Homepage von Gudrun Eussner
Gudrun Eussner
Links
Homepage von Gudrun Eussner
Artikel

Iran. Über den Verrat an der Freiheit der Iraner

Die Redaktion der Bahamas geizt gewöhnlich mit ihren Artikeln im Internet, das Heft kostet 5€, und jeder, ausnahmslos jeder Artikel ist lesenswert, ob man an allen Themen interessiert ist oder die Ansichten teilt oder nicht. Wer im aktuellsten Heft den Artikel Die Sachzwänge der Revolution, von Tjark Kunstreich, gelesen hat, geht mit den Aussagen von Stop the Bomb vorsichtiger um, als das Politically Incorrect, ziemlich unerfahren mit der Ideologie der Linken, jetzt tut. (1)

Die Sachzwänge der Revolution ist einer von drei auf der Site der Bahamas veröffentlichten Artikel aus Heft Nr. 58. Er handelt vom nicht enden wollenden Verrat der Linken an der Freiheit der Iraner, von deutschen Idealisten, die vorgeben, nicht ihrem Eigeninteresse, sondern einem höheren Ziel zu dienen, was sie schon allein dadurch islamkompatibel macht, von der Israelfeindschaft des Bahman Nirumand, artikuliert in einer Rede, vom 20. Dezember 1978, zu Ende der Schah-Zeit, über die "anderen Feinde unseres Volkes", von Illusionen der Linken über ihre Rolle in der islamischen Revolution sowie der Verharmlosung des Islams im Iran einst und jetzt. Lesenswert! (2)

Solche Illusionen gibt´s heuer auch in lau, von Bahman Nirumands Tochter Mariam, so daß für neue Generationen von Verblendeten gesorgt ist. (3)

Politically Incorrect begibt sich in unbekannte Gefilde. Zwischen Wollt Ihr den totalen Kampf gegen Rechts, einer Schelte für den SPD-Bundestagskandidaten Klaus Wolframm, und einem Bericht über die Versorgung mit 3000€/Monat Sozialhilfe der Familie, Frau und sechs Kinder, des Terroristen Khaled el Masri durch die deutschen Steuerzahler Deutschland sorgt bestens für El Masris Familie gibt es einen Offenen Brief von erfahrungsresistenten exiliranischen Funktionären und ihren Freunden an Peter Mezger: Exiliraner kritisieren ARD. (4)

Tjark Kunstreich beschreibt die Aktivitäten von Stop the Bomb so: Als am 9. Juli 2009 israelsolidarische Demonstranten mit Hilfe der Polizei von einer Kundgebung für die iranische Protestbewegung geworfen wurden, haben die Stop the Bomb-Funktionäre, indem sie die Solidarisierung mit ersteren verweigerten, sich gegen die Solidarität mit Israel und für die Zusammenarbeit mit exil-iranischen Funktionären entschieden, die ebenso bedeutungslos wie sie selbst sind, aber um so mehr auf Respektabilität und Massenanhang bedacht.

Über den ARD-Korrespondenten Peter Mezger gibt es nicht viel Positives zu berichten, er könnte sich, selbst wenn er es wollte, in Teheran nicht sonderlich profilieren, und es stimmt auch, daß er unter das von ihm erwartete Maß an Unterwürfigkeit unter das Regime sinkt, was ihm selbst gar nicht auffallen mag; ich habe dazu im Artikel "Tod Israel!" "Tod Amerika!" Die ARD in den Fußtapfen von al-Reuters ein Beispiel gebracht. (5)

Peter Mezgers Informationen sind nicht vertrauenswürdig, das rechtfertigt aber noch lange kein Gegeifere, wenn er von einer Wahlniederlage des Mir Hussein Moussavi berichtet. Diese Niederlage kann jeder selbst ausrechnen, dem Ideologie und die daraus folgenden Illusionen nicht den Verstand zugekleistert haben. (6)

