
Die Zukunft nach dem Tod Yasser Arafats - Der Alptraum geht weiter
PLO-Chef und Palästinenserpräsident Yasser Arafat verfolgt von der Gründung der Fatah, in Kuwait 1959, bis zu seinem Tode, am 11. November 2004, konsequent die Strategie zur Vertreibung der Juden und zur Zerstörung Israels. Vom ersten Attentat, 1965, über die PLO-Verfassung, von 1968, den ´Phased Plan´ und den Auftritt vor der UNO, 1974, über den Terror in Jordanien und im Libanon, 1969/70 und 1982, bis hin zu Intifada I und II, begonnen jeweils 1987 und 2000, und zu Oslo I und II, 1993 und 1995, und die angebliche Anerkennung des Extistenzrechtes Israels, 1988, 1996 und 1998, handeln er und seine Terrorgenossen immer konsequent. Wer etwas anderes behauptet, unterschätzt die PLO und die Fatah, samt ihren Anhängseln und Derivaten.
Die Beziehungen der PLO zu den Terroristenorganisationen ändern sich nach "Oslo" nicht. Zu Anfang gibt Yasser Arafat nicht einmal vor, den Terror zu bekämpfen, im Gegenteil, er denkt gar nicht daran, die Hamas zu entwaffnen. Das würde ihm finanziell auch schlecht bekommen, wird diese Zweigstelle der Muslimbrüderschaft doch von islamistischen Kreisen der arabischen Staaten finanziert, und für ihn fällt dabei reichlich ab. Schluß wäre damit. Um sich aber doch ein wenig den Anschein zu geben, seine Fatah halte sich zurück, unterstellt er Teile von ihr der Hamas, so dass sie weiter ihren Terror praktizieren können. Damit die Palästinenser und die interessierten islamischen Staaten und Europas wissen, worum es geht, und dass sie nicht mit Frieden rechnen können, kandidieren Fatah und Hamas bei lokalen Wahlen auf einer gemeinsamen Liste, dem "Palestinian Martyrs Bloc". Ein Block diesen Namens kandidiert noch heute zu den palästinensischen Studentenwahlen an den Universitäten. Der Märtyrerkult wird unter der palästinensischen Jugend gepflegt, beginnend schon bei Kleinkindern. Yasser Arafat unternimmt dagegen niemals etwas, sondern er, die Fatah und ihre Al-Aqsa-Brigaden sind für diesen Block Hauptantriebskräfte.
Die enge Zusammenarbeit der PLO, der Fatah und der Al-Aqsa-Brigaden mit der Hamas wird nicht beendet. Die Taktik der PLO ändert sich und paßt sich der jeweiligen Situation an, die Gründung eines palästinensischen Staates aber wird, da eine Beseitigung Israels militärisch nicht zu verwirklichen ist, von allen immer nur als erster Schritt im Rahmen des "Phased Plan" zur Eroberung des gesamten ehemaligen britischen Mandatsgebietes Palästina, einschließlich Israels und Jordaniens, gesehen.
Es ist also nicht anzunehmen, dass der Alptraum der Israelis bald zu Ende sein wird.
Der frischgekürte Fatah-Chef Faruq al-Qaddumi bürgt dafür. Am 3. Januar 2003 betont er, zwischen der Fatah und der Hamas habe es noch nie Unterschiede gegeben, im Gegenteil. "Widerstand ist legitim". Nach seiner Wahl erklärt er, am 11. November 2004, gegenüber dem Fernsehsender der schiitischen libanesischen Terrororganisation Hezbollah Al Manar TV: "Widerstand ist der Weg zu einer politischen Lösung". Man kann ihn sich bei MEMRI im Original als Video anhören und ansehen. Da man zu schwach sei, die israelische Armee zu besiegen, müsse man auf den Bruder Märtyrer Abu Ammar (Yasser Arafat) zurückkommen, der vor der UNO im November 1974 erklärt: "Ich halte ein Gewehr in der einen und einen Ölzweig in der anderen Hand." Dabei hat der zu internationaler Reputation aufgestiegene Terrorist das Gewehr nicht in der Hand, sondern als Smith&Wesson Pistole allen deutlich sichtbar am Halfter. Der Ölzweig hingegen ist kaum zu sehen. Hat er ihn tatsächlich mitgebracht?
