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Das Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung harrt eines neuen Leiters

Die Konkurrenz um die Nachfolge des Antisemitismusforschers Prof. Dr. Wolfgang Benz ist hart, hat doch der Bewerber hohen Anspr├╝chen zu gen├╝gen. Die Me├člatte ist letztens mit der weit ├╝ber die Grenzen Berlins hinaus bekanntgewordenen Veranstaltung Feindbild Muslim - Feindbild Jude. Wissenschaftliche Konferenz noch einmal h├Âher gelegt worden. (1)

Diskreditierung der Islamkritik mittels Begriffsverwirrung

Das mu├č erst ├╝berboten werden, die Zelebrierung des Endes der Antisemitismusforschung mit einem Aufgebot an Begriffen, als da sind Antisemitismus, Feindbild Muslim, Feindbild Jude, Islamfeindlichkeit, Feindbild Islam, Judenfeindschaft, Islamfeindschaft, Islamfeinde, Islamophobie, Feindschaft gegen den Islam, Trivialisierung des Holocaust, j├╝dische Sache, Vorurteil gegen die Juden und weitere Sch├Âpfungen. Der Begriff Antisemitismus kommt dabei au├čer im Untertitel zur Konferenz nicht vor, Antisemitismus ist nicht Gegenstand der Veranstaltung; denn der ist ein ganz anderer, n├Ąmlich die "Islamkritik". Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZfA referiert dar├╝ber und ├╝ber selbsternannte Islamwissenschaftler, genauer ├╝ber einen von ihnen, den Orientalisten Dr. Hans-Peter Raddatz, der selbstverst├Ąndlich nicht eingeladen ist zur Konferenz; denn er h├Ątte die unterstellten rechten Dogmen und die Ersatzkommunikation widerlegen k├Ânnen, als eine besprochene persona non grata ist er aber pflegeleichter. (2)

Die Diskreditierung der Islamkritik ist zu Konferenzbeginn bereits vollzogen, sie steht im Programm in Anf├╝hrungszeichen, "Islamkritik", der ganze Konferenzzirkus dient eigens dazu, dies zu untermauern; denn im gegenteiligen Fall h├Ątte Islamkritik durchaus vertreten werden k├Ânnen, nicht unbedingt durch den geschm├Ąhten Dr. Hans-Peter Raddatz, man verlangt ja nichts Unm├Âgliches, aber beispielsweise durch Professor Dr. Tilman Nagel, um nur einen zu nennen. Ein islamkritisches Referat h├Ątte an den Anfang der Konferenz geh├Ârt, durchaus auch mit kritischem Kommentar, die anderen Referate w├Ąren teils anders teils ganz ausgefallen.

Prof. Dr. Wolfgang Benz scheint aber mit der Diskreditierung der Islamkritik einen Auftrag der Bundesregierung auszuf├╝hren, sonst w├Ąre die mit unbewiesenen Behauptungen gespickte Propagandaschrift Islamkritik in Deutschland. Irrationales Feindbild, von Dr. Peter Widmann, nach den internationalen Diskussionen ├╝ber die Konferenz nicht in vier Sprachen auf der vom Ausw├Ąrtigen Amt gef├Ârderten Website Qantara ver├Âffentlicht worden, in deutsch, englisch, t├╝rkisch und arabisch. Ich verlinke hier den deutschen und den englischen Text. (3)

Das Sommersemester 2009 des Zentrums f├╝r Antisemitismusforschung

Diese Richtung soll in der Nach-Benz-├ära weitergepflegt werden, die Antisemitismusforschung geht im Programm des Sommersemesters 2009 vollst├Ąndig unter, Antisemitismus wird nicht nur gleichgesetzt mit Muslimfeindschaft, sondern mit allem, was sonst noch an "Anti" und an "Feindlichkeit" identifiziert werden kann. Dabei belehrt das Vorwort zum Programm des Sommersemesters, da├č der Antisemitismus auf Grund von Vorurteilen entstehe: Vorurteile und ihre Folgen wie Antisemitismus, Antiziganismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus. Wenn ein Begriff nicht zutrifft, dann dieser. Vorurteile kann man ausr├Ąumen, Ressentiments nicht, sondern die kann man nur bek├Ąmpfen. Henryk M. Broder hat das in seinem Buch Der ewige Antisemit nachgewiesen und mit Beispielen belegt.

