Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Mir Hussein Moussavi. Kandidat des Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie vollkommen gleichgültig den europäischen Politikern und MSM das Schicksal der Iraner ist, dann wäre er jetzt, mit dem Theater um die angeblich oder tatsächlich gefälschten Wahlergebnisse erbracht. Niemand weiß wirklich darüber Bescheid, aber alle wissen, es muß sich um Wahlfälschungen handeln; je weiter die Kritiker entfernt sind vom Iran, desto sicherer sind sie sich schon unmittelbar nach der Verkündung des Wahlergebnisses. Haben sie ihre Geheimdienstagenten in jedem Wahllokal?

Woher rührt das Wissen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy? Warum teilt Barack Obama dieses Wissen nicht, warum sieht er keinen großen Unterschied zwischen Mahmud Ahmadinejad und Mir Hussein Moussavi? Warum müssen sich europäische Staatschefs in den Diskussionen positionieren, noch bevor Fakten vorliegen? (1)

Man betrachte bitte das schöne Foto, in den schweizerischen 20minuten, von Mir Hussein Moussavi, zu Füßen des Ayatollahs Ruhollah Khomeini, damals allerdings schon nach links außen abgedrängt: Aufnahme aus den 80er Jahren (v.l.): Premierminister Mussawi, Präsident Chamenei, Generalstaatsanwalt Ardebili und Revolutionsführer Khomeini. (Bild: ghalam.ir).

Omid Marivani meint, Mahmud Ahmadinejad müsse sich wie im falschen Film vorkommen, und da ist er, zumindest, was die europäischen Reaktionen angeht; denn die zeigen totale Identifikation mit dem Wahlverlierer und größere Enttäuschung als die der Anhänger und Wähler des Mir Hussein Moussavi. Der alte Kampfgefährte des Ayatollahs Ruhollah Khomeini wird auf Initiative von Ali Khamenei aus dem Amt des Premierministers entfernt. Nach dem Tod des Revolutionsführers wird die Zusammenarbeit mit Linken als beendet angesehen, als nicht zielfördernd; per Verfassungsgesetz wird das Amt des Premierministers abgeschafft. (2)

Man kennt die Fehlleitung, die unmotivierte Identifikation von Europäern mit ausländischen Staatsmännern schon aus der Reaktion von Politikern und MSM auf Barack Obama in dessen Wahlkampf; sie schaffen es mit ihren Kampagnen, daß 80 Prozent der Franzosen und 78 Prozent der Deutschen ihn gewählt hätten. Sie bedürfen der Führer, der Gewißheit, auf der richtigen Seite zu stehen; die wollen sie jetzt wieder, und da es sich herumgesprochen hat, daß Mahmud Ahmadinejad mit seiner Politik wirklich nichts unternimmt, den strategischen und wirtschaftlichen Interessen der Europäer ein klitzekleines Mäntelchen der Rechtfertigung umzuhängen, muß er aus dem Amt wech - so wie Barack Obama hinein mußte.

Der Online-Auftritt des Figaro widmet dem Kampf zwischen Mir Hussein Moussavi und dem Ayatollah Ali Khamenei heute, am 17. Juni 2009, die ersten drei Artikel der Startseite, und er richtet wie zur Wahlkampfzeit des Barack Obama ein eigenes Dossier ein. Der wiedergewählte Präsident Mahmud Ahmadinejad weilt inzwischen in Moskau und kommt in den MSM nicht weiter vor. Es analysieren an den Schreibtischen in Paris und Washington Redakteure und Korrespondenten, es berichten vom Ort des Geschehens neben allerlei hinter Kürzeln und Vornamen wie Mohammad verborgene Anonyme die unvermeidliche Delphine Minoui und der Starkorrespondent Georges Malbrunot, letzterer in gewohnter Kompetenz und Sachlichkeit, was heuer selten ist in den MSM. (3)

Le Figaro verlinkt zum Blog des in Washington lebenden Briten Andrew Sullivan The Daily Dish, einem Auftritt der US-amerikanischen Zeitschrift The Atlantic. Danke, Figaro!

