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Aserbaidschan zwischen Diktatur und Granat├Ąpfeln: Baku und Nardaran

Der Reporter des Figaro Thierry Portes b├╝rgt f├╝r einseitige Berichterstattung, wenn es um Israel, den Islam und/oder die USA geht. Der Informationsgehalt sowie die Qualit├Ąt seiner Analysen zu diesen Reizbegriffen sind beispielsweise aus dem Artikel "Wilders, der niederl├Ąndische anti-islamische Provokateur" ersichtlich. (1)

Reist er einmal nach Den Haag und entstellt und denunziert dort alles, was er ├╝ber Geert Wilders erfahren hat, wobei er nebenbei Israel als die "einzige Demokratie im Nahen Osten" in Anf├╝hrungszeichen setzt und damit bekundet, da├č er dies nicht so sieht, so darf er solches in Baku fortsetzen, wohin ihn der Figaro aus Anla├č des Referendums ├╝ber die Amtszeit des seit 2003 in Aserbaidschan mit seiner Yeni Azerbaycan Party regierenden 47-j├Ąhrigen Pr├Ąsidenten Ilham Aliyev, Sohn und Nachfolger des zu Sowjetzeiten und danach von 1969 bis 1987 und von 1993 bis 2003 herrschenden Heydar Aliyev, geschickt hat. (2)

├ťber Azerbaidschan und dessen 93,4 Prozent Muslime, davon zu ca. 70 Prozent Schiiten, liest man mehr als im Figaro in Artikeln auf der Site von Al Jazeera, einer nicht gerade aus einem demokratischen Land sendenden Fernsehanstalt, und auch die Analysen sind dort klarer. (3)

Das beigef├╝gte AFP-Foto zum Artikel von Matthew Collin zeigt au├čer dem Pr├Ąsidenten drei modern gekleidete unverschleierte Frauen. Der Figaro hingegen bringt ein AP-Foto von Nationalfahne, Pr├Ąsident und Ehefrau mit Handt├Ąschchen, im Hintergrund wartende und fotografierende M├Ąnner. (4)

Die B├╝rger der etwa acht Millionen Einwohner z├Ąhlenden, seit dem 30. August 1991 von der Sowjetunion unabh├Ąngigen Republik haben am 18. M├Ąrz 2009 in einem Referendum ├╝ber 49 ├änderungen der seit November 1995 g├╝ltigen, im August bereits einmal durch Referendum ge├Ąnderten Verfassung abgestimmt, darunter ├╝ber die wichtigste Frage, ob der Artikel ge├Ąndert wird, der bislang nur zwei Amtsperioden f├╝r den Pr├Ąsidenten vorsieht; seine zweite Amtszeit hat Ilham Aliyev im Oktober 2008 angetreten, sie geht bis 2013.

Die Opposition hat wegen unfairer Bedingungen f├╝r Ihre Kandidaten die Wahl im Oktober 2008 boykottiert, und Wahlbeobachter der OSZE konstatieren, da├č sie internationalen Standards nicht gen├╝gt habe. Die Opposition hat auch diesmal zum Boykott des Referendums aufgerufen, und so kommt bei einer Wahlbeteiligung von offiziell 70 Prozent der 4,9 Millionen Wahlberechtigten die an sowjetische Zeiten erinnernde 90-prozentige Zustimmung zur Verfassungs├Ąnderung zustande, die eine Pr├Ąsidentschaft des Ilham Aliyev auf Lebenszeit einl├Ąuten k├Ânnte, m├╝ndend in eine Diktatur oder Monarchie. Die Opposition spricht von einer Wahlbeteiligung von 14 bis 15 Prozent, g├╝ltige Wahlen m├╝ssen aber eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent aufweisen, sie spricht von Wahlbetrug und will die Wahl anfechten. Unabh├Ąngige Beobachter und der Europarat erkl├Ąren jedoch, da├č die Wahl "transparent und wohlorganisiert sowie in einer friedlichen Atmosph├Ąre durchgef├╝hrt" worden sei. (5)

