
Ilan Halimi. Die Jungle World berichtet aus Paris
Heutzutage ist man bei der Beurteilung krimineller Taten, bei denen Muslime als Täter und Juden als Opfer vorkommen, vorsichtig. Schnell sind massenweise beleidigte Mitglieder der Ummah unterwegs, sie fackeln Autos zu Hunderten ab, lynchen einen Fotografen von Laternenmasten, überschütten eine gehbehinderte ältere Frau im Bus mit Benzin und zünden sie an. Es kommt auch vor, daß sie Molotowcocktails aus zu Moscheen umgewidmeten Lagerräumen und Garagen auf Polizisten werfen. Solche verständlichen Reaktionen gedemütigter junger Muslime dürfen nicht von Berichterstattungen darüber provoziert werden. Gerade in den letzten Wochen ist alle Welt Zeuge der Reaktionen der tiefverletzten Ummah auf zwölf dänische Mohammed-Karikaturen, und das Amtsgericht Lüdinghausen ist aufgefordert, angemessen auf die Protestnote der mit Deutschland politisch und geschäftlich befreundeten Islamischen Republik Iran auf mit dem Wort Koran bestempelte Lokuspapiere zu reagieren.
Vorsicht lassen vor allem solche linken Medien, Zeitungen und Online-Auftritte walten, die sich unermüdlich im Kampfe gegen den rechten Antisemitismus profilieren. Da können nicht genügend braune Beispiele aufgeführt werden, um zu beweisen, daß die rechte Gefahr weder ruht noch schläft. Ein solches Beispiel von vielen findet sich in der Jungle World Nr. 9/2006, vom 1. März 2006. (1)
Doch wie´s da drin aussieht, geht niemand was an, herinnen, im Mainstream, der bis weit in diese linken Kreise reicht.
So hört denn kaum einer der linken Berichterstatter in den Vorstädten von Paris Rufe wie Allah Houakhbar! und Für die Palästinenser und Jerusalem! sondern die Taten der jeunes sind gesellschaftlichen Ursprungs und allein ihrer Marginalisierung geschuldet. Der Philosoph Alain Finkielkraut, der die Tatsachen benennt, wird diskreditiert, beleidigt und mit Morddrohungen überzogen. Es ist auch schick, ihn als Quatschphilosophen zu verunglimpfen. Die armen Jungen - denn Mädchen und Frauen sind aus diesen Krawallen immer ausgeschlossen und warten hinter vorgezogenen Gardinen darauf, daß ihre Männer und Brüder nach Hause kommen und mit dem Strafen und Prügeln bei ihnen weitermachen, die armen Jungen müssen sich Geld beschaffen, um den von ihnen so eindrucksvoll abgelehnten westlichen Lebensstil pflegen zu können.
Solches Geld vermuten sie gesellschaftskonform bei Juden; die sind angeblich reich und mächtig, und wenn nicht der einzelne, so doch die jüdische Gemeinde. Dieser Antisemitismus mit seinen Stereotypen besteht in Frankreich seit der Dreyfus-Affäre ungebrochen fort. Der Präsident der Republik Jacques Chirac und seine diversen Regierungen unternehmen auch heute nichts wirklich Effizientes dagegen, vielmehr können die Herrscher der arabischen Staaten das Verhalten des Jacques Chirac als das eines echten Arabers würdig loben. (2)
Die Jungle World, in der man oft sehr gute Artikel liest, beispielsweise die von Ivo Bozic, widmet ihre Ausgabe Nr. 9/2006, vom 1. März 2006, dem Mord an dem Juden Ilan Halimi. Zum Füllen der Seiten beschäftigt sie neben den anerkannten Autoren Beate Klarsfeld und Tjark Kunstreich auch andere. Was soll man machen, wer soll detailreiche kundige Berichte vom fernen Tatort Paris liefern? Überprüfen kann die Redaktion in Berlin eh nix, es hilft nur der Glaube. (3)
Hier im parisfernen Perpignan steht schon seit Mitte Februar in den durchaus nicht juden- und israelfreundlichen Provinzblättern Midi Libre und Indépendant, daß sich die Bande des barbares des Youssouf Fofana auf die Entführung von Juden konzentriert hätte, weil die reich sind. So sagen die Inhaftierten es aus, und so beweist es auch die Auswahl der für eine Entführung vorgesehenen Personen. Die sind entweder Juden oder werden dafür gehalten. Schon vor zwei Wochen meldet sich in den französischen Medien der Jude Michael, ein Opfer, dem es gelingt, den Entführern der Bande zu entkommen. Der Kofferraum des Transportfahrzeugs steht schon offen ...
