noch am 21. Januar 1944 appellierte er an alle Moslems, Seite an Seite mit Hitler das "Weltjudentum" und das britische Imperium zu vernichten. Noch einmal pries er den kompromi√ülosen Kampf der Nazis gegen das Volk, von dem der Koran sagte, es sei "der schlimmste Feind der Moslems". Noch einmal hob er die "erheblichen √Ąhnlichkeiten zwischen den islamischen Grunds√§tzen und denen des Nationalsozialismus" hervor und res√ľmierte: "All dies bringt unsere Ideologien einander sehr nahe und erleichtert die Zusammenarbeit". ... (S. 306)

Hier zitiert Robert Wistrich das Buch von Joseph Boris Schechtman: The Mufti and the Fuehrer. The Rise and Fall of Haj Amin el-Husseini, New York 1965. Seit mindestens 44 Jahren ist also bekannt - und wenn man Prof. Bernard Lewis oder den Emeritus Prof. Tilman Nagel befragt, sicherlich noch l√§nger, da√ü die Judenfeindschaft der Muslime nicht ein Erbe des Adolf Hitler ist, und es wird auch in diesem Zitat deutlich, da√ü der Mufti sich dem Nationalsozialismus keinesfalls unterlegen f√ľhlt und au√üer seiner Milit√§rmacht nichts von ihm ben√∂tigt.

Der Antisemitismus und die Agitation gegen die britische Kolonialherrschaft waren, mehr noch als strategische Erw√§gungen, die wirksamsten Garanten deutsch-arabischer Freundschaft - allein, die au√üenpolitisch Verantwortlichen in Nazideutschland spielten diese Tr√ľmpfe niemals voll aus. Arabienexperten wie Fritz Grobba, die die Parallelen und die ideologische Verwandtschaft zwischen Nationalsozialismus und arabischem Nationalismus erkannten, erhielten
niemals entscheidenden Einfluß auf die Formulierung der deutschen Nahostpolitik. (S. 307)

Prof. Robert Wistrich bezieht sich auf die Ergebnisse eines internationalen Symposiums der Universit√§t Tel Aviv, vom April 1975, dokumentiert in Haim Shamir: Germany and the Middle East 1835-1939, herausgegeben von Jehuda L. Wallach. Der Diplomat Dr. Fritz Grobba, 25 Jahre im Nahen Osten auf Posten und ab 1942 "Arabien-Bevollm√§chtigter" des Ausw√§rtigen Amtes, kann seine Erkenntnisse, beispielsweise √ľber die von Sahih Muslim (817-874 d.Z.) gesammelten Hadithe zur Vernichtung der Juden, aus ideologischen Gr√ľnden nicht an den F√ľhrer bringen, der seinerseits √ľberzeugt ist, die absolute Wahrheit zu repr√§sentieren und sich einbildet, er benutze die Muslime f√ľr seine Zwecke, diese jedoch benutzen ihn, sie sind heute noch da, der F√ľhrer aber scheidet vor 64 Jahren schm√§hlich aus dem Leben, durch im Islam verp√∂nten Selbstmord. (18)

Eine Gesellschaft, die daraus Filme macht, anstatt sich daf√ľr zu sch√§men, wird von machtbewu√üten Nachfolgern des Haj Amin al-Husseini entsprechend eingestuft. Es ist kein Wunder, da√ü die selbsternannten Vertreter der deutschen Muslime in der Islamkonferenz mit der Bundesregierung Katz&Maus spielen, sie finden unsere Vertreter l√§cherlich.

Auch Robert Wistrich wendet sich wie Arnold Forster und Benjamin R. Epstein bald von der Rolle des Islam im Nahostkonflikt ab, er erw√§hnt noch den Gr√ľnder der Muslimbruderschaft Hassan al-Banna (S. 309) und meint, der sei zu stark antiwestlich orientiert gewesen, als da√ü er sich zu ausl√§ndischen Vorbildern bekannt h√§tte. Das ist m.E. so nicht zutreffend, der Muslimbruder ist nicht antiwestlich eingestellt, sondern er versteht sich als v√∂llig unabh√§ngig vom Westen, es ist etwa so wie mit dem Unterschied zwischen asozial und dissozial, die Gegnerschaft ist nicht prim√§r, sondern sie wird von der westlichen Gesellschaft so begriffen. Die muslimischen Gemeinden in Deutschland beispielsweise sind weder Parallel- noch Gegengesellschaften, sondern sie definieren sich √ľberhaupt nicht in Bezug auf uns, darum k√∂nnen sie ihre Friedfertigkeit betonen. Zu Ausschreitungen, zum Kampf kommt es, wenn sich andere Gesellschaftsformen und deren Vertreter dem Islam und seinen Expansionsbestrebungen in den Weg stellen.

