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Gaza. Die "Friedensflottille" schippert durch die französischen MSM

Der Spuk der "Friedensflottille" ist vorĂĽber, die Fracht des NachzĂĽglerschiffes Rachel Corrie ist wie die anderen nach Ashdod verbracht, und nun beginnt die Hochzeit der von ihren muslimischen Freunden gelenkten linken nĂĽtzlichen Idioten. Eine weitere HilfsgĂĽterfracht gestern durchsucht. Gaza: Israel bleibt hartnäckig, die StraĂźe protestiert, titelt L´IndĂ©pendant Ă€ la Une, als GroĂźaufmacher mit einem Foto der knapp 300 Demonstranten mit ihren tĂĽrkischen und palästinensischen Fahnen und Pali-TĂĽchern. Der IndĂ©pendant, eine Provinzzeitung aus der Le Monde-Gruppe, stellt das Foto auf seine Startseite im Internet. Auf den Seiten 3 und 28 geht´s weiter. AusdrĂĽcklich wird erwähnt, daĂź die 300, bewacht von 40 Polizisten, friedlich geblieben sind. Israelis sind nicht mit Stangen, Latten und Zwillen angegriffen worden, es waren keine Israelis anwesend. (1)

Organisator ist das Collectif 66 Paix et Justice en Palestine, das eine eigene vom IndĂ©pendant veröffentlichte Site unterhält, auf der AnkĂĽndigungen von Demonstrationen und Boykottforderungen aller Art gelistet sind. L´IndĂ©pendant identifiziert sich kommentarlos mit diesen Forderungen und widmet ihnen einen eigenen Kasten (nicht online):

  • Umgehende Aufhebung der Blockade gegen Gaza.
  • Ende der Straffreiheit fĂĽr Israel und Aburteilung der Verbrechen des Staates zusammen mit internationalen Sanktionen.
  • Freilassung der in Israel verhafteten Mitglieder der Internationalen Solidarität und unter internationaler Kontrolle Verfrachtung der HilfsgĂĽter nach Gaza.
  • Annulierung des Projektes der Ansiedlung des israelischen Exporteurs von "auf den Palästinensern gestohlenem Territorium angebauten Produkten" AGREXCO im Hafen von Sète. (2)

Das Kollektiv vereinigt 33 anti-israelische Vereinigungen und Bewegungen. Sprecher sind Araber bzw. arabischstämmige Franzosen.

L´IndĂ©pendant macht sich zum Sprachrohr dieser linken anti-israelischen, judenfeindlichen Fanatiker. Drei Fotos veranschaulichen, was am 5. Juni 2010 bei der Demonstration auf der Place de Catalogne abläuft: Eine bekopftuchte Frau trägt eine Palästinenserfahne, mehrheitlich tĂĽrkische und nordafrikanische Männer ziehen durch die StraĂźen, Frauen sind eine verschwindende Minderheit, und ein Foto ist ganz den tĂĽrkischen Nationalfahnen gewidmet, sie werden von um ihre erschossenen neun Landsleute trauernden TĂĽrken der PyrĂ©nĂ©es-Orientales getragen. Der IndĂ©pendant spricht von acht toten TĂĽrken, vielleicht wird der neunte, der tĂĽrkische US-BĂĽrger, durch Verschweigen bestraft? (3)

Nicht möglich? Weit hergeholt? Im westjordanischen Nabi Saleh demonstrieren über Israels Operation gegen die "Friedensflottille" empörte Araber. Sie tragen dabei die Nationalfahnen aller Staaten, deren Staatsbürger auf den Schiffen des Konvois gewesen sind. Aller? Nein, nach einer Debatte, ob die Fahne der USA mitgeführt werden soll, wird darauf verzichtet, weil Amerika noch immer als Israels engster Verbündeter angesehen wird. Selbstverständlich macht es die US-Friedenskämpfer nicht stutzig oder gar ärgerlich, trampeln sie doch gern auf ihrem Star Spangled Banner herum. (4)

In der Rubrik Gesellschaft berichtet L´IndĂ©pendant in einem FĂĽnfspalter von der europäischen Protestwelle gegen Israel und ĂĽber die Durchsuchung des Schiffes Rachel Corrie. Hunderttausende sind in allen groĂźen europäischen Hauptstädten fĂĽr die Aufhebung der Blockade Israels gegen Gaza marschiert, lautet die Ăśberschrift. Kommt´s dann zu konkreten Zahlen, so bleiben von den Hunderttausenden nicht einmal hundertausend Demonstranten ĂĽbrig. Das aber fällt dem IndĂ©pendant nicht auf in seiner Begeisterung fĂĽr die Friedenskämpfer und Terroristen. (5)

