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Frankreich und der irakische Widerstand - ein Theater ohne Ende? - (Ergänzung, vom 22. Juni 2005)

Allm√§hlich hat man genug von dem franz√∂sischen Provinztheater zur Rettung von im Irak entf√ľhrten Geiseln, von den Wallungen einer ganzen Nation, von den Aufz√ľgen vorm Pariser Rathaus, den lyrischen Erg√ľssen und anderen narzi√ütischen Darbietungen der Kollegen Journalisten, kurz, von der Verlogenheit der Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand.

Genug hat man auch von den zahlreichen Widerspr√ľchen, in die sich die befreite angebliche Geisel Florence Aubenas verwickelt. Sagt sie in ihrer Pressekonferenz, am 14. Juni 2005, da√ü sie bis auf einige Worte t√§glich schweigen mu√ü und auf ihre Frage: "Wo ist Hussein?" von ihren Bewachern geschlagen wird, so plaudert sie, wie der "Nouvel Observateur", am 19. Juni 2005, berichtet, auf der Flugzeugschau von Le Bourget aus, da√ü sie sich w√§hrend ihrer "Haft" ausf√ľhrlich und anregend mit dem ehemaligen Mirage-Piloten Hussein Hanoun unterhalten habe √ľber dessen Flugleidenschaft. Ein Foto der beiden strahlenden G√§ste der Flugschau kann man auf dem "Transatlantic Intelligencer" von John Rosenthal besichtigen. (*)

ATTAC im Dienste Frankreichs und des Widerstandes

Die Franz√∂sin Marie-Dominique Vernhes, Mitglied der AG Pal√§stina von ATTAC Hamburg, ist seit Dezember 2002 gemeinsam mit Peter Strotmann Redakteurin der deutschen Ausgabe der ATTAC-Zeitung "Grain de sable", Sand im Getriebe. Wie es sich f√ľr eine ordentliche Pal√§stinenserfreundin geh√∂rt, richten sich ihre Proteste nicht etwa gegen die Mi√üst√§nde in den Pal√§stinensergebieten und den arabischen Staaten, gegen nicht vorhandene Demokratie, Unterdr√ľckung der Frauen und Korruption oder gar gegen Selbstmordattentate, sondern sie kommentiert die Operationen der USA im Nahen Osten. So fordert sie auf der Irakkonferenz in Berlin, am 17. M√§rz 2005, den sofortigen Abzug der US-amerikanischen Besatzer und ihrer Koalition aus dem Irak sowie die Unterst√ľtzung des irakischen Widerstandes: (1)

"F√ľr die weltweite globalisierungskritische Bewegung ist der Widerstand gegen die Besatzung des Iraks Bestandteil der Ablehnung einer neuen WeltUnordnung und Bestandteil seines Einsetzens f√ľr eine gerechte, soziale und friedliche andere Welt."

ATTAC France bescheinigt im Dezember 2002 dem irakischen Widerstand die Legitimit√§t im Rahmen des Kriegsrechtes und der Menschenrechte, die "f√ľr alle Konfliktparteien bindend (sind), selbst wenn sie f√ľr eine gerechte Sache k√§mpfen."

Diese sch√∂ne Formulierung stammt von der Organisation, die geleitet wird vom hohen Funktion√§r der franz√∂sischen Regierung Bernard Cassen und dem nationalen Sozialisten Ignacio Ramonet, dem K√§mpfer gegen das "Einheitsdenken" und die internationale Finanzwelt, dem Freund des Jean-Pierre Chev√®nement und des Fidel Castro: "Eine Nation, deren Massenmedien beherrscht sind durch das Ausland, ist keine Nation", meint er. Ignacio Ramonet ist Pr√§sident des Direktoriums und Redaktionsdirektor der extrem USA- und israelfeindlichen linken Monatszeitung "Le Monde diplomatique". Seine B√ľcher werden auf der offiziellen Seite des franz√∂sischen Au√üenministeriums empfohlen.

