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Mir Hussein Moussavi. Kandidat des Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani

Wenn es noch eines Beweises bedurft h√§tte, wie vollkommen gleichg√ľltig den europ√§ischen Politikern und MSM das Schicksal der Iraner ist, dann w√§re er jetzt, mit dem Theater um die angeblich oder tats√§chlich gef√§lschten Wahlergebnisse erbracht. Niemand wei√ü wirklich dar√ľber Bescheid, aber alle wissen, es mu√ü sich um Wahlf√§lschungen handeln; je weiter die Kritiker entfernt sind vom Iran, desto sicherer sind sie sich schon unmittelbar nach der Verk√ľndung des Wahlergebnisses. Haben sie ihre Geheimdienstagenten in jedem Wahllokal?

Woher r√ľhrt das Wissen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy? Warum teilt Barack Obama dieses Wissen nicht, warum sieht er keinen gro√üen Unterschied zwischen Mahmud Ahmadinejad und Mir Hussein Moussavi? Warum m√ľssen sich europ√§ische Staatschefs in den Diskussionen positionieren, noch bevor Fakten vorliegen? (1)

Man betrachte bitte das sch√∂ne Foto, in den schweizerischen 20minuten, von Mir Hussein Moussavi, zu F√ľ√üen des Ayatollahs Ruhollah Khomeini, damals allerdings schon nach links au√üen abgedr√§ngt: Aufnahme aus den 80er Jahren (v.l.): Premierminister Mussawi, Pr√§sident Chamenei, Generalstaatsanwalt Ardebili und Revolutionsf√ľhrer Khomeini. (Bild: ghalam.ir).

Omid Marivani meint, Mahmud Ahmadinejad m√ľsse sich wie im falschen Film vorkommen, und da ist er, zumindest, was die europ√§ischen Reaktionen angeht; denn die zeigen totale Identifikation mit dem Wahlverlierer und gr√∂√üere Entt√§uschung als die der Anh√§nger und W√§hler des Mir Hussein Moussavi. Der alte Kampfgef√§hrte des Ayatollahs Ruhollah Khomeini wird auf Initiative von Ali Khamenei aus dem Amt des Premierministers entfernt. Nach dem Tod des Revolutionsf√ľhrers wird die Zusammenarbeit mit Linken als beendet angesehen, als nicht zielf√∂rdernd; per Verfassungsgesetz wird das Amt des Premierministers abgeschafft. (2)

Man kennt die Fehlleitung, die unmotivierte Identifikation von Europ√§ern mit ausl√§ndischen Staatsm√§nnern schon aus der Reaktion von Politikern und MSM auf Barack Obama in dessen Wahlkampf; sie schaffen es mit ihren Kampagnen, da√ü 80 Prozent der Franzosen und 78 Prozent der Deutschen ihn gew√§hlt h√§tten. Sie bed√ľrfen der F√ľhrer, der Gewi√üheit, auf der richtigen Seite zu stehen; die wollen sie jetzt wieder, und da es sich herumgesprochen hat, da√ü Mahmud Ahmadinejad mit seiner Politik wirklich nichts unternimmt, den strategischen und wirtschaftlichen Interessen der Europ√§er ein klitzekleines M√§ntelchen der Rechtfertigung umzuh√§ngen, mu√ü er aus dem Amt wech - so wie Barack Obama hinein mu√üte.

Der Online-Auftritt des Figaro widmet dem Kampf zwischen Mir Hussein Moussavi und dem Ayatollah Ali Khamenei heute, am 17. Juni 2009, die ersten drei Artikel der Startseite, und er richtet wie zur Wahlkampfzeit des Barack Obama ein eigenes Dossier ein. Der wiedergew√§hlte Pr√§sident Mahmud Ahmadinejad weilt inzwischen in Moskau und kommt in den MSM nicht weiter vor. Es analysieren an den Schreibtischen in Paris und Washington Redakteure und Korrespondenten, es berichten vom Ort des Geschehens neben allerlei hinter K√ľrzeln und Vornamen wie Mohammad verborgene Anonyme die unvermeidliche Delphine Minoui und der Starkorrespondent Georges Malbrunot, letzterer in gewohnter Kompetenz und Sachlichkeit, was heuer selten ist in den MSM. (3)

Le Figaro verlinkt zum Blog des in Washington lebenden Briten Andrew Sullivan The Daily Dish, einem Auftritt der US-amerikanischen Zeitschrift The Atlantic. Danke, Figaro!

