
Pornographie der Erinnerung. Fortsetzung: Dieudonné zeigt rasche Wirkung
Während man heute, am 22. Februar 2005, im "Indépendant", auf der Seite 14, vierzehn Zeilen darüber liest, daß der französische Justizminister Dominique Perben eine Voruntersuchung über die Pressekonferenz des Dieudonné in Alger, vom 16. Februar 2005, anordnet, und während in der kleinen Notiz Platz ist, auf die juristische Schwierigkeit hinzuweisen, die dadurch entstehe, daß die Äußerungen im Ausland getan wurden, informiert die Zeitung daneben in einem Dreispalter darüber, daß die Gefolgsleute des Dieudonné im Inland zur Tat schreiten: genug mit der Pornographie der Erinnerung!
Sie nehmen sich diesmal den Viehwagen vor, der als Mahnmal in Drancy, am Ort des ehemaligen KZ, steht. In solchen Wagons werden von Drancy, dem "Vorzimmer des Todes" aus, von 1941 bis 1944, in 67 von 79 Transporten aus Frankreich mehr als 60 000 der insgesamt 70 000 bis 80 000 Juden in die Vernichtungslager Osteuropas verladen. (1)
Vor dem Museumswagen liegt eine Plakette: "La République française en hommage aux victimes des persécutions racistes et antisémites et des crimes contre l´humanité commis sous l´autorité de fait dite ´Gouvernement de l´État français´ (1940 - 1944). N´oublions jamais."
Die französische Republik, im Angedenken an die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschheit, begangen unter der De-facto-Macht, genannt ´Regierung des französischen Staates´ (1940 - 1944). Vergessen wir niemals!
Nun sind wieder alle indigniert. Bei Google.fr gibt es mehr als 200 aktuelle Meldungen zum Thema. Es ist bereits das dritte Mal, daß der Gedenkort geschändet wird. Diesmal wird, am Sonntagabend, den 20. Februar, mittels einer Coca Cola Flasche ein brennbares Gemisch deponiert, das den Wagon ankokelt. Der Besitzer des Cafés gegenüber benachrichtigt die Feuerwehr. Am Ort des Anschlags findet man ein Traktat, das mit einem linksdrehenden Hakenkreuz und "im Namen der islamischen Rechtsextremen für Palästina" mit der Signatur "Ben Laden" versehen ist. (2)
Der Bürgermeister und Abgeordnete der Nationalversammlung Jean-Christophe Lagarde (UDF) fordert laut "Indépendant" die Juden zu einer Demonstration auf, am Montag, den 21. Februar. Man liest richtig, es geht nur die Juden etwas an - die anderen brauchen sich nicht zu äußern. Dennoch nehmen einige Nichtjuden an der Demonstration teil, u.a. der Präsident des Generalrates und der kommunistische Bürgermeister von Bobigny. Der Präsident des Conservatoire Historique du camp Raphaël Chemouni meint resignierend, man hätte überhaupt nicht darüber sprechen sollen, jetzt sei man belagert von Journalisten, aber man könne ja nichts weiter sagen, als den Anschlag zu verdammen. Der Sekretär des Parti Communiste (PCF) von Drancy Olivier Valentin warnt vor einer schnellen Verdammung. So beginnen einige schon am Anfang, noch bevor eine Untersuchung beginnt, den Fall herunterzuspielen - oder warum soll mit einer Verdammung gewartet werden? Befürchtet man ein Aufwallen von "Islamophobie"? (3)
Affaire à suivre. Weitere Wetten werden entgegen genommen, daß erstens Dieudonné auch diesmal ungeschoren bleibt, zweitens niemand gefunden wird, der den verbrecherischen Anschlag in Drancy verübt hat, und daß drittens der Premierminister, wer immer es nächstes Jahr ist, beim CRIF Dîner wieder seine Sprüche klopft über den Kampf der französischen Regierung und ihrer Behörden gegen den Antisemitismus ...
22. Februar 2005
Quellen, lesenswerte Texte und ein hörens- und sehenswertes Video
(1) Drancy 1941 - 1944. Le conservatoire Historique du camp de Drancy
http://www.camp-de-drancy.asso.fr/index.htm
(2) Mardi 22 février 2005, mis à jour à 08:03. Début d´incendie criminel sur le wagon témoin du camp de Drancy. L´Express avec AFP
http://www.lexpress.fr/info/infojour/infos.asp?id=1486&0933
(3) Le wagon témoin de Drancy incendié dimanche soir. Par Émilie Rive. Humanité, 22 février 2005
http://www.humanite.presse.fr/journal/2005-02-22/2005-02-22- 457189
Discours de M. Jean-Pierre RAFFARIN, Premier ministre, au dîner du CRIF samedi 12 février 2005. Conseil Représentatif des institutions juives de France
http://www.crif.org
Des propos de l´humoriste Dieudonné sur la Shoah soulèvent l´indignation.
LEMONDE.FR avec AFP et Reuters, 18 février 2005
http://www.lemonde.fr/web/recherche_articleweb/1,13-0,36-398 742,0.html
La France, province cathodique du Hezbollah ... Par Paul Landau, TOPJ.NET. Le portail de la communauté juive francophone, 24 novembre 2004
http://www.topj.net/fr/actus/info.tpl?sku_arch=3184092770912 582&pays=CH
DERNIERE HEURE - Ce qu´il a montré cet après-midi à la presse était amputé. En video, les extraits de la conférence de presse de Dieudonné à Alger autour de la « pornographie mémorielle »
http://www.proche-orient.info/xaudio_article.php3?id_article =36819
Idith Zertal. From Catastrophe to Power: Holocaust Survivors and the Emergence of Israel. Rev. ed. Berkeley and Los Angeles: University of California Press. 1998
Idith Zertal, diffusée le 14 janvier 2005
http://www.la-bas.org/article.php3?id_article=587