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Es lebe der Papst! - So ein Tag, so wunderschön wie heute ...

Kaum in Berlin angekommen, stürzt sich der interessierte Mensch auf die neueste Ausgabe der Zeitschrift "Konkret". Fürwahr, eine Fundgrube für Anhänger von Verschwörungstheorien!

Nach Hermann Gremlizas kunterbunter Kalauerkolumne über Stalin, Reichsführer SS, gutgewordene Deutsche, Willi Geiger, Springer, Justice Jackson, Hermann Göring, Radio Corporation of America, Jan Philipp Reemtsma (Sohn des Spenders) und viele andere aus dem Fundus, geht es über Pressezitate aus Spon-taz-uz-welt, in der Rubrik "Herrschaftszeiten", sogleich weiter zum aktuellen Thema Papst. (1)

Peter O. Chotjewitz ist in seinem Element:

"Die katholische Kirche kann man nicht reformieren, nur abschaffen, und das gilt nun mal für alle Kirchen. Was nutzte es den Menschen, wenn sie den Katholizismus abschafften und nähmen doch Schaden an ihrer Seele, den sie garantiert nehmen, solange sie die anderen Religionen weiter wüten lassen?"

Große Worte sind das, im geistlichen Stile: "... nähmen doch Schaden an ihrer Seele ..." Abgesehen davon sieht man in den ehemaligen südlichen Sowjetrepubliken, wohin die Unterdrückung der Religion führt: zum Anstieg des Drogenkonsums. "Opium ist Religion für das Volk", um den Spruch des Karl Marx zurechtzurücken. Welche Menschen wären es, die das "Weiterwüten" der Religionen untersagen? Abschaffen kann man die Religionen nur gewaltsam, und dabei nehmen die Menschen Schaden nicht nur an ihrer Seele, sondern auch an Leib und Leben; denn nicht nur ihre Religion würde abgeschafft, sondern auch alle anderen individuellen Freiheiten. Wem´s nicht paßt, ab in den Gulag!

"Was macht es für einen Unterschied", schreibt Peter O. Chotjewitz weiter, "ob ein Deutschlehrer seinen Schülern Hans Grimms ´Volk ohne Raum´ empfiehlt, oder eine besoffene Menge hysterisch nach Lourdes taumelt, wo ihr Oberhirte gerührt in Ohnmacht fällt?" (2)

Der Leser bekommt vielleicht im nächsten Heft erläutert, warum da kein Unterschied besteht: Heimat und Enge, Fremder Raum und Irregang, Deutscher Raum, Volk ohne Raum, das sind die vier Teile des Buches.

Pilgerreise nach Lourdes der Enge in deutschen Landen wegen? Deutsche Kampftruppen in Lourdes verirrt? Kriegerische Auseinandersetzungen mit den südfranzösischen Pyrenäenbewohnern? Cornelius und seine Freunde als Wanderprediger in Lourdes?

Der kranke Papst richtet anläßlich des 60. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Provence von Lourdes aus einen Friedensappell an die Menschen in aller Welt. Mag sein, daß seine Kräfte ihn da verlassen, was ihm den Spott des Peter O. Chotjewitz einbringt, er sei "gerührt in Ohnmacht" gefallen. (3)

So rächt sich der Autor sehr spät für seine von Fundamentalisten geprägte Kindheit. Manche protestieren gegen solche Zustände schon, wenn sie ihnen ausgesetzt sind, manche arbeiten sich den Rest ihres Lebens vergeblich daran ab und werden desto besser darin, je länger die Gegner schon nicht mehr leben und der Kampf entsprechend ungefährlich ist. Franz Kafka überreicht seinen bösen Brief an den Vater aus Angst vor diesem und auf Anraten seiner Mutter schließlich auch nicht, sondern Max Brod veröffentlicht ihn erst im "Monat" I 1948/49, als sowohl Franz Kafka (1924) als auch sein Vater (1931) schon lange tot sind. Peter O. Chotjewitz steht damit in der Tradition großer Schriftsteller. Er könnte in Abwandlung des Kafka-Satzes vielleicht über den Papst sagen: (4)

"Ich wäre glücklich gewesen, Dich als Freund, als Chef, als Onkel, als Großvater, ja selbst (wenn auch schon zögernder) als Schwiegervater zu haben. Nur eben als Papst warst Du zu stark für mich ..."

