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Das Ausw├Ąrtige Amt, der Reisepa├č und die S├╝tterlinschrift

Deutschland ist ein merkw├╝rdiges Land. W├Ąhrend die Eliten aus Politik, Beh├Ârden, Kirchen, Institutionen und Medien seit Jahrzehnten kaum eine Gelegenheit auslassen, sich unserer Kultur, Religion, Traditionen, ja sogar in Einzelf├Ąllen unserer Rechtsnormen zu entledigen, in dem sie in ihren Urteilen Komponenten der islamischen Scharia ber├╝cksichtigen, oder in dem Kirchenfunktion├Ąre behaupten, Gott und Allah w├Ąren dasselbe, n├Ąmlich "Gott" - mein Archiv ist voll davon, und die deutschsprachigen Blogs quellen ├╝ber, w├Ąhrend ihnen allen im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr heilig ist, pflegen sie an einer unvermuteten Stelle alte, seit 1941 vergessene Traditionen: sie lieben Omas S├╝tterlinschrift und ├╝berhaupt die deutsche Frakturschrift; ihre Liebe pflegen sie auf Kosten der im Ausland lebenden und/oder ins Ausland reisenden Deutschen.

Zur Geschichte der S├╝tterlinschrift, der deutschen gebrochenen Schreibschrift, liest man, da├č die im Auftrag des preu├čischen Kultusministeriums ab 1911 von dem deutschen Grafiker und P├Ądagogen Ludwig S├╝tterlin (1865-1917) vorgeschlagene und nach ihm benannte Schrift 1924 amtlich in Preu├čen und anschlie├čend in den anderen deutschen L├Ąndern eingef├╝hrt, 1935 zur "deutschen Volksschrift" erhoben, nach einer Entscheidung Adolf Hitlers, vom 3. Januar 1941, mit allen Frakturschriften in Deutschland zugunsten der Antiqua, der lateinischen "Normalschrift", verboten und nach dem Zweiten Weltkrieg v├Âllig abgeschafft wird. Sie ist heute zwar nicht verboten, aber die Kultusministerien der L├Ąnder r├Ąumen dieser Schrift keinen Platz im Lehrplan der Schulen ein, w├Ąhrend Araber, Chinesen, Griechen, Israelis, Russen und viele andere V├Âlker aus guten Gr├╝nden an ihrem ├╝berlieferten Kulturgut festhalten, schreibt Helmut Delbanco (Seite 9) im Absatz Fraktur des Kleinen Fraktur-Knigge von Gerda Delbanco. (1)

Auf der Site diaware.de wird man in Grundz├╝gen informiert ├╝ber die Geschichte der S├╝tterlinschrift, das Alphabet, ├╝ber Besonderheiten, und es gibt Leseproben. Bei diaware.de liest man nichts ├╝ber den Grund der Abschaffung der S├╝tterlinschrift. (2)

Schlumpf kommentiert auf dem Forum zur Ahnenforschung: Als man im Jahre 1941 dahinter kam, dass Herr S├╝tterlin eine j├╝dische Gro├čmutter hatte, verbot man diese Schrift. Im Originalerlass wird auch von den sog. "Schwabacher Judenlettern" geschrieben. Ich denke, den ganzen Wortlaut von 1941 kann ich mir sparen. (3)

Als "Schwabacher Judenlettern" bezeichnet Martin Bormann in dem von Adolf Hitler angeordneten Erla├č die im 15. Jahrhundert geschaffene Fraktur, die Bruchschrift. Er bedient sich einer Zweckl├╝ge; er nennt sie deshalb so, weil sonst ihre Abschaffung nicht durchzusetzen gewesen w├Ąre. Die Schrift ist nicht von Juden erfunden worden; denn diesen ist das Erwerben von Druckereien sowie das Arbeiten in einer Druckerei auf Grund der strengen Zunftgesetze verboten, informiert die Site Deutsche Schutzgebiete. Es ist sogar so, da├č j├╝dischen Verlagen vom Propagandaministerium am 30. Juli 1937 ihre Verwendung zum Druck von Publikationen untersagt wird. (4)

Mein erstes M├Ąrchenbuch der Gebr├╝der Grimm ist in dieser Schrift verfa├čt, so da├č ich noch vor der in den Schulen nach dem Zweiten Weltkrieg gelehrten Schrift diese lernen mu├č; denn zum Vorlesen gibt´s niemanden, es ist nicht wie heuer im ZDF, damals arbeiten die Menschen, schlagen sich durch und organisieren Lebensmittel auf dem Schwarzen Markt. Nach dem Krieg wird von vier- und f├╝nfj├Ąhrigen Kindern verlangt, da├č sie selbst lesen, oder nix is mit M├Ąrchen, offenbar eine Zumutung, der man heutzutage Erwachsene nicht aussetzen m├Âchte; denen verordnet das ZDF auf Kosten der Geb├╝hrenzahler "Vorleser", die keiner haben will. (5)

