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Frankreich. Im Figaro hört die Israelfeindschaft nimmer auf

Wenn man davon ausgeht, daß in Jerusalem mancher froh sein wird, Patrick Saint-Paul endlich los zu sein, so sollte mancher nicht zu frĂŒh aufatmen; denn die Israelfeindschaft des Korrespondenten reicht von ĂŒberallher nach ĂŒberallhin. Jetzt sitzt er damit in Berlin und weiß nicht, was beginnen. Die schönen Tage von Oranjewitz, als er in Jerusalem in Ministerien und am Wegesrand tĂ€glich genug Material findet, das er verbiegen und damit seinen Haß in Worte kleiden kann, sind nun vorbei. Jetzt stapelt es sich in ihm, wird immer mehr und verdichtet sich zu steinharten AnwĂŒrfen - aber was ist mit den AuswĂŒrfen? Von Berlin gibt es vieles zu berichten, was gar nichts mit Israel und seinen Taten zu tun hat. Selbst unter grĂ¶ĂŸten Anstrengungen wĂ€re Berlin nicht in Klein-Jerusalem umzufunktionieren. Wie sollte das gehen?

Zur Erinnerung

In meinem Archiv gibt es ein Dutzend Auswertungen von Artikeln des Patrick Saint-Paul. Erstmalig erwĂ€hne ich ihn mit einem Artikel vom 12. Februar 2004, als ich berichte von Ergebnissen der Durchsuchung der BĂŒros des Yasser Arafat, im April 2002. Saudi-Arabien, die "palĂ€stinensische Sache" und die Arab Bank. Die israelische Armee findet wĂ€hrend der Operation "Defensive Shield" in den BĂŒros der Palestinian General Intelligence, in Yasser Arafats Hauptquartier in Ramallah, der Mukata, Unterlagen, aus denen die bedeutende Rolle der Arab Bank fĂŒr das Funktionieren der palĂ€stinensischen Terrororganisationen hervorgeht. Im Einvernehmen mit Yasser Arafat werden von der Arab Bank grĂ¶ĂŸtenteils unter Klarnamen Überweisungen an die Terroristen getĂ€tigt. Die Hamas veranstaltet unter Angabe von Arab Bank Kontonummern fĂŒr ihre Arbeit Sammlungen im Internet. Konten von "Wohlfahrtseinrichtungen" der Terrororganisationen werden sporadisch, beispielsweise im Dezember 2001 und im August 2003, von der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde gesperrt, was allein belegt, daß Yasser Arafat davon Kenntnis hat. (1)

Dieses Material enthĂ€lt der Jerusalem-Korrespondent den Lesern des Figaro vor. Es ist unmöglich, daß er es nicht kennt, das Internet ist voll davon, und einem, der an der Quelle sitzt, mĂŒĂŸten noch weitergehende Informationen zugĂ€nglich sein. Nicht so Patrick Saint-Paul, der sich in seinem Artikel auf Kollegen des Canard EnchainĂ© beruft, eines Satireblattes; selbst weiß er ĂŒberhaupt nichts, und er verbreitet Hörensagen, das die Leser unter Satire ablegen können. (2)

Ein Duft von Korruption weht um Arafat ist sein Artikel ĂŒberschrieben. Leider enthĂ€lt uns das Archiv des Figaro diese EinschĂ€tzung des Mannes vor, der durch seinen Terror gegen Israel zum MilliardĂ€r geworden ist. Einen Anreißer kann man noch bei LibertĂ©s-Internets finden: Der Verdacht der Korruption holt Yasser Arafat ein. GemĂ€ĂŸ dem Canard EnchainĂ© sollen mehrere Millionen Euro auf die Pariser Bankkonten von Soha Arafat, der Frau des PrĂ€sidenten der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde ĂŒberwiesen worden sein. Diese EnthĂŒllungen lassen den Verdacht direkt auf dem RaĂŻs (= FĂŒhrer) lasten, wĂ€hrend seine Bewegung in Folge des geschlossenen RĂŒcktritts von mehreren Hundert Mitgliedern der Fatah von einer Krise geschĂŒttelt wird. (3)

