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Die Lenin-Statue. Linke und die Wahrheit der Welt

Kaum wĂŒnscht sich mein Schaf eine Georges FrĂȘche Statue, da weiß Daniel Cohn-Bendit bereits, daß jener eine will: "Er will, wenn er diese Welt verlassen hat, daß man seine Statue errichten kann." (1)

Dany sitzt mit Außenstellen seiner BrĂŒsseler und Straßburger BĂŒros im Gehirn des RegionalprĂ€sidenten, Abteilung Wille und Macht. TotalitĂ€r strukturierte Persönlichkeiten wissen immer, was andere denken und wollen, die brauchen sich gar nicht erst zu Ă€ußern, und was sie zu wollen haben, wird ihnen mitgeteilt, einst von Trotzky, Che Guevara, Lenin, Stalin, Mao, heute von Zombies wie dem "Roten Dany", Silvain Pastor und Jean-Luc MĂ©lenchon. (2)

Dieser Senator und Vorsitzende des Parti de Gauche, der französischen Linkspartei, einer Abspaltung vom Parti Socialiste zur Sicherung der persönlichen Macht der GrĂŒnder und zum besseren Abgreifen von Staatsknete, erklĂ€rt im RTL den Widersacher, den er in den Regionalwahlen gern vom Sockel gestĂŒrzt hĂ€tte, "was aber nicht funktioniert hat", zur lĂ€cherlichen Figur, "ein bißchen bekloppt, man muß sehr wohl das sagen, was ist", und so weiß auch Jean-Luc MĂ©lenchon bestens ĂŒber Georges FrĂȘche Bescheid, besser als der selbst. Gleichzeitig Ă€ußert er sich ĂŒber das Wahlvolk, das fĂŒr ihn ebenso bekloppt ist: "Die Leute haben FrĂȘche gewollt," jetzt fressen sie FrĂȘche am Morgen, am Mittag, am Abend mit den Statuen, den Schrauben und dem Rest." Wenn die WĂ€hler nicht an GedĂ€chtnisschwund leiden, werden sie es dem Jean-Luc MĂ©lenchon beim nĂ€chsten Urnengang danken, da hilft auch kein Oskar Lafontaine, der segnend seine HĂ€nde ĂŒber die GrĂŒndung der Schwesterpartei gehalten hat. Kommunisten sind in der Partei ausdrĂŒcklich willkommen; daß sie den antikommunistischen Kampf ihres FĂŒhrers gegen Wladimir I. Lenin gutheißen, darf bezweifelt werden. (3)

Mit diesen allein ist die Linkspartei allerdings nicht weiter nach vorn zu bringen, WĂ€hler, Sympathisanten und Mitglieder lassen sich am linken Rand kaum noch gewinnen, da krepeln schon genug andere, und so arbeitet Jean-Luc MĂ©lenchon daran, die Geschichte seiner Bewegung, die Herkunft eines Teiles seiner Kader vergessen zu machen. Eine Lenin-Statue paßt nicht dazu, und auch seine trotzkistische Vergangenheit hĂ€ngt er nicht gern aus dem Fenster. MĂ©lenchon, 57, engagierte sich als SchĂŒler wĂ€hrend der Revolte vom Mai 1968; spĂ€ter war er als StudentenfĂŒhrer bei den Trotzkisten aktiv, bevor er sich 1977 Mitterrands Sozialisten anschloss, berichtet SpiegelOnline. (4)

Noch einer, der wie Lionel Jospin dem Entrisme gemĂ€ĂŸ den Parti Socialiste unterwandert. (5)

Erstaunlich ist die ObjektivitĂ€t von LibĂ©ration und Le Monde, die auch die Argumente des Georges FrĂȘche zitieren und einen Link setzen zum Interview in der Gazette de Montpellier, vom 23. Juli 2010: Lenin ist kein blutiger Diktator. Er ist ein Mann, der im 20. Jahrhundert das Gesicht der Welt verĂ€ndert hat. ... Bei Lenin gab es zwei lichtvolle Momente: die Oktoberrevolution, es ist Lenin, der sie verkörpert, auch wenn er nicht allein war. Und dann ist es die Entkolonialisierung: weil 1917 das Gesicht der Welt verĂ€ndert hat. Ohne 1917 hĂ€tte es keine Entkolonialisierung Afrikas, Indiens, Chinas und, grundsĂ€tzlich, der Welt gegeben, die man die Welt in Entwicklung nennt.