Die Erkenntnisse der Jungle World sind nicht weiter gediehen als die des Staatsanwaltes vor knapp zwei Wochen
Am 20. Februar entschließen sich die beiden Ermittlungsrichter Corinne Goetzmann und Baudouin Thouvenot, antisemitische Gründe in die Untersuchungen einzubeziehen: Entführung, Freiheitsberaubung, Bildung einer kriminellen Vereinigung, vorsätzlicher Mord auf Grund der Zugehörigkeit des Opfers zu einer bestimmten Religion. Von vermeintlicher Zugehörigkeit steht nichts dort, das dichtet die Jungle World hinzu. (4)
Am 22. Februar schreiben meine mediterranen Blätter, daß der Staatsanwalt der Republik Jean-Claude Marin keinen antisemitischen Zusammenhang erkenne. Es ist derselbe untertänige Staatsanwalt, der im Auftrag des französischen Justizministers ein Ermittlungsverfahren im Skandal um die 2004 und 2005 im Irak entführten drei Journalisten gegen Didier Julia eröffnet, obgleich er und der ebenso willfährige Ermittlungsrichter Jean-Louis Bruguière sich hinter vorgehaltener Hand amüsieren, weil die Akte leer sei: (5)
Der angeblich so unbestechliche Antiterrorismusrichter Jean-Louis Bruguière wird von seinen Kollegen "der Admiral" genannt, er taugt aber nicht einmal zum Kielschwein. (Anm. 3) Er weigert sich nicht etwa, als der Justizminister Dominique Perben mit Unterstützung des Premierministers Jean-Pierre Raffarin und des Außenministers Michel Barnier ihn mit der Eröffnung eines Verfahrens beauftragt, sondern er führt als gehorsamer Untertan die Anordnungen der Regierung aus. Unter der Hand teilen er, der Staatsanwalt der Republik Jean-Claude Marin sowie auch andere Beamte des Justizministeriums mit, dass "die Akte leer" und die Unterlagen für eine "Untersuchung über die Zusammenarbeit mit einer fremden Macht" nicht stichhaltig seien: "Man feixt sich eins auf der Galerie Saint-Eloi, dem befestigten Bereich des Justizpalastes, wo die Sektion Antiterrorismus residiert".
Während selbst der Staatsanwalt inzwischen antisemitische Zusammenhänge einräumt, verharrt die Berichterstattung der Jungle World weiterhin in Vermutungen. Wer in Google.fr unter Actualités nachschaut, bekommt an die 70 Angebote, die vor Drucklegung der Jungle World im Internet aufzurufen sind, darunter überregional bekannte Zeitungen. Dennoch liest man in der Jungle World eines Revolverblattes würdige Einzelheiten über den Ablauf des Mordes in der Art am Schluß stachen sie ihm mit einem Messer zweimal in den Hals.
Unterschlagen wird die seit Tagen bekannte Tatsache, daß es sich bei dem Lockvogel für Ilan Halimi um ein 17-jähriges iranisch-stämmiges junges Mädchen aus Sceaux handelt, wie der Figaro bereits am 27. Februar berichtet: sie hat gestanden, Ilan Halimi in seinem Telefonladen, am Boulevard Voltaire am 17. Januar angesprochen zu haben, bevor sie das tödliche Rendez-vous am 20. Januar in Sceaux vereinbarte (unsere Ausgaben vom 27. Februar), schreiben Christophe Cornevin und Cyrille Louis im Figaro. (6)
In der Jungle World heißt es dazu: Die 16-jährige, die im Auftrag einer Bande agierte, wurde am vorigen Freitag in Aulnay-sous-Bois festgenommen. Nicht erwähnenswert ist der Jungle World die Herkunft des Lockvogels, einer iranisch-stämmigen ehemaligen Freundin des 25-jährigen Bandenchefs Youssouf Fofana. Dieser und weitere Lockvögel sollen gar außenstehende Personen sein, die nicht in die Motive der Entführer eingeweiht sind. Vielleicht befürchtet der Berichterstatter eine Protestnote der Islamischen Republik Iran oder gar eine Morddrohung der Hezbollah, wenn er die Fakten berichtet, oder sollen hier einmal mehr die islamistischen Hintergründe der Täter linksbündig verschleiert werden?