Die Nationalsozialisten h√§tten in Pal√§stina ihr blaues Wunder erlebt, wenn sie vom Kaukasus aus dorthin vorgesto√üen w√§ren. Ihren Freund, den Mufti h√§tten sie nicht wiedererkannt. Wie es den Kommunisten unter islamischer Herrschaft ergeht, dokumentiere ich noch einmal mit einem meiner Lieblingslinks, zum Tod von Noureddin Kianouri. Leider begreifen die pro-pal√§stinensischen Linken das nicht, sondern sie bilden sich √§hnlich wie der F√ľhrer ein, da√ü sie die Muslime benutzen, um die verha√üte westliche liberale Gesellschaft abzuschaffen. (19)

Robert Wistrich: Militanter Islam und arabischer Nationalismus

Im Abschnitt Militanter Islam und arabischer Nationalismus verl√§√üt der Autor bald die Betrachtung der religi√∂sen Grundlagen der Entscheidungen der Araber zugunsten ihrer machtpolitischen Komponente: Der moderne arabische Nationalismus hat in vielerlei Hinsicht die Erbschaft des Islams angetreten und mit diesem seinem Vorg√§nger unter anderem eine radikale Intoleranz gegen√ľber Minderheiten gemein, die sich seinen Vorherrschaftsanspr√ľchen zu erwehren suchen. Das greift m.E. zu kurz. Der arabische Nationalismus hat den Islam niemals abgel√∂st, sondern sich √ľber ihn gelegt und ihn aus dem Blickfeld ger√ľckt. Wie schon bei der Einsch√§tzung von Operationen vor dem und im Sechstagekrieg zu sehen, leitet der Islam die Entscheidungen. Der Islam ist als Macht immer gegenw√§rtig, woher w√§ren sonst im Handumdrehen in einem Staat wie Syrien als Protest gegen einen anti-islamischen Artikel in Damaskus trotz der sofortigen Verdammung des Artikels durch die Regierung als imperialistische Konspiration und der Verurteilung des Autors zu lebensl√§nglicher Haft 20 000 Protestierende auf die Stra√üen gekommen? (6)

Was den Heiligen Krieg angeht, so benutzen die arabischen Nationalisten den nicht, sondern sie glauben an ihn. Der Islam ist eine totalitäre Politideologie mit religiöser Komponente, es ist nicht wie im Christentum, daß die Religion bis zur Unkenntlichkeit verbogen werden muß, um aus einem durchschnittlichen Eroberungskrieg einen Glaubenskrieg zu machen. Nirgends steht in der Bibel, daß der christliche Glaube mit Gewalt durchgesetzt werden soll, das aber steht sehr wohl im Koran. Papst Benedikt XVI. hat das in Regensburg noch einmal prägnant formuliert: (20)

Er (Manuel II Palaeologus) sagt: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten".

Was die Nationalisten von den radikalen Muslimen unterscheidet, ist ihre Vorstellung vom Nationalstaat. F√ľr die Nationalisten kommt in Frage, die Grenzen auszuweiten, insofern ist der Phased Plan der PLO, vom 9. Juni 1974, nationalistisch, aber schon die Gr√ľndung des PIJ durch Fatih Shiqaqi zeigt die Grenzen des Nationalismus. Der PIJ wird 1979 in √Ągypten gegr√ľndet, als Fatih Shiqaqi und einige fundamentalistische Mitstreiter sehen, da√ü die pal√§stinensische Muslimbruderschaft im Gaza Streifen, zu der die Gruppe zun√§chst geh√∂rt, nicht die Priorit√§t des pal√§stinensischen Problems anerkennt. Er will nicht warten, bis die islamische Welt vereint und milit√§risch stark genug ist, Israel zu zerst√∂ren, sondern er sieht umgekehrt die Zerst√∂rung Israels als Voraussetzung zur Einigung der islamischen Welt. Das hei√üt, die Nutzung des Nationalismus ist ein taktisches Mittel zur Eroberung der Welt f√ľr den Islam. Faszinierend ist die Flexibilit√§t, mit der die totalit√§re Ideologie sich der Methoden anderer Systeme bedient. Die Kraft dazu beziehen die Muslime aus dem Islam. (21)