√úber die Herkunft der leitenden ATTAC-Kader und ihre enge Zusammenarbeit mit der franz√∂sischen Regierung kann man sich in den Abschnitten "Bernard Cassen und Ignacio Ramonet" und "Die Gr√ľndungsmitglieder der ATTAC" meines leider sehr langen Artikels "Das Querfrontprojekt ATTAC" informieren. (2)

Marie-Dominique Vernhes sorgt daf√ľr, da√ü die Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand auch in Deutschland Freunde und Unterst√ľtzer findet. Der Antiimperialist Joachim Guilliard, vom Antikriegsforum Heidelberg, und seine Kreise um den Campo Antiimperialista und die "Jungen Welt" helfen dabei. "Nach √ľber einem Jahr Besatzung m√ľ√üte jedem d√§mmern, da√ü die andauernden Probleme nicht auf Anfangsschwierigkeiten oder mangelnde Planung der Besatzungsmacht zur√ľckzuf√ľhren sind", √§u√üert Joachim Guilliard, dieser sachverst√§ndige Kenner der Lage im Irak, vollmundig. (3)

Diese und weitere Beitr√§ge im Sinne des irakischen Widerstandes finden sich auf der Site des (Irak-)Kriegs-Tribunals der Universit√§t Kassel. Die dort verlinkte Internetseite "Iraktribunal" verk√ľndet gelb auf schwarz: "Seite wird zur Zeit √ľberarbeitet! Bald wieder Online!" Man darf gespannt sein, was da folgt. (4)

Henryk M. Broder vermutet in einem seiner letzten Beiträge im Online-Tagebuch der "Achse des Guten", daß man bei der AG Friedensforschung der Universität Kassel den Dr. pax erwerben könne. (5)

Aber Spa√ü beiseite! Was ist der Stand der Dinge im Irak, das weiterhin andauernde Probleme hat, die sich, wie Joachim Guilliard meint, nicht auf Anfangsschwierigkeiten oder mangelnde Planung der Besatzungsmacht zur√ľckf√ľhren lassen?

Gilles Munier, Generalsekretär der "Amitiés franco-irakiennes"

Ian Hamel gibt am 7. April 2005 in der durch ihren Chefredakteur Manuel Grandjean mit dem Islamisten Tariq Ramadan eng befreundeten Genfer Zeitung "Le Courrier" unter der √úberschrift "Der irakische Widerstand bricht auseinander" dazu Ausk√ľnfte, die weiterhelfen k√∂nnen. (6)

Er berichtet √ľber die Schwierigkeiten des irakischen Widerstandes, sich zu formieren. Gleichzeitig teilt er mit, wer daran arbeitet, diesen in Form eines "Conseil national de la r√©sistance", eines Nationalrates des Widerstandes, zu organisieren. Es ist Gilles Munier, seit 1986 Generalsekret√§r der "Amiti√©s franco-irakiennes", der franz√∂sisch-irakischen Freundschaftsgesellschaft, mit Sitz in Rennes, der Heimat des Gilles Munier.

"Der politische, milit√§rische, zivile irakische Widerstand repr√§sentiert die Fortdauer des irakischen Staates und seiner Unabh√§ngigkeit", werden auf der Startseite von "France actualit√©e" der in Frankreich lebende irakische Analyst Abdul Ilah Al Bayati und Hana Al Bayaty, Mitglied des Organisationskomitees des "Br√ľsseler Tribunals f√ľr den Irak" aus der √§gyptischen Staatszeitung Al Ahram Weekly, vom 2. bis 8. Juni 2005, zitiert.

Auf der Startseite werden Rechtfertigungsreden des der Korruption im UN-Programm "Oil for Food" angeklagten George Galloway in aller Länge sowie viele andere durchweg anti-amerikanische Beiträge ausgebreitet. (7)

Ebenso interessant ist die alte nicht mehr erneuerte Seite der "Amiti√©s franco-irakiennes", auf der als Gr√ľndungsmitglieder der ehemalige Verteidigungsminister Jean-Pierre Chev√®nement sowie der P√®re blanc Michel Lelong, Freund des Holocaustleugners Roger Garaudy, erw√§hnt werden. Pr√§sident der Vereinigung ist der Botschafter Frankreichs im Irak. (8)