Die verfehlte Geldübergabe an die Bande und die zwischen 50 000 und 450 000 Euro schwankende Lösegeldsumme werden ohne jeden Kommentar gebracht: nach Angaben der Ermittler machte sie immer dann, wenn es darum ging, eine konkrete Geldübergabe vorzuschlagen, einen Rückzieher, heißt es schlicht. Es sei der erste von der Brigade criminelle mit hundert Polizisten verfolgte Entführungsfall, der mit dem Mord an dem Entführungsopfer ende, weiß der Präsident des European Strategic Intelligence and Security Centers (ESISC) Claude Moniquet in seiner sehr lesenswerten Kurzanalyse zum Thema des antisemitischen Mordes an Ilan Halimi. Als Grund wird genannt, daß der Gruppe das Lösegeld im Laufe der Zeit immer weniger wichtig ist. (7)
Stattdessen bedeutet der Bande das Quälen ihres jüdischen Opfers mehr als das Geld; denn bei der ihr bescheinigten hohen technischen Kompetenz wäre sie genauso in der Lage gewesen, die Entführung professionell durchzuziehen und einen nicht unbeträchtlichen Geldbetrag abzuschöpfen. Warum läuft es nicht so? Vermutungen oder gar Erklärungen der Jungle World dazu sucht man vergebens, obgleich sie naheliegen.
Claude Moniquet schreibt bereits am 24. Februar, daß der Entführungsfall zwar des Lösegeldes wegen beginnt, daß er aber nach Zeugenaussagen der beteiligten Täter von Anfang an unter den antisemitischen Wahnvorstellungen des Haupttäters Youssouf Fofana abläuft: man kann denken, daß die antisemitische Motivation und der Rassenhaß mehr oder weniger schnell die Oberhand gewonnen haben vor allen anderen Beweggründen. Zunächst gibt es eine absolute Offensichtlichkeit: wenn der Profit der einzige Antrieb der Entführer gewesen wäre, hätte es keinen Bedarf daran gegeben, Ilan zu foltern. Der finanzielle Aspekt sei hinter dem rassistischen, antisemitischen zurückgetreten. Man habe das Opfer nicht nur leiden sehen, sondern es auch demütigen und erniedrigen wollen, sagen die Inhaftierten aus.
Wenn Ilan nicht Jude gewesen wäre, wäre er nicht ermordet worden, erklärt seine Mutter bereits am 20. Februar 2006 gegenüber Assaf Uni, von der israelischen Zeitung Haaretz, und AFP verbreitet am selben Tag die Mitteilung in Frankreich. Die Jungle World hat dazu am 1. März 2006 nur dürre Worte:
Wie Le Monde berichtete, sollen bei den Telefonaten von Fofana mit den Angehörigen des Opfers auch mehrfach antijüdische Beschimpfungen geäußert worden sein, es habe auch geheißen: "Geht in euren Synagogen betteln."
Nur am Rande werden die antijüdischen Beschimpfungen und die Koran-Rezitationen erwähnt und dazu Le Monde mit sollen und es habe auch geheißen zitiert, obgleich die Familienmitglieder des Opfers dies mehrfach geäußert haben. Es ist seit Wochen in den Medien von Frankreich über die USA bis Israel nachzulesen. Wenn es deutlicher formuliert würde, gewönne der Antisemitismus über das eingestandene Maß der nebensächlichen sekundären Rolle hinaus an Bedeutung. Dagegen hat schon der Staatsanwalt der französischen Republik Jean-Claude Marin etwas. Wie dieser vertritt der Berichterstatter der Jungle World offen die französische Staatsräson.
Die Jungle World spielt den antisemitischen und islamistischen Hintergrund des Mordes herunter
Statt Fakten zu bringen, ergeht sich der Berichterstatter der Zeitung in länglichen Detailschilderungen aller Art und stellt seine eigenen beschränkten Vermutungen an über die Absichten der Bande: Es ging der Bande vermutlich nicht primär darum, Juden zu treffen. Wohl aber ging die gedankliche Assoziation von "Juden" mit "Geld" in das Tatmotiv mit ein.
