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Die Weigerung, einen Krieg Krieg zu nennen

Nach Beendigung der Lekt├╝re des Buches The Dunces of Doomsday, etwa die d├╝mmsten Personen aller Zeiten, bin ich ratlos. Paul L. Williams ist klug, seinen letzten Kegelhut und einen exponierten Platz auf einem hochbeinigen Stuhl, damit alle den Dummkopf auch gut sehen k├Ânnen, bekommt er als Schuljunge. Heute stellt er uns zehn blunder, gravierende Fehler, der US-Politik vor und benennt die Verantwortlichen, denen er die Kegelh├╝te aufsetzt, die dunce caps. (1)

Er legt so richtig los ├╝ber die Gr├╝nde f├╝r den Aufstieg des radikalen Islam, und ich darf dar├╝ber sinnieren, warum in den letzten drei├čig Jahren die f├╝nf US-Pr├Ąsidenten Jimmy Carter, Ronald Reagan, George H. W. Bush, Bill Clinton, George W. Bush und ihre jeweiligen Minister und Berater, Hunderte allein im engeren Kreis, mit direktem Zugang zu den Pr├Ąsidenten, derartig bl├Âde sind, Dummk├Âpfe, die Kegelh├╝te verdienen, Paul L. Williams aber alles durchschaut. (2)

Warum nur f├Ąllt mir dabei der Witz ein: Achtung, Durchsage! Ein Geisterfahrer befindet sich auf der Autobahn A1! und jemand hinterm Steuer seines Autos murmelt vor sich hin: Was hei├čt hier einer? Hunderte!

Paul L. Williams auf seiner Geisterbahn geht in die vollen und f├Ąhrt seine Ladung, die in den zehn Abschnitten pr├Ąsentierten sehr lesenswerten Tatsachen, gegen die Bande. Dort darf man sie aufsammeln und m├╝hevoll in ihre komplexen Zusammenh├Ąnge zur├╝cksetzen. Den Feind zu definieren und zu entlarven, bedeutet immer auch, das Problem zu verk├╝rzen. Der Feind hei├čt Islam - das k├Ânnte jeder zurecht behaupten, der nur die Grundz├╝ge der 1400 Jahre w├Ąhrenden Geschichte der sengenden und erobernden Muslime studiert h├Ątte, und der sich die heutige Verfa├čtheit sowie die politischen Ma├čnahmen der islamischen Staaten und islamischer Gesellschaften, Gemeinden und Terrorgruppen ansieht, von Marokko bis zu den Philippinen und den islamischen Vereinigungen in Europa und den USA. Dennoch reicht diese Erkenntnis nicht aus, Politik zu machen, sie reicht erst recht nicht aus, ├╝ber Politik zu urteilen. Ein Blick in die Geschichte h├Ątte gereicht.

Der Feind ist der Islam, das ist seit dem 7. Jahrhundert d.Z. bekannt. Trotz der arabischen Eroberungen, st├Ąndiger ├ťberf├Ąlle der Araber auf byzantinisches Territorium sowie Verlust der Seeherrschaft der Byzantiner k├Ąmpfen christliche Slawen und Bulgaren gegen das christliche Byzanz, das sich nach allen Seiten zu wehren hat. Warum machen sich die r├Âmisch-katholischen Kreuzz├╝gler ├╝ber die Stadt Konstantinopel und ihre Umgebung her und pl├╝ndern sie aus, anstatt gemeinsam mit den Byzantinern gegen die muslimischen Osmanen vorzugehen? Unter dem Einfluss Venedigs eroberten die Ritter des vierten Kreuzzuges 1204 Konstantinopel und gr├╝ndeten das kurzlebige Lateinische Kaiserreich. Damit schw├Ąchten sie jedoch die byzantinische Macht dauerhaft, was fatale Folgen haben sollte, liest man im exzellenten Wikipedia-Artikel. (3)

Warum wird Manuel II. Pal├Ąologus, der byzantinische Kaiser, Weihnachten des Jahres 1400 von Henry IV in England wie ein Bettler empfangen und abgespeist? Er war auf verzweifelter Suche nach Hilfe gegen die Ungl├Ąubigen, die sein Reich umklammert hielten, schreibt Steven Runciman auf der ersten Seite seines Klassikers Die Eroberung von Konstantinopel. (4)