Um wieviel zu stark, das wird deutlich, wenn man nun des Peter O. Chotjewitz´ Papstkiste vornimmt, in die man tief hineingreifen muß, um nach der "schönsten Leiche der Woche" des Johannes-Paul II. (Karol Woytila) einen "aus Deutschland übrigens" Papst Johann VIII. aus den Zeiten der Karolinger und des ersten namentlich bekannten deutschen Dichters Otfried von Weißenburg präsentiert zu bekommen, "der angeblich während einer Prozession niederkam", was wohl nicht heißen soll, er habe geboren, sondern er sei ermordet worden. Dieser Papst nennt sich nicht Johann, sondern Johannes, ist Papst von 872 bis 882, und er stammt aus Rom und nicht aus Deutschland, aber was macht´s dem Chotjewitze?

"Er stammte aus Rom und wurde 852 Archidiakon. ... Johannes VIII. ist der erste von acht mittelalterlichen Päpsten, deren Leben bekanntermaßen durch einen gewaltsamen Tod endete. Entweder starb er im Kampf gegen die Sarazenen am 16. Dezember 882 oder einen anderen gewaltsamen Tod in Rom: Nachdem seine Verwandten zunächst versucht hatten ihn zu vergiften, erschlugen sie ihn mit einem Hammer, als das Gift nicht schnell genug wirkte", schreibt das freenet Lexikon. (5)

Peter O. Chotjewitz erwähnt zwei weitere ermordete Päpste, Coelestin IV., 17 Tage Papst, vom 25. Oktober bis 10. November 1241, und den "Engelpapst" Coelestin V., am 5. Juli 1294, als fast 80-jähriger in Perugia zum Papst gewählt, dankt er am 13. Dezember desselben Jahres ab und stirbt, eingelocht von seinem Nachfolger Bonifatius VIII., in einer dumpfen Zelle der Bergfeste Fumone. Dante Alighieri verbannt ihn seiner durch die Abdankung bewiesenen Kleinmut wegen in der "Göttlichen Komödie" in die Hölle. Es gibt im Mittelalter insgesamt acht ermordete oder zu Tode gequälte Päpste. Derer aller gruseliges Ende hätte ich gern vom Autor erzählt bekommen, schließlich habe ich fürs "Konkret"-Heft 4,80 Euro bezahlt. (6)

Später gibt er noch einen drein und erwähnt den "Apostel der Deutschen", den Papst aus England Winfrid Bonifatius, die "unheilige Allianz zwischen Wort und Mord". Ihm haben wir die Fuldaer Bischofskonferenzen und die Deutschen und Franzosen den Dynastiewechsel zu den Karolingern zu verdanken, wird doch Pippin der Kurze, Pépin le bref (fort mit Childéric III und den Merowingern) im Jahre 751 mit des Papstes Einverständnis zum König der Franken gekrönt. Der Papst meint, die Königswürde solle derjenige erhalten, der im Reich die Macht ausübt, was nicht unbedingt der aktuelle Inhaber des Königstitels sein muß. Das ist eine sehr kluge Ansicht, wie man beispielsweise bei den Machtkämpfen zwischen Burgund und Valois sieht, wo nicht so vorgegangen wird.

Gesalbt wird Pippin erst 754, berichtet die Continuatio Fredegarii, die Fortsetzung der Chroniken des Fredegar, aber nicht zum König der Franken, sondern es handelt sich um eine vom eigens ins Frankenreich gereisten Papst Stephan II. vorgenommene postbaptismale Taufsalbung der ganzen Familie des Pippin. Da weilt Winfrid Bonifatius nicht mehr unter den Lebenden; denn "brave Friesen", schreibt Peter O. Chotjewitz, erschlagen Winfrid Bonifatius und 51 Gefährten in Dokkum, im Jahre 754. Sie sind Vorfahren des braven Peter O. Chotjewitz, der leider keine friesischen Kräfte und weder Mut noch Macht besitzt und nichts anderes kann, als ohnmächtig diesen verhaßten "Vorfahren unseres Woytila" samt Schwert am Gürtel und Buch in der Linken, Macht demonstrierend, vorm Dom zu Fulda zu dulden. Den machtvollen Woytila muß er bis zu dessen Tode ebenfalls hinnehmen, der arme, ohnmächtige Peter O. Chotjewitz. (7)