Der Wahlbeobachter aus Malta Ian Micalleff, Pr├Ąsident des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates, erkl├Ąrt hingegen im Telefoninterview mit Radio Free Europe/Radio Liberty, da├č die am 18. M├Ąrz 2009 gebilligten Erg├Ąnzungen und ├änderungen der Verfassung gegen die Verpflichtungen zur Demokratie verstie├čen, die Baku im Jahre 2002 eingegangen ist, Konsequenzen f├╝r die Mitgliedschaft Aserbaidschans im Europarat w├╝rden in Erw├Ągung gezogen. Samed Sayidov, der Leiter der Azeridelegation im Europarat und Mitglied der Partei des Pr├Ąsidenten Yeni Azerbaycan Party, erkl├Ąrt von Baku aus, Ian Micalleff sei nicht informiert ├╝ber die Situation im Lande, und da├č das Referendum auf vollst├Ąndig demokratische Art abgelaufen sei. (6)

Wie ist die Situation im Lande?

Aserbaidschan ist eine ehemalige Sowjetrepublik, von der die meisten Franzosen, wenn sie sich nicht gerade im Internet informieren, wenig bis gar nichts wissen d├╝rften, so da├č statt Anekdoten eher Grundinformationen angebracht w├Ąren. Die wichtigsten kann man beispielsweise im CIA Factbook nachlesen. (7)

Vater und Sohn Aliyev sind wie ihre Kollegen, die autorit├Ąr herrschenden Pr├Ąsidenten Nursultan Nazarbayev, Kazakhstan, und Islam Karimov, Uzbekistan, nach dem Zerfall des Sowjetreichs, um sich von Ru├čland zu l├Âsen, zu gewisserma├čen nat├╝rlichen Verb├╝ndeten der USA geworden, und auch der Schritt zur Zusammenarbeit mit Israel ist somit nicht weit. Autorit├Ąres Regime und US-Freundschaft mag man ablehnen, sie ohne den historischen Zusammenhang sowie ohne die derzeit m├Âglichen und/oder zu bef├╝rchtenden Alternativen zu betrachten, ist allerdings wenig hilfreich. ├ťber die Opposition berichtet der Focus in einem Satz: Die unterdr├╝ckte Opposition rief zu einem Boykott des Referendums am Mittwoch auf. Der Rest des Artikels informiert ├╝ber das Referendum. (8)

Wenn man sich aber wie Thierry Portes dem 8000 Einwohner z├Ąhlenden Dorf Nardaran widmet, dann sollte man es nicht dabei belassen, die Worte von im Dorf respektierten ├ältesten und einem westlichen Diplomaten zu zitieren, wahrscheinlich einem aus der Botschaft Frankreichs, sondern ein wenig eigene Recherche, etwa auf dem Niveau von Wikipedia, m├Âchte schon einflie├čen in den Artikel; man ist ja anspruchslos, was MSM wie den Figaro angeht. (9)

Nardaran, zu deutsch "granatapfel-besitzend", ist ein besonderer Fall, da es sich um einen Ort handelt, der den Schiiten heilig ist. Dort befindet sich das Grab von Rahima, der Schwester des achten Imams, Reza (765-818), der bei den Schiiten eine besondere Verehrung genie├čt, sein Grab befindet sich in Maschhad. Der G├Ąrtner meiner Wirtsleute, zu meiner Studienzeit im Iran, und andere Arme, die sich keine Pilgerfahrt nach Mekka leisten k├Ânnen, pilgern nach Maschhad. Unser G├Ąrtner hie├č nach seiner Pilgerreise Maschhad-Hussein und wurde so gerufen. (10)

Die Bewohner Nardarans wenden sich nicht etwa gegen autorit├Ąre oder diktatorische Herrschaft, sondern Ilham Aliyev ├╝bt nur eine konkurrierende Herrschaft aus. In Nardaran ist 1991 die Islamische Partei Aserbaidschans gegr├╝ndet worden, deren F├╝hrer behaupten, sie h├Ątte 100 000 Mitglieder. Von der Regierung ist die Partei nie anerkannt worden, deren Mitglieder an Hausw├Ąnde schreiben: "Das Gebet ist die Pflicht jedes Muslims" und "Der islamische Weg, Weg des Gl├╝cks". Nardaran wird auch "Klein Iran" genannt, wo man die laizistische Regierung daf├╝r verantwortlich macht, da├č die Wahhabiten in Aserbaidschan Einflu├č gewinnen. Die Frauen laufen wie im Iran in schwarzen Ganzk├Ârperverkleidungen herum, die M├Ąnner mit den K├Ąppchen der Muslime. Jetzt versprechen sich einige der schiitischen Fundamentalisten, sie k├Ânnten aus taktischen Gr├╝nden mit der Regierung gemeinsame Sache machen gegen die sunnitischen Wahhabiten, berichtet die AFP-Korrepondentin Olga Nedbaeva. (11)