In Istanbul seien 10 000 Demonstranten dem Aufruf der islamistischen (sic!) IHH gefolgt. "Israel Mörder!" und "Auge um Auge, Zahn um Zahn, Rache!" sei gerufen worden. In der TĂĽrkei hätten seit dem Angriff auf die Mavi Marmara zig Tausende gegen Israel und fĂĽr die Hamas demonstriert. Mehrere Tausend gibt´s in London, mehrere Hundert in Dublin, wo die 19 Passagiere des irischen Schiffes Rachel Corrie als "Helden" gefeiert worden seien.

Auffällig ist die geringe Zahl der Demonstranten. In Istanbul, dem Sitz der radikalislamischen IHH kommen 10 000 Leute dem Aufruf nach, in der ganzen TĂĽrkei sind´s nur zig Tausende, in Dublin nicht einmal tausend. Und in Perpignan sind´s 300. Welch eine Welle der Proteste!

Aujourd´hui / Le Parisien feiert 1 200 Tunnel zwischen Gaza und Ă„gypten

In meinem StammcafĂ© liegt auch der linke Aujourd´hui aus, in der von Walter Benjamin so bezeichneten Hauptstadt des 19. Jahrhunderts heiĂźt er Le Parisien. Die untere Hälfte des Blattes ziert das Foto eines gebĂĽckt durch ´nen schmutziggrauen Tunnel kriechenden barfĂĽĂźigen - also sehr armen - jungen Mannes: Dans les tunnels avec ceux qui vivent Ă  Gaza. In den Tunneln mit denen, die in Gaza leben. Wer weiĂź, was den Orientalen Schuhe bedeuten, der kann die Infamie des Fotos besser wĂĽrdigen. Während gestern die israelische Marine ein weiteres HilfsgĂĽterschiff, die Rachel Corrie, durchsucht, konnten unsere Reporter in die Tunnel hinabsteigen, die die Palästinenser benutzen, um die Gaza aufgezwungene Blockade zu umgehen, ist das Foto untertitelt. Mehr erfahre man auf den Seiten 8 und 9.

Die Operation Israels wird in einem Atemzug mit den zwischen Ägypten und Gaza gegrabenen Tunneln genannt, Ägypten aber dabei nicht erwähnt. Die von den Ereignissen um die "Friedensflottille" zugedröhnten Leser können gar nicht anders, als die Tunnel ebenfalls der Blockade Israels zuzuschreiben. So funktioniert die Demagogie der französischen MSM.

Gespannt bin ich nun auf die Seiten 8 und 9. Was erfährt der Leser über das Leben in Gaza trotz der Blockade, Vivre à Gaza malgré le blocus? Der Untertitel lautet: Proche-Orient. Les Gazaouis contournent le blocus grâce à des tunnels. Dehors, les Israéliens interdisent tout accès aux humanitaires. Naher Osten. Die Bürger von Gaza umgehen die Blockade dank der Tunnel. Draußen verbieten die Israelis jeden Zugang der humanitären (Organisationen).

Mit Ă„gypten hat das noch immer nichts zu tun. Es folgt eine Skizze von Israel und Gaza. Eingezeichnet sind die Städte Tel Aviv, Jerusalem und Gaza-Stadt, bezeichnet als Gaza. Die Leser haben keine Ahnung, wo die Tunnel sein könnten, die Skizze dient zu nichts als zur Verschleierung der Tatsache, daĂź Ă„gypten wie Israel gegen Gaza eine Blockade errichtet hat. Die Zuschreibung der BlockademaĂźnahmen allein an Israel geht im Text weiter: Waren im ĂśberschuĂź seien vorhanden, Luxusautos fĂĽhren durch Gaza-Stadt, donnerstagabends seien die vornehmen Restaurants voller Gäste, zahlreiche Hochzeiten wĂĽrden dort gefeiert, alles sei wie "vorher", vor 2007, als nach der MachtĂĽbernahme der Hamas Israel eine nahezu vollständige Blockade gegen die palästinensische Enklave verhängt hat, IsraĂ«l a imposĂ© un blocus presque total Ă  l´enclave palestinienne. Wieder hat Ă„gypten nichts damit zu tun.

