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Der Salafist Tariq Ramadan: "verunglimpft wie ein muslimischer Jude"

Der "Spiegel" veröffentlicht, am 14. November 2005, ein GesprĂ€ch mit dem "Islam-Wissenschaftler und Philosophen Tariq Ramadan ĂŒber die AufstĂ€nde in französischen VorstĂ€dten, die Integration von Muslimen in Europa und die notwendige Modernisierung des Islam". Darin bedauert er sich als einen der "am meisten verleumdeten muslimischen Intellektuellen", ĂŒber ihn rede man wie frĂŒher ĂŒber die Juden: "Ich werde verunglimpft wie ein muslimischer Jude". (1)

Dieser dem Transzendenten zugeneigte Schöngeist, der ehemalige Studiendirektor fĂŒr Philosophie am CollĂšge de Saussure, eines Gymnasiums (2), mit NebentĂ€tigkeit und kleinem Zubrot als Lehrbeauftragter an der UniversitĂ€t Fribourg zum Thema Islam - alle zwei Wochen eine Doppelstunde (3), hat es neben seiner BeratertĂ€tigkeit fĂŒr die EU, das Europaparlament und das Hamburger Orient-Institut (4) jetzt zum Islamismus-Berater der britischen Regierung und zum Visiting Fellow, Forschungsstipendiat (!), am St Anthony´s College der ehrwĂŒrdigen UniversiĂ€t von Oxford gebracht. Dort lehrt er und hĂ€lt, vom 19. Oktober bis 30. November 2005, vier VortrĂ€ge ĂŒber die UrsprĂŒnge der islamischen Jurisprudenz: "Toward Reform of Classical Approaches to Usul al-Fiqh". (5) Er hofft auf eine VerlĂ€ngerung seiner Berufung. Vielleicht wird seine Reputation aber noch dermaßen steigen, daß ihn die USA instĂ€ndig anflehen, eine Green Card anzunehmen und endlich am Kroc Institute der UniversitĂ€t Notre Dame seine Professur anzutreten. Institutsdirektor Scott Appleby könnte man kaum eine grĂ¶ĂŸere Freude machen, und Tariq Ramadan wĂ€re endlich nicht lĂ€nger der "muslimische Jude". (6)

Auch Colin Powell, der ehemalige Außenminister der USA, wĂ€re sicherlich froh; denn dem tĂ€te es leid, daß man ihm die Aufenthaltsgenehmigung vorenthalten habe, berichtet Tariq Ramadan; er solle seinen Antrag erneuern. Colin Powell hat wirklich alles getan, den Islamprediger in den USA hoffĂ€hig zu machen und ĂŒber ihn an die MuslimbrĂŒder und andere Islamisten zu kommen. Deutlich wird das besonders durch die Einladung zum Arab Western Summit of Skills, in Berlin, 17./18. Januar 2004, zu dem die Außenministerien der USA und Großbritanniens den Prediger als einen der beiden Keynote Speaker einladen. Dort tritt der Salafist wie immer ohne Schlips auf; denn es ist ihm von seiner Religion nicht gestattet, einen Kreuzknoten zu binden. Sein Thema ist: "To be an Arab in Europe: Perspectives for an Arab Community in an increasingly pluralist European Society – Learning from the Arab American Community." Die arabische Bevölkerungsgruppe in Europa soll also von den Erfahrungen der Araber in den USA lernen, ihre Interessen als Araber zu behaupten. (7)

Der "muslimische Jude"

Es ist wie immer: der Antisemit ist Opfer, er bezeichnet sich im Spiegel-GesprĂ€ch als "muslimischer Jude". Nicht nur viele Deutsche verstehen es, die TĂ€terschaft der Deutschen zu verklĂ€ren, sondern auch Araber, deren Vorfahren nichts weniger herbeisehnen, als die Juden zu vertreiben und zu vernichten - einige von ihnen legen wie der Großmufti von Jerusalem Hadj Amin al-Husseini, Freund des Hassan al-Banna, krĂ€ftig mit Hand an dabei, eben solche gefallen sich in der Opferrolle und mißbrauchen das Leid der Juden fĂŒr ihre Zwecke.

Wer von den Spiegel-Lesern weiß schon, daß Hassan al-Banna, Großvater des Tariq Ramadan und BegrĂŒnder der wahhabitischen Muslimbruderschaft, anlĂ€ĂŸlich der GrĂŒndung Israels, 14. Mai 1948, diese der Terrororganisation Hamas zum mahnenden Leitspruch gewordenen Worte in die Welt setzt: Israel wird aufsteigen und aufrecht bleiben, bis der Islam es vernichtet, wie er schon seine VorgĂ€nger vernichtet hat? (8)

"Israel will rise and will remain erect until Islam eliminates it as it had eliminated its predecessors." (The Martyr, Imam Hassan al-Banna, May Allah Pity his Soul).

Ausgerechnet ein solcher Erbe stilisiert sich zum "muslimischen Juden". Es hĂ€tte fĂŒr Tariq Ramadan viele andere Begriffe gegeben, um etwa auszudrĂŒcken, daß er sich benachteiligt und falsch verstanden vorkommt. Er aber muß in guter Antisemitenmanier die Juden beleidigen, in dem er ihnen ihre IdentitĂ€t zu nehmen versucht und sie sich selbst anmaßt. Die ObszönitĂ€t dieses Vorgangs wird klar, wenn man weiß, daß Tariq Ramadan seinen die Juden und Israel hassenden Großvater bis heute grenzenlos bewundert. Diese zitierten Worte stammen aus dem Vorwort eines seiner im Jahre 2001 veröffentlichten BĂŒcher. Er hĂ€lt sie fĂŒr so wertvoll, daß er sie am 5. Februar diesen Jahres erneut auf seine Site stellt:

"Die Persönlichkeit von Imam Hasan al-Banna: Licht spendender Glaube, eine tiefe SpiritualitÀt, persönliche Disziplin, freundlich und sanft im Umgang mit seinen Mitmenschen. Ustadh Umar al-Tilmisani schrieb das und sagte es wieder und wieder, so wie ich Àhnliche Geschichten von meinem Vater, Dr. Said Ramadan, seinem Schwiegersohn, und meiner Mutter, Wafa al-Banna, seiner Àltesten Tochter gehört hatte.

