
José Bové: alles ist jederzeit möglich
Kaum ist der 14. Juli abgefeiert, der geschnittene Mais vertrocknet, die Polizei im Konvoi wieder in ihre Unterkunft eingerückt und der Bericht für den Präfekten übers bunte Treiben verfaßt, folgt die nächste Aktion der Faucheurs volontaires. (1)
Sie haben in ihren Methoden manches gemein mit den palästinensischen Terroristen, beispielsweise, daß sie ihre Ideologie mittels offener Drohungen und krimineller Taten durchsetzen. Dabei werden sie in Frankreich ähnlich verständnisvoll behandelt wie Fatah, Hamas und Hezbollah von der internationalen Staatengemeinschaft und deren Medien. Dort schreiben Trotzkisten und andere Linksradikale, die schon immer vom Revoluzzern träumen; eine Gruppe von maximal 1000 Weltverbesserern tut´s stellvertretend für sie. So kommt´s, daß AFP ihre Nachrichten unmittelbar mit den geplanten Ausreißereien beginnt, mit der Ankündigung des José Bové von neuen Sommerfreuden, die zur Blütezeit des Mais, im August und im September, die Franzosen erheitern sollen.
Le Monde informiert, daß José Bové und etwa 500 Mitglieder seiner von den Faucheurs volontaires angegebenen 6700 Mitstreiter, "Bürger, die handeln", aus allen Gegenden Frankreichs am Wochenende des 21./22. Juli 2007 auf ihrer Jahresversammlung in Riec-sur-Belon hinter verschlossenen Türen ihre "zukünftigen Aktionen" gegen das "fait accompli" der Regierung vorbereiten. Sie fordern ein Moratorium für den Anbau des genveränderten Mais, und wenn nicht, dann setzt´s was; schon für den folgenden Montag sehen sie die nächste Aktion vor, im Westen Frankreichs. Es erinnert an den Spruch des Türkenführers Kenan Kollat: Wenn das Zuwanderungsgesetz in der geplanten Form durchkommt, dann habe ich die nicht mehr unter Kontrolle. Die fühlen sich dann so zurückgewiesen, da kann ich dann auch für nichts mehr garantieren. (2)
Auch der Bauernführer kann ohne Moratorium für nichts garantieren, dieser ehemalige Präsidentschaftskandidat und Erpresser unserer Gesellschaft bedient sich ähnlicher Sprache und Mittel wie islamische Fundamentalisten, wie Terroristen und Entführer: wer nicht willig ist, gegen den wird Gewalt angewendet. Er lädt sich ein zu dem von der Regierung für den Oktober geplanten Grenelle de l´environnement, einer Entscheidungen vorbereitenden Diskussionsrunde aus Vertretern der Regierung, der Fachgremien und -organisationen und von NROs zum Thema der genveränderten Nahrungsmittel. Er stellt dazu Bedingungen, unter denen er und die Faucheurs volontaires teilnehmen würden. Keiner von ihnen ist eingeladen, und wird´s wahrscheinlich nicht. (3)
Zum Schluß des AFP-Artikels informiert Le Monde darüber, daß José Bové seinerseits bedroht wird, nämlich, für vier Monate ins Gefängnis zu gehen, weil er im Juli 2004 "eine Maisstaude" eigenhändig ausgerissen habe. Der Maisausreißer und seine Zeitung gehen anscheinend vom kurzen Gedächtnis der Leser aus. Weil´s so schräg ist mit dem Ausreißen, nimmt sich mein Schaf des Falles von 2004 an, da nach einem Seminar über la malbouffe, das schlechte Fressen, unter der Leitung des José Bové, des Regionalrats der Grünen Noël Mamère, des Europaabgeordneten Gérard Onesta und des Nationalsekretärs und ex-Maoisten Gilles Lemaire sowie Vertretern der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR) und des sozialistischen ehemaligen Kandidaten zum Bürgermeisteramt von Toulouse François Simon sowie weiterer Regionalräte aus dem Westen Frankreichs und der Gegend um Paris, 500 (Polizeischätzung) bzw. 1500 (Angabe der Organisatoren des Theaters) aus ganz Frankreich angereiste Faucheurs volontaires, in Menville, 30 Kilometer entfernt von Toulouse, auf einem Versuchsfeld der Gesellschaft Pioneer genveränderten Mais vernichten, jeder eine Pflanze, mit bloßen Händen. (4)