Leider stimmt auch dieser Satz, den Peter Mezger ab Minute 9:20 in der Tagesschau, vom 18. September 2009, spricht: Auch die iranische Opposition ist für Palästina und gegen Israel. Parolen wie Nein zu Gaza, Nein zu Libanon, mein Leben ist für Iran sind kein Argument gegen, sondern für die Richtigkeit der Information. Es ist der iranische Nationalismus, der zum Ausdruck gebracht wird, Iran First. Nein zu Gaza und zu Libanon, das heißt, die Opposition will nicht, daß iranisches Geld in die Abenteuer der Hamas und der Hezbollah geleitet wird, das ist nicht der Sorge um das Wohlergehen Israels geschuldet, sondern es kommt aus dem Überlegenheitsgefühl der Perser über die Araber, denen man sowieso nicht zutraut, daß sie im Sinne des Iran erfolgreich operieren. Gegen die West Bank und Mahmud Abbas rufen die Demonstranten anscheinend nichts; denn das hätte Stop the Bomb oder Free Iran Now! gewiß sofort dokumentiert. (7)

Mit Parolen gegen Rußland und China sei die Opposition durch die Straßen gezogen, formuliert es Peter Mezger zurückhaltend. Stop the Bomb weiß aber, was tatsächlich gerufen wird, nämlich Haßparolen: "Tod Russland" und "Tod China". Anstatt daß ihnen dieser Haß peinlich ist, den oppositionelle Demonstranten über die Menschen zweier Länder ausgießen, wird das als Ausdruck der Gegnerschaft gegen alle interpretiert, die Mahmud Ahmadinejad und Ayatollah Ali Khamenei unterstützen, und für diejenigen, die es nicht glauben würden, wie kaputt die Ideologie von Stop the Bomb und wie fern sie vom Willen zu einem demokratischen Leben im Iran ist, stellt Stop the Bomb noch Links zu den Beweis-Videos ein, angereichert mit zwei Videos, in denen ein Transparent mit dem Konterfei Hassan Nasrallahs unter dem Begleitruf "Nieder mit dem Diktator" vorbeigetragen werde, tatsächlich aber hört man marg bar, Tod dem, und Diktator verstehe ich nicht, sondern marg bar israel, Tod Israel, was aber an meinen Ohren liegen mag.

Irancolor kommentiert die Szene des vorbeigetragenen Nasrallah-Konterfeis: Iran´s green Movement is about Iran and it is about the implementation of Iran´s constitution which actually guarantees rights of all Iranian and this regime is the biggest violator of it. Seyyed Hasan Nasrullah and resistance Movement of Lebanon have nothing to do with this as they really are not aware of what is going on inside Iran. Irans Grüne Bewegung handelt vom Iran und von der Implementierung der iranischen Verfassung, die eigentlich die Rechte aller Iraner garantiert, und dieses Regime ist der größte Gesetzesbrecher. Sayyed Hassan Nasrallah und die Widerstandsbewegung (sic!) des Libanon haben nichts damit zu tun, da sie wirklich nicht wissen, was im Iran vor sich geht. (8)

Das von Stop the Bomb im zweiten Video gezeigte von der Menge abgerissene Transparent für den "Kampf Palästinas" wird bei YouTube Removing of Hezbollah Banner in Iran 18-September-2009 genannt, es hat mit der Gegnerschaft zum Kampf der Palästinenser also nichts zu tun, was auch verwundern würde; denn die große Mehrheit der Oppositionellen hat nichts einzuwenden gegen diesen Kampf, sie will ihn nur nicht führen. Kommentare ähnlich denen zum ersten Video sprechen es aus: fuck islam.WE ARE IRANIAN ,WE ARE LIONS.WE WILL GO BACK TO OUR GLORIOUS DAYS AGAIN. fuck Islam, wir sind Iraner, wir sind Löwen. Wir werden wieder zurückkehren zu unseren glorreichen Tagen, heißt es zum Herunterreißen des Banners der Hezbollah. (9)