Der Blogger ist ein je nach Laune politisch auf diversen Hochzeiten tanzender politischer Journalist, dessen libertär-neokonservativ-liberal-demokratische Sympathien von Ron Paul über George W. Bush und John Kerry bis Barack Obama reichen können, womit er gutes Geld macht. (4)

Diesmal tut er in Demokratenart seine Enttäuschung über die verpatzte Wahl kund, wirft CNN seine Berichterstattung vor, die ausnahmsweise nicht von Anfang an parteiisch ist, und blendet alles aus, was einer Information über Tatsachen nahekommen könnte, ist doch Mir Hussein Moussavi in diesen Kreisen bekannt als ein inzwischen der politischen Pragmatik zugewandter ehemaliger linker Islamfundamentalist, als ehemaliger islamfundamentalistischer Linker, der es noch nicht gebracht hat zum Barack Hussein Obama auf iranisch: û na-midûneh, he can´t. (5)

Die meisten der angeblich so modernen und fortschrittlichen Twitter lassen sich einspannen für einen Machtkampf unter Ayatollahs. Die westlichen Politiker und MSM machen mit, weil sie bei der Wahl des Mir Hussein Moussavi einen Vorwand bekämen, weiterhin nichts gegen die atomare Aufrüstung des Irans zu unternehmen; denn dann ginge es scheinbar aufwärts mit der Demokratie im Iran, dann machte es nichts, daß der neue Präsident, was die Urananreicherung angeht, genauso eingestellt wäre wie sein Vorgänger und wie alle vom Religionsführer autorisierten Präsidentschaftskandidaten. Politische wie Frauenzeitschriften könnten endlich über bunte Blümchentschadore schreiben, die Pinguine würden in den großen Städten seltener, die Demokratie wäre zum Greifen nahe.

Nicht alle aber twittern sich so durch die Illusionen, sondern in der von mir zufällig angeklickten Stichprobe, dem Auftritt von Farhad, Change_for_Iran, sind in 20 Beiträgen auch andere Töne zu vernehmen, wobei es mit der Kenntnis der Revolutionsgeschichte und der Fakten nicht weit her ist: (6)

  • Es handelt sich um den Einsatz der Revolutionsgarden des Ali Khamenei zur Schwächung der Armee;
  • einer der Armee-Kommandeure, der die Unterstützung des Volkes hat, soll verhaftet werden;
  • wenn Armee und Revolutionsgarden gegeneinander kämpfen, wird die Armee verlieren;
  • das mit der Verhaftung war ein Gerücht;
  • ich weiß nicht, wer sie sind;
  • ich weiß, daß er der Religionsführer werden sollte, und Ali Khamenei zwang ihn ins Exil;
  • Heil Hussein (Imam der Schiiten) führt zu Mir Hussein (erster Name von Moussavi);
  • wir schauen mal in die Universität und die Studentenwohnheime. Masood meint, Karoubis Partei-Hauptquartier werde ein sicherer Ort sein, Neuigkeiten zu erfahren;
  • ist es wieder Israels Verschwörung? Also, Du denkst so ähnlich wie unsere Führer;
  • wirklich?

Delphine Minoui, interviewt allerlei Personen, die sich verständlicherweise nicht mit ihrem Namen exponieren wollen. Ein anonymer iranischer Analyst sagt ihr: Wenn der Oberste Religionsführer [Ali Khamenei] es heute vorzieht, die Karte Ahmadinejad zu spielen, in dem er die militärischen Werte den religiösen vorzieht, dann ist es, weil er sich in Gefahr sieht durch Rafsanjani. (7)

Es wundert niemanden im Figaro, daß Mir Hussein Moussavi von eben dem Ayatollah bei seiner Kandidatur unterstützt wird, dem Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani, der Chef des Gremiums ist, das den Obersten Religionsführer einsetzt. Seit Anfang der 80er Jahre, noch zu Zeiten des Revolutionsführers, versucht Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani seinen Widersacher Ayatollah Ali Khamenei von der Macht zu verdrängen, er bedient sich dazu auch des Mir Hussein Moussavi, der seit den ersten Jahren der islamischen Revolution in gewissermaßen natürlicher Gegenerschaft zu Ali Khamenei lebt.

Was heißt es, daß sich Ali Khamenei mehr auf die militärischen als auf die religiösen Werte verläßt? Was bedeutet es für ihn, wenn durch die Wahlen die religiösen Werte obsiegen? Es wäre sein politisches Ende. Darum hat er 2005 den relativ jungen Mahmud Ahmadinejad, Jahrgang 1956, gegen den alten korrupten Erdnußbauernsohn, Jahrgang 1934, antreten lassen, und darum bedient sich Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani heute des dynamisch und modern auftretenden, bei der Jugend beliebten Mir Hussein Moussavi. Es ist kein Kampf zwischen diesem und dem Religionsführer, sondern einer unter den beiden Ayatollahs um die Macht.

