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Son of Hamas. Statt einer Rezension

Das Buch von Mosab Hassan Yousef und Ron Brackin ist spannend wie ein Krimi, viele Rezensenten haben dar├╝ber geschrieben. Rezensenten wie Joseph Croitoru, der seinen Text nicht nur f├╝r die FAZ, sondern auch f├╝r die von der Bundesregierung finanzierten Qantara und Deutsche Welle mehrfach verwertet, bleibt es vorbehalten, den potentiellen Lesern das bew├Ąhrte israelfeindliche Pamphlet zu liefern, angereichert mit unzutreffenden Behauptungen ├╝ber den Vater des Mosab Hassan Yousef, der die Selbstmordattentate der Hamas nur auf ihren Druck hin bejaht haben soll. Nirgendwo in dem Buch steht das, sondern das Gegenteil, der Vater bejahe die Attentate. Das ist ein Schl├╝sselerlebnis des Autors, der erste grunds├Ątzliche Zweifel am Vater und damit an der Hamas und am Islam. Seitenhiebe auf die Evangelikalen erg├Ąnzen die H├Ąme. Manche k├Ânnen einfach nicht anders. (1)

Madrasa of Time, der_wache_Michel und Kommentatoren des Blogs open-speech rechnen mit dem Dhimmi ab. (2)

In der englischen Ausgabe des Buches hei├čt es im Kapitel Acht Fanning The Flames, auf den Seiten 57 und 59: The transition of Hamas into a full-blown terrorist organization was complete. Many of its members had climbed the ladder of Islam and reached the top. Moderate political leaders like my father would not tell the militants that what they were doing was wrong. They could not; on what basis could they declare it was wrong? The militants had the full force of the Qur´an to back them up.

So even though he had never personally killed anyone, my father went along with the attacks. ...

But for a man who could not bring himself to harm an insect, he had obviously found a way to rationalize the idea that it was fine for somebody else to explode people into scraps of meat, as long as he didn´t personally bloody his hands.

At that moment, my view of my father grew much more complicated.

Joseph Croitoru gelingt es mit der Erfindung des Druckes der Hamas auf den Vater, dessen Unterwerfung unter den Islam zu unterschlagen. Es ist sehr unwahrscheinlich, da├č eine f├╝r die Entwicklung des Mosab Hassan Yousef derartig wichtige Erkenntnis falsch verstanden wird. Ich unterstelle Joseph Croitoru Absicht. Es gibt weitere haneb├╝chene Fehlinterpretationen des Textes, so scheint der Rezensent nicht zu sehen, da├č die Dramaturgie des Buches die Entwicklung des Mosab Hassan Yousef nachzeichnet. Der chronologische Bericht geht jeweils von dessen Wissensstand aus. So werden auch die ersten Kapitel spannend, sie beginnen mit dem Standpunkt eines steinewerfenden pal├Ąstinensischen Jungen, es folgt der 18-j├Ąhrige, der sich zur Ermordung von Juden Gewehre beschafft, die auch noch Schrott sind, durch die Dusseligkeit eines Komplizen, der mit ihm am Telefon mehrmals ├╝ber die Angelegenheit quatscht, verhaftet wird und trotzdem zu sich selbst meint: What have I done? I am not a terrorist! I am just a kid. Why are you beating me like this?

Heute sagt er in Interviews dies: "Hamas kann keinen Frieden mit den Israelis machen, ... das ist gegen das, was ihnen ihr Gott erz├Ąhlt. Es ist unm├Âglich, mit Ungl├Ąubigen Frieden zu machen, nur einen Waffenstillstand, und niemand wei├č das besser als ich. Die Hamasf├╝hrung ist verantwortlich f├╝r die T├Âtung von Pal├Ąstinensern, nicht Israel." Oder dies: "Das Problem ist nicht die Hamas, das Problem sind nicht die Leute. Die Wurzel des Problems ist der Islam selbst als Idee." Und dann erg├Ąnzt er, da├č er keine Chance f├╝r Israel und die Pal├Ąstinensische Autonomiebeh├Ârde sieht, Frieden zu schlie├čen. (3)