Das Geheimnis von Imam Hasan al-Banna war die QualitÀt seines Glaubens und die IntensitÀt seiner Beziehung zu Gott. ... Er lebte wie die ersten Sahaba, dem Pfad des Propheten folgend ..." (9)

Er kann darauf setzen, daß Spiegel-Leser nicht wissen oder sich nicht erinnern, daß Tariq Ramadan vor zwei Jahren im Vorfeld des EuropĂ€ischen Sozialforums einen Artikel auf der salafistischen Online-Zeitung "Oumma.com" schreibt, der gegen die jĂŒdischen Intellektuellen in Frankreich gerichtet ist. "Kritik der (neuen) kommunitĂ€r bestimmten Intellektuellen" ist er ĂŒberschrieben. Diesen Artikel dient er sowohl der "Le Monde" als auch der "LibĂ©ration" mehrfach an, aber selbst diesen durchaus dem Islamismus nicht abgeneigten BlĂ€ttern ist die Ware zu heiß. Der "muslimische Jude" mißbraucht den fĂŒr die Organisation des EuropĂ€ischen Sozialforums, November 2003, vorbehaltenen Email-Verteiler der ATTAC, um seine SchmĂ€hung der französischen Juden ĂŒber die einschlĂ€gige Oumma.com-Leserschaft hinaus in Frankreich zu verbreiten.

Er beklagt in dem Artikel, daß man sich nur gegen die muslimische Gemeinschaft wende, aber man habe MĂŒhe, diese so durch die Medien gehĂ€tschelten Intellektuellen zu kritisieren, die uns nur lange Artikel und Interviews lieferten mit sehr diskussionswĂŒrdigen und oft einseitigen Analysen der französischen Gesellschaft und der internationalen Szene. Er zĂ€hlt sie auf, wobei er Pierre-AndrĂ© Taguieff zu den Juden rechnet und den Namen von AndrĂ© Glucksmann falsch schreibt: "Taguieff, Adler, Finkielkraut, Glucksman, Kouchner, BHL, unter anderem, sagen die Wahrheit der Welt, der Guten, der Bösen, unserer ÂŽAlliiertenÂŽ ... und Israel entgeht ihrer selektiven Kritik immer."

Mit BHL ist Bernard-Henri LĂ©vy gemeint. Tariq Ramadan behauptet, die jĂŒdischen Intellektuellen Frankreichs urteilten einseitig, verdammten die Araber und wendeten sich gegen jede Kritik an der israelischen Politik. Sie behaupteten unzutreffend, daß die maghrebinische Bevölkerung gemeinsam mit der extremen Linken die Judenfeindschaft banalisiere und sie rechtfertige. Alain Finkielkraut u.a. seien von universellen, mit der europĂ€ischen Tradition verbundenen, zu kommunitĂ€r reduzierten Intellektuellen degeneriert. Die "Schandmauer" in Israel werde bei ihnen zu einem "Sicherheitszaun", den Israel angeblich widerstrebend baue. Den Prozeß, den Licra und andere wegen der antisemitischen Hetzsendungen des Daniel Mermet fĂŒhren und vor der französischen Justiz verlieren, nennt er "surrealistisch". In diesem Prozeß sagt Alexander Adler als Zeuge aus. Dieser sei nur von den Interessen Israels geleitet. Die UnterstĂŒtzung der von Tariq Ramadan angeprangerten (sic!) jĂŒdischen Intellektuellen fĂŒr den Irakkrieg geschehe deshalb, weil Israel dort MilitĂ€rberater hĂ€tte. Der Krieg der USA und Großbritanniens gegen den Irak sei zur Verbesserung der Sicherheit und der Wirtschaft Israels gefĂŒhrt worden. (10)

Der antisemitische Muslim

FĂŒr solche Äußerungen sollte Tariq Ramadan als "muslimischer Jude" verunglimpft werden? Ich bezeichne ihn vielmehr als das, was er ist: ein antisemitischer Muslim. Die Philosophin Cynthia Fleury und der Journalist Emmanuel Lemieux schreiben am 19. November 2003 in der "LibĂ©ration", daß es nicht ausreiche, die Kritik an Tariq Ramadan allein auf den genannten rassistischen Artikel zu beziehen, in dem er die französischen Juden des pro-israelischen Komplotts bezichtigt. Die beiden Autoren haben in den umfangreichen Werken des Islampredigers gelesen, unter anderem auch in einem 1995 veröffentlichten und bis 2001 mehrfach unverĂ€ndert wieder aufgelegten Buch, in dem er dem Islamologen und Holocaust-Leugner Roger Garaudy Bewunderung zollt. 1995 ist Roger Garaudy bereits als Holocaust-Leugner bekannt. Cynthia Fleury und Emmanuel Lemieux weisen darauf hin, was die "SpiritualitĂ€t" des Tariq Ramadan bedeutet, und was dieser auch ausdrĂŒcklich verkĂŒndet: die Islamisierung Europas.(11)

Wenn Tariq Ramadan ambivalent sein sollte, dann nur aus taktischen GrĂŒnden. Seine Grundhaltung ist sehr klar. Der ebenfalls als Islamist und Antisemit bekannte in Frankreich lebende Tunesier Mondher Sfar veröffentlicht eine positive Rezension seiner Studie "Zu den UrsprĂŒngen muslimischer Erneuerung. Von al-Afghani bis Hassan al-Banna, ein Jahrhundert der islamischen Reform". Mondher Sfar schreibt auch in Zeitschriften der Holocaust-Leugner. Er ist der Autor des "Manifeste judĂ©o-nazi d´Ariel Sharon", aus dem Jahre 2001. Es handelt sich bei dieser 64-seitigen Veröffentlichung um ein Machwerk auf dem Niveau der "Protokolle der Weisen von Zion" . (12)

Über die Studie des Tariq Ramadan schreibt Mondher Sfar:

"Diese Studie ist eine wahrhaftige wissenschaftliche Abhandlung in Verteidigung des Denkens und des Werkes von Hassan al-Banna, des GrĂŒnders der Organisation der MuslimbrĂŒder, gegen die Anschuldigungen, die im allgemeinen gegen die gewalttĂ€tigen islamistischen Bewegungen vorgetragen werden...." Der Autor ergehe sich in Elogen auf seinen Großvater, der gegen die EnglĂ€nder gekĂ€mpft und die palĂ€stinensische nationalistische Sache unterstĂŒtzt habe. Alles, was man seinem armen Vorfahren an Fundamentalismus und Terrorismus zuschreibe, stamme von seinem Mitbruder Sayyid Qutb. Dieser wird 1966, jener 1949 von der Ă€gyptischen Regierung liquidiert.