Der Blogger ist ein je nach Laune politisch auf diversen Hochzeiten tanzender politischer Journalist, dessen libert√§r-neokonservativ-liberal-demokratische Sympathien von Ron Paul √ľber George W. Bush und John Kerry bis Barack Obama reichen k√∂nnen, womit er gutes Geld macht. (4)

Diesmal tut er in Demokratenart seine Entt√§uschung √ľber die verpatzte Wahl kund, wirft CNN seine Berichterstattung vor, die ausnahmsweise nicht von Anfang an parteiisch ist, und blendet alles aus, was einer Information √ľber Tatsachen nahekommen k√∂nnte, ist doch Mir Hussein Moussavi in diesen Kreisen bekannt als ein inzwischen der politischen Pragmatik zugewandter ehemaliger linker Islamfundamentalist, als ehemaliger islamfundamentalistischer Linker, der es noch nicht gebracht hat zum Barack Hussein Obama auf iranisch: √Ľ na-mid√Ľneh, he can´t. (5)

Die meisten der angeblich so modernen und fortschrittlichen Twitter lassen sich einspannen f√ľr einen Machtkampf unter Ayatollahs. Die westlichen Politiker und MSM machen mit, weil sie bei der Wahl des Mir Hussein Moussavi einen Vorwand bek√§men, weiterhin nichts gegen die atomare Aufr√ľstung des Irans zu unternehmen; denn dann ginge es scheinbar aufw√§rts mit der Demokratie im Iran, dann machte es nichts, da√ü der neue Pr√§sident, was die Urananreicherung angeht, genauso eingestellt w√§re wie sein Vorg√§nger und wie alle vom Religionsf√ľhrer autorisierten Pr√§sidentschaftskandidaten. Politische wie Frauenzeitschriften k√∂nnten endlich √ľber bunte Bl√ľmchentschadore schreiben, die Pinguine w√ľrden in den gro√üen St√§dten seltener, die Demokratie w√§re zum Greifen nahe.

Nicht alle aber twittern sich so durch die Illusionen, sondern in der von mir zufällig angeklickten Stichprobe, dem Auftritt von Farhad, Change_for_Iran, sind in 20 Beiträgen auch andere Töne zu vernehmen, wobei es mit der Kenntnis der Revolutionsgeschichte und der Fakten nicht weit her ist: (6)

  • Es handelt sich um den Einsatz der Revolutionsgarden des Ali Khamenei zur Schw√§chung der Armee;
  • einer der Armee-Kommandeure, der die Unterst√ľtzung des Volkes hat, soll verhaftet werden;
  • wenn Armee und Revolutionsgarden gegeneinander k√§mpfen, wird die Armee verlieren;
  • das mit der Verhaftung war ein Ger√ľcht;
  • ich wei√ü nicht, wer sie sind;
  • ich wei√ü, da√ü er der Religionsf√ľhrer werden sollte, und Ali Khamenei zwang ihn ins Exil;
  • Heil Hussein (Imam der Schiiten) f√ľhrt zu Mir Hussein (erster Name von Moussavi);
  • wir schauen mal in die Universit√§t und die Studentenwohnheime. Masood meint, Karoubis Partei-Hauptquartier werde ein sicherer Ort sein, Neuigkeiten zu erfahren;
  • ist es wieder Israels Verschw√∂rung? Also, Du denkst so √§hnlich wie unsere F√ľhrer;
  • wirklich?

