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Frankreich. Legalisierung des Kopftuchs durch die Hintert√ľr

In der Papierausgabe des Figaro findet man, am 9. Juli 2009, einen Artikel von C√©cilia Gabizon zu Auseinandersetzungen unter den Muslimen √ľber das Verbot des Niqab und der Burka. Der Imam aus Bordeaux Mahmoud Doua, Mitglied der Vereinigung der Muslimbr√ľder Union des Organisations Islamiques de France (UOIF), erkl√§rt in der Fernsehsendung "Mots crois√©s", auf France 2, am 29. Juni 2009, die Burka sei vom Koran nicht vorgeschrieben, er w√§re aber trotzdem gegen ein gesetzliches Verbot, weil es keinen p√§dagogischen Wert h√§tte. "F√ľr den Fall ausgepr√§gter Unterdr√ľckung gibt es Sozialdienste." Ein Gesetz gegen die Burka berge "das Risiko der Stigmatisierung der muslimischen Gemeinschaft", hatte dieser als streng bekannte Imam vorgebracht. Ein Blick auf sein Foto best√§tigt die Einsch√§tzung, Mahmoud Doua ist ein Muslim, der wei√ü, was er f√ľr sich und f√ľr den Islam will. Der Imam lehrt aushilfsweise im Fach Anthropologie der arabisch-islamischen Welt der Universit√§t Bordeaux III, er ist Besch√§ftigter im √∂ffentlichen Dienst des laizistischen Staates Frankreich.

Seine √Ąu√üerungen mi√üfallen in noch fundamentalistischeren Kreisen, und er wird daraufhin von zwei Salafisten, die meinen, er h√§tte die Muslime nicht gut vertreten, mit Fu√ütritten angegriffen und niedergestreckt. Sie wohnen im selben Viertel wie er. Die Polizei ermittelt, um die zwei jungen M√§nner, les deux jeunes gens, zu identifizieren.

Ein anderer Imam bef√ľrchtet weitere derartige Angriffe von den Salafisten des Viertels, "weil die Salafisten zerst√∂rte Jugendliche sind", die oftmals einem ausl√§ndischen Guru folgten. Wen meint er? Osama bin Laden? Yusuf al Qaradawi? Tariq Ramadan? C√©cilia Gabizon fragt ihn nicht. Unter dem Zwischentitel Expertenanh√∂rung l√§√üt sie alle zu Wort kommen, die eine Meinung zum Thema haben, vor allem diejenigen, die parti pris sind, parteiisch, den Conseil fran√ßais du culte musulman (CFCM), der P√§dagogie bef√ľrwortet, und dessen Pr√§sident Mohammed Moussaoui erkl√§rt, die Burka sei "keine koranische Vorschrift", was der von Marokko gelenkte (sic!) Rassemblement des musulmans de France (RMF) unterst√ľtze, sie berichtet √ľber die UOIF, die daran erinnert, da√ü bestimmte Gelehrte die Burka empfehlen. Der Grund daf√ľr sei, da√ü die UOIF sich nicht den Salafisten entfremden wolle.

Alle lehnen es ab, da√ü der Staat sich einmischt, aber wagen trotzdem nicht, eine religi√∂se Meinung (eine Fatwa?) zum Verbot der Burka in Frankreich zu √§u√üern. Weder C√©cilia Gabizon noch Mahmoud Doua noch die befragten Imame scheinen jemals vom Gesetz, vom 15. M√§rz 2004, √ľber die Laizit√§t in Frankreich vernommen zu haben, es wird inhaltlich nicht erw√§hnt, es hei√üt nur, der CFCM habe bei der Debatte √ľber die religi√∂sen Symbole in der Schule geschickt laviert und schlie√ülich den Respekt des Gesetzes empfohlen. Der Staat im Staate, in Gestalt der Muslimvereinigungen hat die Gro√üz√ľgigkeit, die Einhaltung eines Gesetzes in Frankreich zuzulassen, und so berichtet es der Figaro. (1)

