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GrĂŒnes Licht fĂŒr die grĂ¶ĂŸte Moschee Frankreichs

Sind Sie fĂŒr den Bau einer großen Moschee in Marseille? fragt der Figaro seine Leser. Um 18:30 Uhr, am 6. November 2009, haben 34 252 Personen abgestimmt. 29,84 Prozent von ihnen sind dafĂŒr, 70, 16 Prozent dagegen. Man darf darauf warten, daß die Umfrage bald beendet wird. (1)

Die Gegner sind allesamt Rechtsextreme, Mitglieder und Sympathisanten des Front National (FN) und der Ligue du Sud, der SĂŒdliga, des vom FN abtrĂŒnnigen BĂŒrgermeisters von Orange Jacques Bompard (MPF), wenn man den Figaro und andere MSM Frankreichs recht versteht. Das Thema ist heikel, und die extreme Rechte, die an AttraktivitĂ€t verliert, hat ihre vollstĂ€ndige Gegnerschaft zur "Moschee-Kathedrale" zum wichtigsten Schlachtroß gemacht, schreibt Aliette de Broqua. (2)

Es ist Ă€hnlich wie in Deutschland, wo sich keine etablierte Partei traut oder aus unterschiedlichen GrĂŒnden veranlaßt sieht, den UnverschĂ€mtheiten der MuslimfunktionĂ€re Einhalt zu gebieten, wo das nur Bewegungen wie Pro-Köln und Pro-NRW tun, womit der gesunde Menschenverstand sich auszuschalten hat - oder will man etwa in die rechtsextreme Ecke gedrĂ€ngt werden?

Jean-Claude Gaudin, VizeprĂ€sident des Senats und UMP-BĂŒrgermeister von Marseille, gehört demnach bis 2001 ebenfalls zu diesem rechtsextremen Lager; denn bis dahin ist er ein Gegner des Riesenprojektes, das die MuslimfunktionĂ€re seit 1996 realisieren wollen. Darf man raten? Er versteht den 11. September 2001 als Aufforderung an alle, der Islamisierung widrigenfalls zu tragender Konsequenzen nicht lĂ€nger im Wege zu stehen. Den Muslimen stehen heute 63 KultstĂ€tten in der Stadt zur VerfĂŒgung, viele davon improvisiert, im Erdgeschoß von HĂ€usern des sozialen Wohnungsbaus oder in kleinen SĂ€len der Stadtbezirke. Er könne nicht 200 000 Muslimen, einem Viertel der Einwohner von Marseille, einen lieu du culte dĂ©cent, eine anstĂ€ndige KultstĂ€tte, verweigern. Jetzt ĂŒberreicht er die Baugenehmigung mit den auf der offiziellen Site der Stadt eingestellten, im Video anzuhörenden Worten: (3)

Wir befinden uns in einer Stadt, die seit 2 600 Jahren besteht. Eine Stadt, in der man immer den Fremden gewöhnt gewesen ist. Heute umfaßt die muslimische Gemeinde von Marseille 200 000 Menschen, von denen 100 000 BĂŒrger von Marseille sind. Man muß sich auch erinnern an diese fusiliers algĂ©riens, algerischen Fusiliere, so nannte man sie, und die tabors marocains, marrokanischen Soldaten, die zu Hunderten getötet wurden bei der Befreiung Marseilles, deshalb wollen wir tatsĂ€chlich Gleichheit, Gerechtigkeit, Ausgewogenheit fĂŒr alle Religionen, die in Marseille ausgeĂŒbt werden. Die Juden haben Synagogen und die Große Synagoge, die Christen die Kathedrale und vielerlei Kirchen, die Buddhisten und Protestanten ebenfalls, und so ist es normal, daß die muslimische Gemeinde eine große Moschee bekommt, das ist es, was sie wollten, und 57 Prozent der Marseiller BĂŒrger, die wir befragt haben, erklĂ€rten sich dafĂŒr. Also, warum wĂŒrden Sie wollen, daß wir das nicht tun. Ich bin glĂŒcklich und stolz, das Projekt angepackt zu haben. (4)

Ein Blick auf die im Jahr 1864 (!) in Castellane, zwischen der Rue de Breteuil und der Ruelle du Dragon, eingeweihte Grande Synagogue de Marseille, eine im gemischt orientalisch-westlichen Stil erbaute Basilika, und man weiß, was man von den Reden des BĂŒrgermeisters zu halten hat. Er sollte einmal zeigen, wo in der Großen Synagoge 7000 GlĂ€ubige Platz finden könnten. Es ist innen vielleicht Platz fĂŒr maximal 1000 Menschen - von mir geschĂ€tzt. Die Leser mögen bitte auf die Fotos klicken und sich selbst ein Bild machen. Dem Brautpaar Johanna und Laurent gratuliere ich schon einmal zu ihrer Trauung, im Dezember: hazloche we broche. (5)