Was Islamkritiker wie Tilman Nagel und Hans-Peter Raddatz schreiben und es vielfach belegen, daf├╝r ihren Status als Orientalisten abgesprochen bekommen und als Rechte, Rassisten, Ha├čprediger etc. verunglimpft werden, das sagt Mosab Hassan Yousef einfach und selbstverst├Ąndlich genauso. Die Hudna, der ber├╝chtigte Waffenstillstand, ist keiner in unserem Sinne, er dient nicht zur Vorbereitung von Friedensverhandlungen, sondern der Regenerierung der Kr├Ąfte der Glaubensk├Ąmpfer. Eine Hudna darf nicht l├Ąnger als h├Âchstens zehn Jahre w├Ąhren, sie kann seitens der Muslime jederzeit gebrochen werden, wenn sie sich f├╝r stark genug halten, gegen die Ungl├Ąubigen milit├Ąrisch vorzugehen. (4)

Man mu├č nicht FAZ.net lesen, man kann es sich sparen, auf deren Niveau und auf das von Qantara.de und der Deutschen Welle zu sinken. Im Internet gibt´s andere Links in englisch und deutsch zur Gen├╝ge, wobei die englischen Links f├╝nfzig Mal so stark vertreten sind wie die deutschen. Man bediene sich, bitte! (5)

Es gibt einen Son of Hamas Blog und Son of Hamas auf Facebook, wo man auf den letzten Stand der Diskussion gebracht wird. (6)

Selbstverst├Ąndlich hat Mosab Hassan Yousef einen eigenen Wikipedia-Eintrag, der laufend aktualisiert wird. (7)

Man erf├Ąhrt, da├č der Agent des Shin Bet, dort bezeichnet mit dem Decknamen der Gr├╝ne Prinz, bereits im August 2008 dar├╝ber berichtet, da├č er zum Christentum konvertiert ist. Daf├╝r erh├Ąlt er, der Lehre des Koran entsprechend, von der Global Islamic Media Front (GIMF), einer al-Qaida angeschlossenen Terrorgruppe, umgehend Morddrohungen, das Todesurteil. Es ist immer wieder faszinierend anzuschauen, wie die selbsternannten Muslimf├╝hrer mit Pawlowschem Reflex reagieren. Islamkritiker, die solches Verhalten voraussagen und auf die Gef├Ąhrlichkeit der Polit-Ideologie Islam hinweisen, werden daf├╝r als Rechtsextreme und Rassisten gescholten. (8)

Aus der Erkl├Ąrung des Abu al-Harith al-Ansari, von der GIMF, geht einmal mehr hervor, was auch schon Lee Smith, Autor des Buches The Strong Horse herausgearbeitet hat: Die Gegnerschaft gegen Dritte ist zu allererst ein Mittel des Kampfes gegeneinander um die religi├Âse und politische Vormachtstellung in der Region. Al-Qaida versucht mit allen Mitteln, die Hamasf├╝hrer bei den pal├Ąstinensischen Arabern zu diskreditieren. Ansatzpunkte sind F├Ąlle wie die Konversion des Mosab Hassan Yousef. (9)

Al-Qaida ist wie die Hamas eine Zweigstelle der Muslimbruderschaft. Die Tatsache, da├č die Konversion zum Christentum des Sohnes eines Hamas-F├╝hrers ├╝berhaupt m├Âglich ist, beweist f├╝r al-Qaida die Schw├Ąche sowohl des Konvertiten als auch der Hamas:

  • W├Ąhrend Yousefs Kritik an einzelnen sich nicht auf den Islam beziehen, ist seine Kritik an der F├╝hrerschaft der Hamas bedenkenswert. Hamas mu├č ihre Aktionen ├╝berpr├╝fen und bei zuk├╝nftigen Entscheidungen die F├╝hrung durch den Islam suchen.
  • Seiner Apostasie wegen ist Yousef weak-minded, wankelm├╝tig/willensschwach. "Was wissen [Hamas-Unterst├╝tzer] vom Islam au├čer der Bezeichnung? Wir sehen ihren Fanatismus f├╝r die Bewegung, als wenn es Fanatismus f├╝r die Religion w├Ąre." Hamas mu├č ├╝ber den Salafismus lernen und die passenden B├╝cher von Schriftstellern wie al-Tahawi, Ibn Taymiyya und der Najdi Lehrer lesen.

Die Einsch├Ątzung des Konvertiten Mosab Hassan Yousef als wankelm├╝tig bzw. willensschwach zeigt die Beschr├Ąnktheit der Lehre des Islam und seiner G├Ąubigen, die sich einbilden, allein im Islam liege St├Ąrke. Man mu├č allerdings zugeben, da├č der Klerus der christlichen Kirchen sowie die gesamte westliche Welt dem Islam heutzutage ein Bild bieten, da├č zu einer solchen Einsch├Ątzung Anla├č geben kann. Eine Unterscheidung zwischen Individuen und der Gesellschaft, in der sie leben, der Ummah, kann der Islam ohnehin nicht vornehmen, da dem einzelnen kein freier Wille zugestanden wird: (10)

Weder f├╝r einen gl├Ąubigen Mann noch f├╝r eine gl├Ąubige Frau gibt es, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, die M├Âglichkeit, in ihrer Angelegenheit zu w├Ąhlen. Und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, der befindet sich ja in deutlichem Irrtum.

