
Der ultimative Krimi. Nach einer Idee von Wolfgang Röhl
Die Kriminalrätin Berte Bock erbleicht: "Die Ermittlungen führen in höchste Kreise." (Trailer). Sie mustert ihr starkes Team der Kriminalober-, Haupt- und Kommissare. Es gibt Arbeit, ´ne Tote im Moor, im Nachbardorf.
Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter erbleicht: Ist die Tote etwa meine Cousine Consobrina, sie wohnt dort? Er schnappt sich sein Schulterhalfter und schafft´s eben noch ins Polizeiauto, das mit Lalü und Lala ins Dorf abrollt. Sie kommen am Haus der Familie des Opfers an, und Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter hat Gewißheit. Ich werde alles tun, ihren Mörder zu finden, verspricht er bebender Stimme seiner untröstlichen Tante, die ihn gerührt in die Arme schließt: Br´er Rabbit, nur du kannst uns helfen!
Der reißt sich aufgewühlt los. Das Team verläßt die Tante und nimmt sich Henri Boucher, den Fleischer des Ortes vor, der, wie die Tante berichtet hat, schon seit langem der Cousine gewogen ist und ihr bei jedem Einkauf ´ne Trille Wurst schenkt, aber dennoch von ihr verschmäht wird, da sie als bekannte Splash Mountain Bikerin mit Nachkommen der Hugenotten nichts zu tun haben will: "Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 20 Uhr?"
Das ist wohl die Tatzeit? preßt gerunzelter Stirn der Fleischer heraus. Warum fragen Sie mich? "Nichts Besonderes, reine Routinefragen," geben sich die Ermittler betont locker. Da war ich im Büro, hinter dem Laden, und habe die Tagesabrechnung gemacht. Die Ermittler treten aus dem Laden, der sich inzwischen mit neugierigen Dörflern gefüllt hat. Es bilden sich Gruppen für und gegen den Fleischer. Oma Apfel, die sich kurz von ihrem Streichel-Computer entfernt hatte, verdrückt sich ungesehen (wie sie meint), weil sie nichts mit dem Mord zu tun haben will. Wiederholt sich denn alles als Schmierenkomödie? seufzt sie und denkt an ihren Urlaub längst vergangener Tage im Wirtshaus von Dartmoor.
Sie grübelt über ihren Enkel, den sie aufzog, weil seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, und den es aus dem Dorf trieb, weil er die ewigen Hänseleien in der Dorfschänke nicht mehr ertrug. Er war der Jugendfreund der Consobrina, bis sie ihn des Sohnes des Dorfarztes wegen brüsk von sich stieß, was ihn seinerzeit ein: Warte nur, du Biest! zwischen den Zähnen hervorquetschen ließ. Sollte er etwa ...
Inzwischen hat er Finanzwissenschaften studiert, irgendwas mit Aktien und Geld, sogar seinen Doktor gebaut und es in einer Großstadt zwischen München, Köln und Wismar vom Vorstandsassistenten zum Vorstandsvorsitzenden der Tochter des Konzerns Financialgiant gebracht, was die Dorfbewohner nicht wissen sollen, weil Oma Apfel sich nicht mit Neid und Neugier der Dorfbewohner auseinandersetzen will und deshalb schweigt, als wäre sie schon gestorben. Der Enkel Heinz-Hermann Apfel, im Freundeskreis der Großstadt kurz HaHaAh genannt, sieht keine Veranlassung, sich jemals wieder in das Dorf zu begeben, Oma hin&her. Ich schreib´ dir mal, hat er ausgerufen, als er sich damals, lang´ ist´s her, auf sein Moped schwang und im Frühnebel auf der Landstraße verschwand. In Omas Hinterhof krähte gerade der Hahn, was die abergläubische Oma sich bekreuzigen ließ.
Sollte er etwa ...