FĂŒr Patrick Saint-Paul heißt Israel der HebrĂ€erstaat, die Hezbollah in Terroraktion versteckt er hinter dem Begriff die schiitische Organisation, der Nahostkonflikt ist fĂŒr ihn der israelisch-palĂ€stinensische Konflikt, zum 60. JubilĂ€um der StaatsgrĂŒndung kennt er nichts als HĂ€me und Kritik fĂŒr den Staat. Er unterzeichnet den Appell zur Entlastung des LĂŒgners Charles Enderlin.

Wenn es um die Bedrohung Israels durch das Nuklearprogramm des Iran geht, dann liefert Patrick Saint-Paul Artikel, die so ĂŒberschrieben sind: Israel lĂ€ĂŸt seine Muskeln spielen gegenĂŒber dem Iran. Er berichtet von dem starken Israel, das im Vergleich zum Iran ein Vielfaches an Waffen in seinem Arsenal habe, um den Iran einzuschmelzen. Israel bekomme bei der Ansicht der Shahab 3 und bei den Raketenversuchen des Iran eine GĂ€nsehaut, der aber provoziere nur. Der Text ist voller Spekulationen, die Äußerungen Israels tut er als Propaganda ab. (4)

Alain Legaret schreibt auf dem Blog Le Monde libre: FĂŒr Patrick Saint-Paul vom Figaro ist der jĂŒdische Staat immer der Schuldige. Nicht die Raketen, die von Gaza auf Israel geschossen werden, eskalieren den Konflikt, sondern die nicht gewaltsamen Reaktion Israels darauf, die Sanktionen gegen Gaza. Schon die Überschrift des Artikels kĂŒnde die Propaganda an, die das anti-zionistische und antisemitische Delirium in Frankreich weiter anheize. Wenn man davon ausgeht, daß die Überschriften meist in den Redaktionen erfunden werden und nicht vom Autor stammen, so sieht man daran, daß es im Hauptquartier des Figaro kongeniale Israelhasser gibt. (5)

Wer noch nicht genug von der Israel-Berichterstattung des Patrick Saint-Paul hat, der bediene sich in meinem Archiv, dem des Figaro, in letzterem gibt es eine sogenannte Analyse des israelisch-palĂ€stinensischen Konflikts, oder er google.fr, pages francophones, dort findet man reichlich Angebote, darunter Übernahmen seiner Artikel auf der Salafisten-Site Oumma.com sowie Verrisse der Berichterstattung ĂŒber Israel und neuerdings ĂŒber Deutschland dieses notorischen Israelfeindes. Die Integration der Muslime auf gutem Wege, berichtet er den Lesern des Figaro aus Deutschland. (6)

Patrick Saint-Paul in Berlin

Muslime, Mauer, Merkel sind nicht die Themen, die den Korrespondenten antörnen und aufgeilen. Er ist sĂŒchtig nach Israel, und das wird ihm nach reichlich Entzug mit dem Besuch von Binyamin Netanyahu frei Haus nach Berlin geliefert. Dort ĂŒberreicht dem israelischen MinisterprĂ€sidenten, am 27. August 2009, der Chefredakteur der BILD Kai Diekmann die einzigen bekannten Original-BauplĂ€ne des Vernichtungslagers Auschwitz. Binyamin Netanyahu hĂ€lt dazu eine Dankesrede. (7)