Dann aber kommt C√©cilia Gabizon auf den Punkt: Paradoxerweise gibt die aktuelle Debatte ihm (dem CFCM) die Gelegenheit zu betonen, wenn auch die Burka exzessiv ist, so ist das Kopftuch eine "koranische Verpflichtung". Ein Prinzip, das in der ersten Polemik gegen das Kopftuch nicht mit solchem Nachdruck betont worden ist, wo man noch dabei war, sich zu fragen √ľber die Art der √úbertragung in den modernen Westen von Empfehlungen, die aus dem 7. Jahrhundert stammen. Seitdem sind die Positionen verh√§rtet.

Am 1. Juli 2009 werden die ersten Experten durch die Abgeordneten der mission d´information befragt, um das Ph√§nomen Burka besser zu begreifen. Die Betonung habe weniger auf dem Religi√∂sen als auf der Gleichheit von Mann und Frau sowie auf Problemen der Sicherheit und des Abdriftens ins Sektiererische gelegen. (2)

Die Rolle der Debatte √ľber Burka und Niqab

Im Artikel Frankreich. Die Burka auf dem Vormarsch in V√©nissieux gibt´s in deutscher Sprache Informationen zum Stand der Debatten sowie √ľber Andr√© G√©rin, den kommunistischen B√ľrgermeister, der sich neuerdings zum Vorreiter im Kampf gegen die totale Verschleierung der muslimischen Frauen aufschwingt, nachdem er 25 Jahre der Islamisierung seines Ortes V√©nissieux Vorschub geleistet hat. Dort laufen inzwischen mehr als 100 ganzk√∂rperverschleierte Frauen herum. Jetzt w√§hlt er die Strategie der Vorw√§rtsverteidigung, jetzt ist er Avantgarde im Kampf gegen die Burka, das Gef√§ngnis aus Stoff. Ist das alles? (3)

Ich bin auf die Machenschaften dieses B√ľrgermeisters und auf die Emp√∂rung des Vertreters der Coordination contre le Racisme et l´Islamophobie (CRI) Abdelaziz Chaambi hereingefallen, auf seinen von 89 Parlamentariern getragenen Entwurf der Resolution Nr. 1725 zur Einsetzung einer Untersuchungskommission √ľber das Tragen der Burka und auf das Gezeter dar√ľber auf der Website Oumma.com. (4)

Es l√§uft vielmehr von Nicolas Sarkozy bis zum letzten Hinterhof-Imam in Frankreich eine koordinierte Kampagne zur Wiederbelebung der Kopftuch-Diskussion zur Aush√∂hlung des Gesetzes vom 15. M√§rz 2004, oder, wenn der B√ľrgermeister und seine parlamentarischen Mitstreiter nicht eingebunden sind, w√§re das eine exemplarische Demonstration, wie Muslimvereinigungen mit den begriffsstutzigen Kuffar umspringen, um ihre Macht im Staate auszudehnen. Einen Anschub eigener Art bekommt die Kampagne durch die Schelte, die der US-Pr√§sident in seiner Kairoer Rede, vom 4. Juni 2009, gegen diejenigen westlichen Regierungen losl√§√üt, die es wagen, die Gleichberechtigung der Frauen aktiv durchzusetzen. In den USA nennt man solchen Einsatz Affirmative Action und Positive Discrimination. (5)

Im letzten Teil seiner Rede erkl√§rt Barack Obama zum Thema Religionsfreiheit: Genauso wichtig f√ľr westliche L√§nder ist es zu vermeiden, muslimische B√ľrger abzuhalten von der Praktizierung ihrer Religion, so wie sie es f√ľr richtig halten - zum Beispiel, zu diktieren, welche Kleidung eine muslimische Frau tragen sollte. Wir k√∂nnen nicht Feindseligkeit gegen irgendeine Religion verbergen hinter dem Vorwand des Liberalismus. (6)