Die Wiederentdeckung des Islams als Teil des geschichtlichen Hintergrundes und als Quelle moralischer und spiritueller Inspiration finde in allen Turkrepubliken statt, schreiben die t├╝rkischen Autoren Turgut Demirtepe und Sedat Laciner, im Jahr 2004. Moscheen w├╝rden restauriert und neu gebaut, religi├Âse Gesellschaften und Koranschulen gebildet - sie nennen sie nicht so, sondern theological schools and courses. Unter dem Schirm der Popular Front gebe es zahlreiche islamische Gruppen. Obgleich es einige extremistische Gruppen gab - meist im Untergrund -, waren die meisten islamischen Gruppen unpolitische Vereinigungen, die bekannteste unter ihnen Tovbe (Bu├če), mit dem Ziel die Verbesserung der gesellschaftlichen und der Moral des einzelnen sowie die R├╝ckkehr auf den Weg Allahs zu ermutigen. (12)

Sie informieren nicht dar├╝ber, wer diese Moscheebauten finanziert, aber man geht sicherlich nicht fehl, da├č es Saudi-Arabien, die Scheicht├╝mer, die T├╝rkei und der Iran sind. ├ťber dem Grab von Rahima ist mit iranischem Geld eine riesige Moschee errichtet worden. Was diese beiden Autoren wohl im Jahr 2009 schreiben, da der Iran sich systematisch der schiitischen Mehrheit des Landes annimmt! Inzwischen berieselt der iranische Sender Sahar, derselbe, der jetzt den Parteigr├╝nder von Dunkerque und die franz├Âsischen Antisemiten interviewt, den S├╝den der Republik Aserbaidschan mit Azeri-Sendungen, der Fundamentalismus der iranischen Mollahs h├Ąlt kam kam kam dort Einzug. In Nardaran reden mit Thierry Portes nur M├Ąnner, die Frauen sind dem Leben au├čerhalb der H├Ąuser ihrer Familien ferne, dabei ist Aserbaidschan ein Land, in dem die Frauen arbeiten, keine Kopft├╝cher tragen und in dem Alkohol getrunken wird.

Nardaran ist der Ort h├Ąufiger Proteste gegen die USA und Israel, gegen den "Gro├čen" und den "Kleinen Satan". Auf dem Imam Hussein Platz findet am 19. Dezember 2008 eine Demonstration gegen den Milit├Ąreinsatz Israels in Gaza statt. Die Schiiten Nardarans werfen nach iranischem Vorbild Schuhe auf Poster mit dem Konterfei von George W. Bush und verbrennen Fahnen der USA, Israels, Gro├čbritanniens und Frankreichs. Sie fordern die Schlie├čung der israelischen Botschaft in Baku und die ├änderung der Beziehungen Aserbaidschans zu Israel. Die Slogans lauten: "Israel, USA, Angreifer und Terroristen!" "Tod den USA und Israel!", "Tod dem amerikanischen Zionismus!" "George Bush, Terrorist Nr. 1!" ... die Muslime sollten dringend Ma├čnahmen ergreifen, um die islamische Einheit zu wahren - als wenn die jemals bestanden h├Ątte. (13)

Es herrscht Mord und Totschlag im Islam, von Mohammeds Zeiten an, sie sind Teil der herrschenden islamischen Lehre (Suren 2:191, 2:216, 4:89, 8:60, 9:5 u.a.), seit Ali Ibn Abi Talib, dem Schwiegersohn Mohammeds, Ehemann von Fatima der Sch├Ânen, kommen die religi├Âsen Zwistigkeiten und politischen Machtk├Ąmpfe zwischen Sunniten und Schiiten hinzu, sie halten bis heute an und werden von den schiitischen Mollahs benutzt, um ├╝ber die Hezbollah des Libanon und die Hamas in Gaza ihren Machtbereich auf Kosten der Sunniten auszudehnen.