Warum entsendet der franz├Âsische K├Ânig Fran├žois I im Jahre 1535 einen Botschafter an die Hohe Pforte und schlie├čt im folgenden Jahr einen politischen und wirtschaftlichen Vertrag mit Sultan S├╝leiman Kanuni, genannt der Pr├Ąchtige? Der Vertrag firmiert bei den Franzosen unter dem Begriff Convention commerciale, Wirtschaftsvereinbarung, bei den T├╝rken aber unter dem Dhimmi-Begriff Kapit├╝lasyonlar, Kapitulation, Fremdenprivileg. Von da an unterst├╝tzt die t├╝rkische Flotte die Franzosen in ihren Aktionen gegen die Italiener, die mit den Franzosen im Streit um Mailand liegen. Muslime gehen gemeinsam mit Christen gegen Christen vor.

Frankreich bekommt schon zu der Zeit nicht nur einen Eindruck davon, was im Islam Dhimmi bedeutet, sondern auch davon, was dann in unserer Zeit, vor allem im pal├Ąstinensisch-israelischen Konflikt, unter Hudna zu verstehen sein wird. Die Franzosen wollen einen Vertrag unter Gleichberechtigten. Das lehnt Sultan S├╝leiman ab. Die Franzosen wollen einen unbefristeten Vertrag, aber gem├Ą├č den t├╝rkischen Gesetzen mu├č jedes Privileg mit jedem Sultan neu vereinbart werden. Es hei├čt Ahidnameh, Zusagepapier. (5)

Will Paul L. Williams seine dunce caps ├╝ber die gesamte westliche Welt der letzten 1400 Jahre verteilen?

Es ist richtig, was der Autor schreibt: die USA sind weder im Krieg mit dem radikalen Islam, noch mit dem militanten Islam, noch mit al-Qaida. Der Feind ist Islam, die Lehre Mohammeds, der im 7. Jahrhundert einen Eroberungs- und Raubkrieg losbricht gegen die Christen und Juden. Der Islam erkl├Ąrt den Glaubenskrieg zur Verpflichtung, bis die ganze Welt islamisch ist. Jedes Mittel ist dazu recht: "Ein Volk kommt ├╝ber Euch, das den Tod so liebt wie Ihr das Leben!" hei├čt der Schlachtruf der Glaubensk├Ąmpfer bei der Eroberung Baghdads schon in der ersten Schlacht Dhat Al-Salasil im Euphratdelta, 634 d.Z. (6)

F├╝r den Frieden braucht man zwei, f├╝r den Krieg aber gen├╝gt bereits einer. An diese herk├Âmmliche Weisheit erinnert uns Claudio Casula in einer seiner Philippiken. (7)

Die USA und der Westen befinden sich nicht im Krieg mit dem Islam, sondern dieser f├╝hrt Krieg gegen die USA und den Westen. Damit es bei uns nicht so auff├Ąllt, erkl├Ąren die Muslime von Fall zu Fall Aktionen, Ma├čnahmen und Entscheidungen des Westens zu kriegerischen Handlungen, auf die sie nur reagieren, von der Gr├╝ndung des Staates Israel durch Beschlu├č Nr. 181 der UNO, am 29. November 1947, bis zu den d├Ąnischen Mohammed-Karikaturen.

Es w├Ąre wichtig gewesen zu erfahren, warum all das geschieht, was Paul L. Williams in den zehn Blunders auff├╝hrt, und der Westen dennoch keinen Krieg erkl├Ąrt, sondern Feinde in Freunde umdefiniert, warum die USA gegen den s├Ąkularen Diktator Saddam Hussein Krieg f├╝hren und sich jetzt mit windigen Kurden-, Schiiten- und Sunnitenf├╝hrern des Irak verb├╝nden, von denen jeder einzelne nicht satisfaktionsf├Ąhig ist. Dann h├Ątte der Autor als Kollateralnutzen vielleicht auch eine Erkl├Ąrung daf├╝r, warum er gepflegt an seinem Schreibtisch sitzen und Kegelh├╝te verteilen kann: es ist der Weigerung der USA und des Westens geschuldet, einen Krieg Krieg zu nennen, die EU nennen ihn dar├╝ber hinaus sogar Euro-Arab Dialogue: Blunder 1 Refusing to Identify the Enemy.