Der Autor wende sich gegen das Argument, die religiösen Reformatoren seien im Gegensatz zu den liberalen nicht in Einklang zu bringen mit Fortschritt und ModernitĂ€t. Der Koran beruhe auf der menschlichen Vernunft, er enthalte im Keim die positiven Prinzipien, die das Universum regieren. Er beziehe sich auf den Verehrer des Wahhabismus und Lehrer seines Großvaters Rashid Ridha als "Ă€gyptischen Reformator", der als erster eine politische Partei auf der Grundlage seiner religiösen Vorstellungen grĂŒndet. (13)

Der "berĂŒhmte Schweizer Lehrer"

Dieser "berĂŒhmte Schweizer Lehrer", der angebliche "muslimische Jude", ist in Großbritannien allzeit herzlich willkommen. Am 12. Oktober 2003 tritt er im Londoner Wembley Conference Center bei der Großveranstaltung "Islam for Europe" auf:

"Dr. Tariq Ramadan wurde 1962 in der Schweiz in eine Familie der Predigt und des Glaubenskrieges geboren. Sein verstorbener Vater war der glanzvolle Ă€gyptische Lehrer Scheich Said Ramadan, und sein Großvater ist kein anderer als der MĂ€rtyrer Imam Hasan Al Banna. Seiner eindringlichen und nachdenklich stimmenden VortrĂ€ge in ganz Europa und Amerika wegen wird er von vielen fĂŒr einen der fĂŒhrenden moslemischen Intellektuellen der neueren Zeit angesehen." (14)

Neben ihm sind sechs weitere Redner aufgefĂŒhrt, darunter der in der Al-Azhar UniversitĂ€t ausgebildete Scheich Yusuf Al-Qaradawi, aus dem selben Jahrgang wie Said Ramadan. Der Scheich kann den Koran schon auswendig, als er noch keine zehn Jahre alt ist:

"Scheich Yusuf Al-Qaradawi, einer der grĂ¶ĂŸten Lehrer unserer Zeit, wurde 1926 in Ägypten geboren. Er ist der Dekan der FakultĂ€t fĂŒr Scharia und Islamische Studien und der Direktor des Zentrums fĂŒr Sunna und Sirah Studien an der UniversitĂ€t von Qatar. Er ist auch der PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Rates fĂŒr Fatwa und Forschung (ECFR). Scheich Yusuf Al-Qaradawi ist ein sehr produktiver Schriftsteller, der bis heute mehr als 42 BĂŒcher geschrieben hat." (15)

Tariq Ramadan ist nicht nur in England und Frankreich herzlich willkommen, als Islamist oder als beliebter Mitstreiter der Globalisierungskritiker von ATTAC&Co., wie auf dem EuropĂ€ischen Sozialforum, November 2003, sondern er wird auch von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik (DGAP), der Außenminister a.D. Hans- Dietrich Genscher als EhrenprĂ€sident vorsteht, in deren Zeitschrift "Internationale Politik (IP)", April 2005, veröffentlicht, weil er ein Denker sei, dessen AusfĂŒhrungen es wert seien, von einer Zeitschrift der deutschen Außenpolitik vorgestellt zu werden. So jedenfalls erklĂ€rt mir eine Mitarbeiterin der IP die Aufnahme des islamistischen Predigers in das April-Heft. Die Blindheit der IP fĂŒr die Intentionen des Autors, die Islamisierung Europas und der USA, zeigt sich bereits in der AnkĂŒndigung des Beitrages: "Tariq Ramadan fordert dagegen einen zeitgenössischen europĂ€ischen Islam":

Seite 53-57
Analyse von Tariq Ramadan
In Europa zu Hause sein
Muslime in Europa begegnen dem Anpassungsdruck der westlichen Lebensweise auf zwei Arten: Sie werden auch sÀkular oder sie leben einen Glauben, der den Islam des 7. Jahrhunderts imitiert. Tariq Ramadan fordert dagegen einen zeitgenössischen europÀischen Islam.

Der Text handelt durchweg von "islamischer IdentitĂ€t". Im selben Heft befinden sich BeitrĂ€ge von Eldad Beck , Karsten Voigt etc. In dieser Zeitschrift schreibt die crĂšme de la crĂšme der Publizistik, von Richard Herzinger ĂŒber Yehuda Bauer und Jeffrey Herf ist alles dabei, eine Kritik des Islamismus ebenso wie eine Affirmation Ă  la Ramadan. (16)

Daß der Islam keineswegs so aussehen soll, wie sich das die IP vorstellt, beschreibt Tariq Ramadan nicht nur in dem Beitrag "In Europa zu Hause sein", sondern auch auf seiner eigenen Web Site in einem Artikel mit der doppeldeutigen Überschrift "Les premiĂšres pierres", Die ersten Steine. Er meint noch nicht die Steinigung unbotmĂ€ĂŸiger Ehebrecherinnen, sondern das in Europa Stein fĂŒr Stein aufzurichtende GebĂ€ude der Scharia. Dazu belehrt er seine muslimischen "Geschwister", daß sie Respekt gegenĂŒber nationalen Verfassungen der LĂ€nder, deren NationalitĂ€t sie besitzen oder in denen sie wohnen, zu wahren hĂ€tten; denn "wir sind durch einen moralischen, gesellschaftlichen und politischen Vertrag gebunden". Dann verhĂ€ngt er die EinschrĂ€nkung: "In diesem Rahmen muß daran erinnert werden, daß alles, was sich sozial, kulturell oder politisch einem verfĂŒgten islamischen Prinzip nicht widersetzt, angesehen werden muß als Teil unserer Überzeugung und IdentitĂ€t in dem Land, in dem wir wohnen: wir beziehen das tatsĂ€chlich ein im Sinne unseres WEGES, unserer Scharia im Westen." (17)

