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Israel einer Anfängerin [5]: Neve Tsedek - Rehovot

Am nächsten Morgen, es ist Samstag, mache ich nicht denselben Fehler und verpasse das Frühstück. Dann geht´s auf Entdeckung, einige hundert Meter die Eilat Richtung Tel Aviv, und ich beschließe, von der Rehov Eilat weg, in eine kleine Straße namens Shlush einzubiegen. Keine Ahnung, was mich erwartet!

Ich befinde mich in Neve tzedek, der Oase der Gerechtigkeit, einer Ansiedlung der Ersten Aliyah, der ersten jüdischen Ansiedlung außerhalb Jaffas, Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts gegründet von Aharon Chelouche/Shlush, Shimon Roca/Rokach, Haïm Amzaleg und Zerah Barnet. Dort bauen die Gebrüder Chelouche, aus Marokko nach Palästina eingewanderte Juden, um aus dem überbevölkerten teueren Jaffa herauszukommen, im Jahre 1883 den Wohnsitz für ihre Familie, das "Chelouche House", und 1887, 22 Jahre vor der Gründung von Tel Aviv, eine Fabrik für Baustoffe. An ihren zerfallenden Resten und an einer kleinen, ebenfalls von Aharon Chelouche gebauten Synagoge führt die Straße entlang zu einem wunderbar restaurierten Areal mit Luxuswohnungen und einem Theater. (1)

Ich komme in Straßen mit gepflegten Häusern, und an der Ecke der Rehov Shalom Shabazi, nahe dem Suzanne Dellal Kulturzentrum, befindet sich ein lauschiges Garten-Café. Als ich ankomme, ist es erst spärlich besetzt, was sich zügig ändert. Ich beobachte von meinem kleinen Ecktisch aus, wie ganze Familien in den Garten einfallen, Tische zusammengeschoben werden, und das Brunch beginnt. Der bescheidene Parkplatz neben dem Café, bewacht von einem geruhsam unter dem ausladenden Baum sitzenden jungen Wärter, ist binnen Kurzesfrist besetzt.

Ich bestelle Hummus bi Tahina, Kichererbsenpurée mit Sesampaste, Brot, Kaffee und Wasser und lese weiter in Joan Peters: From Time Immemorial. Kinder kommen an meinen Tisch, hinter dem eine eiserne Treppe in den ersten Stock führt; nach einigem Zögern drücken sie sich an mir vorbei und klettern hoch&runter&hoch&runter. (2)

Als ich genug gegessen, getrunken, geschaut und gelesen habe, mache ich mich auf, wandere weiter und komme ins Hotel David Intercontinental. Dort erbitte ich mir am Empfang einen Stadtplan von Tel Aviv-Yafo und ruhe ich mich bei einem Wasser in der angenehm kühlen Lobby aus. Weiter geht´s zum Strand von Jaffa. Ich habe sowieso wenig am Hut mit Sand und Strand, der Strand von Jaffa ändert nichts daran, im Gegenteil, ich finde ihn samt der Strandpromenade langweilig. Die Fotos von Ernest jr., drei Wochen später aufgenommen, geben einen Eindruck. An dieser Strandpromenade treffe ich an meinem Ankunftstag die beiden freundlichen Herren, die mir zu meinem guten Essen verhelfen. (3)

Zu Jaffa fällt mir auf, daß die gepflegtesten Plätze anscheinend von Juden restauriert wurden, die Restaurants von Juden betrieben werden. Ich habe fürs erste genug von Jaffa. Am Abend rufe ich Amir Isseroff an, mit dem ich mich für den folgenden Nachmittag verabrede. Er betreibt das MidEastWeb, das ich oft frequentiere, und ich möchte ihn kennenlernen. Er wohnt in Rehovot, mit dem Bus zu erreichen. (4)

Ich wandere zum Zentralen Busbahnhof von Tel Aviv, einem riesigen gut bewachten Komplex. Durch kleine Eingangsposten gerät man, nachdem Taschen und Koffer auf ihren Inhalt untersucht sind, in ein Gebäude mit mehreren Stockwerken. Von hier wollte ich eigentlich am nächsten Tag nach Kfar Saba weiterfahren, aber meines Gepäcks eingedenk, lasse ich das wohl besser.