Ali Khamenei hätte eine Kandidatur des Mir Hussein Moussavi sicherlich nicht gestattet, wenn er dessen Sieg für möglich gehalten hätte. Die Mehrheiten stehen fest, sie werden bestimmt von den erzkonservativen Wählern auf dem Lande. Umfragen vor der Wahl haben einen Sieg Mahmud Ahmadinejads vorausgesagt, die durch europäische MSM mit süffisanten Bemerkungen kommentierte Verteilung von Kartoffeln unter den Armen wäre zur Gewinnung von Stimmen nicht nötig gewesen.

Bei einem Sieg Mir Hussein Moussavis hätte die Macht des Vorsitzenden des Expertenrates Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani dahin geführt, daß dieser den Ali Khamenei seines Amtes enthoben hätte. Das ist der Grund, warum er den Gegenkandidaten stützt. Neuwahlen würden nichts ändern; man kann sogar davon ausgehen, daß noch mehr Anhänger und Wähler des Mahmud Ahmadinejad zur Wahl gingen, die flotten Twitter und Facebook-Füller aber diese Disziplin wahrscheinlich nicht aufbrächten. (8)

Es wird nirgends hinterfragt, warum ausgerechnet Grün die Farbe der Anhänger des Mir Hussein Moussavi ist, wenn auch meist ein leichteres Grün als das islamische. Der Grund dafür, daß die Protestierenden von den Dächern Allahu Akbar rufen, soll nach MSM-Berichten sein, daß sie damit unantastbar würden für die Polizei. Das weiß beispielsweise Arian Faal, in der Wiener Zeitung. Hieße das, wenn Demonstranten auf den Straßen das riefen, wären sie ebenfalls unantastbar, oder gilt das nur für Menschen auf Häuserdächern? Warum meinen die MSM, ihr Publikum verdummen zu können? Die das rufen, demonstrieren, daß sie nichts gegen den Gottesstaat einzuwenden haben, sie wollen nur nicht mehr diesen verkniffenen, Mahdi-gläubigen Griesgram Mahmud Ahmadinejad, und sie wollen mehr Freiheiten. Man erinnere sich an die Demonstrationen in der DDR. Wer nicht alles wollte diesen sozialistischen Staat beibehalten und nur mehr Freiheiten? Linke in der Bundesrepublik haben sich dem angeschlossen und den Erhalt der DDR gefordert.

Die Proteste werden, wie die Wiener Zeitung weiter berichtet, durch Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani bestimmt: Mittlerweile ist durchgesickert, dass niemand Geringerer als der zweitmächtigste Mann Irans, der Chef des Experten- und Schlichtungsrates Ali Hashemi-Rafsanjani, nach einem heftigen Disput mit Khamenei die Überprüfung des Wahlresultats dringend gefordert hat und Khamenei aufgrund des Drucks der Straße und zur Beruhigung der Lage diesen Wunsch gewährte.

Er lenkt auch die Bazaris, die noch niemals liberal gewesen sind: In Teheran blieb zudem der Bazar, wo viele Freunde Rafsanjanis den Ton angeben, laut Medienberichten zumindest teilweise geschlossen, was als ein starkes Zeichen an die Regierung gewertet werden kann. Rafsanjani gab zudem am Dienstag ein Presse-Kommuniqué heraus, in dem er klarstellte, dass er nicht wie gemeldet von seinen Ämtern als Vorsitzender des Expertenrats und des Schlichtungsrats zurückgetreten sei [sic!]. Und, so der Kardinal Richelieu des Iran in einem weiteren Seitenhieb an Khamenei und Ahmadinejad, sollten sich einige fragen, was derzeit in dem Land los sei und entsprechend reagieren.

Was heißt es, wenn diese Ankündigung gemacht wird? "Wir sind bereit zu sterben und werden erst wieder gehen, wenn wir unser Ziel erreicht haben", erklärt Lale Hayai mit fester Stimme. Das ist Islam pur, und die schiitische Variante ist darin die konsequenteste. (9)

Wenn der Machtkampf zwischen den Ayatollahs zugunsten von Neuwahlen ausgeht, wird sich nichts am Wahlergebnis ändern, im Gegenteil, Mahmud Ahmadinejad wird noch mehr Stimmen erhalten. Sollte das wider Erwarten anders verlaufen, also Mir Hussein Moussavi gewinnen, dann wären die Tage des Religionsführers Ali Khamenei gezählt, und Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani wäre endlich am Ziel.

