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Iran. Noureddin Kianouri oder: Was die deutsche Linke lernen könnte

Al-Guardian hat die Erklärung des ZK der kommunistischen Volkspartei, der Tudeh-Partei des Iran, schon lange von seiner Site verbannt, zehn Jahre Demonstration des Ergebnisses der Zusammenarbeit der Linken mit dem radikalen Islam sind anscheinend genug; der Frust habe ein Ende!

Das Solidarity Network, das √ľber ideologische und politische Ansichten verschiedener kommunistischer und Arbeiterparteien informiert, hat die Erkl√§rung noch online, dennoch leiste ich den deutschen Linken, der Linkspartei, den Gr√ľnen, den diversen Pali-Soli-Gruppen, den Gush und Bat Shaloms, und wie die mit den islamischen Staaten und ihren Diktaturen so freudig und ergeben zusammenarbeitenden Gruppen alle hei√üen m√∂gen, den kleinen Dienst und √ľbersetze die Erkl√§rung der Tudeh-Partei ins Deutsche. Dann kann man noch weniger sagen, man habe es nicht gewu√üt.

Update. Nicht nur Al-Guardian, sondern auch das Solidarity Network will mit der Schmach des Endes kommunistischer Kader unter islamischer Herrschaft nicht l√§nger leben, gar Denkprozesse in Gang setzen, und hat das Statement ebenfalls von seiner Site genommen. Es gibt aber immer noch ´ne Fundstelle, die ich unten verlinke, es ist die Communist Party of Australia. (1)

Und wenn auch die den Link löschen, werde ich das in meinen Dossiers gebunkerte Statement auf meine Site stellen. Die Linken sollen keine Ausreden bekommen.

Die kursiven Einsch√ľbe sind von mir.

Erklärung des ZK der Tudeh-Partei des Iran, 6. November 1999

Genosse Noureddin Kianouri starb am Freitag, den 5. November 1999, im Alter von 84 Jahren, nachdem er Jahre der Verfolgung, Inhaftierung und Folter in den Gefängnissen der Islamischen Republik erlitten hatte.

Genosse Kianouri wurde 1915 in der Stadt Nour, in Mazandaran, im Norden des Iran, geboren. Als junger Mann trat er 1942 dem Kampf gegen den Kolonialismus und der Ausbeutung bei und schloß sich den Reihen der Tudeh-Partei (Volkspartei) des Iran an.

Der "junge Mann" war zu der Zeit 27 Jahre alt.

1945 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Tudeh-Partei. W√§hrend der Ereignisse, die zur Revolution von 1979 f√ľhrten [als das Unterdr√ľckerregime des pro-USA Schah des Iran durch eine Massenerhebung des Volkes gest√ľrzt wurde], wurde Genosse Kianouri zum Ersten Sekret√§r des Zentralkomitees gew√§hlt und hielt diese Position bis zu seiner Verhaftung, im Februar 1983.

Von 1945 bis 1978: Nach dem Staatsstreich, von 1953, gegen die Mossadegh-Regierung mu√ü Noureddin Kianouri das Land verlassen, er verbringt, von 1956 bis 1978, gemeinsam mit seiner Ehefrau Maryam Firuz 22 Jahre Exil in der Sowjetunion und der DDR; die R√ľckkehr erfolgt 1978. Ab Februar 1983 werden er und seine Ehefrau vom iranischen Regime f√ľr 7 Jahre im Teheraner Evin Gef√§ngnis inhaftiert, ab 1990 bis zum Lebensende stehen sie unter Hausarrest; seine Witwe stirbt im M√§rz 2008. (2)

Genosse Kianouri war unter den ersten Parteif√ľhrern, die im Rahmen der Angriffe des Regimes verhaftet wurden. Er wurde umgehend der brutalsten Folter unterworfen.

Die ersten Verhaftungen größeren Ausmaßes von Kadern und Mitgliedern der Tudeh und anderer Linksparteien wurden bereits vor 1983 vorgenommen, was auf der Liste der Boroumand Foundation dokumentiert ist. Auf dieser nicht vollständigen Liste findet man Namen von Personen, die entweder von der Regierung der Islamischen Republik oder von in ihrem Auftrag agierenden Schergen ermordet wurden. Die Hinrichtungen wurden nicht immer öffentlich gemacht, und die Medien kamen oft nicht nach in der Berichterstattung. Die Liste umfaßt auch Opfer von Bombenanschlägen im Iran und im Ausland; sie ist ebenfalls nicht komplett. Die Liste schließt nicht diejenigen ein, die als Widerstandskämpfer bei Schußwechseln mit Soldaten, Sicherheitsbeamten oder Milizen getötet wurden. (3)