Faruq al-Qaddumis Ansicht wird unterstützt vom Mitglied des Zentralkomitees der Fatah Hani Al-Hassan, der am selben Tag dem Sender Al-Arabiya TV Dubai gegenüber meint, dass mit dem Tode Arafats die Phase des bewaffneten Kampfes beginne:
"In der Fatah haben wir eine Regel: der bewaffnete Kampf sät, und der politische Kampf erntet. Derjenige, der nicht sät, erntet nicht, und derjenige der sät und sich weigert zu ernten, ist ein Verbrecher. Deshalb kam, als Oslo keine Ergebnisse brachte, die Saat in Gestalt der Intifada. Nun ist die Frage, ob die jetzige Zeit ein Stadium des Erntens oder der Saat ist. Wir denken, dass die jetzige Zeit eine der Saat ist, bis wir Ergebnisse in der internationalen Position sehen. Wir sehen heute, dass eine Änderung in der Welt stattgefunden hat. Europa hat seine Position geändert, sie hat sich deutlicher zu unseren Gunsten gewandelt. Amerika ist im Irak festgefahren und weiß nicht, was es tun soll. Heute sahen wir die Helden von Falluja und alles, was dort passiert. Israel befindet sich inmitten einer internen wirtschaftlichen Krise, die nicht durch einen Geldstrom aus Amerika gelöst werden wird. Deshalb gibt es Möglichkeiten. Wir werden jetzt sehen, ob uns die politische Lage erlaubt, politische Ergebnisse zu erzielen und einen Wechsel zu unseren Gunsten zu erreichen. Wenn nicht, werden wir zum Säen zurückkehren."
Hier wird nebenbei sehr gut deutlich, warum der Krieg der USA gegen den Irak nicht etwa für Israel, sondern ganz ohne Berücksichtigung Israels und zu seinem Schaden durch die USA begonnen und geführt wird. Sie haben die größenwahnsinnige Absicht, mit einem Krieg gegen mehrere islamische Staaten und gegen Nordkorea die Machtstruktur im Nahen Osten und in Asien zu ihren Gunsten zu verändern und ein für allemal zu festigen. Der Frieden zwischen Israel und den Palästinensern ist zur Erreichung dieser Absicht notwendig. Wenn die Palästinenser sähen, wie die Iraker ihre wirkliche Freiheit und die wirtschaftlichen Möglichkeiten schätzten und nutzten, würden sie ihre PA zu politischen Reformen und zu Verhandlungen mit Israel auffordern. Das würde zu einem wirklichen Friedensvertrag zwischen den Israelis und den Palästinensern führen. So ist ihre Ansicht am Ende der Kampfhandlungen im Irak, April 2003. Der heutige Stand der Dinge zeigt, was von solchen Träumen zu halten ist.
Deutlich wird, dass Frieden und Sicherheit für Israel als unausweichliches Beiprodukt abfallen sollen, als Kollateralnutzen. Weder Israel noch die Palästinenser zählen für die USA als eigenständige Subjekte. Für die EU zählen sie ebenfalls nicht.
Hani Al-Hassan meint, Europa sei mehr und mehr auf der Seite der Palestinenser. Genauso ist es. Es sind die Interessen Europas, allen voran Frankreichs, die USA in ihrer Macht zu schmälern. Sie nutzen die Lage der USA im Irakkrieg dazu aus. So ist denn Javier Solana, der Vertreter der Außenpolitik der EU, der erste Besucher in Ramallah, nach der chaotischen Beerdigung Yasser Arafats. Er wird der PLO, der Fatah und der Hamas beistehen, gegen Israel vorzugehen. Die Saat kann beginnen. Der Alptraum fängt gerade erst richtig an.