Delphine Minoui, interviewt allerlei Personen, die sich verst√§ndlicherweise nicht mit ihrem Namen exponieren wollen. Ein anonymer iranischer Analyst sagt ihr: Wenn der Oberste Religionsf√ľhrer [Ali Khamenei] es heute vorzieht, die Karte Ahmadinejad zu spielen, in dem er die milit√§rischen Werte den religi√∂sen vorzieht, dann ist es, weil er sich in Gefahr sieht durch Rafsanjani. (7)

Es wundert niemanden im Figaro, da√ü Mir Hussein Moussavi von eben dem Ayatollah bei seiner Kandidatur unterst√ľtzt wird, dem Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani, der Chef des Gremiums ist, das den Obersten Religionsf√ľhrer einsetzt. Seit Anfang der 80er Jahre, noch zu Zeiten des Revolutionsf√ľhrers, versucht Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani seinen Widersacher Ayatollah Ali Khamenei von der Macht zu verdr√§ngen, er bedient sich dazu auch des Mir Hussein Moussavi, der seit den ersten Jahren der islamischen Revolution in gewisserma√üen nat√ľrlicher Gegenerschaft zu Ali Khamenei lebt.

Was hei√üt es, da√ü sich Ali Khamenei mehr auf die milit√§rischen als auf die religi√∂sen Werte verl√§√üt? Was bedeutet es f√ľr ihn, wenn durch die Wahlen die religi√∂sen Werte obsiegen? Es w√§re sein politisches Ende. Darum hat er 2005 den relativ jungen Mahmud Ahmadinejad, Jahrgang 1956, gegen den alten korrupten Erdnu√übauernsohn, Jahrgang 1934, antreten lassen, und darum bedient sich Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani heute des dynamisch und modern auftretenden, bei der Jugend beliebten Mir Hussein Moussavi. Es ist kein Kampf zwischen diesem und dem Religionsf√ľhrer, sondern einer unter den beiden Ayatollahs um die Macht.

Ali Khamenei h√§tte eine Kandidatur des Mir Hussein Moussavi sicherlich nicht gestattet, wenn er dessen Sieg f√ľr m√∂glich gehalten h√§tte. Die Mehrheiten stehen fest, sie werden bestimmt von den erzkonservativen W√§hlern auf dem Lande. Umfragen vor der Wahl haben einen Sieg Mahmud Ahmadinejads vorausgesagt, die durch europ√§ische MSM mit s√ľffisanten Bemerkungen kommentierte Verteilung von Kartoffeln unter den Armen w√§re zur Gewinnung von Stimmen nicht n√∂tig gewesen.

Bei einem Sieg Mir Hussein Moussavis h√§tte die Macht des Vorsitzenden des Expertenrates Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani dahin gef√ľhrt, da√ü dieser den Ali Khamenei seines Amtes enthoben h√§tte. Das ist der Grund, warum er den Gegenkandidaten st√ľtzt. Neuwahlen w√ľrden nichts √§ndern; man kann sogar davon ausgehen, da√ü noch mehr Anh√§nger und W√§hler des Mahmud Ahmadinejad zur Wahl gingen, die flotten Twitter und Facebook-F√ľller aber diese Disziplin wahrscheinlich nicht aufbr√§chten. (8)

Es wird nirgends hinterfragt, warum ausgerechnet Gr√ľn die Farbe der Anh√§nger des Mir Hussein Moussavi ist, wenn auch meist ein leichteres Gr√ľn als das islamische. Der Grund daf√ľr, da√ü die Protestierenden von den D√§chern Allahu Akbar rufen, soll nach MSM-Berichten sein, da√ü sie damit unantastbar w√ľrden f√ľr die Polizei. Das wei√ü beispielsweise Arian Faal, in der Wiener Zeitung. Hie√üe das, wenn Demonstranten auf den Stra√üen das riefen, w√§ren sie ebenfalls unantastbar, oder gilt das nur f√ľr Menschen auf H√§userd√§chern? Warum meinen die MSM, ihr Publikum verdummen zu k√∂nnen? Die das rufen, demonstrieren, da√ü sie nichts gegen den Gottesstaat einzuwenden haben, sie wollen nur nicht mehr diesen verkniffenen, Mahdi-gl√§ubigen Griesgram Mahmud Ahmadinejad, und sie wollen mehr Freiheiten. Man erinnere sich an die Demonstrationen in der DDR. Wer nicht alles wollte diesen sozialistischen Staat beibehalten und nur mehr Freiheiten? Linke in der Bundesrepublik haben sich dem angeschlossen und den Erhalt der DDR gefordert.