Das würde für Israel bedeuten, daß es neben seinem Palästinenserproblem ein weiteres Imageproblem zu bewältigen hätte. Diejenigen in aller Welt, die sich von Mir Hussein Moussavi einen Politikwechsel versprechen, würden entgegen den Tatsachen den neuen Präsidenten, diesen Mitstreiter der ersten Stunde des Ayatollah Ruhollah Khomeini, für moderat halten, und Israel wäre wieder in der Rolle des Friedensstörers. Zur Zeit seines Wirkens als Premierminister ist mit dem Nuklearprogramm begonnen worden.

Die Europäer hätten einen triftigen Grund, zur Ankurbelung der iranischen Wirtschaft die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran zu fordern und durchzusetzen, die USA könnten dabei nicht zurückstehen und würden das unter Barack Obama auch sicherlich nicht wollen. Die neue Regierung bekäme unbegrenzt Zeit, weiter am Atomprogramm zu arbeiten.

Der Blogger Jeffrey Goldberg verreißt in The Atlantic die fundierten Argumente eines israelischen Geheimdienstmitarbeiters. Linke wissen eben immer alles besser als Experten, die sich täglich mit den Tatsachen herumzuschlagen haben. Sie werden als Zyniker hingestellt, wenn sie nur ihre Erfahrungen vermitteln: Meir Dagan, der Oberste Zyniker [anscheinend analog gemeint zum Obersten Religionsführer] erzählt einem Knesset-Komitee, daß die Demonstrationen im Iran in den nächsten Tagen enden werden, und [das habe] auch ein Gutes, weil Ahmadinejad ein der Welt leicht zu erklärender Feind ist. Während er das Argument nachvollziehen kann, stößt es ihn gleichzeitig ab, vielleicht weil ich hauptsächlich die Sorge habe, welche Iraner die Bombe besitzen. Für ihn ist es wie für die Europäer selbstverständlich, daß sie entwickelt wird. Er stellt die rhetorische Frage, ob er vielleicht naiv sei. Er meint, die Protestierenden in den Straßen wären nicht von der Art, die ihr Land in eine nukleare Konfrontation mit Israel führen wollten, nicht aus Liebe zu Israel, sondern weil sie vernünftig genug wären, für die Verbesserung ihres Lebens zu arbeiten, sie wollten eine Regierung, die den außenpolitischen Abenteuern des Irans Grenzen setzt. Das zeigt die Unkenntnis der einfachsten Gesetze des Islams, das ist Naivität reinsten Wassers, naiver geht´s gar nicht. (10)

Mir Hussein Moussavi, ist der Kandidat des Ayatollahs Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani. Welche Rolle dieser und die anderen Revolutionäre in Bezug auf Israel spielen, ist seit mindestens 30 Jahren bekannt. 2005 habe ich dazu ausführlich berichtet im Artikel Der Iran bedroht den Weltfrieden.

Am 14. Dezember 2000 ruft der vom Westen als moderat bezeichnete Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani zur nuklearen Vernichtung Israels auf. In der Liste Iran Calls for the Destruction of Israel, vom November 2003, findet man unter 48 Vernichtungsdrohungen des Iran gegen Israel, eine diesbezügliche Äußerung des ehemaligen Präsidenten während einer Freitagspredigt. Sie wird vom iranischen Khabar TV verbreitet: "Wenn eines Tages, eines sicherlich sehr wichtigen Tages, die islamische Welt ebenfalls mit den Waffen bestückt sein wird, die Israel jetzt zur Verfügung stehen, wird die imperialistische Strategie in eine Sackgasse geraten, weil der Einsatz von nur einer Atombombe innerhalb Israels dieses von der Erdoberfläche auslöschen wird, aber (eine solche Bombe) würde der islamischen Welt nur Schaden zufügen ..."

Diesen Schaden, den die islamische Welt davontragen würde, hält der Geistliche nicht für ein Hindernis. Er will seine Glaubensgenossen opfern. Sie hätten keine Wahl, als sich selbst zu opfern, sie hätten nichts zu verlieren, verdreht er die Tatsachen; denn wenn die iranische Regierung durch den Abwurf einer Atombombe Tausende von Menschen opfert, so ist diese Regierung die Täterin und nicht die ermordeten Menschen, Juden und Muslime.

