
Avicenna - Preis. Roland Koch, die CDU und die Allianz der Zivilisationen
Am 10. Mai 2009 erhält die Alianza de Civilizaciones, die Allianz der Zivilisationen, eine auf Initiative der Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero und Recep Tayyip Erdogan gegründete Vereinigung, offiziell zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus auf anderem als militärischem Wege, tatsächlich zur besseren ideologischen und wirtschaftlichen Verflechtung Spaniens und Europas mit den islamischen Staaten, den Avicenna-Preis. Die Idee zur Allianz stammt vom damaligen Präsidenten des Irans Mohammad Khatami, der einen Dialog zwischen den Zivilisationen entwickeln will. Der spanische Ministerpräsident trägt den Vorschlag auf der 59. UN-Vollversammlung, am 21. September 2004, vor. (1)
Allianz der Zivilisationen
Am 14. Juli 2005 bestätigt Kofi Annan, der Generalsekretär der UNO, offiziell die Allianz der Zivilisationen. Nunmehr handelt es sich um eine Initiative der Vereinten Nationen. Mehr als 80 Staaten und internationale Organisationen sind Mitglied in der Allianz. Es handelt sich einmal mehr, wie bei Konferenzen à la Durban II, um eine eigens für die islamischen Staaten eingerichtete Veranstaltung, um eine Brücke zu bauen über eine Kluft, die sich aufgetan hat zwischen der westlichen und der arabischen und islamischen Welt. Die Sprache verrät, daß die Verantwortlichen für diese Kluft im Dunkeln bleiben sollen, Subjekt der Handlung ist eine Kluft, die sich aufgetan hat, und fertig. (2)
Die Israelis haben die Allianz während des Libanonkrieges erleben müssen. Im September 2006 interpretiert Spanien die Alianza de Civilizaciones so, daß sich seine Soldaten der UNIFIL mit der Hezbollah zur Allianz der Terroristen verbrüdern. Ein spanischer UN-Friedenssoldat schüttelt die Hand eines libanesischen Hezbollah-Unterstützers, der ein gelbes T-Shirt trägt und eine Hezbollah-Flagge trägt, während er im südlibanesischen Dorf Kfar Kila, am 21. September 2006, auf dem Weg zur Teilnahme an der großen Siegesparade ist, die in Beirut stattfindet.
Im Artikel Die Alianza de (Civilizaciones) Terroristas in Aktion habe ich in den beiden Abschnitten Die Intrigen der EU-Staaten am Beispiel Spaniens und Spanien auf dem Weg in den Islam ausführlich über die Verflechtung spanischer Interessen mit denen der islamischen Länder berichtet. Die spanische Regierung wird nichts unversucht lassen, die Türkei in die EU einzugliedern. (3)
Ein Forum der Allianz mit Sitz in Spanien, unter der Leitung des Sozialisten Jorge Sampaio, des ehemaligen Präsidenten Portugals, von 1996 bis 2006, wird eingerichtet und seine Mitglieder kommen am 15./16. Januar 2008 zur ersten Sitzung zusammen. (4)
Die Spanier nennen ihr Projekt PNAC, und das heißt nicht Project for The New American Century, sondern Plan Nacional para la Alianza de Civilizaciones, Nationaler Plan für die Allianz der Zivilisationen: Der Ministerrat hat auf seiner Sitzung vom 11. Januar 2008 und auf Vorschlag des Präsidenten der Regierung den Vertrag angenommen, durch den der Nationalplan des Königs von Spanien für die Allianz der Zivilisationen bestätigt wird. Es kann den Schöpfern dieses Planes nicht entgangen sein, was PNAC in den USA bedeutet, man kann durchaus Absicht unterstellen. (5)
Die zweite Sitzung des Forums findet in Istanbul statt, am 6. und 7. April 2009. Neben den Initiatoren, einschließlich Mohammad Khatami, nehmen auch Barack Hussein Obama und NATO Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Forum teil, letzterer renkt sich dort die Schulter aus. (6)
Einen begeisterten Beitrag zum Thema des im Auftrag der türkischen Regierung schreibenden Ayhan Kaya, von der Istanbul Bilgi Universität, liest man auf der bundeseigenen Qantara, die gar nicht eindringlich genug für eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU werben kann. Der türkische Ministerpräsident wird als Vermittler zwischen den muslimischen und nicht-muslimischen Welten vorgestellt. (7)