Die Schilderung der franz√∂sisch-irakischen Beziehungen "Ein wenig Geschichte" gibt u.a. einen Einblick in die Zusammenarbeit Frankreichs unter dem Vichy-Regime mit dem Pro-Nazi-Putschisten Rashid Ali al-Kaylani und seinem Mentor Hadj Amin al-Husseini, im April 1941. Eines der Ziele dieser Verbrecher ist die Vernichtung der Juden in Pal√§stina und den arabischen Staaten. Kaylani will den Achsenm√§chten die Ressourcen des Landes zur Ausbeutung √ľberlassen, im Gegenzug soll Deutschland die arabischen Staaten anerkennen und ihnen das Recht zubilligen, mit den Juden nach Gutd√ľnken zu verfahren. Das wird zusammengefa√üt unter "Hilfe, die die Vichy-Regierung bei der Revolte von Rashid Ali leistet."

Ausf√ľhrlich werden die Aktionen Frankreichs dargestellt, Gro√übritannien im Irak zu schaden. Man erinnert sich dabei an den Vertrag von Mosul, 1926, in dem die Anteile der Iraq Petrol Company zu 52,5 Prozent an England gehen, Frankreich und die USA erhalten je 21,25 Prozent, und S.C. Gulbenkian streicht 5 Prozent Vermittlergeb√ľhren ein. Frankreich kommt seinerzeit gegen√ľber England zu kurz - und heute gegen√ľber den USA.

Die Unterst√ľtzung Israels durch Frankreich im Sechstagekrieg, 1967, f√ľgt den franco-irakischen Beziehungen schweren Schaden zu. Staatspr√§sident Charles de Gaulle tut anschlie√üend alles, um sich von Israel ab und den arabischen Staaten wieder zuzuwenden. Die Compagnie fran√ßaise des p√©troles h√§lt in den schlimmen Zeiten der schlechten Beziehungen die Kontakte aufrecht. Mit der Macht√ľbernahme der Baath-Partei, im Juli 1968, verbessern sich die Beziehungen. Sie werden mit dem Besuch des irakischen Vizepr√§sidenten Saddam Hussein in Paris, im Juni 1972, zu privilegierten. Zu der Zeit ist Didier Julia schon 15 Jahre mit Tarek Aziz befreundet, n√§mlich seit 1957.

Saddam Hussein erkl√§rt auf einem ihm zu Ehren gegebenen D√ģner: "Wir √∂ffnen Frankreich aus denselben Erw√§gungen unsere Tore, wie denjenigen die uns dazu gef√ľhrt haben, sie der Sowjetunion zu √∂ffnen. Das ist die Hand, die wir allen ausstrecken, die nicht die V√∂lker ausbeuten wollen, die mit uns gleichberechtigt zusammenarbeiten wollen." 1981 sagt er als Pr√§sident des Irak Journalisten, da√ü der Irak seine engen Beziehungen zu Frankreich deshalb entwickelt habe, weil beide L√§nder dieselbe Sorge h√§tten, ihre Unabh√§ngigkeit zu bewahren. Dieser kurze Abri√ü der Geschichte der franco-irakischen Beziehungen stammt aus dem "Irak-F√ľhrer" des Gilles Munier. (9)

Linksradikale, Nationalisten und Rechtsextreme können sich in solchen Beziehungen einvernehmlich treffen.

Er sei "treu in der Freundschaft", meint Ian Hamel √ľber Gilles Munier, was sich f√ľr ihn durch 150 Irakreisen des Generalsekret√§rs, davon f√ľnf gekr√∂nt durch einen Empfang bei Saddam Hussein beweist. Au√üerdem habe er die √úbersetzung ins Franz√∂sische des Werkes "Zabida et le roi", Zabida und der K√∂nig, eines philosophischen M√§rchens geleitet. Autor: Saddam Hussein, anonym.

Der Nationalrat, die "repr√§sentative Organisation", werde eigene Aktionen durchf√ľhren, sie lehne Banditenaktionen ab, die nur diskreditierend sein k√∂nnten, sagt Gilles Munier heute. Dazu z√§hlten die Enthauptung von Zivilisten oder die Geiselnahme von Journalisten. Beides sei f√ľr die Bildung einer positiven √∂ffentlichen Meinung kontraproduktiv.