Seit Wochen bekannte Tatsachen werden unterdrückt, stattdessen blühen Vermutungen, die den Amtisemitismus der Tat sowie die islamistische Komponente in den Hintergrund treten lassen. Von dem am Mord beteiligten und jetzt inhaftierten Bandenmitglied, bei dem es sich um einen zum Islam konvertierten jungen Franzosen handelt, ist gar nicht die Rede, sondern von Jugendgewalt.
Das Herunterspielen des islamistischen Aspektes ist schon von der linken Berichterstattung über die Novemberkrawalle in den französischen Vorstädten bekannt. Da wird das mit einer verbohrten Hartnäckigkeit betrieben, die bislang beispiellos ist. Noch heute leugnet die französische Linke trotz erdrückender Beweise mehrheitlich den ethnisch-religiösen Hintergrund der Novemberkrawalle. Den will auch der Staatsanwalt Jean-Claude Marin im Fall des Ilan Halimi nicht wahrhaben.
Zwar seien bei den Familien von einigen der Täter salafistische Materialien gefunden worden, aber das findet der Staatsanwalt nicht bedeutend, das heiße noch nicht, daß die Täter eine tatsächliche Verbindung zu islamistischen Kreisen hätten. Solche Propaganda könne die moralische Rechtfertigung für die verbrecherischen Taten liefern, meint Claude Moniquet und liegt damit sicherlich nicht falsch, werden doch die Gruppenvergewaltigungen von ungläubigen Schlampen, die tournantes, ebenso gerechtfertigt. Der Staatsanwalt ermittelt mehr unter dem Aspekt der Zurückweisung der armen muslimischen Täter durch die Mehrheitsgesellschaft und befindet sich damit mitten im Mainstream. (5)
Bei dem in den Familien gefundenen Schriften handelt es sich laut Innenminister Nicolas Sarkozy unter anderem um solche der Terrorgruppe Comité de bienfaisance et de secours aux Palestiniens (CBSP) und um weitere salafistische Pamphlete. Auf der Site des CBSP werden Kassetten der Hamas mit der Aufforderung zu Selbstmordattentaten zum Kauf angeboten. Um Nicolas Sarkozy eins auszuwischen, wird die Brisanz des Materials vom Autor der Jungle World herruntergespielt. Es stammt aus den Kreisen des Muslimbruders und Predigers Yussuf al-Qaradawi, der auch die Campagne de 101 Jours, die Kampagne der 101 Tage anleitet.
Beispielsweise sammelt unter Aufsicht von 15 Scheichs aus arabischen Staaten und aus Großbritannien die Campagne "101 jours" pour soutenir le peuple palestinien (Kampagne "101 Tage" zur Unterstützung des palästinensischen Volkes), gespickt mit reichlich Sprüchen von Allah und einem Emblem, auf dem ganz Palästina einschließlich Israels abgebildet ist, auch das CBSP Geld für die Familien der Selbstmordattentäter, für Palästinenser, die im Zusammenhang mit der Al-Aqsa-Intifada ihre Arbeit verloren haben und für alle diejenigen, die seit Jahren unter der israelischen Besatzung leiden, und benutzt so die Lage der bedauernswerten Menschen dort, um für die Hamas und ihre bewaffneten Aktionen Mittel zu beschaffen. Sogar Bankzinsen werden als Spenden angenommen.
An dieser Spendenkampagne nehmen 27 Wohltätigkeitsvereine, u.a. die inzwischen auf die Terrorliste sowohl der USA als auch der EU gesetzten CBSP, ASP, Interpal, PVOE sowie Sanabil teil, residierend in Frankreich, Großbritannien, Oesterreich und der Schweiz sowie im Libanon (Sanabil). (8)
Der CBSP ist regelmäßig Geld sammelnd bei den Treffen der Union des Organisations Islamiques de France (UOIF) vertreten, die Nicolas Sarkozy selbst dem Conseil français du culte musulman (CFCM) eingegliedert hat. Im April 2003 ist Nicolas Sarkozy Ehrengast der Jahresversammlung der UOIF. Im April 2005 werden Kassetten, die zum Glaubenskrieg und zur Ermordung von Juden aufrufen, auf dem Treffen der UOIF in Le Bourget verkauft. Der CBSP besitzt die Frechheit, das Simon Wiesenthal Zentrum juristisch zu belangen, weil das Zentrum behauptet, der CBSP sammle Gelder für den Terrorismus. Auch die Politologin und Buchautorin Fiametta Venner, die über die Tätigkeit der Islamisten und dabei auch des CBSP publiziert, wird von diesem juristisch verfolgt.