Am Sonntagvormittag fahre ich nach Rehovot. Auf diesen Vorort von Tel Aviv bin ich gespannt. Nach dreiviertelstündiger Fahrt bin ich im Busbahnhof von Rehovot, gelegen an einem mittleren sehr gepflegten Einkaufszentrum, kaufe eine Jerusalem Post und mache mich auf Entdeckungsrundgang durch die Stadt. Ami Isseroff hat mir erklärt, daß er in einer Straße wohnt, die in Richtung Weizmann Institut liegt. Also suche ich zunächst diese Straße; denn bei meinem Orientierungssinn könnte ich sonst vielleicht den Nachmittagstermin verpassen. (5)

Die Straße gefunden, gehe ich zurück, betrachte die Auslagen des Marktes und der Läden, kehre in ein nettes Café an der Rehov Herzl ein und lese erst einmal meine Zeitung, über ein Treffen von "hidden Jews" in Krakow, polnischen Juden, die erst spät über ihre Herkunft erfahren haben, von der Vorbereitung des Ereignisses, oder wie man´s sonst nennen könnte, von Annapolis und von der Reise der Außenministerin Tzipi Livni des Irans wegen nach China, davon, daß die PA im Westjordanland von 80 000 Polizisten aus zwölf Sicherheitsdiensten 30 000 entlassen will, das seien diejenigen, die sowieso nie ihrer Tätigkeit nachgingen, daß man befürchte, sie schlössen sich dann der Hamas an, so daß die internationale Staatengemeinschaft sie doch bitte weiter finanzieren möge - und im Oslo-Vertrag von 1994/95 seien überhaupt nur 30 000 Polizisten fürs Westjordanland vorgesehen gewesen. (6)

Mich als Gegnerin des Irakkrieges fasziniert besonders ein aus der NYTimes übernommener Kommentar von Frank Rich: Suicide is not painless. Selbstmord ist nicht schmerzlos. Der Autor berichtet von den gigantischen Ausmaßen der Korruption unter US-Politikern und Militärs nach dem Irakkrieg. Lieferverträge von insgesamt 6 Milliarden Dollar werden however slowly im Auftrag des Pentagons und des Justizministeriums auf Verschwendung und Betrug untersucht, das schließe nicht die etwa 9 Milliarden Dollar betragenden Berge von Bargeld ein, die in der kurzen aber verheerenden Amtszeit des L. Paul Bremer verschwunden seien. Die Amtszeit dauert bis 28. Juni 2004. (7)

Vom ehemaligen Botschafter und Terrorismusfachmann L. Paul Bremer, dem Vorsitzenden und Geschäftsführer der Crisis Consulting Practice of Marsh Inc., der Marsh & McLennan Companies, Inc. (MMC), eines der 500 größten Versicherungs-, Investment- und Beraterkonzerne der USA, habe ich meinen Lesern schon berichtet. Er wird Nachfolger des bis zum 12. Mai 2003 im Irak beim Wiederaufbau eingesetzten Waffenhändlers Jay Garner, Freund des Donald Rumsfeld. Jay Garner erwirbt seinen Reichtum aus den Geschäftsbeziehungen, die er auf Grund seiner militärischen Stellung aufbaut. Das setzt er auf seinem Posten im Irak fort. Seinen Platz muß er L. Paul Bremer überlassen, der sich 9 Milliarden Dollar irakischen Geldes bedient und sie nach Gutdünken verteilt. (8)

Warum wohl hat die Jerusalem Post ausgerechnet diesen Kommentar übernommen? Oder ist es Routine? Diese und weitere spannende Nachrichten, über ägyptische Agenten, die bereits in Gaza tätig sind, und die dort demnächst Israels Rolle übernehmen sollen, sowie über eine Reihe von Personen des öffentlichen Lebens, die am 26. Oktober in Oviedo den Prince of Asturias Award, den Premios Príncipe Asturias, überreicht bekommen, darunter so kompatible Laureaten wie Avner Shalev, Direktor des Holocaust-Museums Yad Vashem, und die Klimakatastrophe Al Gore. (9)

Derart zugedröhnt, kann mich nur noch ein frischer Salat im Selbstbedienungs-Restaurant Aroma retten. (10)

Dann geht´s auf zu Ami Isseroff, der zur Unterhaltung viele technische Vorschläge zur Verbesserung meiner Arbeit beiträgt, Links und Hyperlinks betreffend, und den für seine Site Artikel aus deutschen Medien interessieren. Wer soll sie übersetzen? Na, ich! Das hätte mir und den armen Lesern gerade noch gefehlt, meine Englischübersetzungen! Trotzdem war unser Gespräch aufschlußreich, ich weiß jetzt auch einiges darüber, daß viele Leute wie ich vor ihren PCs sitzen und stundenlang unentgeltlich arbeiten.

