
Frankreich. Martine Aubry und die Fallstricke nach den Regionalwahlen
Der Figaro bringt einen ganzseitigen Artikel auf der Seite 2 zu Martine Aubry: Die Fallstricke nach den Regionalwahlen. Nicht, daß er viel Neues brächte für einen Leser, der sich routinemäßig über die Erste Sekretärin des Parti Socialiste informiert, aber so geballt auf einer Seite ist´s schon beeindruckend, wahrscheinlich meint der Figaro darum, er müßte Internauten abkassieren, die den Artikel von Nicolas Barotte und François-Xavier Bourmaud lesen wollen. (1)
Freunde der schreibenden Zunft, schaut selbst unter den diversen Schlagwörtern nach, und Ihr seht, daß Ihr nicht unbedingt notwendig seid. Dennoch ist der Spruch des Bürgermeisters von Lyon Gérard Collomb, Freundes des Georges Frêche, ein Schmankerl: "Si grand chelem il y a, je crois qu´on le devra surtout aux candidats dans les régions plutôt qu´Ã Martine Aubry." Wenn der Parti Socialiste bei den Regionalwahlen den Durchmarsch macht, dann glaube ich, ist es eher den Kandidaten in den Regionen zu verdanken als Martine Aubry. Achtmal kann man das im Internet aufrufen. Das wird nicht ihr Sieg sein, liest man zusätzlich auf Désirs d´avenir Paris 5, einer Website der Präsidentin von Poitou-Charentes und ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal. Da muß man ihr einmal recht geben. Der Figaro hat den Spruch aus dem Interview des Bürgermeisters mit dem Parisien/Aujourd´hui sowie vom Nouvel Observateur abgekupfert und kassiert trotzdem. Reizend! (2)
Im Interview weist Gérard Collomb darauf hin, daß in den Regionen oftmals eine ganz andere Politik gemacht werde als in der Rue Solférino. Die Ereignisse im Languedoc-Roussillon um den Spitzenkandidaten Georges Frêche sind nur die Spitze des Eisbergs. (3)
Es zeugt von einer Mißachtung der Leistungen anderer. Der Leser kann sich vorstellen, daß die siegreichen Regionalfürsten es der Martine Aubry nicht vergessen werden, daß sie die Lorbeerkränze sich selbst aufs Haupt setzen will. Es gibt 22 Regionen, und die meisten Kandidaten des Parti Socialiste sehen sich nicht als Steigbügelhalter der Martine Aubry. Deren Auffrischung des "demokratischen Zentralismus" ist reaktionär, ihre Schachzüge, beispielsweise die Einführung von Primaires zur Ausschaltung des potentiellen Präsidentschaftskandidaten 2012 Dominique Strauss-Kahn, sind so durchsichtig, daß selbst dessen andere Konkurrenten sich überlegen sollten, ob sie sich einspannen lassen.
Martine Aubry hat außer besten Kontakten zu islamischen Fundamentalisten auch zwei jüdische Berater, nämlich den Wirtschaftsberater und Unternehmer Alain Minc sowie den Soziologen und Forschungsdirektor am EHESS Michel Wieviorka, erfährt man aus dem Figaro. Letzteren haben meine Leser vor einigen Jahren kennengelernt, als er den Antisemiten und Hetzer gegen Israel Edgar Morin in einer Petition der Libération unterstützt und seine Unterschrift zunächst zurückzieht, als er sieht, daß er sich im trauten Kreise von Rechtsextremen und anderen Holocaust-Leugnern wiederfindet, bei Alain de Benoist, Chef der Nouvelle Droite, und Maria Poumier, der Freundin des Roger Garaudy. (4)
Edgar Morin, ebenfalls Jude, schreibt, am 4. Juni 2002, in Le Monde einen Artikel mit der reißerischen Überschrift Israël-Palestine: le cancer, Israel-Palästina: das Krebsgeschwür. Sami Naïr und Danièle Sallenave zeichnen diesen Ausbruch von Haß gegen die Juden, gegen Israel und gegen dessen Premierminister Ariel Sharon mit. Es ist eine Hetze, wie sie lange nicht gesehen wurde. Solche und den Autor unterstützt Michel Wieviorka, der Berater der Martine Aubry. (5)
Alfred Grosser, Daniel Mermet, Rony Brauman und andere Juden- und Israelhasser, von denen ich im Artikel Der Antisemitismus in Frankreich: ein Krebsgeschwür einige aufgelistet habe, stören Michel Wieviorka nicht auf der Unterschriftenliste. (6)