Ein weiteres Mittel, vom Antisemitismus abzulenken, ist die Betonung der psychischen Komponente der Tat. Es wird von den Ermittlern in Zusammenhang mit jüdischen Opfern meistens so dargestellt, daß die muslimischen Täter Psychopathen und Perverse sind, was immer das heißen mag. Ungern wird von den Ermittlern die ethnisch-religiöse Komponente, die bei vielen die Grundlage der Tat ist, in die Untersuchungen einbezogen.
Der Fall des Mordes an Ilan Halimi ist nicht der erste, in dem die Täter von der französischen Justiz als verrückte Psychopathen und Einzeltäter ohne antisemitischen Hintergrund dargestellt werden. So sieht´s auch die Jungle World. Sie verzichtet darauf, die weiteren Fälle zu erwähnen.
Einer dieser Art ist der des 23-jährigen Juden Sébastien Selam oder Sellam, bekannt als Disc Jockey Dj Lam.c. Er wird im November 2003 von einem arabischen Nachbarn bestialisch ermordet, den er schon als Kind kennt und mit ihm in der Grundschule war. Der Mörder sagt zu seiner Mutter: Ich tötete Lam C, ich tötete einen Juden, ich habe meine Mission vollendet. Das antisemitische Motiv wird heruntergespielt oder verneint, obgleich die Familie des Mörders seit langem als rassistisch und antisemitisch bekannt ist. Sie reißt die Mezuzah der Familie Sellam von deren Tür und schneidet einem Hahn dort den Hals durch. Die Polizei verfolgt diese Spur nicht. Der Täter, der zum Schutz seiner Persönlichkeit und dem seiner Familie nur mit Vornamen bekannt gemacht wird: Adil oder Adel, verschwindet in der psychiatrischen Klinik von Villejuif. Es ist nicht sein erster Aufenthalt dort.
Auf der Site der jüdischen Gemeinde wird der Mord als Tat einer Art morbiden Neides gegenüber jemandem, der zu viel Erfolg hat, als wahres Motiv der Tat dargestellt, und nicht als welch ein versteckter Rassismus auch immer. Autorin dieses Berichtes ist Catherine Garçon. Ihr Bericht auf der Site Actualité juive ist beim CRIF nicht mehr aufzurufen, und die Autorin bei Google.fr nicht aufzufinden. Sie heißt nämlich Catherine Garson, was sowohl dem CRIF als auch communauté online nicht entgangen sein kann. Auf dem Forum von communauté online findet man noch Informationen. Die dort geposteten Links sind inzwischen alle gelöscht. Niemand aus der jüdischen Gemeinde kümmert sich um die Familie. So berichtet es die Mutter des Opfers gegenüber dem FrontpageMagazine.com. So wird es im November 2003 auf jüdischen Foren diskutiert. FrontpageMagazine.com listet in den zitierten Artikeln weitere antisemitische Aggressionen auf. (9)
Am selben Abend, an dem Sébastien Sellam umgebracht wird, geschieht in Paris ein Mord an einer Jüdin. Der 37-jährige Mohamed Ghrib ersticht die 53-jährige Chantal Piekolek in ihrem Schuhgeschäft, in der Avenue de Clichy. Später wird berichtet, nicht sie, sondern nur ihr Mann wäre jüdisch, was die Tat des als Antisemit bekannten Mohamed Ghrib nun nicht mehr als gegen Juden gerichtet aussehen läßt. Von der französischen Regierung und ihren Ermittlungsbehörden bis zur jüdischen Gemeinde wird ein antisemitisches Motiv der Tat verdrängt. (10)
Im Falle des Ilan Halimi geht die Polizei zunächst ähnlich vor. Die Ermittler entdecken die Faszination des Youssouf Fofana fürs Perverse, für die barbarische Gewalt, um auch ihn als verrückten Täter ohne antisemitischen islamistischen Antrieb vorzuführen, Diese Einschätzung kolportiert die Jungle World unhinterfragt. Nicht die anti-jüdische Neigung, sondern nur die zur Gewalt wird dem Täter von den Ermittlern bescheinigt. Hass auf Juden als leitendes Motiv der Entführung wird von der Staatsanwaltschaft nicht angenommen, scheint jedoch zumindest eine sekundäre Rolle bei der Auswahl der Opfer und möglicherweise bei der psychischen Enthemmung gegenüber dem Wehrlosen gespielt zu haben. Hier wird die Aussage des Staatsanwaltes lückenlos mit eigenen Ansichten zur Tat vermengt. Der Berichterstatter der Jungle World vermeint auch zu wissen, welche Komponenten eine primäre und welche eine sekundäre Rolle gespielt haben, obgleich ihm anderseits seit zwei Wochen bekannte Tatsachen und seit Jahren bekannte ähnliche Fälle nicht geläufig sind.
