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Tariq Ramadan bekommt nun doch ein Visum für die USA: Wir wollen froh sein, daß wir ihn los sind!

Es ist geschafft! Es hat geklappt! Die Suche der USA nach "Freunden unter ihren Feinden" ist erfolgreich abgeschlossen. Tariq Ramadan bekommt nach längeren Interviews in der Schweizer US-Botschaft sein Visum für eine Lehrtätigkeit in den USA. Dies ist seit einigen Tagen bekannt. Die Befragungen durch Beamte des US-Außenministeriums finden statt bei Abwesenheit des Vertreters des Department of Homeland Security (DHS), das dem Antragsteller das Visum Ende August verweigert. Es geht alles planmäßig über die Bühne.

Tariq Ramadan wird an der Universität Notre Dame, in South Bend, lehren und forschen. Wohin enteilt er? Zu Gleichgesinnten!

Die Congrégation de la Sainte Croix (CSC), die Congregation of Holy Cross oder Gemeinschaft vom Heiligen Kreuz, wird in Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts von Pater Basile Moreau gegründet. Der Franzose Pater Edward Frederick Sorin (1814-1893), Mitglied dieser Gemeinschaft und der "gesegneten Jungfrau Maria" ergeben, wandert auf Geheiß des Paters Basile Moreau 1841 als Missionar und Erzieher in die USA ein und gründet dort ein Jahr später eine Dépendance "Notre Dame". Nach anhaltenden Auseinandersetzungen mit Pater Basile Moreau trennt er sich von diesem, das Hauptquartier der CSC wird nach Notre Dame verlegt, und 1868 wird er Superior der CSC, Oberster Vorgesetzter von Priestern, Mönchen und Nonnen. Edward Frederick Sorin, von seinen Schäfchen liebevoll und ein wenig despektierlich "Eddie Freddie" genannt, hat ein tiefes Gefühl eines "göttlichen Mandats", und er kann sich sehr gut an die Realitäten anpassen, an herrschende anti-katholische Vorurteile und Animositäten beispielsweise. Er ist ein Mann mit einer Mission.

Sein Biograph Pater Marvin R. O´Connell schreibt über diesen "erstaunlichen Mann": "Er war fähig zu Doppelspiel, Kleinlichkeit und Unbarmherzigkeit". (1)

Es verwundert nicht, daß Tariq Ramadan, der laut eigener Aussage mehrere Angebote US-amerikanischer Universitäten hat, ausgerechnet an diese geistesverwandte Universität geht. Chicago, Kalifornien, nichts ist so gut wie Notre Dame. In Kalifornien wird er im April mehrere Vorträge halten, und das US-amerikanische Außenministerium interessiert sich mehr und mehr für ihn. Das allerdings ist äußerst verwunderlich, aber, muß man leider sagen, für Osama bin Laden interessiert sich die US-Regierung ja seinerzeit auch. (2)

Das Interesse wird spätestens deutlich, als das US-Außenministerium und die US-amerikanische Botschaft Berlin diesen salafidischen Prediger als einen der Eröffnungsredner zum Arab Western Summit of Skills einladen. "Experten, Politiken und Projekte in der arabischen Welt" sind Thema der vom US-Außenministerium, von den Botschaften der USA, Großbritanniens, des Vertreters des "neuen Europas" Tschechien, der US-amerikanischen Vorfeldorganisationen Aspen Institute, German Marshall Fund sowie arabischen Institutionen und Beraterfirmen gemeinsam mit der deutschen Industrie, vertreten u.a. durch Mercedes und Deutsche Telekom, veranstalteten zweitägigen Konferenz. Sie findet statt, als fern in Paris die große "Kopftuchdemonstration" des Mohammed Latrèche durch die Straßen zieht, und auch in Berlin für das Kopftuch mobilisiert wird.