Mitglied der "Amitiés franco-irakiennes" ist auch der in die Befreiung der Geiseln Christian Chesnot, Georges Malbrunot und Florence Aubenas eingeschaltete UMP-Abgeordnete Didier Julia. (10)

Gilles Meunier sei der erste Mann aus dem Westen, der mit der nach Syrien gefl√ľchteten irakischen Guerilla Kontakt aufgenommen habe. Dies sicherlich nicht aus reiner Freundschaft, sondern um seine und die Interessen Frankreichs zu vertreten.

Frankreich und die EU unterst√ľtzen Terrorgruppen im Nahen Osten

Es sollen in Syrien 400 000 bis an die Z√§hne bewaffnete irakische Milit√§rs, darunter eine gro√üe Anzahl von Offizieren des Saddam Hussein, untergeschl√ľpft sein. Sie und nicht von Abu Moussab al-Zarqawi ausgebildete Islamisten f√ľhrten den irakischen Widerstand. Das scheint selbst Frankreich angst zu machen, so da√ü dies ein Grund sein d√ľrfte, da√ü es am 2. September 2004 der Resolution Nr. 1559 des UN-Sicherheitsrates zum Abzug Syriens aus dem Libanon zustimmt.

Ian Hamel informiert √ľber eine kurze Reise des iranischen Staatspr√§sidenten Mohamad Khatami nach Damaskus, am 7. Oktober 2004. Dort h√§tten Syrer und Iraner einen geheimen Vertrag √ľber die Koordinierung der Operationen fundamentalistischer schiitischer iranischer Pasdaran und sunnitischer bewaffneter Gruppen des Ansar al-Islami gegen die Amerikaner, aber auch gegen die Israelis geschlossen. Der Chef des syrischen milit√§rischen Sicherheitsdienstes, General Assef Shawkat, ein Schwager des syrischen Pr√§sidenten Bashir al-Assad, sei beauftragt, Operationen der Hezbollah, der Hamas und des Pal√§stinensischen islamischen Djihad (PIJ) in Israel zu koordinieren. (11)

Dieser Vertrag zeigt einmal mehr, wie unwichtig auf der F√ľhrungsebene der muslimischen L√§nder die Religion ist, unter deren Banner sie ihre Menschen in den Tod schickt. Es sei auch daran erinnert, da√ü die Mitgliedsstaaten der EU sich nicht scheuen, ihren niederrangigen Diplomaten zu gestatten, mit der Hezbollah und der Hamas zusammenzuarbeiten. Gerade jetzt geben die Au√üenminister eine entsprechende Weisung an die Auslandsvertretungen. Die EU interessiert sich ebenfalls nicht f√ľr die Erhaltung der Menschenleben. (12)

Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sagt dazu: "Die Hamas ist zum Dialog mit allen L√§ndern bereit, au√üer mit dem zionistischen Feind, der das Land besetzt h√§lt und unsere Leute t√∂tet." Reuters erl√§utert dabei ausdr√ľcklich das politische Ziel der Hamas, die Vernichtung Israels, was die EU jedoch nicht darin beirrt, ihre Entscheidung r√ľckg√§ngig zu machen, die Hamas als terroristische Organisation zu betrachten. Sie verbr√§mt ihren Willen, Einflu√übereiche der USA in der Region zu erobern, mit dem altbekannten Vorwand, einen "Dialog" f√ľhren zu wollen. (13)

Frankreich ist auf eigene Rechnung schon lange dabei und unterst√ľtzt die Operationen der Terrororganisationen Hezbollah, Hamas und PIJ √ľber Syrien und den Irak. Ian Hamel best√§tigt dies noch einmal in seinem Artikel. Zur Koordinierung der Aktionen weilt Gilles Munier mehrfach in der syrischen Hauptstadt, wo er seine alten Bekannten und Freunde, die F√ľhrer der ehemaligen irakischen Baath-Partei sowie schiitische und sunnitische Widerstandsk√§mpfer trifft, unter ihnen auch Anh√§nger des Moqtada as-Sadr. Dieser und seine Terrorgruppe machen des √∂fteren in Syrien Station.