Das ZfA wird sich in Zukunft nicht mehr mit seinem Gegenstand befassen, sondern sich der vergleichenden interdisziplin├Ąren Genozidforschung widmen, es gibt ja so viele unerforschte V├Âlkermorde auf der Welt! Ph├Ąnome des Genozids seit den 1940er Jahren werden nun behandelt, Erscheinungen oder auch Ausnahmeerscheinungen. Die Studenten werden erfahren, da├č Polen nicht erst seit dem 1. September 1939 besetzt ist, sondern schon seit 1933: Rasse, Lebensraum, Genozid: Polen unter deutscher Okkupation 1933-1945, die Geschichte wird f├╝r Mitteleuropa neu geschrieben, oder habe ich in Geschichte nicht aufgepa├čt?

Die durch den Islam und seine Gl├Ąubigen sowohl in den islamischen L├Ąndern als auch bei uns ver├╝bte Gewalt wird im Hauptseminar Religion und Gewalt unter j├╝discher, christlicher und islamischer Gewalt subsumiert, wenn sie ├╝berhaupt behandelt wird, die angegebene Pflichtlekt├╝re deutet darauf hin, da├č von islamischer Gewalt nicht gro├č die Rede sein wird: Eine Welle religi├Âser Gewalt verunsichert die Welt - und seit dem 11. September zunehmend den Westen. Islamische, christliche und j├╝dische Eiferer sind bereit, sich selbst und andere in einem Kampf gegen das B├Âse zu t├Âten. Wird das Buch von Hans G. Kippenberg beworben. T├Ąglich sind die MSM voll von Berichten ├╝ber fundamentalistische Juden und Christen, die bereit sind, sich selbst und andere in einem Kampf gegen das B├Âse zu t├Âten, oder wie?

Auch die anderen Abhandlungen zum Thema gehen nicht auf den Islam ein. Das Seminar Lehrforschungsprojekt: Antisemitismus und Rassismus im Berliner Fu├čball befa├čt sich mit randalierenden rechtsextremen deutschen Jugendlichen, die zwei Experten f├╝r Rechtsextremismus Dr. Rainer Erb und Dr. Michael Kohlstruck b├╝rgen daf├╝r. Eine ├ťbung von Dr. Angelika K├Ânigseder, der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Institut Vorurteils- und Konfliktforschung, gibt´s zum Thema Das nationalsozialistische KZ-System. Ein Institut Vorurteils- und Konfliktforschung ist im Internet nicht aufzufinden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Je l├Ąnger vorbei das Dritte Reich, desto intensiver Forschung und Lehre. Antisemiten - immer eine Nasenl├Ąnge voraus, betitelt Henryk M. Broder das sechste Kapitel seines Buches Der ewige Antisemit. Das ZfA und seine Programme sorgen daf├╝r, da├č es so bleibt. (4)

Das Duo Dr. Peter Widmann und Doktorandin Yasemin Shooman befassen sich mit Debatten zum Islam. Als Pflichtlekt├╝re bieten sie Islam in Europa, ein von Thierry Chervel und Anja Seeliger herausgegebenes Sammelsurium, in dem Tariq Ramadan, der Chef der europ├Ąischen Muslimbr├╝der und Freund von Ibrahim El-Zayat, als gem├Ą├čigter Islamist vorgestellt wird, was immer das sein soll. Zwanzig Beitr├Ąge von allen Seiten, pro, kontra oder einfach nur ehrf├╝rchtig b├╝rgen f├╝r aufregende Debatten. Den Essay von Ulrike Ackermann, einer der Autorinnen, kann man beim Perlentaucher lesen, dann erspart man sich vielleicht die Lekt├╝re der ├╝brigen: Lob der Dissidenz. (5)

Am 8. Juli 2009 h├Ąlt G├╝nther Jikeli ein zweist├╝ndiges Kolloquium ├╝ber Antisemitismus unter jungen m├Ąnnlichen Muslimen in Berlin. Im Internet habe ich keine Hinweise darauf gefunden, da├č der Referent ein Fachmann f├╝r Islam w├Ąre, und so wird ablaufen, was schon vor vier Jahren Thema ist: Vor allem muslimische Jugendliche projizieren ihren Hass auf Israel auf die in den europ├Ąischen L├Ąndern lebenden Juden. Antisemitische Stereotype und Propaganda aus den arabischen L├Ąndern finden via Satellitenfernsehen und ├╝ber radikale Islamisten Eingang in die Gedankenwelt der Migranten. Der Judenha├č der muslimischen Jugendlichen wird nicht etwa in den deutschen Moscheen mit der Lehre des Korans vermittelt, nicht dort werden sie von fanatischen Imamen aufgestachelt, sondern er wird allein von au├čen oktroyiert, durch die Politik Israels und durch arabische Propagandasendungen. Nebenbei ist es interessant zu beobachten, wie das ZfA seit dem Jahr 2005 das Thema verschoben hat hin zur Darstellung der Muslime als Opfer, und wie es mit immer denselben Referenten arbeitet. Was den ├ľffentlich-Rechtlichen ihr Norbert Bl├╝m, ist dem ZfA sein Michael Kiefer. (6)