Anders ausgedrĂŒckt, bedeutet dies die klare Absage an die grundlegenden Werte der Verfassung der westlichen Staaten. Sie sind den Muslimen nur Ă€ußerlich, durch Vertrag, auferlegt. Teile der Verfassung, die nicht dem "verfĂŒgten islamischen Prinzip" entsprechen, sind fĂŒr die Muslime in Europa schon heute nicht gĂŒltig, sie widersprechen den Überzeugungen und der IdentitĂ€t der Muslime. Der Prediger fordert die Muslime indirekt auf, daran zu arbeiten, den Tag herbeizufĂŒhren, da der "moralische, gesellschaftliche und politische Vertrag" mit den UnglĂ€ubigen zugunsten einer Herrschaft des Islams endlich aufgekĂŒndigt und der nicht im Einklang mit der Scharia stehende Teil der Verfassung außer Kraft gesetzt werden kann.

Im September 2005 ist Tariq Ramadan Mitglied eines der Londoner TerroranschlĂ€ge vom 7. Juli 2005 wegen ernannten 13-köpfigen Komitees zur Untersuchung der Ursachen des islamistischen Terrors. Seine Berufung wird allseits begrĂŒĂŸt. Er sei die richtige Person in diesem Komitee. Man könnte auch sagen: hier wird der Bock zum GĂ€rtner gemacht; denn dieser Islamprediger, der sich fĂŒr die friedliche Islamisierung Europas und der Welt einsetzt, berĂ€t die britische Regierung darĂŒber, wie sie gewaltfrei zu bewerkstelligen ist. Ein weiteres Mitglied dieses erlauchten Komitees ist der als Antisemit mit langer Geschichte bekannte 36-jĂ€hrige Inayat Bunglawala, Sprecher des Muslim Council of Britain (MCB). (18)

Der moderate Muslim

Bernard Haykel, Professor fĂŒr Studien des Nahen Ostens an der New York City UniversitĂ€t befaßt sich mit dem "Schweigen der moderaten Muslime" seit dem 11. September 2001. Er beklagt, daß viele von ihnen sogar anzweifeln, daß die AttentĂ€ter ihre ReligionsbrĂŒder waren. Sie beklagten, daß die AttentĂ€ter dem Islam schadeten und ihn diffamierten, aber öffentlich dagegen sprĂ€chen sie sich nicht aus, schon allein, weil sie der Ansicht seien, daß die USA rĂŒckhaltlos UnterstĂŒtzung fĂŒr Israels Politik gegenĂŒber der palĂ€stinensischen Intifada geben.

Eine ErklĂ€rung fĂŒr das Schweigen sei, daß gemĂ€ĂŸigte Muslime seit Jahrzehnten nach und nach von einer neuen Gattung von islamistischen politischen Aktivisten marginalisiert wĂŒrden, den Salafisten oder Wahhabiten. Osama bin Laden ist einer der Salafisten. Sie sind AnhĂ€nger einer wortgetreuen Interpretation des Koran, der Hadithen und der Scharia. Die meisten Werte des modernen Westens lehnen sie als im Gegensatz zum Islam stehend und ihn bedrohend ab und stellen eine utopische, "authentische" Vision des Islam dagegen. "Das Geheimnis von Imam Hasan al-Banna war die QualitĂ€t seines Glaubens und die IntensitĂ€t seiner Beziehung zu Gott. ... Er lebte wie die ersten Sahaba, dem Pfad des Propheten folgend", wĂŒrde Tariq Ramadans zu seinen AnhĂ€ngern sagen. Die Attentate vom 11. September 2001 verurteilt er, weil sie dem Islam und seiner friedlichen Verbreitung schaden. (9)

Moderate Muslime wĂŒrden seit Anfang der 70er Jahre von diesen Fundamentalisten ihrer Aufgeschlossenheit der Moderne gegenĂŒber an den Rand gedrĂ€ngt, auch weil der Mufti von Ägypten eine Fatwa zugunsten des Friedens zwischen Ägypten und Israel ausgesprochen hat und andere den Gebrauch von VerhĂŒtungsmitteln befĂŒrworteten und damit bei vielen Muslimen ihre GlaubwĂŒrdigkeit eingebĂŒĂŸt hĂ€tten, schreibt Bernard Haykel.

Die politische und wirtschaftliche Niederlage der sĂ€kularen nationalistischen Politiken in einigen der LĂ€nder und die UnterdrĂŒckung nicht nur der Islamisten, sondern auch der einfachen BĂŒrger habe ein ĂŒbriges getan, eine jĂŒngere militantere Generation von Islamisten heranzubilden, die von der islamischen Revolution im Iran und den Mudschaheddin in Afghanistan beeinflußt sind und mit schlichten "Wahrheiten" und einer nicht nuancierten Weltsicht Erfolg in der islamischen Welt haben. Dagegen hĂ€tten moderate Muslime, die an den Verstand appellieren, wenig aufzubieten.

Am wichtigsten aber fĂŒr den Erfolg, die gemĂ€ĂŸigten Muslime zum Schweigen zu bringen, seien Milliarden von Petro-Dollar, die von Saudi-Arabien und aus den ScheichtĂŒmern des Golfs zur Verbreitung des auf der arabischen Halbinsel dominierenden salafistischen Islam, dort eingefĂŒhrt Mitte des 18. Jahrhunderts von Muhammad Ibn Abd al-Wahhab, ausgegeben werden. Die traditionellen Zentren der islamischen Lehre wĂŒrden finanziell ausgetrocknet. Der Einfluß Saudi-Arabiens in der religiösen Landschaft aller islamischen LĂ€nder ist dominant. Die Herrscher Saudi-Arabiens und der Golfstaaten sind die Besitzer der meisten Medien, in denen eine Kritik am Salafismus strikt untersagt und religiöse Debatten zensiert werden.

