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"Ihr Bruder kriegt Petrodollars aus dem Nahen Osten, liest man?"

Wolfgang R├Âhl: Warum mich der Casus Kurras nicht interessiert. Von der R├╝ckblende zur Einblende - eine Neufassung des Artikels der Achse des Guten. Was dem einen sein Kurras ist der anderen ihr Kermani. (1)

Tut mir leid, aber der Fall Kermani interessiert mich nicht. Ob die Geschichte des Dialogs mit dem Islam anders verlaufen w├╝rde, wenn man den Fledderer des Buches von Hellmut Ritter beizeiten als Islamisierungs-Hiwi enttarnt h├Ątte? Wom├Âglich schon vor der Aberkennung des Hessischen Kulturpreises, als der Orientalist Bernd Radtke den Schrecken Gottes verrei├čt? W├╝rde, h├Ątte, k├Ânnte. Wer sich immer noch an derlei Hypothesen abarbeitet, darf meines herzhaften G├Ąhnens sicher sein. (2)

Wichtiger, finde ich, ist dies: schon lange, bevor die Aff├Ąre der Aberkennung Schlagzeilen gemacht hat, mu├čte man kein Orientalist sein, um zu wissen, da├č sogenannte fortschrittliche Kreise des Westens im gro├čen Stil von interessierten islamischen Regierungen und den von ihnen gelenkten Muslimvereinigungen unterwandert sind, und da├č dadurch politische Stimmungen des Westens in einem ganz erstaunlichen Ausma├č beeinflu├čt werden. Was sie, die fortschrittlichen Kreise, bis heute nicht wahrhaben wollen ÔÇŽ

Schon die erste deutsche "Islamisierungswelle" der Nachkriegszeit, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre, die ihren H├Âhepunkt mit der Gr├╝ndung Islamischer Zentren wie dem von M├╝nchen, 1964, erreichte, ist ma├čgeblich von Saudi-Arabien und anderen arabischen L├Ąndern gefingert, wie auf den Sites dieser Zentren freim├╝tig enth├╝llt wird. Sa├»d Ramadan macht das gegen├╝ber seinen S├Âhnen sowie in zahlreichen Publikationen ├Âffentlich. Noch mehr tut das heute, und zwar mit Farbe und Geruch, sein Sohn Tariq Ramadan in seinen B├╝chern. (3)

Transmissionsriemen solcher Kampagnen sind ab den 60er Jahren die von Sa├»d Ramadan redigierten islamischen Zeitschriften, wie Al Muslimoon, sowie die im linken Bayernmilieu sehr einflussreiche S├╝ddeutsche Zeitung, die immer begeistert vom Fortschritt des Islams in M├╝nchen berichtet. Halbmond ├╝ber dem M├╝nchner Norden, titelt Walter F├╝rstweger, in der Ausgabe vom 29./30. Juli 1976. Die Tatsache solcher Begeisterung des Blattes f├╝r den Islam ist bis heute bekannt. Wenn auch nicht t├Ąglich, so ziehe ich die S├╝ddeutsche Zeitung ab und zu damit auf. (4)

"Ihr Bruder kriegt Petrodollars aus dem Nahen Osten, liest man?"

F├╝r ordentliche Linke nat├╝rlich Faschospr├╝che. Nur rechtsextreme Blogger k├Ânnen so was schreiben, nur islamophobe Rassisten es glauben. Im Spiegel habe ich noch nie ein W├Ârtchen davon gelesen. Also kann an den Vorw├╝rfen ja nichts dran sein. Erst viel sp├Ąter wird man betr├╝bt erfahren, dass auch manches "Sturmgesch├╝tz der Demokratie" unter den westdeutschen Publikationen, sich gelegentlich im Nahen Osten bedient hat. Nicht allein mit Geld allerdings, aber mit geldwerten Zuwendungen, darunter Reisen in die islamische Welt, zu Forschungen und zu Dialog-Kongressen, deren dort vernommene Argumente die paar noch nicht mundtot gemachten islamskeptischen westdeutschen Politiker und Journalisten isolieren und erledigen sollten.