Das √úberlegenheitsgef√ľhl des Islam, der sich als die endg√ľltige prophetische Offenbarung versteht, best√§rkte die Moslems in jener Selbstgerechtigkeit, die das moralische Fundament f√ľr die Diskriminierung der Dhimmis bildete. (S. 311) So ist es, und der Autor beruft sich dabei auf Bat Ye´or, eine Autorin, die im Westen erst 15 Jahre sp√§ter bekannt wird, und deren Buch Eurabia. The Euro-Arab Axis bis heute keinen deutschen Verleger findet. (22)

Der Erfolg des Zionismus versetzte der moslemischen und arabischen Moral einen weitaus vernichtenderen Schlag als die Beherrschung durch westliche Kolonialmächte zuvor. Denn daß es einem Dhimmi-Volk gelang, im Herzen der arabischen Welt einen souveränen Staat zu errichten, mußten die Moslems als unerträgliche Kränkung ihres Stolzes empfinden. (S. 312)

Dabei ist zu bedenken, daß die Juden in den Augen der Muslime noch niedriger angesiedelt sind als die Christen, die zwar immer als Menschen zweiter Klasse gelten, die aber im Norden als Zuflucht Staaten gehabt haben mit mächtigen Herrschern - was heute nicht mehr so ist, oder hätte jemand erlebt, daß sich die Staaten der westlichen Welt um die Verfolgung der Christen in den islamischen Staaten scheren, daß sie ihre Macht ausspielen, um die Muslime zur Vernunft zu bringen? Von Macht verstehen die Muslime viel, darum wird jeder verlieren, der das nicht begreift, sondern ihnen mit Dialog kommt, mit Geständnissen und Zugeständnissen und damit, die Fehler aufzuzählen, die von den Regierungen seines Landes begangen worden seien, wie Barack Hussein Obama.

Ab der dritten Seite des Abschnittes √ľber Militanten Islam und arabischen Nationalismus ist Robert Wistrich schon bei Auschwitz und der Hinwendung der Muslime zu nationalsozialistischen Reliquien wie Mein Kampf und den Protokollen der Weisen von Zion. Die aber werden den Muslimen nicht erkl√§ren, warum sie den Anschlu√ü an die moderne Welt nicht gewinnen k√∂nnen, und warum ihre Heiligen Kriege gegen Israel und das Judentum letztlich nichts fruchten: It´s Islam, stupid!

22. Februar 2009

Die Rolle des Islams im Nahostkonflikt. Fortsetzung. 26. Februar 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-02-26_01-31-17.html

Quellen

(1) The Hebrew University of Jerusalem. The Vidal Sassoon International Center
for the Study of Antisemitism
http://sicsa.huji.ac.il/

(2) Bernard Lewis. Cleveland E. Dodge Professor of Near Eastern Studies, Emeritus, Department of Near Eastern Studies, Princeton University
http://tinyurl.com/cypzjh

Ambassador Dore Gold. Jerusalem Center for Public Affairs
http://www.jcpa.org/dgold.htm

Efraim Halevy - Head of the Shasha Center for Strategic Studies
http://public-policy.huji.ac.il/eng/research.asp

(3) The Origins of the Sunni/Shia split in Islam. by Hussein Abdulwaheed Amin, Editor of IslamForToday.com
http://www.islamfortoday.com/shia.htm

Sheikh Kishk. Ashura, Martyrdom of Imam Hussein (as). Google-Video.
Part 1 of 10, February 19, 2008
http://tinyurl.com/be9mco

(4) A Symposium. Israel, the Jews and the Sunni-Shiite Conflict. Video. The Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism, January 21, 2009
http://sicsa.huji.ac.il/antisem210109.html

(5) Antisemitismus und Islam. Der Judenhaß der Muslime ist kein deutsches Erzeugnis. 21. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-03-21_01-09-40.html

Marr, Wilhelm. Von Uwe Puschner. Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon, Band V (1993) Spalten 879-883
http://www.bautz.de/bbkl/m/marr.shtml