Insofern trifft die Einschätzung von Stop the Bomb den Sachverhalt nicht: Bekannt war jedoch bereits vorher, dass das Regime vor diesem Tag zitterte und dass die Revolutionsgarden drohten, mit aller Härte gegen Menschen vorzugehen, die den antiisraelischen Slogans des Regimes widersprechen. Die Regimepresse hat den oben zitierten Satz "Nicht Gaza…" bereits aufgegriffen und behauptet, er wäre von "Zionisten" verbreitet worden. Widerspruch gegen die anti-israelischen Slogans des Regimes ist nur von einer kleinen Minderheit der Opposition zu erwarten, die meisten sind stolz, Perser und keine Araber zu sein, sie sind nationalistisch und israelfeindlich. Von Zionisten und vom Mossad ist sowieso alles dem Regime widersprechende. Da hat sich seit Schah-Zeiten nichts geändert. Bahman Nirumand spricht in seiner Rede in Hamburg, am 20. Dezember 1978, von den "anderen Feinden unseres Volkes". Die Zeitschrift Arbeiterkampf Nr. 145, vom 8. Januar 1979, fügt die passende Bildunterschrift zum Foto der blutigen Massaker vom Freitag, den 8. September 1978: "Mit Gasmasken [!] patrouillieren [!] ‚iranische´ Soldaten durch die Straßen Teherans! Am blutigen Freitag [dem Massaker vom 8.9.1978, Anm. TK] verbargen sich israelische Elitesoldaten hinter diesen Masken." (2)

Die Illusionen von Stop the Bomb werden in bewährtem linkskämpferischen Ton vorgetragen: Nachdem die Mehrheit der Iraner in den Massendemonstrationen seit dem 12. Juni die politische Legitimität der Islamischen Republik vor den Augen der Welt zerstört hat, war der 18. September ein Stoß ins ideologische Herz des Regimes – ein offener Angriff gegen seinen Antisemitismus und seinen globalen Expansionismus im Namen der "muslimischen Gemeinde".

Es handelt sich nicht um einen offenen Angriff gegen den Antisemitismus des Regimes, nirgends geht es um die Unversehrtheit Israels, und der globale Expansionismus im Namen der "muslimischen Gemeinde" wird auch nicht Israels wegen geführt, sondern weil die knappen Mittel für die Entwicklung des Iran genutzt werden sollen. Es handelt sich um einen Kampf unterschiedlicher politischer Gruppen um Strategien, um den besseren Weg, die Stellung des Iran zu festigen und auszubauen. Die Palästinasolidarität nach Art des iranischen Regimes wird von der Opposition dabei für hinderlich und schädlich gehalten, da sie zuviel Menschenleben und zuviel iranisches Geld kostet, Milliarden von Dollar. In einem demokratischen Iran würde man das Geld vielleicht nicht verwenden für Operationen gegen Israel, was schon ein Fortschritt wäre, aber auf Grund von Israelfreundschaft geschähe das nicht.

Die letzten drei Abschnitte des Offenen Briefes kommen nach langer Vorrede zum Thema, das den Deutschen unter den Stoppern besonders am Herzen liegt: Deutschland. Die Proteste der Opposition, am 18. September 2009, dem al-Quds-Tag, hätten vielen (nicht nur) in Deutschland Kopfschmerzen und Depressionen verursacht. Warum, bitte? Welchen strategischen Partner hat man verloren? Wer ist "man"? Wieso könnte bei einem Sturz des iranischen Regimes der Antisemitismus nicht mehr verharmlost werden? Wieso würden in Folge eines Regimewechsels im Iran sich eventuell sogar in Palästina Kräfte der Mäßigung und des Ausgleichs mit Israel durchsetzen? Wären der sunnitische und der schiitische Islam und sein Anspruch auf die Rückgliederung Israels in den islamischen Machtbereich damit aus der Welt? Hätten die Saudis und die Scheichtümer plötzlich kein Geld mehr, um in das Vakuum vorzustoßen?

