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Thilo Sarrazin. Michel Friedman und der Lumpenjournalismus

Zum besseren Verst├Ąndnis des von Michel Friedman praktizierten Journalismus kann ein Beispiel seines Kollegen, des ATTAC-Mitbegr├╝nders Daniel Mermet dienen, des in linken Kreisen beliebten France Inter Rundfunkjournalisten der Nachmittagssendung L├á-bas si j┬┤y suis ..., der keine Gelegenheit ausl├Ą├čt, sich in seinen Sendungen israel-feindlich und kritiklos pro-pal├Ąstinensisch zu ├Ąu├čern.

Im Oktober 1998 interviewt er den SS-Offizier und letzten KZ-Arzt von Auschwitz Hans M├╝nch (1911-2001), den er auf einen SPIEGEL-Bericht von 1998 hin gemeinsam mit seinem Dolmetscher Lew Bogdan pers├Ânlich in Ro├čhaupten im Allg├Ąu aufsucht, zu seiner T├Ątigkeit im KZ Auschwitz und zu seinen Ansichten ├╝ber Juden und Zigeuner. F├╝r die rassenhetzerischen ├äu├čerungen, die Hans M├╝nch in dem Interview tut, und die Daniel Mermet im Radio ausstrahlt, wird Hans M├╝nch 2001 verurteilt. Verantwortung ├╝bernimmt Daniel Mermet daf├╝r nicht. Die gesamte linke Szene leidet mit Daniel Mermet, der von j├╝dischen Vereinigungen der Aufhetzung zum Rassenha├č verklagt wird, weil er in seiner Sendung am Proze├čtag das Interview wiederholt; er sei von neuem Zielscheibe der Zionisten. (1)

Daniel Mermet scheint Gefallen an Nazis zu haben, oder wie kommt es, da├č er, der kein deutsch kann, auf Grund eines Artikels von Bruno Schirra, im Spiegel 40/1998, mit Dolmetscher eigens den KZ-Arzt aufsucht, um es aus seinem Munde noch einmal zu h├Âren, was der damals 87-j├Ąhrige an Dreck ├╝ber Juden und Zigeuner auszusch├╝tten hat? Inzwischen gibt´s in Zusammenarbeit mit dem Kommunisten Michel Warschawski und Lew Bogdan eine weitere Wiederholung, in der Hans M├╝nch seine menschenverachtenden Ansichten ├Ąu├čert, den deutschen Journalisten Bruno Schirra erw├Ąhnt er nicht namentlich, vielleicht hat er dessen Namen im Gegensatz zu dem des KZ-Arztes schon vergessen. (2)

Michel Friedman geht in seiner journalistischen Arbeit ├Ąhnlich vor wie Daniel Mermet, und darauf macht der 81-j├Ąhrige, in Berlin lebende j├╝dische Journalist Ivan Denes aufmerksam, der dem Michel Friedman zur Vorbereitung seiner Sendung ├╝ber Thilo Sarrazin ein Interview verweigert. Er erinnert an dessen zweist├╝ndiges Interview mit dem Neo-Nazi Horst Mahler. Den f├╝hrt er mit seinen Fragen ├Ąhnlich aufs Glatteis wie Daniel Mermet den Hans M├╝nch. Der Unterschied ist, da├č Michel Friedman nicht wartet, bis andere seinen Interviewpartner anzeigen, sondern er geht weiter und erledigt das gleich selbst. Horst Mahler begr├╝├čt seinen Gespr├Ąchspartner mit "Heil Hitler, Herr Friedman". Das nimmt dieser nicht zum Anla├č das Interview zu beenden, noch ehe es begonnen hat, sondern die Dem├╝tigung t├Ârnt ihn erst richtig an, er entlockt ihm weitere S├Ątze, in denen Horst Mahler ihn und die Juden beleidigt und die Judenvernichtung leugnet.