Nicolas Sarkozy f√ľhlt sich umgehend angesprochen, noch dazu, da Barack Obama seine Ansichten beim anschlie√üenden Parisbesuch wiederholt. Wie immer machen Politiker und MSM beflissen mit, die Diskussion breitet sich aus, und in diesem Rahmen erh√§lt der Imam aus Bordeaux Mahmoud Doua im Sender France 2 ein Forum, seine dezidierte Meinung √ľber die Pflicht der Musliminnen zum Kopftuch auszudr√ľcken. (7)

Zur Erinnerung: France 2 ist eben der Sender, der die L√ľgen des Charles Enderlin √ľber die angeblich gezielte T√∂tung, also die Ermordung des Mohammed al-Dura an der Netzarim-Kreuzung von Gaza, am 30. September 2000, durch israelische Sch√ľtzen weltweit und kostenlos verbreitet und bis heute nichts zur√ľckgenommen hat. In meinem Archiv findet man reichlich Material dazu. (8)

In Frankreich ist es wie in Deutschland, wer sich informieren will, der lese Websites und Blogs. Bonapartine gibt auf der Site Riposte la√Įque dem Imam von Bordeaux einige Antworten auf √Ąu√üerungen wie diese: "Der Staat hat nicht die Sichtbarkeit von religi√∂sen Praktiken zu regeln, au√üer dann, wenn die √∂ffentliche Ordnung gest√∂rt wird ... Sie akzeptieren die extreme Entschleierung, man mu√ü dann auch die extreme Verh√ľllung akzeptieren." √úber religi√∂se Symbole in der Schule habe der Imam nicht gesprochen und keiner der Mitdiskutanten, auch nicht die anderer Meinung, h√§tte ihn ermutigt, sich vor den Fernsehzuschauern √ľber das Tragen des Kopftuchs in der republikanischen und laizistischen Schule zu √§u√üern. Entgegen der Argumentation in bestimmten Medien sei n√§mlich die Frage des Tragens des Kopftuchs in der Schule und das Tragen der Burka im √∂ffentlichen Raum nicht weit voneinander entfernt.

Der lange Artikel ist lesenswert, er bringt eine F√ľlle von Argumenten, die f√ľr unsere westliche Demokratie selbstverst√§ndlich sind, die aber nicht nur von fundamentalistischen Muslimen, sondern auch von Vertretern unserer Gesellschaft in Frage gestellt oder gering geachtet werden. (9)

André Gérin hält am 1. Juli 2009 vor Abgeordneten und Vertretern feministischer und laizistischer Vereinigungen eine flammende Rede, in der er fragt: Im Jahr 2002 haben sich zwei unproblematische 19 und 20 Jahre alte Jungen, die Arbeit hatten, in Guantánamo wiedergefunden. Ich möchte bis heute noch immer wissen, weil selbst die Justiz nicht geantwortet hat, wer den Schädel unserer Jungen vollgestopft hat, die sich in Afghanistan, in Pakistan und schließlich in Guantánamo wiedergefunden haben. Das ist nicht als rhetorische Frage gemeint, sondern er scheint wirklich keine Ahnung zu haben.

Herr B√ľrgermeister, die von Ihnen geh√§tschelten fundamentalistischen Imame und sonstigen Vertreter der Muslimvereinigungen, die Ihnen den Sch√§del und was sonst noch vollgestopft haben, denen Sie daf√ľr seit 25 Jahren freie Hand lassen, und die ihren Sch√§fchen zum Dank immer wieder empfehlen, den Parti Communiste und damit den willigen Helfer der Islamisierung zu w√§hlen, die haben auch den Sch√§del unserer Jungen vollgestopft .