Warum schleicht sich die Oma fort? Kriminalrätin Berte Bock, der nichts entgeht, winkt ihrem Team: Kommt! Sie lassen die Dörfler bei Fleisch und Wurst zurück und folgen Oma Apfel, die sich nur mühsam, auf ihren Stock gestützt, fortbewegt. Da, stößt Kriminalkommissar Pit Bossy einen unterdrückten Schrei aus, sie betritt ihr Haus. Mit einer Handbewegung heißt er die anderen, sich hinter dem Gebüsch zu verstecken. Wie die Hasen stehen sie halb gebückt und mucksmäuschenstill. Sie warten und lauern, sie wittern.
Jetzt ist die Oma im Haus. Kaum setzt sie die Einkaufstasche mit Wurstebrei und Braunschweiger ab, da klingelt´s. Da sie erst einmal verschnaufen muß, schafft sie es nicht gleich zur Tür. Öffnen! schallt´s von außen, wird´s bald?!
Eingeschüchtert kommt Oma Apfel dem Befehl nach. Die Kriminalrätin und ihre Kriminalober-, Haupt- und Kommissare drücken die Tür weit auf. Ist es des Jungen, ist es Heinz-Hermanns wegen? Oma schickt einen verzweifelten Blick gen Himmel und gedenkt jenes nebelverhangenen Morgens und der drei Briefe, die sie bis heute von ihrem Enkel erhalten hat.
Nach einigen geschickten Fragen kennt die Kriminalrätin die Geschichte des Enkels und seiner Drohung. Aber warum sollte er erst jetzt ... fragt Br´er Rabbit Vetter zweifelnd, es ist doch schon so lange her. Derweil versteckt sich Oma Apfel hinter ihrem Streichel-Computer und will nichts mehr hören und sehen. Das Team stürmt los, mit Lalü und Lala geht´s in die Großstadt, Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler schwenkt die von Oma mit zittriger Hand notierte Adresse als Fahne voran.
Mit quietschenden Reifen hält das Polizeiauto am Haupteingang der Financialgiant. Am Empfang vorbei geht´s die Treppe des lichtdurchfluteten modernen Neubaus hinauf. Aber..., haucht die Empfangsdame, Generaldirektor Apfel ist nicht im Haus. Die Kriminalober-, Haupt- und Kommissare grinsen. Sie kennen den Tagesablauf von Tochtergesellschaften der Financialgiant, hatten sie nicht erst vor drei Monaten bei einer anderen Tochter zu ermitteln? Da ging es ebenfalls um Mord, er war als Selbsttötung getarnt, aber Kriminalrätin Berte Bock hatte dank guter Zusammenarbeit mit den Fahndern der Finanzabteilung des Kommissariats den Fall in Nullkommanichtssimsim gelöst.
Nun kann sie auch die Chefsekretärin Frau Sandra Solid nicht aufhalten, sie ist eh gerade in ein Telefongespräch mit ihrer störrischen Tochter Anja verwickelt. Alleinerziehend hat sie andere Sorgen, als sich einem Haufen wildgewordener Gesetzeshüter entgegenzuwerfen. Bitte, flötet sie zuvorkommend, als wenn es an ihr läge, wenn hier dem Recht Bahn gebrochen würde.
HaHaAh schreckt hinter seinem ausladenden Teakholzschreibtisch hoch. Sie wünschen? Wie kommen Sie hier herein? Die Chefsekretärin verkrümelt sich schleunigst und versucht, das Telefonat mit ihrer Tochter fortzusetzen. Die hat längst aufgelegt und macht weiter mit ihren Dummheiten.