Allah hat entschieden, da├č Mosab Hassan Yousef in eine strenggl├Ąubige Muslimfamilie geboren wird, er hat sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt und befindet sich ja in deutlichem Irrtum.

Die Hamas hat nun nicht nur die Konversion dieses Mitgliedes ihres F├╝hrungskreises zu beklagen, sondern auch noch dessen Agentent├Ątigkeit f├╝r den Erzfeind Israel zu verkraften. Das schw├Ącht ihre Position gegen├╝ber ihren Konkurrenten um die Macht mehr als die gegen├╝ber Israel.

Die israelische Zeitung Haaretz, die den Kn├╝ller des Mosab Hassan Yousef als erste ver├Âffentlicht, bringt laufend Neuigkeiten ├╝ber die Niederlagen der Hamas, zuletzt am 13. Mai 2010 ein Interview mit dem Agentenf├╝hrer des Shin Bet Captain Loai. Man schaue hin&wieder auf Facebook nach, es wird nicht langweilig. Zun├Ąchst hei├čt die ├ťberschrift The Handler, der Betreuer, dann etwas aufgemotzter: Shin Bet Agent diskutiert seine ´besondere Beziehung´ zu einem Hamas-Spion. (11)

Die Folge dieser Gro├čvermarktung ist, da├č die wirklich sensationellen Neuigkeiten, die man aus dem Buch erf├Ąhrt, einfach untergehen, beispielsweise das Gr├╝ndungsdatum der Hamas. Ulrich Sahm zitiert ausf├╝hrlich Brigadegeneral a.D. Schalom Hariri, der die M├Ąr von Israels Gr├╝ndungshilfe f├╝r die Hamas widerlegt, aber die Gr├╝ndung der Hamas setzt er auf Dezember 1987 an. (S. 51) (12)

Jetzt liest man im Buch Son of Hamas, da├č bereits 1986, in Hebron, die Gr├╝ndungsversammlung stattfindet. Das ist insofern wichtig, als man bis heute zahlreiche Artikel findet, in denen die Radikalisierung der angeblich zun├Ąchst nur als Sozialverein t├Ątigen Hamas, die deshalb von Israel Gr├╝ndungshilfe erhalten habe, im Zuge der Ersten Intifada erfolgt sei. Stattdessen wird die Hamas von Anbeginn als Kampftruppe der Muslimbr├╝der aufgestellt: The men who attended this meeting were finally ready to fight. They agreed to begin (sic!) with simple civil disobedience - throwing stones and burning tires. Their objective was to awaken, unify, and mobilize the Palestinian people and make them understand their need for independence under the banner of Allah and Islam. (S. 19f., S. 263)

Man liest ├╝ber Werte des Islam, es ist nichts mit der N├Ąchstenliebe unter Muslimen, es gibt dort Arroganz, Konkurrenz und viel Brutalit├Ąt. Onkel Ibrahim m├Âchte nicht in Verruf geraten dadurch, da├č sein Neffe Baklava verkauft, um die Familie zu ern├Ąhren. (S. 36f.) Zahlreiche Hinweise auf die verfehlte Politik der USA und der EU sowie auf die Komplizenschaft der westlichen Medien und der sogenannten Menschenrechtsorganisationen mit den Terroristen finden sich im Buch sowie auch einige Weisheiten:

  • Most suicide bombers began as moderates. (S. 52)
  • Peaceful coexistence would mean the end of Hamas. (S. 52)
  • Hamas was not an organization as most people understood organizations, with rules and a hierarchy. It was a ghost. An idea. You can´t destroy an idea; you can only stimulate it. (S. 58)
  • Allah had given us the responsibility of eradicating the Jews, and my father didn´t question that, though he personally had nothing against them. (S. 63)
  • These men had imprisoned and tortured my father and were about to torture me. Did they really believe this would make me accept their right to exist? (S. 72)
  • Hamas destroys itself more from the inside than anything Israel can do to it from the outside. (S. 119)
  • I asked myself what Palestinians would do if Israel disappeared - ... if all the Jewish people abandoned the Holy Land ... We would still fight. Over nothing. Over a girl without a head scarf. Over who was toughest and most important. Over who would make the rules and who would get the best seat. (S. 124)
  • The media always seemed focused on the sexy bargaining chips - land, independence, and reparations. But water really was a much bigger issue than land in the Middle East. (S. 152)
  • Why had the U.S. intelligence services not been able to prevent the disaster (of 9/11)? For one thing, they operated independently and competitively. For another, they relied mostly on technology and rarely collaborated with terrorists. (S. 174)
  • I didn´t believe that everybody in Israel and the occupied territories needed to become a Christian in order to end the bloodshed. (S. 207)