Sehr zur Freude aller Neo-Nazis ist das Interview bei YouTube anzusehen, die Kommentare dort sind entsprechend. Auch auf den Sites der Rechtsextremen, bei der NPD, dem Altermedia etc. wird es ausf├╝hrlich gew├╝rdigt. Michel Friedman bedient die rechtsextremen Bed├╝rfnisse und stilisiert sich selbst als Opfer: "Ich denke, das war gegen mich und meine Religion gerichtet", erkl├Ąrte der j├╝dische Publizist vor dem Prozess. (3)

Das Verhalten des Michel Friedman verst├Â├čt gegen nahezu alle Regeln des Journalismus. Es versteht sich, da├č jeder, der nur halbwegs Durchblick hat, einem solchen niemals ein Interview gibt, und da├č es sich f├╝r jedes MSM, das noch einen Ruf zu verlieren hat, verbietet, Michel Friedman als Journalisten zu besch├Ąftigen. So sagt denn auch Ivan Denes:

Wer als Interviewer auftritt, gibt sich als Journalist. Nun hat Michel Friedman in der Vergangenheit den Neonazi Horst Mahler um ein Interview gebeten. Ich finde Mahlers Positionen abscheulich. Aber er hat sein Recht auf eine eigene Meinung. Friedman musste wissen, mit wem er es zu tun und was er auf seine Fragen als Antwort zu erwarten hat. Trotzdem ist Friedman gleich nach dem Interview zur Staatsanwaltschaft gegangen und hat gegen Horst Mahler Anzeige erstattet. Ich finde, er hat sich damit f├╝r immer als Journalist disqualifiziert. Ein Interviewpartner ist f├╝r den Journalisten das, was f├╝r den Anwalt (was Friedman ebenfalls ist) der Mandant ist. (4)

W├Ąhrend sich ernstzunehmende MSM wie die Weltwoche mit dem Interview des Thilo Sarrazin verantwortungsvoll befassen, rechnet Michel Friedman mit der t├╝rkischen und arabischen Klientel anders ab, so wie mit Horst Mahler und so, wie Daniel Mermet es mit Hans M├╝nch h├Ąlt. (5)

Den Auftakt zur Infamie liest man in der Ank├╝ndigung des Senders N24; dort wird Michel Friedman zitiert: "Ich finde diese Explosionsrede von Herrn Sarrazin schlichtweg unertr├Ąglich und unverantwortlich! Nicht nur in der Form und in der Sprache, sondern auch die darin erhaltenen Gedanken halte ich f├╝r nicht tragbar und abscheulich." (6)

So eingestimmt titelt Politically Incorrect korrekt: Friedman: Sarrazins Worte sind abscheulich. In den Kommentaren # 1-183 sch├╝tten die PI-Leser vor der Sendung Abscheu und Wut ├╝ber Michel Friedman aus, danach geht´s richtig los mit den insgesamt mehr als 260 Kommentaren zur Sendung. (4)

Was macht frau? Sie schaut die halbst├╝ndige Sendung an, die Mitternachtsgeister anschlie├čend k├Ânnen sicherlich nicht gruseliger sein. Dann geht´s auch schon los, Michel Friedman raucht Wasserpfeife. Schwenk auf t├╝rkischst├Ąmmige Gem├╝severk├Ąufer. Die erste Frage versteht der erste Interviewte nicht, man mu├č sie ihm ├╝bersetzen. Ein anderer ├╝bernimmt, der deutsch versteht und spricht. Michel Friedman: Man sagt, da├č viele auf Hartz IV leben ... T├╝rken und Araber seien das gr├Â├čte Problem ... Was h├Ąlt (sic!) ihr von solchen Spr├╝chen? Er befragt getrennt muslimische Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler, dort trifft er einige, die ihre Schule lieben, aber best├Ątigen, da├č es viele gebe, die nicht lernwillig seien, er zitiert Bruchst├╝cke von allerlei Sarrazin-S├Ątzen, die Muslime (oder waren´s die Araber?) machten die Schulen kaputt, h├Ątte der gesagt, er wedelt bei den Interviewpartnern mit einigen gro├čbuchstabig beschrifteten Papieren mit Sarrazin-Zitaten. Wie ist´s mit dem Arbeiten bei muslimischen Frauen, d├╝rfen sie? Eine junge Frau mit rotem Kopftuch erkl├Ąrt, da├č sie in der Regel nicht arbeiten d├╝rften, Michel Friedman setzt nach, das sei aber nicht der Religion geschuldet, sondern der Tradition? Eine junge Frau antwortet, sie brauche das Geld, das sie hier verdiene, in der T├╝rkei bekomme ich nicht so viel wie hier. Die Interviewten gehen ihm, wie anscheinend in alter Vorsicht, Friedman! Manier vorgesehen, auf den Leim.

Ausf├╝hrlich interviewt er inm├ştn dr├şnen einen ├Ąlteren deutschen Herrn, der vieles in Einzelheiten darstellt, was die origin├Ąr Deutschen umtreibt, T├╝rken schauten einen nicht an, wenn man sie gr├╝├če, man s├Ąhe ihr Gesicht nicht, sie selbst gr├╝├čten nicht, sie blieben immer f├╝r sich, die Integration sei noch weit. Es m├╝sse sicherlich von beiden Seiten noch viel getan werden.