Welcher Antisemitismus wird verharmlost, indem man die antiisraelischen Tiraden Ahmadinejads zu "Übersetzungsfehlern" deklariert? Der Antisemitismus im Iran oder der Antisemitismus bei uns? Warum könnten Israelhasser wie Noam Chomsky, Felicia Langer und Henning Mankell in Deutschland keine Orden und Preise mehr erhalten? Welchen Einfluß sollte eine Änderung, eine Demokratisierung der Regierung des Iran auf Antisemitismus und Anti-Zionismus der Deutschen haben? Warum müßte "man" die Ressentiments im eigenen Namen aussprechen? Solange es auf der Welt andere Antisemiten und andere Israelhasser gibt, braucht kein Deutscher seinen Antisemitismus im eigenen Namen auszusprechen. Was die vielen Deutschen angeht, die vor dieser Konsequenz dann doch zurückschrecken, die haben auch im Dritten Reich nicht ständig und offen und im eigenen Namen ihren Antisemitismus ausgesprochen, es hat gereicht, daß sie nichts dagegen unternahmen.

Vom Iran, unter welcher Regierung auch immer, kann keine Mäßigung des Antisemitismus erwartet werden. Mehrheitlich sind die Iraner gegen Israel und gegen die Juden. Wer´s nicht glaubt, sollte sich mit oppositionellen (!) Iranern unterhalten, die, kaum hat man in aller Gastfreundschaft bei ihnen Platz genommen, Mistkübel über Israel und die Juden ausschütten, man könnte sich über die Lage der Juden im Iran informieren und/oder auch einmal wieder zur Bibel greifen. (10)

22. September 2009

Quellen

(1) Bahamas. Aktuell. Heft Nr. 58, Herbst 2009
http://www.redaktion-bahamas.org/

(2) Die Sachzwänge der Revolution. Über den nicht enden wollenden Verrat der
Linken an der Freiheit der Iraner 1979–2009. Von Tjark Kunstreich,
Bahamas Nr. 58, Herbst 2009, S. 42-46
http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web58-2.htm

(3) Iran. Auf dem Weg in eine neue islamische Revolution: Allahu Akbar.
21. Juni 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-06-21_22-46-54.html

(4) Exiliraner kritisieren ARD. Politically Incorrect, 22. September 2009
http://www.pi-news.net/2009/09/exiliraner-kritisieren-ard/

(5) "Tod Israel!" "Tod Amerika!" Die ARD in den Fußtapfen von al-Reuters.
23. September 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-09-23_17-24-37.html

(6) Iran. Woher kommen die Stimmen für Mahmud Ahmadinejad? 18. Juni 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-06-18_21-54-12.html

(7) Ein Offener Brief an Peter Mezger, ARD-Korrespondent im Iran.
Von Nasrin Amirsedghi, Free Iran Now, 21. September 2009
http://tinyurl.com/m4xwt8

(8) Tod dem Diktator Hassan Nasrallah. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=cfYnX5YaboM

(9) Removing of Hezbollah Banner in Iran 18-September-2009
Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=lzt4zOYatvY

(10) Shi´ite Iran´s Genocidal Jew Hatred. Part 1 (of 4). By Andrew Bostom,
July 20, 2008
http://tinyurl.com/npcr8x

Shiraz 0? By Gary Fitleberg, Iranian.com, February 7, 2003
http://www.iranian.com/BTW/2003/February/Jews/index.html

The Jews of Iran. 1948 Jewish population: 100,000, 2004: ~25,000.
Jewish Virtual Library, 2004
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/anti-semitism/ir anjews.html

Die Enzyklopädie zu Purim: Das Buch Esther. Nach Gaalyahu Cornfelds
"haMikra baOlam". HaGalil, 28. März 2005
http://www.hagalil.com/judentum/feiertage/purim/buch-esther. htm

Iran in meinem Archiv
http://tinyurl.com/m36mjz


Hoch zum Seitenanfang Diese Seite drucken
Zurück zur vorigen Seite Zum Archivdieses Abschnitts Weiter zur nächsten Seite