
"Finkielkraut verzichtet, die UJFP setzt sich durch"
Wer gemeint hat, nun ließen die Versuche allmählich nach, mittels Lügen und Gemeinheiten die Pläne zur gesellschaftlichen und medialen Vernichtung des Philosophen Alain Finkielkraut in die Tat umzusetzen, der kennt nicht die Ausmaße des Hasses, zu dem die Union Juive Française pour la Paix (UJFP), die französische Vereinigung der Juden für den Frieden (sic!) fähig ist. 16 Zeilen eines Infernos von Verleumdungen und Beleidigungen unter dem Titel "Finkielkraut verzichtet, die UJFP setzt sich durch" kommt über den Philosophen, die Einladung des Regionalrates Rhône-Alpes zu einer Konferenz über Laizität, in Lyon, am 15. Dezember 2005, betreffend. In dieser Stellungnahme stimmt vielleicht das Datum, sonst nichts. (1)
Selbst sein erklärter Feind Xavier Ternisien berichtet, daß Alain Finkielkraut derjenige sei, der auf die Teilnahme an der Konferenz verzichtet. (2)
Alain Finkielkraut sagt in der Sendung "Qui vive" des Radios der jüdischen Gemeinde RCJ, daß er sich die Entscheidung offenhalte; je nachdem, wie ihm am 15. Dezember zumute sei, nehme er an der Konferenz teil oder nicht. Die "Finkielkrautophobie" der französischen Medien treffe ihn. Er geht noch einmal ein auf seine Widersacher, die ihn in einem Artikel in "Le Monde", vom 6. Dezember, mit dem Komiker Dieudonné auf eine Stufe stellen: "Der schlimmste Albtraum wäre der einer öffentlichen Debatte, wo man nur noch Argumente ´à la Dieudonné´ oder ´à la Finkielkraut´ austauschte und auf die gleichen Methoden zurückgriffe - Fälschungen, Ablehnungen, Verdunklungen - die sich gegenseitig nährten", meinen dort Intellektuelle wie Benjamin Stora, Pierre Vidal-Naquet und Michel Wieviorka. (3)
Man sollte meinen, niederträchtiger könnte es in dem blindwütigen Haß nun nicht mehr kommen.
Die UJFP setzt aber weiter nach. Die Lügen zähle ich hier der Reihe nach auf, wobei die Stellungnahme der UJFP erkennen läßt, daß sie damit rechnet, daß der größte Teil ihrer Anhänger sich nicht die Mühe gemacht hat, genau zu lesen, anzuhören oder gar zu verstehen, was Alain Finkielkraut tatsächlich äußert. Dem Text der UJFP hingegen ist zu entnehmen, daß seinen Verfassern die entscheidenden Sendungen und Texte bekannt sind, vom 13. November in France 5, vom 18. November in der "Haaretz", vom 25. November in Europe 1. Sie kennen Alain Finkielkrauts Ansichten und seine Philosophie, sonst könnten sie nicht derartig gezielt und in knappen Worten ihr Lügengebäude errichten.
Entschuldigung und Doppelgänger setzt die UJFP in Anführungszeichen als angebliche Zitate des Philosophen. Weder den einen noch den anderen Begriff hat er in diesen Zusammenhängen je gebraucht.
Auf die infame, den Philosophen beleidigende Verkehrung und Verballhornung des berühmten Wortes von Emile Zola "J´accuse!" habe ich bereits in "Alain Finkielkraut, das Interviewerpärchen und die Geier (Teil 3)" hingewiesen. (5)
Die Meinung des Regionalrates ist allerdings nicht belegt. Sein Präsident, der ehemalige Minister Jean-Jacques Queyranne gehört dem Parti Socialiste an. Er wird von linken Globalisierungsgegnern als "Agent der Herren der Welt" bezeichnet, neben George W. Bush und den üblichen Verdächtigen der US-amerikanischen Politik. In Frankreich gehören dazu unter anderem Nicolas Sarkozy und Dominique Strauss-Kahn. Das Kriterium für das Verdikt ist die "Liberalität" der angeprangerten Persönlichkeiten. Sinnigerweise steht der 15. Dezember, an dem Alain Finkielkraut reden soll, unter dem Motto "Laizität und Meinungsfreiheit." (6)
Dieudonnés Brief sowie von geplanten Klagen kann man auf der Islamisten-Site www.Quibla.net, der "Online-Tageszeitung der freien und aktiven Muslime und ihrer Verbündeten" lesen, unter dem Titel: "Protokolle der Verrückten von Zion". Die teils linksradikalen, teils islamistischen Vereinigungen "Capjpo-EuroPalestine", "Mouvement Pluri-Ethique", "Oumma", "17 octobre 1961 contre l´Oubli" und "Droits Devant !" hätten ihre Anwälte beauftragt, Klage zu erheben gegen die Ausführungen des Alain Finkielkraut in der "Haaretz". "Capjpo-EuroPalestine" gibt dazu eine Erklärung des Bedauerns ab, daß der MRAP seine Klage aus unerfindlichen Gründen zurückgezogen habe, nun könne der Betroffene weiter in Presse und Rundfunk auftreten, und er hätte sich sogar den Luxus gegönnt, in "Le Monde" völlig straflos "J´assume" sagen zu können.