Am Montag geht´s endlich zu Hanah, nach Kfar Saba. (11)

Lesern, für die Israel einer Anfängerin heute wenig ergiebig ist, empfehle ich Israel eines Professionellen. Meldungen über die Solidarminute für frierende Deutsche, verkündet von der Terrasse des Hotels King David, sind allerdings noch nicht verlautet, und ich verrate, daß ich den Profi-Reisebericht deshalb anfüge, weil ich einige Orte in mein nächstes Besuchsprogramm aufnehmen werde. Die Terrasse des King David kenne ich bereits, den herrlichen Ausblick, den guten Kaffee - aber ich greife vor ... (12)

26. November 2007 - Mit Joy of Return am laufenden Meter ...

Quellen

(1) History of Tel Aviv. Neve tzedek. By Amir Yarkoni, Tel Aviv insider
http://www.telaviv-insider.co.il/history-2.php

30 - Le quartier de Névé Tsedek. Par Ysabelle Mazouz, Sur la route d´Israël,
12 décembre 2006
http://tinyurl.com/2savs2

Mon blog "Sur la route d´Israël". Par Ysabelle Mazouz
http://ysa.uniterre.com/

(2) Hummus. Marions Kochbuch
http://www.marions-kochbuch.de/rezept/1218.htm

Joan Peters: From Time Immemorial. The Origins of the Arab-Jewish Conflict Over Palestine. Reviewed by Daniel Pipes, Commentary, July 1984
http://www.danielpipes.org/article/1110

(3) InterContinental David Tel Aviv. Intercontinental Hotels&Resorts
http://tinyurl.com/2la4fh

Early Winter Morning at Jaffa Beach. My Share of Sun in Israel,
November 23, 2007
http://tinyurl.com/3b2wz3

(4) MidEastWeb
http://www.mideastweb.org/

Rehovot. The Jewish Agency for Israel
http://www.jafi.org.il/education/jajz/100/places/rehov.html

Rehovot
http://tinyurl.com/35xow5

(5) Weizmann Institute of Science Rehovot
http://www.weizmann.ac.il/

(6) Poland´s ´hidden Jews´ convene in Krakow to regain a lost legacy. ´It´s impossible to be Jewish alone´. By Rory Kress, Jerusalem Post, October 28, 2007
http://tinyurl.com/2oknu2

(7) Suicide is not painless. OP-Ed by Frank Rich, The New York Times. Weekly Review, October 21, 2007, JPost, October 28, 2007, p. 19
http://tinyurl.com/2u3bz5

(8) Stiftungen, Think Tanks und Neokonservative in den USA, Teil III, 25. Mai 2003 (siehe Anmerkung 24)
http://www.eussner.net/artikel_2004-05-01_18-46-30.html

(9) Noticias. Amos Oz, Al Gore y Avner Shalev, director del Museo del Holocausto de Jerusalén, pronunciaron los discursos en la ceremonia de entrega de los Premios Príncipe de Asturias 2007. Fundación Príncipe de Asturias, 26 octubre 2007
http://www.fundacionprincipedeasturias.org/esp/01/noticia101 6.html

(10) Aroma. Tel Aviv Guide
http://tinyurl.com/2gn5pu

(11) Kfar Saba (hebräisch, hähähä!)
http://www.kfar-saba.muni.il/

(12) Israel eines Professionellen: Joy of Return 1-9. Von Henryk M. Broder, Achse des Guten, 24. November - 9. Dezember 2007

Joy of Return (Ankunft und nach Jaffa, zu "Sheih", an der Ecke Jeffet
und Nachman Bratslav)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return/

Joy of Return 2 (Tel Baruch, Strand nördlich von Tel Aviv)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_2/

Joy of Return 3 (Von Tel Aviv nach Jerusalem - Abu Gosh)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_3/

Joy of Return 4 (Jerusalem, auf der Terrasse des YMCA Three Arches Hotel)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_4/

Joy of Return 4 (M&W, Marionetten der Israel-Lobby)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_41/

Joy of Return 5 (Nachdenken über einen Uganda Gipfel)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy /

Joy of Return 6 (Mit Joram Kaniuk im Café Tamar)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_6/

Joy of Return 7 ("The Band´s Visit" und die Burger von "Moses")
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_7/

Joy of Return 8 (Die Pizzeria Tnuvale in Sderot)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_8/

Joy of Return 9 (Der Autor frißt sich in der Ben Jehuda durch)
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/the_joy _of_return_9/

Bisher erschienen:

Israel einer Anfängerin. Episodio de la Historia
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-17_23-05-55.html

Israel einer Anfängerin [2]: Von Barcelona nach Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-20_18-17-23.html

Israel einer Anfängerin [3]: Tel Aviv-Yafo
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-24_18-50-35.html

Israel einer Anfängerin [4]: Tel Aviv
http://www.eussner.net/artikel_2007-11-25_17-54-33.html


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2007-11-26_20-51-40.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 11.10.2008, 13:24 Uhr