
Die Wahrheit des Schneewittchens oder: der Terror gegen Israelis soll mit offizieller Unterstützung der PA weitergehen
Das Kulturministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) macht auf seine Art ernst mit dem Frieden zwischen Palästinensern und Israelis, in dem es jetzt die Suizidattentäterin Hanadi Jaradat ehrt, die "Rose von Palästina", in zivilisierten Ländern durch den Künstler Dror Feiler Anfang des Jahres 2004 auch als "Schneewittchen" berühmt geworden. Die 29-jährige Hanadi Jaradat reißt am 4. Oktober 2003 im Auftrag des vom Iran finanzierten Palestine Islamic Jihad (PIJ) 21 Juden und Araber, darunter drei Kinder und ein Baby, im Restaurant Maxim, in Haifa, in den Tod. Das ist dem Kulturministerium jetzt eine Sonderbeilage der Zeitung Al-Ayyam wert, Titel: "What Did Hanadi Say?", Was sagte Hanadi? In der Beilage wird eine Eloge an die "Rose von Palästina" veröffentlicht: "Oh, Hanadi, laß die Erde beben unter den Füßen der Feinde! Sprenge sie in die Luft! Hanadi sagte: ´Es ist der Tag, an dem der Tod als Märtyrerin für Allah das höchste Ziel wird, das mein Land befreit, der Hochzeitstag von Hanadi´."
Die offizielle Zeitung der PA "Al-Hayat Al-Jadida", Neues Leben (sic!), berichtet mit Foto, am 21. August 2005, begeistert vom Training einer ganzen Brigade zukünftiger Selbstmordattentäterinnen im Auftrage der Hamas. Sie sind Teil der Izzadin Al-Qassam Brigaden, des militärischen Armes der Hamas, mit der die europäischen Diplomaten im Auftrag ihrer Regierungen jetzt wieder Verhandlungen führen.
Weitere Einzelheiten können bei Palestinian Media Watch gelesen werden. (*)
Memri TV veröffentlicht als Clip # 817 das Bekennervideo der Hanadi Jaradat, gefilmt von ihrem Vetter Sami, sowie Aussagen des Kommandanten des PIJ Amjad Al-´Ubeidi, der sie in den Tod schickte. In dem Video, das der Sender Al-Jazeera am 16. August 2005 veröffentlicht, sieht man auch, daß Hanadi Jaradat keine Schönheit ist, sondern daß sie nach ihrem Tod zu Propagandazwecken hergerichtet wird. Dieses Fotos bedient sich auch Dror Feiler. Im Artikel von Palestinian Media Watch sieht man die "Rose von Palästina" und im Bekennervideo die weniger schöne Frau. (**)
"Die Kunst des Terrors - der Terror als Kunst"
Henryk M. Broder hat im SPIEGEL, vom 20. Januar 2004, einen bemerkenswerten Essay über "Die Kunst des Terrors - der Terror als Kunst" veröffentlicht: In Stockholm gehe es um "ein neues Reality-Format, das die Gewalt ästhetisch legitimieren soll." (1)
Die Koordinaten dieses "neuen Reality-Formats" sind fast allen Produktionen des heutigen Kulturbetriebes stillschweigend unterlegt, auch anderen Bereichen, also nicht nur antisemitischen, anti-israelischen. Dieses "neue Reality-Format" findet sich in den Arbeiten europäischer Intellektueller, Journalisten und Künstler, wie beispielsweise der Nima Zamar, deren antisemitische Fiktionen für den deutschen Geschmack denn doch zu grob aufgetragen waren. In Frankreich geht solches weiter durch. (2)
Verwischt werden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Die abstrusesten Erfindungen und Lügen können somit zwanglos mit Tatsachen verwoben werden und Eingang finden in die Kultur, sie werden ein Teil von ihr. Man denke dagegen an die antijüdischen Karikaturen im Dritten Reich. Als Kunst hätte der überzeugteste Nazi sie nicht eingeschätzt, sondern als das was sie waren, als Propaganda. Selbst die antijüdischen Filme wurden zuvorderst als Propaganda wahrgenommen und eingesetzt und erst dann auch als Kunst gewertet, "Jud Süß" beispielsweise.
Was ist "Juden raus!", der realistische Schlachtruf der Nazis und Neo-Nazis, gegen das die Grenzen von Realität und Fiktion verwischende Konstrukt "Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit"?