Wenn ein MSM sich nach heftigem politischen Dissens von der lukrativen Quelle aus dem Nahen Osten abnabelt, was selten genug vorkommt, so tut das den deutschen Pal├Ąstina- und Islam-Sympathisanten weh, doch sie machen Business as usual. Ihre unbeirrbare Mission hei├čt: Islam-Lobby aufbauen. Das sieht so aus: nimmerm├╝de islamische Krypto-Fundamentalisten rekrutieren gutwillige, sehr blau├Ąugige (manchmal auch schlicht alte und vertrottelte) deutsche Kirchenm├Ąnner, P├Ądagogen, K├╝nstler, Sozialdemokraten, Jungsozialisten, Jugend- und Schriftstellerverbandsvorsitzende, Wissenschaftler, Gewerkschafter und andere Friedens- und Fortschrittsinteressierte f├╝r gegen Israel gerichtete Boykottaufrufe und Unterschriftslisten, die den gerade angesagten Interessen der arabischen Staaten und des Iran dienlich sind. Auch Politiker vom ultra-toleranten Fl├╝gel der FDP (ja, den gibt´s auch!) lassen sich durch die in ihrer Partei wirkenden Muslimfunktion├Ąre heutzutage nur zu gern vor den Islam-Karren spannen.

Clever halten sich die Islamfunktion├Ąre dabei im Hintergrund; sie machen haupts├Ąchlich K├Ąrrnerarbeit. Wichtiger ist das unverd├Ąchtige Vorfeld, das nicht direkt unter Allahs gr├╝ner Flagge mit dem Kopf-ab-S├Ąbel firmiert. Die meisten als Kandidaten zu den Wahlen aufgestellten Muslime erzielen zwar immer noch nur marginale Wahlergebnisse, k├Ąmpfen aber desto erfolgreicher f├╝r das B├╝ndnis mit den im Bundestag vertretenen Parteien, wobei sie zwischen linken und rechten keinen Unterschied machen. Wer ein Who is who der Szene besichtigen will, mu├č nur auf die Islamkonferenz des Bundesministers des Innern oder zum j├Ąhrlichen Tag der Offenen T├╝r gehen, wo sie alle zusammenhocken: die Ausl├Ąnderbeauftragten des Bundes und der L├Ąnder, die "T├╝rken-B├Ąrbel", der VIKZ, und die Milli G├Âr├╝s und der ZMD und Norbert Bl├╝m mit Gegnern des Libanon- und des Gazakrieges und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und die Islamische Zeitung und die TAZ und die AG Friedensforschung an der Universit├Ąt Kassel der Studentenavantgarde Hessens; Betreiber der Site Islam und Musik und das Sufi Breathing mit seinem Schaf Annabelle und, und, und. Da i├čt man gemeinsam Izgara K├Âfte, ├çiftlik Pilavi und Halka Tatlisi, trinkt dazu Eiran, zieht sich auch einmal nach dem Tee ´ne Wasserpfeife rein und w├Ąchst zusammen, irgendwie. (5)

Manche vom Islamic chic faszinierte Promis, wie Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, machen allerdings wieder den Abflug. Andere, wie Rita S├╝├čmuth (Bertelsmann-Studie) oder Alois Gl├╝ck (Euro-Islam in Bayern), bleiben den Muslimfunktion├Ąren noch lange treu. Auch andere werden irgendwann wieder austreten, werden aber trotzdem nicht viel kapiert haben. (6)

So lachhaft die Bem├╝hungen manchmal wirken - weder ist die Islamische Zeitung eine richtige Zeitung, noch k├Ąmen mehrheitlich mit Muslimen besetzte Kandidatenlisten auch nur in Sichtweite der 5-Prozent-H├╝rde -, das hartn├Ąckige Einflussagenten-Ger├Âdel hat Erfolg. Die Islamkonferenz der Bundesregierung etwa ist nicht ohne die Unterst├╝tzung b├╝rgerlicher Bl├Ątter und von liberalen Promis m├Âglich, die nicht im Verdacht stehen, morgen zum Islam zu konvertieren. Den Aufrufen zur Demonstration gegen den Gazakrieg und gegen die Mauer durchs Heilige Land, von aus Riyadh, Ankara und Teheran gelenkten sunnitischen und schiitischen Kaderabteilungen mitorganisiert, folgen die Deutschen. (7)

Das sind Zeiten!