Man wolle hier nicht einmal auszugsweise Zitate der schändlichen Ausführungen bringen, nicht nur, weil dies der Justiz überlassen werde, der die Anwälte die Argumente liefern, sondern weil es heutzutage in Frankreich schlicht unmöglich sei, mittels der Presse diesem Individuum zu antworten. Alle großen Medien, ohne Ausnahme seien auf der Linie "man greift Finkielkraut nicht an." Diese Erklärung steht unter der lautmalerischen Überschrift im "Stürmer"-Stil: "Dépôt de plainte contre Finkielcrotte", Klageerhebung gegen Finkielkot bzw. Finkieldreck. (8)
Es ist aufschlußreich, daß die potentiellen Kläger nicht ein einziges Zitat bringen. An jedem Satz des Interviews kann belegt werden, daß keine der Anschuldigungen zutrifft. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen, daß die französischen Medien angeblich auf der Linie fahren, Alain Finkielkraut nicht anzugreifen. Das trifft leider nicht zu. Die in ihren Eifer und Geifer verbohrten linksradikalen und islamistischen Aktivisten scheinen unter schwerem Realitätsverlust zu leiden. Die Szenerie ist gespenstisch, und Menschen, die sich in der deutschen Geschichte des Dritten Reiches auskennen oder diese Geschichte gar erlebt und durchlitten haben, werden sich entsetzt abwenden.
Nun aber weiter mit der Vereinigung für den Frieden UJFP:
Die Verfasser des Textes verdrehen die Ansichten und die Lehre des Philosophen ins Gegenteil. Sie tun das nicht ohne Absicht. So gezielt blöde zu sein, wäre selbst für die UJFP eine zu hohe Kunst. Beachtlich ist auch, mit welcher Selbstverständlichkeit die UJFP bestimmt, daß der Philosoph in Lyon "seinen Platz nicht mehr habe." Das hat etwas vom autoritären Stil der Hamas, die sich ebenfalls im Besitze der Wahrheit wähnt und in Artikel 24 ihrer Verfassung den Anspruch verkündet, Individuen mit irrigen Ansichten zu warnen, sie nach Gutdünken zu korrigieren und ihnen den angemessenen Platz zuzuweisen: "Whenever those stands are erroneous, the Islamic Resistance Movement (= Hamas) preserves the right to expound the error and to warn against it. It will strive to show the right path and to judge the case in question with objectivity." (9)
Die UJFP sei prinzipiell der Freiheit der Meinungsäußerung aller verpflichtet, einschließlich derjenigen ihrer Feinde, und deshalb wolle sie nicht den juristischen Weg einschlagen, sondern den ideologischen, politischen und kulturellen Kampf gegen Alain Finkielkraut und seine Freunde weiterführen.
Das ist der Gipfel der Heuchelei. Diese Vereinigung wähnt sich im Besitz der Wahrheit, sie betrachtet Alain Finkielkraut und seine Freunde als ihre Feinde, sie spricht dem Philosophen seinen Platz in der Diskussion um die Laizität ab, aber eine Klage ficht sie genausowenig durch wie der Generalsekretär des MRAP Mouloud Aounit.
Da schlage ich den Feinden des Philosophen Alain Finkielkraut von der UJFP doch vor: zieht aus der Rue Voltaire aus, in der Ihr Eueren Platz noch nie hattet, in die gemütliche Gottfried-Herder-Straße, und abonniert die "Gartenlaube"!
14. Dezember 2005
Quellen
(1) Finkielkraut renonce, l´UJFP enfonce. Union Juive Française pour la Paix, 13 décembre 2005
http://www.ujfp.org/modules/news/article.php?storyid=56
mardi 13 décembre 2005 (10h48) : Finkielkraut renonce, l´UJFP enfonce. Bellaciao
http://bellaciao.org/fr/article.php3?id_article=21465
(2) Alain Finkielkraut renonce à se rendre à un colloque, par Xavier Ternisien, Le Monde, 9 décembre 2005
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0,36-719560,0.html
(3) Qui vive. Alain Finkielkraut et Jonathan Siksou, RCJ, 11 décembre 2005, 13H30 - 14H00
http://www.radiorcj.info/
démons français. Déclaration des 24, publiée dans Le Monde daté du 6 décembre 2005. Publiée par la Section de Toulon de la Ligue des Droits de l´Homme
http://www.ldh-toulon.net/article.php3?id_article=1064
(4) Banlieues : miroir des peurs françaises ? Interventions des invités, France 5, 13 novembre 2005
http://www.france5.fr/ripostes/D00069/111/130042.cfm
Ein Pogrom gegen die Republik, von Dror Mishani und Aurelia Smotriez (Haaretz, 18. November 2005). Übersetzt aus dem Englischen von Jacob Gerson. Die Welt, 10. Dezember 2005
http://www.welt.de/data/2005/12/10/814875.html
Finkielkraut sur Europe 1. Verbatim de l´émission, Nouvel observateur, 25 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/
(5) Alain Finkielkraut, das Interviewerpärchen und die Geier (Teil 3). Das Elend der elenden französischen Medien, 9. Dezember 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-12-09_05-12-28.html
(6) Les agents des "Maîtres du Monde"
http://perso.wanadoo.fr/metasystems/Agents.html
La laïcité - une question à présent. La Région Rhône-Alpes, Lyon, 13, 14, 15 décembre 2005, 18H30 à 22H30
http://www.rhonealpes.fr/content_files/prog_laicite.pdf
(7) Dieudonné veut porter plainte contre Alain Finkielkraut. Nouvel Observateur.com, 29 novembre 2005
http://permanent.nouvelobs.com/
(8) Protocoles des fous de Sion. fwww.Quibla.net. Le quotidien online des Musulmans libres et actifs et leurs alliés
http://quibla.net/protocoles/protocoles136.htm
(9) The Covenant of the Islamic Resistance Movement, 18 August 1988. The Avalon Project at Yale Law School
http://www.yale.edu/lawweb/avalon/mideast/hamas.htm