Insgesamt gebe es in Damaskus mehr als 200 irakische politische Widerstandsgruppierungen, berichtet Ian Hamel, darunter seit langem dort t√§tige ernst zu nehmende ideologische Baath-Opponenten zu Saddam Hussein. Man erinnert sich, da√ü der Syrer Mohamed al-Joundi, "fixeur" und sp√§ter gemeinsam mit Christian Chesnot und Georges Malbrunot Geisel im Irak, seinerseits ein jahrelang im Irak ans√§ssiger angeblicher Baath-Opponent der Al-Assad-Dynastie ist. Er lebt √ľbrigens in Frankreich nach diesem Land und dessen Interessen geleisteten Diensten mit Frau und drei Kindern von Spenden in H√∂he von "200 Euro alle 14 Tage" und w√ľnscht, w√ľrdig leben zu k√∂nnen und nicht vergessen zu werden von seinen Wohlt√§tern in der franz√∂sischen Regierung. Die zahlt bislang keinen Cent. (14)

Alle Gruppen h√§tten ein gemeinsames Ziel: die Amerikaner zu schlagen. Das f√ľhre dazu, da√ü die K√§mpfer zusammenarbeiteten und trainierten, sich aber politisch nicht zusammenschlie√üen k√∂nnten, meint der Journalist Christian Chesnot, "fin connaisseur de cette r√©gion", der im Gegensatz zu Florence Aubenas arabisch spricht und die Gegend kennt. Ein gemeinsames politisches Programm und einen "nationalen Widerstand" gebe es nicht. Den will Gilles Munier nun in Europa aufbauen. Alle mit den USA nicht kollaborierenden politischen Str√∂mungen seien dazu willkommen. Man darf gespannt sein, mit wieviel Euro die EU-Kommission diesen Nationalrat finanzieren wird.

Inzwischen terrorisieren die von Frankreich hofierten Gruppen unterschiedslos irakische Polizisten, Militärs und Zivilisten. Das US-Militär bekämpfe den Terror mittels elektronischer Installationen von Bagdad und Mosul aus sowie durch ein effizientes irakisches Informantennetz.

Subhi Toma, der "Demokrat im französischen Exil"

Ian Hamel berichtet von einem seit 1971 in Frankreich lebenden Widerst√§ndler der ersten Stunde gegen Saddam Hussein, von Subhi Toma, dem "Demokraten im Exil", dem Soziologen und Gr√ľnder der "Conf√©rence de soutien √† la r√©sistance irakienne", der Unterst√ľtzerkonferenz des irakischen Widerstandes. Er wisse nicht, wer Abu Moussab al-Zarqawi sei. Der sei mit den Amerikanern ins Land gekommen. Der Widerstand werde ma√ügeblich nicht von ihm und seinen Anh√§ngern, sondern zu allererst von den Offizieren des ehemaligen Regimes geleistet. Diese, gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern der irakischen Sicherheitsdienste und F√ľhrungskr√§ften der Baath-Partei, f√ľgten den Koalitionskr√§ften die gr√∂√üten Verluste zu. F√ľnf der h√∂chsten Kommandeure dieser Truppen operierten von Aleppo, Syrien, aus. Dazu geh√∂ren Ezzedin al-Madjid al-Tikriti, ein Vetter Saddam Husseins, und Ezzat Ibrahim al-Douri, die ehemalige Nummer Zwei des Regimes. Sie bilden in Syrien, im Mai 2003, eine islamische Armee im Exil, deren F√ľhrer aber gr√∂√ütenteils la√Įzistisch seien. Islamisten f√ľhrten Hilfsdienste aus, worunter man sich getrost die Selbstmordattentate vorstellen darf.

Der geheime seinerzeit von Saddam Hussein eingerichtete Nachschub an Waffen versorgt den irakischen Widerstand bis heute. Die in den Untersuchungen der Vereinten Nationen √ľber Korruption im "Oil for Food"-Programm mehrfach zitierte Firma Al Wasel & Babel General Trading operiert dazu weiterhin aus Duba√Į. Die Firma liefert w√§hrend des Programmes angeblich ausschlie√ülich Nahrungsmittel im Werte von $384 Millionen. (15)