Die Proteste werden, wie die Wiener Zeitung weiter berichtet, durch Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani bestimmt: Mittlerweile ist durchgesickert, dass niemand Geringerer als der zweitm√§chtigste Mann Irans, der Chef des Experten- und Schlichtungsrates Ali Hashemi-Rafsanjani, nach einem heftigen Disput mit Khamenei die √úberpr√ľfung des Wahlresultats dringend gefordert hat und Khamenei aufgrund des Drucks der Stra√üe und zur Beruhigung der Lage diesen Wunsch gew√§hrte.

Er lenkt auch die Bazaris, die noch niemals liberal gewesen sind: In Teheran blieb zudem der Bazar, wo viele Freunde Rafsanjanis den Ton angeben, laut Medienberichten zumindest teilweise geschlossen, was als ein starkes Zeichen an die Regierung gewertet werden kann. Rafsanjani gab zudem am Dienstag ein Presse-Kommuniqu√© heraus, in dem er klarstellte, dass er nicht wie gemeldet von seinen √Ąmtern als Vorsitzender des Expertenrats und des Schlichtungsrats zur√ľckgetreten sei [sic!]. Und, so der Kardinal Richelieu des Iran in einem weiteren Seitenhieb an Khamenei und Ahmadinejad, sollten sich einige fragen, was derzeit in dem Land los sei und entsprechend reagieren.

Was hei√üt es, wenn diese Ank√ľndigung gemacht wird? "Wir sind bereit zu sterben und werden erst wieder gehen, wenn wir unser Ziel erreicht haben", erkl√§rt Lale Hayai mit fester Stimme. Das ist Islam pur, und die schiitische Variante ist darin die konsequenteste. (9)

Wenn der Machtkampf zwischen den Ayatollahs zugunsten von Neuwahlen ausgeht, wird sich nichts am Wahlergebnis √§ndern, im Gegenteil, Mahmud Ahmadinejad wird noch mehr Stimmen erhalten. Sollte das wider Erwarten anders verlaufen, also Mir Hussein Moussavi gewinnen, dann w√§ren die Tage des Religionsf√ľhrers Ali Khamenei gez√§hlt, und Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani w√§re endlich am Ziel.

Das w√ľrde f√ľr Israel bedeuten, da√ü es neben seinem Pal√§stinenserproblem ein weiteres Imageproblem zu bew√§ltigen h√§tte. Diejenigen in aller Welt, die sich von Mir Hussein Moussavi einen Politikwechsel versprechen, w√ľrden entgegen den Tatsachen den neuen Pr√§sidenten, diesen Mitstreiter der ersten Stunde des Ayatollah Ruhollah Khomeini, f√ľr moderat halten, und Israel w√§re wieder in der Rolle des Friedensst√∂rers. Zur Zeit seines Wirkens als Premierminister ist mit dem Nuklearprogramm begonnen worden.

Die Europ√§er h√§tten einen triftigen Grund, zur Ankurbelung der iranischen Wirtschaft die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran zu fordern und durchzusetzen, die USA k√∂nnten dabei nicht zur√ľckstehen und w√ľrden das unter Barack Obama auch sicherlich nicht wollen. Die neue Regierung bek√§me unbegrenzt Zeit, weiter am Atomprogramm zu arbeiten.

Der Blogger Jeffrey Goldberg verrei√üt in The Atlantic die fundierten Argumente eines israelischen Geheimdienstmitarbeiters. Linke wissen eben immer alles besser als Experten, die sich t√§glich mit den Tatsachen herumzuschlagen haben. Sie werden als Zyniker hingestellt, wenn sie nur ihre Erfahrungen vermitteln: Meir Dagan, der Oberste Zyniker [anscheinend analog gemeint zum Obersten Religionsf√ľhrer] erz√§hlt einem Knesset-Komitee, da√ü die Demonstrationen im Iran in den n√§chsten Tagen enden werden, und [das habe] auch ein Gutes, weil Ahmadinejad ein der Welt leicht zu erkl√§render Feind ist. W√§hrend er das Argument nachvollziehen kann, st√∂√üt es ihn gleichzeitig ab, vielleicht weil ich haupts√§chlich die Sorge habe, welche Iraner die Bombe besitzen. F√ľr ihn ist es wie f√ľr die Europ√§er selbstverst√§ndlich, da√ü sie entwickelt wird. Er stellt die rhetorische Frage, ob er vielleicht naiv sei. Er meint, die Protestierenden in den Stra√üen w√§ren nicht von der Art, die ihr Land in eine nukleare Konfrontation mit Israel f√ľhren wollten, nicht aus Liebe zu Israel, sondern weil sie vern√ľnftig genug w√§ren, f√ľr die Verbesserung ihres Lebens zu arbeiten, sie wollten eine Regierung, die den au√üenpolitischen Abenteuern des Irans Grenzen setzt. Das zeigt die Unkenntnis der einfachsten Gesetze des Islams, das ist Naivit√§t reinsten Wassers, naiver geht´s gar nicht. (10)