"Bruder Tariq", wie er im November 2003 noch auf dem Europäischen Sozialforum heißt, als er Tausende begeisterter Globalisierungsgegner, Bartträger und Kopftuchträgerinnen mitreißt, dieser Bruder hält in Berlin unter Anwesenheit von mehreren an der Konferenz inhaltlich beteiligten Palästinensern und hochrangigen Vertretern westlicher Regierungen den Vortrag: "Araber sein in Europa. Perspektiven für eine arabische Gemeinde in einem vermehrt pluralistischen Europa - von der arabisch-amerikanischen Gemeinde lernen." Die Vorstädte mit ihrer "presse de banlieue", der abfällig von ihm so bezeichneten Vorstadtpresse, läßt er samt den marginalisierten arabischstämmigen Vorstadtkindern, den "Brüdern und Schwestern", hinter sich. (3)

Die europäischen Geheimdienste halten ihn für einen der Führer der Moslembrüderschaft in Europa, eines Zweiges der Organisation, zu der auch die Hamas und ihre Homizidbomber gehören, aber das hat ja sein Freund, der Journalist der "Le Monde" Xavier Ternisien anläßlich einer Reise nach Ägypten schon widerlegt. Il n´y en est rien, nichts dergleichen! Der französische Geheimdienst DST meint, die US-amerikanische Regierung wolle sich an die Führung der Moslembrüder annähern. (4)

Auf diesem Hintergrund betrachtet, sind die Anwürfe des US-Präsidenten und seiner Regierungsmitglieder zu relativieren, Frankreich täte nichts gegen den Antisemitismus. In Frankreich hatte Tariq Ramadan 1995 immerhin schon einmal Einreiseverbot. Von Genf nach Lyon ist es nur einen Katzensprung weit. Die USA holen sich den Demagogen eigens über den Atlantik in ihr Land, dort kann er das tun, was er bislang schon in Europa und in den USA tat: Netzwerke aufbauen, Menschen zum Islam bekehren, und zwar weniger arabischstämmige Moslems, die sollen mit ihren Bärten und Kopftüchern die beeindruckende Masse darstellen und Druck ausüben, sondern vielmehr gutsituierte europäische und WASP Menschen. Eine Reihe solcher Konvertiten sind Autoren der Bibliothek der vornehmen britischen Islamic Foundation, Markfield, wo sie gemeinsam mit Hassan al-Banna, seinem Enkel Tariq Ramadan, mit Sayyed Qutb, Abul A´la Mawdudi und weiteren salafidischen Islamisten verlegt werden. Auch ein Buch des Prinzen von Wales Charles über "Islam und den Westen" gibt es dort zu kaufen. (5)

Tariq Ramadan promoviert in Genf, obgleich Charles Genequand, der Dekan der Philosophischen Fakultät und gleichzeitig sein Doktorvater sowie zwei weitere Prüfer aus der Prüfungskommission zurücktreten, weil sie nicht eine "ideologische" und "tendenziöse" These absegnen wollen. Vom Doktorvater verlangte Korrekturen habe der Doktorand Tariq Ramadan nicht vorgenommen: "Ich glaube, daß er sich über mich lustig gemacht hat", sagt Charles Genequand, Spezialist für die arabische Welt.

Aber Tariq Ramadan findet politische Unterstützung bei Erica Deubler Ziegler, Genfer Großrätin der Partei der Arbeit, und beim damaligen Genfer SP-Nationalrat Jean Ziegler. Letzteren kennen wir schon als Eröffnungsredner des ATTAC-Kongresses in Berlin, Oktober 2001. Heute klagt der "Berichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung" Jean Ziegler die "Sicherheitspolitik Israels an als Grund für eine menschliche Krise " und setzt sich vehement ein gegen den "Zaun der Apartheid". Erica Deubler Ziegler schreibt für eine Genfer Ausstellung im Museum für Ethnographie, "Wissenschaft des Friedens und Zivilgesellschaft" im Jahre 2001 das Buch "Frieden". (6) Die Reformierten Nachrichten berichten übrigens nicht den vollen Namen von Erica Deubler Ziegler. Dort heißt die Großrätin nur Erica Deubler. Auch der Name von Professor Philippe Borgeaud ist nicht korrekt wiedergegeben. So verwehen die Spuren.

Wohlwollendere Prüfer werden von dem Paar Deubler-Ziegler gefunden mit den Religionswissenschaftlern Professor Philippe Borgeaud, Forscher über die Antike, die Mutter der Götter, über Orpheus und den Gott Pan samt panischer Angst, und Professor für Missiologie Richard Friedli, der auch das Vorwort zur französischen Ausgabe von Tariq Ramadans "Islam in Europe" verfaßt und mit der Familie Ramadan befreundet ist. (7) Der erste Berichterstatter, der kürzlich der Freiburger Universitätsleitung einen Vermerk habe zukommen lassen, worin er die akademische Qualität bestätigte, wird von den "Reformierten Nachrichten" angegeben mit "ein Professor aus Bern", das heißt, es ist nicht nachzuvollziehen, es bleibt im Dunkeln, wer dem Tariq Ramadan seine akademische Qualifikation bescheinigt. Es ist der Berner Professor für Islamwissenschaften Reinhard Schulze, ein persönlicher Freund Tariq Ramadans. Das Thema der Dissertation seien die "Reformer" genannten islamischen Denker. (8)