Auf der Website von asr nou, Neues Zeitalter, findet man eine Liste von fusilierten oder geh√§ngten Kommunisten, die meisten von ihnen geh√∂ren zu den maoistischen Volksmudschaheddin (MKO), einige zur sowjettreuen Tudeh-Partei und einige zu den marxistischen Iranian People´s Fedaian (Majority). (4)

Nach Monaten von andauernder brutaler Folter stellte das Regime den gebrochenen und halb gelähmten Körper des Genossen Kianouri vor die Fernsehkameras, damit er seinen Überzeugungen abschwöre, die er 50 Jahre lang hatte, die historische Legitimität der Tudeh-Partei des Iran "verleugne" und nicht begangene Verbrechen "gestehe", was Szenen von Galileis Prozessen und Geständnissen wachrief.

Von 1981 bis 1989 ist der Hardliner und heutige "Reformkandidat" Mir Hussein Moussavi unter Staatspräsident Ali Khamenei Premierminister des Iran. Ayatollah Ruhollah Khomeini stirbt am 3. Juni 1989. (5)

Anstatt die Richtigkeit der Tudeh-Partei des Iran in Frage zu stellen, offenbarte dieser schreckliche Akt die unmenschliche Natur des Regimes und seine Bereitschaft, sich der brutalsten Mittel zu bedienen, um f√ľr sich selbst Legitimit√§t zu erreichen.

Den wachsenden Einflu√ü der Tudeh-Partei des Iran unter den Werkt√§tigen f√ľrchtend, plante das Regime die brutale Unterdr√ľckung der Tudeh-Partei und den endg√ľltigen Sieg √ľber die Revolution.

Trotz der Folter der inhaftierten Parteif√ľhrer, hat Genosse Kianouri, als er den Sondergesandten der UNO Ronaldo Galindo Pohl traf, die sch√§ndlichen Verbrechen des Regimes im Gef√§ngnis dargelegt.

Der Sondergesandte der UN-Menschenrechtskommission, ab dem 20. Juli 1986, ist der Salvadoraner Reynaldo Galindo Pohl, auch geschrieben Phol, ein "lebendiger Vork√§mpfer" f√ľr die Menschenrechte. (6)

Galindo Pohl berichtete: "Drei fr√ľhere Mitglieder der Tudeh-Partei sind in Einzelhaft: Herr Kianouri, der ehemalige Erste Sekret√§r, ein hochrangiger Kader und ein Parteimitglied. Allein Herr Kianouri war einverstanden, da√ü sein Name in dem Bericht erw√§hnt wird.

Der Name ist nicht dort zu finden, sondern im Report 1990, in den Abs√§tzen 76 und 229. Reynaldo Galindo Pohl berichtet √ľber zwei Treffen mit Noureddin Kianouri und dessen ebenfalls inhaftierter Ehefrau Maryam Firuz, im Januar und im Oktober 1990, √ľber Folter, Einzelhaft und Besuchsk√ľrzungen nach dem ersten Treffen sowie √ľber die Verweigerung einer medizinischen Behandlung der Ehefrau au√üerhalb des Gef√§ngnisses. (7)

Er bestritt energisch, da√ü er ein ausl√§ndischer Agent w√§re und versucht h√§tte, die revolution√§re Regierung zu st√ľrzen. Er best√§tigte in Anwesenheit von Gef√§ngnisangestellten und Beamten, da√ü er gefoltert worden ist.

Er zeigte seine halbgelähmten Arme und gebrochenen Finger und sprach noch von anderen Methoden der Folter. Herr Kianouri, der ehemalige Erste Sekretär der Tudeh-Partei, verurteilte die Hinrichtung von Tausenden von jungen Leuten, von denen er sagte, sie wären unschuldig." (Exzerpt eines Berichts des UN-Sondergesandten nach Teheran, März 1989).

Ein solcher Bericht samt den Zitaten daraus ist weder auf der Site der Vereinten Nationen noch der Boroumand Foundation gelistet, neben dem erwähnten Bericht, vom 6. November 1990, aber einer, vom 26. Januar 1989, in dem Noureddin Kianouri nicht erwähnt wird. (8)

Das war der Grund, warum das Regime der Islamischen Republik ihn trotz seines hohen Alters und seines √§u√üerst schlechten Gesundheitszustands bis zu den letzten Tagen seines Lebens unter st√§ndiger Kontrolle hielt, damit die Ausma√üe der im Gef√§ngnis begangenen Verbrechen nicht weiter enth√ľllt w√ľrden.