Unter dem Pseudonym Ali Valiyev schreibt ein Kenner der Lage in Aserbaidschan ├╝ber das Verh├Ąltnis des Irans zu seinem n├Ârdlichen Nachbarn. Seit der Unabh├Ąngigkeit der Sowjetrepublik Aserbaidschan, seit 1991, ist auf Grund der eigenen Azeri-Bev├Âlkerung die Beziehung zwischen dem Iran und Aserbaidschan getr├╝bt. Der iranische Teil Aserbaidschans hat einer Volksz├Ąhlung von 2006 gem├Ą├č 7,7 Millionen Einwohner, und die iranischen Mollahs sehen es nicht gern, wie der n├Ârdliche Nachbar politische, wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zum Westen kn├╝pft, sagt Nasib Nasibli, von der Khazar University in Baku, ein Experte f├╝r iranische Fragen, Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts Botschafter seines Landes in Teheran. Hinzu kommt, da├č das Turkvolk der Azeri weder mit den Mollahs noch mit den Persern gut freund ist, beide blicken auf die T├╝rken ihres Landes herab. Zu meiner Studienzeit hat es eine Menge persischer Witze gegeben ├╝ber T├╝rken - gemeint waren immer die Bewohner Iranisch-Aserbaidschans (mit den Arabern halten´s die Perser ├╝brigens ├Ąhnlich, sie schauen auf sie herab).

Wer sich f├╝r die Problematik der Turkv├Âlker im Iran und in den ehemaligen Sowjetrepubliken sowie der Azeri interessiert, findet reichlich Informationen beim schwedischen Experten Svante E. Cornell, von den Universit├Ąten Uppsala und John Hopkins-SAIS; er ist auch Herausgeber der Zeitschrift Analyst des Central Asia - Caucasus Institute. Im Norden des Irans, also nicht nur im aserbaidschanischen Teil, leben mindestens 15 Millionen Azeri und Angeh├Ârige anderer Turkv├Âlker. (14)

Ein Korrespondent, der eine ganze Seite zum Referendum in Aserbaidschan schreibt, sollte einige dieser Forschungsergebnisse lesen, dann w├╝rde es sich von selbst erledigen, sich auf die anekdotischen Aussagen von Dorf├Ąltesten und schwarzgekleideten Frauen Nardarans zu reduzieren und mit dem Ton des Bedauerns zu berichten, da├č die Islamische Partei in Aserbaidschan seit 1995 nicht zugelassen ist zu Wahlen. Die Inhaftierung ihrer Funktion├Ąre kann man durchaus beklagen, aber das Interesse des Staates, die Islamisierung durch fundamentalistische Schiiten zur├╝ckzudr├Ąngen, sollte immerhin erw├Ąhnt werden, oder was hei├čt es anderes als kritiklose Sympathie f├╝r die Mollahs des Iran, wenn Thierry Portes schreibt: Haji Hadjiaga Nouri, einer der Gr├╝nder der Islamischen Partei ist nach R├╝ckkehr aus den Kerkern des Regimes nach Nardaran offensichtlich ├╝berzeugter als vorher. Er wolle demokratische Wahlen, das aber w├╝rde f├╝r den S├╝den Aserbaidschans die weitere Islamisierung im Sinne des Iran bedeuten, was nicht dort steht. Die Religion des Volkes ist der Islam, zitiert er Haji Hadjiaga Nouri. Bereits jetzt streben laut einer Studie des unabh├Ąngigen Center for Azerbaijani Studies der Azerbaijan University of Languages im S├╝den Aserbaidschans 37 Prozent der Bev├Âlkerung die Einrichtung einer Regierung wie im Iran an. Die M├Ąnner wollen jetzt endlich korankonform ihre Frauen verpr├╝geln, k├Ânnte frau dazu b├Âse anmerken. (15)

Der Iran m├Âchte die Kontakte seiner Azeri-Bev├Âlkerung mit den B├╝rgern Aserbaidschans beschr├Ąnken und vollst├Ąndig unter Kontrolle halten. Jeder Wunsch nach einer Wiedervereinigung des seit dem russisch-persischen Krieg von 1804 bis 1814 entlang dem Flu├č Aras getrennten Landes wird unterbunden und stattdessen mittels Geld und Fernsehprogrammen ein Propagandafeldzug gegen den S├╝den Aserbaidschans gef├╝hrt und dort eine F├╝nfte Kolonne aufgebaut.

In Aserbaidschan leben heute ca. 25 000 bis 30 000 Juden, wei├č Wikipedia. Im M├Ąrz ist in Baku eine neue Synagoge eingeweiht worden, die erste neugebaute Synagoge in einem ├╝berwiegend muslimischen Staat. Man ahnt, was das f├╝r die herrschenden Mollahs bedeutet, die in ihren Predigten und Reden kein Hehl daraus machen, da├č Israel zu beseitigen w├Ąre: isra´il bajad az safhe-e ruzgar mahw schawad. Israel mu├č von der Oberfl├Ąche der Welt verschwinden. (16)

Der freundliche Artikel des Thierry Portes l├Ą├čt jedes Verst├Ąndnis f├╝r Aserbaidschan vermissen. So berichtet er ausf├╝hrlich ├╝ber eine Demonstration gegen chronische Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnde Infrastruktur, gegen unerschwingliche Transportkosten sowie gegen mangelhafte Gas- und Elektrizit├Ątsversorgung, vom 3./4. Juni 2002, also zur Zeit des Heydar Aliyev, wobei ein Demonstrant von der Polizei erschossen worden ist. Genauer und ausf├╝hrlicher liest man ├╝ber die mehrere Wochen dauernden Ausschreitungen bei Human Rights Watch und einer Independent Public Commission on the Events in Naradan aus Menschenrechtsvertretern und unabh├Ąngigen Experten Aserbaidschans sowie aus drei B├╝rgern Nardarans. Die Kommission analysiert die Ma├čnahmen der Polizei und kommt zum Ergebnis, da├č sie illegal gewesen und viele wesentliche Menschenrechte verletzt worden seien, einschlie├člich das Recht auf Leben, Freiheit, pers├Ânliche Unversehrtheit und andere. Auf nationaler Ebene seien ebenfalls mehrere Verfassungsrechte gebrochen worden. Beide Berichte erw├Ąhnen nicht die im Dorf herrschende, auf den Iran gerichtete fundamentalistische Ausrichtung des schiitischen Islams. (17)

F├╝r nicht bemerkenswert scheint Thierry Portes einen Aufruhr aus der Zeit des Ilham Aliyev zu halten; davon berichtet die Oppositionspartei des Isa Gambar Yeni Musavat Partiyasi, Azerbaijan National Democratic New Musavat Party. Im Januar 2006 habe eine Schie├čerei stattgefunden zwischen Bewohnern von Nardaran und der Polizei, wobei zwei Polizisten und ein Mann aus Nardaran get├Âtet sowie weitere Menschen verletzt worden seien. Unabh├Ąngig von der Tatsache, da├č die Oppositionspartei der Polizei Fehlinformationen ├╝ber den Vorfall und die Verh├Ąngung des Ausnahmezustands vorwirft, geht aus dem Bericht hervor, da├č es sich um bewaffnete Auseinandersetzungen handelt, bei denen Polizisten ihr Leben verlieren. Das ist dem Thierry Portes keinen Satz seines ganzseitigen Artikels wert. (18)

All News from Azerbaijan berichtet, da├č die Distriktspolizei in Nardaran eine bewaffnete Gruppe aufgesp├╝rt habe. Zwei Polizisten des Sabunchu Polizeidepartments h├Ątten am 25. Januar 2006 auf ihrem Heimweg ein Auto mit drei B├╝rgern von Nardaran angehalten und sich als Polizisten ausgewiesen. Darauf habe einer der B├╝rger erkl├Ąrt, Polizisten sei der Zugang zu Nardaran von den B├╝rgern nicht gestattet: Nardaran residents banned the entrance of police to Nardaran. Dann habe er die Polizisten mit ├╝blen Worten beschimpft. Controversy happened among them as a result, other residents interfering the quarrel and wanted the police to be punished, and they wanted to use guns against them because of their coming to Nardaran. Eine Auseinandersetzung zwischen ihnen war das Ergebnis, andere B├╝rger mischten sich ein in den Streit und wollten, da├č die Polizisten bestraft w├╝rden, und sie wollten mit Gewehren gegen sie vorgehen, weil sie nach Nardaran gekommen waren. Mehrere M├Ąnner h├Ątten auf die Polizisten mit verschiedenen Pistolen und Maschinenpistolen gefeuert, darauf schie├čt der eine Polizist in die Luft, als Antwort erschie├čen die D├Ârfler den anderen Polizisten, er ist 28 Jahre alt. Weitere Einzelheiten werden geschildert, die mir inzwischen aus ├Ąhnlichen Szenen in Europa gel├Ąufig sind, Bereiche, in denen Muslime willk├╝rlich ihre Herrschaft aufrichten, No-Go-Areas f├╝r Polizisten, Drohungen, Vorgehen von gr├Â├čeren Gruppen von Muslimen gegen eine unterlegene Anzahl von Gesetzesh├╝tern. Der ├╝berlebende Polizist setzt sich zur Wehr gegen eine ganze Meute und wird ebenfalls umgebracht, er ist 36 Jahre alt.

Am Freitag, den 27. Januar 2006, um 14 Uhr, setzen die B├╝rger von Nardaran ihre Aktion fort, sie dauert 40 Minuten. 200 Personen fordern die Freilassung von B├╝rgern, die am 25. Januar im Zusammenhang mit der Schie├čerei verhaftet werden. Die darin verwickelten M├Ąnner seien unschuldig, sie seien nur zuf├Ąllig vorbeigekommen. Wenn man ihren Forderungen nicht nachkomme, w├╝rden die Aktionen am n├Ąchsten Freitag wiederholt; denn solche Aktionen finden freitags statt, wenn die M├Ąnner, aufgehetzt von den Predigten des Imams aus der Moschee kommen. Aber schon am folgenden Tag wollen sie auf dem zentralen Imam Hussein Platz einen Protest abhalten wegen des Mordes am Dorfbewohner Ramiz Hasanov: "Wir werden Rache nehmen und die T├Ąter strafen," drohen sie. Der Polizeipr├Ąsident von Baku erkl├Ąrt, da├č eine Demonstration nicht angemeldet worden sei, die illegale Aktion werde unterdr├╝ckt. (19)

Es ist merkw├╝rdig, da├č ein Korrespondent aus Paris sich entweder nicht informiert, oder aber trotz seiner Erfahrungen mit den jeunes der franz├Âsischen Vorst├Ądte die Ereignisse vom 25. und 27. Janaur 2006 f├╝r nicht berichtenswert h├Ąlt, wohl aber eines aus der Zeit des Heydar Aliyev, vier Jahre zuvor. Ein Kommentar, vom 17. M├Ąrz 2009, 23:18 Uhr, zum Artikel moniert denn auch die einseitige Parteinahme f├╝r die B├╝rger von Nardaran. Das sei derselbe Fehler, den man seinerzeit mit der Unterst├╝tzung des Imams Ruhollah Khomeini begangen habe. Wenn die Islamisten an die Macht k├Ąmen, w├╝rde das zu einem l├Ąngeren B├╝rgerkrieg f├╝hren, weil die meisten Azeris die Iraner nicht (und vor allem nicht ihre Regierung) im Herzen tragen. Es ist besser, Aserbaidschan wird eine Monarchie, das w├╝rde eher zur Bev├Âlkerung dieses Landes ohne demokratische Tradition passen. Ilham Aliyev ist ein treuer Verb├╝ndeter des Westens. Desto besser f├╝r sie! Bedauern Sie nicht die B├╝rger von Nardaran, sie werden gegen Sie auftreten, wenn sie an der Macht sind!