Ihm wird nun wenigstens die Macht gegeben, zwei Seiten der Monatszeitschrift "Konkret" mit wichtigen Meldungen aus der eher zeitgenössischen verschwörerischen Papstunterwelt zu beschriften, außer über Johannes Paul II. noch über Papst Johannes Paul I. (1912 bis 1978), der "nach nur 33 Tagen, gesund und deshalb überaschend in seinem Bett" starb. "Vermutlich an einer Überdosis Zuneigung der Kardinäle, die ihn nicht gewählt hatten."

Mathias Bröckers, Thierry Meyssan und David Yallop lassen grüßen. Des letzteren Buch "In God´s Name" verschlingt er sicherlich mit roten Ohren unter der Bettdecke und erregt sich dabei sehr, was ihm ´ne Latte einbringt. Das Leben kostet´s ihn nicht. Anders ergeht es Papst Johannes Paul I. bei nächtlicher Lektüre:

"Bereits am 28. September 1978 gegen 23 Uhr erlag J. P. bei der Bettlektüre einiger Papiere mit persönlichen Aufzeichnungen im Alter von 65 Jahren einem Herzinfarkt. Die rasch aufkeimenden Gerüchte und Legendenbildungen bezüglich eines gewaltsamen Todes (bes. Yallop!), die durch eine ungeschickte Nachrichtenpolitik des Vatikans und den Verzicht auf eine Autopsie geschürt wurden, entbehren jedoch der Grundlage. Vielmehr ist davon auszugehen, daß J. P. I. den hohen physischen und psychischen Belastungen und der starken Isolierung, die sein Amt mit sich brachte, nicht gewachsen war...", steht im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon. (8)

Solches aber scheint den Peter O. Chotjewitz nicht zu beirren, hat er doch mindestens so starke Nerven wie seine Brüder im Geiste, die 9/11-Experten Mathias Bröckers und Thierry Meyssan sowie David Yallop, der seine gelungene Verschwörungstheorie zum Tode des Johannes Paul I. veröffentlicht und fünfmillionenfach verkauft: "An Investigation into The Murder of Pope John Paul I" - Demonicized by the Vatican ... acclaimed around the world ... vindicated by new evidence: over 5,000,000 copies sold". So viele Leser können sich nicht irren! (9)

Es nützen keine Widerlegungen durch den Historiker und Journalisten John Cornwell. Wie die PR-Firma Rudder Finn schon richtig bemerkt, ist es die erste sensationelle Nachricht, die im Gedächtnis der Öffentlichkeit haften bleibt. Dort klebt sie auch beim "Konkret"-Autor, der es müßig findet, sich zu fragen, warum dieser von ihm nahezu heiliggesprochene Papst, "Sohn eines Sozialisten, der die Pfaffen haßte", selbst Pfaffe wird, in der Hierarchie aufsteigt und mehrheitlich von den Kardinälen gewählt wird, wenn sie ihn doch anschließend aus dem Wege räumen.

Er findet es nicht merkwürdig, daß jemand um seines Aufstieges in der Hierarchie willen die Proskynese, den Fußfall vor dem Papst betreibt, "die den katholischen Würdenträgern seit den persischen Großkönigen zusteht". Die nimmt der Patriarch von Venedig Albino Luciani in Kauf, um eines Tages dahin zu gelangen, wo er sie abschaffen kann? Er sagt entgegen der Behauptung von Peter O. Chotjewitz nicht, "Gott sei zwar unser Vater, aber mehr noch unsere Mutter", sondern "Gott ist unser Vater und unsere Mutter", was Sinn macht; denn wieso sollte Gott "mehr noch unsere Mutter" sein? (10)

"Was sie ihm nicht durchgehen ließen" und "eine Überdosis Zuneigung", das sind Andeutungen, Formulierungen eines feigen Autors, der es nicht wagt zu sagen, was er unterstellt: der Papst wird im Auftrag des Erzbischofs Paul Marcinkus ermordet, "Paul Marcinkus, den manche für den Drahtzieher der Ermordung Lucianis halten". Manche? Dieses Verkriechen hinter anderen kennen wir schon von Noam Chomsky: "Ein Araber könnte sagen, ...", und dann kommt, was Noam Chomsky zu sagen hat.

