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Zeitung gelesen [6]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ...

... nur ein leichter Wochenschauer!

Bevor ĂŒber die Leser der MSM die begeisterten Kommentare zur wunderbaren Rede des Messias vor der UN Generalversammlung hereinprasseln, schnell noch ein Thema, das am Tag zuvor ansteht, am 22. September 2009, da versammelt nĂ€mlich Barack Obama zwei störrische Kumpane um sich, Obama rĂ©unit NĂ©tanyahou et Abbas, er zitiert sie zu sich. Vorher hat er sie einzeln zur Brust genommen. Die beiden sollen nun endlich aufhören zu streiten: Gebt euch die Hand, Benni und VĂ€terchen Mazen. Klick, und das Foto des Handschlags der beiden ist schon im Kasten. Premierminister Benjamin Netanyahu hĂ€lt das Foto im Gegensatz zu den MSM nicht fĂŒr geeignet, es in die Fotosammlung seines Besuchs in New York aufzunehmen; Platz dafĂŒr wĂ€re gewesen. (1)

Vielleicht hat er etwas gegen Inszenierungen, die "keinen Fuß in den Wahrheiten haben", wie die Orientalen reden, und ĂŒberlĂ€ĂŸt das Theater Berichterstattern wie Alain Barluet, der meint, es handele sich mangels Erfolges, die Friedensverhandlungen im Orient wieder in Gang zu bringen, um ein symbolisches Foto. Symbolisch fĂŒr was? Man werfe einen Blick darauf und antworte bitte: Symbolisch fĂŒr was?

Schon am 18. September 2009 ist George Mitchell, der Sonderbeauftragte des PrĂ€sidenten, unverrichteter Dinge von seiner Mission zurĂŒckgekehrt, rentrĂ© bredouille, "er sitzt in der Bredullje", sagt der Berliner dazu. Aber das hat man schon gewußt, als er im Dezember letzten Jahres losgefahren ist, hat er doch nicht die leiseste Ahnung, was ihn erwartet. (2)

Seine Mitarbeiter erklĂ€ren, daß der in verzwicktesten Lagen gestĂ€hlte UnterhĂ€ndler kurzfristig nicht optimistisch sei, der Prozeß befinde sich an einem toten Punkt, der Graben zwischen beiden Parteien sei tiefer denn je, bereits als erreicht betrachtete Verhandlungspunkte wie die grundsĂ€tzliche Beschaffenheit der Grenzen Israels oder den Einschluß Jerusalems in zukĂŒnftige Verhandlungen gĂ€lten nicht mehr. Der Artikel handelt von den Fehlern und VersĂ€umnissen Israels.

Wie staunt man, im österreichischen Standard eine gegenteilige EinschĂ€tzung zu lesen. Noch in diesem Herbst gehe es los mit den FriedensgesprĂ€chen. Datum und Inhalt der GesprĂ€che seien allerdings noch offen. Am 24. September will demnach George Mitchell sich mit Vertretern der beiden Parteien treffen, und in der kommenden Woche will er die Gegend erneut und im wahrsten Sinne des Wortes unsicher machen mit seinen vergeblichen MĂŒhen. Barack Obamas Ungeduld, die Verhandlungen in Gang zu bringen, wird von wem gebremst? Richtig, vom ultra-rechten Außenminister Avigdor Lieberman, dem israelischen Hardliner.

Der Standard weiß auch ĂŒber die Reaktion der Hamas auf das Treffen Bescheid: "Jegliches Abkommen oder jeder Vertrag, den er mit Netanyahu unterzeichnet, wird fĂŒr Hamas nicht verbindlich sein." Das Treffen in New York sei eine "Unterwerfung gegenĂŒber den Zionisten" gewesen. (3)

Diese Reaktion der Hamas ist vorhersehbar; denn die Hamas weicht konsequent nicht von ihrer Verfassung ab, sie ist so mit das verlĂ€ĂŸlichste Element in der Region. In Artikel 11 ihrer Verfassung erklĂ€rt sie, daß kein StĂŒck des islamischen Waqf aufgegeben werden darf, als Waqf gilt der Hamas alles Gebiet, das jemals vom Islam erobert worden ist. In Artikel 13 wendet sie sich gegen jede Verhandlung, Konferenz, gegen jede friedliche Lösung des Konfliktes. Mahmud Abbas ist fĂŒr die Hamas ein VerrĂ€ter. (4)

FĂŒr was aber auch Israel herhalten muß, fĂŒr die ersten Gehversuche eines inkompetenten US-PrĂ€sidenten, der nichts von alldem wahrhaben will, und fĂŒr Verdrehungen und Bezichtigungen der MSM!