Seit dem Sommer 2007 hält Ägypten seine Grenze zu Gaza verschlossen. Dieselben Leser, die beim Gaza Freedom March mitgezittert haben, ob Ägypten die Grenze in Rafah öffnet, werden nun mit den einzigen und alleinigen Maßnahmen Israels abgespeist. (6)

Es folgt eine Schilderung des tristen Lebens der Armen in Gaza seit der israelischen Operation Gegossenes Blei. Es fehle an allem, Wasser, Elektrizität, an Kühlschränken und an den Schafen, die von den Israelis massakriert worden sind. Israel verbiete die Einfuhr von Baumaterial, aus Furcht, die Hamas könne damit ihre Infrastruktur wieder aufbauen, für die Autorin des Artikels anscheinend eine weit hergeholte, geradezu absurde Befürchtung. Im letzten Absatz erwähnt sie, daß in Geschäften sehr teuere Kühlschränke und Kleider aus Ägypten verkauft würden, man müsse sie bestellen und dann kämen sie durch die Tunnel. Am Ende des Artikels ist noch immer nicht klar, wo sich die Tunnel befinden, nämlich unter der Grenze zwischen Ägypten und Gaza. (7)

Auf Seite 9 folgt der nächste Artikel, von derselben Autorin Catherine Tardrew, der nach Gaza entsandten Korrepondentin: Un réseau souterrain de 1 200 tunnels. Ein unterirdisches Netzwerk von 1 200 Tunneln.

Wer weiterliest, erfährt endlich Einzelheiten. Eine Skizze zeigt schematisiert einen Tunnel unter der 14 Kilometer langen Mauer zwischen Ägypten und Gaza. In Ägypten geht er aus vom Keller bzw. Garten eines Hauses, in Gaza tritt er auf freiem Feld aus. Darunter ist ein Foto eines solchen Loches. Es kommt der Korrespondentin nicht in den Sinn, den Tatsachen entsprechend mitzuteilen, daß die meisten Tunnel in Gaza ebenfalls in oder dicht an Häusern enden. Dann wäre man vielleicht zu schnell bei der armen Rachel Corrie, die zur Besatzungszeit nichts anderes getan hat, als ein untertunneltes Haus vor dem Abriß zu schützen. Zur Erinnerung verlinke ich zwei Sites, eine kritische und die Site von und über Rachel Corrie. Von dort kann man über die News-Seite auch jederzeit GOOGLE News on Rachel Corrie finden. Gegenwärtig über das gleichnamige Schiff und den letzten Stand der Ausweisung aus Israel von Crew und Passagieren. (8)

Catherine Tardrew behauptet, daß die Bürger von Gaza dank dieser Tunnel überlebten. Die regulären israelischen Lieferungen nach Gaza erwähnt sie nicht. Durch die Tunnel werde alles geschleust, von Autos über Kleidung, Nahrungsmittel und Baumaterialien bis zu Arzneimitteln. Und ohne Zweifel die für die Hamas bestimmten Waffen, erfährt man noch eben. Je Tunnel betrage die Investition mindestens $50 000, sie sei aber rentabel, obgleich nach der Fatah nun, ab 2007, die Hamas Steuern darauf erhebe. Die in den Tunneln die Waren transportierten, verdienten $700-1 000/Monat, was in Gaza ein traumhaftes Gehalt sei, wofür sie sich aber, wie die Fotos zeigen, nicht einmal Schuhe leisten können. Mit dem Gehalt werde die Gefahr bezahlt, kaum Luft, jederzeit könne Erdreich herunterkommen, nicht zu vergessen die in der Regel nächtlichen Bombardierungen durch israelische Hubschrauber und Flugzeuge. 400 der 1 200 Tunnel seien während der Operation Gegossenes Blei zerstört worden, sie funktionierten heute alle wieder. Fünf Fotos illustrieren die Geschichte. (9)

Da die Korrespondentin die geschmuggelten Waffen nur nebenbei erwähnt, verlinke ich zu den Aktivitäten des Clans des Mumtaz Doghmush, der durch den Waffenschmuggel zum mehrfachen Dollarmillionär geworden ist. Der Chef hat zum bewaffneten Arm der Hamas gehört, dann aber seine aus mehreren Hundert Kämpfern bestehende eigene Armee des Islams gegründet, der Hamas seine Kämpfer als Auftragsmörder gegen die Fatah vermietet, während des Waffenstillstands Qassam-Raketen auf Israel geschickt und sich später auf Grund von Fehden von Clanmitgliedern, die zur Fatah gehören, mit der Hamasregierung Kämpfe geliefert; in einem davon ist er verwundet und sein Bruder erschossen worden. The elder of ziyon hat weitere Einzelheiten über diese organisierten Banditen. Seine Kämpfer entführen den Soldaten Gilad Shalit, den er an die Hamas weitergibt oder verkauft, er ist im Jahr 2007 auch verantwortlich für die Entführung des BBC Reporters Alan Johnston. (10)

Welch ein GlĂĽck, daĂź man nicht fĂĽr die Propaganda-Artikel des Aujourd´hui bezahlen muĂź, wenn man sich informieren will ĂĽber die Zustände in Gaza. Die nĂĽtzlichen Idioten in Politik und MSM können ĂĽbertreiben, weglassen und erfinden, im Internet bekommen die BĂĽrger Informationen, entscheiden und gehen in den Hauptstädten Europas nicht zu Hunderttausenden zu den von radikalen muslimischen Vereinigungen gelenkten Aufmärschen fĂĽr die "Befreiung Gazas" auf die StraĂźe, sondern sie sind insgesamt nicht mehr als hunderttausend. Demnächst werden es noch weniger sein.

6. Juni 2010

Quellen

(1) Un nouveau cargo d´aide arraisonnĂ© hier. Gaza : IsraĂ«l persiste, la rue proteste. L´IndĂ©pendant, 6 juin 2010, p. 1 (nicht online)

(2) AGREXCO in meinem Archiv
http://tinyurl.com/y8vwkba

(3) Perpignan Palestine Solidarité
http://palestine-perpignan.org/default.aspx

Près de 300 manifestants pour dénoncer le blocus de Gaza.
Par Isabelle Bley, L´IndĂ©pendant, 6 juin 2010, p. 3
http://tinyurl.com/2wujye2

(4) Flottilla News. Israel. 43 years of occupation. Israel Palestine Blogs,
June 4, 2010
http://israelpalestineblogs.com/2010/06/04/israel-43-years-o f-occupation/

No Regrets. By Marcia Froelke Coburn. Foto Bill Ayers. ChicagoMag.com,
August 2001
http://www.chicagomag.com/Chicago-Magazine/August-2001/No-Re grets/

(5) Vague de protestations dans toute l´Europe contre IsraĂ«l. Des centaines de milliers de manifestants ont marchĂ© dans toutes les grandes capitales europĂ©ennes hier pour rĂ©clamer la fin du blocus de Gaza tandis que la marine israĂ©lienne a arraisonnĂ© le "Rachel Corrie" sans violence. L´IndĂ©pendant, 6 juin 2010, p. 28
(nicht online)

(6) Gaza Freedom March in meinem Archiv
http://tinyurl.com/2ujnyrz

(7) Vivre Ă  Gaza malgrĂ© le blocus. Par Catherine Tardrew, Aujourd´hui,
6 juin 2010, p. 8
http://tinyurl.com/2ddtdjb

(8) Rachel Corrie, One Year Later. By Steven Plaut, FrontPage Mag.com,
April 13, 2004
http://97.74.65.51/readArticle.aspx?ARTID=13470

Rachel Corrie (1979 - 2003)
http://www.rachelcorrie.org/

(9) Un réseau souterrain de 1 200 tunnels. Par Catherine Tardrew,
Aujourd´hui, 6 juin 2010 (nur fĂĽr Abonnenten oder fĂĽr 1,50€)
http://tinyurl.com/2u9kxbs

(10) Mumtaz Doghmush. Google.de 327 Ergebnisse
http://tinyurl.com/2b5wyd4

Mumtaz Doghmoush. Google.fr 7 Ergebnisse
http://tinyurl.com/27drqst

Zum Thema lesen Sie bitte auch:

Gaza. Die "Friedensflottille". Update, BlĂĽtenlese, Fragen. 5. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-05_10-29-31.html

Plume du Paon. George Y. Kohler: Im Interesse Europas. 5. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-05_13-40-52.html

TĂĽrkei. Insani Yardim Vakfi (IHH) und ihre "Friedensflottille". 4. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-04_14-30-38.html

Zeitung gelesen [15]: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 3. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-03_11-59-06.html

Zeitung gelesen [14]: Lose Blätter, nicht von Dauer ... 2. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-02_11-03-43.html

The Gaza flotilla and the maritime blockade of Gaza. Documentation.
1. Juni 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-06-01_06-50-10.html

Sowie die Weisheiten vom Schaf ...


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