Tariq Ramadan hat laut eigener Auskunft in Saudi-Arabien, Ägypten und Tunesien Einreiseverbot. (19)

Bernard Haykel kommt auch auf ihn zu sprechen, den er fĂŒr einen der eher dynamischen Moderaten hĂ€lt. Er habe "Schutz im Westen" gefunden. Solche wie er sollten die Vorhut des moderaten Islam sein, wobei allerdings der Aufenthalt im Westen selbst schon ein wichtiger Faktor der Marginalisierung sei. (20)

Das wird den Tariq Ramadan aber vor Lachen fast bersten lassen. Er wird bei seinen Reisen in islamische LĂ€nder empfangen wie ein Staatsmann. Wie ein Staatsmann auch wendet er sich in der Ă€gyptischen Regierungszeitung "Al-Ahram", im Januar 2005, mit einem Offenen Brief an den US-PrĂ€sidenten George W. Bush: "From an "expelled" Muslim to an elected American" und erteilt ihm Lehren, wie er die USA zu regieren habe. Veröffentlicht wird dieser Offene Brief in Ägypten, wo Tariq Ramadan angeblich nicht einreisen darf. (21)

Wenig zum Lachen ĂŒber den "moderaten Muslim" ist dem Scheich Prof. Abdul Hadi Palazzi, Direktor des Kulturinstituts der italienischen Islamischen Gemeinde. Er schreibt, am 10. Dezember 2002, auf einem Yahoo-Forum:

As-salamu `alaykum wa rahmat-Ullahi wa barakatuH.
Liebe BrĂŒder und Schwestern,
"Wie raffiniert oder fehlinformiert Prof. Bernard Haykel ist!
Er wagt es, einen Ă€ußerst gefĂ€hrlichen Extremisten wie Tariq Ramadan (einen der FĂŒhrer der MoslembrĂŒder in Europa und Enkel des Hassan al-Banna) unter die ÂŽModeratenÂŽ zu zĂ€hlen, da diese Person stattdessen einer der FĂŒhrer der von den Saudis finanzierten Sekte ist, die den Wahhabi-Fanatismus, die Barbarei und den Terrorismus in der ganzen Welt ausbreitet!
Weiß Prof. Haykel nicht, daß die al-Qaida als eine Abzweigung derselben Organisation entstanden ist, der Herr Tariq Ramadan angehört?
Weiß er, daß die in Europa von Tariq Ramadan geleitete Sekte der MuslimbrĂŒder dieselbe Sekte ist, die in Israel Hamas heißt?
Weiß er, daß der Hauptideologe hinter Herrn Tariq Ramadan niemand anderer ist als Dr. Yusuf al-Qaradawi, der ĂŒble HĂ€retiker, der die Theologie des Suizid-Terrorismus entwickelte?
Wenn das die ŽExpertenŽ und Professoren der Nahost-Studien im Westen sind, kann man leicht verstehen, warum der Westen so viele Schwierigkeiten hat, den Saudi-finanzierten Wahhabi-Terrorismus zu bekÀmpfen. Die schlimmsten Verbrecher werden mit sehr viel Geld ausgestattet in den Westen geschickt, um dort Fanatismus und Extremismus zu verbreiten, und die ŽExpertenŽ haben nichts Besseres zu tun als zu behaupten, solche Agenten der Saudis seien ŽmoderatŽ!
Wa-s-salamu `alaykum wa rahmat-Ullahi wa barakatuH. (22)

Am 21. Dezember 2002 teilt ein anderer Forumsbesucher mit, daß der Absatz zum Lobe des "moderaten" Tariq Ramadan aus dem am selben Tag im "Indian Express" veröffentlichten Artikel gestrichen ist. (23)

Die Familie Ramadan unermĂŒdlich im Glaubenskrieg

Auf der Web Site des islamischen Zentrums Genf wird der Schwiegersohn des Hassan al-Banna und Vater des Tariq Ramadan, Dr. Said Ramadan (1926 - 1995) von M.H. Faruqi, dem Herausgeber des islamischen Journals "Impact International", London, ausfĂŒhrlich und sehr liebevoll gewĂŒrdigt. M.H. Faruqi findet man auch als Nr. 81 unter den ersten Hundert von 541 UnterstĂŒtzern einer Klage wegen "Verbrechens gegen die Menschheit" von 23 PalĂ€stinensern und Libanesen gegen Ariel Sharon, in BrĂŒssel. Bei M.H. Faruqi muß es sich um einen weiteren "muslimischen Juden" handeln. (24)

Said Ramadan tritt 1940 im Alter von 14 Jahren in die Muslimbruderschaft ein. Da ist er noch SchĂŒler. 1946 macht er seinen Abschluß in islamischer Rechtswissenschaft, und er wird von Hassan al-Banna zum persönlichen SekretĂ€r und zum Herausgeber der islamischen Wochenzeitschrift Al Shihab ernannt.

Im Mai 1948 geht er mit den anderen Freiwilligen der Muslimbruderschaft nach PalĂ€stina, um gegen Israel zu kĂ€mpfen. Dort, so will es die anrĂŒhrende Legende, weckt er in der Nacht den König Abdullah von Jordanien, um ihm mitzuteilen, daß Jerusalem im Begriff sei, von den "Banden" der Haganah und der Irgun erobert zu werden, "und er ersuchte ihn, die jordanische Armee zur VerstĂ€rkung in die Heilige Stadt zu schicken, um bei ihrer Verteidigung zu helfen. Das tat Abdullah, und Jerusalem blieb frei bis Juni 1967 ... Diesmal gab es niemanden, um den König Hussein aufzuwecken."