Es geht um Consobrina Vetter! - Ja, was ist mit ihr? - Ach, das wissen Sie nicht? Die Kriminalrätin kann sich einen ironischen Ton nicht verkneifen. - ??? - Sie ist gestern im Moor tot aufgefunden worden. HaHaAh kann es nicht glauben: Consobrina (diese durchgeknallte Zicke Conso, denkt er)? Was tat sie denn im Moor? - Das herauszufinden, Herr Dr. Apfel, sind wir hier. - Und wie kann ich ihnen dabei helfen? Er blickt sie fragend an. Ich habe Conso, das heißt, Consobrina, seit langem nicht mehr gesehen. - Sehen Sie, und das glauben wir Ihnen nicht, oder warum nennen Sie sie noch heute bei ihrem Kosenamen, den nur Sie gebraucht haben, alle anderen nannten sie immer Sobri, wie wir von ihrer Tante wissen.
Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 20 Uhr? - Frau Solid! - Ja, bitte, Herr Dr. Apfel? - Frau Solid, wo war ich gestern zwischen 19 und 20 Uhr? Die Chefsekretärin schaut ihm tief in seine wasserblauen Augen: Hier waren Sie, wir haben die Bilanzen zum Monatsende erstellt. - Also!
Ob der Verdächtigung schaut HaHaAh langsam und eindringlich einen nach dem anderen der Kriminalober-, Haupt- und Kommissare an, dann wendet er sich an Kriminalrätin Berte Bock, seine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen: Was wollen sie von mir? - "Reden Sie, verdammt noch mal, es geht hier um Mord!" - Und ich bitte Sie jetzt höflichst, mein Büro zu verlassen, ich werde meinen Anwalt einschalten, und es wird für Sie Konsequenzen nach sich ziehen, Sie werden demnächst wieder Streife gehen. Ihre Anschuldigungen lasse ich nicht auf mir sitzen, wissen Sie überhaupt, wen Sie vor sich haben?
Wie Sie wollen. "Sie machen es nur noch schlimmer," und auf die Beleidigung kommen wir noch zurück. Die Kriminalober-, Haupt- und Kommissare schauen einander fragend an und dann ebenso fragend auf die Kriminalrätin. Die meint mit einer Handbewegung leise zu ihrem Team: "Lassen wir ihn laufen. Wir haben nichts gegen ihn in der Hand."
Jetzt schaltet er den Anwalt ein, und das kann ich euch flüstern: "Sein Anwalt macht Hackfleisch aus uns." Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler sträuben sich bei dem Gedanken seine restlichen Haare, hat er doch bereits einmal eine Abmahnung in seine Personalakte erhalten, weil er einen Verdächtigen in Anwesenheit von dessen Anwalt beleidigt haben sollte - sollte!
Wir kommen wieder, rufen die Ermittler drohend, was HaHaAh ein müdes Lächeln entlockt. Inzwischen haben die im Kommissariat zurückgelassenen Teammitglieder Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl und Kriminalkommissar Karl Krücke so einiges über die Machenschaften des Dr. Heinz-Hermann Apfel und der Financialgiant herausgefunden. Consobrina Vetter ist darin verwickelt gewesen, die arme Frau wußte wohl zuviel und wollte auspacken. Jetzt haben wir genug Material in der Hand, der wird uns kennenlernen, stößt die Kriminalrätin nach einigen Tagen weiterer fieberhafter Recherche aus.
Inzwischen ist HaHaAh nicht untätig geblieben. Er verwischt Spuren, räumt seine Konten und seinen Schreibtisch leer, er macht sich fertig zum Absprung. Zwei Flugscheine für sich und seine Geliebte Mona Loren hat er in einem Reisebüro der Großstadt gekauft und bar bezahlt: Ab, nach Brasilien, das Land hat mit Deutschland keinen Auslieferungsvertrag. Er verläßt das Gebäude, Mona wartet in einem alten blauen Citroën auf dem Angestelltenparkplatz, hinterm Haus. Hoffentlich springt der Oldie diesmal an, und HaHaAh muß nicht wieder schieben.