Der Friedensprozeß befindet sich spĂ€testens seit dem Kongreß der Fatah an einem toten Punkt. Dort erklĂ€rt Abu Mazen alias Mahmud Abbas Israel den Krieg, in dem er ganz Jerusalem als Hauptstadt fĂŒr den zu grĂŒndenden zweiten palĂ€stinensischen Staat fordert - der erste wird 1922 aus 76 Prozent von PalĂ€stina als Transjordanien gebildet, er heißt seit 1946 Jordanien und wird von Abdullah regiert, dem von den Briten zugunsten des Hauses Saud aus Mekka und Medina vertriebenen Emir der Hashemiten, der seinerseits die Juden vertreibt. Transjordanien und das spĂ€tere Jordanien sind gemĂ€ĂŸ Gesetz "judenrein". (5)

Drei Artikel findet man in meinem Archiv zum Thema Fatah-Kongreß. Dort wird nicht nur ganz Jerusalem beansprucht und die Anerkennung des Anspruchs auf Befreiung Jerusalems als Voraussetzung fĂŒr Verhandlungen mit Israel festgelegt, widrigenfalls die Stadt durch "MĂ€rtyrer" befreit werde, sondern es wird auch eine Kommission eingesetzt zur Untersuchung des angeblich ungeklĂ€rten Todes des Yasser Arafat, 11. November 2004, Israel wird unterstellt, ihn ermordet zu haben, die 2300 Delegierten beschließen, daß die Fatah weiterhin eine Befreiungsorganisation sein soll, und daß alle palĂ€stinensischen Araber und ihre inzwischen mehrere Millionen zĂ€hlenden Nachkommen ein "RĂŒckkehrrecht" nach Israel haben. Kadura Fares, ein Mitglied der von der Journalistin Inge GĂŒnther so bezeichneten "jungen Garden", erklĂ€rt ihr fĂŒr den Fall, daß in GesprĂ€chen mit Israel in absehbarer Zeit nichts zustande kommen sollte, er sich vorbehalte, wieder zu den Mitteln des Widerstands zu greifen. Also, verhĂ€lt sich Israel, wie von den Arabern gewĂŒnscht, dann bleibtÂŽs friedlich, wenn nicht, dann geht der bewaffnete Kampf wieder los. Dies und vieles mehr liest man in den MSM ĂŒber den Fatah-Kongreß. (6)

Nichts davon wird in der Berichterstattung der MSM ĂŒber New York berĂŒcksichtigt, sondern die Journalisten improvisieren frei, bis zum Schluß des DreiergesprĂ€ches hoffe Barack Obama auf eine Wiederaufnahme der israelisch-palĂ€stinensischen FriedensgesprĂ€che, die er in seiner Jungfernrede vor der UN-Generalversammlung ankĂŒndigen wolle. Die Verdummung des Publikums sowohl durch Barack Obama als auch durch die willfĂ€hrigen MSM, die nichts davon entlarven, geht immer weiter.

Alain Barluet macht in bewĂ€hrter Figaro-Art Israel verantwortlich dafĂŒr, daß es nichts wird mit den Verhandlungen. Der störrische Kumpan hört nicht auf die dringenden Forderungen der USA und der EU, er will einfach die Besiedelei von GalilĂ€a und Samaria nicht aufgeben, nicht einmal auf Boden, der den Juden schon seit vielen Generationen gehört. (7)

Obama forderte von beiden Seiten gesunden Menschenverstand und FlexibilitĂ€t, schreibt dpa fĂŒr WeltOnline, aber damit wird es nichts, jedenfalls nichts damit, was dpa unter "gesundem Menschenverstand" verstehen könnte, nĂ€mlich das Eingehen auf Forderungen, die Israels Sicherheit weiter gefĂ€hrden wĂŒrden. So bleibt auch fĂŒr WeltOnline nur der Handschlag, beide begrĂŒĂŸen sich mit Handschlag. (8)

Die Wiener Zeitung erwÀhnt selbstverstÀndlich den Handschlag, und dann folgt die einseitige Schuldzuweisung an Israel: Direkte Friedensverhandlungen scheiterten bisher an Israels Weigerung, den Siedlungsausbau in Ostjerusalem und im Westjordanland zu stoppen. Daran werde Netanyahu auch weiter festhalten, erklÀrte sein Medienberater Nir Hefetz. Nichts wird erwÀhnt von den ErklÀrungen des Fatah-Kongresses, die Araber sind wie immer Opfer. (9)

Gudrun Harrer, vom Standard, hat den letzten Stand, Mahmud Abbas sei zu dem Treffen kommandiert worden. Barack Obama habe streng sein wollen, was ihm mißlungen sei. Vielleicht habe es sich um eine Show gehandelt. Sie findet, daß Barack Obama vor dem Standpunkt Israels eingeknickt sei, weil er nur mehr ZurĂŒckhaltung im Siedlungsbau verlangt habe. Aber Israel muß sofort erniedrigt werden, sonst ist´s kein gelungener Artikel der Gudrun Harrer: Wenn Netanjahu auf CNN sagt, dass Obama vor "hunderten Millionen Muslimen" versichert habe (bei seiner Rede in Kairo, Anm.), dass das Band zwischen Israel und den USA unerschĂŒtterlich sei, so hat das auch etwas Flehentliches. Denn so zynisch kann nicht einmal Netanjahu sein, dass er Obama daran erinnern will, was dieser sonst noch alles gesagt hat - und was sich jetzt nicht erfĂŒllt. (10)