Die "internationale Staatengemeinschaft" wird den Palästinensern gewiß zubilligen, dass weder Gemeindewahlen, im Dezember 2004, noch Präsidentschaftswahlen, im Januar 2005, durchzuführen sind. Das Chaos in dem Landstrich der Welt hat jeder im Fernsehen verfolgen können, am deutlichsten bei der Beerdigung Yasser Arafats. Schon einmal werden Präsidentschaftswahlen abgesagt, die für Januar 2003 vorgesehenen. Der Vorwand ist die Intifada II: "Es ist nicht die Zeit für demokratische Wahlen", sagt Ahmed Qurei alias Abu Ala seinerzeit.
Die Interimsführung kündigt simultane Wahlen für die Gemeinden, das Parlament und den Präsidenten für das Frühjahr 2005 an. Die Hamas fordert die Palästinenser auf, sich an diesen Wahlen zu beteiligen. Der PIJ und die PFLP schließen sich dem an. 1996 lehnen sie die Beteiligung der beiden Abkommen von Oslo wegen ab. Die Hamas bleibt bei der Verpflichtung zur Zerstörung Israels und rechnet sich dafür heute bessere Chancen aus. Die wichtigsten Kader der Fatah sind auf ihrer Seite, schon allein, da sie in Gaza von der Begeisterung für die Hamas weit überflügelt werden, und sich auch in der Westbank der Wind zugunsten der Hamas dreht. Das bei einem Abzug der Israelis aus Gaza entstehende Vakuum wird durch die Terroristen der Hamas gefüllt.
Es ist möglich, dass die palästinensischen Terrororganisationen wieder eine Lage herbeibomben, in der leider keine demokratischen Wahlen möglich sind. Dann könnte die EU mit ihnen in einen ihrer berühmten kritischen Dialoge eintreten. Vielleicht einigen sich die EU und die Palästinenser aber auf den gemeinsamen Kandidaten der Fatah Faruq al-Qaddumi?
14. November 2004 - ergänzt am 16. November 2004 um den zweiten Link über den "Phased Plan"
Quellen:
The martyrdom and suicide culture in Palestinian universities. An-Najah University in Nablus as a case study. Intelligence and Terrorism Information Center at the Center for Special Studies (C.S.S) Special Information Bulletin, May 2003
http://www.intelligence.org.il/eng/bu/sib_mb/university.htm
The PLO´s "Phased Plan". Political Programme, Adopted at the 12th Session of the Palestinian National Council, Cairo, June 9, 1974
http://www.netaxs.com/~iris/plophase.htm
Palestinian Ambassador in Iran: Arafat fought the Jihad and the Palestinian State is Our Plan. MEMRI Clip No. 347. An interview with Palestinian Ambassador in Tehran, Salah Al-Zawawi on Al-Alam TV (Iran), November 12, 2004: ... Our phased plan, which I already mentioned, is to establish an independent sovereign Palestinian state with Jerusalem as its capital.
http://memritv.org/Transcript.asp?P1=347
Farouq Al-Qaddoumi: In Support of ´Resistance Attacks´ Inside Israel and Pressuring Europe with Oil Hikes: ´We (Fatah) Were Never Different from Hamas´.
Memri Dispatch No. 462, vom 28. Januar 2003
http://www.memri.org/bin/opener.cgi?Page=archives&ID=SP46203
New Fatah Leader Farouq Qaddumi: Resistance is the Path to Political Settlement.
Memri TV Clip No. 344, 11/11/2004
http://www.memritv.org/Transcript.asp?P1=344
Practice to Deceive, by Joshua Micah Marshall. Washington Monthly, April 2003
http://www.washingtonmonthly.com/features/2003/0304.marshall .html
PLC leader Says Palestinian Elections Not to be Held on Time.
People´s Daily Online, December 2, 2002
http://english.people.com.cn/200212/11/eng20021211_108270.sh tml
Hamas gives backing to Palestinian elections. * 2 other hard-line factions to join political fray. Pakistan Daily Times, November 14, 2004
http://www.dailytimes.com.pk/default.asp?page=story_6-9-2004 _pg4_5