Sollte die Studie "Zu den Ursprüngen moslemischer Erneuerung. Von al-Afghani bis Hassan al-Banna, ein Jahrhundert der islamischen Reform" oder ein ähnlicher Text gemeint sein, so kann eine Rezension dieser Verklärung des Hassan al-Banna und des salafidischen Wahhabismus von Mondher Sfar in der kanadischen Fachzeitschrift "Studies in Religion" nachgelesen werden. Erinnert werden soll hier, daß Hassan al-Banna seinerzeit zusätzlich zu den religiösen Pflichten im Islam noch die Ausbildung für den Glaubenskrieg einführt. (9)

Dieser Missionar, der Da´wa Prediger, wird sich bestens mit den "progressiven" Katholiken in Notre Dame verstehen. Im August soll er mit Frau und Kindern in South Bend, nahe Chicago, ankommen und im September den seit zwei Jahren brachliegenden Lehrbetrieb und die Forschung aufnehmen. Er wird Forschungen und Publikationen überwachen und neue Kurse zum interreligiösen Dialog, zu Konfliktlösung und Frieden entwickeln. Sein Vertrag wird permanent sein.

Die Kriterien seiner Auswahl sind Erfahrung in der Lehrtätigkeit, seine Veröffentlichungen, von "Jihâd", Glaubenskrieg, über "Spiritualité" bis "Dâr ash-shahada", Zeugenschaft, (10) und das Unterstützernetz in den USA, da er schon vom Kirchenrat der USA eingeladen wurde, Vorträge zu halten. Diesem Kirchenrat steht die Universität Notre Dame nahe, einer Bewegung von linken Christen. Tariq Ramadan wird die Abteilung der Studien zum Frieden und den ökumenischen Dialog am "Kroc Institut für internationalen Frieden" der Universität leiten.

Das Kroc Institut trägt seinen Namen nach seiner Wohltäterin Joan Kroc, Erbin des Vermögens von Ray Kroc, dem Vater der Fast Food Restaurants und in dieser Eigenschaft der Schöpfer von McDonald. Ach, ist das wunderbar! Der Mitkämpfer des José Bové in Diensten eines Instituts, das vom Vermögen des "McDo" finanziert wird!

Jüdische Organisationen und Familien der Opfer des 11. September 2001 betrachten das Kommen des salafidischen Predigers mit großem Unbehagen, da ihm Verbindungen zu Kreisen der al-Qaida nachgesagt werden. Diese wie auch die Hamas sind Zweigstellen der Moslembrüder. Die Orientabteilungen der US-amerikanischen Universitäten seien schon reichlich mit Radikalen besetzt, die sich antisemitisch äußern. Tariq Ramadan ist noch ein weiterer, und nicht der geringste. Er wird nun eintreten für Gewaltlossigkeit und Dialog zwischen den Religionen. Die Erteilung des Visums für ihn möge ein wenig länger dauern, aber man erwarte keinerlei Problem damit, sagt die Universitätssprecherin. (11)

Es scheint schon in Berlin alles klar gewesen zu sein, denn sonst hätte Tariq Ramadan keine Einladung des US-Außenministeriums zur dortigen Konferenz erhalten. Er hätte auch seinen zukünftigen Arbeitgeber nicht um ein Visum für sich nachsuchen lassen. Nun wird er sich mit Super-Taqiya in den USA bewegen, seine Worte wird er noch mehr abwägen müssen, Artikel wie den gegen die jüdischen Intellektuellen Frankreichs dürfen nicht mehr vorkommen, und das bei der Menge von jüdischen Intellektuellen in den USA. Seine islamistischen Kreise wird er sehr behutsam frequentieren müssen. Predigten in halbfertigen Moscheen vor arabischstämmigen Jugendlichen, um sie zu Bart bzw. Kopftuch zu ermahnen, werden nicht mehr vorkommen können.