Der Papst ist zu der Zeit "gesund", lautet die Ferndiagnose des "Konkret"-Autors Doktor Chotjewitz. Mit allerlei weiteren Befunden reichert er sein kriminalmedizinisches Gutachten an:

"Der Leichnam wurde einbalsamiert, bevor man ihn untersuchen konnte. Eine Obduktion fand nicht statt. Die italienische Polizei wurde nicht hinzugezogen."

Solche Äußerungen zeugen von subtiler Kenntnis der Gepflogenheiten in der Vatikanstadt, wo die italienische Polizei in den Privatgemächern des Papstes ein und ausgeht, die verstorbenen Päpste routinemäßig Obduktionen unterzogen werden, und man immer als erstes davon ausgeht, die Päpste seien keines natürlichen Todes gestorben. Die Warnungen der acht im Mittelalter und weiterer im Laufe der Jahrhunderte durch Mord beseitigten Päpste werden bei Johannes Paul I. in den Wind geschlagen. (11)

Damit aber nicht genug. In der Vatikanstadt wüten die Massenmörder:

"Die Kirchenführung begnügte sich damit, daß die Mitwisser und Kronzeugen der Affäre, die der Finanzierung eines Staatsstreiches in Italien gedient hatte, beseitigt wurden, gewährte den Gangstern im Vatikan Asyl und schob Marcinkus schließlich in die USA ab, wo er über Beziehungen zu Geheimdiensten und Regierungsstellen verfügt, und heute noch in einem Altersheim lebt."

Peter O. Chotjewitz veröffentlicht all dieses mutig, was man von der "etablierten Presse" leider nicht sagen kann. Die hält es mit den Mördern und Initiatoren eines Staatsstreiches und mit den im Dienste der USA agierenden Klerikern. Mit letzteren steckt das "Maskottchen des neuen Imperialismus, der sich Globalisierung nennt", Karol Woytila nämlich, unter einer Decke. Er "verkündigte die Erwartungen seiner weltlichen Verbündeten, vor allem der USA", er habe "wie etliche seiner Vorgänger, mit der CIA und der US-Regierung gekungelt". Sind wir Deutschen dabei einmal mehr nur "Juniorpartner" à la Noam Chomsky? Das wird jetzt aber anders mit Benedikt XVI., dem Deutschen Josef Ratzinger, hoffe ich.

Seit Peter O. Chotjewitz wissen wir, was den Umsturz in Polen unterstützte und das realsozialistische Weltsystem zum Einsturz brachte: die maßgebliche Mitwirkung des Vatikans. Dazu ist der fähig; denn "die katholische Kirche hat schon größeres vollbracht. Sie hat, wenn man Gibbon glauben schenkt, noch vor ihrer Machtergreifung das antike römische Reich von innen heraus zernagt, zum Einsturz gebracht ..."

Peter O. Chotjewitz glaubt dem Edward Gibbon und seinen Ausführungen über "Verfall und Untergang des Römischen Reiches".

Und ich dachte bis heute, das wäre Arminius gewesen, Hermann der Cherusker, Sohn des Cheruskerfürsten Segimer, aus meiner Heimat, dem Ostwestfälischen, "als die Römer frech geworden, Sim serim sim sim sim sim ..."

3. Plötzlich aus des Waldes Duster
Brachen kampfhaft die Cherusker,
Mit Gott für Fürst und Vaterland
Stürtzen sie sich wutentbrannt
Auf die Legionen.

4. Weh, das ward ein großer Morden,
Sie schlugen die Kohorten,
Nur die röm´sche Reiterei
Rettete sich noch ins Frei´,
Denn sie war zu Pferde.

5. O Quintili, armer Feldherr,
Dachtest du, daß so die Welt wär´?
Er geriet in einen Sumpf,
Verlor zwei Stiefel und einen Strumpf
Und blieb elend stecken.
...