Wohin die Reise gehen soll mit der Debatte √ľber Burka und Niqab formuliert er so: Wir m√ľssen gegen√ľber dem Islam unsere Komplexe verlieren. Ja, man mu√ü denen die Hand reichen, die einen toleranten und aufgekl√§rten Islam wollen, aber es mu√ü die Macht der Fundamentalisten und Integristen zur√ľckgedr√§ngt werden. Man mu√ü die moderaten Muslime unterst√ľtzen, damit sie endlich das Wort ergreifen und dieser schweigenden Mehrheit erlauben, aus ihrem Schweigen hervor- und in den Vordergrund zu treten. (10)

Identifiziert als Fundamentalisten und Integristen werden alsbald diejenigen Muslime, die meinen ihre Frauen und M√§dchen in Niqab oder Burka stecken zu m√ľssen, und die moderaten, das sind dann, angef√ľhrt von der UOIF, diejenigen, die sich mit dem Kopftuch begn√ľgen.

Sie erkl√§ren es auf ihrer Website zur Pflicht der Musliminnen, das Kopftuch zu tragen: Sich st√ľtzend auf ein Hadith (Wort) des Propheten Mohammed (pbuh), schlie√üt eine gro√üe Anzahl von juristischen Ratgebern, da√ü das Gesicht und die H√§nde nicht zu den K√∂rperteilen geh√∂ren, die unbedingt zu bedecken sind, und meint deshalb, da√ü den Gesichtsschleier zu tragen, keine Verpflichtung ist. (11)

Zum Thema Niqab erkl√§rt die UOIF: Es versteht sich, da√ü die UOIF sich f√ľr diejenige Position ausspricht, √ľber die Einvernehmen herrscht, das hei√üt f√ľr das Kopftuch (Hijab). Getreu ihrer Verhaltensregeln ma√üt sich die UOIF nicht das Recht an, die anderen Ansichten zu verbergen und meint, da√ü es die Freiheit (sic!) einer jeden ist, die Kleidung und die Meinung zu w√§hlen, wie sie will, vorausgesetzt, da√ü sie es freiwillig tut, ohne jeden Zwang, und da√ü ihre Wahl √ľberlegt geschieht und freiwillig √ľbernommen wird. (12)

Es wird deutlich, was die Muslimvereinigungen, allen voran die UOIF, mit der Debatte um Niqab und Burka bezwecken: die Legalisierung des Kopftuchs. Der B√ľrgermeister von V√©nissieux und seine 89 Mitstreiter unterst√ľtzen die UOIF dabei, ob bewu√üt oder nicht, ist irrelevant f√ľr den Erfolg der Strategie. Die Vertreter der Muslimvereinigungen wissen, wie absto√üend die Ganzk√∂rperverschleierung auf unsere Gesellschaft wirkt, deshalb befehlen sie ihren Frauen, die sie in solche S√§cke gesteckt haben, jetzt eine Weile vom Markt in V√©nissieux und √ľberhaupt aus dem √∂ffentlichen Stra√üenbild fernzubleiben, um somit nicht das ganze Projekt der Islamisierung zu gef√§hrden. Um den harten Kern der Fundamentalisten nicht zu sehr gegen sich aufzubringen, wendet sich der Imam der UOIF gegen ein Gesetz zum Verbot der Burka.

Es funktioniert, wie es im Oktober 2005 in Kopenhagen funktionieren sollte, aber der Dummheit und Gier der dortigen Imame wegen nicht funktioniert hat. Tariq Ramadan eilt in die Stadt, in der die ersten Demonstrationen der Mohammed-Karikaturen wegen stattfinden. Der "moderate" Muslim wiegelt ab. In Kopenhagen werden Strategien abgesprochen, aber die Deppen Abu Laban und Ahmad Akkari halten sich nicht daran. Sie reisen sogar mit drei zusätzlichen viel schlimmeren Karikaturen in der arabischen Welt herum, sie können nicht warten; denn es steht schon jetzt das Gerangel um die Macht in Eurabien an. Es ist nachzulesen in meinem Artikel Dr. Tariq Ramadan in Kopenhagen. (13)