Eine solche Äußerung hat weder die westeuropäischen noch die russischen Geschäftspartner des Iran erschaudern lassen. Der Ayatollah erklärt vor aller Welt, daß der Iran an dem Tage, da er im Besitz einer Atombombe ist, Israel auslöschen wird. (11)

Diese Einstellung Israel gegenüber im Verbund mit dem angeblich moderaten Mir Hussein Moussavi ist für Israel insofern verhängnisvoller als die gegenwärtige Konstellation, weil der Ahmadinejad-Negativ-Faktor wegfiele. Auch Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani gilt im Gegensatz zu Ayatollah Ali Khamenei als moderat. Es hätte sich nichts geändert, aber die leicht zu beeindruckenden Europäer und weite Teile der USA fielen immer tiefer in ihre Illusionen. Die Bedrohung Israels und des Westens, das Nuklearprogramm und die Unterstützung des Terrorismus würden weitergehen, nur die Präsentation der Politik würde sich ändern, der sympathisch wirkende Mir Hussein Moussavi wäre deshalb gefährlicher als der aufrechte Mahmud Ahmadinejad. Die innenpolitischen Folgen sind dabei noch nicht berücksichtigt, die zu erwartenden blutigen Kämpfe zwischen den Lagern von Ayatollah Ali Khamenei und Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani.

John Le Fevre gibt eine Einschätzung des Mir Hussein Moussavi:

Zur Zeit als Premierminister, 1980 bis 1989, ist er ein eben solcher Hardliner wie Mahmud Ahmadinejad. 60 Prozent der 70 Millionen Iraner sind heute jünger als 28 Jahre, sie haben zur Zeit der islamischen Revolution nicht gelebt und die Geiselnahme von 52 Amerikanern sowie ihre 444-tägige Gefangenschaft kennen sie nur aus Erzählungen. 1981 rechtfertigt er die Geiselnahme; in einem Interview mit der New York Times erklärt er, sie sei "der zweite Abschnitt unserer Revolution" ... "Es war danach, daß wir unsere wahre islamische Identität wiederentdeckt haben." Als Ayatollah Ruhollah Khomeini die Todes-Fatwa über Salman Rushdie verhängt, erklärt Mir Hussein Moussavi, der Befehl werde ausgeführt.

Als Premierminister ist er Teil eines Regimes, das Dissidenten umgebracht hat, und Anfang dieses Jahres erklärt er der Financial Times, daß er als Präsident die Urananreicherung nicht anhalten würde, sie sollte aber nicht zu militärischen Zwecken genutzt werden.

In den letzten 20 Jahren ist er abwesend aus der Politik des Irans. Er ist Maler und er leitet seit zehn Jahren das staatliche Kunstzentrum. Die lange Abwesenheit aus der Politik wirke jetzt zu seinen Gunsten. Als Reformer sei er dennoch nicht sehr viel mehr links als Mahmud Ahmadinejad.

Er spricht Israel das Existenzrecht ab wie alle iranischen Machthaber. Während Mahmud Ahmadinejad den Holocaust leugnet, verurteile er die Ermordung von Juden. Er sei für die Rechte der Frauen, er habe die iranische Wirtschaft erfolgreich durch den Irakkrieg geführt und werde gesehen als ein Hoffnungsschimmer in einem Land, in dem es 30 Prozent Arbeitslosigkeit gibt. Die iranischen Jugendlichen seien für wen auch immer, der Wechsel verkörpere.

Dennoch bleibt die Ironie, daß Moussavi, sollte er seine Anhänger auffordern, gegen das Wahlergebnis zu protestieren, eben das System herausfordern würde, für das er gekämpft hat - bevor die meisten seiner Unterstützer geboren waren. (12)

Trotz der Hundertausenden, die jetzt für Mir Hussein Moussavi auf die Straßen gehen: es wird so kommen, wie Meir Dagan voraussagt.

17. Juni 2009

Update

Änderung im Bereich der Anmerkung 9 nach Beschwerde von Dr. Arian Faal.

Die Verdummung durch die MSM findet selbstverständlich nicht dadurch statt, daß Korrespondenten gemeint hätten, die Opposition trüge Grün, um die Polizei abzuschrecken, was nirgends zu lesen oder zu hören ist, sondern sie besteht darin, daß Dr. Arian Faal behauptet, von den Dächern Allahu Akbar rufende Protestierende würden dadurch für die Polizei unantastbar. Als wenn die Rollkommandos von Diktatoren sich jemals um Worte gekümmert hätten. Bei mir geht´s dann so weiter: Hieße das, wenn Demonstranten auf den Straßen das riefen, wären sie ebenfalls unantastbar, oder gilt das nur für Menschen auf Häuserdächern? Warum meinen die MSM, ihr Publikum verdummen zu können? Die das rufen, demonstrieren, daß sie nichts gegen den Gottesstaat einzuwenden haben, sie wollen nur nicht mehr diesen verkniffenen, Mahdi-gläubigen Griesgram Mahmud Ahmadinejad, und sie wollen mehr Freiheiten.