Mit dieser Ignoranz steht er allerdings nicht allein, sondern er befindet sich in bester Gesellschaft. Roger Cukierman, der Präsident des CRIF persönlich, spielt die beiden Morde vom November 2003 herunter; sie zählen für ihn gar nicht. Wenn Ilan Halimi aus antisemitischen Gründen ermordet worden wäre, handelte es sich dabei um den ersten Fall nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung. Der CRIF macht die drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Dafür wird er Jahr für Jahr vom Premierminister Frankreichs und der Hälfte seiner Regierungsmannschaft auf dem berüchtigten Dîner des CRIF beehrt und lauscht den hohlen Reden - diesmal des Dominique Galouzeau de Villepin, am 20. Februar 2006. Wer Interesse an den leeren Sprüchen hat, der kann noch eine Weile den O-Ton hören. Den Text stellt der Premierminister am folgenden Tag auf seine Site. (11)
In der Jungle World findet man nichts über die Ausbildung, oder besser die zahlreichen Versuche, die von der französischen Gesellschaft unternommen werden, dem Anführer der Bande, dem 25-jährigen Youssouf Fofana, eine Ausbildung angedeihen zu lassen. Dessen schulische Karriere liest sich im Figaro der Reihe nach so: schulisches Versagen, Wiederholung der sechsten Klasse, Wiederholung der fünften Klasse, Ausbildung als Techniker, entlassen aus der ersten Ausbildungsfirma durch deren Disziplinarausschuß, Eintritt in eine andere Ausbildungsstätte, in Montrouge, Eintritt in ein technisches Gymnasium, in dem er zwei Jahre lang Klempner lernt, unregelmäßig zum Unterricht erscheint und sich aufspielt, aber dennoch ein Certificat d´Aptitude Professionnelle (C.A.P.), eine Bescheinigung als qualifizierter Arbeiter erhält, nicht jedoch das Brevet d´Etudes Professionnelles (B.E.P.), ein Diplom zum Eintritt in das Berufsleben. Stattdessen verbringt er im Laufe seines Lebens mehrere Jahre in den Gefängnissen Frankreichs. (12)
Moral
Es vergeht kein Februar irgendeines Jahres, da auf dem berühmten Dîner des Conseil Représentatif des Institutions juives de France (CRIF), der den jeweiligen Premierminister Frankreichs als Ehrengast begrüßt, nicht traurige Ereignisse besprochen werden müssen, die dazu führen sollten, daß der CRIF diese Feiern solange einstellt, bis sich die französische Regierung endlich dazu bequemt, wirksam gegen den Antisemitismus vorzugehen. In meinem Archiv finden sich einige Artikel zum Thema Dîner des CRIF. Berichtet wird von den Dîners 2003, 2004 und 2005. Dieser Artikel über Ilan Halimi mag als der Bericht zum Dîner des CRIF 2006 genommen werden. Die Reden des Präsidenten des CRIF Roger Cukierman wiederholen sich. Jedesmal sind üble antisemitische Ausschreitungen zu beklagen. Im Beisein höchstrangiger Vertreter der französischen Regierung gibt es immer wieder dasselbe, die Juden fordern Aufklärung über antisemitische Verbrechen, sind besorgt, und die Antwort des Premierministers ist eine einzige Heuchelei. So ist´s bei Jean-Pierre Raffarin, so ist´s bei Dominique Galouzeau de Villepin, und so sollte es im Jahre 2007 nicht mehr sein. (13)
Die Knallchargen können sich woanders durchfressen und besaufen!