Doch, fĂŒr so zynisch halte ich den israelischen Premierminister; denn Ironie und Zynismus sind ĂŒberhaupt noch die einzigen Reaktionen, die man den Äußerungen Barack Obamas gegenĂŒber haben kann, man denke nur an die Kairoer Rede. (11)

Der Mißerfolg des DreiergesprĂ€ches ist schon vorher abzusehen; denn dieser US-PrĂ€sident ist nicht in der Lage, angemessen aufzutreten, erst recht nicht, wenn es um Israel geht. Wer erinnert sich nicht an seine berĂŒhmt-berĂŒchtigte Rede vor dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), am 4. Juni 2008, ĂŒber Jerusalem, das ungeteilt zu Israel gehöre? Barack Obama erklĂ€rt unter rauschendem, nicht enden wollenden Beifall der Teilnehmer der AIPAC-Veranstaltung: Jerusalem must remain the capital of Israel and it must remain undivided. Jerusalem muß die Hauptstadt Israels bleiben, und die Stadt muß ungeteilt bleiben. (18:56). Schon einen Tag spĂ€ter tritt er von dieser KĂŒhnheit zurĂŒck und relativiert seine Zusicherung. Dreiviertel der Juden der USA haben ihn dennoch gewĂ€hlt - oder vielleicht deswegen? Der PrĂ€sident entblödet sich nicht, die Rede bis heute bei YouTube so zu belassen, seine LĂŒgen, sichtbar und hörbar. (12)

So, und nun freuen sich alle auf die Lobhudelei der MSM ĂŒber die gelungene Rede des Messias vor der UNO. Ich mache mich gleich an die LektĂŒre.

23. September 2009

Papierhalde

(1) PM Netanyahu´s Visit to the United States. Prime Minister´s Office
http://www.pmo.gov.il/PMOEng/Communication/meshuleshet/

(2) Obama envoyÂŽs false premise. By Sammy Benoit, American Thinker,
January 22, 2009
http://www.americanthinker.com/blog/2009/01/post_158.html

George Mitchell in meinem Archiv
http://tinyurl.com/nqzrt4

(3) Washington will FriedensgesprÀche noch im Herbst. Von APA,
Der Standard, 23. September 2009
http://tinyurl.com/ndm36s

(4) MidEast Web Historical Documents. The Covenant of the
Islamic Resistance Movement. Hamas Charter, 18 August 1988
http://www.mideastweb.org/hamas.htm

(5) Creation of Transjordan. Palestine Facts
http://www.palestinefacts.org/pf_mandate_transjordan.php

(6) Al Fatah. ZK und Revolutionsrat in deutschsprachigen QualitÀtsmedien.
12. August 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-08-12_18-51-58.html

Al Fatah. Desolate Berichterstattung ĂŒber einen desolaten Kongreß.
10./12. August 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-08-10_21-36-20.html

Al Fatah. Schwesterpartei der europÀischen Sozialisten. 9. August 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-08-09_02-06-31.html

(7) Obama réunit Nétanyahou et Abbas. Par Alain Barluet, le Figaro,
23 septembre 2009, p. 6
http://tinyurl.com/mgdovl

(8) Netanjahu und Abbas begrĂŒĂŸen sich in New York mit Handschlag. Von dpa,
WeltOnline, 23. September 2009
http://tinyurl.com/mqpf6y

(9) Nahost: Obama drÀngt zum Dialog. Wiener Zeitung, 23. September 2009
http://tinyurl.com/nmel69

(10) 1:0 fĂŒr Netanjahu. Von Gudrun Harrer, Der Standard, 23. September 2009
http://tinyurl.com/ldba44

(11) Barack Hussein Obama in Kairo. Die Aufhetzung der "drei Kreise".
6. Juni 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-06-06_23-13-57.html

(12) Video. Barack Obama at AIPAC. Video. YouTube,
posted by barackobamadot.com, June 4, 2008
http://www.youtube.com/watch?v=0cOJNC2EuJw

Bisher erschienen:

Zeitung gelesen [5]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 14. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-14_23-42-46.html

Zeitung gelesen [4]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 11. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-11_22-27-17.html

Zeitung gelesen [3]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 8. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-08_22-35-04.html

Zeitung gelesen [2]: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 2. September 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-09-02_17-59-38.html

Zeitung gelesen: Lose BlÀtter, nicht von Dauer ... 31. August 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-08-31_21-24-48.html


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