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Zeitung gelesen [5]: Lose Blätter, nicht von Dauer ...

... nur ein leichter Wochenschauer!

Seit dem 13. September 2009, 22 Uhr, gibt es soviele Blätter zu lesen, daß frau gar nicht nachkäme, wenn die Blätter nicht größtenteils desselben Inhalts wären, und frau sich deshalb 2450 von 2455 Angeboten sparen kann. Sie fliegen gleich weg. (1)

Die Anrei√üer der Kommentare der MSDM, der Merkel Steinmeier Duell-Medien, bei Google.de News reichen aus zum Beweis, da√ü die Autoren der Artikel nicht verstehen k√∂nnen oder wollen, oder sie wissen, worum es geht und l√ľgen. Wie kann man als geschulter Beobachter nicht sehen, da√ü es sich bei dem angeblichen Duell um eine Inszenierung zur Fortsetzung der Gro√üen Koalition handelt?

Sogar mein Liebling Patrick Saint-Paul ist schlauer, der anscheinend sp√ľrt, da√ü solches abl√§uft, da√ü es f√ľr Angela Merkel nicht darum geht, f√ľr ihre Partei zu punkten, sondern nur darum, w√§hrend des 90-Minuten-Auftritts nicht √ľber ein unvorhergesehenes Problem zu stolpern, sich auf dem Niveau ihres angeblichen Widersachers zu halten - oder sogar knapp darunter, was das ZDF mit 28% : 31% dann auch prompt registriert hat. (2)

Im Figaro berichtet er √ľber Frank-Walter Steinmeier: Als zivilisierter Technokrat, der er ist, war er nicht in der Lage, sich aggressiver zu zeigen, um sich somit von seinem Image als unverbesserlicher Intellektueller abzusetzen, dem es schwerf√§llt, in Wahlkampfveranstaltungen den Funken √ľberspringen zu lassen.

In Frankreich wird man keine solche Pers√∂nlichkeit finden, ind√©crottable intellectuel, keinen unverbesserlichen Intellektuellen, den man im selben Satz in vollst√§ndigem Widerspruch dazu als technocrate polic√© bezeichnen k√∂nnte, als zivilisierten Technokraten. Das wird Patrick Saint-Paul f√ľr eine besondere Mischung von jenseits des Rheins halten, d´outre-Rhin. Zwar sieht Frank-Walter Steinmeier aus wie ein Intellektueller, vor allem, wenn er seine Bert Brecht-Brille tr√§gt, aber auch in Deutschland gibt es keine intellektuellen Politiker, die gar selbst ein Buch geschrieben h√§tten, und gleichzeitig zivilisierte Technokraten w√§ren; Technokraten jedoch findet man unter deutschen Politikern sehr zum Schaden Deutschlands und des Restes der Welt reichlich.

Patrick Saint-Paul berichtet von den vier die Debatten sehr angreiferisch anheizenden Moderatoren und von der Zur√ľckhaltung beider Kandidaten, auf dieses Spiel einzugehen, so da√ü ein erwarteter Schock ausgeblieben sei. Diese Moderatoren in ihrer Profilierungssucht entbl√∂den sich nicht, immer wieder die beiden Duellanten mit unqualifizierten Einw√ľrfen zu unterbrechen und zu verunsichern. Maybrit Illner, ZDF, erg√§nzt das noch durch lange Monologe, anstatt da√ü sie pr√§zise Fragen stellt. Vielleicht vergi√üt sie f√ľr einen Augenblick, da√ü nicht sie, sondern Angela Merkel die Kandidatin ist?

In Frankreich unterbricht man Redner auch, aber mit einer élégance maligne, von der keiner der deutschen Journalisten, diesen Trampeltieren, je etwas gehört und gesehen oder sich gar angenommen hätte.

Was dem Korrespondenten des Figaro nicht auff√§llt, das ist die Kost√ľmierung der beiden Duellanten, vielleicht h√§lt er sie f√ľr deutsche Art, oder er mi√üt sie an der Kleiderordnung der West Bank. Trister und langweiliger hat sich Angela Merkel nicht anziehen k√∂nnen. Auch das halte ich f√ľr Absicht, schwarz mit rosa Kettchen und er mit ´ner roten Krawatte. Mein Gott, Walter!