Nach kurzem Zwischenspiel von zwei Monaten am MilitĂ€rhof von Jerusalem geht Said Ramadan nach Pakistan. Da ist er 22 Jahre alt. Er bleibt dort und wird Teil des neuen islamischen Milieus, d.h., er hĂ€lt engen Kontakt zur pakistanischen Regierung und predigt seine islamistischen Ideen. Als "Kulturbotschafter Pakistans, des Landes, das seine Freiheit im Namen des Islam erhalten hatte", bereist er die arabischen Staaten. Er ist ReprĂ€sentant der MuslimbrĂŒder, kehrt in den 50er Jahren nach Ägypten zurĂŒck, wird von Gamal Abdel Nasser inhaftiert, geht mit Sayyid Qutb nach Jerusalem, um dort beim islamischen Weltkongreß die Muslimbruderschaft vorzustellen, wird GeneralsekretĂ€r des Weltkongresses, Glubb Pascha verbannt ihn aus Jerusalem, bis der Bann 1955 aufgehoben wird. Inzwischen wohnt er in Damaskus, wo er 1956 die Muslimbruderschaft wieder in Gang bringt. Bis August 1958, da er sich in Genf niederlĂ€ĂŸt, reaktiviert er Zweige der Muslimbruderschaft in Jordanien, Syrien, dem Libanon und in Saudi-Arabien.

1959 promoviert er an der UniversitĂ€t Köln. 1961 beginnt er die Publikation der Zeitschrift Al Muslimoon, die MuslimbrĂŒder. Sie erscheint bis 1967. In Genf veröffentlicht Said Ramadan die erste Edition zum islamischen Recht, der Scharia. Sein Verlag ist Macmillan, London 1961. Da sei der Islam noch nicht der Feind gewesen, sondern man habe Bedarf gehabt, alle GlĂ€ubigen gegen die Herausforderung des atheistischen Materialismus zu mobilisieren.

1961 grĂŒndet Said Ramadan das Centre islamique Ă  GenĂšve, das Islamische Zentrum zum Kampf gegen den atheistischen Materialismus und fĂŒr den Islam. Von dem Zentrum aus werden neue islamische Gemeinden in Europa und ĂŒberall im Westen gegrĂŒndet.

Nachdem Pakistan sein Interesse an der Vereinigung der islamischen Welt verliert, wird im Mai 1962 in Mekka die Rabita, die Islamische Weltliga gegrĂŒndet. Said Ramadan ist der maßgebliche Initiator der Liga; er beteiligt sich an der Ausarbeitung ihrer Verfassung. Saudi-Arabien bekunde sowohl aus selbstlosen als auch aus politischen GrĂŒnden, um dem Nationalismus Nassers und dem arabischen Sozialismus etwas entgegenzusetzen, großes Interesse an der Rabita.

Zur Islamisierung Europas will Said Ramadan eine Kette von islamischen von den Regierungen der LĂ€nder unabhĂ€ngigen Zentren eröffnen. Er beginnt 1964 mit MĂŒnchen und London. Die Gelder kommen von der Rabita, mit der es aber bald Reibungen gegeben habe, die 1971 zur Einstellung der Zahlungen fĂŒhrt. Seit der Zeit habe das Zentrum keine Verbindung mehr zu Saudi-Arabien. Nebenbei wird Said Ramadan beschuldigt, die Beziehungen zwischen Syrien und Ägypten zu stören, er wird von Gamal Abdel Nasser des Hochverrats angeklagt und in Abwesenheit zu dreimal 25 Jahren GefĂ€ngnis verurteilt. Seine StaatsbĂŒrgerschaft wird ihm aberkannt. Der FĂŒhrer der Ă€gyptischen MuslimbrĂŒder kann ihm nicht helfen, denn er sitzt gerade im GefĂ€ngnis.

Dieser Mann der außerordentlichen SpiritualitĂ€t sehe die gegenwĂ€rtige Krise der islamischen Gesellschaft als eine moralische Krise. Mit pakistanischem Paß kehrt er nach Ägypten zurĂŒck, spĂ€ter wollten ihm die Ägypter seine NationalitĂ€t zurĂŒckgeben, was er abgelehnt habe. Er wird am 9. August 1995 an der Seite Hassan al-Bannas in Imam ShafiÂŽi beerdigt, nachdem die saudische Regierung ihm ein BegrĂ€bnis in Mekka verweigert. (25)

Dieses Erbe pflegen die Söhne Hani, Direktor des Zentrums, Tariq und Aymen Ramadan gemeinsam, jeder auf seine Art. Der eine, in dem er die Steinigung von Ehebrecherinnen und sonstige körperliche ZĂŒchtigungen von unbotmĂ€ĂŸigen Frauen in Le Monde (!) offen befĂŒrworten kann und dafĂŒr ein "Gezeter" in der Welt erntet, (26) der andere, in dem er sich im Sinne der Taqiya bedeckt hĂ€lt, und nur vor seinen AnhĂ€ngern deutlich wird, der dritte, in dem er sich um die Finanzen des Zentrums kĂŒmmert.

Interessant ist, wie bei der Beschreibung des VerhĂ€ltnisses Said Ramadans zu Saudi-Arabien auf die ausfĂŒhrliche Schilderung des ZerwĂŒrfnisses Wert gelegt wird. Das Zentrum, das verdĂ€chtigt wird, Kontakte zur al-Qaida zu unterhalten, ist angeblich verschuldet, Kontakte zur Bank Al-Taqwa in Lugano, die nach US-amerikanischen Erkenntnissen eine Finanzinstitution der al-Qaida ist, bestĂŒnden weder vom Zentrum noch von Tariq Ramadan, dieser habe auch keine Verbindung zu al-Qaida-Mitgliedern wie dem Schatzmeister der Terrororganisation Ahmed Brahim. SelbstverstĂ€ndlich ist Tariq Ramadan auch nicht 1993 im Auftrag der MuslimbrĂŒder zum Verantwortlichen fĂŒr Europa ernannt, das könne Xavier Ternisien (ausgerechnet!) bestĂ€tigen. Bei den MuslimbrĂŒdern halte man nicht viel von ihm, er sei keiner der Ihren. (27)

Tariq Ramadan, seine Freunde und die Konvertiten

Man muß wissen, daß Xavier Ternisien, "der nĂŒtzliche Idiot des Islamisten Tariq Ramadan", (28) bestens mit diesem bekannt ist und manche schöne Reise zu den MuslimbrĂŒdern nach Ägypten unternimmt, wo er auch Gamal al-Banna, den jĂŒngeren Bruder des GrĂŒnders der Muslimbruderschaft und Großonkel des Tariq Ramadan trifft, der versichert, Tariq Ramadan sei kein Mitglied der MuslimbrĂŒder. Islamexperten in Ägypten bestĂ€tigten dies, Xavier Ternisien verbreitet es, und Vincent Geisser wiederholt es noch einmal; denn Xavier Ternisien hat ein Buch ĂŒber die MuslimbrĂŒder veröffentlicht, das von Vincent Geisser, Forscher beim CNRS, auf Oumma.com besprochen wird. Ein weiterer Freund des Tariq Ramadan ist Mouloud Aounit, GeneralsekretĂ€r des MRAP und immer im Dienst gegen Rassismus und Islamophobie. (29)