Hunderttausende demonstrieren heuer in Berlin und anderswo daf├╝r, da├č Israel den Kassam-Raketen der Hamas nichts anderes entgegensetzen sollte als den frommen Glauben an das Grundgute in den Pal├Ąstinensern. Oder, wie es der Kabarettist Hagen Rether mit unnachahmlicher Einfalt zum Klavier von einem deutschen Hochschulprofessor erz├Ąhlt, der sp├Ąter Papst geworden sei: Der oberste Stichwortgeber f├╝r einen reaktion├Ąren Diskurs hier ist unser Professor. (8)

Methoden und Ausma├č der Unterwanderung bleiben keineswegs geheim. Als bekannt wird - Anla├č sind, meine ich, Er├Ârterungen ├╝ber Ergebnisse der Tagung "Islamic Governance", Islamische Regierungsform, an der K├Âniglichen Akademie f├╝r Islamisches Denken im Amman (Jordanien) - , da├č der ehemalige Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und Konvertit Wilfried Murad Hofmann sich auf Konferenzen produziert, die zur Islamisierung der Welt von interessierter arabischer Seite gesteuert, organisiert und finanziert werden, beispielsweise von der Ahl al-Bayt Foundation for Islamic Thought, in Amman, wo das Ehrenmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland als Vollmitglied der Stiftung wirkt, sorgt das f├╝r keinerlei Furore. Weder konservative noch linke MSM berichten ├╝ber den Aktivisten und n├╝tzlichen Idioten, der offen verk├╝ndet: Wir m├╝ssen durch Parteieintritt - in alle wirklich demokratisch gesinnten Parteien - dazu beitragen, dass die Parteiprogramme islamkonformer werden. Weder demokratische Sozialisten, noch Repr├Ąsentanten der wunderbaren deutschen Kultur machen auf den Kurs der Islamisierungs-U-Boote aufmerksam, das bleibt einigen als rassistisch und islamophob verschrieenen und verp├Ânten Blogs ├╝berlassen. (9)

Auch die linken Sekten, Konkurrenten der Muslimvereinigungen, schlafen. Wer etwa am 17. November 1999 den der britischen Labour Party verbundenen Al-Guardian gelesen h├Ątte, dem w├Ąre klargeworden, wohin die Querverbindungen zwischen den Funktion├Ąren von kommunistischen und sozialistischen Parteien sowie ihren Satellitenorganisationen und denen des Islams f├╝hren: die ersteren servieren sich, akkurat von ihnen selbst flei├čig recherchiert und st├Ąndig aktualisiert, dem Islam auf dem Tablett. (10)

Kurz, ist ja alles bekannt. Wenn man es denn wissen wollte.

Wo man nie oder selten etwas zu dem Thema liest, das ist in der linken und liberalen Presse. Nicht nur die Frankfurter Rundschau, die sich zeit- und streckenweise wie ein Pflichtblatt des Islams liest, schweigt dazu beredt. Auch Magazine oder Bl├Ątter wie Die Zeit oder die S├╝ddeutsche Zeitung. Die ├Âffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten melden schon gar nichts ├╝ber das muntere Treiben der Systemver├Ąnderer, au├čer mal in einem Interview mit Hans-Peter Raddatz. Aber der gilt ja als Ultrarechter, den mu├č man nicht ernst nehmen. Die emsige Westarbeit der arabischen Staaten, der T├╝rkei und des Iran in der Bundesrepublik, sie ist f├╝r die meisten unserer wackeren Recherchier-Journalisten nie ein Thema. Lieber verbei├čen sie sich in die vermeintliche Gefahr von Gl├╝hlampen oder schwelgen endlos in der Aufarbeitung von CDU-Spendenaff├Ąren; gerade so, als ginge dadurch die Demokratie unter. (11)