Zum Schlu√ü sinniert der Korrespondent: Das Duell ist zu oft abgedreht in ein einverst√§ndiges Duett, in dem Merkel und Steinmeier einander wiederholt f√ľr ihre geleistete Arbeit begl√ľckw√ľnschen. Am Ende der Debatte fragten einige Kommentatoren, warum Merkel und Steinmeier entschieden haben, gegeneinander anzutreten, da sie sich doch so gut verstehen. (3)

BILD jubiliert, trotz Kehlkopfentz√ľndung habe die Stimme gehalten, und die Aufholjagd sei endlich eingel√§utet. BILD erkl√§rt es dem Volke. Meinungsforscher Klaus-Peter Sch√∂ppner, vom Bielefelder Meinungsforschungsinstitut TNS-Emnid, hilft BILD: "Steinmeier hat im TV-Duell sehr stark auf die n√§chste Gro√üe Koalition hingearbeitet und sich damit als kleiner Partner der Union geoutet." (4)

Er outet sich nicht, sondern ihm bleibt bei den Umfrageergebnissen nichts anderes √ľbrig, als diese Position anzustreben, sie zu erreichen, w√§re f√ľr ihn ein Sieg. Es ist Angela Merkel, die sich outet, sie legt das sogenannte Duell von Anfang an auf die Gro√üe Koalition an. Wir Geb√ľhrenzahler finanzieren die Werbung f√ľr diese Perfidie. Kalkuliert pr√§sentiert sie sich so, da√ü sie gar nicht punkten kann. Ihre Strategie ist es, die SPD ein wenig aufzuwerten, gern unter Verlust einiger Punkte f√ľr ihre Partei, damit CDU/CSU und FDP am 27. September 2009 gemeinsam keine Mehrheit bekommen.

Angela Merkel ist Kanzlerin der Christlich-sozialdemokratische Partei-Union Deutschlands (CSDPUD). Die CDU ist die beste SPD, die wir je in Nachkriegsdeutschland hatten, Angela Merkel holt sich den SPD-Teil, der in der CDU noch fehlt, aus Personal und Fundus der SPD, insofern werden wir eine Regierung der CSDPUD bekommen, wir bekommen DDR light. Angela Merkel ist eine in der Wolle gefärbte Sozialistin, die von der westlichen Demokratie nichts versteht.

Wer nach dem Duell das Kurzinterview mit den Vertretern der drei ausgegrenzten Parteien, FDP, Gr√ľne, Linke gesehen hat, der kann die Infamie der Angela Merkel und die Willf√§hrigkeit der √∂ffentlich-rechtlichen Anstalten erst richtig w√ľrdigen. Was es sonst noch so gibt in der Parteienlandschaft, wird vorgef√ľhrt, die Blockparteien quasi, die keinen Platz in der CSDPUD gefunden haben, oder die man dort nicht will. FDP-Generalsekret√§r Dirk Niebel, eingerahmt von der Gr√ľnen-Bundesgesch√§ftsf√ľhrerin Steffi Lemke zur Rechten und dem Bundesgesch√§ftsf√ľhrer der Linkspartei Dietmar Bartsch zur Linken: Na, was halten Sie denn so von dem Duell, h√§?

Nach dem TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier haben CDU und SPD den Sieg f√ľr sich reklamiert, liest man auf der Site der Tagesschau. Das ist einmal der seltene Fall einer Tagesschau-Information, gegen die nichts einzuwenden ist, wenn es die Tagesschau auch anders gemeint haben mag. Die SPD ist tats√§chlich gest√§rkt, die CDU gleichbleibend, und das ist der Sieg, allerdings nicht der beiden Parteien CDU und SPD, sondern der beiden Kandidaten. Sie ruinieren soeben sowohl ihre Parteien als auch die Demokratie in Deutschland, die W√§hler werden es ihnen am 27. September 2009 danken und ihnen den Auftrag zur Bildung einer Gro√üen Koalition erteilen. (5)

Zum Schlu√ü gibt´s noch ein anderes Thema, die Israelfeindschaft im Figaro. Wann immer sich ein Korrespondent der Zeitung aus dem Nahen Osten √§u√üert, liefert er neue erstaunliche Varianten des Themas: Die Machenschaften Israels, die Niederlagen Israels, die Verbrechen Israels, Israel hat die Schuld an allem, tr√§gt die Verantwortung f√ľr alles - und zwar allein.