Vom 7. bis 9. September findet zum vierten Mal die Sommeruniversit├Ąt gegen Antisemitismus statt: Judenfeindschaft im Alltag. Es versteht sich nun schon fast von selbst, da├č nicht die Rede sein wird von Judenha├č der Muslime in unserem Alltag. Das Programm ist abgeschrieben vom letzten; man sieht´s an dieser Formulierung: Aktuelle Formen der Judenfeindschaft, aber auch Vorurteile gegen andere Minderheiten in unserer Gesellschaft, ihre Pr├Ąsenz im Alltagsdiskurs in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit stehen im Mittelpunkt der dritten (sic!) Sommeruniversit├Ąt, die argumentative und diskursive Formen der Abwehr vermitteln will. Es macht aber nichts, Hauptsache, es gibt Bildungsurlaub f├╝r Lehrer und Journalisten, Mandats- und Funktionstr├Ąger von Parteien und Gewerkschaften, Ausbilder in gro├čen Firmen zu einer Berlinfahrt mit einem Wochenende in Berlin, Anreise am Freitag, den 4. September, dann 7. bis 9. September Sommeruniversit├Ąt, zwei Tage Urlaub drangeh├Ąngt und noch ein Wochenende im sommerlichen Berlin, Sonntag, den 13. September zur├╝ck in die Provinz, super! Bis auf die Ausbilder in gro├čen Firmen werden die anderen das schon so hinkriegen. Kommunalpolitiker, Lokalredakteure und Vereinsvorst├Ąnde werden ebenfalls angesprochen. Man g├Ânnt sich ja sonst nichts.

In ├ľffentlichen Veranstaltungen wird "Euthanasie" im NS-Staat behandelt, j├╝dische und nicht-j├╝dische Zeitzeugen erz├Ąhlen in der Veranstaltungsreihe Lebenszeugnisse: Die Themen reichen vom j├╝dischen Alltag und der Diskriminierung in der NS-Zeit ├╝ber den Holocaust und das Exil bis zur Erfahrung des ├ťberlebens und der Schwierigkeiten des Erinnerns. Ab dem 31. M├Ąrz 2009 l├Ą├čt Professor Dr. Wolfgang Benz in Gespr├Ąchen sein Publikum teilhaben an spannenden Geschichten von j├╝dischen K├╝nstlern und Lebensk├╝nstlern aus aller Welt sowie eines j├╝dischen Partisanen aus Polen. (7)

Wer soll es sein?

Professor Dr. Wolfgang Benz wird die Leitung des ZfA abgeben, und nun harrt die am Antisemitismus interessierte Welt seines Nachfolgers. Wer soll es sein? fragt Henryk M. Broder, und er ist so gespannt, da├č er f├╝r originelle Vorschl├Ąge ein Essen im Caf├ę Fantone auslobt, in der Berliner Pestalozzistra├če. Er selbst sieht Professor Dr. Reuven Moskovitz im Rennen, der hat n├Ąmlich neulich seine Promotionsurkunde gefunden und w├Ąre bereit. (8)

Ich w├╝nsche es ihm ja, aber es gibt einen ernstzunehmenden Konkurrenten, der schon einen Bewerbungsvortrag ver├Âffentlicht hat, den er mit dem Wort "normalerweise" einleitet, und das beim Thema Antisemitismus, genial! Er hei├čt Professor Dr. Micha Brumlik, ist 62 Jahre alt und ein Aktivist f├╝r die pal├Ąstinensische Sache. Am 14. Mai 2008 demonstriert er aus Anla├č des 60. Jahrestages der Gr├╝ndung Israels mit einem gleichgesinnten j├╝dischen Freund und schwarzen Luftballons inmitten einer Menschenmenge von pal├Ąstinensischen Arabern und ihren Freunden gegen die Nakba, die Katastrophe, das Ungl├╝ck der Vertreibung der Araber aus Israel, 1948. Das Foto findet man noch im Internet, leider nicht mehr in voller Gr├Â├če, man konnte es bis vor kurzem bei Honestly Concerned anklicken, aber das Pal├Ąstina Portal hat das Foto entfernt. (9)