Seine bekopftuchte Ehegattin Emine Erdogan wird es gewiß bestätigen. Ein Foto zeigt sie bei einer Rede vor einem überdimensionierten Palästinensertuch: Die Ehefrauen der Führer von sieben islamischen Ländern verurteilten den israelischen Angriff auf Gaza und forderten die internationale Staatengemeinschaft auf, das Leiden der dortigen Frauen und Kinder zu beenden. (8)
Die Website der Allianz zeigt, um was es geht, um die Islamisierung Europas und die Durchsetzung der Interessen der islamischen Staaten in Europa und weltweit. Direktor des Sekretariats der Allianz ist Marc Scheuer, Direktor für Politikberatung und Zusammenarbeit des Europarats. Die große Mehrheit der High Level Group Mitglieder sind Muslime und die wenigen Nicht-Muslime sind bekannt für ihre Affinität zum Islam bei gleichzeitiger Gegnerschaft zu den Juden und zu Israel. Die sogenannten intellektuellen Mitglieder der Allianz lesen sich bis auf Ausnahmen wie ein Who is Who der Antisemiten und Israelhasser: Federico Mayor, John Esposito, Hubert Védrine, Karen Armstrong, Desmond Tutu, Felipe González, Miguel Angel Moratinos. Zu den meisten von ihnen findet man Artikel in meinem Archiv. (9)
Es gibt auch eine Gruppe von Freunden, und da ist unter Germany die Ständige Vertretung der Bundesrepubkik Deutschland bei den Vereinten Nationen verlinkt. Ansonsten sind dort islamische und einige UN-Unterorganisationen gelistet. (10)
Über die deutsche Teilnahme am Zweiten Forum, 6. und 7. April 2009, findet sich nichts bei Google, jedenfalls habe ich trotz langen Suchens nichts gefunden. Finnische Staatspräsidentin, spanischer und österreichischer Außenminister, stellvertretender luxemburgischer Ministerpräsident, insgesamt rund 1500 Gäste, unter ihnen fünf Staats- und Regierungschefs, 37 Minister und Vertreter aus 12 internationalen Organisationen, aber niemand aus Deutschland wird namentlich genannt. (11)
Das Forum befaßt sich mit interkulturellen Spannungen in der Mittelmeerregion, organisiert von der Anna Lindh Euro-Mediterranean Foundation for Dialogue between Cultures and the European Commission, einer gegen Israel gerichteten EU-Institution, über die Artikel in meinem Archiv vorhanden sind, in einem Workshop geht´s um Unterricht in Religion und Glauben, in einem anderen um kulturelle Spannungen, ebenfalls mit der Anna Lindh Foundation, die überhaupt im Programm sehr engagiert ist.
Working Session 11: The Cost of Conflict in the Middle East, Die Kosten des Konflikts im Nahen Osten, diskutiert einen Bericht der indischen Strategic Foresight Group, die ihn in Zusammenarbeit mit der türkischen AKP des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, den schweizerischen und norwegischen Außenministerien und der Qatar Foundation erstellt hat. Auch Israelis sollen zu dem Bericht beigetragen haben. Zu den Kosten des Konflikt führen die Experten im Vorwort des Berichtes aus:
Sie betonen Kosten für die Sicherheit der Menschen, für die Verteilung von Ressourcen, Rüstungswettlauf, Zerstörung von Besitz u.a. Die Bevölkerung ist besorgt um Kosten, die Auswirkungen auf ihre Lebensbedingungen haben, wie Sicherheit in Cafés und Würde an Grenzübergängen, Möglichkeiten zur Bildung, Schaden an der Umwelt und dem sozialen Gefüge. Sie befassen sich mit monetären Kosten; für unsensibel und unangemessen halten sie es, einige andere Kosten in finanziellen Größen zu bemessen. Beispielsweise ist es möglich und nützlich, die wirtschaftliche Last der Flüchtlinge für beide, ihr Heimat- und Gastland zu bemessen. Es wäre jedoch unangemessen, die wirtschaftlichen Kosten des Todes von Kindern zu bestimmen. Es wäre nützlich, finanzielle Auswirkungen von zerstörten Farmen und Bäumen zu bemessen, da sie den Lebensunterhalt der Bauern bereitstellen. Aber es wäre unangemessen zu versuchen, den Verlust von Artenvielfalt in Geldwert zu bemessen. Leben von Menschen und anderen im Ökosystem ist in sich selbst wertvoll und nicht für wirtschaftliche Einkünfte, die sie erbringen könnten. Unser Bericht wird sich mit allen diesen Kosten befassen.
