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Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt

Der Titel macht neugierig, und schon beginnen die Fragen. Das geht mit der Einleitung los, in der Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" zitiert wird, der Zustand der untergehenden Zivilisation. Der Autor meint, da√ü Oswald Spenglers Analyse in vielerlei Hinsicht auch auf den Zustand der heutigen islamischen Welt zutrifft. Alle Muslime weltweit k√∂nnen sich beruhigt zur√ľcklehnen. Oswald Spenglers Buch stammt aus dem Jahr 1918, und das Abendland ist immer noch nicht untergegangen, da k√∂nnen Nationalsozialismus (pbuh), Kommunismus (pbuh) und Islam sich noch so m√ľhen. Oswald Spengler habe seine Vorstellungen vermutlich vom arabischen Geschichtsphilosophen Ibn Khaldun aus dem 14. Jahrhundert √ľbernommen. (Seite 14) Es soll sich um eine √úbernahme handeln, auch wenn nichts darauf hindeutet. Selbst islamische Sites, die in Ibn Khaldun den Vater der Geschichtsschreibung und der Soziologie feiern und auch Oswald Spengler nennen, behaupten nirgends, der habe von jenem die Ideen √ľbernommen. Die Erfahrung lehrt aber, da√ü sie das ganz gro√ü herausgestellt h√§tten. (1)

Wie alle Muslime sieht auch Hamed Abdel-Samad das Gedankengut des Westens aus dem Islam stammend, man erinnert sich? Europa verdankt seine Entwicklung den Muslimen des Mittelalters. Wegbereitung von Renaissance und Aufklärung durch den Islam, Algebra, Kompaß, Medizin, Druck - alles Muslime, alles Islam. Diese Geschichtsklitterung löst sich so: Algebra: Perser bzw. Uzbeke; Kompaß: Italiener oder Chinese; Medizin: spanische und persische Juden; Druck: Chinesen; Null: Inder. Kunst und Wissenschaft der islamischen Welt werden von Zwangskonvertierten sowie von Juden und Christen vorwärts gebracht. (2)

Sylvain Gouguenheim hat in seinem Buch Aristote au Mont Saint Michel das Nötige zum Thema notiert. (3)

Wer Ibn Khaldun (1332 - 1406) ist, erkl√§rt Hamed Abdel-Samad nicht. Der Islam habe die Verpflichtung, Macht √ľber andere Nationen zu gewinnen, lehrt der Philosoph. √úber das Christentum und seine Heilige Schrift sagt er in seinem Werk Muqaddimah: It is for them (the Christians) to choose between conversion to Islam, payment of the poll tax, or death. (4)

Kein Wunder, daß bei solchem Vorgehen Zivilisationen untergehen.

Gott - Allah - Gottallahlah

Es empfiehlt sich, bei der Lekt√ľre von B√ľchern √ľber den Islam zur Einsch√§tzung von deren Relevanz einige Indikatoren anzuwenden. Ein Indikator ist der Gebrauch der Begriffe "Gott" und/oder "Allah". Hans-Peter Raddatz hat im Mai 2001, vier Monate vor dem 11. September, ein Buch herausgebracht, Von Gott zu Allah? Darin behandelt er auf 528 Seiten den Unterschied zwischen Christentum und Islam, zwischen Gott und Allah. Ein Blick in den Klappentext reicht: Aus einem analytischen Systemvergleich der religi√∂s-politischen Machtverteilung im Islam und christlichen Abendland entwickelt der Autor die zentralen Denk- und Verhaltensstrukturen, die beide Kulturen zu historischen Antagonisten pr√§gten. (5)

Hamed Abdel-Samad zitiert Sure 13:17, erg√§nzt einmal "er" mit (Gott) und zweimal √ľbersetzt er Allah mit Gott. (Seite 22). (6)

Er weist dem Islam ein Gottesbild zu, das aus dem Koran abgeleitete Gottes- und Menschenbild. (Seite 29) Der Islam kennt ein solches Bild nicht, es herrscht Bilderverbot, der Islam kennt Allah. Entsprechend leitet der Islam kein Menschenbild her. Daraus ergibt sich, daß der einzelne und die Menschen in der islamischen Gemeinschaft, in der Ummah, unbedeutend sind. Das zeigt sich beispielsweise im Stimmrecht von Moscheevereinen, es bemißt sich in Frankreich nicht nach der Anzahl der Mitglieder, sondern nach der Größe der Moschee-Areale. (7)

Manche Islamkritiker begehen den Fehler, das Kernproblem der islamischen Welt als einen Kampf zwischen Individualität und Gemeinschaft zu beschreiben. Allein, das Individuum als Gegensatz der Gemeinschaft zu betrachten ist ein fataler Irrtum, schreibt der Autor, und damit hat er recht, aber anders, als ihm lieb sein kann. Es gibt kein Individuum und kein Subjekt im Islam, die Ummah besteht aus Unterworfenen unter Allah, entsprechend kann es keinen Prozeß, keinen Kampf zwischen Individuum und Gemeinschaft geben, der ist beendet, Islam ist Frieden. Dem Unterworfenen bieten der Islam und seine Ummah Nestwärme, Orientierung und Anerkennung, die das Funktionieren einer Gemeinschaft ermöglichen. (Seite 50)

Dem Autor scheint an der Erhaltung dieses Zustandes sehr gelegen; denn er bietet einen franz√∂sischen Philosophen als Zeugen auf, Jean-Luc Nancy, der ihn best√§tigt: Eine Gemeinschaft kann es nicht ohne Individuen geben, die ihre Werte mittragen und somit ihr Funktionieren erst erm√∂glichen. Ich gebe zu, da√ü ich von diesem Philosophen vorher noch nie gelesen habe, er betrachtet das Individuum lediglich als den √úberrest einer in sich zerfallenen Gemeinschaft. (Seite 51) Die √úberreste Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad, zwei Individuen, sind gerade auf Deutschland-Safari - oder w√ľrden sie es sich verbitten, als Individuen in einer in sich zerfallenen Gemeinschaft bezeichnet zu werden?

Wikipedia erkl√§rt das Denken des Philosophen als von Martin Heidegger beeinflu√üt. Man h√§tte selbst darauf kommen k√∂nnen: Im weiteren thematisierte Nancy, beeinflusst vom Denken Heideggers, die Gemeinschaftlichkeit menschlichen Seins. Dar√ľber hinaus sind die religi√∂sen Bewegungen der Neuzeit und die Auswirkungen der Globalisierung f√ľr Nancy ein Arbeitsfeld. Ein Philosoph des Zeitgeistes: Das wahre Au√üen ist im Innen. (8)

√úber Aggressionen und Eroberungskriege des Islams schreibt Hamed Abdel-Samad: Die Kriege, die man selbst anzettelte (sic!), nennt man fath, also √Ėffnung mit einem g√∂ttlichen Auftrag. Die Kriege der anderen nennt man ghazw, also Invasion. (Seite 38) Der Auftrag ist nicht von Gott, sondern von Allah hergeleitet. Die Kriege werden nicht angezettelt, sondern sie werden zur Machterweiterung des Islams und seiner Herrscher gegen die Ungl√§ubigen vorbereitet und durchgef√ľhrt. "Anzetteln" pa√üt hier nicht, darin liegt immer Willk√ľr, freie Entscheidung. Eroberungskriege gegen andere islamisch regierte Staaten sind ebenfalls nicht angezettelt, sondern sie werden damit gerechtfertigt, da√ü diese vom Islam abgefallen seien, ihre Herrscher und deren Untertanen ein unislamisches Leben f√ľhrten. Der Islamische Revolution genannte Umsturz im Iran ist ein Beispiel daf√ľr.

√úber die meisten Herrscher in der islamischen Welt, die treuen Verb√ľndeten des Westens, von diesem mit Waffen und Entwicklungshilfe gest√ľtzt, damit sie die westlichen Interessen in ihrer Region verteidigen und dort f√ľr Stabilit√§t sorgen, gibt sich der Autor ratlos: wei√ü Gott, was damit gemeint ist. (Seite 40) Man kann davon ausgehen, da√ü Hamed Abdel-Samad wei√ü, was mit Stabilit√§t gemeint ist, n√§mlich der reibungslose Ablauf der Gesch√§fte, der Versorgung des Westens mit Erd√∂l, der Verk√§ufe von R√ľstungsg√ľtern und sonstiger Waren der westlichen Industriel√§nder zur Repatriierung der gezahlten Petrodollars. H√§tte er sich seines Wissens bedient und das so geschildert, w√§re es eng geworden f√ľr ihn; denn Gott wei√ü nicht, was damit gemeint ist, wohl aber die Herrscher der islamischen Staaten, die Stellvertreter Allahs auf Erden. Sie m√∂gen keine Hinweise auf ihr bestes Einvernehmen mit der westlichen Welt.

√úber die Schulb√ľcher Saudi-Arabiens urteilt der Autor vernichtend, er belegt sein Urteil durch Zitate. Nicht nur, da√ü er die Suren nicht nennt, auf denen die Schulbuchtexte teils im Wortlaut beruhen, sondern hier zitiert er aus gutem Grund Allah: "Wer die Lehre des Propheten befolgt und die Einheit Allahs bezeugt, darf keine Freundschaft mit Menschen pflegen, die gegen Allah und seinen Propheten sind ..." (Seite 43)

Die Einheit Allahs und das Bekenntnis zu ihr machen den Muslim aus, die Einheit des Namens und der Eigenschaften, at-tawhid al-asm√Ę wa as-sif√Ęt, die Einheit Gottes w√§re fehl am Platze, da sie in Judentum und Christentum etwas anderes beinhaltet. Man kann auch nicht gegen Gott und seinen Propheten sein. In diesem Zitat des Buches entlarvt sich am deutlichsten, da√ü Gott ungleich Allah ist. (9)

Im Abschnitt Das muslimische Gottesbild und die Herrschaftstreue (Seiten 116 - 134) l√§uft die Fehlbesetzung Allahs als Gott zur vollen Form auf: ... Glauben, Bewunderung der Sch√∂pfung und der Einheit Gottes. ... (Seite 119) Ein erhabener, unberechenbarer und w√ľtender, zugleich aber auch g√ľtiger und barmherziger Gott, ein Gott, der immer diktiert und nie verhandelt ..., Gott, der keine G√∂tter neben sich duldet und f√ľr seine Macht √ľber Leichen geht. (Seite 124f.) Er vergleicht dieses Gottesbild am Beispiel Hiobs, arabisch Aiyub oder Ayub, mit der Hiobsgeschichte der Juden, eine der zahlreichen von Mohammed √ľbernommenen, oft bis ins Gegenteil verdrehten und zweckentfremdeten Geschichten. Am Beispiel Hiobs wie auch Jakobs, der mit dem Engel ringt, dem Gesandten Gottes, zeigt sich die Unvereinbarkeit der Begriffe Gott und Allah. Die Pr√ľgel f√ľr die Ehefrau sind ´ne islamkonforme Dreingabe: (10)

42. (43.) Und wir gaben ihm seine Familie (wieder) und ebenso viele obendrein als eine Barmherzigkeit von uns und eine Ermahnung f√ľr die Verst√§ndigen. 43. (44.) Und (wir sprachen:) ¬ĽNimm in deine Hand ein B√ľndel (Ruten) und schlage damit (deine Frau) und vers√ľndige dich nicht (mit Worten).¬ę Siehe, wir erfanden ihn standhaft; 44. ein trefflicher Diener; siehe, er war bu√üfertig.

hakimiyyatu´llah ist nicht "Herrschaft Gottes", sondern Herrschaft Allahs, der Kalifatsstaat. Allah ist der Einzige, der Monarch w√§re der Schatten Allahs auf Erden, es geht nicht um den Herrscher von Gottes Gnaden, diesen Begriff der absolutistischen christlichen Kaiser und K√∂nige, sondern um den Herrscher im Auftrag Allahs zur Verbreitung des Islam. Von Gnade kann keine Rede sein. (Seite 127) Eine Revolte gegen den Machthaber ist auch eine Revolte gegen Allah - und nicht gegen Gott; denn gegen den k√§mpfen und mit ihm hadern nach Abraham, dem letzten, der nicht hadert, Jakob, Hiob, Jesus sowie bis in die Gegenwart zahlreiche Juden und Christen, davon einige so nachhaltig, da√ü sie vom Glauben abfallen und zu Atheisten werden oder zu Anh√§ngern des Dalai Lama.

Muslime als dem Islam unterworfene Gl√§ubige sind als Eroberer unterwegs; sie bem√§chtigen sich des j√ľdisch-christlichen Gottesbegriffs wie die deutschen Muslimvereine unseres Nationalfeiertages, die den Tag der Deutschen Einheit zu al-youm at-tawhid umgestalten und ihn zum Tag der offenen Moschee erkl√§ren. Oder sie bem√§chtigen sich des Gottesbegriffes so wie die 138 sunnitischen und schiitischen W√ľrdentr√§ger in einer ganzseitigen Anzeige zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel 2007/2008, geschaltet in mehreren Tageszeitungen. Ihre Anzeige dient trotz Dankes√ľberschrift, trotz der Verwandlung von Allah in Gott und der lateinischen T√ľnche allein der Lobpreisung des Islams: Gott m√∂ge Mohammed und seine Familie segnen, wie er auch Abraham und seine Familie gesegnet hat.
As-Salaamu Aleikum; der Friede sei mit Euch; Pax Vobiscum. Es geht immer darum, den Islam dem Judentum und dem Christentum als herrschende Religion √ľberzuordnen. Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht - und er existiert nicht neben anderen Religionen. (11)

Eine Einsch√§tzung des Pax Vobiscum kann man im Artikel Dank und W√ľnsche der Muslime zu Weihnachten und zum Neuen Jahr lesen, wie diese angeblich gutwilligen Muslime korankonform alles umdrehen und verf√§lschen, sie machen vor keiner f√ľr Christen wichtigen Pers√∂nlichkeit halt, nicht vor Maria, nicht vor Jesus. Nun warten alle gespannt auf die frohe Botschaft der Muslime zu den christlichen Festtagen 2010. (12)

Auch Hamed Abdel Samad reiht sich ein: Die Christen besa√üen die "Kultfigur" Jesus, der als Sohn Gottes und Wunderheiler galt. (S. 60) Christen glauben an Jesus Christus. Zur Zeit seiner Wunderheilungen gibt es keine Christen, es ist nicht so wie im Islam, der im nachhinein alle vorislamischen j√ľdischen und christlichen Personen und Legenden zu islamischen macht, der Abraham zum ersten Muslim k√ľrt und in Sure 19 Mirjam/Maryam, die Schwester Moses´ und Aharons, zu Maria, der Mutter Jesu, verf√§lscht und damit gleich zwei Religionen auf einen Streich enteignet. (13)

Umwidmung und Zerst√∂rung von religi√∂sen St√§tten und Symbolen der "Ungl√§ubigen" sind immer Eroberung. Alle Eroberer haben das so gehalten, auch die Christen. Aus Synagogen, Moscheen und Tempeln der Juden, Muslime und Heiden haben sie ihre Kirchen gebaut. Neben der ber√ľhmten Pariser Kitsch-Kathedrale Sacr√© Coeur steht die 1147 geweihte Basilika Saint Pierre de Montmartre. Voller Stolz zeigt einem der F√ľhrer eine in den Innenraum der Kirche eingebaute heidnische S√§ule. (14)

Der Islam zerst√∂rt das j√ľdisch-christliche Gottesbild, der Gott wird abgeschafft zugunsten des Konstruktes Allah. Nur diese Zerst√∂rung kann die Eroberungen durch Glaubenskrieg als religi√∂s legitimieren. J√ľdische und christliche Lehre geben das nicht her. Wenn Christen Eroberungen religi√∂s legitimieren, m√ľssen sie immer theologisch-philosophische Verrenkungen machen, Rechtfertigungen erfinden. Der Islam jedoch ist (!) die Rechtfertigung f√ľr Eroberungen.

Juden - Israel

Weitere Indikatoren sind die Behandlung der Themen Juden und Israel. Der Autor ist mit Henryk M. Broder befreundet, beide gehen unter dem Titel Entweder Broder gemeinsam auf Deutschland-Safari, sogar die putzige Terrierh√ľndin Wilma mit dem einen Stehohr darf mit, auch wenn Hamed Abdel-Samad mit wilden Gesten deutlich macht, da√ü er das Vieh nicht ausstehen kann. Man sieht also, da√ü der Autor nichts gegen Juden hat, nicht einmal gegen Hunde, und damit eine ganze Reihe von Suren des Koran f√ľr sich au√üer Kraft setzt. (15)

In der Einleitung Morgenland ist abgebrannt geht es um das Verh√§ltnis der Muslime zum Westen, um Wahrnehmungen, die viel mit dem eigenen Selbstbild zu tun haben, sowie um Paranoia auf beiden Seiten. (Seite 17) Kein Gottesbild, kein Selbstbild, kein Selbstbild, kein Gottesbild k√∂nnte man sagen und das Buch zuklappen. Die Tatsache des nichtvorhandenen Selbstbildes wird aber vom Autor in allen Abschnitten seines Buches so spannend vorgef√ľhrt, da√ü es sich wie ein Krimi liest.

Im Abschnitt Nimm mir meinen S√ľndenbock nicht weg (Seite 31 - 45) zitiert Hamed Abdel-Samad arabische Schulb√ľcher, in denen behauptet werde, der Kolonialismus h√§tte die islamische Welt ihrer Ressourcen beraubt und sie in der kulturellen Entwicklung um Jahrhunderte zur√ľckgeworfen. So kann es Staaten gehen, die ihrerseits √ľber Jahrhunderte vom kulturellen und wirtschaftlichen Schaffen eroberter Staaten gelebt haben und nun mit leeren H√§nden dastehen. Was den Kolonialismus europ√§ischer Staaten angeht, so habe ich f√ľr Algerien gerade eine Dokumentation aus dem Jahr 1970 √ľbersetzt; sie sagt das Gegenteil aus. Mit dem Ende des Kolonialismus beginnt der Ruin des Landes durch seine islamischen Herrscher. (16)

Der aus √Ągypten stammende Hamed Abdel-Samad wei√ü, was Kolonialismus f√ľr den Nahen Osten bedeutet: ... vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft in der arabischen Welt, und diese werden nicht als Epoche des Kolonialismus betrachtet, obwohl die Osmanen mehr zur R√ľckst√§ndigkeit der arabischen Welt beigetragen haben als die europ√§ischen Kolonialm√§chte. (Seite 39) √úber die Ausma√üe der Ver√∂dung Pal√§stinas durch die osmanische Herrschaft kann man bei Jakob Philipp Fallmerayer und Mark Twain erfahren; sie sind Mitte des 19. Jahrhunderts Augenzeugen des Verfalls. Ulrich Sahm berichtet dar√ľber in seinem Buch Alltag im Gelobten Land. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kommen deutsche Protestanten ins Heilige Land, w√ľrttembergische Templer. Sie finden ein unter den Osmanen verkommenes Land vor; es geh√∂rt zur Provinz S√ľdsyrien. Die Deutschen schaffen moderne Infrastruktur, bringen landwirtschaftliche Technologie, und dann kommen, in ihrem Gefolge, die ersten Juden aus Europa und beginnen, von Gro√ügrundbesitzern mit Sitz in Beirut oder Damaskus Land aufzukaufen. (17)

Soweit zum Thema, der Kolonialismus h√§tte die islamische Welt ihrer Ressourcen beraubt und sie in der kulturellen Entwicklung um Jahrhunderte zur√ľckgeworfen.

Die Rolle der Juden in den Kolonien der islamischen Welt erw√§hnten arabische Schulb√ľcher nicht, und auch nicht Antisemitismus und Holocaust. Der Autor kritisiert, da√ü alles weggelassen werde, was Sympathie f√ľr oder Mitgef√ľhl mit Juden entstehen lassen k√∂nnte, was die Homogenit√§t des Feindbilds von Israel tr√ľben k√∂nnte. Wie die islamische Geschichte ohne "die anderen" auss√§he, ohne die Feinde, quasi die innere Geschichte der islamischen Welt? (Seiten 37, 44)

Es ist einfach zu beantworten: 1400 Jahre Islam und die von ihm beherrschten Gesellschaften zeigen, daß der Islam keine innere Geschichte kennt. Islam ist Außenorientierung, Eroberung. Islam ist bis heute Aneignung und Ausbeutung anderer Kulturen und derer Errungenschaften. Selbst ihre Armeen rekrutieren islamische Staaten aus dem Menschen- und Waffenreservoir anderer, vornehmlich aus den als ungläubig verachteten, ob es sich wie einst um Janitscharen oder wie heute um Kampfbomber handelt.

Islam ist auch die Ausbeutung der Juden und Christen auf islamischem Boden, der Dhimmis. J√ľdische und christliche M√§nner zwischen 14 und 62 Jahren haben beispielsweise in √Ągypten, um einen Schutz vor dem gegen Ungl√§ubige, die Kuffar st√§ndig w√ľtenden Glaubenskrieg zu erhalten, eine j√§hrliche Kopfsteuer zu zahlen, Jizya, von jaz√Ę = Belohnung; Zahlung. (18)

Kuffar hei√üt zu deutsch "die Lebensunw√ľrdigen". Im Koran gibt es 206 Stellen, die zu Gewalttaten gegen die Kuffar und zur gewaltsamen Verbreitung des Islam auffordern. F√ľr den Autor gibt es keine Jizya, obgleich er sie sicherlich kennt. Er schreibt: Nicht-Muslime hatten h√∂here Steuern zu entrichten als Muslime. Koversionen zum Islam habe es auch gegeben, als Versuch, die hohen Steuern zu meiden. (Seiten 60f.)

Da h√§tte gut eine Seite hineingepa√üt, auf der √ľber die Herrscher berichtet worden w√§re, die Nicht-Muslime an der Konversion hindern, wenn die Erhebung von Kopfsteuer eintr√§glicher ist, oder deren Meinung sich bei Bedarf √§ndert, trotz entrichteter Kopfsteuer die nicht-muslimische Familie vertrieben oder ermordet wird und ihr Verm√∂gen dem Herrscher zuf√§llt. Vertr√§ge zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen m√ľssen jene nicht einhalten. Die ber√ľhmte hudna, f√§lschlich als Waffenstillstand bezeichnet, ist immer eine Waffenruhe im Sinne der muslimischen K√§mpfer. F√ľhlen diese sich vorzeitig stark genug, setzen sie den Kampf nach ihrem Gutd√ľnken fort.

Wenn Au√üenorientierung und Eroberung nicht mehr funktionieren, ist der Islam am Ende. Sehr sch√∂n sagt das Faruq al-Qaddumi alias Abu Lotf in Bezug auf die pal√§stinensischen Araber, die nur eine Identit√§t h√§tten im Kampf gegen Israel. Am 11. November 2004 definiert er in einem Interview mit dem Fernsehen der Hezbollah Al Manar TV die nationale Einheit der auf dem Gebiet Pal√§stinas lebenden Araber aus dem Auftrag zur Eroberung Israels: Die Pal√§stinenser stimmen √ľberein, da√ü der Widerstand die nat√ľrliche Grundlage f√ľr die nationale Einheit und den nationalen pal√§stinensischen Dialog ist. Nicht nur gegen die Besatzung des Westjordanlandes und von Gaza ist der Widerstand zu richten, sondern auch und vor allem gegen Israel. (19)

Da ist ihnen inzwischen der Deutsche Bundestag ähnlich, der durch Widerstand gegen Israel die Einheit aller Deutschen wenn nicht schafft, so doch festigt und demonstriert. (20)

In den arabischen Staaten habe es auch andere Stimmen gegeben, so den sudanesischen Theologen Mahmoud Mohamed Taha, der 1985 hingerichtet wird, weil er sich f√ľr die Vers√∂hnung mit Israel aussprach, damit die Araber die Energie und die Ressourcen, die sie f√ľr R√ľstung vergeudeten, in den Aufbau ihrer L√§nder stecken k√∂nnten. (Seite 88) Da h√§tte man vom Autor eine Bemerkung gew√ľnscht, welche Auswirkung eine Vers√∂hnung auf die westlichen R√ľstungskonzerne gehabt h√§tte. Pr√§sident Gaafar Nimeiry kann denen keinen gr√∂√üeren Gefallen tun, als den Theologen wegen Apostasie hinrichten zu lassen.

An zwei Stellen seines Buches erw√§hnt Hamed Abdel-Samad das Attentat auf Djerba. Er reiht es ein, es sind die Anschl√§ge von Luxor, Bali und Djerba (Seite 74) und hier: Aber die terroristischen Anschl√§ge von Luxor, Bali, Istanbul, Dar El-Salam, Kairo, Djirba, Karachi, Bagdad und Kabul zeigen, dass diese Wut auch die islamischen Gesellschaften von innen zerrei√üt. (Seite 208) Er geht nicht ein auf den Juden- und Israelha√ü, aus denen allein der Anschlag auf die Synagoge Ghriba ausgef√ľhrt wird: (21)

Am 11. April 2002 ver√ľbt ein junges Mitglied der Terrororganisation al-Kaida ein Attentat auf die fast 2000 Jahre alte Synagoge Ghriba, auf Djerba. Der Attent√§ter Nizar Nawar wartet, bis sich eine m√∂glichst gro√üe Anzahl von Touristen in der Synagoge sammelt, und l√§√üt dann einen Lastwagen mit einem Gastank explodieren. Bruder und Onkel des Attent√§ters sind an dem Attentat beteiligt. Bei dem Anschlag werden 19 Menschen get√∂tet, darunter 14 Deutsche, drei Tunesier, ein Franzose sowie ein Franko-Tunesier.

Die tunesische Regierung stellt die Explosion zun√§chst als einen Unfall dar. Im Juni 2002 bekennt sich die al-Kaida durch ihren Sprecher Suleiman Abu Ghaith in einer Fernsehansprache des katarischen Senders El Dschasira zu dem Attentat. "Der Attent√§ter habe ¬īnicht zusehen¬ī k√∂nnen, ¬īwie seine Br√ľder in Pal√§stina sich t√∂ten lassen m√ľssen, w√§hrend die Juden spazieren gehen, sich am√ľsieren und ihre Rituale (in Tunesien) √∂ffentlich praktizieren k√∂nnen¬ī," berichtet der Sender Phoenix.

Es mag islamische Gesellschaften von innen zerrei√üen, die Juden jedenfalls zerrei√üt´s von au√üen.

Der Autor geht auch nicht ein auf Zusammenh√§nge des Attentats mit dem Wirken des Zentralrats der Muslime in Deutschland und seines damaligen Vorsitzenden "Dr." Nadeem Elyas, dessen Sch√ľtzling Christian Ganczarski unmittelbar vor der Tat von Nizar Nawar per Mobilphone aufgefordert wird, f√ľr ihn zu beten. Da ist selbst die WELT weiter, ein ansonsten nicht f√ľr stringente Islamkritik bekanntes MSM. (22)

Auch bei der Aufz√§hlung von Terroranschl√§gen in √Ągypten finden Juden keine Erw√§hnung, sondern es kamen viele deutsche Touristen in √Ągypten durch mehrere Terroranschl√§ge ums Leben ..., ohne dass die Deutschen danach √Ągypten als ein rassistisches Land bezeichneten oder zum Boykott aufgerufen h√§tten. (Seite 99)

Ja, und auch die Juden und die Israelis bezeichnen √Ągypten nicht als ein solches, obgleich die √§gyptische Regierung es zul√§√üt, da√ü ein √§gyptisches Flugzeug die vier pal√§stinensischen Terroristen, Entf√ľhrer der Achille Lauro und M√∂rder des behinderten 69-j√§hrigen amerikanischen Juden Leon Klinghoffer, im Rollstuhl, der Gerechtigkeit entzieht und nur durch ein F-14 Jagdflugzeug der USA daran gehindert wird: But when an Egyptian jet tried to fly the hijackers away from justice, U.S. Navy F-14 fighters intercepted the jet and forced it to land in Sicily. Es j√§hrt sich in diesem Jahr zum 25. Mal, aber es ist Hamed Abdel-Samad nicht der Erinnerung wert, obgleich er zu der Zeit des Anschlags in √Ągypten lebt. (23)

Insgesamt jedoch zeichnet die Berichterstattung √ľber Juden aus, da√ü Hamed Abdel-Samad diesen grosso modo freundlich gesonnen ist. Das ist heuer schon bemerkenswert, und korankonform ist es erst recht nicht, eher waghalsig und Fatwa-verd√§chtig. Holocaustneid des Tariq Ramadan, Stilisierung des rassistisch motivierten Mordes an Marwa Al-Sherbini durch einen Ru√ülanddeutschen als Beweis f√ľr die der Judenverfolgung im Dritten Reich √§hnlichen Verh√§ltnisse im heutigen Deutschland kommentiert der Autor: Eine Muslimin ist in Deutschland umgebracht worden, jetzt fehlen uns nur noch 5 999 999 Opfer, um mit den Juden gleichgesetzt zu werden. Spa√ü verstehen Muslime nun gar nicht. (Seite 101)

In der Tat f√ľhlt sich der Enkel des Hassan al-Banna "verunglimpft wie ein muslimischer Jude". Der Spiegel, immerhin noch kein Blatt der islamischen Ummah, gibt ihm ein Forum, sich entsprechend zu artikulieren. (24)

Hamed Abdel-Samad berichtet √ľber die fr√ľhe Zeit des Islam, als Mohammed in Mekka wohnt und nur einige Anh√§nger hat: Zu dieser Zeit, in Mekka, nannte er Juden und Christen Gl√§ubige. Wie´s weitergeht, liest man auf den folgenden Seiten, von Halakhah (sogar in hebr√§ischen Schriftzeichen - warum?) und Scharia (nicht in arabischen Schriftzeichen - warum nicht?), vom Reinheitswahn und davon, da√ü j√ľdische St√§mme vertrieben oder ermordet werden: Medina, ehemals Yathrib, war frei von Juden. (Seiten 120f.) Judenfrei, w√ľrde man als Deutscher sagen. Dieser Ort ist judenfrei! (25)

So formuliert, k√∂nnte es im Leser Assoziationen ausl√∂sen, die dem Autor Stellungnahmen zu Parallelen des Islam mit der Nazi-Ideologie nahelegten. Vielleicht h√§tte er sich auch verpflichtet gef√ľhlt, andere judenfreie Orte der islamischen Welt aufzuz√§hlen. Mit dem Sturz der Khalifen und dem Aufkommen der Macht der Taifa, der Teilreiche, ab 1031, beginnen in Nordafrika 500 Jahre islamische Judenverfolgung. Granada ist schon im 11. Jahrhundert judenfrei: Granada, por ejemplo, queda casi vac√≠a de jud√≠os. (26)

Die anschließende Mohammed-Apologie läse sich wie purer Zynismus: Mit seinen Anhängern ging Mohammed aber nie wie ein Diktator um. Mohammed der Ratgeber in allen Lebenslagen: sie fragten ihn zu allen Belangen des Lebens. Mekka-Mohammed, Vaterfigur, ein Versuch, den Islam zu retten, einschließlich Vorschlag, Halakhah und Scharia zu verbinden, es heiße beides "der Weg". (Seiten 120f.)

Was die Halacha angeht, so kommt der Begriff von lalêchet = gehen, Halacha ist tägliche Praxis, gelebtes Recht, der Weg, den man vorwärts geht, der Wandel, der Lebenswandel. (27)

Wikipedia gibt als Definition f√ľr Scharia: Die Schari´a, eingedeutscht Scharia (... im Sinne von ´Weg zur Tr√§nke´, ´deutlicher, gebahnter Weg´; auch: ´religi√∂ses Gesetz´, ´Ritus´; abgeleitet aus dem Verb schara´a ... "den Weg weisen, vorschreiben (auch Gesetz)") ist das religi√∂s legitimierte, unab√§nderliche Gesetz des Islam. (28)

(13.) Er hat euch den Glauben verordnet, den er Noah vorschrieb, und was wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus vorschrieben: "Haltet den Glauben und trennet euch nicht in ihm." (29)

(48.) Und wir sandten hinab zu dir das Buch mit der Wahrheit, best√§tigend, was ihm an Schriften vorausging, und Amen dar√ľber sprechend. Drum richte zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabsandte, und folge nicht ihren Gel√ľsten, (abweichend) von der Wahrheit, die zu dir gekommen. Jedem von euch gaben wir eine Norm und eine Heerstra√üe. (30)

Mit Halakhah und Scharia ist es wie mit Gott und Allah, sie haben nichts gemein.

Was die j√ľdischen Gesetze angeht, so ist die Voraussetzung des D√©cret Cr√©mieux, vom 24. Oktober 1870, zur Integration der Juden Algeriens, etwa 37 000 Personen, als B√ľrger in die franz√∂sische Nation eine Vertragsannahme, mit der die Juden ihr Einverst√§ndnis erkl√§ren, die rabbinischen Gesetze aufzugeben, die bis dahin ihr Familienleben regeln. (31)

Auch das ist das glatte Gegenteil von dem, was Muslime fordern und heute teilweise schon erhalten haben, n√§mlich die Aufweichung der Gesetze der Demokratie zugunsten der Einf√ľhrung von Bestimmungen der Scharia.

√úber den Nahostkonflikt verliert der Autor nicht viel Worte, er macht unter Muslimen und Juden Europas und der USA jeweils kompromi√ülose Haltungen aus: W√§hrend die Menschen vor Ort miteinander ringen und verhandeln, um praktische L√∂sungen zu finden, glauben in der Diaspora die wenigsten an den Dialog und die M√∂glichkeit vern√ľnftiger Kompromisse. Sieht man einmal ab von den Menschen vor Ort und betrachtet die j√ľdischen und muslimischen Minderheiten in Europa und den USA, so m√∂chte ich den Autor bitten, mir einen Bruchteil der Anzahl von Muslimen zu nennen, die wie Juden in Europa und den USA den Dialog und die M√∂glichkeit vern√ľnftiger Kompromisse predigen, beschreien, behaupten, herbeiphantasieren, erzwingen wollen. Die MSM sind voll davon. Selbstverst√§ndlich definieren sie wie der Autor nicht, was unter "vern√ľnftig" zu verstehen ist, sondern vern√ľnftig ist´s, wenn sie´s f√ľr vern√ľnftig halten. Ausgerechnet Avi Primor fragt er, einen der Jews on demand, beliebt bei deutschen MSM, vom 12. November bis 2. Dezember 2010: Deutschlandradio (2x), Kulturkurier, NDR, Frankfurter Rundschau (2x), Hamburger Abendblatt (2x), Deutschlandfunk, Domradio, Nordbayern.de. (Seite 194f.) (32)

Soweit Anmerkungen zu Gott - Allah, Juden - Israel.

Weitere Indikatoren zur Einsch√§tzung des Buches sind der Gebrauch der Begriffe "Islam" und "Islamismus". Bei Hamed Abdel-Samad gibt es beispielsweise radikale Islamisten, (Seite 74) die Machthaber haben die Kontrolle √ľber die Ressourcen, die Islamisten √ľber die K√∂pfe der Menschen, (Seite 133) in Not geratene M√§nnlichkeit ist nicht nur der Ursprung der Unterdr√ľckung der Frauen, sondern auch eines der Hauptmotive hinter dem militanten Islamismus. (Seite 160) Islam ist Islam, m√∂gen die Muslime in aller Welt lehren, immer wieder gibt es Menschen, die es besser zu wissen meinen. Im dritten Beispiel verwechselt der Autor noch dazu Ursache und Wirkung: Militanter Islam bedarf zur F√ľhrung der Glaubenskriege auf allen Ebenen in Not geratener M√§nnlichkeit und unterdr√ľckter Frauen. Es m√ľ√üte also hei√üen: Hauptmotiv hinter der in Not versetzten M√§nnlichkeit und Ursprung der Unterdr√ľckung der Frauen ist der militante Islam. Die Sittengesetze werden so gestaltet, da√ü die M√§nner jederzeit abrufbar und einsatzf√§hig sind f√ľr den Glaubenskrieg, f√ľr Morden, Brennen, Vergewaltigen. In Harmonie mit gleichberechtigter Partnerin und Kindern zu leben, oder gar mit einem Partner, reduziert die Schlagkraft der Glaubenskrieger. Man kann es an den Janitscharenheeren sehen. M√§nnerb√ľnde, benebelt von Scharlatanen wie dem Hadji Bektasch Veli sind die geeigneten Kampftruppen f√ľr Eroberungen. √úber die Bektaschis kann man in meinem Artikel Aleviten im Internet nachlesen. (33)

Auf den Einwand muslimischer Eiferer, da√ü in den westlichen L√§ndern nur Scharia light, also ohne Steinigung und H√§ndeabhacken, im Westen implementiert werden soll, um die famili√§ren Konflikte untereinander islamisch zu regeln, erwidert der Autor: Die Geisteshaltung, die die westlichen Zivilgesetze in dieser Hinsicht als mangelhaft betrachtet, ist weitaus gef√§hrlicher als die blo√üe Einf√ľhrung der Scharia-Gesetze. Deshalb ist nicht Scharia light, sondern Islam light, ohne Scharia und Djihad in meinen Augen die einzige L√∂sung. (Seite 187f.)

"Islam light", was sollte das sein? Islam ohne Scharia und ohne Machterweiterung durch Glaubenskrieg f√ľhrt zum Ende des Islam. Interessant auch, da√ü der Autor hier ein englisches Wort benutzt, er fl√ľchtet aus der deutschen Sprache. Ich habe die Folgen f√ľr den Begriff Holocaust dargelegt. (34)

Der Leser w√§hle: Islam leicht, Islam schwach, Islam geringf√ľgig, Islam nicht wichtig, Islam unbeschwert, Islam hell, Islam luftig, Islam licht, Islam blond, Islam light [als Aufschrift auf der Verpackung], Islam gelinde, Islam leicht [als Schriftart]. (35)

Islam blond, das w√§re was f√ľr Tariq Ramadan und seine Konvertitenfibel To be a European Muslim, Islam schwach, da freut sich der Islamkritiker. (36)

Von diesen wird das Buch wahrscheinlich zun√§chst positiv aufgenommen, weil es schon im Titel das Ende des Islams voraussagt, wobei das Datum selbstverst√§ndlich offen bleiben mu√ü. Die Nachricht an den Vater des Autors: "Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert", (Seite 5) mu√ü diesen aber nicht schockieren, incha´lah, denn liest er das Buch seines Sohnes genau, so findet er dort ausgef√ľhrt, da√ü eine solche Konversion vom Islam zum Wissen nicht m√∂glich ist, nicht einmal eine Vereinigung des Glaubens mit mit Philosophie und Naturwissenschaften, wie sie der von Muslimen verfolgte Arzt und Philosoph Rabbi Moshe ben Maimon, der Rambam oder auch Maimonides aus C√≥rdoba (1138-1204) in seinem Leben und Werk vollzieht. (37)

Man sollte sich nicht t√§uschen lassen, Hamed Abdel-Samad zeigt auf 234 Seiten, zwei Seiten Angaben zu Weiterf√ľhrender Literatur inbegriffen, da√ü er sich als moderner Imam verdingen k√∂nnte. Das merkt man nicht gleich, denn geboten werden spannende Anekdoten √ľber die Zust√§nde in der islamischen Gemeinschaft, mit einer F√ľlle von Material, das einen zun√§chst auf die falsche F√§hrte lockt.

Ich lese aus dem Buch nicht heraus, da√ü er den Islam abschaffen will, sondern da√ü er bef√ľrchtet, da√ü sich die islamischen Gesellschaften selbst abschaffen. Sein Buch sehe ich als Beitrag zur Rettung des Islam. Kein Mensch traut sich zu fragen, wozu wir den Koran heute brauchen. Der Koran ist sein Buch, das er als Junge auswendig lernen mu√ü. Er erwartet Fragen - und die Antwort, da√ü der Koran heute n√∂tiger ist denn je, und da√ü der Islam als Religion bestehen kann: Alle Fragen der Reform beginnen beim Koran und zerbrechen am Ende an diesem erratischen Block der islamischen Kultur. (Seite 21) Er scheint sich nach dem Wiederaufleben der Mutazila zu sehnen. (Seite 87) Die aber haben die islamischen Herrscher und ihre Imame nicht umsonst vernichtet. Islam und Vernunft sind anders als Judentum und Vernunft sowie Christentum und Vernunft nicht kompatibel, der Islam w√ľrde zerfallen, und zwar nicht nur als politischer Machtfaktor, sondern insgesamt. Islam im stillen K√§mmerlein gibt´s nicht. Wenn der Islam nicht mehr au√üengerichtet und eroberungsdefiniert ist, dann ist er am Ende. (38)

Hamed Abdel-Samad ist sehr mutig, die Drohungen von radikalen Muslimen sind bereits zu seinem ersten Buch eingetroffen. Unter Polizeischutz hat er auch schon gestanden. Ich attestiere dem Autor Gutwilligkeit bei allem, was er von sich gibt, aber es zeigt sich mir hier eines der Beispiele, was der Islam aus noch so intelligenten Menschen macht, wenn sie sich nicht vollständig von ihm lösen (können).

Ich bin sehr froh √ľber den Einblick, den Hamed Abdel-Samad gew√§hrt, er belegt, da√ü es keinen moderaten Islam, keinen moderaten Muslim geben kann, man ist entweder Muslim oder nicht. Wenn man ein Bild w√§hlen sollte: Ein Muslim ist von Geburt an Muslim in allen pers√∂nlichen und gesellschaftlichen Bereichen. Er kann in Einzelfragen, f√ľr eine begrenzte Zeit und gegen die islamische Lehre selektiv sein Muslimsein au√üer Kraft setzen. Was die Juden angeht, beispielsweise, ist er kein Muslim, wenn es sich um bestimmte Juden handelt, z.B. Henryk M. Broder, oder um Judenverfolgungen und Holocaust zur Nazi-Zeit. Ansonsten werden die Juden ausgeblendet, z.B. Djerba und Achille Lauro, vom Nahostkonflikt nicht zu reden.

Die islamischen Staaten werden zerfallen, der Islam wird als politische und gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen, prognostiziert der Autor. Was diese Prognose angeht, so meint Rezensent Walter Laqueur: Damit beweist der Sohn eines Imams zwar Mut. Aber gegen seine Voraussage sprechen viele Beobachtungen aus der Gegenwart. Er zählt einige bedenkenswerte auf, und weist darauf hin, daß der Islam durchaus nicht zum Untergang verurteilt ist, er sich nicht von selbst erledigt. (39)

Das geschlossene totalitäre System Islam wird von vielen Faktoren am Leben erhalten, einen hat Walter Laqueur nicht erwähnt, und das sind Politik und MSM der europäischen Staaten und der USA. Hamed Abdel-Samad nennt einige Namen und Medien. (Seiten 49, 64, 93, 165, 191, 196, 203f.) (40)

Es gibt auf der Welt zwei Arten von Verteidigern des Islam, die Ahnungslosen und die Profiteure. Die Ahnungslosen bilden die Mehrheit in den islamischen Staaten, die Profiteure im Westen, vom kratzbuckelnden US-Pr√§sidenten Barack Obama bis zu Wissenschaftlern und Journalisten mit goldgedruckten Einladungen ins F√ľnfsternehotel in Doha. Den Autor w√ľrde ich trotz seiner intellektuellen F√§higkeiten zu den Ahnungslosen rechnen. Er scheint nicht zu ahnen, wie durch&durch muslimisch er ist.

Seinem Buch gebe ich f√ľnf Sterne: *****

Hamed Abdel-Samad. Der Untergang der islamischen Welt.
Droemer/Knaur, September 2010
http://tinyurl.com/23puobm

6. Dezember 2010

Quellen

(1) "Oswald Spengler" "Ibn Khaldun". Google.de 4 880 Ergebnisse
http://tinyurl.com/2f2o5md

(2) Gutenbergs unbekannte Br√ľder. Fr√ľhe chinesische Drucke (2. Jahrh. d.Z.)
http://www.mainz.de/gutenberg/erfindu2.htm

Kharazm Koja (died 840), a Persian / Uzbek from Kharazm
http://www.irankicks.com/ikboard/archive/index.php/t-24310.h %20tml

Streit um den Kompass Italiener oder doch Chinesen als Erfinder? scinexx
http://www.scinexx.de/dossier-detail-411-7.html

Europe¬īs debt to Islam given a skeptical look. By John Vinocur,
The New York Times, April 28, 2008
http://tinyurl.com/r4hvy8

Robert Kaplan: Die Geschichte der Null, Campus Verlag 2000, Perlentaucher
http://www.perlentaucher.de/buch/1369.html

Geschichte der Mathematik: Zeittafeln Algebra, Geometrie, Analysis. mathematik.ch
http://www.mathematik.ch/geschichte/

(3) Aristote au Mont Saint Michel de Sylvain Gouguenheim,
Editions du Seuil 2008
http://www.editionsduseuil.fr/

Sylvain Gouguenheim: Der Historiker zum Abschießen. 21. Juli 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-07-21_21-37-20.html

Sylvain Gouguenheim wird in der "Lib√©ration" und der "Welt" vorgef√ľhrt.
9. Mai 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-05-09_01-25-52.html

(4) Rekindling an Ancient Rage. By Andrew G. Bostom. FrontPageMagazine.com, September 22, 2006
http://archive.frontpagemag.com/readArticle.aspx?ARTID=2437

(5) Hans-Peter Raddatz: Von Gott zu Allah? Christentum und Islam in der liberalen Fortschrittsgesellschaft. Herbig Verlag M√ľnchen, Mai 2001
http://www.amazon.de/Von-Gott-Allah-Hans-Peter-Raddatz/dp/37 76622121

(6) Mohammed: Der Koran. √úbersetzer: Max Henning. Projekt Gutenberg-DE
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=4529&kapitel=1#gb_foun d

(7) Moschee-Areale im Westen, vom Islam erobertes Gebiet. 23. Oktober 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-10-23_17-04-23.html

(8) Jean-Luc Nancy. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_Nancy

(9) "Einheit Allahs". Google.de 4 470 Ergebnisse
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(11) A Muslim Message of Thanks and of Christmas Greetings. The Official Website of A Common Word
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Un message musulman de remerciement et de v¬úux de No√ęl et de Bonne Ann√©e. D√©cembre 2007
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http://www.eussner.net/artikel_2008-01-01_23-57-30.html

(13) Maria Moses Schwester in meinem Archiv
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(14) Eglise Saint Pierre
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(22) Djerba-Anschlag: Zentralrat der Muslime gerät ins Zwielicht. Von Ahmet Senyurt, WeltOnline, 6. Mai 2003
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Algerien. Der 100. Jahrestag des Dekrets Crémieux. Dokumentation.
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http://www.eussner.net/artikel_2010-11-24_16-54-59.html

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http://news.google.de/nwshp?hl=de&tab=wn&q=%22avi%20primor%2 2

(33) Aleviten im Internet. Dokumentation. 5. Januar 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-01-05_18-51-16.html

(34) Ex-Husband und Holocaust. 11. Juni 2002 / 1. März 2006
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-24_16-54-47.html

(35) light = leicht [Gewicht, schwach, geringf√ľgig, nicht wichtig, unbeschwert], hell,
luftig, licht, blond, light [Aufschrift auf einer Lebensmittelverpackung], gelinde,
leicht [Schriftschnitt].

light. dict.cc. Deutsch-Englisch-Wörterbuch
http://www.dict.cc/?s=light

(36) "To be a European Muslim" in meinem Archiv
http://tinyurl.com/2a5z8ze

(37) Leben und Werk des Mosche ben Maimon (Maimonides) von
Jonathan Gr√ľnfeld
http://www.talmud.de/cms/Leben_und_Werk_des_Mosche.137.0.htm l

(38) Mutazila. Google.de 32 000 Ergebnisse
http://tinyurl.com/2ep83e9

(39) Hamed Abdel-Samad prophezeit das Ende des Islam. Von Walter Laqueur,
WeltOnline, 19. November 2010
http://tinyurl.com/2c9mbjz

(40) Islam vs. Westen = geschlossenes vs. offenes System. Fundsachen,
28. Januar 2006
http://www.eussner.net/fundsachen_2006-01-28_13-30-27.html


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