Welch ein Protest geht durch die US-Medien, als Tariq Ramadan zum Europäischen Sozialforum eingeladen und nach seinen antisemitischen Äußerungen nicht wieder ausgeladen wird, und der französische Innenminister Nicolas Sarkozy den Tariq Ramadan anschließend noch in einer gemeinsamen Fernsehsendung hoffähig macht. Jetzt wird er ein permanenter Gesprächspartner des US-Außenministeriums sein, das sich mit den Führern der Moslembrüder verständigen will. Über deren Ableger Hamas? Über das Training für den Glaubenskrieg?

Wir wollen froh sein, daß wir ihn los sind! Hoffentlich klappt´s! Bon voyage!

Anmerkungen

(*) In Search Of Friends Among The Foes. U.S. Hopes to Work With Diverse Group.
By John Mintz and Douglas Farah. Washington Post Staff Writers,
Saturday, September 11, 2004; Page A01
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A12823-2004Sep 10.html

7 octobre 2004 / 12 h 26: Le Département d´État aurait finalement décidé d´accorder un nouveau visa d´entrée aux États-Unis à Tariq Ramadan. Par l´ESISC (European Strategic Intelligence and Security Center, Bruxelles)
http://www.proche-orient.info/xjournal_pol_der_heure.php3?id _article=30283

(1) A Man with a Mission, by Carol Schaal, Notre Dame Magazine Online, Winter 2001-02
http://www.nd.edu/~ndmag/w2001-02/sorinbk.html

(2) Tariq Ramadan quitterait l´Europe pour les USA. Info Nouvel Obs, 27 janvier 2004
http://archquo.nouvelobs.com/cgi/articles?ad=societe/2004012 7.OBS3226.html&host=http://permanent.nouvelobs.com

(3) Arab Western Summit of Skills. Professionals, Policies and Projects in the Arab World, Berlin, Germany, January 17-18, 2004
http://www.awsummit.org/agenda.htm

(4) Article 2: The Islamic Resistance Movement is one of the wings of Moslem Brotherhood in Palestine. Moslem Brotherhood Movement is a universal organization which constitutes the largest Islamic movement in modern times. It is characterised by its deep understanding, accurate comprehension and its complete embrace of all Islamic concepts of all aspects of life, culture, creed, politics, economics, education, society, justice and judgement, the spreading of Islam, education, art, information, science of the occult and conversion to Islam.

The Avalon Project at Yale Law School. Hamas Covenant 1988
http://elsinore.cis.yale.edu/lawweb/avalon/mideast/hamas.htm

(5) Islamic Foundation
http://www.islamic-foundation.org.uk

(6) Sciences de la paix et société civile. Christophe Barbey. "Une Suisse sans armée" n° 52 (hiver 2001), p. 25, Anmerkung 9
http://www.gssa.ch/journal/display.php3?id=133

(7) ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Der Islamist Tariq Ramadan und die Globalisierungskritiker vereint im Kampf, von Gudrun Eussner. Siehe Anmerkung 15. Die Jüdische. Artikelrubriken: Extremismus
http://www.juedische.at

(8) Genfer muslimischer Gelehrter nach USA. Reformierte Nachrichten, 30. Januar 2004
http://www.ref.ch/rna/meldungen/7902.html

(9) Aux sources du nouveau musulman, par Mondher Sfar, Paris. Studies in Religion/Sciences Religieuses. Revue canadienne/ A Canadian Journal, Volume 28 Number 3 / 1999
http://www.wlu.ca/~wwwpress/jrls/sr/issues-full/28.3/sfar.fr.html

Siehe auch ATTAC - At-Taqiya - Attacke. Kapitel "Tariq Ramadan unter Freunden"

(10) Les œuvres de Tariq Ramadan. Exceptionnel: nous vous proposons tous les ouvrages et K7 de Tariq Ramadan. Éditions Tawhid, Lyon
http://www.islam-france.com

(11) Tariq Ramadan suscite aussi la plémique aux USA, par Marie-Christine Bonzom. Swissinfo, 30 janvier 2004
http://www.swissinfo.org/sfr/swissinfo.html?siteSect=105&sid =4679996

16. Februar 2004 - aktualisiert am 8. Oktober 2004

Der Artikel erschien zuerst auf der "Jüdischen", www.juedische.at, Artikelrubriken - Extremismus, am 16. Februar 2004
http://www.juedische.at/TCgi/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat= 3&Param_RB=10&Param_Red=1673


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2004-10-08_10-41-28.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 06.01.2009, 16:32 Uhr