Deutsche und französische MSM berichten ausfĂŒhrlich darĂŒber, auf französischen Blogs liest man einige mit FeinfĂŒhligkeit geschriebene Kommentare, so auf dem Blog L´Actu vu par JSS: Das war ein sehr bewegender Tag, dieser Donnerstag, 27. August 2009. Zum ersten Mal in der Geschichte erhĂ€lt der Staat Israel die originalen HauptplĂ€ne des Konzentrationslagers Auschwitz, des entsetzlichsten Konzentrations- und Vernichtungslagers des Dritten Reiches. Es war dort, wo Millionen Menschen zu Grunde gingen, hauptsĂ€chlich europĂ€ische Juden. ... Der Autor Ftouh Souhail zitiert aus der Dankesrede und aus Worten des begleitenden Ministers Yossi Peled, der seinen Vater und seine Familie in Auschwitz verloren hat, dann berichtet er, wie und durch wen die Dokumente gefunden worden sind, und daß es sich um insgesamt 28 PlĂ€ne im Maßstab 1:100 handele, datiert von 1941 bis 1943. Die OriginalplĂ€ne von Auschwitz werden bald in Israel ausgestellt. Kein Holocaustleugner kann uns mehr sagen, das Drama der Shoa habe nicht existiert. (8)

Auch Patrick Saint-Paul berichtet, direkt von der Quelle. Der Figaro bringt den Text ohne Foto auf Seite 8, unten, nicht nur auf der letzten der internationalen Seiten, sondern auch noch auf einer geraden; sie werden, wie man weiß, weniger gelesen als die ungeraden Seiten, dort plazierte Werbung kostet weniger als die auf ungeraden Seiten. In der Suchmaschine des Figaro ist der Text nicht zu finden: Dans les articles 0 documents trouvĂ©s pour NĂ©tanyahu Ă  Berlin reçoit les plans d´Auschwitz dans tout le site. In den Artikeln auf der ganzen Site 0 Dokumente gefunden fĂŒr Netanyahu in Berlin erhĂ€lt die PlĂ€ne von Auschwitz.

Nur wer nicht locker lĂ€ĂŸt, und die Überschrift bei google.fr eingibt, kann den Text im Internet lesen. Da ich den Figaro inzwischen kenne und nicht damit rechne, daß ich ĂŒberhaupt etwas finde, messe ich den Artikel aus. Er ist 50 Zeilen lang, geht ĂŒber drei Spalten, ist 5,5 cm hoch und 13,5 cm breit. Ein Winzling, gemessen an der Sensation: Kein Holocaustleugner kann uns mehr sagen, das Drama der Shoa habe nicht existiert.

Es folgt die wörtliche Übersetzung.

Netanyahu in Berlin erhÀlt die PlÀne von Auschwitz

Auf Besuch in Berlin, wo Angela Merkel sich fĂŒr die RĂŒckkehr zum Dialog mit den PalĂ€stinensern ausgesprochen hat, sah sich der israelische Premierminister in der Lage, die OriginalplĂ€ne des Lagers fĂŒr die GedenkstĂ€tte Yad Vashem ĂŒberreicht zu bekommen. Binyamin Netanyahu, hier mit dem Chefredakteur der BILD (rechts), studiert die OriginalplĂ€ne des Lagers Auschwitz, die in der Holocaust-GedenkstĂ€tte aufbewahrt werden. (Den Anreißer und das Foto findet man nicht in der Papierausgabe.) (9)

Der israelische Premierminister Binyamin Netanyahu hat am Donnerstag in Berlin die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen, seine beste StĂŒtze in Europa. Auf Grund des Holocausts verzichtet Deutschland im allgemeinen, Israel zu kritisieren. Merkel mußte dennoch wiederholen, daß Deutschland wie die anderen Mitglieder der EU die Kolonisierung als ein Hindernis fĂŒr eine Lösung des israelisch-palĂ€stinensischen Konflikts betrachtet. Am Vorabend hatte sie den HebrĂ€erstaat aufgerufen, zur Wiederaufnahme des Dialogs mit den PalĂ€stinensern mehr ZugestĂ€ndnisse zu machen. "Wir haben nicht das Recht, das Fenster fĂŒr eine Zweistaatenlösung sich wieder schließen zu lassen", hat sie betont. Donnerstag bestand sie auf der Notwendigkeit, sich "zu beeilen". Im Namen der Verteidigung Israels im Angesicht der Drohungen Teherans hat sich die Kanzlerin auch fĂŒr eine VerschĂ€rfung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ausgesprochen, wenn der Staat fortfahre, Uran anzureichern; Sanktionen, von denen der israelische Premierminister wollte, daß sie "lahmlegend" wĂ€ren.