Im Handelsblatt liest man, was es mit den Allahu Akbar-rufen auf sich hat. Viele klettern auf die Dächer ihrer Häuser und rufen "Allahu Akbar". Das heißt: "Gott ist groß" – und erinnert an vergangene revolutionäre Zeiten. ... Damit erinnerte die Opposition symbolträchtig an die Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979, als die Bewohner auf Geheiß von Ayatollah Chomeini "Allahu Akbar" von den Dächern riefen. (13)

Heute, nach dreißig Jahren Mollah-Diktatur, demonstrieren sie symbolträchtig, daß sie wieder eine Islamische Revolution wie 1979 wollen, nichts anderes ist das; denn sonst bedienten sie sich nicht dieses Schlachtrufes - oder wissen die Anhänger des Mir Hussein Moussavi nicht, wohin die Errichtung der Islamischen Republik geführt hat? Wo waren sie die letzten dreißig Jahre, wo leben sie heute, daß sie meinen, an Ayatollah Ruhollah Khomeini erinnern zu müssen?

Die Frage, warum die Anhänger des Mir Hussein Moussavi, die angeblich Demokratie wollen, ausgerechnet die Islamfarbe Grün wählen, hat noch niemand beantwortet.

20. Juni 2009

Quellen

(1) Obama: Keine Schützenhilfe für Moussavi. APA, Die Presse, 17. Juni 2009
http://tinyurl.com/kvlr43

(2) Zwei alte Rivalen ringen um die Macht. Von Omid Marivani, 20minuten,
16. Juni 2009
http://www.20min.ch/news/dossier/iran/story/10533087

(3) Dossier spécial. L´Iran en crise, Le Figaro
http://www.lefigaro.fr/international/election-iran.php

De Bagdad à Jérusalem : L´Orient indiscret. Le blog de notre envoyé spécial Georges Malbrunot
http://blog.lefigaro.fr/malbrunot/

Chroniques orientales. Le blog de notre envoyée spéciale Delphine Minoui
http://blog.lefigaro.fr/iran/delphine-minoui.html

(4) Andrew Sullivan. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Sullivan

(5) English Language Twitters In Iran. By Andrew Sullivan, The Daily Dish,
June 14, 2009
http://tinyurl.com/kwt2vx

(6) Iranian Student. Where Is My Vote? Change_for_Iran. As of June 17, 2009
http://twitter.com/change_for_iran

(7) Au coeur de la société iranienne en quête d´une nouvelle voie.
Par Delphine Minoui, Le Figaro, 17 juin 2009, p. 2
http://tinyurl.com/kpwt6q

(8) The Leader or Leadership Council. Iranian Government Constitution
http://www.iranonline.com/iran/iran-info/Government/constitu tion-8.html

(9) Iran: Angst vor der großen Revolte. Von Arian Faal, Wiener Zeitung,
17. Juni 2009
http://tinyurl.com/nec49c

(10) Mossad Head: Ahmadinejad Good for Israel. Jeffrey Goldberg,
The Atlantic, June 16, 2009
http://tinyurl.com/mz8thc

(11) Iran Calls for the Destruction of Israel. Intelligence and Terrorism Information
Center at the Center for Special Studies (C.S.S) Special Information Bulletin,
November 2003
http://tinyurl.com/56udl7

Der Iran bedroht den Weltfrieden. 30. Oktober 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-10-30_19-00-02.html

(12) Ahmadinejad led 1979 terror siege of US Embassy in Teheran,
ex-captives say. By israelinsider staff February 4, 2007
http://web.israelinsider.com/Articles/Politics/10565.htm

Who is Hossein Moussavi? By John Le Fevre, Thaindian News,
June 15, 2009
http://tinyurl.com/m3k6yu

(13) "Alluha Akbar"-Rufe erschallen in ganz Teheran.
Handelsblatt.com, 19. Juni 2009
http://tinyurl.com/lbwfyq

Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani in meinem Archiv
http://tinyurl.com/nwrj6v

Mahmud Ahmadinejad in meinem Archiv
http://tinyurl.com/mantpt


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite