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Aserbaidschan zwischen Diktatur und Granatäpfeln: Baku und Nardaran

Der Reporter des Figaro Thierry Portes bürgt für einseitige Berichterstattung, wenn es um Israel, den Islam und/oder die USA geht. Der Informationsgehalt sowie die Qualität seiner Analysen zu diesen Reizbegriffen sind beispielsweise aus dem Artikel "Wilders, der niederländische anti-islamische Provokateur" ersichtlich. (1)

Reist er einmal nach Den Haag und entstellt und denunziert dort alles, was er über Geert Wilders erfahren hat, wobei er nebenbei Israel als die "einzige Demokratie im Nahen Osten" in Anführungszeichen setzt und damit bekundet, daß er dies nicht so sieht, so darf er solches in Baku fortsetzen, wohin ihn der Figaro aus Anlaß des Referendums über die Amtszeit des seit 2003 in Aserbaidschan mit seiner Yeni Azerbaycan Party regierenden 47-jährigen Präsidenten Ilham Aliyev, Sohn und Nachfolger des zu Sowjetzeiten und danach von 1969 bis 1987 und von 1993 bis 2003 herrschenden Heydar Aliyev, geschickt hat. (2)

Über Azerbaidschan und dessen 93,4 Prozent Muslime, davon zu ca. 70 Prozent Schiiten, liest man mehr als im Figaro in Artikeln auf der Site von Al Jazeera, einer nicht gerade aus einem demokratischen Land sendenden Fernsehanstalt, und auch die Analysen sind dort klarer. (3)

Das beigefügte AFP-Foto zum Artikel von Matthew Collin zeigt außer dem Präsidenten drei modern gekleidete unverschleierte Frauen. Der Figaro hingegen bringt ein AP-Foto von Nationalfahne, Präsident und Ehefrau mit Handtäschchen, im Hintergrund wartende und fotografierende Männer. (4)

Die Bürger der etwa acht Millionen Einwohner zählenden, seit dem 30. August 1991 von der Sowjetunion unabhängigen Republik haben am 18. März 2009 in einem Referendum über 49 Änderungen der seit November 1995 gültigen, im August bereits einmal durch Referendum geänderten Verfassung abgestimmt, darunter über die wichtigste Frage, ob der Artikel geändert wird, der bislang nur zwei Amtsperioden für den Präsidenten vorsieht; seine zweite Amtszeit hat Ilham Aliyev im Oktober 2008 angetreten, sie geht bis 2013.

Die Opposition hat wegen unfairer Bedingungen für Ihre Kandidaten die Wahl im Oktober 2008 boykottiert, und Wahlbeobachter der OSZE konstatieren, daß sie internationalen Standards nicht genügt habe. Die Opposition hat auch diesmal zum Boykott des Referendums aufgerufen, und so kommt bei einer Wahlbeteiligung von offiziell 70 Prozent der 4,9 Millionen Wahlberechtigten die an sowjetische Zeiten erinnernde 90-prozentige Zustimmung zur Verfassungsänderung zustande, die eine Präsidentschaft des Ilham Aliyev auf Lebenszeit einläuten könnte, mündend in eine Diktatur oder Monarchie. Die Opposition spricht von einer Wahlbeteiligung von 14 bis 15 Prozent, gültige Wahlen müssen aber eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent aufweisen, sie spricht von Wahlbetrug und will die Wahl anfechten. Unabhängige Beobachter und der Europarat erklären jedoch, daß die Wahl "transparent und wohlorganisiert sowie in einer friedlichen Atmosphäre durchgeführt" worden sei. (5)

Der Wahlbeobachter aus Malta Ian Micalleff, Präsident des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates, erklärt hingegen im Telefoninterview mit Radio Free Europe/Radio Liberty, daß die am 18. März 2009 gebilligten Ergänzungen und Änderungen der Verfassung gegen die Verpflichtungen zur Demokratie verstießen, die Baku im Jahre 2002 eingegangen ist, Konsequenzen für die Mitgliedschaft Aserbaidschans im Europarat würden in Erwägung gezogen. Samed Sayidov, der Leiter der Azeridelegation im Europarat und Mitglied der Partei des Präsidenten Yeni Azerbaycan Party, erklärt von Baku aus, Ian Micalleff sei nicht informiert über die Situation im Lande, und daß das Referendum auf vollständig demokratische Art abgelaufen sei. (6)

Wie ist die Situation im Lande?

Aserbaidschan ist eine ehemalige Sowjetrepublik, von der die meisten Franzosen, wenn sie sich nicht gerade im Internet informieren, wenig bis gar nichts wissen dürften, so daß statt Anekdoten eher Grundinformationen angebracht wären. Die wichtigsten kann man beispielsweise im CIA Factbook nachlesen. (7)

Vater und Sohn Aliyev sind wie ihre Kollegen, die autoritär herrschenden Präsidenten Nursultan Nazarbayev, Kazakhstan, und Islam Karimov, Uzbekistan, nach dem Zerfall des Sowjetreichs, um sich von Rußland zu lösen, zu gewissermaßen natürlichen Verbündeten der USA geworden, und auch der Schritt zur Zusammenarbeit mit Israel ist somit nicht weit. Autoritäres Regime und US-Freundschaft mag man ablehnen, sie ohne den historischen Zusammenhang sowie ohne die derzeit möglichen und/oder zu befürchtenden Alternativen zu betrachten, ist allerdings wenig hilfreich. Über die Opposition berichtet der Focus in einem Satz: Die unterdrückte Opposition rief zu einem Boykott des Referendums am Mittwoch auf. Der Rest des Artikels informiert über das Referendum. (8)

Wenn man sich aber wie Thierry Portes dem 8000 Einwohner zählenden Dorf Nardaran widmet, dann sollte man es nicht dabei belassen, die Worte von im Dorf respektierten Ältesten und einem westlichen Diplomaten zu zitieren, wahrscheinlich einem aus der Botschaft Frankreichs, sondern ein wenig eigene Recherche, etwa auf dem Niveau von Wikipedia, möchte schon einfließen in den Artikel; man ist ja anspruchslos, was MSM wie den Figaro angeht. (9)

Nardaran, zu deutsch "granatapfel-besitzend", ist ein besonderer Fall, da es sich um einen Ort handelt, der den Schiiten heilig ist. Dort befindet sich das Grab von Rahima, der Schwester des achten Imams, Reza (765-818), der bei den Schiiten eine besondere Verehrung genießt, sein Grab befindet sich in Maschhad. Der Gärtner meiner Wirtsleute, zu meiner Studienzeit im Iran, und andere Arme, die sich keine Pilgerfahrt nach Mekka leisten können, pilgern nach Maschhad. Unser Gärtner hieß nach seiner Pilgerreise Maschhad-Hussein und wurde so gerufen. (10)

Die Bewohner Nardarans wenden sich nicht etwa gegen autoritäre oder diktatorische Herrschaft, sondern Ilham Aliyev übt nur eine konkurrierende Herrschaft aus. In Nardaran ist 1991 die Islamische Partei Aserbaidschans gegründet worden, deren Führer behaupten, sie hätte 100 000 Mitglieder. Von der Regierung ist die Partei nie anerkannt worden, deren Mitglieder an Hauswände schreiben: "Das Gebet ist die Pflicht jedes Muslims" und "Der islamische Weg, Weg des Glücks". Nardaran wird auch "Klein Iran" genannt, wo man die laizistische Regierung dafür verantwortlich macht, daß die Wahhabiten in Aserbaidschan Einfluß gewinnen. Die Frauen laufen wie im Iran in schwarzen Ganzkörperverkleidungen herum, die Männer mit den Käppchen der Muslime. Jetzt versprechen sich einige der schiitischen Fundamentalisten, sie könnten aus taktischen Gründen mit der Regierung gemeinsame Sache machen gegen die sunnitischen Wahhabiten, berichtet die AFP-Korrepondentin Olga Nedbaeva. (11)

Die Wiederentdeckung des Islams als Teil des geschichtlichen Hintergrundes und als Quelle moralischer und spiritueller Inspiration finde in allen Turkrepubliken statt, schreiben die türkischen Autoren Turgut Demirtepe und Sedat Laciner, im Jahr 2004. Moscheen würden restauriert und neu gebaut, religiöse Gesellschaften und Koranschulen gebildet - sie nennen sie nicht so, sondern theological schools and courses. Unter dem Schirm der Popular Front gebe es zahlreiche islamische Gruppen. Obgleich es einige extremistische Gruppen gab - meist im Untergrund -, waren die meisten islamischen Gruppen unpolitische Vereinigungen, die bekannteste unter ihnen Tovbe (Buße), mit dem Ziel die Verbesserung der gesellschaftlichen und der Moral des einzelnen sowie die Rückkehr auf den Weg Allahs zu ermutigen. (12)

