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La brèche - Der Durchbruch

Übersetzung aus Al-Ahram Hebdo, vom 13. Oktober 2004:

Dossier. Die Frankfurter Messe. Unter dem Motto des Dialogs mit der arabischen Welt ist die Veranstaltung mit einem hoffnungsvollen Ton beendet.

Die Vorhänge sind gefallen über dem Arabischen Jahr von Frankfurt. Die ungefähr 150 000 qm des Messegeländes von Frankfurt, inmitten der Stadt, sahen in ihren Gängen am Tag der Eröffnung für das Publikum 51 585 Besucher, das sind fast 9000 mehr als im Vorjahr. Etwas allerdings hat sich geändert: es reichte aus, die Menge aller Altersstufen sich eilen zu sehen, die Kilometer zu durchlaufen zwischen dem Saal 6, der Buchausstellung, dem Saal 5, der Ausstellung des arabischen Handwerks, und dem Saal des Forums, wo die Kolloquien in meist vollbesetztem Saal stattfanden.

Das Dossier der arabischen Ausgabe, mit all seinen Höhen und Tiefen, ist nicht geschlossen. Diese fünf allzu ereignisreichen Tage beweisen, dass "dies nur der Anfang ist", sagt der stolz von einer Szene von Journalisten und Fernsehsendern, die begierig sind nach Kenntnissen des arabischen kulturellen Universums, umringte Ibrahim Al-Moallem, der Präsident der Vereinigung der arabischen Verleger, des unabhängigen Berufsverbandes.

Verschiedenen Stimmen zum Trotz, die versucht haben, das Ereignis zu trüben (ob es die manipulierte europäische Presse war, die den offiziellen Charakter der arabischen Anwesenheit kritisierte, oder die gleichen gescheiterten Versuche eines mehrere arabische Buchtitel des Antisemitismus beschuldigenden gewissen israelischen Zentrums), das arabische Buch und das arabische Denken konnten sich in den deutschen Räumlichkeiten frei entfalten.

Jenseits der Allgegenwart der arabischen Aktualität, des Interesses, das den heißen, die westliche Neugierde entfachenden Themen entgegen gebracht wird (Islam, Terrorismus, Frau), hat dieses multidimensionale Treffen Licht geworfen auf den Bereich des sich in Schwierigkeiten befindenden Verlagswesens, das geschlagen ist von den wirtschaftlichen Problemen, dem Analphabetismus und dem Gewicht der Zensur (siehe Kasten). Es eröffnet einen breiten Fächer des Möglichen. Die ungefähr fünzig Werke arabischer Autoren, die zu dieser Gelegenheit in Deutschland in der Übersetzung sind, bedeuten nur den Anfang. "Die Sprache bleibt ein nicht zu leugnendes Hindernis", behauptet der ägyptische Schriftsteller Ibrahim Abdel-Meguid, der eine wirkliche Arbeit des kulturellen Austausches und des Starts lebensfähiger Strategien für Übersetzungsprojekte fordert.

Diese Versammlung der arabischen Länder hat trotz der Abwesenheit gewisser bedeutender Vertretungen, wie des Irak und Marokkos, Hoffnung gegeben auf die Möglichkeit, sich trotz der Verschiedenartigkeit und Eigenheiten eines jeden Landes zu treffen.

Am Anfang war der Irak

Die Entscheidung über "die arabische Welt als Ehrengast" ist mitten im Irakkrieg als symbolische Geste gefallen; jedoch konnte man die Zivilisation von Babel vergeblich suchen. "Unser Alltag sind der Tod, die Zerstörung und die Morde, was auch Tod, Zerstörung und Ermordung der Kultur heißt", so hat es der Dichter Kazim Hegaz während einer Diskussion zum Thema "Irak, der neue Aufbruch" ausgedrückt. Die irakischen Autoren sind zahlreich, die davon erzählen können, dass die Zeit noch nicht zum Schreiben reif ist; zunächst müssen die gewalttätigen Erschütterungen der letzten beiden Jahre verarbeitet werden.

Wenn man früher wiederholte, dass die Ägypter schreiben, die Libanesen publizieren und die Iraker lesen, hat sich diese Einordnung bemerkenswert verändert, sei es aus finanziellen Gründen oder auf Grund des Anstiegs des Islamismus, der dazu führt, dass die Veröffentlichung von Büchern des religiösen Erbes diejenige des Einfallsreichtums in Ägypten um Zigtausende überflügelt. Die Lücken, die die Autorenrechte kennzeichnen, wie auch die relative Freiheit im Libanon, haben diese Länder in der Herausgeberszene in den Vordergrund gerückt. Was den Irak angeht, der vormals der erste Buchmarkt der arabischen Welt war, so hat er unter dem Embargo seit den 90er Jahren Rückschritt und Verarmung erlebt, um heute zu einer Hinderung jeden Schaffens zu kommen.

Erschütterungen, die einen ernsthaften Dialog zwischen Orient und Okzident nicht begünstigen. Trotzdem, dieser Dialog ist gefordert, nicht nur, um die Schwierigkeiten des Verlagswesens zu mildern, sondern auch, um sich besser kennenzulernen, in dem man in den Spiegel des anderen blickt.