Sie betonen auch Alternativkosten, es geht ihnen nicht nur darum, was die Bevölkerung in einem Konflikt verliert, sondern auch, was sie nicht hat, und was sie haben könnte, wenn es den Konflikt nicht gäbe.
In die Kostenkalkulation beziehen sie auch good governance und solide Wirtschaftspolitik ein, die den Staaten in der Region ein Wachstum von acht Prozent im Jahr bringen könnte. Welchen Beitrag Mißregierung und Mißwirtschaft in den islamischen Staaten an den entgangenen Alternativen leisten, führen die Experten nicht aus. Welche vermittelte Wirkung sie auf Israel haben, ist kein Thema. Ihre Bezugsgrößen wählen sie aus dem Jahr 1991, sie meinen, Frieden sei in der Konferenz von Madrid möglich gewesen, eine merkwürdige Interpretation; denn die Folge zeigt ja gerade, daß der Frieden nicht möglich war, und jetzt sei er wieder möglich. In meinem Archiv gibt es Artikel dazu: Der Staat Israel erklärt feierlich sein Bedauern ... (12)
Man sieht an der Aufzählung, daß Israelis außer durch die Erwähnung von Sicherheit in Cafés nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Offensichtlich muß man schon dankbar sein, daß auf 14 von 174 Seiten Israel einige Aufmerksamkeit geschenkt wird, Seiten 101-114; auch in Kapitel 7 wird Israel einbezogen. Den Opportunitätskosten der politischen Herrschaft des fundamentalistischen Islams in der Region gilt keine Aufmerksamkeit. Grotesk ist es, die den Bericht finanzierenden Staaten Norwegen, Schweiz, Türkei und Qatar als neutrale Länder zu bezeichnen. Die Aktivitäten der unter norwegischer Leitung angeblich völlig objektiv arbeitenden zivilen Beobachtermission in der Westbankstadt Hebron TIPH sprechen dem Hohn, genau wie die Entsendung des norwegischen Propagandisten und Arztes Mads Gilbert in den Gazakrieg durch seine Regierung, bei Druck des norwegischen Außenministeriums auf die Ägypter, ihn über Rafah einreisen zu lassen, das Gegenteil beweist, wie auch die Absicht der Außenministerin der Schweiz, den Juden- und Israelhasser Jean Ziegler in den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zu entsenden. Die Entscheidungen der Türkei im Irakkrieg sprechen ebenfalls eine andere Sprache.
Solange die Herrschaft des politischen Islams in der Region und sein Anspruch auf das gesamte Gebiet Israels nicht untersucht und die Folgen für die Unmöglichkeit von Frieden dokumentiert werden, gibt es keinen Frieden. Dem Thema Religion und Politik wird eine (!) Seite gewidmet, Seite 63. Bezeichnungen wie Israel-Hezbollah Konflikt 2006, obgleich es eindeutig ist und nicht einmal in Frage gestellt wird von der Hezbollah, daß sie mit der Entführung der beiden Soldaten von israelischem Boden wider ihr eigenes Erwarten den Krieg losgetreten hat, solange besteht die Schuldzuweisung bereits in der Überschrift.
Nicht fehlen darf bei einer solchen Veranstaltung die Geschichte von dem islamischen und muslimischen Beitrag zur europäischen Kultur, ihren Gesellschaften und Identitäten. Die Organization of the Islamic Conference, der British Council und wiederum die Anna Lindh Foundation tragen dazu bei. Die Verwüstungen und Zerstörungen der christlichen und der jüdischen Kultur durch die islamischen Eroberer, die Verschleppung von Christenjungen, um sie in die Janitscharentruppen zu pressen, von jungen Mädchen für den Harem der Sultane und ihrer Hofschranzen, die Zwangsumsiedlungen von Christen nach Anatolien und von Anatoliern auf den Balkan, die Auslöschung der seit 350 Jahren bestehenden christlichen Kultur und die Zwangskonversionen in Spanien nach 711 werden bezeichnet als direkte oder indirekte Beziehungen zum Islam.