Mit hochgeschlagenem Mantelkragen steigt Dr. Heinz-Hermann Apfel die Treppe herab und begibt sich in die Empfangshalle; er will sich unauffällig fortstehlen. "Sie haben keine Chance. Das Gebäude ist umstellt," ertönt es da aus der Polizeiflüstertüte: Achtung, Achtung! Zielperson zieht einen Browning M.1900. "Waffe weg!" erklingt der Schrei der Ermittler wie aus einem Mund. Da setzt sich HaHaAh den Browning M.1900 an die Schläfe. "Selbstmord ist auch keine Lösung," also, reden Sie jetzt, insistiert die Kriminalrätin, wir wollen Ihnen doch nur helfen, aber "wir können Sie auch aufs Präsidium mitnehmen ..." Der Verdächtige weiß, daß er da sowieso abgeliefert wird und schweigt sich aus. Dann will er seinen Anwalt anrufen. Bitte! genehmigt es ihm die Kriminalrätin, Sie haben ein Recht darauf.
Mona läßt den Citroën an und fährt, als HaHaAh nicht kommt, enttäuscht nach Hause. Hat er sie sitzenlassen, fliegt er allein nach Rio? Sie hat von dem Drama nichts mitbekommen, was sich für sie als Glück herausstellen wird.
Im Kommissariat angekommen, geht´s sofort zur Sache. Was ist mit Consobrina Vetter? "Geben Sie zu, Sie haben das Opfer gehasst." Je, nun, also, daß ich sie nicht leiden konnte, weil ich ihretwegen damals in der Dorfschänke gefrozzelt wurde, nun, also, je, "aber deswegen bringe ich doch keinen Menschen um." Dr. Heinz-Hermann Apfel blickt flackernden Auges um sich. "Wovor haben Sie Angst?" Da weiten sich seine Pupillen und verengen sich ebenso schnell wieder, er wirkt, als blickte er in einen tiefen Abgrund. Dann stammelt er: "Aber ich war´s nicht! Sie müssen mir glauben!"
Sie sind hinter mir her. - Wer? - Die Männer! Welche Männer? fragt Kriminalrätin Berte Bock. Kommt jetzt eine fantastische Geschichte, in der Sie das arme, arme Opfer darstellen? Dr. Heinz-Hermann Apfel schüttelt resigniert den Kopf. Er will jetzt nur noch reinen Tisch machen, und stockend, immer wieder befallen von Zittern und Schweißausbrüchen, erzählt er, wie er durch Spielschulden in Schwierigkeiten gekommen ist. Meine Bosse in den USA haben das herausbekommen und mich gezwungen, den Asylbewerbern am Waldesrand, in ihrem Heim, das Leben zur Hölle zu machen, sie ständig zu schikanieren. Dafür haben sie meine Spielschulden beglichen. Ich habe den Auftrag durch Handwerker unserer Firma ausführen lassen, sie haben ständig Reparaturen an der elektrischen und an der Wasserleitung durchgeführt, vorm Heim Gräben ausgehoben und Teile des Daches abgedeckt, so daß die dort gelagerten Habseligkeiten der Asylanten naß wurden. Dann, eines frühen Morgens, brannte das Heim ab, es war an mehreren Stellen Feuer gelegt worden. Ich kam bei den Asylanten sofort unter Verdacht, und die Männer drohten mir durch anonyme Anrufe und durch Briefe, in einem wurde mir eine Patrone geschickt.
Warum haben Sie nicht die Polizei eingeschaltet? Sind die Briefe noch in Ihrem Besitz? - Ich habe die Briefe vernichtet. Die Polizei konnte ich nicht einschalten, es wäre doch herausgekommen, daß mich die Bosse aus den USA zu den Schikanen veranlaßt haben. Es wäre das Ende meiner Karriere gewesen.