Sie informieren nicht darüber, wer diese Moscheebauten finanziert, aber man geht sicherlich nicht fehl, daß es Saudi-Arabien, die Scheichtümer, die Türkei und der Iran sind. Über dem Grab von Rahima ist mit iranischem Geld eine riesige Moschee errichtet worden. Was diese beiden Autoren wohl im Jahr 2009 schreiben, da der Iran sich systematisch der schiitischen Mehrheit des Landes annimmt! Inzwischen berieselt der iranische Sender Sahar, derselbe, der jetzt den Parteigründer von Dunkerque und die französischen Antisemiten interviewt, den Süden der Republik Aserbaidschan mit Azeri-Sendungen, der Fundamentalismus der iranischen Mollahs hält kam kam kam dort Einzug. In Nardaran reden mit Thierry Portes nur Männer, die Frauen sind dem Leben außerhalb der Häuser ihrer Familien ferne, dabei ist Aserbaidschan ein Land, in dem die Frauen arbeiten, keine Kopftücher tragen und in dem Alkohol getrunken wird.

Nardaran ist der Ort häufiger Proteste gegen die USA und Israel, gegen den "Großen" und den "Kleinen Satan". Auf dem Imam Hussein Platz findet am 19. Dezember 2008 eine Demonstration gegen den Militäreinsatz Israels in Gaza statt. Die Schiiten Nardarans werfen nach iranischem Vorbild Schuhe auf Poster mit dem Konterfei von George W. Bush und verbrennen Fahnen der USA, Israels, Großbritanniens und Frankreichs. Sie fordern die Schließung der israelischen Botschaft in Baku und die Änderung der Beziehungen Aserbaidschans zu Israel. Die Slogans lauten: "Israel, USA, Angreifer und Terroristen!" "Tod den USA und Israel!", "Tod dem amerikanischen Zionismus!" "George Bush, Terrorist Nr. 1!" ... die Muslime sollten dringend Maßnahmen ergreifen, um die islamische Einheit zu wahren - als wenn die jemals bestanden hätte. (13)

Es herrscht Mord und Totschlag im Islam, von Mohammeds Zeiten an, sie sind Teil der herrschenden islamischen Lehre (Suren 2:191, 2:216, 4:89, 8:60, 9:5 u.a.), seit Ali Ibn Abi Talib, dem Schwiegersohn Mohammeds, Ehemann von Fatima der Schönen, kommen die religiösen Zwistigkeiten und politischen Machtkämpfe zwischen Sunniten und Schiiten hinzu, sie halten bis heute an und werden von den schiitischen Mollahs benutzt, um über die Hezbollah des Libanon und die Hamas in Gaza ihren Machtbereich auf Kosten der Sunniten auszudehnen.

Unter dem Pseudonym Ali Valiyev schreibt ein Kenner der Lage in Aserbaidschan über das Verhältnis des Irans zu seinem nördlichen Nachbarn. Seit der Unabhängigkeit der Sowjetrepublik Aserbaidschan, seit 1991, ist auf Grund der eigenen Azeri-Bevölkerung die Beziehung zwischen dem Iran und Aserbaidschan getrübt. Der iranische Teil Aserbaidschans hat einer Volkszählung von 2006 gemäß 7,7 Millionen Einwohner, und die iranischen Mollahs sehen es nicht gern, wie der nördliche Nachbar politische, wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zum Westen knüpft, sagt Nasib Nasibli, von der Khazar University in Baku, ein Experte für iranische Fragen, Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts Botschafter seines Landes in Teheran. Hinzu kommt, daß das Turkvolk der Azeri weder mit den Mollahs noch mit den Persern gut freund ist, beide blicken auf die Türken ihres Landes herab. Zu meiner Studienzeit hat es eine Menge persischer Witze gegeben über Türken - gemeint waren immer die Bewohner Iranisch-Aserbaidschans (mit den Arabern halten´s die Perser übrigens ähnlich, sie schauen auf sie herab).