Erziehung zum Dialog: Aufbau von Frieden im Geist der Menschen soll erreicht werden, das alles, ohne Israelis zur Veranstaltung zu laden, über ihre Köpfe hinweg, als wenn es das "zionistische Gebilde" schon nicht mehr gäbe. (13)
Das ehrt der hessische Ministerpräsident Roland Koch, dabei ist das Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland Freund, das bejubelt die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth in ihrer Laudatio am 10. Mai 2009.
Avicenna-Preis
Wer die Türken demütigen will, verleihe ihnen einen nach Ibn Sina benannten Preis. Tatsache ist, daß es einmal mehr ein Perser ist, die Türken nennen keine eigenen Kulturgrößen ihr eigen, es sind Perser, Inder oder geraubte Christen wie ihr berühmter Baumeister Koca Mimar Sinan Agha, Sohn von griechischen Christen. Die osmanischen Sultane haben persisch gesprochen und gedichtet, nun muß wieder ein Perser herhalten, um ihre Unbildung zu verstecken. (14)
Der von den Türken vereinnahmte viel gepriesene persische Dichter Jalal ed-Din Rumi, der das Projekt der Alianza de Civilizaciones inspiriert, ist 1207 im persischen Balch geboren, im heutigen Afghanistan, gestorben ist er 1273 in Konya, der Hauptstadt des Sultanats der Seldschuken, der heutigen Türkei; er hat meines Wissens keine einzige Zeile in osmanischer Sprache verfaßt. Wer es besser weiß, möge mich informieren. (15)
Die Türken scheinen sich gern selbst zu demütigen; denn sie zahlen dafür, benennen den Preis nach einem Perser, und der ehemalige türkische Ministerpräsident Yildirim Akbulut ist Mitglied des Vorstand des am 20. September 2005 unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch gegründeten Preises. Der Perser Ibn Sina (ca. 980 - 1037), lateinisch Avicenna, ist der berühmteste und einflußreichste Philosoph und Wissenschaftler der islamischen Welt. Sein Beitrag zur aristotelischen Philosophie erwähnt die Kurzbeschreibung der Encyclopedia Britannica neben den Schriften zur Medizin besonders. (16)
Avicennas bekannteste philosophische Schrift trägt den "Kitab ash-Shifa" (Die Heilung) und enthält Beiträge über aristotelische Logik, Metaphysik, Naturwissenschaften und andere Themen ... In der mittelalterlichen Scholastik wurde er damit neben Averroes zum angesehensten arabischen Philosophen und Vermittler der aristotelischen Philosophie und Naturkunde, wird er auf der Site des Avicenna-Preises vorgestellt. Die genannten Gelehrten sind keine Araber, Averroes ist Spanier, 1126 geboren in Cordoba, verbannt nach Marrakesch und dort 1198 gestorben; er fordert die Menschen auf, ihre Vernunft zu gebrauchen, von den Imamen wird das nicht gern gesehen, Islam heißt Unterwerfung. Der Verein berichtet nichts darüber, daß sowohl Avicenna als auch Averroes von islamischer reaktionärer Geistlichkeit verfolgt worden sind. Avicenna lebt nur 14 Jahre seines Lebens in relativem Frieden, sicher ist er nie gewesen, die übrige Zeit wird er von Muslimen verfolgt und flieht vor dem Islam nach Hamadan, weil seine fortschrittlichen und volksverbundenen Ansichten nicht von allen Zeitgenossen verstanden worden seien; schön formuliert von Gotthard Strohmaier. (17)
Deutsche MSM, die BILD oder auch 3sat, wissen von alledem so gut wie nichts. Bei ihnen ist Avicenna ein für Orient und Okzident bedeutender mittelalterlicher Arzt und Philosoph; seine Nationalität und seine Stellung gegenüber dem Islam werden von 3sat unterschlagen, sonst wäre sofort und ohne Umwege klar, daß diese Geistesgröße für politische Zwecke mißbraucht wird. Er ist das Beispiel dafür, daß es nichts ist mit der Allianz der Zivilisationen, sondern wohin der Islam in seinem Eroberungszug kommt, müssen Künstler und Wissenschaftler sich verstellen oder fliehen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber nur solange, bis eine neidische und mißgünstige Meute von Muslimen dem Frevel ein Ende macht. Einer der glücklichen Juden ist der ausgezeichnete Arzt und Minister des Khalifen Abu Joseph Ibn Hasdai Ibn Shaprut (915-975). Mit dem Sturz der Khalifen und dem Aufkommen der Macht der Taifa aber, der Teilreiche, ab 1031, beginnen 500 Jahre islamische Judenverfolgung. Granada ist schon im 11. Jahrhundert judenfrei. 1148, mit der Invasion der islamischen Almohaden, den Bekennern der Einheit, einer islamischen puritanischen Bewegung, die sich über Nordafrika und den Südteil Spaniens ausbreitet, beginnt die Ausrottung der Juden Andalusiens, so daß diese sich in den Schutz der christlichen Könige im Norden Europas flüchten oder in den Orient auswandern. (18)
Dies zum islamischen und muslimischen Beitrag zur europäischen Kultur, ihren Gesellschaften und Identitäten.