Was die MuslimfunktionĂ€re unter dĂ©cent verstehen, machen sie deutlich. FĂŒr die grĂ¶ĂŸte Moschee Frankreichs, veranschlagte Kosten 22 Millionen Euro, braucht es ein Terrain von 8 600 qm, im Norden der Stadt, auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Schlachthofes von Saint-Louis. Außer einem großen Gebetssaal von 3 500 qm fĂŒr 7000 GlĂ€ubige, ist die Errichtung einer Koranschule (der Figaro bezeichnet sie als Ă©cole thĂ©ologique, theologische Schule, von griechisch theos = Gott), eines Restaurants, einer Buchhandlung und eines Amphitheaters geplant. Das Bauwerk wird in Kristallglas und weißen Kalkstein aus Kroatien gekleidet sein, der auch im Weißen Haus und in der SeufzerbrĂŒcke von Venedig verbaut wurde. Das Minarett wird 25 m hoch sein. Zu den Gebetszeiten, fĂŒnfmal am Tag, soll ein Lichtstrahl von dort ausgesandt werden und der Ruf des Muezzin nur im Innern des GebĂ€udes erklingen. Architekt ist Maxime Repaux.

Welche Rolle die Quadratmeterzahl eines Moschee-Areals fĂŒr die Macht der sie verwaltenden Muslime spielt, kann im Artikel Moschee-Areale im Westen, vom Islam erobertes Gebiet nachgelesen werden. Die Zahl der Delegierten zu den Wahlen des Conseil Français du Culte Musulman CFCM wird nicht nach der Zahl der die Moschee frequentierenden Muslime, sondern allein nach der GrĂ¶ĂŸe des Areals bestimmt:... the number of persons representing the place being related to the size of the site. Lors de lÂŽĂ©lection, chaque mosquĂ©e française disposait dÂŽun nombre de voix proportionnel Ă  sa superficie, schreiben ValĂ©rie Amiraux und Sylvain Besson. (6)

Es geht nur nach den radikalen Muslimen, die laizistischen, mit Sicherheit die Mehrheit in Marseille, haben dazu nichts zu sagen. So bestimmen es der BĂŒrgermeister von Marseille und die MuslimfunktionĂ€re, die sich demnĂ€chst mit einem Areal von 8 600 qm eine gute Position im CFCM erobern können. Deshalb ist Jean-Claude Gaudin nunmehr Freund des Noureddine Cheikh ("Licht des Glaubens"), des PrĂ€sidenten der Vereinigung Die Moschee fĂŒr Marseille, des ehemaligen Chefs des Halal-Unternehmens, des PrĂ€sidenten des CFCM Mohamed Moussaoui und des PrĂ€sidenten des Conseil RĂ©gional du Culte Musulman Provence Alpes CĂŽte d´Azur, des PACA-Regionalrates der Muslime, Khalid Belkadir. Stimmen wird´s der UMP nicht einbringen, sondern Abwanderungen zum Front National und einen hohen Prozentsatz weiterer NichtwĂ€hler. (7)

Was die Finanzierung des Riesenprojektes angeht, so fehlen von den 22 Millionen veranschlagten Euro noch ebenso viele, aber etwa fĂŒnfzehn reiche LĂ€nder haben uns ihrer Hilfe versichert, erklĂ€rt Noureddine Cheikh. Algerien hat zur Finanzierung des Bauantrages schon 170 000 Euro ĂŒberwiesen. Die Gemeinde der Komoren, die im Juni durch das Drama des FlugzeugunglĂŒcks der Yemenia geschlagen wurde, hat 60 000 Euro ĂŒberwiesen, weiß Le Parisien und vermeldet den Moscheebau auf 8 600 qm anstatt unter Eroberung unter Religion. Wer bislang noch Zweifel gehabt hat, daß Islam krank und dumm macht, der wird hier einmal mehr eines anderen belehrt. Die Komoren sind eines der Ă€rmsten Fleckchen Erde der Welt, aber die grĂ¶ĂŸte Moschee Frankreichs wird von deren muslimischer Gemeinde finanziell unterstĂŒtzt. Wer das kritisiert, und wer kritisiert, daß die muslimische Gemeinde von Marseille das Geld annimmt, der kann nur rechtsextrem sein! (8)

Zur Beschwichtigung etwaiger Kritik erklĂ€rt Jean-Claude Gaudin dem Figaro, daß 57 Prozent der BĂŒrger Marseilles einverstanden seien mit dem Moscheebau. Wen er hat befragen lassen, geht nicht daraus hervor, Figaro-Leser offensichtlich nicht. In der Finanzierung des Baues durch das islamische Ausland sieht er kein Problem, von "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing" hat er anscheinend noch nicht gehört. Es sei die Wahl der Moschee-Vereinigung, wen sie den Bau finanzieren lasse. Die einkommenden Spenden laufen ĂŒber die öffentliche Caisse des dĂ©pĂŽts. Der PrĂ€sident dieses Finanzinstituts wird durch Dekret vom PrĂ€sidenten der Republik ernannt. Gelder, deren Herkunft nicht nachgewiesen werden kann, wĂŒrden nicht akzeptiert, ebenso keine Einzelspenden, die mehr als 20 Prozent der Gesamtkosten betragen. Da mĂŒssen sich die Spender einiges einfallen lassen, um das zu umgehen - vielleicht Hawala? (9)