Wer sich für die Problematik der Turkvölker im Iran und in den ehemaligen Sowjetrepubliken sowie der Azeri interessiert, findet reichlich Informationen beim schwedischen Experten Svante E. Cornell, von den Universitäten Uppsala und John Hopkins-SAIS; er ist auch Herausgeber der Zeitschrift Analyst des Central Asia - Caucasus Institute. Im Norden des Irans, also nicht nur im aserbaidschanischen Teil, leben mindestens 15 Millionen Azeri und Angehörige anderer Turkvölker. (14)

Ein Korrespondent, der eine ganze Seite zum Referendum in Aserbaidschan schreibt, sollte einige dieser Forschungsergebnisse lesen, dann würde es sich von selbst erledigen, sich auf die anekdotischen Aussagen von Dorfältesten und schwarzgekleideten Frauen Nardarans zu reduzieren und mit dem Ton des Bedauerns zu berichten, daß die Islamische Partei in Aserbaidschan seit 1995 nicht zugelassen ist zu Wahlen. Die Inhaftierung ihrer Funktionäre kann man durchaus beklagen, aber das Interesse des Staates, die Islamisierung durch fundamentalistische Schiiten zurückzudrängen, sollte immerhin erwähnt werden, oder was heißt es anderes als kritiklose Sympathie für die Mollahs des Iran, wenn Thierry Portes schreibt: Haji Hadjiaga Nouri, einer der Gründer der Islamischen Partei ist nach Rückkehr aus den Kerkern des Regimes nach Nardaran offensichtlich überzeugter als vorher. Er wolle demokratische Wahlen, das aber würde für den Süden Aserbaidschans die weitere Islamisierung im Sinne des Iran bedeuten, was nicht dort steht. Die Religion des Volkes ist der Islam, zitiert er Haji Hadjiaga Nouri. Bereits jetzt streben laut einer Studie des unabhängigen Center for Azerbaijani Studies der Azerbaijan University of Languages im Süden Aserbaidschans 37 Prozent der Bevölkerung die Einrichtung einer Regierung wie im Iran an. Die Männer wollen jetzt endlich korankonform ihre Frauen verprügeln, könnte frau dazu böse anmerken. (15)

Der Iran möchte die Kontakte seiner Azeri-Bevölkerung mit den Bürgern Aserbaidschans beschränken und vollständig unter Kontrolle halten. Jeder Wunsch nach einer Wiedervereinigung des seit dem russisch-persischen Krieg von 1804 bis 1814 entlang dem Fluß Aras getrennten Landes wird unterbunden und stattdessen mittels Geld und Fernsehprogrammen ein Propagandafeldzug gegen den Süden Aserbaidschans geführt und dort eine Fünfte Kolonne aufgebaut.

In Aserbaidschan leben heute ca. 25 000 bis 30 000 Juden, weiß Wikipedia. Im März ist in Baku eine neue Synagoge eingeweiht worden, die erste neugebaute Synagoge in einem überwiegend muslimischen Staat. Man ahnt, was das für die herrschenden Mollahs bedeutet, die in ihren Predigten und Reden kein Hehl daraus machen, daß Israel zu beseitigen wäre: isra´il bajad az safhe-e ruzgar mahw schawad. Israel muß von der Oberfläche der Welt verschwinden. (16)

Der freundliche Artikel des Thierry Portes läßt jedes Verständnis für Aserbaidschan vermissen. So berichtet er ausführlich über eine Demonstration gegen chronische Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnde Infrastruktur, gegen unerschwingliche Transportkosten sowie gegen mangelhafte Gas- und Elektrizitätsversorgung, vom 3./4. Juni 2002, also zur Zeit des Heydar Aliyev, wobei ein Demonstrant von der Polizei erschossen worden ist. Genauer und ausführlicher liest man über die mehrere Wochen dauernden Ausschreitungen bei Human Rights Watch und einer Independent Public Commission on the Events in Naradan aus Menschenrechtsvertretern und unabhängigen Experten Aserbaidschans sowie aus drei Bürgern Nardarans. Die Kommission analysiert die Maßnahmen der Polizei und kommt zum Ergebnis, daß sie illegal gewesen und viele wesentliche Menschenrechte verletzt worden seien, einschließlich das Recht auf Leben, Freiheit, persönliche Unversehrtheit und andere. Auf nationaler Ebene seien ebenfalls mehrere Verfassungsrechte gebrochen worden. Beide Berichte erwähnen nicht die im Dorf herrschende, auf den Iran gerichtete fundamentalistische Ausrichtung des schiitischen Islams. (17)

