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CML. Die Arabienpolitik Frankreichs. Das KuriositÀtenkabinett. Teil V

FĂŒr das Centre MĂ©diterranĂ©en de LittĂ©rature (CLM), einverleibt in die Arabienpolitik Frankreichs, gibt es keine eigene IdentitĂ€t und Zielsetzung mehr. Renaud Muselier, PrĂ€sident des Conseil Culturel de l´Union pour la MĂ©diterranĂ©e, des Kulturrates der Mittelmeerunion, bestimmt die Richtlinien der Politik. Die Preise werden im Interesse Frankreichs und seiner Mittelmeerunion vergeben. CLM-PrĂ€sident AndrĂ© Bonet wird damit keine Probleme haben, im Gegenteil, seine AffinitĂ€t zu Nazi-Verbrechern wie Robert Brasillach, zu Israelhassern wie Jacques VergĂšs und zur Heiligen Rita prĂ€destinieren ihn zu einer reibungslosen Angliederung des von ihm geleiteten CML an bereits bestehende eurabische Institutionen, wie die Anna Lindh Euro-Mediterranean Foundation for the Dialogue between Cultures. (1)

Diese Lobby-Organisation zur Islamisierung Europas zeigt wie die von Spanien und der TĂŒrkei initiierte Alianza de civilizaciones, Allianz der Zivilisationen, schon im Titel, daß es den Betreibern nicht um Individuen geht, um das Wohlergehen und Zusammenleben einzelner Menschen, sondern um die Positionierung von Gruppen, von Kollektiven. Der israelfeindliche Mouvement contre le racisme et pour lÂŽamitiĂ© entre les peuples (MRAP), die Bewegung gegen den Rassismus und fĂŒr Völkerfreundschaft, gehört ebenso dazu. Wie Kulturen mit Kulturen, Zivilisationen mit Zivilisationen und Völker mit Völkern Dialoge fĂŒhren, Allianzen eingehen, gar Freundschaften schließen können, wird nicht nĂ€her erlĂ€utert. Menschen fĂŒhren Dialoge, Menschen schließen Freundschaften, und Staaten gehen Allianzen ein. (2)

Der Vorrang der französischen Arabienpolitik vor eigenen Zielen des CML wird nicht nur durch die PreistrĂ€ger, sondern auch durch die Redner der Preisverleihung deutlich. ZunĂ€chst darf der GeneralsekretĂ€r des Prix MĂ©diterranĂ©e AndrĂ© Bonet in die Veranstaltung einfĂŒhren; er begrĂŒĂŸt einen Vertreter der Botschaft Israels, gedenkt der Ermordung des algerischen Schriftstellers Tahar Djaout, des PreistrĂ€gers 1991, durch den Groupe Islamique ArmĂ©, im Jahr 1993, erzĂ€hlt etwas von moralischen Werten und von Friedensworten, wobei er sich und seine Wichtigkeit ins rechte Licht rĂŒckt, sich bei diesem&jenem anbiedert: "Mon ami Jean-Paul Alduy". Mein Freund Jean-Paul Alduy, Senator und PrĂ€sident des Ballungsraumes Perpignan-MĂ©diterranĂ©e, "mon ami Charles Aznavour", berĂŒhmter französischer ChansonsĂ€nger, an dessen Seite er sich auf ein Foto plaziert, und der unter ami ganz anderes versteht, woraus man schließen könnte, daß Charles Aznavour eher eine geschĂ€ftliche Beziehung zum CML hat: (3)

Mes relations vraiment sont
Haut placées, décorées,
Influents, bedonnants, des gens bien
Ils sont sĂ©rieux, mais prĂšs d´eux
J´ai toujours le regret de
Mes amis, mes amours, mes emmerdes

Meine Beziehungen sind wirklich
Hochgestellt, ausgezeichnet,
Einflußreich, dickbĂ€uchige, anstĂ€ndige Leute
Sie sind vertrauenswĂŒrdig, aber in ihrer NĂ€he
Fehlen mir immer
Meine Freunde, meine Lieben, mein MordsÀrger.

Verzeihung, aber mit einem ami AndrĂ© Bonet hat das nichts gemein. Der aber ist im kulturellen Leben der Provinz Roussillon ĂŒberall vertreten, oder besser, er schafft es, sich ĂŒberall dort hineinzudrĂ€ngen, wo es PublizitĂ€t zu ernten gibt. Die jĂŒdische Website Zakhor pour la mĂ©moire erklĂ€rt ihn gar zum Botschafter, der die Erinnerung und die Geschichte ... sowie unsere Verpflichtungen und Werte teilt. (4)

Das hat der Judenhasser Robert Brasillach nicht mehr erleben mĂŒssen! (5)

Nach AndrĂ© Bonet ergreift der PrĂ€sident des Kulturrates der Mittelmeerunion Renaud Muselier das Wort. Die Rede ist veröffentlicht auf der offiziellen Site des Kulturrates der Französischen Republik. Renaud Muselier erwĂ€hnt zuerst die Preisverleihung in Paris, im HĂŽtel Marigny, im offiziellen GĂ€stehaus der französischen Regierung, am 24. Juni 2010. Dort nehmen auch Juden teil, u.a. Maurice Halimi, Vertreter der Stadt Perpignan, das Jurymitglied Jean Daniel, Herausgeber des Nouvel Observateur, sowie die Amos Oz - Übersetzerin Sylvie Cohen; weitere 150 Personen feiern den Prix MĂ©diterranĂ©e und seine PreistrĂ€ger, darunter hochrangige Regierungsmitglieder. (6)

Renaud Muselier ist erfreut, in Perpignan drei PreistrĂ€ger wiederzusehen, Dominique Baudis, Amos Oz und Alain Vircondelet. Die ProvinzpreistrĂ€ger des Roussillon sind demnach nicht in Paris eingeladen gewesen. In Perpignan richtet er nicht das Wort an sie, diese fĂŒr die Arabienpolitik unbedeutenden Schreiber Jean-Paul Pelras und Skander Kali, die anwesend sind und spĂ€ter die wenigen frei gesprochenen Reden halten werden, aber es gibt wieder Freunde: mon ami Maurice Halimi, nicht als solcher erwĂ€hnt in der veröffentlichten Rede, und mon ami Dominique Baudis. Er gedenkt des Albert Camus und seines AlgĂ©rie natale und wĂŒrdigt dessen Biographen, den PreistrĂ€ger des Prix MĂ©diterranĂ©e de l´essai 2010 Alain Vircondelet. Dann ergeht er sich in Lobeshymnen auf Amos Oz, der habe sein unendliches Talent in den Dienst der nobelsten aller Angelegenheiten gestellt, in die der AnnĂ€herung zwischen den palĂ€stinensischen und israelischen Völkern.

So erfĂ€hrt man, daß Israelis und palĂ€stinensische Araber zwei Völker sind, und zwar zwei Völker, die mit demselben Land verbunden sind, attachĂ©s Ă  la mĂȘme terre. Deutlicher kann man die AnsprĂŒche der Araber kaum artikulieren. Er dankt Amos Oz, daß er in diesem Sinne arbeitet. Er spricht wenig schmeichelhafte Tatsachen aus, nĂ€mlich, daß Amos Oz und seinesgleichen vom Frieden reden, parlent de la paix, das sei auch eine der Missionen, der sich der Kulturrat bescheiden verschrieben habe: Sich fĂŒr den Frieden und den Dialog der Kulturen des Mittelmeeres einzusetzen und ein Ideal des Respektes und der Toleranz zu verteidigen. SelbstverstĂ€ndlich geht es um Respekt und Toleranz des Mittelmeernordrandes gegenĂŒber den Muslimen am anderen Ufer.

Wo Politik zum Ideal verklÀrt wird, ist Gewaltherrschaft nicht weit.

Renaud Muselier berichtet weiter ĂŒber die Absichten der Regierung Frankreichs mit dem Kulturrat des Mittelmeerraumes: Frankreichs Position gegenĂŒber den arabischen Staaten des Mittelmeeres zu stĂ€rken durch Verschenken von 500 000 BĂŒchern der BibliothĂšque nationale de France, von Eigentum aller Franzosen, an die Ă€gyptische Bibliotheca Alexandrina. (7)

Man muß es sich vorstellen: Islamische Staaten, die nicht bereit und in der Lage sind, außer hohe Auflagen des Koran relevante BĂŒcher in arabischer Sprache herauszugeben, deren Jahresproduktion von Druckerzeugnissen zusammengenommen die Griechenlands erreicht, sie erhalten von Frankreich
500 000 BĂŒcher aus öffentlichem Besitz, und die französische Regierung, die solches genehmigt, bildet sich ein, dadurch werde der Platz der französischen Sprache und Literatur in dem Teil des Mittelmeeres revolutioniert, in einigen Jahren gebe es eine regionale Plattform des Einflusses der französischen Sprache. Das sei also ein Sieg der Francophonie. Wenn man die Startseite der Bibliotheca Alexandrina konsultiert, sieht man, daß die EU die Versuche der Machtausweitung Frankreichs im Mittelmeerraum finanziell untestĂŒtzt.

Das Französische ist lange Zeit die Sprache der Kultur und des Dialoges zwischen den Völkern gewesen, man muß stolz darauf sein und ihr heute diesen natĂŒrlichen Platz wiedergeben, den wir zu oft vernachlĂ€ssigt haben. (8)

Französisch ist die Sprache der Diplomatie und des internationalen Postverkehres, bei beiden geht es weniger um Kultur und Dialog als um Vereinfachung der Briefzustellung und die bessere Durchsetzung der Interessen der verhandelnden Regierungen, ihrer Botschaften und Konsulate. Englisch ist aber inzwischen sehr hilfreich.

Wenn man meint, das seien Festreden, das könne doch gar nicht ernst gemeint sein, dann sollte man sich die vom Strategiekomitee bestĂ€tigten Projekte des Kulturrates der Mittelmeerunion ansehen. UnterstĂŒtzung und Beteiligung: (9)

  • 500 000 BĂŒcher der BibliothĂšque nationale de France an die Bibliotheca Alexandrina,
  • Partnerschaft mit der permanenten Konferenz des Rundfunks und Fernsehens des Mittelmeeres (COPEAM),
  • Projekt eines Mittelmeer-Fernsehens,
  • Kairo-Forum zur Erhaltung und Aufwertung des Handwerks am Mittelmeer,
  • Projekt MAARIFA, gemeinsam mit France TĂ©lĂ©visions zur Förderung von qualitativ hochstehenden Erziehungsprogrammen,
  • EinfĂŒhrung der "Dienstage von Marigny", Vierteljahrestreffen zum Austausch und zur Debatte um ein Thema zum Nachdenken;
  • Prix Roberval MĂ©diterranĂ©en zur Auszeichnung von Werken zur Popularisierung der Wissenschaft,
  • Carthago-Festival zu Design und Mode,
  • Projekt "Frauen des Mittelmeeres", getragen von SchĂŒlerinnen französischer Gymnasien,
  • Projekt fĂŒr ein Orchester junger Musiker des Mittelmeeres,
  • Herausgabe einer pĂ€dagogischen Deyrolle-Tafel ĂŒber den Olivenbaum, (10)
  • Projekt des Festivals der Mittelmeer-Fotografie ...

Frankreich rollt die arabischen Staaten des Mittelmeerraumes auf, Kulturkolonialismus, Propaganda, Indoktrination, bis auf zwei Projekte einseitig fĂŒr die arabischen Staaten konzipiert. Das Festival der Fotografie wird wahrscheinlich ein Visa pour l´Image II, Israelfeindschaft, PalĂ€stinenserbemitleidung und
-bewunderung, der arabische Bauer unterm Olivenbaum, die alte Frau an der "Schandmauer", das ganze Programm, wie man es seit Jahren aus Perpignan kennt, einschließlich schöner Knabenkörper. (11)

Auch das CML und Marseille, die Kulturhauptstadt 2013, werden eingebunden sein. Monsieur 2013 Renaud Muselier, PrĂ€sident des Kulturrates der Mittelmeerunion, und AndrĂ© Bonet, PrĂ€sident des CML, stellen die Kultur in den Dienst der strategischen und wirtschaftlichen Interessen Frankreichs: Marseille und Perpignan, ein neuer Mittelmeer-Archipel. 35 000 BĂŒcher sind in Anwesenheit des Kulturministers FrĂ©dĂ©ric Mitterrand bereits von Marseille nach Alexandria verschifft. Das CML-Team ist zur Reise eingeladen, AndrĂ© Bonet, Jean-Jacques Bedu und Caroline Morel. (12)

Das CML organisiert zu der Gelegenheit in Alexandrien ein erstes Kolloquium, "Ecrire la MĂ©diterranĂ©e", das Mittelmeer schreiben. An den Ufern Ägyptens kommen, am 10. und 11. April 2010, ein Dutzend Schriftsteller aus neun LĂ€ndern des Mittelmeerraumes zusammen. Der Nordrand wird vertreten durch einen Franzosen, einen Griechen und einen Italiener. Wie man sich denken kann, ist kein Israeli eingeladen, nicht einmal ein israelkritischer Jude aus Malta. (13)

Juden und Israel werden vom Kulturrat und dem CML anders gewĂŒrdigt. DarĂŒber demnĂ€chst mehr, ĂŒber Amos Oz und den Einbruch der modernen Zeit ins Dorf
Tel-Ilan sowie ĂŒber den von der "Stimme seines Herrn" Tahar Ben Jelloun gefeierten Juden- und Israelhasser Jean Genet. (14)

Bis dahin Charles Trenet einschalten, zurĂŒcklehnen, genießen: La mer ! (15)

10. November 2010

Bisher erschienen:

Perpignan. Das Centre Méditerranéen de Littérature (CML)
Roussillon, 18. Oktober 2010
http://www.eussner.net/roussillon_2010-10-18_17-04-30.html

Die Mittelmeerunion, ihr Kulturprojekt und das CML. Teil II.
20. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-20_14-54-44.html

Der Kulturrat der Mittelmeerunion und das CML. Teil III. 24. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-24_13-39-05.html

CML. Im Griff der französischen Arabienpolitik. Teil IV. 27. Oktober 2010
http://www.eussner.net/artikel_2010-10-27_16-08-15.html

Quellen

(1) Anna Lindh Euro-Mediterranean Foundation for the Dialogue between Cultures
http://www.euromedalex.org/

Avicenna - Preis. Roland Koch, die CDU und die Allianz der Zivilisationen.
16. April 2009 (Anna Lindh Foundation nach Anmerkung 11)
http://www.eussner.net/artikel_2009-04-16_02-33-17.html

(2) Allianz der Zivilisationen in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ya8kwc3

MRAP in meinem Archiv
http://tinyurl.com/29rhyc9

(3) Jean-Paul Alduy. Sénateur des Pyrénées-Orientales
http://www.senat.fr/senateur/alduy_jean_paul01006k.html

Mes Emmerdes Charles Aznavour. Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=S6bw3lSf2fE&feature=related

(4) Les Ambassadeurs de l´Association Zakhor Pour la MĂ©moire
http://tinyurl.com/2fuc9gp

(5) Robert Brasillach, der Denunziant, der noch immer "ĂŒberall ist".
22. April 2004
http://www.eussner.net/artikel_2004-04-22_11-28-11.html

(6) LES PRIX MEDITERRANEE 2010 REUNIS A PARIS DANS LES SALONS DE
L´HOTEL MARIGNY. CML. Lire en MĂ©diterranĂ©e
http://tinyurl.com/32kdhyl

(7) Bibliotheca Alexandrina. The New Library of Alexandria
http://www.bibalex.org/Home/Default_EN.aspx

(8) Monsieur Renaud Muselier. Conseil Culturel de l´Union pour la MĂ©diterranĂ©e
http://tinyurl.com/25a39cg

Discours de M. Renaud MUSELIER lors de la Remise du
Prix Méditerranée 2010 à Perpignan - 2 octobre 2010. Conseil Culturel
de l´Union pour la MĂ©diterranĂ©e. RĂ©publique Française
http://tinyurl.com/2ubkxpy

(9) Le Comité stratégique du Conseil culturel affirme son action en apportant
son soutien Ă  des projets structurants et ambitieux - 8 juillet 2010
http://tinyurl.com/23d58qc

(10) Deyrolle. Cabinet des curiosités. Depuis 1831
http://www.deyrolle.com/magazine/

Deyrolle: The Strangest Shop in All of Paris
http://www.pbase.com/al309/paris1

(11) Visa pour lÂŽImage in meinem Archiv
http://tinyurl.com/ygob5d2

(12) Un nouvel Archipel Méditerranéen se dessine de Marseille à Perpignan. CML
http://tinyurl.com/27t378l

Un nouvel Archipel Méditerranéen se dessine de Marseille à Perpignan.
Par André Bonet, andre-bonet.skyrock.com, 23 octobre 2010
http://tinyurl.com/2d3b4wc

(13) Table ronde "Ecrire la Méditerranée". La France en Egypte
http://www.ambafrance-eg.org/france_egypte/spip.php?article2 633

(14) Extrait. ScĂšnes de vie villageoise. Par Amos Oz. Traduit de l´hĂ©breu
par Sylvie Cohen. L´Express, 22/27 janvier 2010
http://tinyurl.com/2d8p8ps

Tahar Ben Jelloun : Jean Genet, menteur sublime, Gallimard 2010
http://tinyurl.com/25uot2h

(15) Charles Trénet - La Mer (live Olympia). Video. YouTube
http://www.youtube.com/watch?v=KHYj1-3QrrY


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