Mir Hussein Moussavi, ist der Kandidat des Ayatollahs Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani. Welche Rolle dieser und die anderen Revolution√§re in Bezug auf Israel spielen, ist seit mindestens 30 Jahren bekannt. 2005 habe ich dazu ausf√ľhrlich berichtet im Artikel Der Iran bedroht den Weltfrieden.

Am 14. Dezember 2000 ruft der vom Westen als moderat bezeichnete Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani zur nuklearen Vernichtung Israels auf. In der Liste Iran Calls for the Destruction of Israel, vom November 2003, findet man unter 48 Vernichtungsdrohungen des Iran gegen Israel, eine diesbez√ľgliche √Ąu√üerung des ehemaligen Pr√§sidenten w√§hrend einer Freitagspredigt. Sie wird vom iranischen Khabar TV verbreitet: "Wenn eines Tages, eines sicherlich sehr wichtigen Tages, die islamische Welt ebenfalls mit den Waffen best√ľckt sein wird, die Israel jetzt zur Verf√ľgung stehen, wird die imperialistische Strategie in eine Sackgasse geraten, weil der Einsatz von nur einer Atombombe innerhalb Israels dieses von der Erdoberfl√§che ausl√∂schen wird, aber (eine solche Bombe) w√ľrde der islamischen Welt nur Schaden zuf√ľgen ..."

Diesen Schaden, den die islamische Welt davontragen w√ľrde, h√§lt der Geistliche nicht f√ľr ein Hindernis. Er will seine Glaubensgenossen opfern. Sie h√§tten keine Wahl, als sich selbst zu opfern, sie h√§tten nichts zu verlieren, verdreht er die Tatsachen; denn wenn die iranische Regierung durch den Abwurf einer Atombombe Tausende von Menschen opfert, so ist diese Regierung die T√§terin und nicht die ermordeten Menschen, Juden und Muslime.

Eine solche √Ąu√üerung hat weder die westeurop√§ischen noch die russischen Gesch√§ftspartner des Iran erschaudern lassen. Der Ayatollah erkl√§rt vor aller Welt, da√ü der Iran an dem Tage, da er im Besitz einer Atombombe ist, Israel ausl√∂schen wird. (11)

Diese Einstellung Israel gegen√ľber im Verbund mit dem angeblich moderaten Mir Hussein Moussavi ist f√ľr Israel insofern verh√§ngnisvoller als die gegenw√§rtige Konstellation, weil der Ahmadinejad-Negativ-Faktor wegfiele. Auch Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani gilt im Gegensatz zu Ayatollah Ali Khamenei als moderat. Es h√§tte sich nichts ge√§ndert, aber die leicht zu beeindruckenden Europ√§er und weite Teile der USA fielen immer tiefer in ihre Illusionen. Die Bedrohung Israels und des Westens, das Nuklearprogramm und die Unterst√ľtzung des Terrorismus w√ľrden weitergehen, nur die Pr√§sentation der Politik w√ľrde sich √§ndern, der sympathisch wirkende Mir Hussein Moussavi w√§re deshalb gef√§hrlicher als der aufrechte Mahmud Ahmadinejad. Die innenpolitischen Folgen sind dabei noch nicht ber√ľcksichtigt, die zu erwartenden blutigen K√§mpfe zwischen den Lagern von Ayatollah Ali Khamenei und Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani.