In den letzten Jahren bem√ľhte sich das Informationsministerium des Regimes vergeblich, durch die Ver√∂ffentlichung eines Buches mit dem Titel *Kianouri´s Memoirs* und anderer Artikel und Interviews seine "Show der Gest√§ndnisse" neu zusammenzustellen und wieder aufzulegen. Dieses Unterfangen wurde sowohl im Iran selbst als auch im Ausland durch die Wachsamkeit der Partei und ihrer Mitglieder vereitelt.

Genosse Kianouri spielte eine herausragende Rolle in der Zeitgeschichte unseres Landes. Er hinterläßt Dutzende von Artikeln und Papieren zu verschiedenen politischen und organisatorischen Themen.

Wir bekunden der Witwe und der Tochter des Genossen Kianouri sowie allen Mitgliedern und Unterst√ľtzern der Tudeh-Partei des Iran unser Beileid. (1)

Tatsächliche und eingebildete Kriegsverbrecher

1983 √ľbergab die CIA der Khomeini-Regierung des Iran eine lange Liste von Mitgliedern der kommunistischen Tudeh-Partei, mit Markierungen derjenigen, die als "Sowjetagenten" identifiziert worden waren. Die Erwartung war, da√ü diese Leute verhaftet und exekutiert w√ľrden, eine Hoffnung, die nicht entt√§uscht wurde. Die iranische Regierung trat in Aktion, verhaftete Hunderte von Parteimitgliedern und verbot die Tudeh-Partei. Zweihundert Mitglieder der Tudeh-Partei wurden w√§hrend der ersten Verhaftungswelle exekutiert. Weitere Verhaftungen w√ľrden folgen, einschlie√ülich der gesamten Parteif√ľhrung, die gefoltert und gezwungen wurde, falsche, im Fernsehen verbreitete Gest√§ndnisse abzulegen. Auch die britische Regierung √ľbermittelte Informationen √ľber Tudeh an iranische Beh√∂rden. Schlie√ülich wurden mehr als 10 000 Mitglieder und Sympathisanten der Tudeh-Partei verhaftet und gefoltert. [9] 1989 fegte ein eigens zusammengestelltes Komitee durch die Gef√§ngnisse und verurteilte Tausende zum Tode. Mehr als 5 000 Personen aus verschiedenen politischen Parteien wurden hingerichtet. [10] Die Sorge der USA war, da√ü der Iran nach Khomeini sich nach links entwicklen k√∂nnte. Die mit Hilfe des Westens durchgef√ľhrte Dezimierung der Tudeh diente der Erstickung einer solchen Perspektive schon im Keime.

[9] Bob Woodward, "CIA Curried Favor with Khomeini, Exiles," Washington Post, November 19, 1986. M. Ovidar, "A Brief History of the Tudeh Party of Iran"
http://www.tudehpartyiran.org/

[10] Ibid. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, "Death of Noureddin Kianouri," November 6, 1999. (9)

Standhafte und weniger standhafte Genossen

Sam Ghandchi schreibt, am 19. November 1999: Ich habe eben diese Note im Internet gelesen aus Anla√ü des Todes von Kianouri, wo er als "einer der am meisten geachteten kommunistischen F√ľhrer des Iran" bezeichnet wird. Das ist schlicht und einfach nicht wahr.

Nicht nur sind die Angriffe der Tudeh-Partei auf die iranische Sozialdemokratie sein trauriges Erbe, seine Verwicklungen in politische Morde der 50er Jahre, wie in den von ehemaligen Mitgliedern der Tudeh-Partei wie Dr. Keshavarz erwähnten Mord an dem Journalisten Mohammad Massoud, sind in historischen Anmerkungen von vielen Autoren bekannt geworden. (10)

Dar√ľber hinaus bekundete der in den Iran zur√ľckgekehrte Kianouri nach der Revolution von 1979 seine volle Unterst√ľtzung der akhonds, der mohammedanischen geistlichen Lehrer, sowohl vor als auch nach den politischen Verhaftungen von 1982. Als Kianouri und andere Mitglieder der Tudeh-Partei 1981 (1983) verhaftet wurden, blieben einige vor Gericht standfest gegen√ľber der IRI, und sie wurden erschossen, und einige andere, wie Kianouri, kollaborierten mit der Islamischen Republik und blieben am Leben. Da ist nichts Ruhmreiches in der Geschichte. (11)