2. März 2006 - am 3. und 4. März 2006 ergänzt um Informationen über zwei weitere antisemitisch motivierte Morde (Anmerkungen 9 bis 11).
Quellen
(1) "Acht Menschen und elf Juden", von Henryk M. Broder, Tagebuch der Achse des Guten, 2. März 2006
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1983&ref=0
(2) Eine leuchtende Episode der Arabienpolitik des Jacques Chirac. Dokumentation, 16. Februar 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-02-16_13-59-19.html
(3) Geld vom Juden. Jungle World Nr. 9, 1. März 2006
http://jungle-world.com/seiten/2006/09/7258.php
(4) "Le gang des barbares", des crapules antisémites ? Par Dominique Salomon, Le Petit Journal, 21 février 2006
http://www.lepetitjournal.com/content/view/4132/315/
(5) Die französische Regierung kooperiert mit dem irakischen Widerstand, 5. Januar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-01-05_17-50-30.html
(6) Extradition de Fofana : les raisons de l´imbroglio. Par Christophe Cornevin et Cyrille Louis. Le Figaro, 1 mars 2006
http://www.lefigaro.fr/france/20060301.FIG000000013_extradit ion_de_fofana_les_raisons_de_l_imbroglio.html
(7) L´Affaire Ilan Halimi : Autopsie d´un meurtre antisémite et de son contexte, tentative de prospective sur l´évolution probable de l´hyper violence. Par Claude Moniquet, Président de l´ESISC, Note d´analyse, 24 février 2006
http://www.esisc.org/Ilan%20Halimi.pdf
(8) Campagne 101 Jours
http://cbsp.free.fr/101days/campagne.htm
Die terroristische Organisation Hamas - ein tödlicher Kult, 12. November 2003 (im Bereich der Anmerkung 14)
http://www.eussner.net/artikel_2004-03-18_20-07-55.html
(9) Hommage à notre ami Lam.c. Par L´Equipe de 50o
http://www.col.fr/article-371.html
Mother of French Jewish Murder Victim Speaks Out, by Nidra Poller, FrontpageMagazine.com, March 12, 2004
http://frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=12559
Drame de la jalousie : assassinat d´un DJ à Paris, Actualité juive, Catherine Garçon, communauté online, 29 novembre 2003
http://www.col.fr/breve-666.html
Discus, Les commentaires d´Harissa. Archive jusqu´au 24/novembre/2003-2
http://www.harissa.com/discus/messages/97/7202.html?10697078 29
(10) Ritual Murders of Jews in Paris, by Alyssa A. Lappen, FrontpageMagazine.com, December 4, 2003
http://www.frontpagemag.com/Articles/ReadArticle.asp?ID=1106 2
Fin de cavale pour Mohammed Ghrib, par Farid Souiah, FidèsJournal.com, 25 novembre 2003
http://fidesjustice.free.fr/html/traque.html
(11) Verbrechen aus Judenhaß? Von Joseph Hanimann, Paris, Faz.net, 23. Februar 2006
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc ~E7DB0921043E44E529A5F128F1B8C1B1D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Discours de Dominique de Villepin au CRIF. La Radio de la Communauté Juive (RCJ), 21 février 2006
http://www.radiorcj.info/
Allocution du Premier ministre au dîner du CRIF. Portail du Gouvernement. Le Premierministre, 21 février 2006
http://www.premier-ministre.gouv.fr/acteurs/interventions-pr emier-ministre_9/discours_498/allocution-premier-ministre-di ner_55376.html
(12) Le certificat d´aptitude professionnelle (CAP)
http://www.education.gouv.fr/enspro/cap.htm
Le brevet d´études professionnelles (BEP)
http://www.education.gouv.fr/enspro/bep.htm
(13) Au dîner du CRIF, M. Cukierman demande "solennellement toute la vérité". Par Jean-Baptiste Montvalon, Le Monde, 21 février 2006
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3226,36-743495@51- 736249,0.html
Dieudonné und das Dîner des CRIF, 24. Februar 2005
http://www.eussner.net/artikel_2005-02-24_16-23-00.html
Der Fernsehsender Al-Manar TV, die französische Regierung und der CRIF - mit einer Ergänzung, vom 15. August 2005
http://www.eussner.net/artikel_2004-11-21_02-47-37.html