Die Pal├Ąstinensert├╝cher sind nicht mehr gut zu erkennen. Auf dem Foto sind es drei. Professor Dr. Micha Brumlik hat wohl nie von der zwangsweisen Einf├╝hrung dieser Fetzen durch den Gro├čmufti Haj Amin al-Husseini geh├Ârt. Der hat Araber umbringen lassen, die solche T├╝cher nicht tragen wollten. Das ist inzwischen ├╝berall bekannt, der Artikel dazu hei├čt: Coole Kids tragen kein Pali-Tuch. (10)

Diese Ignoranz gibt ihm die Kraft, die von Professor Dr. Wolfgang Benz mit einer neuen Definition bereits sehr hoch gelegte Me├člatte zu anzuvisieren: Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden: Wut, furor, und Zorn, ira, sind identisch. Das vereinfacht das akademische Leben. Wozu plagen sich Philosophen, Psychologen, Sprachwissenschaftler mit Differenzierungen? Das ZfA setzt den Hobel an und hobelt alles gleich!

Im Bewerbungsvortrag sind weitere Begriffsgl├Ąttungen des Professors Dr. Wolfgang Benz positiv aufgenommen und in mehreren S├Ątzen zitiert: Hass gegen die Juden und den Judenstaat, wie er von Muslimen artikuliert wird, und Hass gegen die Muslime, der sich der gleichen Methoden bedient, die vom christlichen Antijudaismus wie vom rassistischen Antisemitismus entwickelt werden." Das Leben f├╝r den Nachfolger k├Ânnte nicht einfacher werden, Ha├č der einen wie der anderen, wobei Logik und Subjekte der Handlung auf der Strecke bleiben, im einen Fall bedienen sich die Muslime der Methoden, im anderen ist´s der Ha├č selbst, der zur Methode greift - es scheint gerade niemand sonst im Hause zu sein. (11)

Lizas Welt hat sich ausf├╝hrlich mit dem neuen Benz beim Elchtest befa├čt, ich will´s nicht wiederholen, sondern noch mit Kleinigkeiten erg├Ąnzen, die mir nicht unwichtig erscheinen. Zum Beispiel denunziert Professor Dr. Micha Brumlik Ilan Mor, den Gesandten der israelischen Botschaft in Berlin, und die Vorsitzende der J├╝dischen Gemeinde der Hauptstadt, Lala S├╝sskind, denen er unterstellt, sie h├Ątten in einem Telefonat mit Henryk M. Broder entgegen ├äu├čerungen gegen├╝ber Professor Dr. Wolfgang Benz nunmehr zur├╝ckgenommen, da├č sie nichts gegen eine solche Konferenz wie die vom 8. Dezember 2008 einzuwenden h├Ątten. Es ist wie immer in solchen F├Ąllen, der T├Ąter ist das Opfer, der Leiter des ZfA steht besch├Ądigt da, schuld sind der Gesandte und die Vorsitzende der j├╝dischen Gemeinde. (12)

Auff├Ąllig ist, da├č der Bewerber in seinem Vortrag mehrfach von einer Autorengruppe spricht, die Professor Dr. Wolfgang Benz kritisiert habe, als wenn es sich um eine Art Neuauflage der Gruppe 47 handelte, mit Clemens Heni als Schriftf├╝hrer, Matthias K├╝ntzel als Kassenwart und Benjamin Weinthal als Au├čenbeauftragtem, oder wie?