Dennoch werden seine Folter und Inhaftierung durch die Islamische Republik zweifelsfrei verurteilt, unabh√§ngig von seiner kl√§glichen Unterst√ľtzung der Demokratie im Iran. (12)

√úbersetzung und Einsch√ľbe in Kursivschrift von Gudrun Eussner, 24. Juli 2009

Update, 1. Juli 2010

Quellen

(1) Death of Noureddin Kianouri. Statement of the CC of the Tudeh Party of Iran, November 6, 1999. Al-Guardian, November 17, 1999.
CPA Communist Party of Australia
http://www.cpa.org.au/z-archive/g1999/980iran.html

CPA Communist Party of Australia
http://www.cpa.org.au/

06.11.1999, Comrade Kianouri passed away. Statement of the CC of the
Tudeh Party of Iran. Solidarity Network (nicht mehr online)
http://tinyurl.com/n7z3zk

(2) Life and Death of Maryam Firuz. By Mahindokht Mosbah, Critical Montages, March 20, 2008
http://montages.blogspot.com/2008/03/life-and-death-of-marya m-firuz.html

The Secret CIA History of the Iran Coup, 1953. National Security Archive. Updated November 29, 2000
http://tinyurl.com/5jrwht

(3) Omid, a memorial in defense of human rights in Iran. A Project of the Boroumand Foundation
http://www.iranrights.org/english/memorial.php

12 456 murdered by the regime. Browse Omid, a memorial in defense of human rights in Iran
http://www.iranrights.org/english/memorial-browse-1-0-alpha. php

(4) The list of 4483 political prisoners who were executed during the massacre of 1988 by the regime of Islamic republic in IRAN
http://asre-nou.net/1381/bahman/13/list-k6.htm

MKO in meinem Archiv
http://tinyurl.com/nmyzjz

The Website of the Tudeh Party of Iran. Hezb-e Tudeh-e Iran,
farsi, English, français, deutsch
http://www.tudehpartyiran.org/

Iranian People´s Fedaian (Majority). Wikipedia
http://tinyurl.com/npruvt

(5) Mir Hussein Moussawi. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Mir_Hossein_Mussawi

Profile: Mir-Hossein Mousavi, Iran´s Radical Turned Reformist.
By Pierre Tristam, about.com
http://middleeast.about.com/od/iran/p/mir-hossein-moussavi-p rofile.htm

(6) Dr. Reynaldo Galindo Pohl, un "prócer vivo". Por Alberto López,
El Diario de Hoy, 27 de febrero de 2004
http://www.elsalvador.com/DIARIOS/OCCIDENTE/2004/02/27/actua lidad.asp

(7) UN Commission on Human Rights´ 1990 Report on the Situation of Human Rights in Iran. Author: Reynaldo Galindo Pohl, November 6, 1990
http://www.iranrights.org/english/document-181.php

(8) UN Commission on Human Rights´ 1989 Report on the Situation of Human Rights in Iran. Author: Reynaldo Galindo Phol, January 26, 1989
http://www.iranrights.org/english/document-374.php

Reports on the situation of human rights in the Islamic Republic of Iran.
Author: Reynaldo Galindo Pohl, 9 reports, 1987 - 1995
http://www.iranrights.org/english/library-105.php

(9) War Criminals: Real and Imagined. By Gregory Elich, Centre for Research on Globalisation (CRG), November 18, 2001
http://www.globalresearch.ca/articles/ELI111A.html

(10) History of Violence. Mohammad Massoud. By fozolie (!), Iranian.com,
July 20, 2009
http://tinyurl.com/marxuc

Khosro Roozbeh. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/index.html?curid=6941803

(11) Iran: Akhound. Video, adadservices.com, June 21, 2009
http://adadservices.com/2009/06/21/iran-akhound/

(12) Noureddin Kianouri. By Sam Ghandchi, November 19, 1999
http://www.ghandchi.com/26-Noureddin_Kianouri.htm

Siehe auch:

History of Iran. Iran after the victory of 1979´s Revolution. Teror and Repression. Iran Chamber Society
http://tinyurl.com/l6dele

Wanted! Persian Photo. By the Persian, September 30, 2004
http://persian.fotopages.com/?entry=223872

359 Angebote bei Google.de zu Noureddin Kianouri
http://tinyurl.com/kjtyg4

Iran in meinem Archiv
http://tinyurl.com/m36mjz


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