Die S├╝tterlinschrift, eine Sonderform der Bruchschrift, ist eine standardisierte Form von verschiedenen Kanzleischriften. Die Bruchschrift beschert den Deutschen das "├č", "sz" genannt, obgleich es sich bei den beiden verschmolzenen Buchstaben um zwei "s" handelt, das "lange" und das "runde s". Bei diaware.de gibt´s f├╝r die S├╝tterlinschrift Beispiele zum Gebrauch sowie Vorschl├Ąge der Schreibweise nach der Rechtschreibreform; Muster ist "dass", fr├╝her "da├č". (6)

Mit rund 1200 Beispielen informiert Langenscheidt im Jahr 1997 Zur Reform der deutschen Rechtschreibung. Die kleine Brosch├╝re kann einen nur ├Ąrgern, W├Ârter werden so verballhornt, da├č ihre Herkunft f├╝r junge Menschen, die es nicht anders wissen, nicht mehr nachzuvollziehen ist, "plazieren", vom franz├Âsischen placer=setzen, stellen, ├á sa place, an seinen Platz n├Ąmlich, wird zu "platzieren", ein deutsches Hauptwort wird wie ein Fremdwort konjugiert, "├╝berschwenglich", das von Schwengel stammt, der n├Ąmlich statt hin und her zu schwingen, ├╝berdreht wie eine Schiffschaukel auf der Kirmes, wird zu "├╝berschw├Ąnglich", von ├ťberschwang (der Gef├╝hle), der "Stukkateur" wird willk├╝rlich zum "Stuckateur", im Franz├Âsischen hei├čt er stucateur, der "Tip" wird einfach so zum "Tipp", "alleinseligmachend" wird sinnentstellt und verf├Ąlscht zu "allein selig machend", ebenso wie "alleinstehend", das einen anderen Sinn zugewiesen bekommt, n├Ąmlich "allein stehend"; man vergleiche einen einzelnen Baum und eine Person ohne Familie. Solche ├╝blen Scherze treibt auf Steuerzahlerkosten eine Kommission, die jahrelang dar├╝ber verhandelt.

Am schlimmsten haust diese Kommission mit dem "├č", mit den zwei "s" der deutschen Frakturschrift, einem ureigenen deutschen Buchstaben des kleinen (!) Alphabets. Aus dem "Ba├čs├Ąnger" wird der "Basss├Ąnger", dessen irrwitzige drei "s" die Frakturschrift nicht kennt; der "Mi├čerfolg" wird zum "Misserfolg", und man w├╝├čte gern, bei welcher Misswahl der Erfolg wohl eingetreten sein mag. Einige W├Ârter mit "├č" werden verschont, wie die "Bu├če", weil sie mi├čverst├Ąndlich zu "Busse" werden k├Ânnte, dem Plural von Autobus, Bus.

Was sonst noch verschont wird, das sind Eigennamen, "Eu├čner" beispielsweise. Das will ich aber auch gemeint haben, das "├č" mit seiner Kombination aus langem und rundem "s" signalisiert die Nahtstelle eines zusammengesetzten Wortes, wie Helmut Delbanco erkl├Ąrt. Die Reminiszenz in meinem Namen an die alte Schrift freut mich immer, die paar ├╝briggebliebenen, pardon, ├╝brig gebliebenen "├č" in der deutschen Sprache sehen aus wie eine sp├Ąte Wiedergutmachung an Ludwig S├╝tterlins j├╝dische Gro├čmutter, so eine Art Buchstabenstele, sinnlos und arbitr├Ąr wie die Stelen des Berliner Mahnmals. (1)

Dieser kleine Doppelbuchstabe ist im nicht-deutschsprachigen Ausland unbekannt, und so schickt man denjenigen Freunden dort, von denen man wei├č, da├č sie kein deutsches "Klavier" an ihrem Computer oder Ordinateur haben, die Nachrichten gereinigt, der Umlaut "├Ą" wird zu "ae", "├Â" zu "oe", "├╝" zu "ue", und "da├č" wird zu "dass", unterschrieben wird mit "Gudrun Eussner".

Das Ausw├Ąrtige Amt, dessen Minister gern ehemalige linksradikale Stra├čenk├Ąmpfer und Leiter einer "Putzgruppe" sein d├╝rfen, und dessen jetziger Amtsinhaber sich nicht scheut, gemeinsam mit seinem franz├Âsischen Kollegen und dem islamischen Ha├čs├Ąnger, pardon, Hasss├Ąnger Muhabbet (t├╝rkisch = Liebe, Freundschaft) zu rappen, also keine Kontaktscheu kennt, wenn es um das Hoff├Ąhigmachen von Muslimen geht, die unsere Kultur und die Werte der westlichen Demokratie verachten, dieses Au├čenministerium, das Visaerteilungen unterschiedslos an Zerst├Ârer unserer Kultur aus dem F├╝llhorn sch├╝ttet, was zur Visa-Aff├Ąre ausartet, dem man hat die Hoheit ├╝ber die Visa-Erteilung entziehen wollen, zwingt Deutsche, deren Reisep├Ąsse sie im Ausland eindeutig identifizieren sollen, das "├č" ihres Namens beizubehalten, die gute alte Tradition aus vergangenen Zeiten. (7)

Mein seinerzeit in einem Vorort von Berlin beantragter Reisepa├č gibt meinen Namen so wieder: EU├čNER, das hei├čt, das Ausw├Ąrtige Amt mogelt in die Buchstaben des gro├čen Alphabets einen des kleinen aus der Frakturschrift ein, anstatt diesen in seine bekannten Bestandteile zu zerlegen, in zwei kleine "s" der g├╝ltigen deutschen Schrift, und sie dann mit gro├čen Buchstaben zu schreiben. Nur ein deutsches Standesamt k├Ânne den Namen auf Antrag ├Ąndern, teilt mir ein Beamter der Passstelle (mit drei "s"!) des Konsulats mit. ├ähnliche Ausk├╝nfte erhalten Familienmitglieder dieses Namens von anderen Konsulaten. (8)

Deutsche Beh├Ârden d├╝rfen willk├╝rlich meinen Namen entstellen, sie schreiben einen Buchstaben des kleinen Alphabets einer von ihnen selbst abgeschafften Schrift in eine Reihe von Druckbuchstaben des gro├čen Alphabets, so da├č ich im Ausland "Eubner" hei├če, diejenigen, die Goethe-Institute im Ausland unterhalten, die deutsche Sprache und Kultur vermitteln, kennen nicht den Unterschied zwischen kleinen und gro├čen Buchstaben, vielleicht wissen sie auch gar nicht, da├č es sich beim "├č" um zwei "s" handelt. Sie interessieren sich nicht daf├╝r, wie es ihren Landsleuten mit dem verkr├╝ppelten Namen geht, da├č man an Pa├čkontrollstellen, an Ticketschaltern der Flugh├Ąfen und in europ├Ąischen Wahlb├╝ros zur Europa- und Kommunalwahl Erkl├Ąrungen abgeben mu├č zu dem Namengewirr, es sei denn, man reist in Israel ein, wo immer mindestens einer deutsch kann und von dem Buchstaben wei├č. Einem Familienmitglied wird mitgeteilt, man k├Ânne die deutschen Namen doch nicht den Gepflogenheiten eines jeden Landes anpassen. Dabei geht es doch wohl darum, P├Ąsse so auszustellen, da├č die Namen der Besitzer in allen L├Ąndern, in denen nicht die Amtssprache Deutsch gesprochen wird, zweifelsfrei erkannt werden k├Ânnen. F├╝r Fahndungen k├Ânnte Anweisung gegeben werden, da├č Familiennamen mit zwei "s" auch auf "├č" gepr├╝ft zu werden haben. In den Scannern an den Grenzkontrollstellen m├╝├čten P├Ąsse mit beiden Schreibweisen angenommen werden k├Ânnen. Solches geht ja sogar bei Google!

Die Gro├čz├╝gigkeit des Ausw├Ąrtigen Amtes reicht nicht bis zu den eigenen deutschst├Ąmmigen Landsleuten, wohl aber d├╝rfen Musliminnen mit deutscher Staatsb├╝rgerschaft f├╝r das Pa├čfoto ihr Kopftuch tragen, w├Ąhrend deutschen Frauen ein Foto nicht abgenommen wird, das nicht den ganzen Kopf plus einige Millimeter Hintergrund zeigt. Das Argument f├╝r die Gestattung des Kopftuches ist, da├č Nonnen sich ebenfalls in ihrer Tracht portr├Ątieren lassen d├╝rften. Nonnen aber sind in der Rubrik Kopfbedeckungen nicht abgebildet, wohl aber Musliminnen mit Niqab und Phantasie-Hijab, um zu demonstrieren, welche Fotos (noch) nicht gestattet sind. (9)

Den traditionsbewu├čten Beamten des Ausw├Ąrtigen Amtes, die einen Buchstaben aus der 1941 per Erla├č abgeschafften Frakturschrift in meinen f├╝r Auslandsaufenthalte wichtigen und allein g├╝ltigen Reisepa├č bringen, mir damit seit vielen Jahren Schwierigkeiten machen und mir jetzt raten, meinen Namen ├Ąndern zu lassen, widme ich den Eintrag von der Site Hundeblick ├╝ber einen Jordanier, der nicht mehr Hitler mit Vornamen hei├čen will und eine Namens├Ąnderung beantragt, die vom Mufti bef├╝rwortet wird, weil der Name nicht islamisch genug sei, versehen mit dem sch├Ânen Witz von Bertolt Brecht in meinem Kommentar: (10)

Zur Zeit des Dritten Reiches kommt ein Mann zum Standesamt und will seinen Namen ├Ąndern. Der Beamte sagt, das ginge nicht. Der Mann ist ganz verzweifelt, und der Beamte meint, die Gesetzeslage sei so, wenn er einen wirklich unzumutbaren Namen h├Ątte, k├Ânnte man den ├Ąndern: Wie hei├čen Sie denn? - Adolf Leckarsch. - Au weia, ja, also wirklich, das verstehe ich, wie wollen Sie stattdessen hei├čen? - Ich dachte an Franz Leckarsch ...

In diesem Sinne!

Dr. Gudrun Eu├čner
17./19. Juli 2009

Quellen

(1) Gerda Delbanco: Kleiner Fraktur-Knigge f├╝r den Umgang mit gebrochenen Schriften. Bund f├╝r Dt. Schrift und Sprache, 3. Aufl. 2001
http://www.e-welt.net/bfds_2003/veroeff/Knigge_digital.pdf

Deutsche Schreibschrift - Was ist das? Von Harald S├╝├č,
Bund f├╝r deutsche Schrift und Sprache e.V.
http://www.e-welt.net/bfds_2003/bund/schriftgeschichte2.htm

(2) S├╝tterlinschrift - Deutsche Schreibschrift, diaware.de
http://www.diaware.de/html/schrift.html

(3) [Tipp/Hilfe] S├╝tterlin: Darstellung des "langen s" und des "runden s"
http://forum.genealogy.net/forum/index.php?page=Thread&postI D=78078

(4) Deutsches Reich. Fraktur. Schwabacher Judenlettern und deutsche Schrift.
Die Deutschen Schutzgebiete
http://www.deutsche-schutzgebiete.de/fraktur.htm

Antiqua - Fraktur - Streit. Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit

(5) Premierensendung "Die Vorleser". Abgew├╝rgt aus dem Off.
Von Sandra Kegel, Faz.net, 11. Juli 2009
http://tinyurl.com/nu5aar

(6) Deutsches Reich. S├╝tterlin. Die Deutschen Schutzgebiete
http://www.deutsche-schutzgebiete.de/suetterlin.htm

Besonderheiten der S├╝tterlinschrift ..., diaware.de
http://www.diaware.de/html/schrift.html#besond

(7) Linke Gewalt. Bilder vom blutigen Samstag.
Von Ottmar Berbalk und Thomas Zorn, Focus 2/2001, 8. Januar 2001
http://tinyurl.com/mv6plw

Zettels Meckerecke: Aff├Ąre Steinmeier - Warum bellt der Hund nicht?
Zettels Raum, 15. November 2007
http://tinyurl.com/mkuanw

711 Angebote bei Google.de f├╝r Muhabbet Steinmeiner
http://tinyurl.com/l6q785

1110 Angebote bei Google.de f├╝r "Ausw├Ąrtiges Amt" Visa-Aff├Ąre
http://tinyurl.com/n43swf

(8) Passstelle. Deutsches Generalkonsulat Marseille
http://www.marseille.diplo.de/Vertretung/marseille/de/04/Pas sstelle.html

(9) Personaldokumente/elektronischer Reisepass - FAQ. ePass Fotomustertafel
http://tinyurl.com/36twqn

(10) Armer Hitler! Hundeblick, 5. November 2008
http://hundeblick.myblog.de/hundeblick/art/287641004/Armer-H itler-


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2009-07-17_23-11-40.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 21.01.2017, 10:20 Uhr