Michel Friedman bringt die "vielen Kopftuchm├Ądchen" des Thilo Sarrazin ins Gespr├Ąch, die interviewten Frauen best├Ątigen, da├č das stimmt mit der hohen Geburtenrate. Derweil werden in der Sendung Szenen gezeigt mit zahlreichen muslimischen M├╝ttern, ihre Kinderwagen schiebend. Ein interviewter Mann meint, das Problem sei, da├č Deutsche zu wenig Kinder bek├Ąmen. Bingo!

Werden muslimische Frauen unterdr├╝ckt? Eine Frau antwortet: Heute nicht mehr. Doch, widerspricht eine andere. Eine Frau, die sich wohlf├╝hlt an ihrer Arbeitsstelle, berichtet, da├č sie ganz frei entscheide. - Ist ihr Mann einverstanden? - Ich habe mich radikal von meinem Ehemann getrennt, ich bin geschieden. Vorher sei sie zu Hause gewesen, als Hausfrau. - Wollten sie das? - Nein, ich sollte. Auf die Frage, was sie an der Mehrheitsgesellschaft kritisiere, antwortet eine andere Frau, sie sei in ihr nicht angekommen. Sie h├Ątte aber einen Mann (gehabt?), der sie habe abends ausgehen lassen (sic!).

Ob man das Problem l├Âsen k├Ânne, wenn man so emotionalisiere wie Thilo Sarrazin, geht´s weiter, was sei mit der Gleichberechtigung der Frauen, ob es Parallelgesellschaften gebe usw. Dann kommt er zu einigen M├Ąnnern, keine Frau dabei, anscheinend auch ein deutschst├Ąmmiger Sozialarbeiter unter ihnen. Er befragt einen der M├Ąnner und ein Schwall unverst├Ąndlicher S├Ątze in schlechtestem Deutsch kommt ├╝ber die N24-Zuschauer. Es folgt die alte Leier, da├č die Immigranten vom Staat im Stich gelassen w├╝rden, dann wird eine sehr modern gekleidete Frau in ihrem exotisch t├╝rkischen Ambiente aufgesucht und zum Tanzen von Frauen in der Disco befragt, M├Ąnner und Frauen seien doch nach dem Grundgesetz gleichberechtigt. Die Frau antwortet etwas, das so ├Ąhnlich lautet wie von Islamisten darf man nicht fordern, ihre ganze Kultur zu ├Ąndern.

Michel Friedman kommt zu seinen Interviewpartnern als angeblicher Gegner der ├äu├čerungen des Thilo Sarrazin, er raucht mit ihnen Wasserpfeife, er spielt den Freund. Dabei stellt er seine muslimischen Interviewpartner blo├č und macht sie l├Ącherlich. Sie selbst beweisen mit ihren Antworten, da├č Thilo Sarrazin Recht hat. Bis zu strafbaren ├äu├čerungen wie bei Horst Mahler manipuliert er sie nicht, das ist in diesem Fall auch nicht angesagt, Straftaten von Muslimen gibt es t├Ąglich in unserer Gesellschaft, hervorkitzeln mu├č man nichts, ein jeder braucht die Fragen und Antworten wie beim Sarrazin-Interview nur mit seinen eigenen Erfahrungen abzugleichen.

Im Interview ist auch Erik Lehnert, der sich selbst als gelernten Sezessionisten bezeichnet, und der davon auszugehen scheint, da├č Michel Friedman das bei seiner Einladung nicht gewu├čt hat. Dr. Erik Lehnert ist Mitherausgeber der Zeitschrift Sezession, informiert Politically Incorrect. Das h├Ątte Michel Friedman nicht gewu├čt? Er unterstellt weiterhin, da├č Michel Friedman das Interview des Thilo Sarrazin vermutlich nur in Form der Skandalzitate aus der BILD gekannt habe. Ja, geht´s noch? Den Erik Lehnert benutzt Michel Friedman genauso wie seine muslimischen Gespr├Ąchspartner, keiner von ihnen hat die Rolle verstanden, die Michel Friedman ihm zubilligt. Woran das im Fall von Erik Lehnert zu erkennen ist? An dessen Einsch├Ątzung der Sendung:

Ich mu├č allerdings sagen, da├č die Gespr├Ąchsfetzen recht fair zusammengeschnitten sind. Da├č ich das Schlu├čwort habe, finde ich auch nicht schlecht. Insgesamt ist die Sendung, wenn man bedenkt, da├č Friedman Sarrazin als ressentimentgeladenen Dummkopf darstellen wollte, nach hinten losgegangen.