So wird Tariq Ramadan auch in dieser Sache verleumdet, aber zum GlĂŒck halten sein Großonkel und viele gute Freunde in Frankreich und in der muslimischen und nicht-muslimischen Welt zu ihm, dem armen "muslimischen Juden". Von ihm, dem "muslimischen Martin Luther", werden wir noch viel lesen, hören und sehen ĂŒber den Irakkrieg, die Globalisierung, den "israelischen Staatsterror" sowie vor allem ĂŒber die Islamisierung Europas. "Western Muslims and the Future of Islam" heißt eines der Werke des Tariq Ramadan, wobei man nicht vergessen sollte, daß der Autor nicht in erster Linie die arabischstĂ€mmigen Muslime anspricht, sondern die westlichen Konvertiten. Die sind wie beispielsweise die Sufies/Murabitun in Spanien diejenigen, die ausersehen sind, die originĂ€ren Muslime aus den islamischen Staaten anzuleiten und zu organisieren. Stehen die nicht-muslimischen Gesellschaften dem Islam ablehnend gegenĂŒber, werden nur wenige sehr mutige Menschen konvertieren. Ist der Islam jedoch als "Religion des Friedens" akzeptiert, kann Tariq Ramadan bei freundlicher Hilfestellung durch das Personal der christlichen Kirchen und der Medien sowie der ĂŒbrigen europĂ€ischen Multikulti-Gesellschaft mit massenhafter Konversion rechnen.

Neben den bekannten Islamisten Scheich Yussuf al-Qaradawi, Sayyid Abul ALa Mawdudi, Sayyid Qutb, Hassan al-Banna, Tariq Ramadan, werden zahlreiche sunnitische Konvertiten in der Bibliothek der Islamic Foundation, Markfield, veröffentlicht, auch deutsche sind darunter, wie der deutsche Botschafter a.D. Murad Wilfried Hofmann und Ahmad Von Denffer, der Freund Tariq Ramadans und Herausgeber der Zeitschrift Al-Islam des Islamischen Zentrums MĂŒnchen. Um die Islamisierung der westlichen Welt in Frieden fortfĂŒhren zu können, wollen Tariq Ramadan, seine Freunde und die Konvertiten die Gegnerschaft zwischen Dar-ul-Islam, den islamischen LĂ€ndern, und Dar-ul-Harb, den nicht-islamischen LĂ€ndern aufheben. Eine solche Gegnerschaft, durch Attentate islamistischer Terrorgruppen im Namen Allahs noch intensiviert, ist kontraproduktiv; sie hindert die weltweite friedliche Islamisierung. Aus taktischen GrĂŒnden sind Tariq Ramadan und seinesgleichen gegen den militĂ€rischen Glaubenskrieg zur Durchsetzung des politischen Islam. Der ist nĂ€mlich bei dem seit 1683 herrschenden KrĂ€fteverhĂ€ltnis nicht zu gewinnen. (30)

Eine Ausnahme ist Israel. Da können die Islamisten der Welt und mit ihnen Tariq Ramadan davon ausgehen, daß kein großer Protest und keine verschĂ€rfte Gegnerschaft gegen die routinemĂ€ĂŸigen RaketenbeschĂŒsse, Attentate und SelbstmordanschlĂ€ge aufkommen, sondern daß sogar verstĂ€ndnisvolle Filme wie "Paradise Now" gedreht und vom westlichen Publikum mit befreitem Lachen und rauschendem Applaus aufgenommen werden. Es geht so weit, daß TerroranschlĂ€ge von Muslimen auf Muslime gar den Israelis zugeschrieben werden, wie jetzt beim Attentat von Amman: "FĂŒr den Vorsitzenden des Ingenieurverbands war klar, daß hinter den AnschlĂ€gen auf drei Hotels nur die Amerikaner und der israelische Geheimdienst Mossad stecken können - als Vorwand, um noch mehr Besatzungstruppen in die Region zu schicken." (31)

In den anderen LĂ€ndern aber wird der Terror von den missionierenden Islamisten nicht gern gesehen, genauso wenig wie die BeschĂ€ftigung mit der Geschichte des kriegerischen Islam seit Mohameds Zeiten. Darum geht Tariq Ramadan wie sein Großvater Hassan al-Banna auf die "ersten Sahaba" zurĂŒck. Die Beispiele aus der Geschichte zum Thema "friedlicher Islam" sind wie die gegenwĂ€rtigen Attentate der Islamisierung abtrĂ€glich. Der Missionierung zutrĂ€glich ist jedoch die inszenierte Opferrolle des Tariq Ramadan als "muslimischer Jude". In diesem Zusammenhang erwarte ich bald Kommentare, die beginnen mit: "Nie wieder Auschwitz!"

15. November 2005

Über Tariq Ramadan finden sich mehrere Artikel in meinem Archiv.