Der BILD-Autor Hugo Müller-Vogg meint, Roland Koch passe mit diesem Projekt nicht ins politisch korrekte Bild. Und wie er da hineinpaßt, dient das Projekt doch der weiteren Islamisierung Europas und der Vorbereitung der Mitgliedschaft der Türkei in der EU. Es ist ganz gleich, was deutsche Politiker über die Mitgliedschaft der Türkei in der EU verlauten lassen, ob sie zwecks Wählerstimmenfang öffentlich dafür oder dagegen eintreten, sie werden nicht müde, der sich immer mehr islamisierenden Türkei den Weg zu bereiten. Derselbe Politiker, der sich über Andrea Ypsilanti und ihr gebrochenes Wahlversprechen aufregt, kann sich den Türken gar nicht genug andienen. Nun hält er den Festvortrag in der Paulskirche und überreicht den Preis. Was kann man von einem Dalai-Lama-Fan anderes erwarten? (19)
Die aristotelische Philosophie wird vom Islam nicht rezipiert, der Perser Ibn Sina befaßt sich damit, weil sein Denken frei und nicht islamisiert ist. Die Logik und die Naturwissenschaften des Aristoteles haben keinen Eingang in den Islam gefunden. Weder Die Metaphysik noch Die Politik sind ins Arabische übersetzt worden. Ausführlich darüber lesen kann man im Buch von Sylvain Gouguenheim Aristote au Mont Saint Michel, Aristoteles auf dem Mont St. Michel. (20)
Solche Erkenntnisse passen linken Intellektuellen überhaupt nicht, ein Kollektiv (sic!) von 56 Forschern der Geschichte und Philosophie des Mittelalters versucht, den Autor mittels Kampagnen in dessen Lyoner Universität fertigzumachen; auch Deutsche beteiligen sich daran. Ich habe darüber zwei Artikel verfaßt. (21)
Jetzt wird dem türkischen Ministerpräsidenten für die Alianza de Civilizaciones der Avicenna-Preis verliehen, und er hält seine Rede in einer Kirche, dieser Mann, der in Köln vor einer jubelnden Menschenmenge von Türken und türkischstämmigen Deutschen erklärt, die Anpassung der Türken an die deutsche Gesellschaft bedeute eine Verletzung der Menschenrechte, der vehement widerspricht, daß es einen moderaten Islam gäbe: Islam is Islam. (22)
Für solche Ansichten, die er mit dem Amt für Religiöse Angelegenheiten Diyanet nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland und anderen europäischen Staaten, vor allem auf dem Balkan durchsetzt, ohne großen Widerstand zu erfahren, wird er jetzt geehrt vom Ministerpräsidenten Roland Koch. Die handverlesenen Mitglieder des 2005 in Frankfurt gegründeten Vereins "Avicenna-Preis" verleihen den mit bis zu 100 000 Euro dotierten Preis, und 3sat weiß: Zu der genauen Höhe des Preisgeldes machte der Verein zunächst keine Angaben. Dies hänge davon ab, welche Projekte die Allianz mit dem Geld unterstützen wolle. Wer, bitte, hat sie handverlesen? Woher kommt das Preisgeld? Welche Projekte sind förderungswürdig? Das wüßte man gern von Hugo Müller-Vogg und von 3sat; sie scheinen es doch zu wissen, oder haben sie nichts hinterfragt? (23)
Ist es das Propagandaprojekt Alliance of Civilizations Media Fund zur Befriedigung des dringenden Bedarfs an ausgewogenerer Berichterstattung über religiöse Minderheiten in den Unterhaltungsmedien? (24)
Vielleicht erfährt man Näheres in der Paulskirche. Referiert Roland Koch dort, inwiefern die Türkei an der Kreuzung der Kulturen liegt? Warum man in der Alianza de Civilizaciones über den Nahostkonflikt und Israel spricht, Israelis aber nirgends vorkommen in dem Projekt und unter den Forumsteilnehmern, wäre auch sehr interessant. Rita Süßmuth wird darüber nichts erwähnen in ihrer Laudatio, Recep Tayyip Erdogan weiß bestimmt nichts Näheres. Gibt´s dafür den Avicenna-Preis?