Ja, aber was war denn so interessant an dem Asylantenheim? fragt interessiert die Kriminalrätin. Das Grundstück sowie einige der umliegenden Grundstücke sind bereits im Besitz der Financialgiant, das erstklassig gelegene Gelände soll anderweitig genutzt werden. Die Asylanten sind Gefolgsleute des Kriegsverbrechers Ratko Mladic, es entwickelte sich in dem Heim eine nationalistisch-serbische Szene, sie nannte sich Rächer des Amselfeldes. Da horchen die Ermittler auf: Die Schlächter der bedauernswerten muslimischen Kosovaren hatten dort ihre Hochburg? "Könnte die Initiative ´Bürgermut gegen rechts´ hinter dem Brandanschlag stecken?"
Dr. Heinz-Hermann Apfel starrt die Kriminalrätin fragend an: Wer soll denn das sein? Ach, seufzt sie vor sich hin, da zahlt nun die Bundesregierung den Kampf gegen rechts, und keiner merkt´s, außerdem, des Morgens in der Früh´, unwahrscheinlich. "Ich tippe eher auf die Investoren des geplanten Freizeitparks. Das Asylbewerberheim stand ihren Plänen im Wege," wirft der Verdächtige ein, ohne zu merken, daß er sich soeben massivst belastet. Aber das ist doch die Financialgiant, das sind doch Sie!
Chefsekretärin Frau Sandra Solid ist derweil von Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler verhört und auf die Pflicht aufmerksam gemacht worden, die Wahrheit zu sagen: Oder wollen Sie einen Meineid schwören und für Ihren Chef ins Gefängnis wandern? Nachdem sie anfangs dabei bleibt, daß sie zur Tatzeit gemeinsam mit ihrem Chef an den Bilanzen gesessen hat, kommt in ihr nun doch die Eifersucht hoch. Wie war das nochmal mit Mona Loren?
"Es sieht nicht gut aus für Sie. Ihr Alibi wackelt. Wollen Sie nicht endlich gestehen?" fragt Berte Bock den Dr. Heinz-Hermann Apfel mit der sanftesten Stimme, in der ein wenig Mitleid mitschwingt. Möchten Sie einen Kaffee? - Gern! - Die Kriminalrätin wendet sich ab, HaHaAh springt auf, entreißt ihr die Waffe, dem eintretenden Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter versetzt er mit deren Knauf einen Schlag auf den Kopf, springt zur Tür, und weg ist er.
Der Kriminaloberkommissar, der anfangs an der Schuld des Dr. Heinz-Hermann Apfel zweifelte, kriegt nun die bissigen Bemerkungen seiner Kollegen voll ab: Du mit deinem Hang zu den Dörflern, du warst befangen. Die Großfahndung nach Dr. Heinz-Hermann Apfel wird eingeleitet. Er ist der Mörder von Consobrina Vetter, er muß es sein!
Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter mag seiner Tante nicht mehr unter die Augen treten. Sie hatte alle Hoffnung in ihn gesetzt, daß er den Mörder von Sobri dingfest macht. Nun ist der auf&davon.
Im Unternehmen ist inzwischen Diplomvolkswirt Geert Risk, der Stellvertreter des Dr. Heinz-Hermann Apfel, eingetroffen. Er war zur Tatzeit auf Rügen im Urlaub, und jetzt macht er sich daran, Ordnung im Büro zu schaffen. Er findet die Chefsekretärin Sandra Solid in Tränen aufgelöst und nimmt sie sanft in seine Arme. Sandra Solid kann sich kaum beruhigen: Ich hätte beinahe einem Mörder ein Alibi gegeben! - Wer hätte denn auch so etwas angenommen, beschwichtigt sie der Stellvertreter. Da klingelt das Telefon: "Eine Million in kleinen, nicht fortlaufend numerierten Scheinen."