John Le Fevre gibt eine Einschätzung des Mir Hussein Moussavi:

Zur Zeit als Premierminister, 1980 bis 1989, ist er ein eben solcher Hardliner wie Mahmud Ahmadinejad. 60 Prozent der 70 Millionen Iraner sind heute j√ľnger als 28 Jahre, sie haben zur Zeit der islamischen Revolution nicht gelebt und die Geiselnahme von 52 Amerikanern sowie ihre 444-t√§gige Gefangenschaft kennen sie nur aus Erz√§hlungen. 1981 rechtfertigt er die Geiselnahme; in einem Interview mit der New York Times erkl√§rt er, sie sei "der zweite Abschnitt unserer Revolution" ... "Es war danach, da√ü wir unsere wahre islamische Identit√§t wiederentdeckt haben." Als Ayatollah Ruhollah Khomeini die Todes-Fatwa √ľber Salman Rushdie verh√§ngt, erkl√§rt Mir Hussein Moussavi, der Befehl werde ausgef√ľhrt.

Als Premierminister ist er Teil eines Regimes, das Dissidenten umgebracht hat, und Anfang dieses Jahres erkl√§rt er der Financial Times, da√ü er als Pr√§sident die Urananreicherung nicht anhalten w√ľrde, sie sollte aber nicht zu milit√§rischen Zwecken genutzt werden.

In den letzten 20 Jahren ist er abwesend aus der Politik des Irans. Er ist Maler und er leitet seit zehn Jahren das staatliche Kunstzentrum. Die lange Abwesenheit aus der Politik wirke jetzt zu seinen Gunsten. Als Reformer sei er dennoch nicht sehr viel mehr links als Mahmud Ahmadinejad.

Er spricht Israel das Existenzrecht ab wie alle iranischen Machthaber. W√§hrend Mahmud Ahmadinejad den Holocaust leugnet, verurteile er die Ermordung von Juden. Er sei f√ľr die Rechte der Frauen, er habe die iranische Wirtschaft erfolgreich durch den Irakkrieg gef√ľhrt und werde gesehen als ein Hoffnungsschimmer in einem Land, in dem es 30 Prozent Arbeitslosigkeit gibt. Die iranischen Jugendlichen seien f√ľr wen auch immer, der Wechsel verk√∂rpere.

Dennoch bleibt die Ironie, da√ü Moussavi, sollte er seine Anh√§nger auffordern, gegen das Wahlergebnis zu protestieren, eben das System herausfordern w√ľrde, f√ľr das er gek√§mpft hat - bevor die meisten seiner Unterst√ľtzer geboren waren. (12)

Trotz der Hundertausenden, die jetzt f√ľr Mir Hussein Moussavi auf die Stra√üen gehen: es wird so kommen, wie Meir Dagan voraussagt.

17. Juni 2009

Update

√Ąnderung im Bereich der Anmerkung 9 nach Beschwerde von Dr. Arian Faal.

Die Verdummung durch die MSM findet selbstverst√§ndlich nicht dadurch statt, da√ü Korrespondenten gemeint h√§tten, die Opposition tr√ľge Gr√ľn, um die Polizei abzuschrecken, was nirgends zu lesen oder zu h√∂ren ist, sondern sie besteht darin, da√ü Dr. Arian Faal behauptet, von den D√§chern Allahu Akbar rufende Protestierende w√ľrden dadurch f√ľr die Polizei unantastbar. Als wenn die Rollkommandos von Diktatoren sich jemals um Worte gek√ľmmert h√§tten. Bei mir geht´s dann so weiter: Hie√üe das, wenn Demonstranten auf den Stra√üen das riefen, w√§ren sie ebenfalls unantastbar, oder gilt das nur f√ľr Menschen auf H√§userd√§chern? Warum meinen die MSM, ihr Publikum verdummen zu k√∂nnen? Die das rufen, demonstrieren, da√ü sie nichts gegen den Gottesstaat einzuwenden haben, sie wollen nur nicht mehr diesen verkniffenen, Mahdi-gl√§ubigen Griesgram Mahmud Ahmadinejad, und sie wollen mehr Freiheiten.