Über Mao Tse Tung sagt er: Mao ist wĂ€hrend zwanzig Jahren groß, im Zeitraum von 1929 bis 1949, danach ist´s Schluß! Als Staatschef war er eine vollkommene Null! Die Kulturrevolution, sie ist ein UnglĂŒck fĂŒr China, aber die Geschichte wird´s vergessen. Die Geschichte wird sich nur an den Mao erinnern, der China seine WĂŒrde zurĂŒckgegeben hat. (6)

Georges FrĂȘche meint, die Errichtung von Statuen reize die Leute, GeschichtsbĂŒcher zu lesen. Das aber ist nicht im Interesse der linken Protestler, die Lenin und Mao aus anderen GrĂŒnden nachgelaufen sind als aus denen, die Georges FrĂȘche heute aufzĂ€hlt. Sie sind auch Stalin, Trotzky und Pol Pot nachgelaufen, hĂ€ngen ihnen teils heute noch an, aber das soll möglichst nicht diskutiert werden; denn es macht sich schlecht im Wahlkampf von PCF, Nouveau Parti Communiste, Parti de Gauche, Les Verts/Écolos, PS. Keiner liebt Lenin der Entkolonialisierung wegen, die schreiben sie eh allein den KĂ€mpfern in den Kolonien zu, keiner ist Maoist gewesen wegen 1929 bis 1949, sondern der Macht wegen, die von diesen beiden ausgeĂŒbt worden ist. Daran teilzuhaben, in deren Sonne widerzuscheinen, das ist die Antriebskraft. Nicht umsonst gibt es so viele kleinwĂŒchsige HĂ€meken unter den Gefolgsleuten der linken Diktatoren, la grenouille qui veut se faire aussi grosse que le boeuf ....

Über die Ansicht der FunktionĂ€re der Regierungspartei UMP streiten sich die Geister, Ablehnung, Zustimmung, Forderung nach öffentlicher Abstimmung - auf einmal! Es handele sich um ein diktat, ein Diktat des Georges FrĂȘche mehr, meint Jacques Domergue, Abgeordneter der Nationalversammlung und Gemeinderatsmitglied von Montpellier, der wie die anderen Konkurrenten dessen Sieg nichts entgegensetzen können, wohingegen sich der Villepinist Jean-Pierre Grand freut, daß unter den ersten Statuen auch eine Statue des Generals Charles de Gaulle in Montpellier angekommen ist. Gegen ihn wie gegen die anderen haben die Linken nichts einzuwenden, trotz Mai 1968, auch der Vertreter der kapitalistischen USA Franklin D. Roosevelt und der britische Antikommunist Winston Churchill entfachen keine Diskussionen, sondern nur ihr ureigener Lenin und sein gelehriger SchĂŒler Mao Tse Tung.

Freunde und Genossen, entspannen Sie sich / entspannt Euch, und hört zur Versöhnung zwei nette Lieder. (7)

20. August 2010

Quellen

(1) Linke gegen Mao und Lenin. Schaf, 19. August 2010
http://www.eussner.net/schaf_2010-08-19_13-20-14.html

(2) Friedrich Nietzsche: Wille und Macht. Herausgegeben von Stephan GĂŒnzel,
Insel Taschenbuch, Suhrkamp / Insel, 2004
http://tinyurl.com/36aycnf

(3) Parti de Gauche
http://www.lepartidegauche.fr/

Les statues des "grands hommes" de FrĂȘche aliment la polĂ©mique.
Par E.D. avec AFP, L´IndĂ©pendant, 20 aoĂ»t 2010, p. 25
http://tinyurl.com/2v5qu44

(4) Frankreichs neue Linkspartei. Lafontaine steht Pate bei "Parti de Gauche". Von Stefan Simons, SpiegelOnline, 29. November 2008
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,593447,00.html

(5) La Bataille socialiste (mostly in French)
http://bataillesocialiste.wordpress.com/chronologie/

Un récit inédit de Jean-Pierre Chevénement. Institut François Mitterand,
20 juin 2003
http://www.mitterrand.org/Un-recit-inedit-de-Jean-Pierre.htm l

KONKRET im Krieg. 15. August 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-08-15_11-22-13.html

(6) Georges FrĂȘche : "Pourquoi j´ose les statues de LĂ©nine, de Gaulle et Mao", laGazettedeMontpellier.fr, 23 juillet 2010
http://tinyurl.com/3yyuyjf

LĂ©nine et Mao au PanthĂ©on de Georges FrĂȘche. (Source AFP),
Libération, 18 août 2010
http://tinyurl.com/2eayv2u

Les statues polĂ©miques de Georges FrĂȘche Ă  Montpellier.
LeMonde.fr avec AFP, 18 août 2010
http://tinyurl.com/33bbtlo

(7) Er rĂŒhrte an den Schlaf der Welt ... Lenin! Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=lyIDzhAuvUU

Nino Ferrer - mao et moa 1967. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=B4ivuB4h5DE&feature=search


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