Die einzigen beiden Deutschen, die inteviewt werden, haben keine Glatze und geifern auch nicht. Und die Ausl├Ąnder, die sich Friedman vornimmt, sind entweder nicht integriert (gleich die erste Frage Friedmans belegt das sch├Ân), sind als Frauen der lebende Beweis, da├č es mit der Integration hapert, ereifern sich ├╝ber die b├Âsen kulturalistischen Deutschen oder wollen Sarrazin "plattmachen", wenn er mal an ihre Schule kommt. Wiederum das ├ťbliche also, aber gerade deshalb: bizarr. (7)

So untersch├Ątzen sie alle gemeinsam den Michel Friedman und seine lumpige Art, sich ├╝ber die anderen Menschen zu erheben, mit ihnen zu spielen, sie zu benutzen. Seine Absicht ist nicht nach hinten losgegangen. Nirgends ist Michel Friedman gegen die ├äu├čerungen des Thilo Sarrazin, in keinem Punkt. Er entlockt seinen Gespr├Ąchspartnern, die ihm weder intellektuell noch sprachlich gewachsen sind, die Beweise der Richtigkeit dessen, was Thilo Sarrazin in Klasse statt Masse ├Ąu├čert. Das scheint er als seinen kleinen privaten Triumph zu genie├čen.

Ich nenne das Lumpenjournalismus.

22. Oktober 2009

Quellen

(1) Daniel Mermet est à nouveau la cible des sionistes ! LCR 2003
http://pagesperso-orange.fr/lcr07/act0203.htm#mermet

Hans M├╝nch. By Shlomo Rotter, Jewish Virtual Library
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Holocaust/Munch. html

(2) Die Erinnerung der T├Ąter. Von Bruno Schirra, Spiegel Heft 40/1998,
28. September 1998, S. 90
http://tinyurl.com/yfs9hoq

Hans Munch. Propos recueillis par Daniel Mermet. Audio.
Là-bas si j´y suis ..., 26 janvier 2005, Interviewbeginn bei Minute 24:00
http://tinyurl.com/ylsbts2

Michel Warschawski in meinem Archiv
http://tinyurl.com/yjjrqxs

(3) So spricht man mit Nazis (1). Teil 1 des ungek├╝rzten Vanity Fair- Interviews
von Autor Michel Friedman mit Deutschlands Chef-Nazi Horst Mahler,
11. September 2007. Teil 2 ist dort verlinkt.
http://tinyurl.com/5ln8yy

Michel Friedman zeigte Rechtsextremen an.
10 Monate Haft f├╝r NPD-Anwalt Horst Mahler. BILD.de, 28. April 2008
http://tinyurl.com/yffzmju

(4) Friedman: Sarrazins Worte sind abscheulich. Politically Incorrect,
21. Oktober 2009, ab Kommentar # 184
http://www.pi-news.net/2009/10/friedman-sarrazins-worte-sind -abscheulich/

(5) Thilo Sarrazin im Gespr├Ąch. Klasse statt Masse. Lettre International,
Heft 86/2009, S. 197 - 201
http://www.pi-news.net/wp/uploads/2009/10/sarrazin_interview 1.pdf

Thilo Sarrazin in meinem Archiv
http://tinyurl.com/yjcdmmv

Thilo Sarrazin. "Was man sich leisten kann". Von Ren├ę L├╝chinger,
Weltwoche 43/2009, 21. Oktober 2009
http://tinyurl.com/yzhkpcr

"In Sachen Redefreiheit bewegen wir uns in die falsche Richtung".
Video-Kommentar. Von Roger K├Âppel, Weltwoche, 19. Oktober 2009
http://tinyurl.com/yjz539y

(6) Friedman ├╝ber "Sarrazins Berlin". Ein Besuch in der Realit├Ąt. Video.
Friedman schaut hin, N24, 21. Oktober 2009
http://www.n24.de/news/newsitem_5525699.html?id=674060&autop lay=true

(7) Erik Lehnert zu Gast bei Friedman schaut hin. Politically Incorrect,
22. Oktober 2009
http://www.pi-news.net/2009/10/erik-lehnert-zu-gast-bei-frie dman-schaut-hin/


Quelle: http://www.eussner.net/artikel_2009-10-22_20-10-49.html
Copyright © by Gudrun Eussner | 30.03.2017, 06:39 Uhr