Wer sind Sie? - Antwort am anderen Ende der Leitung. - Was wollen sie? Er erbleicht und flüstert Sandra Solid die Forderung des Anrufers zu. Die will sofort 110 anrufen, aber da bestimmt der Erpresser bereits die Modalitäten der Geldübergabe: "Und kommen Sie allein! Keine Polizei!" Nein, kreischt Geert Risk auf, lassen Sie das, Sandra! Die aber überzeugt den Stellvertreter nach einigem Hin&Her, die Kriminalrätin Berte Bock anzurufen. Was meinen Sie, wer der Erpresser ist? fragt diese. Na, Dr. Heinz-Hermann Apfel, platzt Sandra Solid heraus.
"Die Lösung ist mir irgendwie zu einfach," grübelt die Kriminalrätin. Sie trommelt ihr Team zusammen und schildert die neue Sachlage. Wir bekommen Probleme, bemerkt finster Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter. Der Mord an Consobrina Vetter ist nicht aufgeklärt, der mutmaßliche Mörder uns entwischt, und jetzt haben wir auch noch einen Erpresser am Halse. Da geht die Tür des Besprechungszimmers auf: "Wir sind vom LKA und übernehmen den Fall," erklärt einer der beiden eintretenden Männer lapidar. "Sie werden hier gar nichts übernehmen. Das ist unser Fall, kapiert?" baut sich Berte Bock vor ihrem Team auf, die Hände in den Hüften.
Wieso kann ein Erpresser von Diplomvolkswirt Geert Risk eine Million fordern, was könnte er gegen ihn in der Hand haben? Diese naheliegende Frage stellt, als die beiden LKA-Beamten mit der Drohung: Wir kommen morgen wieder! den Raum verlassen haben, ausgerechnet das jüngste Teammitglied, Kriminalkommissar Pit Bossy. Eine fieberhafte Arbeit beginnt. Wer ist Geert Risk? Woher stammt er? Was ist mit seinem Aufenthalt auf Rügen? Wie war sein Verhältnis zu Dr. Heinz-Hermann Apfel? Kannte er gar Consobrina Vetter?
Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl und Kriminalkommissar Karl Krücke finden heraus, daß Consobrina Vetter und Geert Risk sich aus Studienzeiten kennen müßten. Der Pathologe tritt ein mit dem Obduktionsbefund. Kriminalrätin Berte Bock liest und staunt: Ach, nee! Die Tote war im dritten Monat schwanger. Die Tante wird telefonisch befragt. Ja, erklärt sie, Sobri war bei mir, um ihr Herz auszuschütten und mich um Rat zu fragen eines Mannes wegen, sie hat aber nicht gesagt, wer er ist, und worum es im einzelnen geht. Ich fahre nach Rügen, ich will wissen, ob er mich wirklich liebt. Nach Rügen? Sind Sie sicher? Die Kriminalrätin sieht ein Mosaik sich allmählich zusammensetzen.
Geert Risk wird zum Verhör abgeholt. Ein Polizist drückt ihn, die Hand auf seinem Kopf, ins Auto. Erst behauptet er, Consobrina Vetter nicht zu kennen, dann erinnert er sich doch. Und wie war das mit Rügen? - Von dort bin ich mit meiner Familie nach Hause gefahren. Die Ehefrau wird verhört und berichtet unter Tränen, daß ihr Mann zwei Tage vor Urlaubsende ins Unternehmen zurückkehren mußte, und sie mit den Kindern auf Rügen geblieben sei. Da kann Geert Risk nicht mehr an sich halten. Die Wut bricht aus ihm heraus: Sie wollte mich ruinieren, meine Familie zerstören, meiner Frau alles sagen. Sie hat sich eingebildet, daß ich mich scheiden lasse, wovon nie die Rede war. Ich würde doch bei einer Scheidung ohne einen Cent dastehen, alles gehört meiner Frau, und wir haben im Ehevertrag Gütertrennung vereinbart.