Schon einmal interviewt ein Autor des Genfer "Courrier" Subhi Toma. "Die Besatzungskräfte im Irak haben nicht die versprochene Demokratie gebracht", und "Die Amerikaner vervielfachen ihre Fehler", sagt er zu Jean-Michel Vernochet. So wird einmal mehr klar, welches Demokratieverständnis Widerständler haben. Die Demokratie muß ihnen gebracht werden. Das sagt ein in Frankreich lebender und lehrender irakischer Soziologe. (16)

Subhi Toma betreibt eine eigene Web Site "Iraqresistance.net", die in ihren Forderungen nicht viel anders aussieht als die der "Amiti√©s franco-irakiennes". Wie dort hei√üt es bei Subhi Toma: "Freedom for Al Kubaysi And all the political and opinion prisonners in Iraq" und "Libert√© pour AL KUBAYSI et tous les prisonniers politiques et les prisonniers d´opinion ( P√©tition)". Der Pr√§sident der Patriotischen irakischen Allianz Abdul Jabbar Al-Kubaysi, ein ehemaliger politischer Fl√ľchtling in Frankreich, wo seine Familie heute noch lebt, sei am 4. September 2004, vom US-Milit√§r verhaftet worden, angeblich weil er der franz√∂sischen Nachrichtenagentur AFP seine Opposition zur Entf√ľhrung franz√∂sischer Journalisten erkl√§rt habe und √ľber die Ma√ünahmen zu deren Befreiung berichtet h√§tte. (17)

Das kann man allerdings beim "Comit√© contre la guerre en Irak" genauer lesen. Er hinterl√§√üt seine mit ihm seit 1995 in Frankreich lebende Familie, kehrt zur√ľck in den Irak und gr√ľndet dort die Zeitschrift "Nida al-Watan", der Ruf des Vaterlandes. Zweimal kehrt er nach Frankreich zur√ľck und propagiert von dort aus Bem√ľhungen im Irak zur Einigung des Widerstandes und die Ausarbeitung eines politischen Programmes und einer Verfassung zur Errichtung einer von allen politischen Str√∂mungen getragenen Regierung.

Was die beiden franz√∂sischen Journalisten angeht, so berichtet er AFP ausf√ľhrlich √ľber die Operationen des bewaffneten irakischen Widerstandes zu deren Freilassung aus den H√§nden einer Gruppe, die nichts mit diesem bewaffneten Widerstand zu tun h√§tte. (18)

Die Geiselaffären

Auf dem Hintergrund der engen Zusammenarbeit der franz√∂sischen Regierung und ihrer Beh√∂rden, Institutionen und Medien mit Terrororganisationen des Nahen Ostens und hier besonders mit dem irakischen Widerstand kann man die Geiselnahmen und die Rolle des Didier Julia bei der Befreiung der Geiseln beurteilen. Man fragt sich letztlich, was √ľberhaupt echt ist an den beiden Geiselaff√§ren Christian Chesnot/Georges Malbrunot und Florence Aubenas sowie deren Begleitern Mohamed al-Joundi und Hussein Hanoun al-Saadi und kommt zum Schlu√ü: nicht viel.

Zweifel bekommt man schon, wenn man die auf Pressekonferenzen frisch und munter plaudernde Florence Aubenas betrachtet. Sie sitzt angeblich f√ľnf Monate in einem 1,50 Meter hohen, 4x2 Meter messenden Verlies ohne Fenster, nur bel√ľftet durch ein Luftloch. Sie ist erst auf dem R√ľcken, dann vorn an den H√§nden gefesselt, darf pro Tag einige abgez√§hlte Schritte machen und zweimal t√§glich zur Toilette. Sie wird schlecht ern√§hrt, geschlagen und tr√§gt st√§ndig eine Augenbinde, die es ihr versagt, ihren Begleiter wahrzunehmen, der monatelang 90 Zentimeter von ihr entfernt sitzt und ihre Anwesenheit sp√ľrt, wie er auf seiner Pressekonferenz mitteilt.

Dennoch hat sie nach Aussage der am 22. Mai befreiten rum√§nischen Geiseln diesen Mut gemacht. Sie sei wie eine gro√üe Schwester zu ihnen gewesen. Eine Person von √ľbermenschlicher Kraft?