In Frankreich soll das nicht noch einmal geschehen, die Muslimfunktion√§re haben gelernt. Man kann getrost davon ausgehen, da√ü es Muslimbr√ľdern wie Mahmoud Doua v√∂llig gleichg√ľltig ist, ob Frauen in S√§cken mit oder ohne Gitter und Sehschlitzen herumlaufen, darum sprechen sich die Vertreter der UOIF auch nicht dagegen aus. Wichtig aber ist es, nicht einen √§hnlichen Negativeffekt zu erzielen wie seinerzeit mit den zus√§tzlichen Mohammed-Karikaturen und √ľberhaupt mit dem Aufruhr, n√§mlich die westliche Welt ins Gr√ľbeln zu bringen, ob das mit dem Islam, der angeblich Frieden ist, vielleicht doch nicht so stimmt. Die mit Niqab oder Burka verkleideten Frauen werden ins Haus befohlen, low profile ist angesagt.

Den kl√ľgeren unter den Muslimfunktion√§ren ist jetzt vor allem eines wichtig: die Verbreitung des Islams in Frankreich mu√ü sichtbar werden, und das geschieht am besten durch die Musliminnen, die das Kopftuch kennzeichnet wie die Rinderherden das Brandmal: it´s all ours! (14)

Wichtig ist nur eines, das Gesetz gegen das Kopftuch in der Schule und in Beh√∂rden zu Fall zu bringen, dazu der erste Schritt zuerst, alles andere kommt sp√§ter. Nie war die Gelegenheit dazu so g√ľnstig wie jetzt; denn wieder wird die Gefahr der Ausbreitung des Totalitarismus nicht erkannt, vom Pr√§sidenten Nicolas Sarkozy angefangen, √ľber Eric Besson, den Minister f√ľr Immigration, Integration und Identit√§t (hei√üt wirklich so!), er hat nicht einmal etwas gegen die Ganzk√∂rperverschleierung, bis hin zum Spiegelfechter Andr√© G√©rin und zur Redakteurin C√©cilia Gabizon, im Figaro - wenn man ihnen allen nicht b√∂se Absicht unterstellen will. Fragen sollte man allerdings, woher der pl√∂tzliche Eifer gegen Burka und Niqab kommt. (15)

Frankreichs Pr√§sident Nicolas Sarkozy wird sich eines Tages die Verhinderung der Ganzk√∂rperverschleierung durch diplomatisches Geschick sowie die Abschaffung des Gesetzes, vom 15. M√§rz 2004, auf die Fahnen schreiben und damit bei Barack Obama und den Herrschern der islamischen Staaten gleichzeitig punkten. Alle M√§dchen und Frauen d√ľrfen √ľberall das islamische Kopftuch tragen, und die schwarzen, beigen oder lustigen bunten St√ľcke Stoff bereichern zur Freude der Vertreter der Muslimvereinigungen mehr und immer mehr die Stra√üenbilder im √ľberaus toleranten Frankreich.

10. Juli 2009

Update

Wenn Georges Malbrunot nicht auf den internationalen Seiten des Figaro schreibt, oder Delphine Minoui aus Teheran berichtet, sollte man am besten gleich auf die Meinungs- und Portr√§tseiten gehen, das sind die Seiten 15 und 16. Da liest man, am 10. Juli 2009, einen Blogeintrag von Ivan Rioufol Der Niedergang Frankreichs ruft das Schweigen der Eliten hervor. Er beschreibt allgemein und mit anderen Worten und Zitaten das, was in meinem obigen Artikel f√ľr die Kampagne gegen Burka und Niqab zu lesen ist. (16)

Alain Finkielkraut bleibt allein, wenn er √ľber die Burka meint (Le Figaro, 26. Juni): "Frankreich ist keine Spanische Herberge." Und Renaud Camus wird auch nicht mehr geh√∂rt, wenn er nicht endet, zu warnen davor, da√ü "unser Volk verschwindet" (L´Isolation, Journal 2006, Fayard). Ihre Diagnosen mangeln jedoch nicht der Argumente.