Ich wußte, daß sie bei ihrer Tante ist, ich habe sie dort angerufen und ihr gesagt, ich käme zu Besuch ins Dorf, würde mit ihr alles besprechen, die Scheidung hätte ich eingereicht, sie solle mich am Dorfeingang erwarten, es müsse mich niemand sehen. Dann bin ich mit ihr ins Moor, einen kleinen Spaziergang machen, wobei es zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Ich wollte es nicht, ich wollte sie nicht umbringen, das müssen Sie mir glauben! - Darüber hat der Richter zu befinden. Abführen!
Der Erpresser wird einer aus dem Dorf sein, der ihn gesehen und herausgefunden hat, wer der Mann ist, meint Kriminalkommissar Pit Bossy. Sollen wir dem noch nachgehen? Er erhält keine Antwort und fragt so nebenbei: Was ist jetzt mit Dr. Heinz-Hermann Apfel? Die Kriminalrätin wundert sich: Was soll mit ihm sein? Er wird noch von uns hören, der Schlag mit dem Kolben meiner Waffe auf den Kopf von Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter wird ein Nachspiel haben. Aber was ist mit dem Asylantenheim? setzt Kriminalkommissar Pit Bossy nach. Wo kein Kläger ist, ist kein Richter, Menschen sind doch nicht wirklich zu Schaden gekommen.
Derweil hat HaHaAh vernommen, daß der Mörder seiner Jugendfreundin Conso gefaßt ist. Er ruft seine Geliebte an, die schon gefürchtet hat, er sei ohne sie nach Rio abgehauen: "Lass uns irgendwo hingehen, wo uns keiner kennt, und neu anfangen." - Und was ist mit Rio? - Ja, das war für den Fall, ich komme aus der Mordsache Conso und der Sache mit dem brennenden Asylantenheim nicht heraus. Mit meinen Ersparnissen kommen wir nicht weit, wir müssen schon noch arbeiten. Mona Loren hat sich das aber nicht so vorgestellt und schmollt.
Ich weiß nicht, ich weiß nicht, meint Kriminalkommissar Pit Bossy. Das ist keine Gerechtigkeit, non est iustitia. Dr. Heinz-Hermann Apfel kommt einfach davon? "Er war nur ein armes Würstchen. An die Hintermänner kommen wir nicht ran," belehrt ihn Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler, "komm, ich geb´ ne Currywurst aus."
Moral: So ist das, und dafür gibt´s ´n Bonustrack:
"Wissen Sie, wie viel Scheiße einer gefressen haben muss, bevor er kriminell wird?" (Sozialarbeiter zu Kapitän Ehlers von der "Albatross", aus der ZDF-Vorabendserie "Küstenwache"). Paßt doch, oder?
Regie: Das wirklich wahre Krimi-Leben in ARD und ZDF
Buch: Gudrun Eussner, nach einer Idee von Wolfgang Röhl (1)
Kamera: Team Darkroom
Musik: Anton Karas (2)
Darsteller: Casting läuft, Bewerbungen erbeten an ARD und/oder ZDF
Kriminalrätin Berte Bock
Kriminaloberkommissar Br´er Rabbit Vetter
Kriminalhauptkommissar Eduard Meddler
Kriminalkommissar Pit Bossy
Kriminalhauptkommissar Robby Rollstuhl
Kriminalkommissar Karl Krücke
Zwei Beamte vom LKA
Pathologe
Heinz-Hermann Apfel
Consobrina Vetters Tante
Oma Apfel
Chefsekretärin Sandra Solid
Diplomvolkswirt Geert Risk
Mona Loren
Empfangsdame
28. August 2010
(1) Sätze, die in keinem deutschen Fernsehkrimi fehlen (sollten).
Von Wolfgang Röhl, Achse des Guten, 28. August 2010
http://tinyurl.com/2u6ggjt
(2) Anton Karas - Der dritte Mann - live - 1982. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=lZZHq2JSnnE
SOKO Rhein-Main. Gebt mir meinen Pißpott wieder! 20. August 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-08-20_18-36-53.html
Krimi in meinem Archiv
http://tinyurl.com/3x6j9a7
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