Bei der Pressekonferenz sagt sie, daß das von ihr aufgezeichnete Video ein von ihr mehrfach gespieltes Szenario ist: "Help me, Mr. Julia!" fleht sie darin dreimal. Man habe ihre Haare wirr drapiert, daß sie mitleiderregend ausgesehen habe. All das ist keine Woche vorbei, als sie vor die gespannt lauschenden Kollegen tritt und ihre Geschichten erzählt.

Der "fixeur" Hussein Hanoun al-Saadi, sein Interview mit der "Le Monde", vom 14. Juni 2005, und seine Pressekonferenz weisen diesen Mann aus als einen klar kalkulierenden Mitarbeiter des irakischen Widerstandes. Ihn wird man nicht ins Abseits stellen wie Mohamed al-Joundi.

Ins Abseits stellt sich die französische Regierung selbst. Erst ruft sie Didier Julia zu Hilfe, dann weist ihn der Premierminister Jean-Pierre Raffarin in die Schranken und kanzelt ihn ab, seine Mitarbeiter werden vom angeblich unbestechlichen Antiterrorismusrichter Jean-Louis Bruguière durch ein juristisches Verfahren kaltgestellt, seine Partei, die UMP des Jacques Chirac, distanziert sich von ihm, dem Mitglied der offiziellen Freundschaftsgesellschaften Frankreichs mit Saudi-Arabien, Iran, Syrien und Irak, von ihm, der sich besser auskennt in den Niederungen der Baathisten, Wahhabiten, und Ayatollahs als die meisten französischen Diplomaten und Geheimdienstagenten.

Allm√§hlich hat man genug von dem franz√∂sischen Provinztheater zur Rettung von im Irak entf√ľhrten Geiseln, von den Wallungen einer ganzen Nation, von den Aufz√ľgen vorm Pariser Rathaus, den lyrischen Erg√ľssen und anderen narzi√ütischen Darbietungen der Kollegen Journalisten, kurz, von der Verlogenheit der Zusammenarbeit Frankreichs mit dem irakischen Widerstand.

Es bleibt zu hoffen, da√ü die einzige noch permanent im Irak t√§tige Journalistin, die Auslandskorrespondentin Anne-Sophie Le Mauff, von der kommunistischen "Humanit√©", h√∂flich aber bestimmt vom franz√∂sischen Botschafter ins n√§chste Flugzeug gesetzt wird. Die "Huma" jedenfalls meint, durch diese Frau, die sich aus Sicherheitsgr√ľnden nirgends mehr frei bewegen kann, zu gew√§hrleisten, da√ü der Irak nicht zum blinden Fleck auf der Landkarte wird, eine internationale Zone des Nicht-Rechtes auf Information. Das sei eine Frage der Freiheit. (19)

Eine Chance hat sie allerdings, unbehelligt zu bleiben, da nicht davon auszugehen ist, da√ü sie als Kommunistin in die Politik Frankreichs zur Sicherung seiner strategischen, politischen, wirtschaftlichen und milit√§rischen Interessen im Irak einbezogen und umfunktioniert wird. Mutig bleibt sie also dort, und vielleicht berichtet sie einmal als erste und live von der endg√ľltigen Zerschlagung des jahrelang durch Frankreich unterst√ľtzten irakischen Widerstandes.

Das wäre tatsächlich eine Ironie des Schicksals.

17. Juni 2005 - (*) ergänzt am 22. Juni 2005

Quellen

(*) Oops! She (Florence Aubenas Did it Again ..., by John Rosenthal, Transatlantic Intelligencer, June 21, 2005
http://trans-int.blogspot.com/2005/06/oops-she-florence-aube nas-did-it-again.html

(1) Eine andere Welt unter Besatzung ist unmöglich. Von Marie-Dominique Vernhes. AG Friedensforschung an der Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/Irak-Kong ress/vernhes.html

(2) Das Querfrontprojekt ATTAC, von Gudrun Eussner, 12. Januar 2003
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-17_21-12-35.html

(3) Joachim Guilliard, Antikriegsforum Heidelberg: "Der Widerstand gegen das Regime ist legitim". Irak-Krieg angeklagt, AG Friedensforschung an der Uni Kassel, 21. Juni 2004
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/tribunal/ stimmen.html