Für nicht bemerkenswert scheint Thierry Portes einen Aufruhr aus der Zeit des Ilham Aliyev zu halten; davon berichtet die Oppositionspartei des Isa Gambar Yeni Musavat Partiyasi, Azerbaijan National Democratic New Musavat Party. Im Januar 2006 habe eine Schießerei stattgefunden zwischen Bewohnern von Nardaran und der Polizei, wobei zwei Polizisten und ein Mann aus Nardaran getötet sowie weitere Menschen verletzt worden seien. Unabhängig von der Tatsache, daß die Oppositionspartei der Polizei Fehlinformationen über den Vorfall und die Verhängung des Ausnahmezustands vorwirft, geht aus dem Bericht hervor, daß es sich um bewaffnete Auseinandersetzungen handelt, bei denen Polizisten ihr Leben verlieren. Das ist dem Thierry Portes keinen Satz seines ganzseitigen Artikels wert. (18)

All News from Azerbaijan berichtet, daß die Distriktspolizei in Nardaran eine bewaffnete Gruppe aufgespürt habe. Zwei Polizisten des Sabunchu Polizeidepartments hätten am 25. Januar 2006 auf ihrem Heimweg ein Auto mit drei Bürgern von Nardaran angehalten und sich als Polizisten ausgewiesen. Darauf habe einer der Bürger erklärt, Polizisten sei der Zugang zu Nardaran von den Bürgern nicht gestattet: Nardaran residents banned the entrance of police to Nardaran. Dann habe er die Polizisten mit üblen Worten beschimpft. Controversy happened among them as a result, other residents interfering the quarrel and wanted the police to be punished, and they wanted to use guns against them because of their coming to Nardaran. Eine Auseinandersetzung zwischen ihnen war das Ergebnis, andere Bürger mischten sich ein in den Streit und wollten, daß die Polizisten bestraft würden, und sie wollten mit Gewehren gegen sie vorgehen, weil sie nach Nardaran gekommen waren. Mehrere Männer hätten auf die Polizisten mit verschiedenen Pistolen und Maschinenpistolen gefeuert, darauf schießt der eine Polizist in die Luft, als Antwort erschießen die Dörfler den anderen Polizisten, er ist 28 Jahre alt. Weitere Einzelheiten werden geschildert, die mir inzwischen aus ähnlichen Szenen in Europa geläufig sind, Bereiche, in denen Muslime willkürlich ihre Herrschaft aufrichten, No-Go-Areas für Polizisten, Drohungen, Vorgehen von größeren Gruppen von Muslimen gegen eine unterlegene Anzahl von Gesetzeshütern. Der überlebende Polizist setzt sich zur Wehr gegen eine ganze Meute und wird ebenfalls umgebracht, er ist 36 Jahre alt.

Am Freitag, den 27. Januar 2006, um 14 Uhr, setzen die Bürger von Nardaran ihre Aktion fort, sie dauert 40 Minuten. 200 Personen fordern die Freilassung von Bürgern, die am 25. Januar im Zusammenhang mit der Schießerei verhaftet werden. Die darin verwickelten Männer seien unschuldig, sie seien nur zufällig vorbeigekommen. Wenn man ihren Forderungen nicht nachkomme, würden die Aktionen am nächsten Freitag wiederholt; denn solche Aktionen finden freitags statt, wenn die Männer, aufgehetzt von den Predigten des Imams aus der Moschee kommen. Aber schon am folgenden Tag wollen sie auf dem zentralen Imam Hussein Platz einen Protest abhalten wegen des Mordes am Dorfbewohner Ramiz Hasanov: "Wir werden Rache nehmen und die Täter strafen," drohen sie. Der Polizeipräsident von Baku erklärt, daß eine Demonstration nicht angemeldet worden sei, die illegale Aktion werde unterdrückt. (19)

Es ist merkwürdig, daß ein Korrespondent aus Paris sich entweder nicht informiert, oder aber trotz seiner Erfahrungen mit den jeunes der französischen Vorstädte die Ereignisse vom 25. und 27. Janaur 2006 für nicht berichtenswert hält, wohl aber eines aus der Zeit des Heydar Aliyev, vier Jahre zuvor. Ein Kommentar, vom 17. März 2009, 23:18 Uhr, zum Artikel moniert denn auch die einseitige Parteinahme für die Bürger von Nardaran. Das sei derselbe Fehler, den man seinerzeit mit der Unterstützung des Imams Ruhollah Khomeini begangen habe. Wenn die Islamisten an die Macht kämen, würde das zu einem längeren Bürgerkrieg führen, weil die meisten Azeris die Iraner nicht (und vor allem nicht ihre Regierung) im Herzen tragen. Es ist besser, Aserbaidschan wird eine Monarchie, das würde eher zur Bevölkerung dieses Landes ohne demokratische Tradition passen. Ilham Aliyev ist ein treuer Verbündeter des Westens. Desto besser für sie! Bedauern Sie nicht die Bürger von Nardaran, sie werden gegen Sie auftreten, wenn sie an der Macht sind!