Als Spanische Herberge bezeichnen die Franzosen abfällig einen Ort, wo man nur das findet, was man selbst mitgebracht hat, wo man tut und läßt, was man will. (17)

Es wundert nicht, da√ü Alain Finkielkraut wieder einmal vorn ist in der Verteidigung der Werte Frankreichs. Wie er daf√ľr von den linksradikalen Besserwissern von Bella Ciao √ľber Haaretz bis Le Monde behandelt wird, kann man in einigen Artikeln in meinem Archiv lesen. Im nachhinein mu√ü ich ihm leider auch mit seiner Einsch√§tzung des Nicolas Sarkozy Recht geben. (18)

Wenn man nach der Lekt√ľre deprimiert ist und ahnt, da√ü der Figaro die wichtigsten Artikel deshalb auf die hinteren Seiten verbannt, damit die Leser nicht, mit zugeschn√ľrten Kehlen und h√§nderingend, das Umbl√§ttern verweigern, wenn man drauf und dran ist, nicht mehr weiterzulesen, dann gibt es auf der letzten Seite ein Portr√§t von Korrespondentin Delphine Minoui des Hardliners Mojtaba Khamenei, des ca. 40-j√§hrigen Sohnes des Religionsf√ľhrers Ali Khamenei. Must Read f√ľr alle, die franz√∂sisch lesen und sich √ľber die aktuellen Zust√§nde im Iran informieren wollen. Delphine Minoui, zur Zeit in Beirut, scheint mit ihrem Arbeitsplatz Iran bis auf weiteres abgeschlossen zu haben; vielleicht wartet sie auf bessere politische Zeiten. Jedenfalls ist das von Mojtaba Khamenei gezeichnete Portr√§t nicht mehr im Rahmen des "Kommas zuviel", es gibt Einblick in die Korruption und die Brutalit√§t des iranischen Regimes. (19)

Ich bitte Delphine Minoui hiermit um Verzeihung, ihre oftmals lieblichen Beitr√§ge √ľber Ali und Hussein haben mich manchmal abgenervt, aber was soll eine Korrespondentin aus dem Unterdr√ľckerstaat berichten - es sei denn, sie wollte ihre letzten S√§tze schreiben, den Griffel abgeben und nicht mehr in ihr Lieblingsland zur√ľckkehren.

Danke, Figaro, ich hole Dich soeben vom Altpapierhaufen der Geschichte ins journalistische Leben zur√ľck! (20)

10. Juni 2009

Update

Ein Ministerium f√ľr Immigration, Integration und Identit√§t soll es demn√§chst auch in Deutschland geben, und wer will es einrichten? Die CDU, ja, man liest es richtig: die Christlich-demokratische Union. K√∂nnte es sein, da√ü man eines Tages sogar noch dem Dhimmi Wolfgang Sch√§uble hinterherweinen wird? (21)

Ich f√ľrchte, die Verantwortlichen in der CDU ahnen es gar nicht, wieviele CDU-W√§hler sich von der Partei und der CSU abwenden, deren weichgesp√ľlter sozialdemokratischer Vorsitzender sicherlich ins gleiche Horn blasen wird. Die FDP mit ihren Muslimfunktion√§ren Ayyub Axel K√∂hler und Aiman Mazyek ist eh schon unw√§hlbar, und die SPD mit ihrem M√ľnte auf Freiersf√ľ√üen sowieso.

Eine weitere Polarisierung steht uns ins Haus, Pro-Parteien und ihre Derivate einerseits sowie die Linke andererseits bekommen immer mehr Zulauf, und der Anteil der Nichtw√§hler w√§chst weiter, da b√ľrgerliche und liberale, den demokratischen Werten unserer Gesellschaft verpflichtete W√§hler durch CDU/CSU, FDP und SPD nicht vertreten werden.