Dem w├Ąre nichts hinzuzuf├╝gen. Aber Thierry Portes berichtet nichts von dem Vorfall, sonst k├Ânnte er nicht sein Kontrastprogramm zu den bemitleidenswerten vom Iran unterst├╝tzten fundamentalistischen Schiiten ausbreiten, das Leben der Neureichen, der Besitzer von Autos mit Vierradantrieb, nichts erz├Ąhlen von Luxusboutiquen und H├Ąusern hinter hohen Mauern, gebaut von einem der 100 reichsten M├Ąnner Ru├člands, vom Milliard├Ąr (von Forbes gesch├Ątzte 1,2 Milliarden Dollar) Araz Agalarov aus Baku, dem Donald Trump von Ru├čland, dessen Mutter aus Nardaran stammt. Wer im Mittleren Osten gewohnt hat, wei├č, da├č dort so gut wie jedes Haus mit vor Blicken von drau├čen sch├╝tzenden Mauern umgeben ist, das f├Ąngt bei Familien der unteren Mittelklasse an. Das Leben spielt sich hinter hohen Lehmmauern ab, in kleinen oder gr├Â├čeren gepflegten G├Ąrten sowie im Innenhof der H├Ąuser. Es ist nicht wie in Frankreich, wo sich nur die sehr Reichen hinter Mauern verbarrikadieren. (20)

Araz Agalarov ist zur├╝ckgekehrt in die Heimat, und seine Gesch├Ąfte haben ein anderes Ausma├č angenommen, als sein Sohn die j├╝ngste Tochter des Pr├Ąsidenten Aliyev geehelicht hat, meint Thierry Portes. Da fragt man sich allerdings, wie das noch m├Âglich sein kann mit dem anderen Ausma├č, wenn der Mann eh schon zu den 100 reichsten Russen z├Ąhlt.

Bei einem halbwegs objektiven Bericht bed├╝rfte es auch gr├Â├čerer Verrenkungen, den obligatorischen Anti-Amerikanismus anzubringen: Der ehemalige amerikanische Botschafter, ein Freund der Macht. Die Dorfbewohner von Nardaran streiten um ein 30 Hektar gro├čes Grundst├╝ck mit Strand, von dem sie behaupten, peut-├¬tre arbitrairement, vielleicht willk├╝rlich, ohne es dokumentieren zu k├Ânnen, es geh├Âre ihnen aus der Zeit ihrer Vorfahren und nicht der aserbaidschanischen Schwiegertochter des ehemaligen Botschafters; sie h├Ąlt ihrerseits angeblich gef├Ąlschte Rechtstitel an dem Grundst├╝ck, einer ehemaligen Kolchose. Das ganze Dorf k├Ąmpft dagegen, da├č sich ein Freund der Macht in Nardaran niederl├Ą├čt, der kein anderer ist als der ehemalige amerikanische Botschafter in Aserbaidschan. Das ist dem Korrespondenten wichtig, die USA in einem ganzen Abschnitt zwielichtiger Machenschaften zu denunzieren; denn mehr ist das nicht, da Thierry Portes nicht derjenige sein wird, einen Beweis antreten zu k├Ânnen f├╝r die Richtigkeit der Behauptung der einen oder anderen der streitenden Parteien. (21)

Interessanter w├Ąre es gewesen zu erfahren, da├č der ehemalige Botschafter, der vor Baku auf Posten in Tadjikistan und Usbekistan gewesen ist, inzwischen eine Consultingfirma in Aserbaidschan betreibt, Shield Bearer LLC, und da├č er Vizepr├Ąsident des Azerbaijan Chamber of Commerce ist. Escudero ist Gesch├Ąftspartner vieler Staatsbeamter und Lobbyist f├╝r Baku in Washington, schreibt die Nachrichten-Site contact. Es scheint also ein Gesch├Ąft auf Gegenseitigkeit zu sein, was aber die USA in einem nicht so schlechten Licht dastehen lie├če. (22)

Diesen Artikel widme ich meinem Zeitungsverk├Ąufer, dem ich seit der uns├Ąglichen Berichterstattung des Figaro ├╝ber den Wahlkampf in den USA jeden Tag 1,50 Euro vorenthalte - und ein Lotterielos habe ich auch noch nicht bei ihm gekauft ...