(6) Die Rolle des Islams im Sechstagekrieg. 12. August 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-08-12_23-03-45.html

(7) Clemens Heni. Wissenschaft und Publizistik als Kritik
http://www.clemensheni.net/

Bookshop Baltimore
http://www.bookshopbaltimore.com/

(8) Arnold Forster&Benjamin R. Epstein: The New Anti-Semitism, Anti-Defamation
League of B´nai B´rith, McGraw-Hill Book Company, New York 1974, p. 155-174
http://www.mcgraw-hill.com/

(9) Die Entstehung des arabischen Antisemitismus und die Vertreibung der Juden aus den arabischen Staaten. 16. März 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-10-27.html

(10) Lecture subject: The Ideology of Jihad, Dhimmitude and Human Rights.
Viewpoint. By Bat Ye¬īor, Georgetown University (Washington, D.C.)
The Hoya, November 12, 2002
http://www.thehoya.com/node/14356

(11) Gaza Green houses looted - The Abomination of the Desolation,
Zionism & Israel Information Center, October 1, 2005
http://www.zionism-israel.com/ezine/gaza_green.htm

(12) A Fatwa in Spain. By Aaron Hanscom, FrontPageMagazine.com,
September 04, 2006
http://tinyurl.com/bu4cx3

La Yihad en Espa√Īa: La Obsession por reconquistar Al-Andalus,
de Gustavo de Arístegui, Madrid 2005
http://tinyurl.com/avfm3b

La Junta Isl√°mica pide el voto para el PSOE y el rechazo al PP "a nivel local, regional o nacional", Libertad Digital, 22 de febrero de 2007
http://tinyurl.com/bs9yet

(13) Israel inm√≠tn dr√≠nen. Senator Henry Jackson √ľber die Lage, im Juni 1973
http://www.eussner.net/artikel_2009-02-17_18-38-31.html

(14) Profile in Incompetence. A Ten Part Series on the Worst President in American History. Investor´s Business Daily
http://www.ibdeditorials.com/Special3.aspx

Evidence Jimmy Carter abandoned the Shah, March 16, 2008
http://rescueattempt.tripod.com/id24.html

Jimmy Carter´s Illegal Demands on Shah. By Alan Peters, Anti-Mullah,
March 15, 2004
http://tinyurl.com/bw9t65

(15) Barack Obama. President Bling-Bling gewährt Al-Arabiya ein Interview.
29. Januar 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-01-29_21-19-54.html

(16) Obama al-Arabiya Interview: Full Text, Huffington Post, January 26, 2009
http://tinyurl.com/dbfj5p

(17) Willkommen in der B√ľcherei Billrothstra√üe! B√ľchereien Wien
http://tinyurl.com/d2z92g

(18) "Der Geist aus der Lampe": Fritz Grobba und Berlins Politik im Nahen und
Mittleren Orient. Von Wolfgang G. Schwanitz, COMPARATIV 14 (2004),
Heft 1, S. 126-150
http://tinyurl.com/cef748

Translation of Sahih Muslim, Book 41. The Book Pertaining to the Turmoil and
Portents of the Last Hour (Kitab Al-Fitan wa Ashrat As-Sa`ah).
Book 041, Number 6980 - 6985. Center for Muslim-Jewish Engagement,
University of Southern California
http://tinyurl.com/ddkll4

(19) Death of Noureddin Kianouri. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, November 6, 1999. Al-Guardian, November 17, 1999
http://www.cpa.org.au/garchve1/980iran.html

(20) Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen. ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI. Aula Magna der Universität Regensburg, Dienstag, 12. September 2006
http://tinyurl.com/ef6jh

(21) Der Stufenplan der PLO von 1974: Palästina = Gaza + Westbank + Israel + Jordanien. 30. März 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-03-30_16-57-55.html

Der Palästinensische Islamische Djihad (PIJ). Eine Terrororganisation zur Zerstörung des Staates Israel. 18. März 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-18_20-12-11.html

(22) Bat Ye¬īor: Eurabia. The Euro-Arab Axis, Madison. Teaneck Fairleigh Dickinson University Press 2005
http://www.amazon.com/Eurabia-Euro-Arab-Axis-Bat-YeOr/dp/083 864077X

Bat Ye¬īor¬īs Eurabia. By Rael Jean Isaac, Mideast Outpost,
February 24, 2005
http://mideastoutpost.com/archives/000139.html


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