(4) (Irak-)Kriegs-Tribunal. Informationen, Initiativen, Hearings. AG Friedensforschung an der Uni Kassel. Auf dieser Seite informieren wir √ľber Initiativen, die den Irakkrieg 2003 v√∂lkerrechtlich, politisch und humanit√§r (sic!) aufarbeiten wollen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite http://www.iraktribunal.de/.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Irak/tribunal/ Welcome.html

(5) Dr. pax Kassel, von Henryk M. Broder, Online-Tagebuch der Achse des Guten, 16. Juni 2005
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=748&ref=0

(6) Le Conseil national de la résistance peine à se construire. La résistance irakienne se disloque. Par Ian Hamel, Le Courrier, 7 avril 2005
http://www.lecourrier.ch/modules.php?op=modload&name=NewsPap er&file=article&sid=39404

(7) France Irak actualit√©e. Le site de liaison et d´information des AMITIES FRANCO-IRAKIENNES
http://www.iraqtual.com/

(8) Les Amitiés franco-irakiennes. Membres fondateurs: Paul Balta (journaliste et écrivain), Jacques Berque (écrivain, professeur au Collège de France), Jean-Pierre Chevènement (ancien ministre), Jean Dresh (professeur), Georges Gorse (député, ancien ministre), Michel Lelong (religieux), Alain Mayoud (député UDF), Robert Morel- Francoz (Ambassadeur de France), Pierre Rossi (écrivain), Claudine Rulleau (écrivain et journaliste), Philippe de Saint Robert (écrivain).
http://amiraq.free.fr

(9) Un peu d´histoire. La relation franco-irakienne
http://amiraq.free.fr/historique/histoire.html

(10) Rouges-Bruns. La libération de Tarek Aziz. Par Didier Daeninckx. Amnistia.net, 9 juillet 2003
http://www.amnistia.net/news/articles/fascdoss/azizpeti/aziz pet2.htm

(11) Intelligence Online has learned that a short visit by Iranian president Mohamed Khatami to Syria on Oct. 7 was essentially aimed at endorsing a secret pact between the two countries to help fundamentalist Sunni and Shi´ite groups to conduct armed operations against American and Israeli interests... INTELLIGENCE ONLINE - 22/10/2004
http://www.intelligenceonline.com

(12) EU-Diplomaten d√ľrfen Kontakt zur radikalen Hamas aufnehmen. N.J., Die Welt, 17. Juni 2005
http://www.welt.de/data/2005/06/17/733003.html

(13) Hamas: EU sucht Kontakte zu Hamas-Politikern. Reuters Deutschland, Donnerstag, 16. Juni. 2005
http://www.reuters.de/newsPackageArticle.jhtml?type=politics News&storyID=757577§ion=news

(14) Al-Joundi demande "à vivre décemment" . Nouvel Observateur, 17 juin 2005
http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20050617.OBS0432.htm l

(15) Congress Probes Routing of Funds to Suspect Firms. By Claudia Rosett. The New York Sun, May 4, 2005
http://www.nysun.com/article/13260

(16) "Les forces d´occupation en Irak n´ont pas apport√© la d√©mocratie promise. Les Am√©ricains ont multipli√© les erreurs". Par Jean-Michel Vernochet, Le Courrier, 20 avril 2004
http://www.lecourrier.ch/modules.php?op=modload&name=NewsPap er&file=article&sid=37593&mode=thread&order=0&thold=0

(17) "Freedom for Al Kubaysi And all the political and opinion prisonners in Iraq", Iraqresistance.net, April 26, 2005
"Libert√© pour AL KUBAYSI et tous les prisonniers politiques et les prisonniers d´opinion( P√©tition)", Iraqresistance.net, 6 mai 2005
http://www.iraqresistance.net

(18) Libérez Abdul Jabbar al-Kubaysi. Comité contre la guerre en Irak
http://perso.wanadoo.fr/echanges/Libere.htm

(19) Journalistes en Irak. √Ä propos d´une "r√©v√©lation". Par Pierre Laurent, directeur de la r√©daction, Humanit√©, 16 juin 2005
http://www.humanite.presse.fr/journal/2005-06-16/2005-06-16- 808695


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2005-06-17_23-35-39.html
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