Anmerkungen

(1) "Ein verwĂŒstetes Universum". Das GesprĂ€ch fĂŒhrten die Redakteure Erich Follath und Romain Leick. Der Spiegel, 14. November 2005
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,384613,00.html

Tariq Ramadan. Rencontre avec l´Universel
http://www.tariqramadan.com/rubrique.php3?id_rubrique=0005

(2) CollĂšge de Saussure. Ecole d´enseignement gĂ©nĂ©ral. Les Ă©coles du postobligatoire. Site officiel de l´Ă‰tat de GenĂšve
http://www.geneve.ch/po/infos_generales/liste_ecoles_po/welc ome.html

(3) Autres cours/Other courses: Let-7 Ramadan Tariq Islam III: Introduction III; mercredi, 15-17 h. (tous les 15 jours). Université de Fribourg
http://www.unifr.ch/imr/E40page_anglais24.htm

(4) Tariq Ramadan
http://www.europarl.eu.int/hearings/20030617/afet/cv_tra.pdf

(5) St Anthony´s College, Oxford
http://www.sant.ox.ac.uk/mec/middleeastlectures.shtml

(6) About Tariq Ramadan, by Scott Appleby, Director, Kroc Institute for International Peace Studies, August 26, 2004
http://www.nd.edu/~krocinst/applebyramadan.htm

(7) Agenda. Arab Western Summit of Skills, Berlin, Germany, January 17-18, 2004
http://www.awsummit.org/agenda.htm

Photo # 3. Photos. Arab Western Summit of Skills, Berlin, Germany, January 17-18, 2004
http://www.awsummit.org/photos.htm

(8) The Charter of the Hamas. Ideological Starting-Points
http://www.hamasonline.org/indexx.php?page=Hamas/hamas_coven ant

(9) In the Middle of The Night (Foreword). By Tariq Ramadan, February 2001- February 2, 2005
http://www.tariqramadan.com/article.php3?id_article=0203&lan g=en

(10) Critique des (nouveaux) intellectuels communautaires, par Tariq Ramadan. Oumma.com, 3 octobre 2003
http://oumma.com/article.php3?id_article=719

(11) L´entrisme de Tariq Ramadan, par Cynthia Fleury et Emmanuel Lemieux, LibĂ©ration/Les droits de l´homme, 19 novembre 2003
http://www.aidh.org/dial_rel/tr_cynthia.htm

(12) Un pamphlet antisémite circule dans les milieux propalestiniens radicaux. Xavier Ternisien, Le Monde, 13 juin 2002
http://moise.sefarad.org/belsef.php/id/826/

(13) Aux sources du nouveau musulman. DŽal-Afghani à Hassan al-Banna un siÚcle de réforme islamique, par Tariq Ramadan. Coll. "Réligion en dialogue", Paris Bayard Editions/Centurion, 1998.

Aux sources du nouveau musulman, par Mondher Sfar, Paris. Studies in Religion / Sciences Religieuses. Revue canadienne/ A Canadian Journal, Volume 28 Number 3 / 1999
http://info.wlu.ca/~wwwpress/jrls/sr/issues-full/28.3/sfar.fr.html

(14) Islam for Europe. Speakers: Dr. Tariq Ramadan
http://www.islamicforumeurope.com/live/conference/speakers2. htm

(15) Islam for Europe. Speakers: Dr. Yusuf Al-Qaradawi
http://www.islamicforumeurope.com/live/conference/speakers.h tm

(16) Das Kreuz mit den Religionen. Internationale Politik April 2005, Nr. 4, S. 53 ff.
http://www.internationalepolitik.de/archiv/jahrgang2005/apri l2005/

(17) Les premiÚres pierres, par Tariq Ramadan, tariqramadan.com, 30 août 2005
http://www.tariqramadan.com/article.php3?id_article=0401

(18) Dhimmi Watch, by Robert Spencer, August 31, 2005
http://www.jihadwatch.org/dhimmiwatch/archives/007919.php

(19) L´Islam est devenu une religion europĂ©enne. Par Scott Capper, www.tariqramadan.com, 14 novembre 2005
http://www.tariqramadan.com/article.php3?id_article=0497

(20) The Silence of Moderate Muslims, by Bernard Haykel. Dawn.com, December 2, 2002
http://www.dawn.com/2002/12/02/op.htm#3

(21) Open letter to President George W. Bush From an "expelled" Muslim to an elected American. Tariq Ramadan. Al-Ahram Weekly Online, 20 - 26 January 2005, Issue No. 726
http://weekly.ahram.org.eg/2005/726/op11.htm

(22) islaminst · Cultural Institute of the Italian Islamic Community
http://groups.yahoo.com/group/islaminst/message/3643?source= 1

(23) Columns. Why moderate Muslims are silent, by Bernard Haykel. The Indian Express, December 21, 2002
http://www.indianexpress.com/full_story.php?content_id=15139

(24) International support for the complaint in Belgium against Ariel Sharon and others responsables because of their alleged ´crimes against humanity´ in the massacre in Sabra and Shatila. Centrum voor Islam in Europa (CIE)
http://www.flwi.ugent.be/cie/CIE/support_list.htm

(25) Les FrĂšres Musulmans. Dr Said Ramadan, 1926 - 1995, par M.H. Faruqi. Centre islamique Ă  GenĂšve
http://www.cige.org/historique.htm

(26) La charia incomprise. Par Hani Ramadan, directeur du Centre islamique de GenĂšve. Vu dans le Monde du 10 septembre 2002
http://www.comores-online.com/mwezinet/religion/charia.htm

(27) "Mon but est de faire évoluer les mentalités". Propos receuillis par Manuel Grandjean, Le Courrier, 25 novembre 2003
http://www.lecourrier.ch/

(28) Gamal al-Banna : "Tariq Ramadan n´est pas FrĂšre musulman", par Ian Hamel, Oumma.com, 10 novembre 2004
http://oumma.com/article.php3?id_article=1255

Tariq Ramadan. Le blog de Xavier Ternisien. France-Echos
http://www.france-echos.com/zone.php?cle=127

(29) Quand le journaliste se fait chercheur. A propos du dernier livre de X. Ternisien sur les « FrÚres Musulmans » Par Vincent Geisser, Oumma.com, 4 avril 2005
http://www.oumma.com/article.php3?id_article=1451&var_recher che=xavier+ternisien

(30) Tariq Ramadan, by Rania Al Malky, Egypt Today, October 2004 Campus Watch in the Media
http://www.campus-watch.org/article/id/1316

Vorwort zu Muslimsein in Europa. Untersuchung der islamischen Quellen im europÀischen Kontext. Von Tariq Ramadan. Leseprobe, Amana Online, 20. Dezember 2001
http://www.amana-online.de/pp/aa/muslimsein/tr_muslimsein_03 .shtml

(31) AnschlÀge in Amman. Al Qaida bezichtigt sich - mehr als hundert Festnahmen. Text: AP, hcr. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. November 2005
http://www.faz.net/


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2005-11-15_23-54-57.html
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