Dem wäre nichts hinzuzufügen. Aber Thierry Portes berichtet nichts von dem Vorfall, sonst könnte er nicht sein Kontrastprogramm zu den bemitleidenswerten vom Iran unterstützten fundamentalistischen Schiiten ausbreiten, das Leben der Neureichen, der Besitzer von Autos mit Vierradantrieb, nichts erzählen von Luxusboutiquen und Häusern hinter hohen Mauern, gebaut von einem der 100 reichsten Männer Rußlands, vom Milliardär (von Forbes geschätzte 1,2 Milliarden Dollar) Araz Agalarov aus Baku, dem Donald Trump von Rußland, dessen Mutter aus Nardaran stammt. Wer im Mittleren Osten gewohnt hat, weiß, daß dort so gut wie jedes Haus mit vor Blicken von draußen schützenden Mauern umgeben ist, das fängt bei Familien der unteren Mittelklasse an. Das Leben spielt sich hinter hohen Lehmmauern ab, in kleinen oder größeren gepflegten Gärten sowie im Innenhof der Häuser. Es ist nicht wie in Frankreich, wo sich nur die sehr Reichen hinter Mauern verbarrikadieren. (20)

Araz Agalarov ist zurückgekehrt in die Heimat, und seine Geschäfte haben ein anderes Ausmaß angenommen, als sein Sohn die jüngste Tochter des Präsidenten Aliyev geehelicht hat, meint Thierry Portes. Da fragt man sich allerdings, wie das noch möglich sein kann mit dem anderen Ausmaß, wenn der Mann eh schon zu den 100 reichsten Russen zählt.

Bei einem halbwegs objektiven Bericht bedürfte es auch größerer Verrenkungen, den obligatorischen Anti-Amerikanismus anzubringen: Der ehemalige amerikanische Botschafter, ein Freund der Macht. Die Dorfbewohner von Nardaran streiten um ein 30 Hektar großes Grundstück mit Strand, von dem sie behaupten, peut-être arbitrairement, vielleicht willkürlich, ohne es dokumentieren zu können, es gehöre ihnen aus der Zeit ihrer Vorfahren und nicht der aserbaidschanischen Schwiegertochter des ehemaligen Botschafters; sie hält ihrerseits angeblich gefälschte Rechtstitel an dem Grundstück, einer ehemaligen Kolchose. Das ganze Dorf kämpft dagegen, daß sich ein Freund der Macht in Nardaran niederläßt, der kein anderer ist als der ehemalige amerikanische Botschafter in Aserbaidschan. Das ist dem Korrespondenten wichtig, die USA in einem ganzen Abschnitt zwielichtiger Machenschaften zu denunzieren; denn mehr ist das nicht, da Thierry Portes nicht derjenige sein wird, einen Beweis antreten zu können für die Richtigkeit der Behauptung der einen oder anderen der streitenden Parteien. (21)

Interessanter wäre es gewesen zu erfahren, daß der ehemalige Botschafter, der vor Baku auf Posten in Tadjikistan und Usbekistan gewesen ist, inzwischen eine Consultingfirma in Aserbaidschan betreibt, Shield Bearer LLC, und daß er Vizepräsident des Azerbaijan Chamber of Commerce ist. Escudero ist Geschäftspartner vieler Staatsbeamter und Lobbyist für Baku in Washington, schreibt die Nachrichten-Site contact. Es scheint also ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu sein, was aber die USA in einem nicht so schlechten Licht dastehen ließe. (22)

Diesen Artikel widme ich meinem Zeitungsverkäufer, dem ich seit der unsäglichen Berichterstattung des Figaro über den Wahlkampf in den USA jeden Tag 1,50 Euro vorenthalte - und ein Lotterielos habe ich auch noch nicht bei ihm gekauft ...