16. Juli 2009

Quellen

(1) RESPECT DE LA LA√ŹCIT√Č. Port de signes ou de tenues manifestant une
appartenance religieuse dans les écoles, collèges et lycées publics.
Bulletin officiel du Minist√®re d´√©ducation nationale no 21, du 27 mai 2004
http://www.education.gouv.fr/bo/2004/21/MENG0401138C.htm

(2) La burqa provoque des tensions entre musulmans. Par Cécilia Gabizon,
Le Figaro, 8 juillet 2009
http://tinyurl.com/kklry8

(3) Frankreich. Die Burka auf dem Vormarsch in Vénissieux. 1. Juli 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-07-01_23-56-38.html

(4) Proposition de r√©solution n¬į 1725 de Andr√© Gerin pour une commission
d¬īenqu√™te sur le port de la burqa, 17 juin 2009
http://www.andregerin.com/index02.html

Au sujet du port de la burqa. Par Abdelaziz Chaambi, Oumma.com,
17 juin 2009
http://oumma.com/Au-sujet-du-port-de-la-burqa

(5) Affirmativ Action and Positive Discrimination. The Free Dictionary
http://legal-dictionary.thefreedictionary.com/Positive+discr imination

(6) Remarks of President Barack Obama. A New Beginning. Cairo, Egypt,
Obama¬īs Speech to the Muslim World. Atlas Shrugs, June 4, 2009
http://tinyurl.com/re8cpm

(7) 1er débat : Faut-il interdire la burqa ? Mots croisés, France 2, 29 juin 2009
http://mots-croises.france2.fr/55720077-fr.php

(8) Mohammed al-Dura in meinem Archiv
http://tinyurl.com/kplhew

(9) Réponses à M. Mahmoud Doua, sur la liberté de porter la burqa.
Par Bonapartine, Riposte la√Įque, 6 juillet 2009
http://www.ripostelaique.com/Reponses-a-M-Mahmoud-Doua-sur-l a.html

(10) Mission parlementaire relative à la pratique du voile intégral. Intervention
(par Andr√© G√©rin) lors de la rencontre avec les parlementaires et les associations f√©ministes et la√Įques, Assembl√©e Nationale, Mercredi 1er juillet 2009
http://www.andregerin.com/evenement_detail.pl?id_evenement=1 835

(11) Your Hijab Questions Answered. By Dilshad D. Ali, beliefnet
http://tinyurl.com/mq56jj

(12) Pr√©cisions de l´UOIF sur "le Niqab". Site internet officiel de l´UOIF,
27 juin 2009
http://www.uoif-online.com/webspip/spip.php?article525

(13) Dr. Tariq Ramadan in Kopenhagen.6./8. Februar 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-02-06_02-29-15.html

(14) How to correctly brand your cow, iMageMax Studios
http://imagemaxstudios.com/

(15) Interdire la burqa: un peu de courage! Par Jacques Myard, Député,
Marianne, 20 juin 2009
http://www.marianne2.fr/Interdire-la-burqa-un-peu-de-courage !_a180938.html

(16) Bloc-notes: le déclin de la France suscite le mutisme des élites.
Par Ivan Rioufol, Le Figaro, 9 juillet 2009
http://blog.lefigaro.fr/rioufol/2009/07/-le-declin-de-la.htm l

(17) L´auberge espagnole. Encyclop√©die
http://www.mon-expression.info/l-auberge-espagnol

(18) Alain Finkielkraut in meinem Archiv
http://tinyurl.com/mqw5df

(19) Portrait. Khamenei Junior, le pouvoir dans l´ombre du guide iranien.
Par Delphine Minoui, Le Figaro, 10 juillet 2009
http://tinyurl.com/mts79z

(20) Ab, auf den Altpapierhaufen der Geschichte! 16. November 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-11-16_16-45-35.html

(21) AFP: Union erw√§gt Ministerium f√ľr Integration von Ausl√§ndern.
AFP, 16. Juli 2009
http://tinyurl.com/nx5u96


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