9. Als die Waldschlacht war zu Ende,
Rieb Fürst Hermann sich die Hände,
Und um seinen Sieg zu weih´n,
Lud er die Cherusker ein
Zu ´nem großen Frühstück.

10. Hu, da gab´s westfäl´schen Schinken,
Bier, soviel man wollte trinken;
Auch im Zechen blieb er Held,
Doch auch seine Frau Thusneld
Trank walkürenmäßig.

11. Nur in Rom war man nicht heiter,
Sondern kaufte Trauerkleider;
G´rade als beim Mittagsmahl
Augustus saß im Kaisersaal,
Kam die Trauerbotschaft.

Muß Peter O. Chotjewitz mir unsere ostwestfälische Ohnmacht so schonungslos vorführen, mich meiner langjährigen Illusionen berauben, vollständig? Wozu die Klassenfahrten zum Hermannsdenkmal, im Teutoburger Wald? Außer Picknick in den Blaubeeren nichts als Lüge gewesen? (12)

"Während die einen in ihm einen Volksfürsten sehen, der erstmalig einen Teil der germanischen Stämme zum Abwehrkampf gegen die römische Fremdherrschaft vereinte, so meinen andere, in Arminius den Anführer einer Offiziersrevolte erkennen zu können, der danach trachtete, seine persönliche Machtstellung zu vergrößern." (13)

Sowas aber auch! Überall Macht und Intrigen! Im Supermarkt, in den Amts- und Redaktionsstuben, auf den Schlacht- und Kornfeldern und nun sogar in der Kirche!

Am schlimmsten dabei sind die Päpste und ihr "so dichtes, effektives Netz von Agenten", Pfarrer, Bischöfe und ihr Spitzelsystem, das "tausendmal wirksamer als das von Berija und Mielke" ist. Die Macht des Spitzel- und Unterdrückungssystems des sozialistischen Lagers ist also tausendmal weniger wirksam, gemessen an der Macht der katholischen Kirche. Demnach waren KGB und Stasi praktisch machtlos. Der Gründer und Leiter der Tscheka Felix Edmundowitsch Dzierzynski dreht sich im Grabe um! Warum tut Peter O. Chotjewitz dem Geheimdienstchef Markus Wolf solche Schmach an? Daß der das noch erleben muß!

Gegen die Kirche und ihre Agenten ist man ohnmächtig, "keiner darf ihnen was tun, sonst kommt Padrino Don Bush mit der atomaren Latte". Der im Mafia-Sinne "Pate" George W. Bush, ein evangelikanischer Fundamentalist, hält also gegen den Papst und die katholische Kirche gerichtete kritische Stimmen nieder. Liest er die Informationen unter der Bettdecke und droht mit dem Atomschlag, kommt mit ´ner "Latte", wenn einer etwas gegen die katholische Kirche sagt?

Das ist Anti-Amerikanismus pur. Danke, "Konkret"!

Wer bis zur sechsten Spalte von sechs noch nichts über die Mitschuld der Juden vernehmen kann, der wird endlich fündig: "Es gab Zeiten, da die Staatsmänner es für klug hielten, sich die Mischpoche in Rom vom Halse zu halten." Endlich!

"mischpóche (f.), mischpócheß (Pl.)
Aus dem hebräischen mischpachá "Familie", "Verwandtschaft" ...
1. Familie, einschließlich sämtlicher nahen, entfernten und weit entfernten Verwandten.
2. Vorfahren, Abstammung." (14)

Leo Rosten zählt sie alle auf, vom "táte" (Vater) bis zur "séjgerin" (Amme). Das sind die Vorfahren der römisch-katholischen Kirche. Eine der jüdischen ähnliche Sippe - oder warum gebraucht Peter O. Chotjewitz sonst in diesem Zusammenhang das jiddische Wort?

Als ob es nun nicht genug wäre der Dumm- und Unverschämtheit, legt Peter O. Chotjewitz noch nach und häufelt gewaltige Wortmassen auf, hinter denen er hervorlugt und seine mickrigen Phantasien vorträgt:

"Heute pilgern sie wieder in die ´Hauptstadt der Welt´, der Chef der ´Bildzeitung´ und Joschka Fischer, Arafat und Reagan, die Bushs und des Wodkas reine Seele. Wie einst die deutschen Könige ziehen sie nach Rom, als stünde der dortige Bischof noch immer an der Segenabschußbatterie. Eine wahrhaft tautologische Dienstreise, wenn mäßig bis gar nicht legitimierte Diadochen sich zu einem nicht im geringsten legitimierten Medizinmann zwecks Legitimation ihrer relativen Bedeutungslosigkeit schubsen lassen."