Jetzt stellt José Bové es so dar, als wenn er ein einfacher Teilnehmer einer Clownerie gewesen wäre. Er wartet darauf, von der Justiz Frankreichs zur Rechenschaft gezogen zu werden, seine Strafe abzusitzen, versteckt sich nicht, sondern hält sich in seinem Haus auf dem Larzac bereit, und wenn er ins Gefängnis käme, so lauten seine nächsten Drohungen, denke ich, daß es viele Reaktionen geben wird, daß sich die Leute mobilisieren. Auf die für Oktober vorgesehene Diskussionsrunde Grenelle könnte das "bedeutende Auswirkungen" haben. (5)
Damit ist die Information der Le Monde beendet, mit Fakten über den Anbau des genveränderten Mais kann oder will Le Monde nicht dienen. Dazu muß man den Figaro lesen, der im Wirtschaftsteil kurz José Bové und das geforderte Moratorium der Faucheurs volontaires erwähnt, dann aber zum interessanten Teil übergeht. Die französischen Bauern seien zunehmend überzeugt vom kommerziellen Anbau des genveränderten Mais. Im Vergleich zu 2006, mit 5420 Hektar, habe sich die Anbaufläche zu 21 200 Hektar vervierfacht. Das bedeute dennoch nur 0,75 Prozent der gesamten Maisanbaufläche von 2,9 Millionen Hektar, von der ein Viertel bewässert werde. Die Hälfte des angebauten Mais sei als Futtermittel bestimmt. Für 2007 rechne man mit einer Maisernte von 13 Millionen Tonnen, einem Prozent weniger als 2006.
Die französischen Bauern seien im Gegensatz zu ihren nord- und südamerikanischen Kollegen mit dem Anbau von genverändertem Mais zurückhaltend gewesen, aber nun explodiere der Anbau. Der Grund liege in der starken Nachfrage der spanischen Schweinezüchter sowie in den immer häufigeren Zerstörungen des traditionellen Mais durch Schädlinge. Eine erneute Vervierfachung des Anbaus von genverändertem Mais sei für 2008 nicht ausgeschlossen. Für Christophe Terrain, den Präsidenten der Association générale des producteurs de maïs (AGPM), der Vereinigung der Maisproduzenten, ist diese Entwicklung durchaus möglich. Nicht alles ist jederzeit möglich, aber das.
Die Maisproduzenten haben den Landwirtschaftsminister Michel Barnier ersucht, mit Festigkeit gegen die Maisausreißer vorzugehen. Die ständige Medienpräsenz durch die zahlreichen Prozesse gegen die Maisausreißer bedauert Christophe Terrain. Er zöge es vor, daß die Personen, die sich der Zerstörung des Eigentums anderer widmen, direkt finanziell zur Rechenschaft gezogen würden. (6)
Das aber wäre eine Anwendung des Rechts auf selbsternannte Weltverbesserer und Retter der Menschheit, die sich über Gesetz und Recht erhaben dünken. Das sind sie solange, bis man sie auf den Boden der Tatsachen herunterholt.
23. Juli 2007
Quellen
(1) Die Maisausreißer feiern den 14. Juli. 17. Juli 2007
http://www.eussner.net/artikel_2007-07-17_23-42-07.html
(2) Integration. Die letzte Warnung an die Kanzlerin. Von Mariam Lau, Welt Online, 11. Juli 2007
http://www.welt.de/politik/article1018855/Die_letzte_Warnung _an_die_Kanzlerin.html
(3) Le grenelle Environnement. Ministère de l´Ã‰cologie, du Développement et de l´Aménagement durables
http://www.legrenelle-environnement.fr/grenelle-environnemen t/
(4) Das Sonntagsvergnügen des Bauern José Bové und der linksradikalen Politclowns. Schaf, 18. September 2004
http://www.eussner.net/schaf_2004-09-18_22-52-20.html
(5) Les faucheurs volontaires annoncent de nouvelles actions anti-OGM. AFP. Le Monde, 22 juillet 2007
http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3244,36-938144@51- 918000,0.html
(6) Le maïs OGM progresse en France grâce au marché espagnol. T.D., Le Figaro Économie, 23 juillet 2007, page 22