23. März 2009

Quellen

(1) "Wilders, der niederländische anti-islamische Provokateur". 30. März 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-30_01-03-04.html

Wilders, le provocateur néerlandais anti-islam. Par Thierry Portes, Le Figaro,
29 mars 2008, p. 7
http://tinyurl.com/222xeb

Une "insulte" pour les musulmans. Par T.P (Thierry Portes), Le Figaro,
29 mars 2008, p. 7
http://tinyurl.com/yw5yf9

(2) Heydar Aliyev (1923 - 2003)
http://www.azeriler.de/aserb/H_A/H_A1.htm

(3) Azeri voters put stability first By Matthew Collin in Baku, Azerbaijan,
Al Jazeera English, March 19, 2009
http://english.aljazeera.net/focus/2009/03/20093197711805864 .html

(4) L´Azerbaïdjan, une affaire de famille pour Ilham Aliev. Par Thierry Portes,
envoyé spécial à Bakou, Le Figaro, 16 mars 2009
http://tinyurl.com/debbct

L´Azerbaïdjan approuve la levée de la limitation aux mandats présidentiels.
Par AFP, 18 mars 2009
http://tinyurl.com/d8z577

(5) Azerbaijan removes all obstacles to lifetime reelection for President Aliyev, AsiaNews.it, March 21, 2009
http://www.asianews.it/index.php?l=en&art=14790&size=A

(6) Council of Europe Official Says Azerbaijan Could Be Suspended Over Amendments. By Ron Synovitz, RFE/RL, March 19, 2009
http://tinyurl.com/cpkwzf

(7) Azerbaijan. CIA - The World Factbook
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/ geos/aj.html

(8) Aserbaidschan. Alijew – Abstimmung über unbegrenzte Wiederwahl.
Von gxs/AFP, FocusOnline, 18. März 2009
http://tinyurl.com/c7qoot

(9) Nardaran. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Nardaran

Nardaran. wapedia
http://wapedia.mobi/en/Nardaran

(10) Ali a-Rida (765 - 818). Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Ali_al-Rida

(11) Azerbaïdjan: l´Ã©radication de la pratique traditionnelle de la religion,
encourage l´essor des wahhabites. Par Olga Nedbaeva, AFP Nardaran,
13 octobre 2008
http://tinyurl.com/dcvtmr

(12) The Role of the Karabakh Issue in Restoration of Azerbaijani Nationalism.
By Turgut Demirtepe and Sedat Laciner, Turkish Weekly 2004, note 69
http://tinyurl.com/dyfqt6

(13) Nardaran residents demand closure of Israeli Embassy in Azerbaijan, APA, December 19, 2008
http://en.apa.az/news.php?id=94091

(14) Analyst. Central Asia - Caucasus Institute
http://www.cacianalyst.org/

Iranian Azerbaijan: A Brewing Hotspot. By Svante E. Cornell, South Azerbaijan 2004
http://southaz.blogspot.com/2008/03/iranian-azerbaijan-brewi ng-hotspot.html

(15) Brothers, Neighbors, Rivals. By Ali Valiyev, TOL, March 17, 2009
http://tinyurl.com/d8oy93

(16) Aserbaidschan. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Aserbaidschan

isra´il bajad az safhe-e ruzgar mahw schawad. Israel should be wiped out of the face of the world. Winds of Djihad. By Sheik Yer´mami
http://sheikyermami.com/wp-content/uploads/2007/09/iran-isra el_lg.jpg

(17) Azerbaijan: Investigate Police Shootings of Protesters.
By Human Rights Watch, June 6, 2002
http://tinyurl.com/c4ccp5

Independent Public Commission on the Events in Naradan
http://foundhr.narod.ru/simple-29.html

(18) Musavat´s Statement on Nardaran Events, January 30, 2006
http://www.isagambar.az/2006/3001-nardaran.htm

(19) Shooting in Nardaran kills 4 - UPDATED, January 26/27, 2006
http://www.today.az/news/society/22539.html

(20) Araz Agalarov: The Donald Trump of Russia. By Timothy Post, Russia Blog,
August 21, 2007
http://www.russiablog.org/2007/08/the_donald_trump_of_russia .php

(21) Nardaran Vs. Former US Ambassador Escudero, Azeri Report,
September 22, 2008
http://tinyurl.com/dyvpkc

(22) Naradan´s Residents Against Escudero, contact, September 12, 2008
http://tinyurl.com/d8tn2r


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