Der große Gelehrte rotiert in Hamadan im Grabe. (25)
16. April 2009
Update. Das meinen BILD und Tagesspiegel
Die geplante Auszeichnung des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan für seine angeblichen Verdienste um die Verständigung zwischen dem Westen und der islamischen Welt sorgt für großen Wirbel! ... CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zu BILD: "Ich kann Roland Koch nicht verstehen, warum er bei der Preisverleihung an Erdogan mitmacht ..."
Allerdings ist es nicht so, daß Roland Koch den Preis überreichen soll, sondern er will es, schließlich ist er Schirmherr des Avicenna-Preises, wohl wissend, wer ihn geschaffen hat, Türken, im Auftrag ihrer Regierung. (26)
Dass ein Schriftsteller wegen eines Romans mit einer Gefängnisstrafe bedroht wird, passt nicht zum Bild eines Landes, das in die EU aufgenommen werden will. Brüssel fordert immer wieder, die Türkei müsse die Meinungsfreiheit stärken. Doch nicht nur die Justiz stellt sich quer. Dass das Religionsamt ein Urteil über seinen Roman abgab, bringt Gürsel fast noch mehr auf die Palme als die Aussicht auf seinen Prozess. "Das ist eine staatliche Behörde", sagte er über das Religionsamt, das in der Türkei über eine staatstragende Ausrichtung des Islam wacht. "Wie kommt (diese Behörde) denn dazu, ihre Meinung über ein literarisches Werk abzugeben?" (27)
Nun weiß man in etwa, wem am 10. Mai 2009 vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch in der Frankfurter Paulskirche der Avicenna-Preis überreicht werden soll, nämlich Recep Tayyip Erdogan, dem Regierungschef, dem die staatliche Religionsbehörde Diyanet untersteht, die auf ihre Weise für den Brückenbau zwischen Islam und Westen sorgt. Die türkische Regierung finanziert mit 100 000 Euro selbst ihren Preis, der sie in Deutschland aufwerten soll, während sie im eigenen Land Schriftsteller verfolgt, die angeblich den Islam beleidigen. Die Laudatio dazu hält Rita Süßmuth, alle zusammen entweihen den Ort der Preisverleihung und Deutschland demütigt sich einmal mehr vor der islamischen Welt.
17. April 2009
Quellen
(1) Alianza de Civilizaciones. Wikipedia
http://es.wikipedia.org/wiki/Alianza_de_Civilizaciones
(2) Plan Nacional para la Alianza de Civilizaciones. Presidencia del Gobierno
http://www.pnac.es/default.htm
(3) Die Alianza de (Civilizaciones) Terroristas in Aktion.
4. September 2006 / 25. Juni 2007
http://www.eussner.net/artikel_2006-09-04_02-01-08.html
(4) Ministerio de la Presidencia (BOE número 20 de 23/1/2008).