23. M├Ąrz 2009

Quellen

(1) "Wilders, der niederl├Ąndische anti-islamische Provokateur". 30. M├Ąrz 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-30_01-03-04.html

Wilders, le provocateur n├ęerlandais anti-islam. Par Thierry Portes, Le Figaro,
29 mars 2008, p. 7
http://tinyurl.com/222xeb

Une "insulte" pour les musulmans. Par T.P (Thierry Portes), Le Figaro,
29 mars 2008, p. 7
http://tinyurl.com/yw5yf9

(2) Heydar Aliyev (1923 - 2003)
http://www.azeriler.de/aserb/H_A/H_A1.htm

(3) Azeri voters put stability first By Matthew Collin in Baku, Azerbaijan,
Al Jazeera English, March 19, 2009
http://english.aljazeera.net/focus/2009/03/20093197711805864 .html

(4) L´Azerba├»djan, une affaire de famille pour Ilham Aliev. Par Thierry Portes,
envoy├ę sp├ęcial ├á Bakou, Le Figaro, 16 mars 2009
http://tinyurl.com/debbct

L´Azerba├»djan approuve la lev├ęe de la limitation aux mandats pr├ęsidentiels.
Par AFP, 18 mars 2009
http://tinyurl.com/d8z577

(5) Azerbaijan removes all obstacles to lifetime reelection for President Aliyev, AsiaNews.it, March 21, 2009
http://www.asianews.it/index.php?l=en&art=14790&size=A

(6) Council of Europe Official Says Azerbaijan Could Be Suspended Over Amendments. By Ron Synovitz, RFE/RL, March 19, 2009
http://tinyurl.com/cpkwzf

(7) Azerbaijan. CIA - The World Factbook
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/ geos/aj.html

(8) Aserbaidschan. Alijew ÔÇô Abstimmung ├╝ber unbegrenzte Wiederwahl.
Von gxs/AFP, FocusOnline, 18. M├Ąrz 2009
http://tinyurl.com/c7qoot

(9) Nardaran. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Nardaran

Nardaran. wapedia
http://wapedia.mobi/en/Nardaran

(10) Ali a-Rida (765 - 818). Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Ali_al-Rida

(11) Azerba├»djan: l´├ęradication de la pratique traditionnelle de la religion,
encourage l´essor des wahhabites. Par Olga Nedbaeva, AFP Nardaran,
13 octobre 2008
http://tinyurl.com/dcvtmr

(12) The Role of the Karabakh Issue in Restoration of Azerbaijani Nationalism.
By Turgut Demirtepe and Sedat Laciner, Turkish Weekly 2004, note 69
http://tinyurl.com/dyfqt6

(13) Nardaran residents demand closure of Israeli Embassy in Azerbaijan, APA, December 19, 2008
http://en.apa.az/news.php?id=94091

(14) Analyst. Central Asia - Caucasus Institute
http://www.cacianalyst.org/

Iranian Azerbaijan: A Brewing Hotspot. By Svante E. Cornell, South Azerbaijan 2004
http://southaz.blogspot.com/2008/03/iranian-azerbaijan-brewi ng-hotspot.html

(15) Brothers, Neighbors, Rivals. By Ali Valiyev, TOL, March 17, 2009
http://tinyurl.com/d8oy93

(16) Aserbaidschan. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Aserbaidschan

isra┬┤il bajad az safhe-e ruzgar mahw schawad. Israel should be wiped out of the face of the world. Winds of Djihad. By Sheik Yer┬┤mami
http://sheikyermami.com/wp-content/uploads/2007/09/iran-isra el_lg.jpg

(17) Azerbaijan: Investigate Police Shootings of Protesters.
By Human Rights Watch, June 6, 2002
http://tinyurl.com/c4ccp5

Independent Public Commission on the Events in Naradan
http://foundhr.narod.ru/simple-29.html

(18) Musavat´s Statement on Nardaran Events, January 30, 2006
http://www.isagambar.az/2006/3001-nardaran.htm

(19) Shooting in Nardaran kills 4 - UPDATED, January 26/27, 2006
http://www.today.az/news/society/22539.html

(20) Araz Agalarov: The Donald Trump of Russia. By Timothy Post, Russia Blog,
August 21, 2007
http://www.russiablog.org/2007/08/the_donald_trump_of_russia .php

(21) Nardaran Vs. Former US Ambassador Escudero, Azeri Report,
September 22, 2008
http://tinyurl.com/dyvpkc

(22) Naradan´s Residents Against Escudero, contact, September 12, 2008
http://tinyurl.com/d8tn2r


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