Warum st├╝tzen die USA nicht die christlichen Serben, die im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten k├Ąmpfen, sondern die muslimischen Kosovo-Albaner, obgleich sie im Sinne ihres Propheten im Lande die Kuffar vergewaltigen, vertreiben oder ermorden? Wer seinerzeit den Jugoslawienkrieg verfolgt, kommt zu dem Ergebnis, da├č auf dem Balkan mehr die EU und Ru├čland als die Jugoslawen bek├Ąmpft werden, oder warum wird das Gebiet vom US-Milit├Ąr in Korridore eingeteilt, die zerbombt und solche, die verschont werden? Wer erinnert sich nicht an die Zerst├Ârung der drei wichtigen Donaubr├╝cken von Novi Sad, einer Stadt, die stets kritisch gegen├╝ber Slobodan Milosevic ist? Die Tr├╝mmer der Br├╝cken bringen den europ├Ąischen Schiffahrtsverkehr f├╝r viele Jahre vollst├Ąndig zum Erliegen, was Europa Sch├Ąden in H├Âhe von mehreren Milliarden Euro und den USA den St├╝tzpunkt Camp Bondsteel sowie den Durchmarsch zum Kaspischen Meer bringt. Dazu ergreift die Clinton-Regierung, wie Paul L. Williams in Blunder 7 kritisiert, Partei f├╝r den Feind, die muslimischen Kosovo-Albaner. (8)

Warum ├╝berschwemmen die USA zu Zeiten der Sowjetunion die s├╝dlichen Sowjetrepubliken mit Tausenden von Koran-Exemplaren? Warum schicken sie keine Truppen nach Ru├čland, um die Aufst├Ąnde der muslimischen Tschetschenen zu unterdr├╝cken - abgesehen davon, da├č Ru├čland sie nicht darum bittet? Warum sind die etwa 100 von den USA gefangen gesetzten uigurisch-chinesischen K├Ąmpfer in Afghanistan pl├Âtzlich freedom fighter, als China ihre Auslieferung fordert? Jede einzelne dieser beispielhaften Entscheidungen und Aktionen der USA m├Âgen aussehen wie blunder, an ihren geschichtlichen Ort gestellt jedoch sind sie das mitnichten, sondern es sind strategische Entscheidungen zur Sicherung der Vormachtstellung der USA in der Welt. Insofern dient das Buch des Paul L. Williams eher als eine Lehre f├╝r die Europ├Ąer, die aus strategischen Gr├╝nden getroffenen Entscheidungen der USA auch f├╝r sich nutzbar zu machen. Bei den sehr araber- und pal├Ąstinenserfreundlichen Kanadiern macht sich Paul L. Williams soeben verdient, f├╝hrt sie der Autor doch durch seine Recherchen auf die Spur von 17 muslimischen Terroristen in Toronto. Sie sind im Begriff Attentate gegen kanadische Einrichtungen durchzuf├╝hren, weil Kanada den USA im Irak als Alliierter zur Seite steht. Das Terroristennest in der McMaster University kann ausgehoben werden. (9)

In Blunder 3 beschreibt Paul L. Williams den Erdnu├čbauern peanut-brained Jimmy Carter und seine Schandtaten dem iranischen Schah gegen├╝ber. Befreundeten Industriellen aus seinem Heimatstaat Georgia will er Schmiergelder verschaffen, in dem er den Schah dazu auffordert, bereits abgeschlossene Vertr├Ąge ├╝ber den Ausbau des Hafens Bandar-e Mahshar um 10 Prozent h├Âher neu abzuschlie├čen, der Differenzbetrag soll dann als Vermittlungsgeb├╝hr an seine Freunde gehen und der urspr├╝ngliche Vertragspartner den Ausbau zur verabredeten Summe durchf├╝hren. Peanuts!