Nach dieser Begegnung hat sich Netanyahu nach Wannsee begeben, zur Besichtigung des Ortes, wo die Nazi-FĂŒhrer im Januar 1942 die Endlösung entschieden haben, die Vernichtung der Juden in Europa. Am Vormittag hatte ihm die Leitung des Boulevardblattes BILD die OriginalplĂ€ne des Vernichtungslagers Auschwitz ĂŒbergeben, sie wurden 2008 zufĂ€llig in einer Wohnung in Berlin entdeckt, sie sind bestimmt fĂŒr die Holocaust-GedenkstĂ€tte in (sic!) Yad Vashem, et qui sont destinĂ©s au mĂ©morial de l´Holocauste Ă  Yad Vashem. "Wir können es nicht zulassen, daß sich das wiederholt. Wir können nicht das Böse den Massenmord an Unschuldigen organisieren lassen. Es muß im Keime erstickt werden", hat Netanyahu erklĂ€rt und damit deutlich auf das Regime von Teheran gezielt. (10)

Je vous dĂ©daigne, Monsieur Patrick Saint-Paul, je vous dĂ©daigne, les redacteurs du Figaro, vous ĂȘtes dĂ©gueulasses !

Ich verachte Sie, Monsieur Patrick Saint-Paul, ich verachte Sie, Redakteure des Figaro, Sie sind widerlich!

29. August 2009

Quellen

(1) Saudi-Arabien, die "palÀstinensische Sache" und die Arab Bank.
9. November 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-11-09_21-16-10.html

(2) Site officiel du Canard Enchainé
http://www.lecanardenchaine.fr/

(3) Un parfum de corruption flotte autour dÂŽArafat, par Patrick Saint-Paul,
Le Figaro, samedi 14 février 2004
http://www.libertes-internets.net/archives/20040212.html

(4) Israël montre ses muscles face à lŽIran. Par Patrick Saint-Paul,
Le Figaro, 11 juillet 2008
http://tinyurl.com/6g934c

(5) Pour Patrick Saint-Paul du Figaro l´Ă‰tat juif est toujours le coupable.
Par Alain Legaret, Le Monde libre, 27 octobre 2007
http://tinyurl.com/lusgqz

(6) Patrick Saint-Paul in meinem Archiv
http://tinyurl.com/lqlc8j

Rechercher un article. Le Figaro
http://www.lefigaro.fr/

La propagandastaffel selon Patrick Saint-Paul. David Bescond
pour Rebelles.info, 26 juin 2009
http://www.rebelles.info/article-33117715-6.html

(7) Rede des MinisterprÀsidenten Binjamin Netanyahu am 27. August 2009
im Axel-Springer-Haus, Berlin. Botschaft des Staates Israel - Berlin
http://berlin.mfa.gov.il/mfm/Data/163844.pdf

(8) Les plans d´Auschwitz remis Ă  IsraĂ«l. Par Ftouh Souhail,
L´Actu vu par JSS, 29 aoĂ»t 2009
http://jss.over-blog.com/article-35395099-6.html

Die BauplÀne von Auschwitz. Von Ralf Georg Reuth, Bild.de, 8. November 2008
http://tinyurl.com/65uhqf

(9) NĂ©tanyahu Ă  Berlin reçoit les plans d´Auschwitz. Par Patrick Saint-Paul,
Le Figaro, 28 août 2009, p. 8
http://tinyurl.com/mcjbrg

(10) Yad Vashem – The Martyrs´ and Heroes´ Remembrance Authority
P.O.B. 3477, Jerusalem 91034 Israel
http://www.yadvashem.org/


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