Lange Zeit haben zahlreiche Autoren bei den westlichen Verlagen die Tür verschlossen gefunden, und es bedurfte der Zunahme des Islamismus, um das Interesse der Menschen im Westen für die arabische Welt anwachsen zu lassen. Das ist die Nachricht, die vom ägyptischen Nobelpreisträger gesandt wurde, der sich und danach auch andere fragte: "Mußte man warten, dass der Westen fühlt, dass seine Sicherheit bedroht ist, um sich in einer Wiederentdeckung der islamischen Zivilisation und der arabischen Kultur zu engagieren?", hat der Intellektuelle, Opfer eines islamistischen Anschlagsversuchs gefragt. "Mußte man warten, dass die Araber ihr Bild täglich in den westlichen Medien verformt sehen, damit sie die Entscheidung treffen, sich den anderen vorzustellen?", hat der Romancier hinzugefügt.

Diese Ausgabe der Messe ist ein erster Schritt, mittels des Buches hin zu einem Austausch zu kommen. Und der Besucher konnte durch Teilnahme an Kolloquien mit den Händen diesen Erfolg greifen, und die an die arabischen Teilnehmer deutlich gestellten Fragen gaben einen Eindruck, dass das europäische Publikum mit dem festen Vorsatz gekommen war, mit einer besseren Kenntnis der Araber, ihrer Kultur und ihrer Literatur zurückzukehren. Vielleicht ein Anfang.

"Unsere Teilnahme war ein Erfolg"

Der Präsident des arabischen Verlegerverbandes Ibrahim Al-Moallem antwortet auf Fragen von Chérine Abdel-Azim und zieht Bilanz der 56. Buchmesse.

Chérine Abdel-Azim fragt ihren Interviewpartner, ob die beeindruckende arabische Anwesenheit auf diesem größten Buchmarkt der Welt "das Zerrbild der Araber in den Augen des Westens geraderücken konnte", worauf Ibrahim Al-Moallem wortreich keine konkrete Antwort gibt, es sei denn, "Unsere Teilnahme an einer in der ganzen Welt einzigartigen Messe ist sicherlich ein Erfolg", genügt der Fragestellerin, ergänzt durch: "Gleichermaßen hat uns die Eröffnungszeremonie erlaubt, unsere Stimme laut zu erheben und unseren Standpunkt mittels der Ausführungen Amr Mussas und Nagib Mahfouz´ darzulegen."

Dies reicht der Fragestellerin nicht. "Konkret, wie konnten die arabischen Verleger diese Veranstaltung nutzen?" hakt sie nach. Wieder kommt keine Antwort darauf, ob das "Zerrbild" geradegerückt werden konnte. Der Präsident begnügt sich mit Äußerungen über einen etwaigen verlegerischen Erfolg. Eine umfassende Bilanz über diesen könne noch nicht gezogen werden.

Was die Übersetzungen angehe, so habe der Verlegerverband die Einrichtung eines Fonds zur Finanzierung von Übersetzungen vorgeschlagen. Er werde vom Scheich Sultan Al-Qassemi, dem Gouverneur von Scharjah gesponsert.

"Was ist wahr an den Gerüchten, nach denen sieben Bücher beschlagnahmt worden sind?" fragt Chérine Abdel-Azim. Der Präsident antwortet:

"Das ist wahr, das sind keine Gerüchte. Sieben arabische Bücher wurden in Folge einer Klage, beschlagnahmt, die von einigen zionistischen Einrichtungen unter dem Vorwand präsentiert wurden, sie seien antisemitisch. Die Verwaltung der Buchmesse hat die Bücher der deutschen Staatsanwaltschaft übergeben, die nichts an diesen Büchern auszusetzen hatte. Es gibt auch Anschuldigungen gegen Mohamed Salmawy, der nach ihnen in seinen im Internet veröffentlichten Artikeln den Holocaust in Zweifel zieht. Die Messeverwaltung hat ihrerseits gedroht, einen Prozeß anzustrengen gegen sie, sollten diese Anschuldigungen nicht bewiesen werden, weil das den Ruf der Messe angreift. Das ist ein konkreter Beweis unseres Erfolges, weil man es dahin gebracht hat, die Zionisten zu provozieren!"

Chérine Abdel-Azim fragt noch, ob Ibrahim Al-Moallem meine, dass diejenigen arabischen Länder, die nicht auf der Messe vertreten waren, etwas versäumt hätten. Sie hätten in letzter Minute doch teilgenommen, aber individuell, nicht offiziell. Ihre Kultur, wie die Kuwaits und Marokkos, sei präsent gewesen, ihre Intellektuellen hätten den Beweis der Koordination mit anderen Vertretern erbracht, antwortet er.

Über "das Gewicht der Zensur" in den arabischen Ländern ist entgegen der Ankündigung im obigen Artikel nichts im Kasten.

Übersetzung und Zusammenfassung: Gudrun Eussner, 13. Oktober 2004

Quelle

Le Dossier (übersetzt):
Foire de francfort . Placée sous le sceau du dialogue avec le monde arabe, la manifestation s´est terminée sur une note d´espoir. La brèche, par Chérine Abdel-Azim, Al-Ahram Hebdo, 13 octobre 2004

Encadré/Kasten (auszugsweise übersetzt und zusammengefaßt):
"Notre participation a été un succès". Propos recueillis par Ch.A. (Chérine Abdel-Azim), Al Ahram Hebdo, 13 octobre 2004

http://hebdo.ahram.org.eg/arab/ahram/2004/10/13/doss2.htm


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2004-10-13_19-02-24.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 07.01.2009, 04:29 Uhr