15. Mai 2010

Quellen

(1) Der Gr├╝ne Prinz war ein Spion, Von Joseph Croitoru, FAZ.net, 27. M├Ąrz 2010
http://tinyurl.com/32l98qb

Vom Islamisten zum christlichen Missionar. Von Joseph Croitoru,
Qantara.de, 2010
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1331 /i.html

Bekenntnisse des Gr├╝nen Prinzen. Von Joseph Croitoru, Deutsche Welle,
11. April 2010
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5450284,00.html

(2) Anstatt sich zu freuen. Von Time. Madrasa of Time, 26. M├Ąrz 2010
http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/26/anstatt-sich-z u-freuen/

Der Gr├╝ne Prinz war ein Spion. open-speech, 23. - 29. M├Ąrz 2010
http://tinyurl.com/33x6mew

(3) Son of Hamas founder spied for Israel to stop bombers. By James Hider, TimesOnline, February 25, 2010
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/arti cle7039011.ece

Son of Hamas Leader was Top Spy for Israel. By Gil Ronen, ArutzSheva,
February 24, 2010
http://www.israelnationalnews.com/News/news.aspx/136182

(4) "Hudna" - Was hei├čt das? Nahost Focus, 29. Juni 2003
http://www.nahostfocus.de/page.php?id=1534

(5) Mosab Hassan Yousef with Ron Brackin: Son of Hamas. A Gripping Account of Terror, Betrayal, Political Intrigue, And Unthinkable Choices, Salt River, Tindale House Publishers, March 2, 2010
http://tinyurl.com/36e4puu

"Mosab Hassan Yousef" "Son of Hamas" Google.de 254 000 Ergebnisse
http://tinyurl.com/373uj4e

Ron Brackin. Biography. Amazon.com
http://tinyurl.com/35cqs42

Mosab Hassan Yousef und Ron Brackin: Sohn der Hamas. Mein Leben als Terrorist, SCM H├Ąnssler, M├Ąrz 2010
http://tinyurl.com/2v6hrsy

"Mosab Hassan Yousef" "Sohn der Hamas". Google.de 4 200 Ergebnisse
http://tinyurl.com/3xgy57g

(6) Son of Hamas Blog. Tyndale House Publishers
http://sonofhamas.wordpress.com/

Son of Hamas. By Mosab Hassan Yousef. Facebook
http://tinyurl.com/2do98ss

(7) Mosab Hassan Yousef. Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Mosab_Hassan_Yousef

(8) Mosab Hassan Yousef Receives Death Sentence from the Global Islamic Media Front. By Will McCans, Jihadica, August 22, 2008
http://tinyurl.com/9mn48e

GIMF in meinem Archiv
http://tinyurl.com/32nxljc

(9) Why They Hate Us: Middle Eastern Politics and the Principle of the Strong Horse. By Michael J. Totten, January 27, 2010
http://tinyurl.com/yfo4juc

(10) Sure 33 al-Ahzab. Die Gruppierungen. ZMD, islam.de
http://www.islam.de/13827.php?sura=33

(11) Haaretz exclusive: Hamas founder´s son worked for Shin Bet for years.
By Avi Issacharoff, Haaretz, February 24, 2010
http://tinyurl.com/2es5ag5

Shin Bet agent discusses his ´special relationship´ with a Hamas spy.
By Avi Issacharoff, Haaretz, May 13, 2010
http://www.haaretz.com/magazine/friday-supplement/the-handle r-1.290215

(12) Ulrich W. Sahm: Alltag im Gelobten Land.
Mit einem Geleitwort von Henryk M. Broder und 90 Abbildungen.
240 Seiten. Leseprobe, S. 9-36
Vandenhoeck & Ruprecht, G├Âttingen 2010
http://www.v-r.de/de/titel/1001005101/

Das "Projekt" der Muslimbruderschaft, vom 1. Dezember 1982
http://www.eussner.net/artikel_2008-03-21_19-25-15.html

Siehe auch:

Die Terrororganisation Hamas. Artikel, von 2001 bis 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-01-16_23-37-33.html


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