Beirut, Nest der Spione, ist Thema auf der Seite 2. Ein großes Foto der Agentur Mediacolors/Andia.fr des von Bomben zerstörten Beirut; ein Betrachter blickt im Jahr 2008 darauf, ist es betitelt. Auf dem Foto ist kein einziges zerstörtes Haus zu sehen. Die Agentur nennt es: Blick durch zerbombte Wände eines Hochhauses auf die Stadt Beirut - Libanon. Das Foto ist vom 5. September 2004, zweitausendundvier. (6)

Am selben Tag und zur selben Zeit nimmt der Fotograf Beirut aus der gleichen Perspektive auf, da fehlt die zerbombte Wand. Es gibt noch zwei M√§nner im Fl√ľchtlingslager von Chatila, einer von beiden h√§lt eine Pal√§stinenserfahne ins Objektiv, das Emblem der Fatah ist hinter ihm zu sehen. Die ganze Fotoreihe kann man bei Mediacolor´s einsehen und die Fotos erwerben. (7)

In der Papierausgabe des Artikels k√ľndigt die Redaktion an, was der Leser im Artikel finden wird, eine Geschichte √ľber Beirut als Zentrum des Geheimdienst-Krieges, den sich die Dienste Syriens, der Hezbollah, des Mossad, der CIA und vieler anderer dort liefern. Autor Adrien Jaulmes wiederholt es noch einmal im Text: Der Kalte Krieg hatte das Berlin von John Le Carr√© oder das Wien des Dritten Mannes. Der geheime Krieg, der sich im Nahen Osten abspielt, hat Beirut als Hauptstadt. Westliche Spione und iranische Agenten, syrische Geheimdienste und Aktivisten der Hezbollah, Mossad, CIA und andere Agenturen liefern sich dort einen undurchsichtigen Krieg, in dem die Siege manchmal herausposaunt werden. Die Niederlagen niemals.

Jemand, der im Volontariat gelernt hat, da√ü im Text steht, was in √úberschrift und Anrei√üer versprochen wird, ist nun gespannt, welchen Krieg sich die genannten Geheimdienste liefern. Der Artikel aber handelt nur von den israelischen Aktivit√§ten im Libanon sowie den Gegenma√ünahmen des libanesischen und des Geheimdienstes der Hezbollah. Israel habe in diesem Krieg eine der gr√∂√üten Niederlagen seiner Geschichte erlebt. Die Hezbollah, ein Staat im Staate, wehre sich gegen die Geheimdienstt√§tigkeit Israels, so gut sie k√∂nne, sie unterhalte ihre eigenen Dienste der Spionageabwehr, die bestens zusammenarbeiteten mit pro-syrischen Mitarbeitern des libanesischen Geheimdienstes. Adrien Jaulmes z√§hlt einige Namen der mehr als 70 Libanesen auf, die verhaftet worden sind wegen geheimdienstlicher T√§tigkeit f√ľr Israel, darunter ein pensionierter General, und ein Agent, der in den USA zur Fortbildung geweilt habe, sei dort vom Mossad angeworben worden. Man sieht, Israel und der Mossad sind auch dort t√§tig, auf ausl√§ndischem Boden.

Ein westlicher Diplomat, mit Sicherheit ein franz√∂sischer, ist begeistert √ľber die Leistung des libanesischen Geheimdienstes, der die Agenten Israels hat fassen k√∂nnen. Westliche Geheimdienste h√§tten dazu aus Anla√ü der Untersuchung des Attentats auf Rafic Hariri die Logistik geliefert. Er sinniert dar√ľber, da√ü Israel wohl nach seiner halben Niederlage w√§hrend des Krieges von 2006 von seinen Geheimdienstringen zu viel verlangt h√§tte, zu gro√üe Risiken h√§tten sie eingehen m√ľssen, um die Liste der Ziele wieder herzustellen. Die Verhaftungen seien ungew√∂hnlich, weil die Spionagezellen gew√∂hnlich aus nur zwei oder drei Personen best√ľnden, die autonom und zur√ľckgezogen arbeiteten.