Gobierno de España
http://tinyurl.com/cezcq3
(5) Project for The New American Century
http://www.newamericancentury.org/
(6) El II Foro de la Alianza de Civilizaciones se celebrará en Estambul (Turquía),
los próximos días 6 y 7 de abril. PNAC, 6 de marzo de 2009
http://www.pnac.es/Actualidad/NotasPrensa/Foro+Estambul.htm
The Second Forum of the Alliance of Civilizations, 6-7 April 2009/Istanbul
http://www.aocistanbul.org/default.en.mfa
Khatami, Obama to attend Alliance for Civilizations summit in Istanbul,
Tehran Times, April 5, 2009
http://www.tehrantimes.com/index_View.asp?code=191443
(7) Turkey-EU Relations. The Need for a Discursive Shift. By Ayhan Kaya,
Qantara, Kulturaustausch 2009
http://www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-476/_nr-113 6/i.html
(8) Emine Erdogan. A Photoblog Dedicated to Hijabis, January 18, 2009
http://samah007.wordpress.com/2009/01/18/590/
(9) High Level Group Members. United Nations - Alliance of Civilizations
http://www.unaoc.org/content/view/160/197/lang,english/
(10) The members of the AoC Group of Friends
http://www.unaoc.org/content/view/115/174/lang,english/
(11) Auszüge aus den politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der
türkischen Presse, 8. April 2009
http://www.byegm.gov.tr/yayinlarimiz/tages/alm2009/04/09x04x 08.htm
Allianz der Zivilisationen. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Allianz_der_Zivilisationen
(12) Cost of Conflict in the Middle East.Strategic Foresight Group
http://www.strategicforesight.com/COCME%20-%20preface-conten ts.pdf
(13) AoC Forum. Provisional Program (March 27, 2009), 6-7 April 2009
http://tinyurl.com/cg28tz
(14) Sinan (b. Anatolia, Turkey 1489; d. Istanbul, Turkey 1588)
http://www.greatbuildings.com/architects/Sinan.html
(15) ´Alliance of Civilizations project inspired by Mevlana´.
By Ali H. Aslan & Sezai Kalayci, Today´s Zaman, March 14, 2007
http://tinyurl.com/c28f6a
Dschelal ud Dîn Rumi. Meyers Großes Konversations-Lexikon,
Band 5. Leipzig 1906, S. 231
http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Dschelal+ud+D%C3%AEn+Rumi
(16) Avicenna. Encyclopedia Britannica
http://www.britannica.com/EBchecked/topic/45755/Avicenna
(17) Gotthard Strohmaier: Avicenna, Verlag Ch. Beck, 2. Auflage 2006
http://tinyurl.com/d5npjx
Averroes. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Averro%C3%ABs
(18) Roland Koch ehrt den türkischen Premier Erdogan. Von Hugo Müller-Vogg, BILD.de, 15. April 2009
http://tinyurl.com/dzu8yf
Hasdai Ibn Shaprut (circa 4675-4735; 915-975). Chabad.org Jewish History
http://tinyurl.com/dnk7xm
Das Waqf Al-Andalus. 16. März 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-30-03.html
(19) Avicenna - Preis e.V.
http://avicenna-preis.com/
(20) Aristote au Mont Saint Michel de Sylvain Gouguenheim, Editions du Seuil 2008
http://www.editionsduseuil.fr/
(21) Sylvain Gouguenheim wird in der "Libération" und der "Welt" vorgeführt. 9. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-09_01-25-52.html
Sylvain Gouguenheim: Der Historiker zum Abschießen. 21. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-21_21-37-20.html
(22) Prime Minister objects to ´moderate Islam´ label. Hurriyet Daily News,
April 3, 2009
http://www.hurriyet.com.tr/english/domestic/11360374.asp?scr =1
PM Erdogan: The Term "Moderate Islam" Is Ugly And Offensive; There Is No Moderate Islam; Islam Is Islam. Source: Milliyet, Turkey, August 21, 2007.
Memri Turkish Media Blog
http://www.thememriblog.org/turkey/blog_personal/en/2595.htm
(23) Auszeichnung für Allianz der Zivilisationen. 3sat.de, 8. April 2009
http://tinyurl.com/d8sn94
(24) Alliance of Civilizations Media Fund
http://www.aocmediafund.org/about_us.php
(25) alliance of civilizations turkey at the crossroads of cultures
http://tinyurl.com/d22e5h
Avicenna´s Tomb. By Ali Majdfar
http://www.pbase.com/k_amj/image/69492000
(26) Wirbel um Toleranzpreis-Verleihung Koch soll Preis an Türken-Premier Erdogan überreichen. Von Einar Koch und Jan Meyer, BILD.de, 17. April 2009
http://tinyurl.com/dx4xza
Avicenna-Preis e.V. Vorstand
http://avicenna-preis.com/mitglieder.htm
(27) Allahs Töchter" bringen türkischen Autor vor Gericht. Von Thomas Seibert,
Der Tagesspiegel, 16. April 2009
http://tinyurl.com/crc9a7
Glaubensfreiheit à la DITIB, Politically Incorrect, 17. April 2009
http://www.pi-news.net/2009/04/glaubensfreiheit-a-la-ditib/
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