Was Yasser Arafat und Ronald Reagan angeht, ist´s ein echter Totentanz, die übrigen sind für ihre Ämter wenig bis gar nicht legitimiert? Wer hat denn George W. Bush und Joschka Fischer gewählt? Sind sie durch einen Staatsstreich an die Macht gelangt? "Des Wodkas reine Seele", ist das Boris Jelzin, oder wer? George W. Bush und Joschka Fischer sind "relativ bedeutungslos"? Hat nicht der eine den Afghanistan- und den Irakkrieg und der andere die Bombardierung von Jugoslawien zu verantworten? Das ist also bedeutungslos? Wer schubst sie zum Papst, dem "Medizinmann"? Karl Rove? Claudia Roth?

Als wenn dieses Delirium des Peter O. Chotjewitz nicht reichte, gibt es noch eine Pointe zum Schluß:

"Irgendwo bei Tuchoslsky heißt es: ´Kopf ab zum Gebet.´ Ich wäre bereit zu singen, wenn der erste Papst geköpft wird. So ein Tag ...!" (15)

Den Mord an einem Papst würde Peter O. Chotjewitz selbstverständlich nicht selbst begehen, der Schreibtischtäter, dazu ist er zu feige, aber besingen, das würde ihm einfallen, einen Mord zu besingen, und "Konkret" entblödet sich nicht, solches abzukupfern.

Danke, "Konkret"!

So ein Tag, der dürfte nie vergeh´n, vergeh´n.

1. Freunde, laßt uns singen, laßt uns fröhlich sein,
Laßt ein Lied erklingen, wir alle stimmen ein.
So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergeh´n.
So ein Tag, auf den ich mich so freute.
Und wer weiß, wann wir uns wiederseh´n.
Ach, wie bald vergeh´n die schönen Stunden,
Die wie Wolken verweh´n.
So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergeh´n.

2. Wenn sich Freunde sehen, die sich gut versteh´n,
Möchten sie nie auseinandergeh´n.
So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergeh´n.
So ein Tag, auf den ich mich so freute.
Und wer weiß, wann wir uns wiederseh´n.
Ach, wie bald vergeh´n die schönen Stunden,
Die wie Wolken verweh´n.
So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie vergeh´n.

6. Mai 2005 - Mit ergänzenden Links zur Anmerkung (1), am 8. Mai 2005

(1) Es lebe der Papst! Weihwasser bis aufs Sofa vorm Fernseher gab´s reichlich, nachdem Karol Woytila, das Maskottchen des neuen Imperialismus, endlich auch das Zeitliche gesegnet hatte. Von Peter O. Chotjewitz, Konkret, Heft 5, Mai 2005, S. 12-13

Zu Hermann Gremlizas Kolumne "Danke, mein Führer!", Konkret, Heft 5, Mai 2005, S. 8-9, empfehle ich:

KONKRET, Müntefering und die Naturmetapher: Juden, Heuschrecken und das Kapital. Von Clemens Heni. Kritiknetz. Ideologiekritik, Antisemitismus, Faschismus, 5. Mai 2005
http://kritiknetz.liveline.de/phpnuke/modules.php?name=News& file=article&sid=137
http://www.kritiknetz.de/muentefering_konkret.pdf

Zu der Stelle in der Kolumne "Allem Gerede über eine ´Revolution des deutschen Volkes´ zum Trotz war die Machtübergabe an die Nazis ein Projekt, das sich die deutsche Bourgeoisie organisiert hatte, um ihre Gläubiger aus dem ersten fehlgeschlagenen Griff zur Weltmacht zu prellen und die Kommunisten loszuwerden", fällt mir spontan ein Link ein, in dem sehr prägnant ähnliches Gedankengut geäußert wird. Auch da werden Antisemitismus und Nationalsozialismus voneinander unabhängig gesehen. Die armen deutschen ausgebeuteten Massen hatten nichts mit dem Antisemitismus zu tun, und die Nazis haben die Juden nicht als Juden, sondern als Arbeiter vernichtet:

Auschwitz oder das große Alibi. Internationale Bibliothek der Kommunistischen Linken.
http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/cipo/cipoqgabed.html

Zitiert und mit weiteren zum Thema passenden Links versehen in:

Kriminalschriftsteller Gilles Dauvé. Linksradikaler, Negationist, Anarchist, Situationist. Von Gudrun Eussner, 6. Juni 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-26_20-44-52.html

(2) Hans Grimm: Volk ohne Raum. München, Albert Langen 1926
http://www.polunbi.de/bibliothek/1926-grimm-volk.html

(3) Lourdes: Johannes Paul II. eröffnete Pilgerreise mit Friedensappell. Kathpress, 14. August 2004
http://www.katolsk.no/nyheter/2004/08/14-0009.htm

(4) Franz Kafka: Brief an den Vater. In: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem Nachlaß. Herausgegeben von Max Brod, Frankfurt 1966
http://gutenberg.spiegel.de/kafka/vater/Druckversion_vater.h tm

Max Brod. Werke. Herausgegebene Werke von Franz Kafka
http://www.geo.uni-bonn.de/members/pullmann/kafka.19991208/b iographie/main/brodwerke.shtml

Biographischer Abriß. Die ersten Jahre. Hermann Kafka. kafkaesk.de
http://www.kafkaesk.de/hermann_kafka.shtml

(5) Johannes VIII. (Papst). freenet Lexikon. Wikipedia
http://lexikon.freenet.de/Johannes_VIII._(Papst)

(6) Coelestin IV. (Papst). Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Coelestin_IV.

Coelestin V. Ökumenisches Heiligenlexikon
http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?BiographienC/Coelest in_V.html

Coelestin V. - Der Engelpapst. "Konradin", Geschichtsforum.de, 17. Juni 2004
http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=1140

(7) Winfrid Bonifatius (672/675 bis 754). Bearbeitet von Michael Muhsal, Universität Passau, 16. August 2004
http://www.phil.uni-passau.de/histhw/stadtgeschichte/english /Bonifatius.html

Chronicarum quae dicuntur Fredegarii continuationes, zitiert in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band III (1992) Spalten 1157-1160 Autor: Frank Reiniger
http://www.bautz.de/bbkl/k/Karl_mart.shtml

Josef Semmler: Der Dynastiewechsel und die fränkische Königssalbung. Studia humaniora, series minor 6, Droste Verlag, Düsseldorf 2003
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rez buecher&id=3877

(8) JOHANNES PAUL I. (Albino Luciani), Papst (26.8. - 28.9. 1978). Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XVI (1999) Spalten 817-822 Autor: Manfred Eder
http://www.bautz.de/bbkl/j/johannes_paul_i.shtml

(9) John Paul I. Sudden Death. The Rumours. Freewar.de
http://www.indexuslist.de/keyword/Pope_John_Paul_I.php#Sudde n_Death:_The_Rumours

In God´s Name. An Investigation into The Murder of Pope John Paul I. By David Yallop, Bantam Dell Pub Group. Broadway Books, June 1, 1984
http://www.amazon.com

(10) Karl Veitschegger: Notizen zum Vaterunser. 1993
http://members.surfeu.at/veitschegger/texte/vaterunser.htm

(11) Pope John Paul I. Lockergnome´s
http://encyclopedia.lockergnome.com/s/b/Pope_John_Paul_I

(12) Als die Römer frech geworden. Von Viktor von Scheffel
http://ingeb.org/Lieder/alsdiero.html

(13) Arminius - Armin - Hermann der Cherusker
http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/arminius.h tml

(14) Leo Rosten: Jiddisch. Eine kleine Enzyklopädie. DTV Band 24327, München 2002, S. 412-415

(15) So ein Tag. Text: W. Rothenburg, Musik Lothar Olias
http://www.musicanet.org/robokopp/Lieder/soeintag.html


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2005-05-06_22-46-27.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 06.01.2009, 16:34 Uhr