Aber dank der vom Westen gelieferten Ger√§tschaften kann Israel im Libanon das Handwerk gelegt werden, auch die Hezbollah, die entsetzt ist √ľber die Ausma√üe der Geheimdienstt√§tigkeit Israels im Libanon, f√§ngt Spione. Wie Israel seine bedrohten Agenten behandelt, wei√ü Adrien Jaulmes vom libanesischen Geheimdienst: Einige haben Nachrichten an ihre F√ľhrungsoffiziere geschickt, in denen sie mitteilten, da√ü sie sich aufgesp√ľrt f√ľhlten. Sie fanden sich mit der Antwort, da√ü sie sich keine Sorgen machen sollten. So ist er, der israelische Geheimdienst. Das kennen meine Leser schon von der angeblichen Agentin Nima Zamar und ihren L√ľgengeschichten. Was seinerzeit Thierry Ardisson in der Unterhaltungssendung Tout le monde en parle aufbereitet, schafft es jetzt auf die Seite 2 des Figaro. (8)

Im Internet ist der Artikel mit einem anderen Foto bebildert, diesmal von Associated Press. In einer von Bomben zerst√∂rten Stadt von Beirut (hier im Juli 2006) haben alle Gemeinschaften Israel mit Agenten beliefert, Hilfskr√§fte die dazu da waren, Informationen zusammenzutragen, Dossiers eines Zieles anzulegen oder den Gegner zu verfolgen. Es geht schon aus der Bildunterschrift hervor, da√ü allein Israel das Thema des Artikels sein soll. Die anderen Geheimdienste sind nur F√ľllsel, nicht der Rede wert. (9)

Mossad Melody oder: So sind sie, die Israelis! (10)

14. September 2009

Altpapierhalde

(1) Merkel Steinmeier Duell bei Google.de News 2455 Angebote
Stand: 14. September 2009, 19:30 Uhr
http://tinyurl.com/m2os56

(2) Kein wirklicher Sieger - Steinmeier besser als erwartet. Von Hubert Krech,
TV-Duell, ZDF, 13. September 2009
http://blog.zdf.de/tvduell/2009/09/kein-wirklicher-sieger--- stein.html

(3) Steinmeier et Merkel esquivent l´affrontement. De notre correspondant √† Berlin,
Patrick Saint-Paul. Mit Video des Duells, Le Figaro, 14 septembre 2009
http://tinyurl.com/plfc3b

(4) Wahlkampf-Endspurt. Beginnt jetzt Steinmeiers Aufholjagd? Mit Video.
BILD.de, 14. September 2009
http://tinyurl.com/p4upbo

(5) Ein bisschen Angriff aus der Kuschelecke. ARD Tagesschau,
14. September 2009
http://www.tagesschau.de/wahl/aktuell/tvduell208.html

Siehe auch:

Bundestagswahl 2009. Offener Brief an die FDP. 10. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-10_17-43-59.html

Bundestagswahl 2009. F√ľr wen stimmen? Schaf, 20. August 2009
http://www.eussner.net/schaf_2009-08-20_23-58-14.html

(6) view through bombed walls of high-rise building to city of beirut - lebanon.
Creation date: 20040905 Photographer: Flueeler/mediacolors
http://tinyurl.com/r63mwt

(7) skyline of city of beirut (center) - lebanon
Creation date: 20040905 Photographer: Flueeler/mediacolors
http://tinyurl.com/r9wud8

portrait of man helding up palestinian flag - chatila refugee camp - city of beirut -
lebanon. Creation date: 20040905 Photographer: Flueeler/mediacolors
http://tinyurl.com/qkvu93

Fatah Emblem
http://www.topnews.in/files/fatah_logo.jpg

Beirut. Mediacolor´s
http://www.mediacolors.com/?action=search&searchstring=beiru t

(8) Nima Zamar in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ksd4z4

(9) Beyrouth, nid d´espions. Par Adrien Jaulmes, envoy√© sp√©cial √† Beyrouth,
Le Figaro, 14 septembre 2009, p. 2
http://tinyurl.com/qx95zt

(10) Anton Karas - Der dritte Mann - live - 1982. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=lZZHq2JSnnE

Bisher erschienen:

Zeitung gelesen [4]: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 11. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-11_22-27-17.html

Zeitung gelesen [3]: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 8. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-08_22-35-04.html

Zeitung gelesen [2]: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 2. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-02_17-59-38.html

Zeitung gelesen: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 31. August 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-08-31_21-24-48.html


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