In einer Sendung des Staatssenders France 3 sprechen Jean Bricmont und Rony Brauman über die vollständige Unterwerfung der Europäischen Union unter den Hebräerstaat, unter dem haßerfüllten Blick des wütenden Alexander Adler, dessen Ärger ihn dazu bringt, die Debatte zu schließen, in dem er verspricht, den Iran anzugreifen. Der letzte von 33 Kommentaren zu dem von French Carcan eingestellten Video, in dem Mahmud Ahmadinejad, am 20. April 2009, seine Rede in Genf hält, signiert Dieudonné power, 23. Mai 2009, lautet: Tsahal, le Betar, Israël, Finkelkraut, Adler que des insultes pour moi toute cette merde Au four!!! Die israelische Armee, Betar (von Zeev Jabotinski gegründete militärische Organisation), Israel, Alain Finkielkraut, Alexander Adler, für mich ist diese ganze Scheiße nur eine Beleidigung. In den Ofen!!! (7)
Alain Minc, der frühere Präsident des Aufsichtsrats der Zeitung Le Monde, ist unrühmlich bekannt geworden durch eine Verurteilung zu 100 000 Franc Entschädigung (ca. 15 000 Euro) wegen Plagiates, am 28. November 2001. Er veröffentlicht ein Buch Spinoza, un roman juif, ein jüdischer Roman, den er teilweise abgeschrieben hat aus einem Spinoza-Buch des Professors und Schriftstellers Patrick Rödel. Man kann dies und weitere seiner Machenschaften bei Wiki nachlesen, auch ist er gut freund mit Nicolas Sarkozy. (8)
Das sind die linken israelhassenden oder sonstwie nicht koscheren jüdischen Kreise, les juifs pas très cachères, mit denen Martine Aubry gemeinsame Sache macht, der Figaro erwähnt zwei seiner Mitglieder. Ansonsten hat sie über ihren Ehemann Jean-Louis Brochen, den avocat halal bzw. den avocat des barbus, beste Kontakte zu fundamentalistischen Muslimen. (9)
Von denen will sie noch mehr eingebürgert sehen. Alle hier wohnenden Muslime ohne französische Staatsbürgerschaft sollen das Wahlrecht erhalten, mit den Kommunalwahlen angefangen. So schafft sie sich ein neues Wahlvolk. (10)
Die Juden, die sich nicht zu den Linken à la Michel Wieviorka rechnen, verlassen derweil Frankreich, wie mein Nachbar, ein paar Straßen weiter, und Hebräischunterricht gibt´s nun auch nicht mehr ...
6. März 2010
Quellen
(1) Martine Aubry : les pièges de l´après-régionales. Par Nicolas Barotte et
François-Xavier Bourmaud, Le Figaro, 6 mars 2010 (nur für Abonennten)
http://tinyurl.com/yg8cgx8
(2) "Si grand chelem il y a, je crois qu´on le devra surtout aux candidats
dans les régions plutôt qu´Ã Martine Aubry."
http://tinyurl.com/ya29rcw
Gérard Collomb : Ce ne sera pas sa victoire. Désirs d´avenir Paris 5,
5 mars 2010
http://tinyurl.com/y8g4lpz
(3) Der Parti Socialiste will einen Israelfreund fertigmachen. 29. Januar 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-01-29_20-11-21.html
Georges Frêche in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ydmbydc
(4) Pour Edgar Morin, Danièle Sallenave et Sami Naïr, par Union Juive Française pour la Paix. Par Jean-Claude Meyer, Le Grand Soir, 5 juillet 2005
http://www.legrandsoir.info/article2476.html
Michel Wieviorka. Wikipédia
http://fr.wikipedia.org/wiki/Michel_Wieviorka
(5) Der Antisemitismus in Frankreich: ein Krebsgeschwür. 1./4. Juli 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-07-01_13-45-34.html
(6) "Henryk M. Broder" + "Alfred Grosser". Google.de 550 Ergebnisse
http://tinyurl.com/yekkh3z
Daniel Mermet in meinem Archiv
http://tinyurl.com/yf96gmo
(7) "En Europe, nous obéissons aux diktats Israéliens". Video.
La French Connexion, French Carcan, 1 mai 2009
http://tinyurl.com/ycpf6u4
"Ce soir ou jamais" : Rony Brauman préfère Ahmadinejab aux droits humains.
Par Chantal Crabère, Riposte laïque, 1 mai 2009
http://www.ripostelaique.com/Ce-soir-ou-jamais-Rony-Brauman. html
(8) Alain Minc. Wikipédia
http://fr.wikipedia.org/wiki/Alain_Minc
(9) Martine Aubry in meinem Archiv
http://tinyurl.com/yhtrmw8
(10) Points de vue : martine aubry est prête à brader la république pour séduire les musulmans. Par Christine Tasin, Aufeminin.com, 16 janvier 2010
http://tinyurl.com/y9jfdnj
|