Das propagandistische Machwerk des Dror Feiler wirkt befreiend. Es hebt ethische und moralische Schranken auf, und die Betrachter können ihre anti-israelischen Vorurteile und Ressentiments voll ausleben. Die armen Palästinenser sind hilflos, leiden und begehen ihre Attentate in klassischer Unschuld. Das Schicksal treibt sie umher, auf einem Meer von Blut.
Dror Feilers Selbsteinschätzung als Komponist "of intifadic and eruptive lung - outs" und als "computer terrorist" (3) benennt dieses Gemenge von Realität und Fiktion. Es bedarf längerer Analysen und Erklärungen, als für die aufs Wesentliche konzentrierten Satzungen von Hamas und Palästinensischem Djihad nötig sind. Letztlich jedoch laufen alle aufs gleiche hinaus, auf die Beseitigung der Juden und Israels.
Die Kritik am Ausrasten des Botschafters Zvi Mazel kann sich leicht an den nicht-antisemitischen Komponenten des "Reality-Formats", dieses Gemenges, festmachen: an der Freiheit der Kunst. Keiner der den Botschafter verurteilenden Kritiker wird auch verstehen, was das "Schneewittchen" mit den von Broder vorgebrachten Analogien gemein haben könnte. Die betreffen alle eindeutig verurteilenswerte künstlerisch weder zu verdeckende noch zu beschönigende kriminelle Handlungen. Die Opfer der Hanadi Jaradat aber werden als Israelis von vornherein schuldig gesprochen, sie "sind keine unschuldigen Opfer, sondern Kollaborateure, die zur Verantwortung gezogen werden, egal ob sie in einem Café sitzen oder im Bus zur Arbeit fahren". So sehen es Scheich Ahmed Yassin, der Führer der Hamas und sein Beauftragter in Gaza Abdel-Aziz al-Rantissi, so sehen es auch, wie Broder schreibt, viele seiner Leser, von denen die "Hardcore-Version" das gleich auf "alle Juden (überträgt), die sich mit Israel identifizieren, egal wo sie leben." (1)
Die Haltung der Kritiker zum Ausrasten des Botschafters sagt über jene so viel aus wie über den Künstler. Sie sehen die Verbrechen der palästinensischen Attentäter nicht als solche, sondern als schicksalhafte Homerische Ereignisse. Die Attentäterin Hanadi Jaradat irrt nach vollendeter Tat dem Odysseus gleich auf einem Schiffchen umher.
Die Realität des palästinensischen Terrors wird zur sakralen Kunst verklärt.
Deshalb auch könnten die Kritiker die Scheinwerfer-Aktion des Botschafters nicht als Teil des Kunstwerkes, des Happenings werten, was ja möglich gewesen wäre. Was will Broder da mit "Spontaneität und Unmittelbarkeit", diesen ungeeignetsten aller Kategorien? Der Botschafter beging ein Sakrileg. Schuld haben einmal mehr die Juden.
Ob Dror Feiler, er selbst ein Jude, sich jemals der Ausmaße seiner Infamie bewußt wird?
Stand: 20. Januar 2004 - mit Ergänzung, vom 24. August 2005
Anmerkungen
(*) PA Ministry of Culture Glorifies Murderer of 29. PA honors female terrorists, past and future. By Itamar Marcus and Barbara Crook, Palestinian Media Watch, August 22, 2005
http://www.pmw.org.il/
Palestinian Islamic Jihad and Female Suicide Bombers. By Yoni Fighel. International Policy Institute for Counter-Terrorism, October 6, 2003
http://www.ict.org.il/articles/articledet.cfm?articleid=499
(**) Al-Jazeera Special about Hanadi Jaradat, Other Female Palestinian Suicide Bombers, Their Families and the People Who Send Them to Die. Al-Jazeera TV (Qatar), August 16, 2005. MEMRI TV, Clip # 817. Video und Transcript
http://www.memritv.org/clip/en/0/0/0/0/0/0/817.htm
http://www.memritv.org/clip_transcript/en/817.htm
(1) Die Kunst des Terrors - der Terror als Kunst, von Henryk M. Broder. Spiegel Online, 20. Januar 2004
http://www.spiegel.de
(2) Super-Spionin oder Lügen-Baroness? Der Kindler-Verlag riskiert seinen Ruf mit einem fragwürdigen Mossad-Enthüllungsbuch. Das Erste online, 4.1.2004
http://www.br-online.de/kultur-szene/capricci/report/thema04 0104_4.html
(3) Dror Feiler
http://www.avantart.com/music/drorintroe.htm
Dieser Artikel erschien zuerst auf der "Jüdischen", http://www.juedische.at/ Artikelrubriken - Extremismus, am 20. Januar 2004