Die Vereinigung des Noureddine Cheikh berichtet außerdem von einem öffentlichen Spendenaufruf, und man darf gespannt sein, wieviel zusammenkommt von den 200 000 in Marseille wohnenden Muslimen. Es wird nicht viel sein. (10)

Die Islamisierung Frankreichs wird aus dem Ausland finanziert. Der Grundstein der Moschee soll am 21. April 2010 gelegt werden, dem Tag nach Mohammeds Geburtstag, und die Einweihung ist im November 2011 vorgesehen, zum Opferfest ´Id-ul-Adha. Bis dahin haben die Finanziers aus Saudi-Arabien, den ScheichtĂŒmern, aus Algerien und Marokko noch einige Dollar und Euro lockerzumachen.

Derweil geben die Gegner des Moscheebaus nicht auf. Der rechtsextreme Mouvement National RĂ©publicain (MNR) des Bruno MĂ©gret und der Front National sowie die Ligue du Sud klagen nach Auskunft von Jacques Bompard weiter. "Die zu niedrige Pacht ist einer Hilfe fĂŒr den Bau gleichzusetzen, was der LaizitĂ€t entgegensteht. Es gibt also keine Veranlassung, einen Pachtvertrag abzuschließen. Ist aber der Pachtvertrag nichtig, dann ist auch die Baugenehmigung nichtig," versichert Ronald Perdomo, der Anwalt der Ligue du Sud. (2)

Alle anderen Parteien, links von MNR, FN und Ligue du Sud, sehen sich nicht in der Pflicht, Kritik und Bedenken der Bevölkerung ernstzunehmen; die Ă€ußert derweil mancherorts ihr Mißfallen, im Figaro beispielsweise, der das, wie vorausgesehen, bald abstellt. Le vote est clos. Vous ĂȘtes 34252 Ă  y avoir participĂ©. Die Umfrage ist beendet. Sie sind 34 252, die sich beteiligt haben. (1)

6. November 2009

Quellen

(1) Êtes-vous pour l´Ă©dification d´une grande mosquĂ©e Ă  Marseille ? Le Figaro,
5 novembre 2009
http://tinyurl.com/yexu7ck

La Mosquée de Marseille (site officiel). Video.
B.A.M. Bureau Architecture Méditerranée
http://www.lamosqueedemarseille.org/projet.aspx

(2) Marseille : feu vert pour la plus grande mosquée de France. Le Figaro,
6 novembre 2009, p. 1 (nicht online)

Marseille : la plus grande mosquée de France en 2011. Par Aliette de Broqua,
Le Figaro, 6 novembre 2009
http://tinyurl.com/ybk8uug

(3) Jean-Claude Gaudin, SĂ©nateur des Bouches-du RhĂŽne
http://www.senat.fr/senfic/gaudin_jean_claude89029v.html

(4) Jean-Claude Gaudin remet le permis de construire de la "Mosquée de Marseille". Video. Marseille.fr
http://www.marseille.fr/sitevdm/jsp/site/Portal.jsp

(5) Synagogue dite aussi le grand temple ou la grande synagogue,
Marseille, Bouches-du-RhÎne. Culture. Gouvernement français
http://tinyurl.com/y8wdw2s

From the ark to the back of the sanctuary. Foto.
Inside the synagogue in Marseille. By bobmendo, May 26, 2009
http://www.flickr.com/photos/bobmendo/3569660730/

OĂč et Quand. Johanna et Laurent... Le mariage. Foto
http://johannaetlaurent.com/Mariage/Ou_et_Quand.html

(6) Valérie Amiraux: "CFCM, a French Touch?" ISIM Newsletter 12, June 2003,
p. 24-25
http://www.isim.nl/files/newsl_12.pdf

Sylvain Besson. La conquĂȘte de lÂŽoccident : Le projet secret des islamistes (BrochĂ©), Seuil 2005
http://tinyurl.com/yuslp8

Moschee-Areale im Westen, vom Islam erobertes Gebiet. 23. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-23_17-04-23.html

(7) Remise du permis de construire de la Mosquée de Marseille. Site officiel de Jean-Claude Gaudin, 6 novembre 2009
http://tinyurl.com/yf5j7cp

(8) Africa. Comoros. The World Factbook. Central Intelligence Agency
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/ geos/cn.html

(9) Un investisseur unique. Caisse des dépÎts
http://www.caissedesdepots.fr/le-groupe/identite/qui-sommes- nous.html

3 questions Ă  ... Jean-Claude Gaudin. A.B. (Aliette de Broqua),
Le Figaro, 6 novembre 2009, p.10 (nicht online)

(10) Religion. Marseille donne le feu vert à la grande mosquée.
Le Parisien avec AFP, 6 novembre 2009
http://tinyurl.com/yjuku2e


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