Was die doch eher akademisch klingende Frage aus dem Gebiet der vergleichenden Vorurteilsforschung angeht, so qualifiziert sich der Bewerber f├╝r den Posten: Feindbild Muslim - Feindbild Jude, das ist ein Thema f├╝r die Universit├Ąt, soweit sind wir heute in Deutschland, da├č die Gleichsetzung von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im Seminarraum neben der Kaffeek├╝che verhandelt wird, wir sind soweit, da├č die Kreation Islamophobie zum nicht hinterfragten wissenschaftlichen Begriff erhoben wird, Islamkritik ist demnach eine Krankheit, eine Phobie, wie der Bewerber ohne jeden Beleg f├╝r seine Aussage referiert. Die von ihm zitierten drei Deutungen erkl├Ąrt er f├╝r unrichtig, und ab dann wird´s wirklich finster, si tacuisses philosophus mansisses; denn nun entlarvt Prof. Dr. Micha Brumlik seine absolute Unkenntnis des Islams, des Korans, der Hadithe, der Scharia, des heute g├╝ltigen und gelebten Islams. Es ist nur noch peinlich.

Man h├Ârt aber, da├č Professor Moshe Zimmermann, nur einige Monate j├╝nger als der scheidende Leiter, im Rennen ist; ihn hat man noch nicht mit schwarzen Luftballons auf Pal├Ąstinenserdemonstrationen gesichtet, seine Ansichten ├╝ber den arabisch-israelischen Konflikt sind aber ebenso schwarz. (13)

Professor Moshe Zimmermann, der Leiter des Richard Koebner Minerva Center for German History an der Hebr├Ąischen Universit├Ąt Jerusalem, oft und gern gesehener Referent bei Sympathieveranstaltungen f├╝r die Pal├Ąstinenser, ist gegen eine Aufrechnung der beiden Fl├╝chtlingsprobleme und -anspr├╝che. In den letzten zehn Jahren greife man zur Aufrechnungstaktik, worunter man sich wohl eine Art Aufrechnungskeule ├á la Norman Finkelstein vorzustellen hat. Moshe Zimmermann bestreitet, da├č die Juden nach 1948 aus den arabischen Staaten vertrieben werden.

Er nennt den Krieg ab dem 15. Mai 1948, da die arabischen Staaten antreten, Israel im Keime zu ersticken, Krieg..., der in Israel Unabh├Ąngigkeitskrieg hei├čt. Er distanziert sich durch die Wortwahl von diesem Begriff; denn sonst h├Ątte er geschrieben "nach dem Unabh├Ąngigkeitskrieg". F├╝r ihn war es keiner. In der S├╝ddeutschen Zeitung, vom 30. Juli 2003, setzt er noch eins drauf, indem er eine "kontrafaktische Frage" einbringt: (14)

... ob diese Vertreibung stattgefunden h├Ątte, wenn der Staat Israel nicht gegr├╝ndet worden, wenn der Krieg zwischen Israel und arabischen Staaten ausgeblieben w├Ąre. W├Ąren Juden in arabischen L├Ąndern ohne eine aktive zionistische Intervention motiviert gewesen, Hab und Gut aufzugeben und auszuwandern? Die Debatte kann also nur angesichts des historischen Kontexts - der Gr├╝ndung des Staates Israel - sinnvoll gef├╝hrt werden.

Ein deutscher Spruch sagt dazu flockig: "H├Ątte der Hund nicht geschissen, h├Ątt┬┤ er ┬┤n Hasen gefangen!"

Ihm widme ich heute, nur f├╝r heute, dieses Gedicht und verbinde damit gleichzeitig den Wunsch, da├č man der Ehrlichkeit halber und ohne Umschweife Ibrahim El-Zayat zum neuen Direktor des ZfA k├╝ren m├Âge: (15)

Der Jude ist an allem schuld ...

Haust du den Juden eine rein,
muss es zitiert von Juden sein,
von Zimmer- und von Zuckermann,
dass niemand etwa sagen kann,
du h├Ąttest etwas gegen sie.
O, nein, es sind der Avnery,
der Chomsky und der Finkelstein,
die sehen l├Ąngst schon reuig ein:
der Jude ist an allem schuld.
Mit Seligmann hab noch Geduld!
Der muss erst seinen Hitler lesen,
dann wei├č auch er, wer es gewesenÔÇŽ

26. M├Ąrz 2009

Quellen

(1) Feindbild Muslim - Feindbild Jude, Wissenschaftliche Konferenz,
8. Dezember 2008
http://zfa.kgw.tu-berlin.de/feindbild_muslim_feindbild_islam .pdf

(2) TU Berlin. Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung. Kommentiertes
Vorlesungsverzeichnis. Sommersemester 2009. Konferenzen.
├ľffentliche Veranstaltungen M├Ąrz ÔÇö September 2009
http://zfa.kgw.tu-berlin.de/kvv/sose09.pdf