Und die Buchverlage? Drucken K├╝ng, Kermani, Kiefer und andere islamnahe "Sch├Ângeister" oder die Manifeste von Ideologen des Islams - aber mit Ku├čhand! Doch die B├╝cher von Bat Ye´or finden im Westen seit Jahren weder ├ťbersetzer noch Verlag, der ein Buch wie "Eurabia, die euro-arabische Achse", verlegen m├Âchte. Es ist 2005 in englisch erschienen. (12)

Die Dokumentierung unserer Mediengegenwart, die Versumpfung der "b├╝rgerlichen" Westmedien im islampolitischen Mainstream und die Erfolge der Islam-Westarbeit sind ein Krimi, der f├╝r viele Folgen taugte. Er w├╝rde vielen recht weh tun. Material ohne Ende gibt es dazu im Internet.

Kermani? Fu├čnote der Geschichte.

3. Juni 2009

Quellen

(1) Warum mich der Casus Kurras nicht interessiert. Eine R├╝ckblende.
Von Wolfgang R├Âhl, Achse des Guten, 3. Juni 2009
http://tinyurl.com/qdsx54

(2) Navid Kermani. Im Siegeszug ins Zentrum der Macht. 31. Mai 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-05-31_02-23-12.html

(3) islamisches zentrum. 46 800 Google-Angebote
http://tinyurl.com/qawkg4

Islamisches Zentrum M├╝nchen
http://islamisches-zentrum-muenchen.de/

Historique. Les Fr├Ęres Musulmans. Centre Islamique de Gen├Ęve
http://www.cige.org/cige/historique.html

(4) Islamisches Zentrum M├╝nchen. Wir ├╝ber uns. Geschichte
http://islamisches-zentrum-muenchen.de/html/wir_uber_uns_-_g eschichte.html

(5) AG Friedensforschung an der Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/

Islam und Musik
http://www.nasheed.de/html/islam_und_musik.html

Musik im Islam. Geistige Nahrung
http://www.geistigenahrung.org/ftopic13605.html

Sufi Breathing. CD von Bayer & Deuter (mit Annabelle the Sheep)
http://www.magicmusic.de/details/de-9266/

(6) Die Bertelsmann Stiftung macht uns den Islam schmackhaft.
27. September 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-09-27_23-08-48.html

Penzberg: Imam Benjamin Idriz zeigt Bayerns Landtagspr├Ąsident Alois Gl├╝ck die Moschee. "Euroislam" in Bayern, FAZ, 27. August 2007
http://tinyurl.com/5fqpdr

Die Islamisierung Deutschlands und Europas von M├╝nchen aus. 8. Januar 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-01-08_01-31-17.html

(7) Israel. Eine Mauer durchs Heilige Land. Spiegel.de, 14. Februar 2002
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,175858,00.html

(8) Proteste. Zehntausende protestieren gegen Krieg in Gaza.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,601873,00.h tml

Hagen Rether ├╝ber den Islam ( Jahresr├╝ckblick 29.12.07 ). Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=CxVIWuyPgQY

(9) Wilfried Murad Hofmann, Botschafter a. D. der Bundesrepublik Deutschland,
im Gespr├Ąch mit islam.de. 30. August 2004
http://www.muslimliga.de/archiv/hofmann1.html

(10) Death of Noureddin Kianouri. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, November 6, 1999, The Guardian, November 17, 1999
http://www.cpa.org.au/garchve1/980iran.html

(11) CDU-Spendenaff├Ąre. Aussicht auf Prozessende. (cid), K├Âlnische Rundschau,
11. Mai 2009
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1238775226727.sh tml

(12) Bat Ye┬┤or: Eurabia. The Euro-Arab Axis, Madison. Teaneck Fairleigh Dickinson University Press 2005
http://www.amazon.com/Eurabia-Euro-Arab-Axis-Bat-YeOr/dp/083 864077X


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