Im Handelsblatt liest man, was es mit den Allahu Akbar-rufen auf sich hat. Viele klettern auf die D√§cher ihrer H√§user und rufen "Allahu Akbar". Das hei√üt: "Gott ist gro√ü" ‚Äď und erinnert an vergangene revolution√§re Zeiten. ... Damit erinnerte die Opposition symboltr√§chtig an die Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979, als die Bewohner auf Gehei√ü von Ayatollah Chomeini "Allahu Akbar" von den D√§chern riefen. (13)

Heute, nach drei√üig Jahren Mollah-Diktatur, demonstrieren sie symboltr√§chtig, da√ü sie wieder eine Islamische Revolution wie 1979 wollen, nichts anderes ist das; denn sonst bedienten sie sich nicht dieses Schlachtrufes - oder wissen die Anh√§nger des Mir Hussein Moussavi nicht, wohin die Errichtung der Islamischen Republik gef√ľhrt hat? Wo waren sie die letzten drei√üig Jahre, wo leben sie heute, da√ü sie meinen, an Ayatollah Ruhollah Khomeini erinnern zu m√ľssen?

Die Frage, warum die Anh√§nger des Mir Hussein Moussavi, die angeblich Demokratie wollen, ausgerechnet die Islamfarbe Gr√ľn w√§hlen, hat noch niemand beantwortet.

20. Juni 2009

Quellen

(1) Obama: Keine Sch√ľtzenhilfe f√ľr Moussavi. APA, Die Presse, 17. Juni 2009
http://tinyurl.com/kvlr43

(2) Zwei alte Rivalen ringen um die Macht. Von Omid Marivani, 20minuten,
16. Juni 2009
http://www.20min.ch/news/dossier/iran/story/10533087

(3) Dossier sp√©cial. L´Iran en crise, Le Figaro
http://www.lefigaro.fr/international/election-iran.php

De Bagdad √† J√©rusalem : L´Orient indiscret. Le blog de notre envoy√© sp√©cial Georges Malbrunot
http://blog.lefigaro.fr/malbrunot/

Chroniques orientales. Le blog de notre envoyée spéciale Delphine Minoui
http://blog.lefigaro.fr/iran/delphine-minoui.html

(4) Andrew Sullivan. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Sullivan

(5) English Language Twitters In Iran. By Andrew Sullivan, The Daily Dish,
June 14, 2009
http://tinyurl.com/kwt2vx

(6) Iranian Student. Where Is My Vote? Change_for_Iran. As of June 17, 2009
http://twitter.com/change_for_iran

(7) Au coeur de la soci√©t√© iranienne en qu√™te d´une nouvelle voie.
Par Delphine Minoui, Le Figaro, 17 juin 2009, p. 2
http://tinyurl.com/kpwt6q

(8) The Leader or Leadership Council. Iranian Government Constitution
http://www.iranonline.com/iran/iran-info/Government/constitu tion-8.html

(9) Iran: Angst vor der großen Revolte. Von Arian Faal, Wiener Zeitung,
17. Juni 2009
http://tinyurl.com/nec49c

(10) Mossad Head: Ahmadinejad Good for Israel. Jeffrey Goldberg,
The Atlantic, June 16, 2009
http://tinyurl.com/mz8thc

(11) Iran Calls for the Destruction of Israel. Intelligence and Terrorism Information
Center at the Center for Special Studies (C.S.S) Special Information Bulletin,
November 2003
http://tinyurl.com/56udl7

Der Iran bedroht den Weltfrieden. 30. Oktober 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-10-30_19-00-02.html

(12) Ahmadinejad led 1979 terror siege of US Embassy in Teheran,
ex-captives say. By israelinsider staff February 4, 2007
http://web.israelinsider.com/Articles/Politics/10565.htm

Who is Hossein Moussavi? By John Le Fevre, Thaindian News,
June 15, 2009
http://tinyurl.com/m3k6yu

(13) "Alluha Akbar"-Rufe erschallen in ganz Teheran.
Handelsblatt.com, 19. Juni 2009
http://tinyurl.com/lbwfyq

Ayatollah Ali-Akbar Hashemi Rafsanjani in meinem Archiv
http://tinyurl.com/nwrj6v

Mahmud Ahmadinejad in meinem Archiv
http://tinyurl.com/mantpt


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