(3) Islamkritik in Deutschland. Irrationales Feindbild. Von Peter Widmann.
Der Text basiert auf einem Artikel im Jahrbuch 17 (2008) des ZfA
(erschienen im Metropol-Verlag, Berlin). Qantara 2009
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php?wc_c=468&wc_id= 1106

Criticism of Islam in Germany. Irrational Demonization. By Peter Widmann,
The text is based on an article that was published by Metropol-Verlag, Berlin,
in the ZfA┬┤s Jahrbuch 17 (2008). Qantara.de 2009
http://www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-476/_nr-110 9/i.html

(4) Henryk M. Broder: Der ewige Antisemit. Mit einem aktuellen Vorwort von
Henryk M. Broder. Berliner Taschenbuch Verlag, Juli 2005, S. 193 ff.
http://tinyurl.com/cp6vs4

(5) Thierry Chervel und Anja Seeliger (Hrsg.): Islam in Europa.
Eine internationale Debatte, Suhrkamp 2007
http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=12531&get=v orwort

Ulrike Ackermann: Lob der Dissidenz, Perlentaucher, 25. Februar 2007
http://www.perlentaucher.de/artikel/3717.html

(6) G├╝nther Jikeli: P├Ądagogische Arbeit gegen Antisemitismus bei
muslimischen Jugendlichen. Konferenz Antisemitismus und radikaler
Islamismus, 1./2. Dezember 2005, HSozUKult
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=4670

(7) TU Berlin. Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung. Kommentiertes
Vorlesungsverzeichnis. Sommersemester 2009. Konferenzen.

(8) Wer soll es sein? Von Henryk M. Broder, Achse des Guten, 24. M├Ąrz 2009
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wer_sol l_es_sein/

(9) Google-Bilder: "claudia karas" brumlik melzer oder nur "claudia karas"
Foto: Claudia Karas
555 x 416 - 49k - jpg
http://tinyurl.com/crlmoc

Was Micha Brumlik in seiner Freizeit so treibt, w├Ąhrend andere den Geburtstag des Staates Israel in der Paulskirche feiern... Honestly Concerned, 18. Mai 2008
http://tinyurl.com/cmeepv

(10) Coole Kids tragen kein Pali-Tuch. Quelle: Jung DemokratInnen / Junge Linke. Anti-Defamation Forum
http://adf-berlin.de/html_docs/berichte_deutschland/coole_ki ds.html

(11) Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Vergleichen hei├čt nicht gleichsetzen.
Darf man Antisemitismus und Islamophobie in einem Atemzug nennen?
Der Historiker Wolfgang Benz hat es getan und wurde deswegen schwer
angegangen. von MICHA BRUMLIK, Kritiknetz, 23. M├Ąrz 2009
http://www.kritiknetz.de/Antisemitismus_und_Islamfeindlichke it.pdf

(12) Der neue Benz beim Elchtest. Von Lizas Welt, 24. M├Ąrz 2009
http://www.lizaswelt.net/2009/03/der-neue-benz-beim-elchtest .html

Prof. Benz hat ein Problem. Von Henryk M. Broder,
Tagebuch der Achse des Guten, 9. Dezember 2008
http://tinyurl.com/6he3sb

(13) Moshe Zimmermann, Director, The Richard Koebner Minerva
Center for German History, Hebrew University of Jerusalem
http://koebner.huji.ac.il/zimmerm.asp

(14) Flucht und Vertreibung der Pal├Ąstinenser in deutschen Online-Medien.
Der Staat Israel erkl├Ąrt feierlich sein Bedauern ... 22. Oktober 2003
http://www.eussner.net/artikel_2008-02-10_03-57-59.html

In Deutschland wie in Nahost: Vertreibungen und Aufrechnung. Moshe Zimmermann, S├╝ddeutsche Zeitung, vom 30. Juli 2003 (Artikel nicht mehr online)

(15) Der Jude ist an allem schuld ...
http://www.henryk-broder.de/fremde_federn/eussner.html

Siehe auch:

Offener Brief an das Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung.
17. November 2008
http://www.eussner.net/artikel_2008-11-17_19-28-42.html

Feindbild Verbrecher - Feindbild Jude. 6. M├Ąrz 2009
http://www.eussner.net/artikel_2009-03-06_20-08-44.html

Wolfgang Benz auf meiner Site
http://tinyurl.com/cmhpzo


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2009-03-26_01-17-57.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 21.01.2017, 03:35 Uhr