Kein Wort verliert der Autor ├╝ber den strategischen Coup des Pr├Ąsidenten und seines genialen Nationalen Sicherheitsberaters Zbigniew Kazimierz Brzezinski, der gleichzeitig an der Normalisierung der Beziehungen zu China arbeitet und durch die Bewaffnung der Mudjaheddin in Afghanistan die Sowjetunion in einen aufreibenden Krieg treibt, der zu ihrem Ende f├╝hren wird: Die Welt ├Ąndert sich unter dem Einflu├č von Kr├Ąften, die keine Regierung kontrollieren kann, zitiert er den Sicherheitsberater nach Paul M. Johnson, Modern Times, und macht sich ├╝ber ihn lustig. Genauso ist es, kann man nur sagen, und diese Einstellung der USA und der kl├╝geren Teile der EU wird die Welt vorw├Ąrts bringen und den Einflu├č des politischen Islam zur├╝ckdr├Ąngen und ihn letztlich unsch├Ądlich machen. (10)

Mit Paul L. Williams Beispielen ist es ├Ąhnlich wie mit den Verschw├Ârungstheorien der Mathias Br├Âckers, Thierry Meyssan, und wie sie alle hei├čen m├Âgen: isoliert mag jedes f├╝r sich die vom Autor behauptete These best├Ątigen, jedoch in ihren Zusammenh├Ąngen betrachtet, erg├Ąben sie ein anderes Bild. Daf├╝r, da├č er das nicht erkennt, verdient Paul L. Williams ein dunce cap.

14. Juni 2006

Quellen

(1) The Dunces of Doomsday. 10 blunders that gave rise to Radical Islam, Terrorist Regimes, and the threat of an American Hiroshima. By Paul L. Williams, WND Books, Cumberland House Publishing, Inc., Nashville, Tennessee, 2006
http://versandweltweit.libri.de/shop/action/productDetails?a Url=90007906&artiId=5176173

(2) The Presidents of the United States, by Date
http://www.whitehouse.gov/history/presidents/index2.html

(3) Die mittelbyzantinische Epoche ÔÇô Zwischen Abwehr und Hegemonie und Die Zeit der Komnenenkaiser - Erneutes Aufb├Ąumen. Byzantinisches Reich. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich

(4) Die Eroberung von Konstantinopel 1453. Von Steven Runciman. C.H. Beck, M├╝nchen 1966
http://images-eu.amazon.com/images/P/3406025285.03.LZZZZZZZ. jpg

(5) Kanuni Sultan S├╝leiman (1520-1566)
http://www.osmanli700.gen.tr/padisahlar/10index.html

Soliman I. (1520-1566). The Capitulation. Ottoman Web Site
http://www.osmanli700.gen.tr/english/sultans/10index.html

"France-Turquie, une longue histoire d´amour". Turquie Europ├ęenne, 3 octobre 2005
http://www.turquieeuropeenne.org/article770.html

(6) The Arab conquest and the coming of Islam
http://members.fortunecity.com/thuraya/iraq_his.htm

(7) So wird man Nahostkorrespondent - Eine Anleitung. Claudio Casula, Philippika, 12. April 2006
http://philippika.blogspot.com/2006/04/so-wird-man-nahostkor respondent-eine.html

(8) Die Kegelh├╝te des John Duns Scotus: Idiotie Nr. 7 "Partei ergreifen f├╝r den Feind". 10. Juni 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-06-10_22-55-03.html

Zerst├Ârung von Kirchen und Kl├Âstern. KFOR und NATO im Kosovo. 11. M├Ąrz 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-03-11_01-35-11.html

(9) War on terror. Author helped expose Canada terrorists. Williams worked with authorities on al-Qaida links. WorldNetDaily, June 5, 2006
http://www.worldnetdaily.com/news/article.asp?ARTICLE_ID=505 15

Die Kegelh├╝te des John Duns Scotus: Idiotie Nr. 9 "Die Hintert├╝r Amerikas offen lassen". 13. Juni 2006
http://www.eussner.net/artikel_2006-06-13_17-59-47.html

(10) The World from the Twenties to the Nineties. By Paul M. Johnson
http://homepage.eircom.net/~odyssey/Politics/Quotes/Modern_Times.html


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2006-06-14_19-55-58.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 22.01.2017, 05:04 Uhr